COVID-19-Pandemie in den Vereinigten Staaten

Teil der COVID-19-Pandemie 2019/20

Die COVID-19-Pandemie in den Vereinigten Staaten tritt als regionales Teilgeschehen der weltweiten COVID-19-Pandemie auf und beruht auf Infektionen mit dem Ende 2019 neu aufgetretenen Virus SARS-CoV-2. Die COVID-19-Pandemie breitet sich seit Dezember 2019 von China ausgehend weltweit aus. Im März 2020 gehörten die Vereinigten Staaten neben Iran, Südkorea, Italien, Frankreich, Deutschland und Spanien zu den Ländern mit den am schnellsten steigenden Infektions- und Todeszahlen. Am 8. März 2020 lagen bestätigte Infektionen in 32 der 50 Bundesstaaten plus District of Columbia vor; die Zahl wurde mit zumindest 554 angegeben, davon bestätigt 213 plus elf Todesfälle. Am 27. März 2020 übertrafen die Vereinigten Staaten mit 86.000 positiv Getesteten die Volksrepublik China und waren das Land mit den meisten COVID-19-Fällen.[1] Die Vereinigten Staaten lösten am 12. April Italien als Land mit den meisten gemeldeten Todesfällen ab, 20.608 Menschen waren gestorben.[2]

Nachgewiesene Infektionen pro 100.000 Einwohner in den Counties der Vereinigten Staaten
Absolute Zahl der nachgewiesenen Infektionen in den Bundesstaaten und Außengebieten der Vereinigten Staaten, Stand 1. Juli 2020:
Keine bestätigten Fälle
<5.000
5.000–10.000
10.001–125.000
125.001–325.000
>325.000

Ende April 2020 waren es 1.035.353 registrierte Infizierte und 55.337 Tote,
Ende Mai waren es 1.734.040 registrierte Infizierte (+ 67,5 %) und 101.567 Tote (+ 83,5 %),
Ende Juni waren es 2.573.393 registrierte Infizierte (+ 48,4 %) und 126.573 Tote (+ 24,6 %),
Ende Juli waren es 4.456.389 registrierte Infizierte (+ 73,2 %) und 151.265 Tote (+ 19,5 %).

Nach Angaben des Centers for Disease Control and Prevention (CDC) starben dabei circa sechs Prozent (Stand 2. September 2020 etwa 10.000 von knapp 170.000 Toten) ausschließlich an COVID-19. Für die übrigen Verstorbenen gab es im Schnitt 2,6 weitere Todesursachen.[3]

VerlaufBearbeiten

 
Briefing für US-Präsident Donald Trump über das Coronavirus in China, Weißes Haus, Januar 2020

Bereits Ende November warnten US-Geheimdienstbeamte[4] Präsident Trump, dass eine Ansteckungwelle die chinesische Region Wuhan erfasst, Anfang Januar 2020 wurde er vom National Security Council auf die Gefahr einer großen Pandemie hingewiesen; ebenso Ende Januar von seinem Wirtschaftsberater Peter Navarro und von Gesundheitsminister Alex Azar. Trump blieb aber fast untätig.[5][6][7] Im September wurde bekannt, dass er gegenüber dem Journalisten Bob Woodward bereits im März zugegeben hatte, dass er die Corona-Gefahr heruntergespielt.[8]

Am 21. Januar 2020 meldeten die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) die erste Coronavirus-Infektion in den USA.

