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Blick (Zeitung)

Schweizer Zeitung

Der Blick ist eine deutschsprachige Schweizer Boulevard-Tageszeitung mit einer WEMF-beglaubigten Auflage von 120'716 (Vj. 133'579) verkauften bzw. 122'087 (Vj. 135'922) verbreiteten Exemplaren[1] und einer täglichen Reichweite von 472'000 (Vj. 477'000) Lesern[2]. Der Sitz ist in Zürich.

Blick
Blick (ab 2008).svg
Beschreibung Schweizer Boulevardzeitung
Verlag Ringier AG
Erstausgabe 14. Oktober 1959
Erscheinungsweise Montag–Samstag
Verkaufte Auflage 120'716 (Vj. 133'579) Exemplare
(WEMF-Auflagebulletin 2018[1])
Verbreitete Auflage 122'087 (Vj. 135'922) Exemplare
(WEMF-Auflagebulletin 2018)
Reichweite 0,472 (Vj. 0,477) Mio. Leser
(WEMF Total Audience 2018-2[2])
Chefredaktoren Christian Dorer (Blick-Gruppe),
Andreas Dietrich, Blick,
Katia Murmann (Digital)[3]
Weblink www.blick.ch

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Die Zeitung wurde 1959[4] vom Ringier-Verlag auf Initiative von Helmut Kindler als erste Schweizer Boulevardzeitung mit einer Auflage von 50'000 Exemplaren lanciert. Sie stiess damals mit ihrem Fokus auf Verbrechen, Sex und Sport bei Politik und etablierter Presse auf viel Kritik. Die Erstausgabe der Boulevardzeitung erschien am 14. Oktober 1959 mit einer Auflage von 48'000 Stück.[5] Ungeachtet der Kritik und handfesten Protesten wurde der Blick in der Deutschschweiz zu einem Erfolg. Auch noch nach zwei Jahren teilt der Bundesrat mit, dass er über keine gesetzlichen Bestimmungen gegen diese Art der Journalistik verfüge. Er praktiziert jedoch eine Informationssperre gegenüber Blick-Mitarbeitern. Mitte der 1960er-Jahre ist der Blick die auflagenstärkste Tageszeitung der Schweiz mit 200'000 Exemplaren.

In den 1980er-Jahren positionierte sich der Blick unter dem Chefredaktor Peter Uebersax rechtspopulistisch. Der Auflagenerfolg in den 1980er-Jahren basierte jedoch hauptsächlich auf dem Gewinnspiel Bingo, das Blick im November 1982 eingeführt hatte. Die Beilage von Bingo-Karten an bestimmten Tagen führte jeweils zu einer um 60'000 bis 70'000 Exemplare höheren Verkaufszahl. Seinen Höhepunkt erreichte der Blick 1986 mit einer Auflage von rund 380'000 Exemplaren.[6]

Ab den 1990er-Jahren sah sich der Blick mit einem Leserschwund konfrontiert, der zum Abgang von fünf Chefredaktoren innerhalb von dreizehn Jahren führte und sich abwechselnde Strategien zur Folge hatte. Hierzu zählte unter anderem die Anreicherung durch Kulturthemen und grosse Reportagen, ein politischer Linkskurs sowie die Rückkehr zum anfänglichen Boulevard mit Fokus auf Skandale, Verbrechen und Einzelschicksale.[6] Aufgrund seiner Berichterstattung wird das Blatt zum Teil weiterhin als populistisch wahrgenommen.[7][8][9][10] Vom 1. Januar 2014 bis 31. Januar 2016 war René Lüchinger Chefredaktor des Blicks.[11] Danach waren der bisherige Chefredaktor von Blick am Abend, Peter Röthlisberger, und die neu von der dpa zum Blick gestossene Iris Mayer gemeinsam Co-Chefredaktoren von Blick und Blick am Abend sowie von deren Online-Angeboten blick.ch und blickamabend.ch. Der bisherige Chefredaktor René Lüchinger wurde gleichzeitig Chefpublizist der Blick-Gruppe.[12] Chefredaktor der Blick-Gruppe ist seit 1. Februar 2017 Christian Dorer, zuvor Chefredaktor der Aargauer Zeitung und der az Nordwestschweiz. Seit dem gleichen Zeitpunkt ist Gieri Cavelty Chefredaktor des SonntagsBlicks und Katia Murmann, zuvor interimistische Chefredaktorin des SonntagsBlicks, Chefredaktorin Digital.[13] Peter Röthlisberger und Iris Mayer schieden aus der Blick-Gruppe aus.

