Réchicourt-le-Château

französische Gemeinde

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Réchicourt-le-Château
Wappen von Réchicourt-le-Château
Réchicourt-le-Château (Frankreich)
Réchicourt-le-Château
Staat Frankreich
Region Grand Est
Département (Nr.) Moselle (57)
Arrondissement Sarrebourg-Château-Salins
Kanton Sarrebourg
Gemeindeverband Sarrebourg Moselle Sud
Koordinaten 48° 40′ N, 6° 50′ OKoordinaten: 48° 40′ N, 6° 50′ O
Höhe 242–333 m
Fläche 25,65 km²
Einwohner 549 (1. Januar 2018)
Bevölkerungsdichte 21 Einw./km²
Postleitzahl 57810
INSEE-Code

Grand-rue in Réchicourt-le-Château
Rathaus

Réchicourt-le-Château (deutsch Rixingen) ist eine französische Gemeinde mit 549 Einwohnern (Stand 1. Januar 2018) im Département Moselle in der Region Grand Est (bis 2015 Lothringen). Sie gehört zum Arrondissement Sarrebourg-Château-Salins. Die Gemeinde liegt im Regionalen Naturpark Lothringen.

GeografieBearbeiten

Die Gemeinde Réchicourt-le-Château liegt im südöstlichen Winkel des Départements Moselle. Nordwestlich liegt der Étang de Réchicourt (Rixinger Weiher). Der Niveauunterschied von 16 Meter zwischen diesem und dem höherliegenden Étang de Gondrexange wird durch eine einzige Schleuse überwunden. Nordöstlich an der Grenze zur Nachbargemeinde Gondrexange liegt der Col des Français (Franzosenpass). Réchicourt-le-Château ist von ausgedehnten Waldgebieten umgeben.

GeschichteBearbeiten

Der Ort an der romanisch-germanischen Sprachgrenze wurde erstmals 770 als Richisi curtis erwähnt, dann als Ruchesingen im Jahr 1179. Als vom Herzogtum Lothringen unabhängiges Reichslehen gehörte er ab dem 13. Jahrhundert dem Adelsgeschlecht Leiningen. Dem Deutschen Bellistum zugehörig umfasste deren Herrschaft Rixingen u. a. die Orte Avricourt, Gondrexange und Xouaxange. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Réchicourt 1628 und 1630 geplündert und verwüstet. Ab 1662 gehörte die bis dahin reichsunmittelbare Herrschaft Rixingen zum Königreich Frankreich.

Als Folge des Deutsch-Französischen Kriegs kam der Ort 1871 zum Deutschen Reich und wurde nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1919 wieder französisch. Im Zweiten Weltkrieg stand Réchicourt-le-Château von Juni 1940 bis zur Befreiung durch die 44. französische Infanteriedivision am 18. November 1944[1] vorübergehend erneut unter deutscher Verwaltung.

Réchicourt-le-Château war bis 2015 namensgebender Hauptort des in diesem Jahr aufgelösten Kantons Réchicourt-le-Château.

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2015
Einwohner 935 982 924 931 825 726 561 552

VerkehrBearbeiten

 
Ehemaliger Bahnhof

In Réchicourt-le-Château kreuzen sich die Départementsstraßen D 89 (MousseyHéming) und D 91 (AvricourtFribourg), im Ort beginnt die D 40B nach Bataville. Nächste Fernstraße ist die Route nationale 4, die südlich und östlich der Gemeinde verläuft.

1852 erhielt der Ort einen Bahnhof an der Bahnstrecke Paris–Strasbourg. Gebaut wurde er von der Compagnie du chemin de fer de Paris à Strasbourg, die 1854 in der Compagnie des Chemins de fer de l’Est (EST) aufging. Zwischen 1871 und 1919 gehörte er zur Kaiserlichen Generaldirektion der Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen, nach dem Ersten Weltkrieg zur Administration des chemins de fer d’Alsace et de Lorraine (AL) und ab 1938 zur staatlichen SNCF. Während der deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg unterstand er der Deutschen Reichsbahn. 1971 wurde der Personenverkehr auf der Schiene eingestellt, nächster Bahnhof ist Igney-Avricourt. Seitdem wurden bis auf die Streckengleise alle Gleise abgebaut, das Empfangsgebäude wurde verkauft.

