Ukrainische Volksrepublik

historischer Staat (1917-1921); Exilregierung (1921-1992)
Ukrainische Volksrepublik
1917–1920
Flagge der Ukraine Wappen der Ukraine
Flagge Wappen
Flag of Russian Empire for private use (1914–1917) 3.svg

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Navigation Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik

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Amtssprache Ukrainisch
Hauptstadt Kiew
Staatsform Volksrepublik
Staatsoberhaupt Präsident
Fläche
– 1897

477.021 km²
Einwohnerzahl
– 1897

23.430.407
Bevölkerungsdichte
– 1897

49 Einwohner pro km²
Währung Karbowanez, Hrywnja
Existenzzeitraum 1917–1920
Nationalhymne Schtsche ne wmerla Ukrajina
Gebiet und Ansprüche der UNR im Februar 1918
Von der UNR-Delegation auf der Pariser Friedenskonferenz von 1919–1920 festgelegte Grenzen.

Die Ukrainische Volksrepublik (auch Ukrainische Nationalrepublik oder Volksrepublik Ukraine genannt, ukrainisch Українська Народна Республіка Ukrajinska Narodna Respublika, UNR) war der erste ukrainische Nationalstaat.

Die Ukrainische Volksrepublik wurde nach der Oktoberrevolution 1917 aus den ukrainischen Gebieten gegründet, die bis dahin zum Russischen Kaiserreich bzw. Russland gehört hatten. Sie wurde im russischen Bürgerkrieg nach dem Einmarsch der Roten Armee Anfang 1920 aufgelöst und als Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik in Sowjetrussland eingegliedert.

EntstehungBearbeiten

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Ukraine ein Teil des russischen Kaiserreichs.

Nach der Oktoberrevolution wurde mit Beschluss des Ukrainischen Zentralrats vom 20. November 1917 die Gründung der Ukrainischen Volksrepublik als Teil einer föderativen Russischen Republik für den Januar 1918 proklamiert. Ihrer Gründung ging eine Periode der weitgehenden nationalen Unabhängigkeit der Ukraine unter der Verwaltung durch den Zentralrat voraus, welches von Deutschland und Österreich unterstützt wurde, auch wenn diese Unabhängigkeit nicht von der damaligen russischen provisorischen Regierung anerkannt wurde.

Der bürgerliche Zentralrat unter Vorsitz Mychajlo S. Hruschewskyjs hatte am 25. Januar 1918 (mit dem auf 22. Januar rückdatierten Vierten Universal) in Kiew die Unabhängigkeit der Ukraine (Ukrainische Volksrepublik) ausgerufen. Am 30. Januar 1918 wurde Wsewolod Holubowytsch Ministerpräsident der Volksrepublik.

Am 29. April 1918 wurde durch einen Putsch das Hetmanat Ukraine unter Pawlo Skoropadskyj errichtet. Nach dem Ende des Hetmanats wurde am 14. Dezember 1918 die Ukrainische Volksrepublik wiederhergestellt.

PolitikBearbeiten

 
Briefmarke der UNR (1918)

Am 9. Februar 1918 hatte die Volksrepublik Ukraine mit dem „Brotfrieden“ einen Separatfrieden mit den Mittelmächten geschlossen. Da die Zentralna Rada von den aus Russland und dem Nordosten der Ukraine angerückten roten Truppen aus Kiew vertrieben wurde, rief sie die Mittelmächte um Hilfe an. Deutsche Truppen marschierten ab 18. Februar, österreichisch-ungarische ab 28. Februar in die Ukraine ein (vgl. Operation Faustschlag). Bis Ende April wurde die gesamte Ukraine erobert, Anfang Mai folgten dann noch die Krim und Gebiete östlich von Rostow am Don. Da die Mittelmächte weniger Lebensmittellieferungen (als in Brest-Litowsk versprochen) erhielten, und sie deshalb mit der Politik der Zentralna Rada unzufrieden waren, unterstützten sie am 29. April 1918 den Putsch des früheren zaristischen Generals Pawlo Skoropadskyj und erkannten ihn als Hetman an.[1] Skoropadskyj erneuerte die frühere Verwaltung des Zaren.[1] Er revidierte viele politische Entscheidungen der Rada und verfolgte eine rechtsgerichtete, sehr nationalistische Politik. Dies wurde auch durch Umbenennung des Staatswesens in „Ukrainischer Staat“ unterstrichen. Mit Hilfe des Verwaltungsapparats und der Unterstützung der Besatzer konnte Skoropadskyj zum ersten Mal in der Geschichte einen ukrainischen Staat von Don bis Bug begründen.[1]

