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Karl-Heinz Rummenigge

ehemaliger deutscher Fußballspieler und heutiger Fußballfunktionär

Karl-Heinz „Kalle“ Rummenigge (* 25. September 1955 in Lippstadt) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler auf der Position des Stürmers. In seiner Laufbahn war er als Profifußballer für den FC Bayern München, Inter Mailand und Servette Genf aktiv.

Karl-Heinz Rummenigge
Rummenige2008-05.jpg
Karl-Heinz Rummenigge, 2008
Spielerinformationen
Geburtstag 25. September 1955
Geburtsort LippstadtDeutschland
Größe 182 cm
Position Sturm
Junioren
Jahre Station
1963–1974 Borussia Lippstadt
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
1974–1984 FC Bayern München 310 (162)
1984–1987 Inter Mailand 64 0(24)
1987–1989 Servette Genf 60 0(34)
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)
1975 Deutschland B 1 00(0)
1976–1986 Deutschland 95 0(45)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

In den 1980er Jahren galt Rummenigge als einer der besten Spieler der Welt. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er im Jahr 1980 Europameister und führte sie als Mannschaftskapitän in die WM-Finals 1982 und 1986 sowie bei der Europameisterschaft 1984. Mit 162 Toren in 310 Bundesliga-Spielen nimmt er den elften Rang in der Torschützenliste der Fußball-Bundesliga ein.

Seit 2002 ist er Vorstandsvorsitzender der FC Bayern München AG. Außerdem war er von 2008 bis 2017 Vorsitzender der European Club Association.

Inhaltsverzeichnis

JugendBearbeiten

Rummenigges Vater war bei Borussia Lippstadt aktiv und übertrug seine Fußballbegeisterung auf seine Söhne Wolfgang, Karl-Heinz und Michael. Karl-Heinz und Michael traten der Borussia bei und wurden in der Jugendabteilung fußballerisch gefördert. In einem C-Jugendspiel fiel Karl-Heinz Rummenigge erstmals auf, als er bei einem 32:0-Sieg 16 Tore erzielte. Obwohl er schon früh als großes Talent galt, schaffte er nicht den Sprung in eine nationale Jugendauswahl, sondern lediglich in die Westfalenelf.

Karriere im VereinBearbeiten

Aufstieg bei Bayern MünchenBearbeiten

1974 erhielt Rummenigge ein Angebot vom deutschen Meister FC Bayern München. Der 19-Jährige brach eine Lehre zum Bankkaufmann ab und wechselte für ein Monatsgehalt von 8.000 DM[1] von Lippstadt zu den Bayern. Deren unumschränkter Star Franz Beckenbauer hatte wenig für den Neueinkauf übrig und kommentierte: „Das wird nie einer.“ Doch der schüchterne Stürmer, häufig als „Rotbäckchen“ verspottet, setzte sich unter Trainer Udo Lattek durch. In seiner ersten Saison absolvierte er 21 Bundesliga-Spiele und traf dabei fünfmal; mit seinem Verein belegte er den zehnten Platz. 1975 gewannen die Bayern den Europapokal der Landesmeister, Rummenigge wurde dabei durchgehend bis zum Halbfinale eingesetzt.

In der Folgesaison erspielte er sich einen Stammplatz in der Offensive der Münchener und verteidigte mit ihnen 1976 den Titel im Europapokal der Landesmeister durch einen 1:0-Sieg über die AS Saint-Étienne. Anschließend besiegte Bayern Cruzeiro Belo Horizonte in den Spielen um den Weltpokal 1976. Es war Rummenigges dritter Titel im Bayern-Dress.

In der Anfangszeit bei Bayern München leistete Rummenigge seinen Grundwehrdienst beim schweren Pionierlehrbataillon 210 in München ab.[2]

Führungsspieler bei den BayernBearbeiten

Rummenigge war von nun an nicht mehr aus der Mannschaft hinwegzudenken und unterstützte Stürmer Gerd Müller erfolgreich im Angriff. Ende der 1970er Jahre verließen Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Gerd Müller die Mannschaft und hinterließen eine große Lücke beim FC Bayern. Der Verein belegte 1977 Platz Sieben und 1978 Platz Zwölf. Rummenigge entwickelte sich unter den Trainern Dettmar Cramer bzw. Gyula Lóránt fußballerisch und als Persönlichkeit weiter und war bald als Führungsspieler in der Mannschaft anerkannt. Die Bayern holten 1978 Paul Breitner von Eintracht Braunschweig zurück, der sich mit dem Außenstürmer Rummenigge auf dem Feld „blind“ verstand und ihm mit langen Pässen gute Spielszenen ermöglichte. 1980 gewannen die Bayern nach sechs Jahren wieder die deutsche Meisterschaft, wobei Rummenigge mit 26 Toren Torschützenkönig wurde. Nach dieser Spielzeit wurde er zu Deutschlands und Europas Fußballer des Jahres gewählt.

