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Chambrey ist eine französische Gemeinde mit 343 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Moselle in der Region Grand Est (bis 2015 Lothringen). Sie gehört zum Kommunalverband Communauté de communes du Saulnois.

Chambrey
Wappen von Chambrey
Chambrey (Frankreich)
Chambrey
Region Grand Est
Département Moselle
Arrondissement Sarrebourg-Château-Salins
Kanton Le Saulnois
Gemeindeverband Saulnois
Koordinaten 48° 47′ N, 6° 28′ OKoordinaten: 48° 47′ N, 6° 28′ O
Höhe 195–313 m
Fläche 14,39 km2
Einwohner 343 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 24 Einw./km2
Postleitzahl 57170
INSEE-Code

Alter Bahnhof von Chambrey

GeografieBearbeiten

Chambrey liegt im Saulnois an der Grenze zum Département Meurthe-et-Moselle, 42 Kilometer südöstlich von Metz, 23 Kilometer nordöstlich von Nancy und 5 Kilometer südwestlich des Kantonshauptorts Château-Salins[1] am Fluss Seille, zwischen den Nachbargemeinden Salonnes im Nordosten und Moncel-sur-Seille im Südwesten.[2] Das Gehöft Merlinsol gehört zur Gemeinde. Die Route de la Reine (Straße der Königin) wurde im Mittelalter[3] nach der Königin Brunichild (545/550–613) benannt. Gleichnamige Straßen gab es in Fresnes-en-Saulnois und Viterne.[4] Bei der Route de la Reine in Chambrey handelt es sich um den Teil einer alten Römerstraße von Metz (Divodurum) über Delme (Duodecimum) nach Tarquimpol (Decem Pagi).[5]

GeschichteBearbeiten

Im Mittelalter besaß das Domkapitel Saint-Étienne von Vic-sur-Seille, das dem Bistum Metz unterstellt war das Lehen Chambery.[6] 1698 wurde Chambery der Kastellanei von Amance zugeteilt, die der Bailliage von Nancy unterstellt war. Die Pfarrei von Chambrey gehörte zum Verwaltungsbereich des Erzpriesters von Delme, der dem Archidiakonat von Vic-sur-Seille unterstellt war, das wiederum zum Bistum Metz gehörte.[4]

1793 erhielt Chambrey im Zuge der Französischen Revolution (1789–1799) den Status einer Gemeinde und 1801 als Chambray das Recht auf kommunale Selbstverwaltung. Es gehörte von 1801 bis 1871 zum früheren Département Meurthe, das 1871 in Département Meurthe-et-Moselle umbenannt wurde.

1871 wurde die Gemeinde wegen Gebietsveränderungen durch den Verlauf des Deutsch-Französischen Kriegs (1870–1871) in das neu geschaffene Reichsland Elsaß-Lothringen des Deutschen Reiches eingegliedert. In der Schule des französischsprachigen Ortes wurde nun die Deutsche Sprache unterrichtet.[7]

Chambrey erhielt einen Bahnhof[8], der von der ehemaligen Bahnstrecke Nancy–Château-Salins bedient wurde.[9] Eine Saline wurde zwischen 1885 und 1887 errichtet und hatte 35 Beschäftigte aus Chambrey und Vic-sur-Seille.

Am 30. Juli 1914 wurde zu Beginn des Ersten Weltkriegs (1914–1918) in Chambrey als Grenzstadt deutsches Militär stationiert, am 2. August 1914 das Vieh der Einwohner nach Brulange getrieben. In den folgenden Jahren war es nicht möglich, die Ernte einzubringen. Am 7. August 1914 errichteten französische Truppen Straßensperren und besetzten die Ortschaft. Am nächsten Tag zündeten sie die Saline an. Am 12. August 1914 gab es ein Scharmützel am Gehöft Merlinsol, danach wurde das Gehöft angezündet. Nach den Grenzschlachten vom 18. bis 20. August 1914 zogen sich die französischen Truppen zurück und zerstörten die Brücke über die Seille bei Salonnes. Danach war die Ortschaft wieder von deutschen Truppen besetzt. In der Nacht vom 31. Mai zum 1. Juni 1915 wurde Chambrey evakuiert. Chambrey gehörte als französischsprachige Ortschaft zu den 247 letzten Gemeinden, deren Name im Ersten Weltkrieg am 2. September 1915 eingedeutscht wurde. Der Name wurde in „Kambrich“ geändert.[10] 1917 zerstörten Brandbomben Teile der Ortschaft, unter anderem das Kirchenschiff. Kurz vor dem Ende des Krieges brachten die Deutschen die Glocken der Kirche weg, um daraus Kanonen zu gießen. Wenige Tage nach dem Waffenstillstand von Compiègne kehrten die Bewohner nach Chambrey zurück. Der Militärfriedhof wurde zum heutigen Friedhof der Gemeinde. Auf ihm wurden französische (1914) und deutsche Soldaten begraben.[7]