Die bürgerliche Ukrainische Volksrepublik befand sich von Beginn an im Kriegszustand mit der prosowjetischen Regierung in Charkow, die sich im Dezember 1917 gebildet hatte.[Anmerkung 1][2][3]

AußenpolitikBearbeiten

Anfangs gab es föderative Beziehungen zu Russland. Als Ende Januar 1918 in Kiew der bolschewistische Aufstand ausbrach, mündeten die politischen Auseinandersetzungen im Ukrainisch-Sowjetischen Krieg.[4] Folgerichtig war die Ukrainische Volksrepublik im Polnisch-Sowjetischen Krieg mit Polen verbündet.

Die Volksrepublik Ukraine wurde de jure anerkannt von Lettland, Litauen, Estland, der Demokratischen Republik Georgien, der Aserbaidschanischen Demokratischen Republik, dem Deutschen Reich, Österreich-Ungarn (lediglich de facto, denn der Friedensvertrag von Brest-Litowsk wurde nicht ratifiziert), Bulgarien, dem Osmanischen Reich, dem Königreich Rumänien, der Tschechoslowakei, vom Heiligen Stuhl und schließlich auch von Sowjetrussland. De-facto-Anerkennung wurde von der Schweiz, Schweden, Dänemark und Persien garantiert.[5]

Ende des StaatesBearbeiten

Nach der Niederlage der Mittelmächte im Ersten Weltkrieg und dem Abzug der österreichisch-ungarischen und des Großteils der deutschen Truppen konnte sich das Hetmanat im Herbst 1918 nicht mehr halten; es wurde durch das Direktorium der Ukrainischen Volksrepublik ersetzt. Im Zuge des Russischen Bürgerkrieges nahmen die Bolschewiki Kiew ein. Daraufhin wurde am 14. Januar 1919 die Ukrainische Sowjetrepublik ausgerufen. In der Westukraine um die Stadt Lemberg/Lwiw existierte zeitgleich die Westukrainischen Volksrepublik, die sich am 22. Januar 1919 mit der Ukrainischen Volksrepublik vereinigte. Polnische Truppen hatten im Verlauf des Jahres 1919 bereits die Macht im gesamten Gebiet der Westukrainischen Volksrepublik übernommen und die Bolschewiki beherrschten große Teile der übrigen Ukraine. Zeitgleich existierte in den ländlichen Regionen der Zentral-, Süd- und Ostukraine die bäuerlich-anarchistische Bewegung der Machnowschtschina unter Nestor Machno, während die bürgerlich-liberale Regierung der Ukrainischen Volksrepublik nahezu bedeutungslos wurde.

Die Existenz der Ukrainischen Volksrepublik kam im Februar 1920 an ihr Ende, als die Rote Armee die gesamte Ukraine unter ihre Kontrolle gebracht hatte. Die Armee der Volksrepublik Ukraine kämpfte jedoch weiter an der Seite Polens im Polnisch-Sowjetischen Krieg. Dazu verzichtete die ukrainische Regierung unter Symon Petljura am 21. April 1920 auf ihren Anspruch auf die westukrainischen Gebiete in Galizien, wo Vertreter Polens bereits im Laufe des Jahres die Macht übernommen hatte, woraufhin die Vertreter der Westukrainischen Volksrepublik die Seiten wechselten. Nach der Unterzeichnung des Friedens von Riga zwischen Polen und Sowjetrussland 1921 wurden die ukrainischen Soldaten in Polen interniert. Gemäß dem Frieden von Riga musste das Gebiet der Westukrainischen Volksrepublik an Polen abgegeben werden.

