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Transphobie

gegen transidente, transgender oder transsexuelle Personen gerichtete Vorurteile, Ekel, Aggressionen oder Angst

Transphobie (von lateinisch trans ‚jenseitig, darüber hinaus‘ und altgriechisch φόβος phóbos ‚Angst, Furcht, Schrecken‘; auch Transfeindlichkeit oder Cissexismus[1]) bezeichnet gegen transidente, transgender und transsexuelle (zusammengefasst auch: trans*) Personen gerichtete Vorurteile, Ekel, Aggressionen oder irrationale Angst vor ihnen, ihren Lebensweisen und dem Ausdruck ihrer Geschlechtsidentitäten sowie ihre gesellschaftliche Diskriminierung.

Transphobie drückt sich aus durch Infragestellen oder Aberkennen der Geschlechtsidentität, sprachliche Unsichtbarmachung, psychische und körperliche Gewalt[2][3] bis hin zum Mord. Opfer von transphoben Verbrechen sind z. B. Brandon Teena, Gwen Araujo, Angie Zapata, Nizah Morris und Lauren Harries.[4][5] In öffentlichen Debatten kommt transfeindliche Gewalt allerdings kaum bzw. gar nicht vor.[6] Es gibt einen starken Zusammenhang zur Homophobie. Beide Phobien haben die Angst vor der Abweichung von den Normen des körperlichen und sozialen Geschlechts von Mann oder Frau zum Inhalt. Viele Formen von Transidentität stellen die herrschende Zwei-Geschlechter-Ordnung in Frage. Darauf reagieren Menschen oft mit Abwehr.[7]

Inhaltsverzeichnis

BegriffsgeschichteBearbeiten

Das Wort für Transphobie entstand in den 1990er Jahren als Abwandlung des Wortes für Homophobie (Abneigung gegen Homosexualität).[8]

Das Wort Transphobie besteht aus zwei Teilen:

  • Die Vorsilbe trans- (lateinisch für „jenseits“) bezieht sich auf Trans*-Geschlechtlichkeit. Als trans*-geschlechtlich verstehen sich viele Menschen, deren Geschlechtsrollen-Verhalten oder Geschlechtsidentitäts-Erleben nicht mit ihrer zugewiesenen Geschlechtsrolle und Geschlechtsidentität zusammenfällt. Zugewiesen ist, was gesellschaftlich aufgrund körperlicher Merkmale von einem Menschen erwartet wird. (Beispiel: Bei der Geburt eines Menschen wird ausgerufen: „Es ist ein Mädchen“, denn das Kind hat eine Vulva. Der Mensch empfindet und lebt jedoch später als Mann.)
  • Die Endung in -phobie (griechisch phóbos für „Angst, Furcht“) stammt aus der Psychiatrie und bezeichnet dort eine ausgeprägte Angst, die als unbegründet oder krankhaft angesehen wird.[8] Gemeint ist damit die Abneigung gegen Trans*-Geschlechtlichkeit.

Mit dem Wort Transphobie wird eine Wendung vorgenommen: Ursprünglich haben Forscher versucht herauszufinden, warum Menschen trans* sind und wie man sie an die zweigeschlechtliche Norm angleichen könne. Dem zuwider wird unter dem Stichwort Transphobie untersucht, warum Menschen ablehnend und gewaltvoll gegen Trans*-Geschlechtlichkeit sind.[8]

Transphobie im zwischenmenschlichen BereichBearbeiten

Transphob motiviert waren und sind eine beträchtliche Anzahl an Morden und gewaltsamen Übergriffen gegenüber Transpersonen.[9] Aspekte von Transphobie sind dagegen aber auch, transgender und transsexuelle Menschen nicht für sich selbst sprechen zu lassen, ihr Geschlecht zu ignorieren, sie nach ihrem Coming-out weiter mit ihrem alten, gegebenen Vornamen und dem entsprechend falschen Pronomen anzusprechen oder die Person ohne Berücksichtigung ihrer Selbstdefinition als heterosexuell zu lesen. Auch wird transsexuellen und transgender Menschen mit Voyeurismus begegnet, ihnen wird die selbstgewählte Identität (transgender) oder ihre geschlechtliche Normvariation (transsexuell) abgesprochen, und sie werden mit Fremdzuschreibungen überhäuft. Transphobie bedeutet auch, dass nicht-transgender und nicht-transsexuelle Menschen meinen, über das Authentisch-Sein von transsexuellen und transgender Menschen urteilen zu können.[7]

