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Gendersternchen

in der deutschen Schriftsprache verwendeter Asterisk, der innerhalb von Substantiven verwendet wird und sowohl männliche wie weibliche und diverse Gender beinhalten soll
Gendersternchen (Asterisk in Times New Roman)

Das Gendersternchen (auch: Gender-Sternchen, Genderstern, Gender Star) ist eine Methode der geschlechtergerechten Sprache in der geschriebenen Form des Deutschen. Dabei wird ein Sternchen zwischen dem Wortstamm und der weiblichen Endung einer Personenbezeichnung („Kolleg*innen“) oder zwischen männlicher und weiblicher Endung („Verkäufer*in“) eingefügt. Um in Fließtexten die richtige Grammatik und Syntax zu gewährleisten, werden in der Regel auch Pronomen und Artikel gegendert: „jede*r Leser*in“, „sein*e Mitarbeiter*in“, „der*die Besitzer*in“.

Das Sternchen soll im Rahmen des Sprach-Gendering, also des geschlechterbewussten Umgangs mit der Sprache, sowohl männliche und weibliche wie auch nicht-binäre Geschlechtsidentitäten zum Ausdruck bringen.[1] Das Wort „Gendersternchen“ wurde 2018 zum Anglizismus des Jahres gekürt.[2] Eine Variante des Gendersternchen ist der Gendergap, bei dem statt einem Sternchen ein Unterstrich (_) verwendet wird.

Inhaltsverzeichnis

EtymologieBearbeiten

Das Gendersternchen war anfänglich Teil der feministischen Bemühungen um eine geschlechtersensible oder geschlechtergerechte Sprache. Das Zeichen soll es ermöglichen, auf das generische Maskulinum zu verzichten und im Gegensatz zum Binnen-I, das nur männliche und weibliche Personen umfasst, auch weitere Geschlechter mit einzubeziehen.[3] So soll der sprachliche Gendergap geschlossen werden.

Der Genderstern wird häufig in Zusammenhängen verwendet, in denen nicht nur von zwei Geschlechtern ausgegangen wird. War er zunächst im universitären Umfeld gebräuchlich, so wird er seit 2015 zunehmend in anderen Bereichen verwendet,[4] wie in der öffentlichen Verwaltung und in Institutionen.[5] Um Transsexuelle, Transgender und intersexuelle Personen nicht zu diskriminieren, ist der Genderstern seit einem Parteitagsbeschluss von 2015 der „Regelfall“ in Dokumenten der Grünen.[6][4] Bei offiziellen Schriftstücken des Berliner Senats ist er seit 2017 die Norm.[7]

RechtschreibungBearbeiten

Der Rat für deutsche Rechtschreibung beschäftigte sich 2018 mit dem Genderstern. In seinen Beschluss vom 16. November 2018 wollte er noch keine Empfehlung für die Aufnahme in die amtliche Rechtschreibung aussprechen. Er konstatierte jedoch: „Der Rat für deutsche Rechtschreibung stellt fest, dass der gesellschaftliche Diskurs über die Frage, wie neben männlich und weiblich ein drittes Geschlecht oder weitere Geschlechter angemessen bezeichnet werden können, sehr kontrovers verläuft. Dennoch ist das Recht der Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen, auf angemessene sprachliche Bezeichnung ein Anliegen, das sich auch in der geschriebenen Sprache abbilden soll. Die Beobachtung der geschriebenen Sprache zeigt dazu derzeit […] verschiedene orthographische Ausdrucksmittel wie Unterstrich (Gender-Gap), Asterisk (Gender-Stern) […].“[8][9] Der Rat begründete: „Die Erprobungsphase verschiedener Bezeichnungen des dritten Geschlechts verläuft in den Ländern des deutschen Sprachraums unterschiedlich schnell und intensiv. Sie soll nicht durch vorzeitige Empfehlungen und Festlegungen des Rats für deutsche Rechtschreibung beeinflusst werden.“[8][9] Der Genderstern und andere Symbole geschlechtergerechter Sprache sind ebenso wie das generische Maskulinum Gegenstand gesellschaftlicher Debatten über die Rolle der Sprache und die damit verbundenen oder auch losgelösten Gesellschaftsverhältnisse.[10]