Ähnlich wie im Iran lässt (insbesondere in der Anfangsphase) die hohe Zahl der Todesfälle in Relation zu den offiziell gemeldeten Infektionen auch in den Vereinigten Staaten eine hohe Dunkelziffer vermuten. So sind bei der Autopsie von zwei am 6. und am 17. Februar verstorbenen Menschen COVID-19-Erkrankungen im Nachhinein nachgewiesen worden.[9]

Am 8. März 2020 erreichte die Zahl der geprüften Todesfälle 22, davon 18 allein im Bundesstaat Washington.[10] Aus diesem Bundesstaat lagen zu diesem Zeitpunkt jedoch nur 123 bestätigte Infektionen vor.[11] Trump beschuldigte die Centers for Disease Control and Prevention (CDC), durch ihre „extremen Warnungen“ mitverantwortlich zu sein für den Abschwung der Börsen Ende Februar 2020.[12][13][14] Am 8. März 2020 wurde die Diskrepanz zwischen offiziellen Zahlen und faktischen Infektionen öffentlich bekannt. Die CDC meldeten 164 Infektionen, darunter elf Todesfälle, die Johns-Hopkins-Universität hingegen 436 Infektionen und siebzehn Todesfälle.[15] Bis Mitte März wurden in den USA nur einige hundert Tests pro Tag durchgeführt. Ein von der CDC unter Robert Redfield entwickeltes Testkit, das ungeachtet eines bereits funktionierenden WHO-Kits entwickelt worden war, erwies sich als fehlerhaft und musste zurückgezogen werden. Wie viele der Getesteten tatsächlich infiziert waren blieb daher zunächst weitgehend unklar.[16]

Die starke Verbreitung der Pandemie in den Vereinigten Staaten lässt sich auch zurückführen auf fehlende Transparenz der Politik, auf die mangelnde Vorbereitung medizinischer Institutionen und auf enge wirtschaftliche Verbindungen zu China und zu Italien.[13] Letzteres zeigte sich bereits im 2019 durchgeführten Planspiel Crimson Contagion, bei dem mehrere Bundesbehörden den Verlauf einer in China ausgebrochenen Grippepandemie simulierten, bei der bis zu 110 Millionen Amerikaner erkrankt wären.[17][18]

Bernie Sanders und Joe Biden sagten Anfang März große Veranstaltungen ihrer Wahlkampagnen für die Präsidentschaftswahl am 3. November 2020 ab. Trump äußerte dagegen, er wolle seine Wahlkampagne unverändert fortsetzen.[19]

Am 7. Mai 2020 wurde der erste Corona-Fall im Weißen Haus gemeldet, ein als Butler arbeitender US-Marine.[20] Am folgenden Tag wurde bekannt, dass die Pressesprecherin von Mike Pence ebenfalls positiv getestet wurde.[21]

Während in vielen westlichen Ländern die Zahl der täglichen Neuinfektionen bis zum Juni 2020 deutlich zurückgegangen war, blieb sie in den USA auf hohem Niveau. Trotzdem wurden viele Beschränkungen im öffentlichen Leben aufgehoben.

Anfang Juli 2020 stieg die Zahl der getesteten Neuinfektionen an einem Tag zum ersten Mal über 50.000 Personen.

StatistikenBearbeiten

 
Bestätigte Neuinfektionen in den Vereinigten Staaten nach Daten der WHO. Oben kumuliert, unten Tageswerte[22]
 
Bestätigte Todesfälle in den Vereinigten Staaten nach Daten der WHO. Oben kumuliert, unten Tageswerte[22]

Die Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), des amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) sowie die Summe der US-Bundesstaaten können systembedingt voneinander abweichen. So registriert New York City seit dem 14. April auch 3778 wahrscheinliche COVID-19-Tote. Hierbei handelt es sich um Fälle ohne offizielle Diagnose, aber mit Symptomen.[23] Daher tauchen sie in der landesweiten Statistik nicht mit auf.

Die USA sind laut JHU am 11. Mai 2020 in absoluten Zahlen gesehen das am stärksten betroffene Land. Im April 2020 lebten zeitweise 33 % der weltweit Infizierten in den USA, Ende Mai sind es noch 30 %; 28 % der durch COVID-19 Verstorbenen lebte in den Staaten. In den USA wurden mehr Menschen positiv getestet als in Brasilien, Russland, Großbritannien, Spanien, Italien und Deutschland zusammen; zudem sind in den USA mittlerweile mehr Menschen gestorben als in Großbritannien und Italien zusammen. Allein der US-Staat New York hatte von April bis zum 25. Mai 2020 mehr Infizierte als jedes andere Land außer den USA selbst und stand bei den Todesfällen an der sechsten Stelle weltweit. Bezüglich der Zahl der Infizierten wurde New York dann von Brasilien und Russland, bezüglich der Toten von Brasilien übertroffen.