Im März 2002 war der Blick mit in die Borer-Affäre des SonntagsBlicks involviert, als er deren Geschichte über eine angebliche Affäre des Schweizer Botschafters in Berlin, Thomas Borer, mit der 34-jährigen Visagistin Djamila Rowe nachzog. Nachdem sich die Aussagen von Rowe als reine Erfindung herausgestellt hatten, trat der Chefredaktor des SonntagsBlicks, Mathias Nolte, zurück,[14] und der Verleger von Blick und SonntagsBlick, Michael Ringier, bezahlte Borer eine millionenschwere Genugtuung.[15]

AuflageBearbeiten

Wie alle gedruckten Tageszeitungen muss der Blick seit einigen Jahren eine stark sinkende Auflage hinnehmen. Die verkaufte Auflage fiel seit 2007 um 119'350 von 240'066 auf 120'716 Exemplare, das sind 49,72 %.

 
Entwicklung der verkauften Auflage nach WEMF-Auflagebulletins (s. Details 2007[16] und 2018[1])

Der Auflagenschwund führte zu hämischen Kommentaren der Konkurrenten. Peter Rothenbühler, Chefredaktor von Le Matin, einer Boulevardzeitung der frankophonen Schweiz, und ehemaliger Chefredaktor des SonntagsBlicks zwischen 1985 und 1988, meinte, «dass man nicht ungestraft über Monate das Asyl- und das Ausländergesetz bekämpfen kann, um dann feststellen zu müssen, dass vermutlich hundert Prozent der Blick-Leser für ebendiese Gesetze votiert haben».[17] Auch das Nachrichtenmagazin Facts sieht als einen der Gründe für die Absatzschwierigkeiten des Blicks die politisch widersprüchliche Meinungsmachung und Berichterstattung des Blicks sowie eine überalterte Leserschaft.[18] Der Hauptgrund für die schwindende Auflage des Blicks liegt allerdings in der Konkurrenz der Gratiszeitungen, insbesondere der auflagenstärksten 20 Minuten, die sich an ein jüngeres und urbaneres Publikum richten, und dem damit verbundenen veränderten Verhalten der Leserschaft. Zu diesem Schluss kommt auch Michael Ringier, Verwaltungsratspräsident der Ringier Holding AG. Dieser erklärte in einem am 16. Januar 2008 ausgestrahlten Beitrag des Schweizer Fernsehens SF, dass die Leserschaft nur noch dann bereit sei, für eine Zeitung zu bezahlen, wenn diese exklusive Inhalte biete. Für nicht exklusive Inhalte, die in jeder beliebigen Gratiszeitung zu lesen sind, sei die Leserschaft hingegen nicht bereit, etwas zu bezahlen.[19]

In einem Bericht anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums des Blicks machte die Neue Zürcher Zeitung mehrere Gründe für den einstigen Erfolg und den darauf folgenden starken Auflagenschwund aus. Demnach basierte der einstige Erfolg hauptsächlich auf der Einführung des damals noch unbekannten Boulevardjournalismus sowie der Einführung von Gewinnspielen. Aufgrund der mangelnden Konkurrenz profitierte der Blick zusätzlich durch einen Verstärkereffekt, durch das Skandalisieren oder Mitschwimmen auf den Erfolgswellen von Sendungen des Schweizer Fernsehens. Zur Situation schrieb die NZZ 2009: «Heute müssen Boulevardzeitungen ihr Jagdrevier, das sie vor einem Vierteljahrhundert praktisch konkurrenzlos ausbeuteten, täglich mit vielen teilen.»[6]

Neueste ÜberarbeitungenBearbeiten

Vom 14. Juni 2004 bis zum 13. Oktober 2009 erschien der Blick im Tabloidformat.