AusspracheBearbeiten

Wie bei der Form Gender-Gap („Busfahrer_in“) wird das Gendersternchen von manchen bei der Aussprache mit einem Glottisschlag markiert. Dieser Laut ist im Deutschen nicht bedeutungsunterscheidend.[11] Er kommt häufig am Wortanfang und manchmal in der Wortmitte, aber bisher normalerweise nie vor Suffixen vor.[3]

KritikBearbeiten

Die Feministin Luise F. Pusch – Mitinitiatorin der Schreibweise mit Binnen-I als Lösung[12] – kritisierte den Genderstern, da er die „sprachliche Unsichtbarkeit der Frau“ nicht abschaffe. Er symbolisiere, wie der Schrägstrich oder die Klammer, dass Frauen „die zweite Wahl“ seien.[13]

WeblinksBearbeiten

  Wiktionary: Gendersternchen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Neologismenwörterbuch : "Gendersternchen". Abgerufen am 5. April 2019.
  2. IDS : Korpuslinguistik: Anglizsmus des Jahres 2018. Abgerufen am 5. April 2019.
  3. a b Anatol Stefanowitsch: Gendergap und Gendersternchen in der gesprochenen Sprache. In: Sprachlog. 9. Juni 2018, abgerufen am 4. April 2019 (deutsch).
  4. a b Anja Steinhauer, Gabriele Diewald: Richtig gendern. Wie Sie angemessen und verständlich schreiben, Duden Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-411-74357-5, S. 46.
  5. AG „Geschlechtergerechte Schreibung“ des Rats für deutsche Rechtschreibung: Bericht und Vorschläge der AG „Geschlechtergerechte Schreibung“ zur Sitzung des Rats für deutsche Rechtschreibung am 16.11.2018-Revidierte Fassung aufgrund des Beschlusses des Rats vom 16.11.2018-. (PDF) 28. November 2018, abgerufen am 13. April 2019.
  6. Kommentar von Matthias Kohlmaier: Ein Sternchen für alle. In: sueddeutsche.de. 22. November 2015, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 11. April 2019]).
  7. Wolfgang Schultheiß: Umgangsformen, Lit Verlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-643-14132-3, S. 14.
  8. a b Pressemeldung: Empfehlungen zur „geschlechtergerechten Schreibung“ – Beschluss des Rats für deutsche Rechtschreibung vom 16. November 2018. (PDF: 422 kB) Rat für deutsche Rechtschreibung, 16. November 2018, abgerufen am 10. Mai 2019.
  9. a b Meldung: Rechtschreibrat: „Genderstern wird noch nicht empfohlen“. In: Spiegel Online. 16. November 2018, abgerufen am 10. Mai 2019.
  10. Monika Dittrich: Er, sie, * - Die Genderfrage im Rechtschreibrat. In: Deutschlandfunk. 15. November 2018, abgerufen am 10. Mai 2019.
  11. Klaus Kohler: German. In: Handbook of the International Phonetic Association. A guide to the use of the International Phonetic Alphabet. Cambridge University Press, 1999, ISBN 978-0-521-63751-0, S. 86 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche): “The table of consonants lists phonemes with the exception of [...] [ʔ].”
  12. Beate Binder, Ulrike Vedder: Sprache und Wirklichkeit und die Diskussion um das Gendersternchen. In: Erklärung. Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin (HU), 27. März 2019, abgerufen am 1. Mai 2019.
  13. Luise F. Pusch: Debatte Geschlechtergerechte Sprache: Eine für alle. In: taz.de. 8. März 2019, abgerufen am 18. Juni 2019.