Zwischen Ende März und Ende Mai wurden in den USA täglich durchschnittlich 25000 Neuinfizierungen registriert; die Zahl der im Zusammenhang mit COVID-19 registrierten Todesfälle lag bei durchschnittlich 1582 täglich.

Eine Analyse der Sterbefallzahlen vom 1. März bis 30. Mai 2020 ergab eine Übersterblichkeit von 122.000 die um 28 % höher lag als die Zahl der in dem Zeitraum gemeldeten COVID-Sterbefälle. Die Studienautoren führten die Differenz am Ehesten auf eine Lücke bei der Erfassung der COVID-Todesfälle zurück.[24]

AußengebieteBearbeiten

Die Zahlen für die Außengebiete der USA sind in den oben genannten Zahlen für die USA noch nicht enthalten.

Außengebiete der USA
(Stand 18. Juni 2020)[25]
Außengebiet Infektionen Todesfälle
Puerto Rico 5951 147
Guam 178 5
Amerikanische Jungferninseln 73 6
Nördliche Marianen 30 2
Amerikanisch-Samoa 0 0

Besonders schwer betroffene RegionenBearbeiten

Als in den USA am schwersten betroffen galt zunächst die Stadt New York und deren Umgebung: Für die Acht-Millionen-Stadt wurden am Morgen des 12. April 2020 98.715 bestätigte Coronafälle und 6.367 Coronatote gemeldet. Im gesamten etwa 20 Millionen Einwohner zählenden Bundesstaat New York wurden bis zum selben Tag 9.385 Coronatote gemeldet, dies entsprach knapp der Hälfte aller Todesopfer in den USA.

Am 14. April 2020 änderte New York die Statistik: 3.700 Tote, die nicht auf COVID-19 getestet worden waren, aber offensichtlich an dieser Krankheit gestorben waren, stehen nun in der Statistik.[26]

Der Staat New York (19,45 Mio. Einwohner) nannte für den 4. August 2020 (Stand 24 Uhr) 418.225 positiv Getestete, davon 636 registrierte Neuinfektionen am 4. August 2020.[27]

Florida (etwa 21 Mio Einwohner) meldete für den 4. August 2020 502.739 positiv Getestete, davon 497.181 unter Bürgern Floridas ('residents') und 5.558 unter Nicht-Bürgern (davon 5.409 am 4. August neu registrierte Fälle) und 225 an diesem Tag an Covid-19 Gestorbene. Damit stieg die Gesamtzahl der COVID-Toten auf 7.627.[28]

Im Mai 2020 wurde knapp jede dritte der weltweit mehr als fünf Millionen Coronainfektionen aus den Vereinigten Staaten gemeldet.