Das Reichsland Elsaß-Lothringen hörte mit dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 auf zu bestehen. Chambrey wurde anschließend wieder dem Département Moselle zugeordnet.[11]

Im Zweiten Weltkrieg wurde Chambrey abermals von den Deutschen besetzt, die bis zur Befreiung im Herbst 1944 sämtliche Einwohner vertrieben.

Bevölkerungsentwicklung
(Quelle: [11])
1793184118721886191119211936194619752007
610886648837754448503355345335

Am meisten Einwohner hatte Chambrey 1886 (837). Durch den Ersten Weltkrieg ging die Bevölkerungszahl stark zurück, die Gemeinde verlor 306 Einwohner zwischen 1911 und 1921. Auch im Zweiten Weltkrieg ging die Einwohnerzahl zurück, diesmal verlor die Gemeinde 148 Bewohner zwischen 1936 und 1946. Seitdem hat sich die Einwohnerzahl nicht mehr erholt.

WappenBearbeiten

Das Wappen der Gemeinde ist horizontal in zwei Hälften geteilt, die die ursprüngliche Einteilung der Ortschaft in „Ober-“ und „Unterchambrey“ (Ban de dessus, Ban de dessous) darstellen. Die untere Hälfte ist golden mit einer roten Kugel (Tourteau) und die obere Hälfte ist rot mit zwei goldenen Münzen (Besant). Die runden Objekte stellen die Steine des Stephanus (frz. Étienne) dar und sollen daran erinnern, dass das Domkapitel Saint-Étienne von Vic-sur-Seille das Lehen Chambrey besaß.[6]

InfrastrukturBearbeiten

20 Kilometer südwestlich von Chambrey liegt der Flughafen Nancy-Essey, der Flughafen Metz-Nancy-Lothringen liegt 26,4 Kilometer nordwestlich.[2] Südlich des Ortskerns gibt es eine Auffahrt auf die Route nationale 74 (RN74).

WeblinksBearbeiten

  Commons: Chambrey – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Chambrey Moselle, Actuacity.com (französisch)
  2. a b Village de Chambrey, Annuaire-mairie.fr (französisch)
  3. La Chaussée Brunehaut (französisch)
  4. a b Henri Lepage: Dictionnaire topographique du département de la Meurthe. In: Société d'archéologie lorraine et du Musée historique lorrain (Hrsg.): Dictionnaire topographique de la France. 6. Auflage. Band 14, Nr. 18. Imprimerie impériale, Paris 1862, S. 4+40+117+152 f. (in Google Books [abgerufen am 28. März 2010]).(französisch)
  5. VR6, Itinéraires Romains en France (französisch)
  6. a b Union des Cercles Génealogiques Lorrains (Memento des Originals vom 9. Januar 2010 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.genealogie-lorraine.fr (französisch)
  7. a b Guerre 1914-1918 à Chambrey (Moselle) Par Hubert Ofcard (1898-1960) (französisch), abgerufen am 27. August 2012.
  8. Ancienne gare Impériale de Chambrey, ministère de la culture@1@2Vorlage:Toter Link/www.culture.fr (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (französisch)
  9. Ligne 13 Champigneulles — Sarreguemines (französisch)
  10. Les 247 dernières communes à noms français, débaptisées seulement le 2 septembre 1915 (französisch); Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 30. Oktober 1915, Nr. 54. Bekanntmachung Nr. 721, S. 350f.
  11. a b Des villages de Cassini aux communes d’aujourd’hui (französisch)