Problematisch ist außerdem, dass die Geschlechtsidentität oft als weitere sexuelle Orientierung neben schwul, lesbisch und bisexuell missverstanden wird, was der Selbstwahrnehmung von transsexuellen und transgender Menschen nicht entsprechen muss. Ebenso problematisch ist, wenn transsexuelle und transgender Menschen zu „Vorreitern“ bei der Auflösung von Geschlechterkategorien im Sinne des Postgenderansatzes stilisiert werden, denn für gesellschaftliche Veränderungen von Geschlechterbildern sind Menschen aller Geschlechtsidentitäten verantwortlich. Als transphob gilt auch der Vorwurf an transsexuelle und/oder transgender Menschen, sie würden traditionelle Geschlechterstereotypen verstärken, indem sie sich durch Operationen „an die Norm“ anpassten.[7]

Transphobie kann auch durch transgender oder transsexuelle Menschen ausgeübt werden.[10] Einige transsexuelle Menschen bzw. Gruppen transsexueller Menschen kritisieren das Konzept queer, weil sie sich durch die Bezeichnung Transgender, trans*, queer oder LGBTI nicht vertreten bzw. davon vereinnahmt fühlen und daher ihre Sichtbarkeit sowie ihre Interessen bedroht sehen.[11][12] Das ist eine Kritik, wie sie ähnlich von einer Initiative intergeschlechtlicher Menschen sowohl gegenüber LGBTI, queer als auch gegenüber der transsexuellen Community formuliert wird.[13] Für einige Menschen ist an dieser Stelle der Unterschied zwischen Transgender und Transsexuell als Identitätsbezeichnung deshalb sehr wichtig. Transgender sind Menschen, die sich mit ihrem zugewiesenen Geschlecht falsch oder unzureichend beschrieben fühlen oder auch jede Form der Geschlechtszuweisung bzw. -kategorisierung grundsätzlich ablehnen. Transsexuelle Menschen dagegen ordnen sich biologisch eindeutig einem Geschlecht zu, empfinden sich selbst aber als einem anderen Geschlecht zugehörig. Für andere Trans-Personen bzw. oder transsexuelle Menschen ist diese Abgrenzung nicht so relevant, ihnen ist wichtiger, Teil einer größeren Community von Menschen mit ähnlichen Interessen zu sein. Sie fühlen sich in dieser Hinsicht nicht vereinnahmt und/oder sehen sich jenseits von „Schubladendenken“.[14][15][16][17]

Strukturelle Transphobie als gesellschaftliches ProblemBearbeiten

Transphobie ist nicht nur ein zwischenmenschliches, sondern ein gesamtgesellschaftliches bzw. strukturelles und institutionelles Problem: Darstellungen von transsexuellen und transgender Menschen werden in unserer Kultur exotisiert, fetischisiert und skandalisiert.[18] Gravierend sind die extremen biopolitischen Sanktionen, die Transsexuelle oder Transgender darin beeinträchtigen, gemäß ihrem eigentlichen Geschlecht zu leben. Die Pathologisierung und Psychiatrisierung von transsexuellen Menschen per Gesetz sind als institutionalisierte Transphobie zu bewerten.

Transphobie in Psychologie, Psychiatrie und GesundheitswesenBearbeiten

Transsexualität ist per Gesetz (Transsexuellengesetz) und im ICD 10 (F 64.0) bzw. im DSM 4 als psychische Krankheit definiert. Transsexuelle Menschen und transgender Personen gelten entgegen ihrer Selbstdefinition als „geschlechtsidentitätsgestörte Frau oder Mann“ und damit als kranke, behandlungsbedürftige Menschen. Ihnen wird also vom Staat nicht zugestanden, ihre Geschlechtsidentität autonom selbst zu bestimmen, Experten ihres eigenen Zustandes zu sein.[19]

Exemplarisch für einen veralteten und transphoben Umgang mit transsexuellen Menschen und transgender Personen in Medizin bzw. staatlichen Fürsorgeinstitutionen ist der Fall Alexandra.[20] Infolge des Bekanntwerdens dieses Falls formierte sich ein Aktionsbündnis von Trans-Aktivisten, das eine Demonstration zur Unterstützung der betroffenen Personen und zur Sichtbarmachung von struktureller Transphobie organisierte.[21]

