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Oskar Rohr (* 24. April 1912 in Mannheim; † 8. November 1988) war ein deutscher Fußballspieler, der auch in der Schweiz und in Frankreich fußballerisch aktiv war und somit einer der ersten Auslandsprofis in dieser Sportart.

Oskar Rohr
Personalia
Geburtstag 24. April 1912
Geburtsort MannheimDeutsches Reich
Sterbedatum 8. November 1988
Position Sturm
Junioren
Jahre Station
Phönix Mannheim
0000–1930 VfR Mannheim
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
1930–1933 FC Bayern München
1933–1934 Grasshopper Club Zürich 20 0(23)
1934–1939 Racing Straßburg 136 (118)
1939–1942 FC Sète
1945 TSV Schwaben Augsburg 15 00(8)
1946 VfR Mannheim 7 00(3)
1947–1948 FK Pirmasens 21 0(11)
1948–1949 SV Waldhof Mannheim 17 00(5)
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)
1932–1933 Deutschland 4 00(5)
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.

Inhaltsverzeichnis

Beginn und steiler AufstiegBearbeiten

In Mannheim geboren und aufgewachsen, begann Rohr bei Phönix Mannheim mit dem Fußballspielen und setzte es in der Jugendabteilung des VfR Mannheim fort. Talent und Torinstinkt zeichneten ihn bereits als jungen Spieler aus. Diese Eigenschaften auf einer größeren Bühne präsentieren zu wollen, veranlassten ihn 1930 zum FC Bayern München zu wechseln. In seiner Premierensaison für die Bayern verpasste er mit ihnen als Dritter der süddeutschen Meisterschaft zwar knapp die Endrundenteilnahme um die deutsche Meisterschaft, doch in der Saison 1931/32, als Zweiter der süddeutschen Meisterschaft, qualifizierte er sich mit der Mannschaft für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft 1931/32. Nachdem er sich mit der Mannschaft gegen Minerva 93 Berlin, den PSV Chemnitz und den 1. FC Nürnberg hatte durchsetzen können, zog er mit ihr am 12. Juni 1932 ins Finale ein, das in Nürnberg mit 2:0 gegen Eintracht Frankfurt gewonnen wurde. Mit gerade einmal 20 Jahren ist er Deutscher Meister geworden und trug per verwandelten Strafstoß ein Tor zum Erfolg bei. Im Jahr danach spielten die Bayern aber selbst in Süddeutschland nur eine mittelmäßige Rolle – zu wenig für ihn, der hoch hinaus wollte; zumal er schon im Jahr zuvor auch erstmals von Reichstrainer Otto Nerz in die Nationalmannschaft berufen wurde, in der er bereits als 19-Jähriger an der Seite von Größen wie Ernst Kuzorra und Richard Hofmann spielte.

Rohr bestritt bis März 1933 vier Länderspiele und debütierte am 6. März 1932 in Leipzig beim 2:0-Sieg über die Auswahl der Schweiz. Sein zweites Länderspiel am 25. September 1932 in Nürnberg, beim 4:3-Sieg über die Auswahl Schwedens, krönte er mit seinen ersten beiden Toren, dem Treffer zum 1:0 in der 10. und dem Treffer zum 4:2 in der 64. Minute. Bei der 1:3-Niederlage am Neujahrstag in Bologna gegen die Auswahl Italiens erzielte er die 1:0-Führung in der 4. Minute. Zwei Tore gelangen ihm auch in seinem letzten Länderspiel, beim 3:3-Unentschieden in Berlin gegen die Auswahl Frankreichs. Mit fünf Treffern in vier Spielen[1] schien ihm eine glänzende Karriere bevorzustehen.

Den Gauauswahlwettbewerb um den Adolf-Hitler-Pokal 1933 gewann er mit der Gauauswahl Bayern am 6. August 1933 in München, mit 6:1 im Wiederholungsspiel gegen die Gauauswahl Berlin-Brandenburg (mit Spielern wie Hans Appel, Heinz Emmerich, Hans Brunke, Johannes Sobeck, Willi Kirsei). Neben ihm stürmten noch Bergmaier, Krumm, Lachner und Frank.

Erfolgreiche Jahre im AuslandBearbeiten

Im Sommer 1933 wechselte Rohr zum Grasshopper Club Zürich, wurde dort 1934 auch Schweizer Cup-Sieger. Sein Ziel aber war es, mit seinem Fußballspiel Geld zu verdienen – deshalb spielte er ab 1934 für Racing Strasbourg in der Division 1, Frankreichs höchster Spielklasse, bei denen er anlässlich seiner Vertragsunterzeichnung als Prämie ein Citroën-Cabrio erhielt.[2] In der deutschen Nationalelf wurde Rohr als im Ausland und noch dazu als Profi spielender „Fahnenflüchtiger“ in jener Zeit nicht mehr berücksichtigt; die Zeitschrift Der Fußball nannte ihn den „Gladiator, der sich im Ausland verkauft“.