Bauwerke und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Schloss Réchicourt

Château de RéchicourtBearbeiten

Zum Ort gehört das namengebende Schloss Réchicourt (französisch Château de Réchicourt), ein Bau aus dem 15. Jahrhundert, der im 16. Jahrhundert sein heutiges Aussehen im Stil der Renaissance erhielt und ein Sitz der Grafen von Leiningen war.[2] Graf Ludwig Eberhard von Leiningen-Westerburg-Rixingen verkaufte es 1669 an den dänischen Lehnsgrafen Friedrich von Ahlefeldt (1623–1686). Die kleine, aber immerhin reichsunmittelbare Herrschaft wurde 1703 von seinem einzigen Sohn aus zweiter Ehe und Nachfolger seines Stiefbruders Frederik (1662–1708) zu Rixingen und Mörsberg, Carl von Ahlefeldt (1670–1722), an dessen Schwager, den Grafen Friedrich Ludwig von Nassau zu Ottweiler verkauft. Nach Zedler war es dann um 1740/1742 wieder im Besitz der Leiningen-Westerburg-Rixingen.[3] Von 1751 bis 1789 gehörte es den Herzögen von Fronsac-Richelieu. Heute ist das Schloss teilweise zur Ruine verfallen.

SchleusenBearbeiten

Die zwischen 1960 und 1965 gebaute, ca. 3 km vom Hauptort entfernte Schachtschleuse Écluse de Réchicourt-le-Château im Verlauf des Canal de la Marne au Rhin ersetzt eine Schleusentreppe mit sechs Schleusen.[4] Ihre Fallhöhe beträgt, je nach dem Wasserstand des Kanals, 15,45 bis 16,10 Meter. Damit ist sie die höchste französische Schleuse in einem Freycinet-Kanal. Das Volumen der Schleusenkammer beträgt 3768 Kubikmeter. Sie ist 40 Meter lang und 6 Meter breit, die minimale Wassertiefe beträgt 2,6 Meter. Das Obertor ist zweiflügelig, kanalabwärts wurde ein Hubtor installiert, das zum Öffnen hochgezogen wird. Die Passage eines Schiffs dauert, im Gegensatz zu sechs Stunden durch die Schleusentreppe, nur noch rund 30 Minuten.[5]

Mit der Schleuse Nr. 7 befindet sich eine weitere Schleuse des Canal de la Marne au Rhin im Gebiet der Gemeinde.

ArboretumBearbeiten

 
See und Staumauer
von Réchicourt-le-Château

Mit der Inbetriebnahme der Schachtschleuse wurde der Stausee von Réchicourt um mehrere Meter abgesenkt – deutlich an der geöffneten Staumauer erkennbar. Dadurch wurden mehrere Hektar trockengelegt, die später in ein Arboretum umgewandelt wurden. Es gibt mehrere Rastplätze, eine Quelle in der Nähe der alten Staumauer und einen Rundweg, der am alten Kanal entlangführt. Die oberste alte Schleuse neben der Schachtschleuse wurde restauriert und kann besichtigt werden.[6]

PersönlichkeitenBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Réchicourt-le-Château – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Eugène Riedweg: La libération de l’'Alsace septembre 1944 – mars 1945. Èditions Tallandier, Paris 2014, ISBN 979-1-02100506-8, S. 173.
  2. Bebilderte Webseite zu Schloss Rixingen (französisch)
  3. Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste Band 31. Reichsmatrikel („nach dem gegenwärtigen Zustande des Reichs“ also kurz vor 1742)
  4. Ecluse de Réchicourt-le-Château bei structurae, abgerufen am 29. Mai 2016
  5. Infotafel an der Schleuse
  6. [1] Historisches Erbe der Region Grand Est. Abgerufen am 11. August 2021