Transphobie im RechtswesenBearbeiten

Zur Personenstandsänderung, also der Änderung des Geschlechtseintrags, brauchen transsexuelle Menschen zwei Gutachten von zwei unabhängigen Gutachtern, die aufgrund ihrer Ausbildung und beruflichen Erfahrung mit Transsexualität ausreichend vertraut sind.[6][19]

Das Transsexuellengesetz gibt es momentan nicht in einer gültigen Fassung. Das Bundesverfassungsgericht bewertete 2011 die alte transphobe Fassung als rechtswidrig, weil sie gegen das Recht auf körperliche Unversehrtheit verstößt. Personenstandsänderungen wurden dort nur erlaubt, wenn die betreffenden Personen durch sogenannte geschlechtsangleichende Operationen ihre äußeren Geschlechtsmerkmale operativ verändern ließen, sowie zeugungs- und gebärunfähig gemacht wurden. Heute gibt es an dieser Stelle zumindest ein Problembewusstsein, wenn auch das Ende der staatlichen Transphobie und der Pathologisierung von transsexuellen Menschen noch nicht in Sicht ist.[7][22][23]

Transphobie in den MedienBearbeiten

Weiterhin werden von den Medien häufig transphobe Vorstellungen transportiert, zum Beispiel in einem Beitrag von Arno Frank in der taz über den Transmann Thomas Beatie vom 2. Juli 2008. Frank hatte etwa über ihn geschrieben, er sei „kein Mann, sondern eine schrecklich verstümmelte Frau“.[24] In diesem Fall ist zum ersten Mal der Deutsche Presserat wegen diskriminierender und dem Pressekodex zuwiderlaufender Berichterstattung über transsexuelle und transgender Menschen eingeschritten, nachdem sich in sozialen Netzwerken und unter den Lesern der taz Protest formiert hatte. TransInterQueer meinte dazu: „Da fiel es einem Journalisten besonders schwer, geschlechtliche Vielfalt wahrzunehmen und professionell abzubilden.“[6] Transphobie kann sich allerdings auch subtiler darstellen, etwa in der Aberkennung bzw. Nichtanerkennung der eigenen Geschlechtsidentität und somit in einer konsequent falschen Benutzung der Personalpronomen (zum Beispiel „er“ statt „sie“).[25]

Unter dem Begriff Transface (analog zu Blackface) wird der Einsatz von Cisgender-Schauspieler(inne)n in Spielfilmen gefasst, die in Rollen eingesetzt werden, die Transgender oder Transsexuelle darstellen sollen.[26]

Unsichtbarkeit der Diskriminierung von transsexuellen und transgender Menschen in der GesellschaftBearbeiten

Im Jahr 2008 veröffentlichte die Antidiskriminierungsstelle des Bundes die von ihr in Auftrag gegebene Fallstudie zur Wahrnehmung von Diskriminierung und Antidiskriminierungspolitik in unserer Gesellschaft.[27] Die Zahlen dieser Studie sind die einzigen offiziellen Zahlen, die es zum Thema Transphobie in Deutschland gibt.

Die Studie kommt dabei zu dem Schluss: „Das Thema Diskriminierung und die Gleichbehandlung bzw. die Förderung benachteiligter Gruppen in unserer Gesellschaft brennen der Mehrheit der Deutschen nicht wirklich auf den Nägeln. Die Aufmerksamkeit gegenüber dem Thema [… ist] eher gering.“[28] „Verbreitet ist eine Haltung des ‚Jeder ist sich selbst der Nächste‘, […] Lediglich 15 Prozent der Bevölkerung können als harter Kern der Gleichbehandlungsbefürworter gelten. Das sind diejenigen, die die Aussage ‚Antidiskriminierungspolitik halte ich für überflüssig‘ entschieden ablehnen (insgesamt 40 Prozent stimmen der Aussage zu).“[29]