1981 verteidigten die Bayern den Titel, mit 29 Saison-Treffern setzte Rummenigge seine persönliche Bestmarke und wurde wieder Torschützenkönig. Auf dem Zenit seines Könnens wurde er wiederholt zu Europas Fußballer des Jahres gekürt und galt Anfang der 1980er Jahre als einer der besten Spieler der Welt. 1982 stand der Verein im Finale des Europapokals der Landesmeister, wo er dem englischen Vertreter Aston Villa mit 0:1 unterlag. In diesem Spiel ließ Rummenigge eine Vielzahl hochkarätiger Chancen aus. Auf nationaler Ebene folgten mit zwei Siegen im DFB-Pokal 1982 und 1984 weitere Titel und Rummenigge sicherte sich 1984 mit 26 Toren zum dritten Mal die Torjäger-Kanone.

Von 1981 bis 1984 spielte er bei den Bayern gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Michael Rummenigge.

Mit 162 Toren in 310 Bundesliga-Spielen (Quote: 0,52 Tore pro Spiel) ist Rummenigge Elfter der Ewigen Torschützenliste der Bundesliga und erzielte nach Gerd Müller die zweitmeisten Tore für den FC Bayern. In 64 Europapokal-Spielen gelangen ihm für seine Mannschaft 30 Tore.

Inter MailandBearbeiten

1984 wechselte Rummenigge zum italienischen Verein Inter Mailand, der zehn bis elf Millionen Mark Ablöse zahlte. Dies war damals die zweithöchste Ablösesumme weltweit, die nur von dem Transfer Diego Maradonas übertroffen wurde, der im selben Jahr für 24 Millionen Mark vom FC Barcelona zum SSC Neapel wechselte. Die Erwartungen an Rummenigge in Italien waren nicht zuletzt wegen der enormen Ablösesumme hoch, sollte er die Mannschaft doch wieder zur Meisterschaft führen. Doch er konnte nicht mehr seine Höchstleistung bringen – zwar erzielte er in 64 Spielen 24 Tore, aber seine Zeit in der Serie A war von vielen Verletzungen geprägt. Mit Inter gewann er keine Titel.

Servette GenfBearbeiten

Nach drei Jahren in Italien schloss er sich 1987 Servette Genf in der Schweiz an. Hier ließ er seine Karriere ausklingen und wurde 1989 mit 24 Toren Torschützenkönig der Nationalliga A. Im Alter von 33 Jahren beendete er seine Spielerkarriere im Sommer 1989.

Karriere in der NationalmannschaftBearbeiten

Am 2. September 1975 spielte Rummenigge erstmals im Trikot der Nationalmannschaft; mit der B-Auswahl gewann er in Augsburg mit 2:0 gegen Österreich. Am 6. Oktober 1976 debütierte er in der A-Nationalmannschaft beim 2:0-Sieg über Wales. Zwei Jahre später nominierte Bundestrainer Helmut Schön den jungen Außenstürmer für die WM 1978 in Argentinien. Beim Eröffnungsspiel musste Rummenigge dem Schalker Rüdiger Abramczik den Vortritt lassen. Im zweiten Spiel gegen Mexiko, in dem er zwei Tore erzielte, spielte er sich in die Stammformation. Ein drittes Tor gelang ihm im Spiel gegen Österreich, das später als „Schmach von Cordoba“ in die bundesdeutsche Fußballgeschichte einging, da Deutschland durch eine 2:3-Niederlage aus dem Turnier ausschied.

 
Spielszene des WM-Spiels von 1986 gegen Marokko auf einer paraguayischen Briefmarke

1980 wurde er mit der Nationalmannschaft in Italien Europameister und wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt. Ihm gelang dabei ein Tor und er bereitete im Finale mit einem Eckball den Siegtreffer zum 2:1 von Sturmpartner Horst Hrubesch vor.

Nach diesem persönlichen Erfolgsjahr – er war zuvor bereits Deutscher Meister und Torschützenkönig geworden – meldete er auch in der Nationalelf Ansprüche als Führungsspieler an. Schließlich wurde er 1981 von Schöns Nachfolger Jupp Derwall zum Mannschaftskapitän ernannt.

