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Gérard Laureau

Französischer Autorennfahrer
Der Landsitz Ferme de Gally; Wohnsitz der Familie Laureau
Der René Bonnet Djet von Gérard Laureau und Jean Vinatier beim 1000-km-Rennen am Nürburgring 1963 im Streckenabschnitt Hatzenbach

Gérard Laureau (* 28. März 1920 in Saint-Cyr-l’École; † 19. November 2002 ebenda) war ein französischer Automobilrennfahrer und Unternehmer.

Familie und HerkunftBearbeiten

Gérard Laureau wuchs auf einem Landsitz, dem Ferme de Gally, in der Nähe seines Geburtsorts Saint-Cyr-l’École auf. Sein Großvater Georges Laureau hatte auf dem weitläufigen Anwesen aus dem 18. Jahrhundert in den 1940er-Jahren mit der Schafzucht begonnen. Später kamen Acker- und Zierpflanzenbau dazu. Gérard Laureau gründete dort 1968 eines der ersten Gartencenter Frankreichs. 2011 führte Gerards Sohn Xavier einen Betrieb mit 500 Mitarbeitern, 150 ha Ackerland, 60 ha Sonderkulturen und 7000 Quadratmetern Verkaufsflächen an sieben Standorten in Frankreich[1].

Ein zweites Geschäftsfeld der Familie war das Graben von Brunnen. Über die Jahre wurde daraus ein Unternehmen, das Technologie für Erdölbohrungen lieferte. Gérard Laureau war bis ins hohe Alter immer im Familienbetrieb tätig, sehr vermögend und betrieb den Motorsport als Herrenfahrer.[2]

Karriere im MotorsportBearbeiten

Mit dem Motorsport kam er Anfang der 1950er-Jahre beim Bohren eines Brunnens am Grundstück des wenig später tödlich verunglückten Rennfahrers Raymond Sommer erstmals in Berührung. 1953 erwarb er einen Jaguar XK 120 und schrieb sich ohne jedwede Rennerfahrung mit seinem Freund Henri Simonot beim 12-Stunden-Rennen von Hyères ein. Bei widrigen Umständen – es regnete die gesamte Fahrzeit beinahe unablässig – erreichte er den unerwarteten achten Gesamtrang. Im selben Rennen verlor Pierre Boncompagni in Führung liegend bei einem schweren Unfall sein Leben.[3]

Ungewöhnlich ist die Geschichte, wie Laureau 1954 Werksfahrer bei Deutsch & Bonnet wurde und gleich bei seinem ersten Antreten für das Team einen Wertungslauf der Sportwagen-Weltmeisterschaft gewann. Sein zweites Rennen mit dem Jaguar war die Tour de France für Automobile 1953, wo er wieder eine Talentprobe gab und lange im Spitzenfeld fuhr. Das Rennen musste er aufgeben, weil er sich am immer wieder herausspringenden Schalthebel die Hand brach. Anwesend bei dem Rennen war der Automobilhändler Georges Trouis, der seine Rennen auf Deutsch-Bonnet-Wagen bestritt und einen neuen Teamkollegen suchte. Vereinbart wurde ein gemeinsamer Start bei der RAC Tourist Trophy 1954. Trouis, der mit seinem eigenen Boot nach Nordirland anreisen wollte, wurde von einem heftigen Sturm gezwungen einen Hafen in England anzulaufen und verpasste das Rennen. Claude Storez, der vorgesehene Partner von Paul Armagnac, war zum Ärger von René Bonnet ebenfalls nicht angereist. So blieb Bonnet nichts anderes übrig als Laureau, der schon seit Tagen vor Ort war, den DB HBR mit Armagnac fahren zu lassen. Das Rennen hatte eine besondere Wertungsform. Für die Punktevergabe in der Sportwagen-Weltmeisterschaft 1954 zählte nicht die Gesamtwertung, sondern die Indexwertung, die ein Verhältnis zwischen leistungsstarken- und leistungsschwachen Fahrzeugen herstellte. Und in genau dieser Indexwertung blieben Laureau und Armagnac erfolgreich. Dieses Ergebnis hatte zweierlei zur Folge: einerseits einen mehrjährigen Vertrag bei Deutsch & Bonnet, den ihn René Bonnet gleich nach dem Rennen unterschreiben ließ, und zweitens die Freundschaft mit Paul Armagnac, die bis zu dessen Todessturz im Training zum 1000-km-Rennen von Paris 1962 auf dem Autodrome de Linas-Montlhéry anhielt.

Der Vertrag zwischen Laureau und Bonnet hatte eine Besonderheit. Laureau fuhr die Rennen ohne Bezahlung, erhielt aber im Gegenzug die Möglichkeit, über die Renneinsätze ausschließlich selbst zu entscheiden. So behielt er seine Unabhängigkeit und konnte dann Rennen fahren, wenn er beruflich freie Zeiten hatte. Sein regelmäßiger Partner war sein Freund Armagnac.

Mit den kleinen Rennwagen von Deutsch & Bonnet feierte er 15 Klassensiege, darunter 1956, 1960 und 1961 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Nach der Trennung von Bonnet und Charles Deutsch 1962 blieb er bei Bonnet und fuhr nun dessen Wagen wie den Djet. Einige Versuche in der Formel 2 blieben erfolglos und nach dem schweren Unfall seines jungen Teamkollegen Jean-Pierre Beltoise beim 12-Stunden-Rennen von Reims 1964 bat ihn seine Frau mit dem Rennsport aufzuhören, eine Bitte, der er entsprach.