71 % der Befragten bejahten, dass für transsexuelle Menschen nichts oder weniger getan werden solle. 5 % waren der Ansicht, für transsexuelle Menschen solle viel mehr getan werden.[30] 49 % geben an, keine Diskriminierung transsexueller Menschen erkennen zu können. 15 % der Bevölkerung sehen eine starke oder sehr starke Diskriminierung.[31] 45 % haben kein Verständnis für transsexuelle Menschen (40 % der Frauen, 50 % der Männer).[32]

MehrfachdiskriminierungenBearbeiten

Nichtweiße und materiell weniger begüterte transsexuelle Menschen oder transgender Personen erleben in unserer Gesellschaft oft Mehrfachdiskriminierung im Sinn der Intersektionalität und damit verbundene vielfältigere Unsichtbarmachung und Ausgrenzung.[7][33]

Transphobie in radikalfeministischen, schwul-lesbischen bzw. queeren ZusammenhängenBearbeiten

Frauen, wie die Transfrau Sandy Stone, erfuhren Transphobie in den 1970er Jahren in feministischen, lesbischen und schwulen Zusammenhängen.[34] Die „Lesbian Organization of Toronto“ entschied sich z. B. offen dafür, Transfrauen aus ihrer Gruppe auszuschließen. Grundlage dafür waren damals vorherrschende essentialistische Geschlechterrollenbilder. Eine Transition von weiblich nach männlich könne demnach als „Verrat“ an der Weiblichkeit, als Wechsel auf die „Täterseite“ empfunden werden. Als eine transphobe Publikation ist in diesem Zusammenhang The Transsexual Empire der Feministin Janice Raymond zu nennen. Sie schreibt z.B.: „All transsexuals rape women's bodies by reducing the real female form to an artifact, appropriating this body for themselves…“ (dt. „Alle Transsexuellen vergewaltigen weibliche Körper, indem sie die reale weibliche Gestalt auf einen Artefakt, auf ein vom Menschen geschaffenes Objekt reduzieren, um sich dieses anzueignen…“)[35] Lesbisch sozialisierte Transmänner wurden z.B. nach ihrer Transition aus lesbischen Gruppen ausgeschlossen und waren möglicherweise gleichzeitig in der schwulen Community nicht akzeptiert.[7] Solche Ausschlüsse werden heute häufig dadurch relativiert, dass sie durchaus auch aus einem Bedürfnis nach klar definierten Schutzräumen resultieren.

Seit Beginn der 1990er Jahre entwickelte sich unter dem Einfluss der Queer Theory eine starke Unterstützung von feministischer Seite für transgender Personen. Queere Communities rückten von essentialistischen Geschlechterrollenbildern ab und gaben transgender Personen ideologischen und politischen Rückhalt. Unter das Label Queer konnten sich Menschen durch eigene Entscheidung begeben, die alle möglichen sexuellen Identitäten und Formen von Begehren jenseits der Heteronormativität leben. Das schließt Trans*menschen jeglichen Geschlechts und Begehrens ein. Offenheit, Verständnis, Akzeptanz und Respekt für sowie die Sichtbarkeit von Trans*menschen sind dadurch gewachsen.

Strategien gegen TransphobieBearbeiten

Selbsthilfestrukturen und privates UmfeldBearbeiten

Hilfreich zur Bewältigung transphober Übergriffe sind geschützte Räume von und für transsexuelle Menschen und transgender Personen im Sinn des Empowerments. Das sind Orte, wo ihre Identität und ihr Selbstausdruck selbstverständlich akzeptiert sind. Dort kommen sie in Kontakt zu Menschen mit ähnlichen Erfahrungen und bekommen Unterstützung.[7]

Jannik Franzen vom Berliner TransInterQueer e.V. empfiehlt folgende Strategien zur Reduzierung von Transphobie für Cisgender-Menschen:

  • offen dafür sein, nicht zu wissen, welches Geschlecht ein Mensch hat bzw. wie sie/er sich definiert
  • Menschen fragen, mit welchem Namen und Pronomen sie angesprochen werden möchten
  • diese Selbstdefinitionen respektieren
  • sich mit dem Begriff trans* beschäftigen, die vielen verschiedenen Identitäten, die möglich sind, mitdenken
  • Mehrfachzugehörigkeiten mitdenken, z.B. zu People of Colour und Menschen mit sog. Behinderungen
  • falls Neugier aufkommt, die Grenzen der Trans*person respektieren (Fragen nach Körper oder Operationen - Überlegung, ob ähnliche Fragen Nicht-Trans*Personen gestellt werden würden)
  • eigene Bilder von Geschlecht hinterfragen
  • Zweigeschlechtlichkeit hinterfragen
  • Raumpolitiken entsprechend überdenken[7]