Am 5. März 2008 kam das Boulevardblatt in einer überarbeiteten Version heraus. Die Überarbeitung stand unter dem Motto «Blick 2010». Neu war die Papierausgabe nicht mehr zwei-, sondern einteilig. Ausserdem konnte der Blick nun von beiden Seiten gelesen werden. Diese Neuerung wurde von der Leserschaft teilweise stark kritisiert.

Zu seinem 50. Geburtstag am 14. Oktober 2009 kehrte der Blick zum alten Zeitungsformat zurück. Die Tageszeitung besteht heute wieder aus zwei Bünden. Nach einigen Jahren Unterbruch erscheint wieder ein erotisches Bild im Blick (früher auf Seite 3, jetzt auf der Titelseite). Aus Gründen der Leserbindung handelt es sich bei den Models um Frauen aus der Leserschaft, die sich für ein Erotik-Shooting beworben haben.[20] Mit der Rückkehr zum alten Zeitungsformat ist auch ein Kurswechsel hin zum eigentlichen Kern des Blicks verbunden, der emotionale Fortsetzungsgeschichten über Verbrechen, Sex und Affären von Prominenten beinhaltet.[6]

SchwesterzeitungenBearbeiten

Seit 1969 wird die Sonntagszeitung SonntagsBlick herausgegeben. Sie hat eine Auflage von 148'055 (Vj. 161'446) verkauften bzw. 148'939 (Vj. 162'232) verbreiteten Exemplaren[1] und eine Reichweite von 564'000 (Vj. 564'000) Lesern.[2]

Seit 2008 erscheint wochentags am späten Nachmittag die Gratiszeitung Blick am Abend, womit vor allem junge Leser angesprochen werden sollen. Die Zeitung hat eine Auflage von 228'144 (Vj. 253'635) verbreiteten Exemplaren[1] und eine Reichweite von 550'000 (Vj. 534'000) Lesern.[2]

KritikBearbeiten

Der Blick geriet wegen boulevardesker Berichterstattungen mit schlecht recherchierten, gezielt manipulierten oder teils frei erfundenen Angaben und Bildern in die Kritik. In einem Fall publizierte der Blick am 31. August 2009 unter der Überschrift «Polizei jagt Dealer auf Google Street View» einen Artikel unter Verwendung eines zufällig auf Google Street View aufgefundenen Fotos. Dabei erweckte die Zeitung ohne jegliche Grundlage den Anschein, bei der abgebildeten Szene handle es sich um einen Drogendeal auf offener Strasse. Hierbei wurden die auf dem Originalbild auf Google Street View gut erkennbaren Gesichter durch den Blick verpixelt und die abgebildeten Personen als ein «obskurer Typ» sowie als «drei junge Mädchen» bzw. «Teenager» bezeichnet. Zusätzlich involvierte der Blick mit einem Hinweis auch die Polizei. Wie sich kurz darauf erwies, handelte es sich um eine vom Blick konstruierte Geschichte, bei der keinerlei journalistische Recherche vorgenommen wurde. Bei den abgebildeten Personen handelte es sich in Wirklichkeit um einen Theaterregisseur und Wirt eines bekannten Restaurants, der in der Nähe seines Lokals Gutscheine verteilte, sowie um drei Angestellte einer Mediaagentur.[21][22]

Nebst weiteren Fällen sorgte besonders die gezielte Manipulation eines Bildes im November 1997 anlässlich der Berichterstattung über den Anschlag von Luxor, bei dem 36 Schweizer ums Leben kamen, für heftige Diskussionen sowie internationale Schlagzeilen. Hierbei bildete der Blick ein Foto ab, bei dem eine langgezogene Wasserpfütze vor dem Hatschepsut-Tempel gezielt rot eingefärbt und so als eine Blutlache unter der Bezeichnung «Blutspur des Grauens» dargestellt wurde.[23]