Umso mehr feierten ihn seine Fans und die Presse im Elsass. Auf Anhieb etablierte er sich in Strasbourg, erzielte in der Saison 1934/35 in 22 Ligaspielen 20 Tore und wurde auf der Meinau Zweiter der Meisterschaft. In der Saison 1935/36 erzielte er in 28 Punktspielen ebenso viele Tore, die zweitmeisten in der Torjägerliste und Platz 3 für seinen Klub in der Division 1. In der Saison 1936/37 langte es zwar nur zu Platz 6 in der Liga, doch im nationalen Pokalwettbewerb musste er sich mit der Mannschaft erst im Finale mit 1:2 dem FC Sochaux geschlagen geben. Darüber hinaus gewann er mit 30 Toren die Torjägerkanone, die Auszeichnung für den erfolgreichsten Torschützen. In der Folgesaison wurde er mit 25 Toren zweiterfolgreichster Torschütze.

Die Saison 1938/39 fiel demgegenüber für den Mittelstürmer und seine Straßburger nur durchschnittlich aus. Dennoch ist Rohr bis heute (April 2013) mit 118 Erstligatoren Racings erfolgreichster Stürmer aller Zeiten, und im Stade de la Meinau erinnern sich heute noch Fans an ihn, deren Eltern noch gar nicht geboren waren, als er für die Elsässer stürmte. Rohr hat im übrigen in diesen Jahren auch zwölf Spiele für die Elsass-Auswahl bestritten.[3]

Flucht und Verschleppung in die „Heimat“Bearbeiten

Der Kriegsausbruch am 1. September 1939 und die Besetzung weiter Teile Frankreichs durch die Wehrmacht veranlassten Rohr, der im Dritten Reich zu einer Unperson erklärt worden war, zur Flucht in das unbesetzte Südfrankreich, wo er bis 1942 nahe Sète lebte und für den FC Sète spielte.[4] Allerdings scheint er in der Saison 1941/42 in Punktspielen nicht mehr zum Einsatz gekommen zu sein.[5] Ebenso wenig stand er 1942 in Sètes Endspielelf des französischen Pokals;[6] diese Partie fand allerdings auch im von Deutschland besetzten Landesteil statt.

Ob Rohr – wie teilweise zu lesen – von 1940 bis 1942 tatsächlich Mitglied der Fremdenlegion war, ist nicht zweifelsfrei geklärt: es gibt eine Reihe von Indizien dafür, wie etwa 2002 vom elsässischen Fußballverband LAFA dargelegt.[7] Rohr selbst hat sich nach Kriegsende widersprüchlich dazu geäußert. Beides könnte der Tatsache geschuldet sein, dass er sich anfangs der 1940er Jahre in Frankreich, danach in Deutschland befand und sich – sei es aus eigenem Antrieb, sei es, indem er von Journalisten pro domo vereinnahmt wurde – so unterschiedlich geäußert hat. Das Fachblatt Fußball-Woche übermittelte seinen Lesern im September 1942 Grüße von „Ossi Rohr, einst Berufsspieler bei RC. Straßburg“ unter der Rubrik „Von unseren Soldaten“.[8]

Im November 1942 wurde er nach Darstellung seines Neffen Philipp Rohr in Marseille von der französischen Polizei verhaftet und wegen „antifranzösischer oder kommunistischer Propaganda“ zu drei Monaten Haft verurteilt,[9] die er teilweise in der Straßburger Zitadelle verbüßte, bevor er an Deutschland ausgeliefert wurde. Die Gestapo internierte ihn im Konzentrationslager Kislau nahe Karlsruhe; zwei Monate später wurde er an die Ostfront abkommandiert. Offenbar konnte er dort in einer Fußballmannschaft des Heeres wenigstens gelegentlich auch wieder das tun, was ihm, der sicher kein politischer Widerständler gewesen ist, zeit seines Lebens am wichtigsten war: den Ball im gegnerischen Tor versenken. Kurz vor Kriegsende soll er dort von einem fußballbegeisterten deutschen Piloten erkannt und in das Reich zurückgeflogen worden sein.

