Andrij Schewtschenko

ukrainischer Fußballspieler

Andrij Mykolajowytsch Schewtschenko (ukrainisch Андрій Миколайович Шевченко, englisch Andriy Mykolayovych Shevchenko; russisch Андрей Николаевич Шевченко ‚Andrei Nikolajewitsch Schewtschenko‘; * 29. September 1976 in Dwirkiwschtschyna bei Jahotyn, Ukrainische SSR, Sowjetunion) ist ein ehemaliger ukrainischer Fußballspieler und jetziger Fußballtrainer. Der Stürmer war bei Dynamo Kiew, der AC Mailand und dem FC Chelsea aktiv. Seine größten Erfolge waren der fünfmalige Gewinn der ukrainischen Meisterschaft, der Gewinn der Champions League 2003 und die italienische Meisterschaft 2004. Schewtschenko galt als einer der besten Stürmer seiner Generation und wurde 2004 mit dem Ballon d’Or als „Europas Fußballer des Jahres“ ausgezeichnet. Auf internationaler Ebene lief er 111-mal für die ukrainische Nationalmannschaft auf, u. a. bei der Weltmeisterschaft 2006, und ist mit 48 Toren ihr Rekordtorschütze. Nach seiner Karriere wurde Schewtschenko Trainer. Er war von 2016 bis 2021 Cheftrainer der ukrainischen Nationalmannschaft, die er bei der Europameisterschaft 2021 in das Viertelfinale führte. Im November 2021 wurde er Cheftrainer des CFC Genua, wo er nach nur rund zwei Monaten entlassen wurde.

Andrij Schewtschenko
Andrij Schewtschenko (2017)
Personalia
Voller Name Andrij Mykolajowytsch
Schewtschenko
Geburtstag 29. September 1976
Geburtsort Dwirkiwschtschyna,
Ukrainische SSRSowjetunion
Größe 183 cm
Position Sturm
Junioren
Jahre Station
1986–1994 Dynamo Kiew
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
1994–1999 Dynamo Kiew 117 0(60)
1999–2006 AC Mailand 208 (127)
2006–2009 FC Chelsea 47 00(9)
2008–2009 → AC Mailand (Leihe) 18 00(0)
2009–2012 Dynamo Kiew 55 0(23)
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)
1994–1995 Ukraine U19 8 00(5)
1994–1995 Ukraine U21 7 00(6)
1995–2012 Ukraine 111 0(48)
Stationen als Trainer
Jahre Station
2016 Ukraine (Co-Trainer)
2016–2021 Ukraine
2021–2022 CFC Genua
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.

VereinBearbeiten

Dynamo KiewBearbeiten

Schewtschenko stammt aus der Fußballschule des ukrainischen Klubs Dynamo Kiew, bei dem er bis 1999 spielte. In Kiew wurde er von Trainerlegende Walerij Lobanowskyj trainiert. Schewtschenko schloss ein Studium an der Sportuniversität in Kiew ab. Im Jahr 1995 wurde Schewtschenko dem 1. FC Köln für eine geringe Ablösesumme angeboten und der Transfer schien bereits besiegelt, ehe der damalige Manager Carl-Heinz Rühl doch noch ablehnte und letztlich kein Vertrag zustande kam.[1]

AC MailandBearbeiten

 
Schewtschenko im Trikot der AC Mailand (2004)
 
Im Trikot von Dynamo Kiew (2009)

1999 wechselte Schewtschenko zur AC Mailand. In der Saison 2004/05 lehnte die AC Mailand ein Angebot über 90 Millionen Euro vom FC Chelsea für Schewtschenko ab.

In der Saison 2005/06 erzielte er am 24. Spieltag der Serie A sein 165. Tor für die AC Mailand und zog damit in der ewigen Torschützenliste des Klubs vorbei an Legende Gianni Rivera auf Platz zwei der klubinternen Bestenliste. Schewtschenko war in seinen sieben Jahren bei Milan zum Stellvertreter von Kapitän Paolo Maldini aufgestiegen und war erklärter Lieblingsspieler vom Milan-Eigentümer und Präsident Silvio Berlusconi. Beim Champions League Finale verschoss er den entscheidenden Elfmeter, worauf Liverpool gewann.

Am 23. November 2005 erzielte Schewtschenko in der Champions League im Spiel gegen Fenerbahçe Istanbul vier Tore. Bisher schafften dies nur fünf andere Spieler in der Geschichte der Champions League. In der ewigen Torjägerliste der UEFA Champions League liegt er mit 56 Toren aus 108 Spielen aktuell auf dem achten Platz. Zuvor wurde Schewtschenko zweimal Torschützenkönig in der italienischen Serie A.

FC ChelseaBearbeiten

Nach der Weltmeisterschaft 2006 wechselte Schewtschenko für 46 Millionen Euro zum FC Chelsea. Dort konnte er lange Zeit nicht Fuß fassen und blieb hinter seiner Form zurück. In seiner ersten Premier-League-Saison kam Schewtschenko bei 30 Spielen nur auf vier Tore. In der UEFA Champions League kam er mit drei Toren in zehn Spielen etwas besser zurecht.