Der Autor Matt Kailey stellte für Menschen, die sich im zwischenmenschlichen Umgang mit Transpersonen unsicher sind, zehn unpassende Fragen und eine kleine Trans Etiquette for Non-Trans People zusammen und begründet seine Empfehlungen. Unter diesen unpassenden Fragen sind z.B. solche nach Operationen, nach Passing, nach Sexualität, nach Geschlechtsidentität, nach Erfahrungen mit Transphobie. Seine Forderungen beziehen sich u.a. darauf, Trans-Personen als solche nicht zu outen, den korrekten Namen und das korrekte Pronomen zu verwenden, nur dann persönliche Fragen zu stellen, wenn man dazu eingeladen wird, die Person nicht zu berühren, die Person so respektvoll zu behandeln, wie man auch andere Menschen behandeln würde.[36][37]

Politische ForderungenBearbeiten

Weiterhin stellen transsexuelle Menschen und transgender Personen folgende politische Forderungen zur Reform des Transsexuellengesetzes:

  • Abschaffung der Begutachtung und des gerichtlichen Verfahrens - Recht auf Selbstbestimmung
  • statt des gerichtlichen Verfahrens Änderung des Vornamens und des Personenstandes auf Antrag bei der für das Personenstandswesen zuständigen Behörde
  • Ausbau des Offenbarungsverbots; Einbeziehung in das Ordnungswidrigkeitenrecht;
  • rechtliche Absicherung der Leistungspflicht der Krankenkassen
  • u. a. rechtliche Regelungen[23]

Herstellung der Sichtbarkeit von TransphobieBearbeiten

Im Jahr 2009 hat das Komitee von IDAHO (Internationaler Tag gegen Homophobie und Transphobie am 17. Mai), eine Kampagne zum Thema Geschlechtsidentität durchgeführt. Das Motto lautete „Transphobie ablehnen, Respekt vor der geschlechtlichen Identität“. Dem Aufruf folgten 300 Verbände aus 75 Ländern. Zu den bekanntesten Unterzeichnern zählen der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit, Judith Butler, der ehemalige Präsident der EG-Kommission Jacques Delors sowie Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Zu den Hauptforderungen gehörte auch der Appell an die Vereinten Nationen, die Menschenrechtsverletzungen zu prüfen, die transsexuelle Menschen und transgender Personen weltweit erleiden müssen, und Maßnahmen zu ergreifen, die diese Missbräuche beenden.[38]

Seit 1998 gibt es den Transgenialen CSD in Berlin, der sich als politische Alternative zum kommerziellen Christopher Street Day versteht. Bei dieser Pride Parade sollen nicht nur die schwul-lesbischen Interessen, sondern gleichermaßen die Interessen der transsexuellen Menschen und transgender Personen, der Intergeschlechtlichen Menschen und der zusätzlich durch Rassismus mehrfach diskriminierten Menschen (re)präsentiert werden. Im Jahr 2010 erfuhr der Trans*geniale CSD mit etwa 5000 Teilnehmern großen Zulauf,[39] was auch auf die eine Woche zuvor von Judith Butler ausgelöste Rassimus-Kontroverse zurückgeführt wird. Im Zuge dessen hat sie den Zivilcouragepreis des CSD Berlin abgelehnt.[40] Im Jahr 2010 war auch die weltweite Kampagne „Stopp Trans-Pathologisierung 2012“ auf dem Transgenialen CSD vertreten, die sich für die Entpathologisierung von Trans*Identitäten und deren Streichung aus den Krankheitskatalogen (DSM und ICD) einsetzt.[41]

Am 20. November wird jährlich der Transgender Day of Remembrance (TDoR) begangen. An diesem Tag wird der Todesopfer durch Transphobie gedacht. Die Namen der im vergangenen Jahr im Rahmen von transphoben Hassverbrechen getöteten Menschen werden laut verlesen.[42][43] Der Transgender Day of Remembrance wurde 1998 von der Grafik-Designerin, Journalistin und Aktivistin Gwendolyn Ann Smith begründet, um an den Mord an Rita Hester in Allston (Massachusetts, USA) zu erinnern und um generell Transphobie und transphobe Morde weltweit öffentlich zu machen.[44][45][46]

