Karim Benzema

französischer Fußballspieler

Karim Mostafa Benzema (* 19. Dezember 1987 in Lyon) ist ein französischer Fußballspieler. Seit 2009 steht er beim spanischen Rekordmeister Real Madrid in der Primera División unter Vertrag. Mit Real wurde er unter anderem viermal spanischer Meister und gewann fünfmal die UEFA Champions League. Zuvor hatte er für Olympique Lyon gespielt und mit dem Team viermal die französische Meisterschaft gewonnen. Er wurde vier Mal zu Frankreichs Fußballer des Jahres und ein Mal zu Spaniens Fußballer des Jahres gewählt. Benzema wurde 2007 erstmals in die französische Nationalmannschaft berufen. In Folge eines Erpressungsversuches wurde er im Dezember 2015 für fünfeinhalb Jahre von der Nationalmannschaft ausgeschlossen. 2021 gab er sein Comeback und gewann mit Frankreich die UEFA Nations League.

Karim Benzema
Karim Benzema (2021)
Personalia
Voller Name Karim Mostafa Benzema
Geburtstag 19. Dezember 1987
Geburtsort LyonFrankreich
Größe 185 cm
Position Mittelstürmer
Junioren
Jahre Station
1995–1996 SC Bron Terraillon
1996–2004 Olympique Lyon
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
2004–2009 Olympique Lyon 112 0(43)
2009– Real Madrid 415 (219)
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)2
2003–2004 Frankreich U16 4 00(1)
2004–2005 Frankreich U17 17 0(14)
2005–2006 Frankreich U18 9 00(5)
2006–2007 Frankreich U21 5 00(0)
2007– Frankreich 94 0(36)
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.
Stand: Saisonende 2021/22

2 Stand: 16. November 2021

VereinshistorieBearbeiten

Olympique LyonBearbeiten

Benzema, der aus einer Familie mit algerischen Wurzeln stammt,[1] wurde 2004 während der laufenden Saison aus der Jugend von Olympique Lyon in die erste Mannschaft hochgezogen und gab sein Ligadebüt am 15. Januar 2005 gegen den FC Metz. Noch vor seinem ersten Ligator gegen den AC Ajaccio am 4. März 2006 erzielte er im Champions-League-Spiel gegen Rosenborg Trondheim am 6. Dezember 2005 seinen ersten Europapokaltreffer. Am 13. März 2008 verlängerte er seinen Vertrag bis 2013 mit Option auf eine weitere Saison.[2]

In der Saison 2007/08 gewann Benzema mit seiner Mannschaft zum vierten Mal in Folge die französische Meisterschaft. Obwohl er von März bis April 2008 an einem Innenbandanriss im Knie laboriert hatte, gehörte er zu den Stammspielern. Mit 20 Toren in 30 Spielen wurde er Torschützenkönig der Ligue 1. Am 11. Mai 2008 wurde er von seinen Berufskollegen in Frankreichs Ligue 1 zum „Fußballer des Jahres“ gewählt.[3]

Real MadridBearbeiten

2009–2014: Erste Titel in Liga und Champions LeagueBearbeiten

 
Benzema kurz nach seinem Wechsel zu Real Madrid (2009)

Im Juli 2009 wechselte Benzema zu Real Madrid. Die Transfersumme belief sich zunächst auf 35 Millionen Euro.[4] Er unterschrieb einen Sechsjahresvertrag bis zum 30. Juni 2015. Er debütierte am 29. August 2009 gegen Deportivo La Coruña.[5] Sein erstes Pflichtspieltor erzielte er am 20. September 2009 im Heimspiel gegen Deportivo Xerez, das Real Madrid mit 5:0 gewann.[6] In den Spielzeiten 2009/10 und 2010/11 stand er überwiegend im Schatten seiner Mannschaftskameraden Cristiano Ronaldo und Gonzalo Higuaín. Erst in der Rückrunde 2010/11 wusste er erstmals konstant zu überzeugen, nachdem er durch einen Bandscheibenvorfall Higuaíns dessen Stammplatz im Sturm erhalten hatte. In der Saison 2011/12 konnte Benzema diesen Stammplatz behaupten und trug mit 21 Ligatoren zum Gewinn der spanischen Meisterschaft bei. Daraufhin wurde er von der französischen Zeitschrift France Football in den Jahren 2011 und 2012 zu Frankreichs Fußballer des Jahres gewählt.[7][8] In der Saison 2013/14 gewann Benzema mit Real Madrid zum zweiten Mal den spanischen Pokal sowie erstmals die UEFA Champions League. Im Anschluss wurde er zum dritten Mal zu Frankreichs Fußballer des Jahres gewählt.