Bei der WM-Endrunde 1982 in Spanien spielte der neue Kapitän ein starkes Turnier und erzielte fünf Tore, darunter einen Hattrick im Vorrundenspiel gegen Chile beim 4:1-Sieg. Legendär wurde der entsetzte Ausruf von Frankreichs Staatspräsident François Mitterrand, als im Halbfinale Deutschland gegen Frankreich („Nacht von Sevilla“) der angeschlagene Rummenigge in der Verlängerung nach einem 1:2-Rückstand eingewechselt wurde: „Mon dieu, Rümmenisch!“ Seine Überraschung über die Einwechslung teilte er auch mit der Fachwelt, da bei Rummenigge nach der Zwischenrunden-Partie gegen Spanien in der Halbzeit mit Verdacht auf Muskelfaserriss ausgewechselt wurde.[3] Rummenigge schoss, nachdem die Franzosen zwischenzeitlich auf 1:3 scheinbar unaufholbar in Führung lagen, den Anschlusstreffer zum 2:3 und leitete damit die Wende in einem dramatischen Spiel ein, das nach dem Ausgleich durch Klaus Fischer (Tor des Jahres 1982) schließlich im Elfmeterschießen gewonnen wurde. Das anschließende Finale gegen Italien verlief insgesamt enttäuschend: Rummenigge musste nach 70 Minuten verletzt ausgewechselt werden und Italien besiegte Deutschland überlegen mit 3:1. Rummenigge wurde zum drittbesten Spieler des Turniers gewählt.

Seine dritte WM bestritt er 1986 in Mexiko unter seinem ehemaligen Mitspieler, Teamchef Franz Beckenbauer. Rummenigge war von Anfang an durch Verletzungen gehandicapt, reiste nicht in Topform zur Endrunde und bestritt lediglich zwei Partien über die volle Distanz. Deutschland erreichte wieder das Endspiel: Rummenigge erzielte in der 74. Minute das 1:2 gegen Argentinien, am Ende siegten die Südamerikaner um Diego Maradona mit 3:2. Nach dem Finale trat er als Mannschaftskapitän zurück und beendete seine Karriere im DFB-Trikot nach 95 Länderspielen (45 Tore).

Rummenigge war 51-mal Spielführer der DFB-Elf und vom 29. Juni 1986 bis zum 18. Dezember 1993 Rekordspielführer, ehe er von Lothar Matthäus überboten wurde.

ErfolgeBearbeiten

NationalmannschaftBearbeiten

VereinBearbeiten

KarrierestatistikBearbeiten

Verein Liga Saison Liga Nat. Pokal Europapokal Andere Gesamt
Spiele Tore Spiele Tore Spiele Tore Spiele Tore Spiele Tore
FC Bayern München Bundesliga 1974/75 21 5 3 1 4 0 - - 28 6
1975/76 32 8 7 2 9 3 2 0 48 13
1976/77 31 12 5 2 6 1 2 0 42 15
1977/78 29 8 3 0 6 6 2 0 38 14
1978/79 34 14 2 0 - - - - 36 14
1979/80 34 26 3 5 10 5 - - 47 36
1980/81 34 29 3 4 8 6 - - 45 39
1981/82 32 14 7 7 9 6 - - 48 27
1982/83 34 20 2 0 6 1 - - 42 21
1983/84 29 26 7 4 6 2 - - 42 32
Gesamt 310 162 42 25 64 30 6 0 422 217
Inter Mailand Serie A 1984/85 26 8 9 5 9 5 - - 44 18
1985/86 24 13 6 2 9 3 - - 39 18
1986/87 14 3 5 2 5 1 - - 24 6
Gesamt 64 24 20 9 23 9 - - 107 42
Servette Genf Nationalliga A 1987/88 28 10 - - - - - - 28 10
1988/89 32 24 - - 4 0 - - 36 24
Gesamt 60 34 - - 4 0 - - 64 34
Karriere Gesamt 434 220 62 34 91 39 6 0 593 293
Nationalmannschaft
Jahr Spiele Tore
1976 2 0
1977 6 1
1978 12 4
1979 8 5
1980 10 4
1981 11 9
1982 13 9
1983 10 8
1984 8 1
1985 6 3
1986 9 1
Gesamt 95 45

AuszeichnungenBearbeiten

Tätigkeit als Funktionär und KommentatorBearbeiten

Rummenigge fungierte von 1990 bis 1994 für die ARD als Co-Kommentator von Länderspielen. Zudem startete er 1990 die Kampagne Keine Macht den Drogen.