LiteraturBearbeiten

  • Ulrich Saxer (et al.), 20 Jahre «Blick». Analyse einer schweizerischen Boulevardzeitung, Zürich o. J. (1979).
  • Jürg Bürgi (Hg.), BLICK, immer dabei! Die tägliche Inszenierung des gesunden Volksempfindens, Basel 1984.
  • Peter Uebersax, Blick zurück. Erinnerungen eines Chefredaktors, Zürich / Berlin / New York 1995.
  • Oliver Zihlmann, Philippe Pfister: Der Fall Borer. Fakten und Hintergründe eines Medienskandals. Werd Verlag, Zürich 2003, ISBN 3-85932-436-5.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e WEMF-Auflagebulletin 2018, S. 8 (PDF; 796 kB).
  2. a b c d WEMF Total Audience 2018-2, S. 10 (PDF; 609 kB).
  3. Christian Dorer als Gruppenchef. Weitere Rochade beim «Blick». In: Neue Zürcher Zeitung. 29. November 2016.
  4. Marc Tribelhorn: Boulevardjournalismus: Zeilen, die schreien. In: Neue Zürcher Zeitung. 17. Oktober 2016
  5. Sex aus heiterem Himmel. In: NZZ Folio. 10/09.
  6. a b c d Rainer Stadler: Die Medienrevolution frisst ihre Kinder. In: Neue Zürcher Zeitung. 13. Oktober 2009.
  7. Erwin Haas, Maurice Thiriet: Der Blick muss zurück zu den Wurzeln, aber auf intelligente Art. In: Tages-Anzeiger. 14. Oktober 2009 (Interview mit Karl Lüönd).
  8. Andrea Jäger, Melanie Strausak: Der 11. September und seine Folgen. Wie wurde in den Schweizer Tageszeitungen über diese Ereignisse berichtet? (Memento vom 14. Juli 2014 im Internet Archive). In: Institut für Medienwissenschaft der Universität Bern, März 2003.
  9. Gabriele Mraz, Roswitha Hofmann, Markus Gruber, Esther Egger-Rollig: Öffentliche Kommunikation über das Ernährungsrisiko BSE in der Schweiz – ein Vorbild für Deutschland? (PDF; 33,98 kB). In: Österreichisches Ökologie-Institut, Dezember 2005.
  10. Rahel Schmid: Die Deutschen kommen! Na und? In: Tink.ch. 2. April 2007 (Interview mit Georg Kreis, Präsident der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus).
  11. René Lüchinger wird Chefredaktor des Blick. Ringier, 20. August 2013 (Medienmitteilung).
  12. Rochade im Newsroom der Blick-Gruppe. In: Blick. 28. Oktober 2015.
  13. Christian Dorer wird Chefredaktor der Blick-Gruppe. In: Blick. 29. November 2016.
  14. «Sonntags-Blick»-Chef Mathias Nolte tritt zurück (Memento vom 17. Januar 2010 im Internet Archive). In: NZZ Online. 11. Juli 2002.
  15. Wer zuletzt kassiert … In: Die Welt. 15. Juli 2002.
  16. WEMF-Auflagenbulletin 2007 (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive), S. 7.
  17. Peter Rothenbühler: Mailbox – Lieber Michael Ringier. In: Die Weltwoche. 43/06.
  18. Blick in den Abgrund (Memento vom 4. März 2009 im Internet Archive). In: Facts 2.0. 4. März 2009.
  19. Blick-Journalisten unter Zugzwang. (Memento vom 7. April 2014 im Internet Archive). In: Schweizer Fernsehen, 10vor10. 16. Januar 2008.
  20. Auf den ersten Blick gibt es nackte Haut. In: Tages-Anzeiger. 14. Oktober 2009.
  21. Ruedi Baumann: Drogendealer auf Street View ist ein unschuldiger Wirt. In: Tages-Anzeiger. 2. September 2009.
  22. Hier gehts nicht um Drogen! In: Blick. 31. August 2009/19. Januar 2012.
  23. Manipulierte Bilder: Finden Sie die Fehler! Wasser zu Blut. In: Spiegel Online. 11. Juli 2008.