2014–2018: Champions-League-TripleBearbeiten

Vor der Saison 2014/15 verlängerte Benzema seinen Vertrag bis 2019.[9] Unter seinem Landsmann Zinédine Zidane als Trainer gewann er mit Real Madrid zwischen 2016 und 2018 dreimal in Folge die UEFA Champions League, eine Meisterschaft, eine Supercopa sowie je zweimal die FIFA-Klub-WM und den UEFA Super Cup. Das Champions-League-Finale 2016 gewann Real Madrid im Elfmeterschießen gegen den Stadtrivalen Atlético. Benzema wurde in der 77. Minute ausgewechselt. In der Saison 2016/17 verteidigte er trotz der Verpflichtung des Sturmtalents Álvaro Morata seinen Stammplatz.[10] Real Madrid gewann die Primera División 2016/17 und Benzema dadurch seine zweite spanische Meisterschaft. In 29 Liga-Einsätzen erzielte er 11 Tore. Die Titelverteidigung in der Champions League gelang im Finale 2017 gegen Juventus Turin, in welchem Benzema erneut in der 77. Minute ausgewechselt wurde. Nach dem Wechsel Moratas zum FC Chelsea und einer weiteren Vertragsverlängerung bis 2021[11] war Benzema in der Saison 2017/18 konkurrenzlos gesetzt, erzielte in 32 Ligaspielen aber nur 5 Tore und geriet so in die Kritik. Er rettete die Saison mit wichtigen Toren in der Champions League: Einem Doppelpack gegen den FC Bayern München im Halbfinalrückspiel und dem Führungstor im Finale 2018, welches Real Madrid mit 3:1 gegen den FC Liverpool gewann. Damit war Benzema zum insgesamt vierten Mal Champions-League-Sieger, davon drei Titel in Folge.

Seit 2018: Dritte Meisterschaft, Fußballer des JahresBearbeiten

Nach dem Abgang von Cristiano Ronaldo rückte Benzema mit Beginn der Saison 2018/19 wieder in eine zentralere Torjägerrolle und erzielte in den folgenden vier Spielzeiten jeweils über 20 Ligatore. Dies war ihm in den neun Jahren zuvor nur in zwei Spielzeiten gelungen. In der Saison 2019/20 gewann er seinen dritten Meistertitel. Er kam nur in einem Ligaspiel nicht zum Einsatz und war mit 21 Toren bester Torjäger von Real Madrid und Zweiter in der Torjägerliste. Ende 2020 wurde Benzema als Spaniens Fußballer des Jahres ausgezeichnet. Zum ersten Mal seit 2008 ging diese Auszeichnung damit weder an Lionel Messi noch Cristiano Ronaldo. Benzemas gute Form hielt auch in den folgenden Spielzeiten an. In der Saison 2020/21 spielte Real Madrid bis zum letzten Spieltag um die Meisterschaft, musste als Vizemeister aber dem Stadtrivalen Atlético den Vortritt lassen. 2021 wurde Benzema zum vierten Mal als Frankreichs Fußballer des Jahres ausgezeichnet. Am 8. Januar 2022 erzielte er im Ligaspiel gegen den FC Valencia im 584. Spiel sein 300. Tor für Real Madrid.[12] In der K.-o.-Phase der Champions League 2021/22 erzielte er in zwei aufeinanderfolgenden Spielen, im Achtelfinal-Rückspiel gegen Paris Saint-Germain sowie im Viertelfinal-Hinspiel gegen Titelverteidiger Chelsea, einen Hattrick.[13] Benzema wurde damit zum ältesten Spieler, dem ein Hattrick in der Champions League gelang. Mit 34 Jahren und 108 Tagen brach er seinen vier Wochen zuvor aufgestellten eigenen Rekord.[14] Benzema traf auch in jedem weiteren Turnierspiel bis zum Finale. Dieses gewannen die Madrilenen am 28. Mai 2022 in Paris gegen den FC Liverpool mit 1:0 durch ein Tor von Vinícius Júnior. Benzema gewann zum fünften Mal die Königsklasse. Mit 15 Toren, zehn davon in der K.-o.-Phase, wurde er zudem erstmals Torschützenkönig der Champions League.