 
Karl-Heinz Rummenigge 2013 als Vorstandsvorsitzender

Nach der Entlassung von Jupp Heynckes im Herbst 1991 als Trainer beschloss der damalige Präsident des FC Bayern, Fritz Scherer, die ehemaligen Spieler Rummenigge und Beckenbauer als Vizepräsidenten in den Klub zurückzuholen. Auf der Generalversammlung am 25. November 1991 wurde dieser Schritt auch formell vollzogen. Rummenigge war fortan bis 2002 Vizepräsident des FC Bayern. Am 14. Februar 2002 wurde er schließlich im Zuge der Umwandlung der Fußballabteilung des FC Bayern München in eine AG zum Vorstandsvorsitzenden ernannt.

Rummenigge übernahm am 21. Januar 2008 die Funktion des ersten Vorsitzenden der European Club Association (ECA), die er bis zum 4. September 2017 ausübte.[10] Rummenigge wurde im Anschluss zum Ehrenvorsitzenden der ECA ernannt.[11]

Zudem ist er Mitglied in der UEFA-Kommission Strategischer Beirat für Berufsfußball.[12]

Steuerstraftat 2013Bearbeiten

Im September 2013 wurde Rummenigge zu einer Geldstrafe von 249.900 Euro (140 Tagessätze in Höhe von je 1.785 Euro) verurteilt, nachdem er Anfang Februar 2013 am Münchner Flughafen zwei Luxus-Uhren im Wert von circa 100.000 Euro[13] am Zoll vorbei einführen wollte. Er ist damit vorbestraft.[14] Sein Posten als Vorstandsvorsitzender der FC Bayern München AG ist durch die Vorstrafe zumindest aus rechtlichen Gründen nicht in Frage gestellt, weil die von ihm begangene Straftat nicht so schwer war, dass ihm nach dem Aktiengesetz die Führung einer Aktiengesellschaft hätte verboten werden müssen.[15]

FamilieBearbeiten

Karl-Heinz Rummenigge ist verheiratet und hat fünf Kinder.[16] Seine Brüder Michael und Wolfgang waren ebenfalls Profifußballer. Sein Neffe Marco (* 1988) spielte bis Sommer 2010 beim SV Waldhof Mannheim und absolvierte für die deutsche U-19-Nationalmannschaft drei Spiele.

MusikBearbeiten

Nach dem 2:1-Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft am 13. Oktober 1982 in Wembley gegen England wurde der zweifache Torschütze Rummenigge von dem Popduo Alan & Denise (Rummenigge, what a man) besungen. Wenig später gab es ein deutschsprachiges Cover von Wolfgang Fierek & Cleo Kretschmer.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Karl-Heinz Rummenigge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Peter Steinkirchner: FC Bayern-Chef Rummenigge: "Wir müssen Einfluss nehmen, wie Fußball verkauft wird". In: wiwo.de. 16. August 2010, abgerufen am 7. Januar 2017.
  2. 11freunde.de vom 25. Januar 2012: Kalle zieht in den Krieg: Fußballer beim Bund, abgerufen am 7. März 2016.
  3. Spieldaten auf www.transfermarkt.de
  4. Tor des Monats auf sportschau.de.
  5. Tor des Monats auf sportschau.de.
  6. Tor des Monats auf sportschau.de.
  7. Tor des Monats auf sportschau.de.
  8. Tor des Monats auf sportschau.de.
  9. Tor des Monats auf sportschau.de.
  10. Karl-Heinz Rummenigge verabschiedet sich von der ECA, abgerufen am 5. September 2017
  11. ECA: Andrea Agnelli beerbt Karl-Heinz Rummenigge als Vorsitzenden, abgerufen am 5. September 2017
  12. unbekannt. In: fcbayern.telekom.de. Archiviert vom Original am 2. September 2013, abgerufen am 7. Januar 2017.
  13. Michael Kröger: Der Fall Rummenigge: Schmuggler riskieren mehr als Schläger. In: Spiegel Online. 13. November 2013, abgerufen am 7. Januar 2017.
  14. Florian Tempel: Rummenigge zahlt. In: Süddeutsche Zeitung. 11. November 2013, ISSN 0174-4917, S. 25 (ähnliche Version online).
  15. § 76 AktG Leitung der Aktiengesellschaft. In: dejure.org. 4. Mai 2005, abgerufen am 7. Januar 2017.
  16. PA_FOC: Fragebogen: Karl-Heinz Rummenigge. In: Focus Online. 5. März 2010, abgerufen am 7. Januar 2017.