In der Saison 2008/09 wurde Schewtschenko von Chelsea für ein Jahr an die AC Mailand verliehen.

Rückkehr zu Dynamo KiewBearbeiten

Nachdem er bei Chelsea nicht Fuß fassen konnte, wurden die letzten elf Monate seines Vertrags aufgelöst. Im August 2009 wechselte Schewtschenko zurück zu Dynamo Kiew.[2] Er unterschrieb einen Zweijahresvertrag.

NationalmannschaftBearbeiten

 
Als Nationalspieler (2009)

Sein Debüt in der ukrainischen Nationalmannschaft gab Schewtschenko am 25. März 1995 gegen Kroatien. 2006 erreichte er bei der Weltmeisterschaft das Viertelfinale, der bislang größte Erfolg in der relativ kurzen Geschichte der ukrainischen Nationalmannschaft. Zuvor war Schewtschenko von vielen als einer der besten Spieler (neben George Best) überhaupt angesehen worden, die nie an einer WM-Endrunde teilgenommen hatten. Am 11. Oktober 2008 wurde er mit seinem 85. Länderspiel Rekordnationalspieler der Ukraine. Am 8. Oktober 2010 bestritt er gegen Kanada sein 100. Länderspiel. Mittlerweile wurde er von Anatolij Tymoschtschuk als Rekordnationalspieler abgelöst. Schewtschenko stand im ukrainischen Kader für die Europameisterschaft 2012 und kam in allen drei Vorrundenspielen zum Einsatz.

Am 11. Juni 2012 führte er die ukrainische Mannschaft zum ersten EM-Endrundenspiel der Ukraine als Spielführer auf das Feld und erzielte in der 55. und 62. Minute die ersten beiden EM-Tore für die Ukraine, die damit das Spiel mit 2:1 gegen Schweden gewann. Es blieben die einzigen Tore der Ukraine im Turnier und durch die beiden Niederlagen gegen Frankreich und England, bei der er aber wegen einer Verletzung nur als Einwechselspieler zum Einsatz kam, schied die Ukraine als Gruppendritter aus. Schewtschenko gab anschließend seinen Abschied aus der Nationalmannschaft bekannt.[3] Insgesamt kam Schewtschenko auf 111 Länderspiele, in denen er 48 Tore erzielte, davon je zwei bei EM- und WM-Endrunden. Damit ist er aktueller Rekordtorschütze der Ukraine.

KarriereendeBearbeiten

Am 28. Juli 2012 beendete Schewtschenko seine Fußballkarriere und ging in die Politik. Bei den ukrainischen Parlamentswahlen 2012 kandidierte er für die Partei Ukraine – Vorwärts!.[4][5] Den Einzug in die Werchowna Rada verpasste die Partei jedoch deutlich.

TrainerkarriereBearbeiten

Im Februar 2016 wurde Schewtschenko Co-Trainer der Ukrainischen Fußballnationalmannschaft an der Seite des Cheftrainers Mychajlo Fomenko,[6] dessen Posten er nach Fomenkos Rücktritt im Anschluss an das Ausscheiden nach der Vorrunde der UEFA EURO 2016 übernahm. Bei der Europameisterschaft 2021 führte er das Aufgebot der Ukraine bis ins Viertelfinale, in dem man gegen England ausschied.

Nach der EM ließ er seinen Vertrag als Trainer auslaufen. Gerüchten zufolge kam es im finanziellen Bereich zwischen Schewtschenko und dem Fußballverband zu keiner Einigung.[7]

Nachdem Cheftrainer Davide Ballardini im November 2021 beim CFC Genua von seinen Aufgaben entbunden wurde, wurde Andrij Schewtschenko dessen Nachfolger.[8] Nach nur drei Unentschieden in neun Spielen der Serie A und dem Ausscheiden im Pokal wurde Schewtschenko am 15. Januar 2022 entlassen.[9]

EhrungenBearbeiten

In der Ukraine erhielt er mehrere Orden sowie 2003 die Auszeichnung „Verdienter Meister des Sports“. Der Stürmer wurde 2004 von France Football mit dem Ballon d’Or als „Europas Fußballer des Jahres“ ausgezeichnet. Bereits in der Saison 1998/1999 war er von der UEFA zum besten Stürmer der Champions League gewählt worden.

SonstigesBearbeiten

Sein Vater Nikolaj war viele Jahre als Soldat der Sowjetarmee in Wünsdorf stationiert, wo Schewtschenko einige Jahre seiner Jugend verbrachte. Seine Schwester Elena wurde in Wünsdorf geboren.

Schewtschenko heiratete im Juli 2004 das US-amerikanische Fotomodell Kristen Pazik und hat mit ihr vier Söhne.