Sein Vertrag in Madrid läuft bis 2023.[15]

NationalmannschaftBearbeiten

 
Benzema für Frankreich 2012

Am 28. März 2007 gab Karim Benzema sein Debüt in der französischen A-Nationalmannschaft. Beim 1:0-Sieg über Österreich erzielte er den einzigen Treffer des Spiels.

Bei der EM-Endrunde 2008 gehörte er zum französischen Aufgebot. Im ersten enttäuschenden Gruppenspiel gegen Rumänien spielte Benzema 78 Minuten, ehe für ihn Samir Nasri ins Spiel kam. Bei der 1:4-Niederlage gegen die Niederlande stand er nicht auf dem Feld. Im entscheidenden Gruppenspiel gegen Weltmeister Italien spielte Benzema durch, konnte aber keine entscheidenden Akzente setzen.

Zur Weltmeisterschaft 2010 wurde er nach einer schwachen Saison bei Real Madrid nicht nominiert. Der neue Nationaltrainer Laurent Blanc setzte allerdings für seinen Neuaufbau der Nationalmannschaft auch auf Benzema.

Am 14. Mai 2014 wurde er von Blancs Nachfolger Didier Deschamps in den Kader der französischen Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft 2014 berufen.[16] Im ersten Gruppenspiel gegen Honduras (3:0) erzielte Benzema zwei Tore. Auch im darauffolgenden 5:2-Sieg gegen die Schweiz erzielte er ein Tor und gab die Vorlagen zu zwei weiteren Toren. In beiden Spielen wurde er zum Man of the Match gewählt. Benzema erreichte mit Frankreich das Viertelfinale, in dem seine Mannschaft gegen den späteren Titelgewinner Deutschland ausschied.

Am 8. Oktober 2015 bestritt er aufgrund seiner vermuteten Beteiligung an einer versuchten Erpressung (in der „Sextape-Affäre“; siehe den Abschnitt „Verfahren wegen versuchter Erpressung“ weiter unten) sein vorerst letztes Länderspiel. Nachdem er nicht für die EM 2016 nominiert worden war, äußerte er Rassismus-Vorwürfe gegenüber Nationaltrainer Deschamps.[17] Im Herbst 2017 machte France Football sich für seine Rückkehr zu den Bleus stark; das Fachblatt argumentierte, Benzema sei im Verein immer noch der eindeutig beste und erfolgreichste aktive Stürmer Frankreichs, trüge gerne wieder den blauen Dress, die Justiz habe ihn mittlerweile „sozusagen weißgewaschen“ und auch Verbandspräsident Noël Le Graët halte seine Berücksichtigung nunmehr wieder für akzeptabel – alleine Nationaltrainer Deschamps sei nicht bereit, in dieser Frage über seinen Schatten zu springen.[18] Im Juli 2018 wurde Frankreich ohne Benzema Weltmeister. Im Oktober 2019 bekräftigte Deschamps, dass Benzema nicht in die Nationalmannschaft zurückkehren werde, solange er Nationaltrainer sei.[19]

Dennoch fand Benzema im Mai 2021 nach fünfeinhalb Jahren überraschend Aufnahme in Deschamps’ Kader für die Europameisterschafts-Endrunde im Sommer dieses Jahres und lief im Vorfeld des Turniers in den Testspielen erstmals wieder für die Équipe Tricolore auf.[20] Dort erzielte Benzema vier Treffer, dennoch schied Frankreich bereits im Achtelfinale gegen die Schweiz im Elfmeterschießen aus.

KontroversenBearbeiten

Anklage wegen Sex mit einer minderjährigen ProstituiertenBearbeiten

Benzema wurde in Frankreich angeklagt, 2009 in einem Münchener Hotel Sex mit einer minderjährigen Prostituierten (strafbar nach Artikel 225-12-1 des Code pénal) gehabt zu haben. Mitangeklagt aus gleichem Grund waren auch sein Nationalmannschaftskollege Franck Ribéry sowie dessen Schwager. Im Unterschied zu Ribéry bestritt er jeglichen sexuellen Kontakt zu der Betreffenden. Der Strafprozess wurde nach mehrmonatiger Unterbrechung im Januar 2014 abgeschlossen. Alle drei Männer wurden freigesprochen, da keinem – so auch die Ansicht der Staatsanwaltschaft – nachzuweisen war, dass sie sich der Minderjährigkeit der Prostituierten bewusst waren.[21]