In einem gewissen Widerspruch steht hierzu eine Meldung in der Fachpresse vom Juli 1944, Rohr habe in Landau im Halbfinale des Westmark-Pokals beim 4:2 einer „Landauer Soldatenelf“ gegen den FK Pirmasens mitgewirkt und vor 4.000 Zuschauern zwei Tore erzielt.[10] Im Finale gegen den FV Saarbrücken (1:6) habe er „gefehlt“.[11]

Nach dem Zweiten WeltkriegBearbeiten

Nach der Libération kehrte Rohr nicht etwa nach Straßburg zurück, wo er immer noch sehr geschätzt wurde, sondern entschloss sich, in Deutschland zu bleiben. Von Juli bis Dezember 1945 war er für den TSV Schwaben Augsburg (15 Spiele, 8 Tore) und von Januar bis Juni 1946 für den VfR Mannheim (7 Spiele, 3 Tore) in der Oberliga Süd aktiv. Danach folgten zwei Spielzeiten für den FK Pirmasens, mit dem er als Spielertrainer[12] nach seiner ersten Saison aus der zweitklassigen Landesliga Westpfalz zur Saison 1947/48 in die Oberliga Südwest aufgestiegen war. Seine letzte Spielzeit bestritt er 1948/49 für den SV Waldhof Mannheim (abermals) in der Oberliga Süd. Beim VfR stand er übrigens mit seinem Neffen Philipp kurzzeitig in einer Mannschaft.

Seine Kontakte zu Racing Strasbourg hat er allerdings in dieser Zeit gelegentlich noch genutzt. So brachte er im November 1949 Spieler auf einer wegen der Besatzungszonen noch beschwerlichen Reise von Mannheim (Amerikanische Besatzungszone) durch die Pfalz (Französische Besatzungszone) und das Saarland (Sonderstatus) nach Straßburg, wo diese für ein Gastspiel gegen Lokomotive Zagreb im Dress von Racing antraten. Der Rekordoberligaspieler des VfR Mannheim, Rudolf de la Vigne, spielte dort als angeblicher Tscheche namens Adamowski; die Maskerade flog dennoch auf und de la Vigne erhielt vom Süddeutschen Fußballausschuss vier Wochen Sperre und 20 DM Geldstrafe wegen „Wildspielens“. Zu dieser Zeit hatte Oskar Rohr seine Spielerkarriere bereits beendet; später arbeitete er als Angestellter der Mannheimer Stadtverwaltung.

SonstigesBearbeiten

Nach Frankreich verschlug es 1977 auch Gernot Rohr, einen Großneffen Oskars, der ebenfalls u. a. für den FC Bayern München und bis 1989 für Girondins Bordeaux spielte. 1982 nahm er sogar die Französische Staatsbürgerschaft an und arbeitete auch 2009 noch als Fußballtrainer in dem Land, in dem sein Großonkel Oskar zu einem der erfolgreichsten Torjäger der 1930er Jahre avancierte.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Matthias Arnhold: Oskar 'Ossi' Rohr – Goals in International Matches. RSSSF. 25. August 2016. Abgerufen am 26. August 2016.
  2. Interview mit Rohrs Großneffen Gernot in 11 Freunde, Februar 2008, S. 90.
  3. Collectif (Hrsg.: Ligue d’Alsace de Football Association): 100 ans de football en Alsace. Édito, Strasbourg 2002, ISBN 2-911219-13-9, Band 5, S. 351.
  4. Yves Dupont: La Mecque du football ou Mémoires d'un Dauphin. Selbstverlag, Sète 1973, S. 132f; auf S. 133 findet sich ein Mannschaftsfoto mit Oskar Rohr.
  5. Bei Sophie Guillet/François Laforge: Le guide français et international du football éd. 2007. Vecchi, Paris 2006 ISBN 2-7328-6842-6, S. 143, taucht sein Name im Mannschaftskader des Siegers der Südstaffel jedenfalls nicht auf.
  6. L'Équipe/Gérard Ejnès: Coupe de France. La folle épopée. L'Équipe, Issy-les-Moulineaux 2007 ISBN 978-2-915535-62-4, S. 358.
  7. Collectif (Hrsg.: Ligue d’Alsace de Football Association): 100 ans de football en Alsace. Édito, Strasbourg 2002, ISBN 2-911219-13-9, Band 5, S. 278.
  8. Fußball-Woche, Norddeutsche Ausgabe vom 22. September 1942, Seite 6
  9. Dies stand in unmittelbarem zeitlichen und sachlichen Kontext zu der großen Razzia und der Zerstörung des alten Hafens in Marseille um den Jahreswechsel 1942/43; vgl. Michael Curtis: Verdict on Vichy. Power and prejudice in the Vichy France regime. Arcade, New York 2003 ISBN 1-55970-689-9, S. 194 f.
  10. Der Kicker / Fußball vom 18. Juli 1944, Seiten 2 f.
  11. Der Kicker / Fußball vom 1. August 1944, Seite 3
  12. Sport (München) vom 20. August 1947, Seite 15