Er belegte bei den nationalen Golf-Meisterschaften den zweiten Platz.[10]

Im Februar 2022 rief er sein Heimatland Ukraine angesichts der Bedrohung durch Russland zum Zusammenhalt auf: „Heute ist für uns alle eine schwierige Zeit. Aber wir müssen uns zusammenschließen“. „Wir haben viele schwierige Zeiten durchgemacht und in den letzten 30 Jahren haben wir uns als Nation geformt! Eine Nation aufrichtiger, fleißiger und freiheitsliebender Bürger! Das ist unser wichtigstes Gut!“[11]

Erfolge und AuszeichnungenBearbeiten

VereinBearbeiten

Dynamo Kiew (1994–1999)

AC Mailand (1999–2006)

FC Chelsea (2006–2009)

NationalmannschaftBearbeiten

Persönliche EhrungenBearbeiten

StatistikBearbeiten

Verein Saison Premjer-Liha Kubok Ukrajiny Europapokal[Anm. 1] Andere Total
Spiele Tore Spiele Tore Spiele Tore Spiele Tore Spiele Tore T/S
 
Dynamo Kiew
1994/95 17 1 4 1 2 1 - - 23 3 0,13
1995/96 31 16 5 1 2 2 - - 38 19 0,50
1996/97 20 6 0 0 0 0 - - 20 6 0,30
1997/98 23 19 8 8 10 6 - - 41 33 0,80
1998/99 26 18 4 5 14 10 - - 44 33 0,75
2009/10 21 7 2 0 6 1 - - 29 8 0,28
2010/11 18 10 2 1 12 5 - - 32 16 0,50
2011/12 16 6 1 0 4 0 - - 21 5 0,24
Verein Saison Serie A Coppa Italia Europapokal[Anm. 2] Andere[Anm. 3] Total
Spiele Tore Spiele Tore Spiele Tore Spiele Tore Spiele Tore T/S
 
AC Mailand
1999/2000 32 24 4 4 6 1 1 0 43 29 0,67
2000/01 34 24 3 1 14 9 - - 51 34 0,67
2001/02 29 14 3 0 6 3 - - 38 17 0,45
2002/03 24 5 4 1 11 4 - - 39 10 0,26
2003/04 32 24 1 0 10 5 2 0 45 29 0,64
2004/05 29 17 0 0 10 6 1 3 40 26 0,65
2005/06 28 19 0 0 12 9 - - 40 28 0,70
2008/09 18 0 1 1 7 1 - - 26 2 0,08
Verein Saison Premier League FA Cup Europapokal[Anm. 4] Andere[Anm. 5] Total
Spiele Tore Spiele Tore Spiele Tore Spiele Tore Spiele Tore T/S
 
FC Chelsea
2006/07 30 4 6 3 10 3 5 4 51 14 0,27
2007/08 17 5 1 0 5 1 2 2 25 8 0,32
2009/10 1 0 0 0 0 0 - - 1 0 0,0
Dynamo Kiew 171 82 26 16 50 25 - - 247 123 0,51
AC Mailand 226 127 16 7 77 38 3 3 322 175 0,54
FC Chelsea 48 9 7 3 15 4 7 6 77 22 0,29
Total 438 217 48 26 141 67 10 9 646 320 0,50

Anmerkungen:

  1. UEFA Champions League, UEFA-Pokal und UEFA Europa League
  2. UEFA Champions League und UEFA Cup
  3. TIM Supercup und FIFA-Klub-Weltmeisterschaft
  4. UEFA Champions League
  5. Community Shield und Carling Cup

WeblinksBearbeiten

Commons: Andrij Schewtschenko – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kölns Manager lehnt Shevchenko ab, in: rp-online.de, vom 18. August 2014
  2. Andriy Shevchenko leaves Chelsea to return to Dynamo Kyiv, Artikel des The Guardian vom 29. August 2009 (engl.)
  3. FIFA.com: Shevchenko beendet "Nati"-Karriere (Memento des Originals vom 22. Juni 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/de.fifa.com
  4. Uefa.com: Shevchenko beginnt neue Karriere
  5. Spox.com: Schewtschenko will ins ukrainische Parlament
  6. Schewtschenko neuer Co-Trainer der Ukraine
  7. Shevchenko verlässt ukrainisches Nationalteam – Trainer und Verband uneinig bei Finanzen? Abgerufen am 1. August 2021.
  8. SHEVCHENKO È IL NUOVO ALLENATORE DEL GENOA. 7. November 2021, abgerufen am 10. November 2021 (italienisch).
  9. Shevchenko bei Genua entlassen - Folgt Labbadia? Kicker, 15. Januar 2022, abgerufen am 20. Januar 2022.
  10. Ukrainian Golf Championship 2011 (Final) (Memento vom 9. April 2014 im Internet Archive)
  11. faz.net vom 23. Februar 2022
  12. Ehrenbürger Kiews auf der Webpräsenz der Stadt, abgerufen am 24. September 2015
  13. Deutsche Welle (www.dw.com): Ukraine aktuell: Moskau macht Kiew für Mord an Dugina verantwortlich | DW | 22.08.2022. Abgerufen am 22. August 2022 (deutsch).