Verfahren wegen versuchter ErpressungBearbeiten

Im Oktober 2015 wurde Benzema versuchte Erpressung seines Nationalmannschaftskollegen Mathieu Valbuena mit einem Sex-Video vorgeworfen. Am 5. November 2015 wurde er wegen „Mittäterschaft bei einem Erpressungsversuch und Mitwirken in einer kriminellen Vereinigung“ angeklagt und ihm wurde durch Gerichtsbeschluss jeglicher Kontakt zu Valbuena untersagt. Am 11. Dezember 2015 wurde Benzema aufgrund dieser Sachlage vom Französischen Fußballverband aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen.[22] Nach fünfeinhalb Jahren wurde er 2021 von Trainer Didier Deschamps erstmals wieder in die Nationalmannschaft berufen.[23]

Im November 2021 wurde er wegen Beihilfe zur versuchten Erpressung zu einem Jahr Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 75.000 Euro verurteilt.[23]

ErfolgeBearbeiten

Mit der NationalmannschaftBearbeiten

Mit dem VereinBearbeiten

 
Marcelo (l.), Benzema (m.) und Carlos Osoro Sierra (r.) mit der Champions-League-Trophäe (2022)
International
Frankreich
Spanien

Individuelle ErfolgeBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Karim Benzema – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Karim Benzema. Abgerufen am 29. Juni 2018 (deutsch).
  2. „Benzema verlängert bis 2013“ Artikel auf www.kicker.de vom 13. März 2008.
  3. Benzema Frankreichs «Fußballer des Jahres» Artikel auf fussball24.de vom 11. Mai 2008
  4. „Transfert de Karim Benzema au Real Madrid“ (Memento vom 2. Juli 2009 im Internet Archive) Artikel auf olweb.fr (französisch) vom 1. Juli 2009
  5. Michael J. O’Donnell: Great start. In: Real Madrid, 29. August 2009. Archiviert vom Original am 15. Juli 2011. Abgerufen am 11. Februar 2011. 
  6. Real Madrid 5–0 Xerez. In: ESPN Soccernet, 20. September 2009. 
  7. Spiegel.de Kurzpässe
  8. kicker.de: Benzema erneut „Fußballer des Jahres“
  9. siehe die offizielle Bestätigung auf der Website von Real Madrid vom 6. August 2014.
  10. Karl Matchett: Statistics That Defined Real Madrid's 2016/17 Liga Season. In: Bleacher Report. (bleacherreport.com [abgerufen am 6. Juni 2017]).
  11. siehe die offizielle Bestätigung auf der Website von Real Madrid vom 21. September 2017.
  12. Benzema knackt 300-Tore-Marke bei Real: „Glücklich und stolz“ – Ronaldo uneinholbar, transfermarkt.de, 9. Januar 2022, abgerufen am 8. April 2022
  13. Benzema trifft erneut dreifach: Real legt im Hinspiel bei Chelsea vor, kicker.de, 6. April 2022, abgerufen am 7. April 2022
  14. Benzema baut Führung aus: Die ältesten Dreierpacker der Champions League kicker.de, 6. April 2022, abgerufen am 7. April 2022
  15. Benzema verlängert bis 2023, realmadrid.com, 20. August 2021, abgerufen am 20. August 2021
  16. „Les Bleus“: Mit Ribery, aber ohne Nasri, kicker.de (13. Mai 2014)
  17. Benzema erhebt Rassismus-Vorwürfe. Spiegel Online, 1. Juni 2016, abgerufen am 13. April 2021.
  18. Artikel „Deschamps: Achtung, Baustellen voraus!“ in France Football vom 3. Oktober 2017, hier Seite 22/23
  19. Deschamps: Benzema-Rückkehr "wäre nicht gut für Frankreich". Kicker-Sportmagazin, 13. Oktober 2019, abgerufen am 13. Oktober 2019.
  20. Roberto Mamrud: Karim Benzema - Goals in International Matches. RSSSF.com. 6. Januar 2022. Abgerufen am 13. Januar 2022.
  21. "Freispruch für Ribéry und Benzema nach Sex-Affäre" Artikel in FAZ.net vom 30. Januar 2016
  22. Benzema verpasst EM im eigenen Land Artikel in Spiegel Online vom 13. April 2016
  23. a b Ein Jahr Haft auf Bewährung für Benzema in Sexvideo-Affäre. FAZ.net, 24. November 2021, abgerufen am 24. November 2021.
VorgängerAmtNachfolger
Florent MaloudaLigue-1-Spieler des Jahres
2008
Yoann Gourcuff