StatistikBearbeiten

Le-Mans-ErgebnisseBearbeiten

Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Platzierung Ausfallgrund
1955 Frankreich  Ecurie Jeudy-Bonnet DB HBR Frankreich  Paul Armagnac Ausfall Radlager
1956 Frankreich  Automobiles Deutsch & Bonnet DB HBR5 Frankreich  Paul Armagnac Rang 10 und Klassensieg
1957 Frankreich  Automobiles Deutsch & Bonnet DB HBR Frankreich  Paul Armagnac Ausfall Unfall
1958 Frankreich  Automobiles Deutsch & Bonnet DB HBR4 Spyder Frankreich  Louis Cornet Rang 12
1959 Frankreich  Automobiles Deutsch & Bonnet DB HBR4 Frankreich  Pierre Chancel Ausfall Motorschaden
1960 Frankreich  Automobiles Deutsch & Bonnet DB HBR4 Frankreich  Paul Armagnac Rang 15 und Klassensieg
1961 Frankreich  Automobiles Deutsch et Bonnet DB HBR4 Frankreich  Robert Bouharde Rang 18 und Klassensieg
1962 Frankreich  Société des Automobiles René Bonnet René Bonnet Djet 2 Spider Frankreich  Paul Armagnac Rang 18
1963 Frankreich  Automobiles René Bonnet René Bonnet RB5 Frankreich  Jean Vinatier Ausfall Defekt an der Benzinpumpe
1964 Frankreich  Automobiles René Bonnet René Bonnet Aerodjet Frankreich  Jean-Pierre Beltoise Ausfall Benzinpumpe

Sebring-ErgebnisseBearbeiten

Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Platzierung Ausfallgrund
1956 Vereinigte Staaten 48  Brooks Stevens DB HBR Vereinigte Staaten 48  Hal Ullrich Ausfall Kupplungsschaden
1959 Frankreich  Deutsch & Bonnet DB HBR4 Frankreich  Paul Armagnac Rang 17 und Klassensieg

Einzelergebnisse in der Sportwagen-WeltmeisterschaftBearbeiten

Saison Team Rennwagen 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22
1954 Deutsch & Bonnet DB HBR Argentinien  BUA Vereinigte Staaten  SEB Italien  MIM Frankreich  LEM Vereinigtes Konigreich  RTT Mexiko  CAP
21
1955 Deutsch & Bonnet DB HBR Argentinien  BUA Vereinigte Staaten  SEB Italien  MIM Frankreich  LEM Vereinigtes Konigreich  RTT Italien  TAR
DNF 17
1956 Brooks Stevens DB HBR Argentinien  BUA Vereinigte Staaten  SEB Italien  MIM Deutschland  NÜR Schweden  KRI
DNF DNF
1957 Deutsch & Bonnet DB HBR Argentinien  BUA Vereinigte Staaten  SEB Italien  MIM Deutschland  NÜR Frankreich  LEM Schweden  KRI Venezuela  CAR
DNF DNF
1958 Deutsch & Bonnet DB HBR4 Argentinien  BUA Vereinigte Staaten  SEB Italien  TAR Deutschland  NÜR Frankreich  LEM Vereinigtes Konigreich  RTT
12
1959 Deutsch & Bonnet DB HBR4 Vereinigte Staaten  SEB Italien  TAR Deutschland  NÜR Frankreich  LEM Vereinigtes Konigreich  RTT
17 DNF 31 DNF
1960 Gérard Laureau
Deutsch & Bonnet
DB Coupé
DB HBR5
DB HBR4
Argentinien  BUA Vereinigte Staaten  SEB Italien  TAR Deutschland  NÜR Frankreich  LEM
16 39 15
1961 Gérard Laureau
Automobiles René Bonnet
DB HBR5 Vereinigte Staaten  SEB Italien  TAR Deutschland  NÜR Frankreich  LEM Italien  PES
DNF 35 18
1962 René Bonnet
Automobiles René Bonnet
René Bonnet Djet Vereinigte Staaten  DAY Vereinigte Staaten  SEB Vereinigte Staaten  SEB Italien  MAI Italien  TAR Deutschland  BER Deutschland  NÜR Frankreich  LEM Frankreich  TAV Italien  CCA Vereinigtes Konigreich  RTT Deutschland  NÜR Vereinigte Staaten  BRI Vereinigte Staaten  BRI Frankreich  PAR
19 18 12
1963 René Bonnet René Bonnet Djet Vereinigte Staaten  DAY Vereinigte Staaten  SEB Vereinigte Staaten  SEB Italien  TAR Belgien  SPA Italien  MAI Deutschland  NÜR Italien  CON Deutschland  ROS Frankreich  LEM Italien  MON Deutschland  WIS Frankreich  TAV Deutschland  FRE Italien  CCE Vereinigtes Konigreich  RTT Schweiz  OVI Deutschland  NÜR Italien  MON Italien  MON Frankreich  TDF Vereinigte Staaten  BRI
20 36 DNF 25 DNF
1964 Automobiles René Bonnet René Bonnet Djet Vereinigte Staaten  DAY Vereinigte Staaten  SEB Italien  TAR Italien  MON Belgien  SPA Italien  CON Deutschland  NÜR Deutschland  ROS Frankreich  LEM Frankreich  REI Deutschland  FRE Italien  CCE Vereinigtes Konigreich  RTT Schweiz  SIM Deutschland  NÜR Italien  MON Frankreich  TDF Vereinigte Staaten  BRI Vereinigte Staaten  BRI Frankreich  PAR
DNF DNF DNF

LiteraturBearbeiten

  • Christian Moity, Jean-Marc Teissèdre, Alain Bienvenu: 24 heures du Mans, 1923–1992. 2 Bände. Éditions d’Art, Besançon 1992, ISBN 2-909-413-06-3.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Die Geschichte des Ferme de Gally
  2. Information zur Person Gérard Laureau
  3. 12-Stunden-Rennen von Hyères 1953