Kritische Reflexion von Transphobie in Medien, Öffentlichkeit und KunstBearbeiten

Transphobie wird auch medial kritisch reflektiert. Ein Beispiel ist der Film Boys Don't Cry, der den transphoben Mord an Brandon Teena darstellt. Teena wurde 1993 von einigen seiner Freunde vergewaltigt und ermordet, nachdem diese herausgefunden hatten, dass er als Transmann weibliche körperliche Geschlechtsmerkmale hat. Die Geschichte wurde außerdem als Theaterstück adaptiert.[47][48]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Berthold Bodo Flaig: Diskriminierung im Alltag, Wahrnehmung von Diskriminierung und Antidiskriminierungspolitik in unserer Gesellschaft. In: Antidiskriminierungsstelle des Bundes (Hrsg.): Forschungsprojekt. Band 4. Berlin 2009, ISBN 978-3-8329-4657-9 (englisch, Online PDF 4,6 MB [abgerufen am 16. Oktober 2015]).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Vgl. Arn Sauer: Rassismus im Zweigeschlechtersystem: Zentrale Konzepte und Begriffe. Trans*-Inter*-Sektionalität, ohne Jahr. Abgerufen am 27. Juni 2017.
  2. TransInterQueer: Basiswissen. (PDF; 4,9 MB)
  3. Tilman Steffen: „Unter Kollegen im falschen Körper“.zeit.de“, 22. Dezember 2010
  4. BBC: Transsexual to move to 'safer', 6. September 2005, abgerufen am 8. Februar 2013
  5. Carsten Balzer, Jan Simon Hutta, Tamara Adrián, Peter Hyndal, Susan Stryker: Transrespect vs. Transphobia. A comparative Review of the Human-rights Situation of Gender-variant/Trans People. (PDF; 5,7 MB) Berlin 2012, abgerufen am 8. Februar 2013.
  6. a b c TransInterQueer: Trans* in den Medien. Informationen für Journalist_innen (PDF; 1,6 MB). Abgerufen am 27. Juni 2017.
  7. a b c d e f g h Jannik Franzen: Transphobie in LSBTI-Kontexten. In: LesMigraS (Hrsg.): Verbindungen sprechen. Empowerment in Bezug auf Rassismus und Transphobie in LSBTI-Kontexten (PDF; 2,5 MB). Berlin 2011, S. 11–14. Abgerufen am 8. Februar 2013.
  8. a b c Y. Gavriel Ansara, Erica J. Friedman: Transphobia. In: Nancy A. Naples u. a. (Hrsg.): The Wiley Blackwell Encyclopedia of Gender and Sexuality Studies. Chichester 2016, S. 2357–2360 (englisch).
  9. Carsten Balzer: Jeden dritten Tag wird ein Mord an einer Trans-Person berichtet. Die vorläufigen Ergebnisse des neuen „Trans Murder Monitoring“-Projektes zeigen mehr als 200 berichtete Morde an Trans-Personen zwischen Januar 2008 und Juni 2009, in: Liminalis, Nr. 03 2009 (Juli 2009)
  10. paperlined.org: Transgender Divisions., abgerufen am 3. März 2013
  11. Kim Schicklang: Die Vereinnahmung transsexueller Menschen. In: Mutig. Menschenrecht und Transsexualität, abgerufen am 3. März 2013
  12. Kim Schicklang/ATME e. V.: Stellungnahme zur Vereinnahmung durch queer.de, vom 25. Januar 2013, auf der Website des ATME e. V., abgerufen am 2. März 2013
  13. Daniela Truffer: Die Rede von der psychischen Intersexualität In: zwischengeschlecht.org vom 10. Dezember 2007, abgerufen am 2. März 2013
  14. Bad Hair Days: Transphobie ist kein cissexuelles(*) Privileg. In: Bad Hair Days. 25. September 2008, abgerufen am 3. Mrz 2013
  15. Cristan Williams: From Whence Comes the Transgender Community? In: Open Salon. 30. juni 2011, abgerufen am 2. März 2013
  16. Ehipassiko: Transgender VS Transsexual, Youtube-Video, abgerufen am 3. März 2013