Eine Exilregierung der Volksrepublik Ukraine existierte noch bis 1992 in München. Am 22. August 1992 übergab der letzte Präsident der ukrainischen Exilregierung, Mykola Plawjuk, die Insignien der Volksrepublik Ukraine an den neuen, demokratisch gewählten Staatspräsidenten der Ukraine, Leonid Krawtschuk. Gleichzeitig erkannte er die 1991 gegründete Ukraine als legalen Nachfolger der Volksrepublik Ukraine an.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Stefan Talmon: Recognition of Governments in International Law. Oxford University Press, 1998, ISBN 0-19-826573-5 (englisch).
  • Volodymyr Kubijovyč (Hrsg.): Ukraine. A Concise Encyclopædia. Band 1. University of Toronto Press, 1963, OCLC 313338681 (englisch).
  • Paul Robert Magosci: A History of Ukraine. University of Toronto Press, 1996, ISBN 0-8020-7820-6 (englisch).
  • Orest Subtelny: Ukraine. A History. University of Toronto Press, 1988, ISBN 0-8020-5808-6 (englisch).
  • Wolfram Dornik, Stefan Karner (Hrsg.): Die Besatzung der Ukraine 1918. Historischer Kontext – Forschungsstand – wirtschaftliche und soziale Folgen (= Veröffentlichungen des Ludwig Boltzmann-Institutes für Kriegsfolgen-Forschung, Graz – Wien – Klagenfurt. Band 11). Verein zur Förderung der Forschung von Folgen nach Konflikten und Kriegen, Graz/Wien 2008, ISBN 978-3-901661-25-9.
  • John S. Reshetar Jr.: The Ukrainian Revolution, 1917–1920. A Study In Nationalism. Literary Licensing, 2011, ISBN 1-258-08004-4 (englisch).
  • Taras Hunczak: The Ukraine, 1917–1921. A Study in Revolution. Harvard University Press, 1978, ISBN 0-674-92009-0 (englisch).
  • W. Ja. Bilozerkiwski: Історія України: Навчальний посібник. Zentrum für Bildungsliteratur, 2007, ISBN 978-966-364-427-1, Kapitel 13.2: Проголошення радянської влади і початок громадянської війни в Україні. Інтервенція радянської Росії (ukrainisch, org.ua [abgerufen am 28. November 2020] Deutsch: Ukrainische Geschichte: Lehrbuch. Kapitel 13.2: Proklamation der Sowjetmacht und Beginn des Bürgerkriegs in der Ukraine. Intervention Sowjetrusslands).
  • P. S. Korinenko, M. W. Barmak, A. K. Fartuschnjak, W. D. Tereschtschenko, W. W. Starka: Україна в роки Першої світової війни та Національно-визвольних змагань 1917–1920 рр. 2010 (ukrainisch, in.ua [abgerufen am 28. November 2020] Deutsch: Die Ukraine während des Ersten Weltkriegs und des Nationalen Befreiungskrieges von 1917–1920.).
  • Caroline Milow: Die ukrainische Frage 1917–1923 im Spannungsfeld der europäischen Diplomatie. Harrassowitz, Wiesbaden 2002, ISBN 3-447-04482-9.
  • Felix Schnell: Historische Hintergründe ukrainisch-russischer Konflikte. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Aus Politik und Zeitgeschichte. 64. Jahrgang, Nr. 47/48, 17. November 2014, S. 10–17 (bpb.de [abgerufen am 28. November 2020]).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Felix Schnell: Historische Hintergründe ukrainisch-russischer Konflikte. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. 64. Jahrgang, 47–48/2014, 17. November 2014, S. 11.
  2. Bilozerkiwski: Ukrainische Geschichte: Lehrbuch. Abgerufen am 28. November 2020.
  3. Korinenko, u. a.: Die Ukraine während des Ersten Weltkriegs und des Nationalen Befreiungskrieges von 1917–1920 (online).
  4. Milow: Die ukrainische Frage 1917–1923 im Spannungsfeld der europäischen Diplomatie. S. 33 ff.
  5. Talmon: Recognition of Governments in International Law. S. 289.

AnmerkungenBearbeiten

  1. Die englischsprachige Wikipedia hat einen Artikel zur sowjetischen ukrainischen Volksrepublik unter Ukrainian People's Republic of Soviets