  17. paperlined.org: Factionalism., abgerufen am 3. März 2013
  18. Martha Testovich: Feine Differenzierungen. In: Progress. abgerufen am 8. Februar 2013.
  19. a b Horst-Jörg Haupt: Sie sind ihr Gehirn – Transsexualität im Spannungsfeld von Neurowissenschaft und Transphobie. Vortrag auf der Fachkonferenz Trans*Identitäten am 18. Oktober 2012 in Wien (PDF; 405 kB), abgerufen am 11. Februar 2013
  20. Heide Oestreich: Wer wollte das rosa Einhorn? In: taz vom 12. Januar 2012, abgerufen am 2. März 2013
  21. Peter Nowak: Wider den Zwang. In: Freitag vom 27. März 2012, abgerufen am 2. März 2013
  22. Pressemitteilung des Bundesverfassungsgerichts vom 28. Januar 2011, abgerufen am 8. Februar 2013
  23. a b Bundesweiter Arbeitskreis TSG‐Reform: Forderungspapier zur Reform des Transsexuellenrechts, 1. Juni 2012, abgerufen am 8. Februar 2013 (PDF; 141 kB)
  24. Cigdem Akyol, Arno Frank: Transsexueller schwanger – ein Pro und Contra: Mutter oder Vater? In: taz, 2. Juli 2008, abgerufen am 14. Juni 2017.
  25. Transphopedia gegen Chelsea Manning, abgerufen am 29. Dezember 2013.
  26. Sarah Pines: Transforming Hollywood. In: Jungle World, Nr. 51, 18. Dezember 2014
  27. Flaig: Diskriminierung im Alltag,… In: Forschungsprojekt. 2009.
  28. Flaig: Diskriminierung im Alltag,… In: Forschungsprojekt. 2009, S. 8.
  29. Flaig: Diskriminierung im Alltag,… In: Forschungsprojekt. 2009, S. 9.
  30. Flaig: Diskriminierung im Alltag,… In: Forschungsprojekt. 2009, S. 50.
  31. Flaig: Diskriminierung im Alltag,… In: Forschungsprojekt. 2009, S. 56.
  32. Flaig: Diskriminierung im Alltag,… In: Forschungsprojekt. 2009, S. 65.
  33. Julia Serano: Rethinking Sexism: How Trans Women Challenge Feminism In: Alternet, 4. August 2008, abgerufen am 3. März 2013
  34. Sandy Stone: The Empire Strikes Back. A Posttranssexual Manifesto. Austin 1993 (PDF; 80 kB)
  35. Janice Raymond: The Transsexual Empire. 1979, S. 101–102 u. S. 104., zitiert in Sandy Stone: The Empire Strikes Back. A Posttranssexual Manifesto. Austin 1993, S. 3 (PDF; 80 kB)
  36. Matt Kailey: Ten Things Not to Say to a Trans Person. In: Tranifesto, abgerufen am 2. März 2013
  37. Matt Kailey: Trans Etiquette for Non-Trans People. In: Tranifesto, abgerufen am 2. März 2013
  38. International Day Against Homophobia & Transphobia, Artikel ILGA, 14. Mai 2009.
  39. Video: Transgenialer CSD In der Gewalthauptstadt auf blu.fm, abgerufen 28. Juni 2010.
  40. Website des transgenialen CSD 2010, abgerufen am 28. Februar 2010
  41. Nic: Was Judith Butler empfahl. In: Nic's Bloghaus. 28. Juni 2010, abgerufen am 28. Februar 2013.
  42. MA Transgender Political Coalition. (2010). Transgender Day of Remembrance.
  43. Millen, L. (20 November 2008). North Carolinians mark transgender remembrance day.
  44. Smith, G. (2010). Biography
  45. Jacobs, E. (18 November 2008). Remembering Rita Hester
  46. Website von transgenderdor.org, abgerufen am 28. Februar 2013.
  47. Kristina Stang: Begleitmaterial zur Inszenierung BOYS DON'T CRY in der Regie von Esther Hattenbach, Website des Jungen Staatstheaters Berlin hier direkter download des PDF (PDF; 606 kB), abgerufen am 28. Februar 2013
  48. Boys Don't Cry auf der Website des Staatsschauspiels Hannover, abgerufen am 28. Februar 2013