Gesellschaftliche ReaktionenBearbeiten

Im Zuge der Pandemie reisten einige reiche US-Amerikaner zu ihren Zweitwohnsitzen nach Jackson Hole bzw. Teton Range und zogen so den Unmut der Einheimischen auf sich.[29] Auch Studenten, die in Florida im Rahmen der Frühjahrsferien Spring-Break-Partys feierten, sorgten für Empörung.[30] In den kalifornischen Landkreisen Orange und Ventura strömten Menschen trotz Verboten an die Strände. Der Gouverneur kündigte ein hartes Vorgehen dagegen an.[31] Nach einer Anfang Juli 2020 veröffentlichten Studie des Pew Research Center waren 22 % aller erwachsenen US-Amerikaner entweder selbst wegen COVID-19 umgezogen, jemand war wegen COVID-19 in ihr Haus bzw. Wohnung gezogen, oder sie kannten jemanden, der wegen der Pandemie umgezogen war. Besonders jüngere Erwachsene zogen demnach um. Hispanics und Asiatische Amerikaner waren die ethnischen Gruppen, die sowohl eher selbst umzogen und auch diejenigen, die am ehesten jemand kannten, der umzog. 28 % der Hispanics kannten zumindest jemanden, der umgezogen war, ebenso 24 % der Asiatischen Amerikaner. 20 % der befragten Weißen gaben an, zumindest jemanden zu kennen, der umgezogen war und 19 % der Afroamerikaner gaben an, eine dieser Erfahrungen zu haben. Von denen, die umzogen, erklärten 28 %, der Hauptgrund sei, das Ansteckungsrisiko zu minimieren. 23 % nannten als Ursache, dass der Campus ihrer Hochschule geschlossen wurde. 20 % der befragten Umziehenden wollten bei einem Familienmitglied sein. 18 % nannten finanzielle Gründe – 8 % nannten dabei den Verlust eines Arbeitsplatzes, 10 % andere finanzielle Gründe.[32]

Infolge des Todes von George Floyd bei einem gewaltsamen Polizeieinsatz kam es zu umfangreichen Protesten und Demonstrationen gegen Rassismus, ungeachtet der Ansteckungsgefahr durch das Virus. Die New York Times sprach angesichts der zeitlich eng aufeinander folgenden Ereignisse der ersten Jahreshälfte – Amtsenthebungsverfahren, Pandemie, Wirtschaftskrise und soziale Unruhen – von 2020 als einem „Jahr des nationalen Traumas“.[33][34]

Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom ordnete am 18. Juni 2020 eine Maskenpflicht an, die etwa in Geschäften, Büros und im öffentlichen Nahverkehr gilt.[35]

Internationale ReaktionenBearbeiten

Am 15. März 2020 stufte das deutsche Robert Koch-Institut (RKI) die drei US-Bundesstaaten Kalifornien, Washington und New York als Risikogebiete ein,[36] ab dem 2. April 2020 weitete das RKI das Risikogebiet auf die gesamten Vereinigten Staaten aus.[37]

Wirtschaftliche und soziale FolgenBearbeiten

Die mit der Pandemie einhergehende Krise verursachte erhebliche psychische Folgen. Es wird geschätzt, dass die Zahl der US-Amerikaner, die unter einer Angststörung oder einer Depression leiden, auf etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung stieg. Census-Daten deuten darauf hin, dass 24 Prozent klinische Anzeichen von Depressionen zeigten und 30 Prozent klinisch signifikante Angstzustände, wobei eine große Schnittmenge zwischen den Gruppen besteht.[38] Die Zahl von Toten durch eine Überdosis von Drogen stieg in den Vereinigten Staaten im März 2020 um 18 Prozent, im April 2020 um 29 Prozent und im Mai 2020 um 42 Prozent (jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat).[39]

ArbeitslosigkeitBearbeiten

Bis Mitte März 2020 waren etwa 5,8 Millionen Amerikaner arbeitslos gemeldet. In den vier Wochen darauf beantragten knapp 22 Millionen weitere Amerikaner Arbeitslosenhilfe.[40][41][42] Im April 2020 stieg die Arbeitslosenquote von 4,4 Prozent auf 14,7 Prozent – und damit auf den höchsten Stand seit der Nachkriegszeit.[43] Am 14. Mai waren 36,5 Millionen Amerikaner arbeitslos gemeldet.[44]

Es wird geschätzt, dass mehrere Millionen Angestellte mit ihrem Arbeitsplatz zugleich ihre Krankenversicherung verloren haben.[45]

Anfang April verabschiedete die US-Regierung ein zwei Billionen Dollar schweres Hilfspaket, den Coronavirus Aid, Relief, and Economic Security Act – das größte in der Geschichte der USA. Es dient dazu, Familien, Arbeitslosen und Unternehmen in der Krise unter die Arme zu greifen, und sieht Milliardenhilfen für das Gesundheitssystem vor.[46]

Die Vorschriften zur Vergabe des 349 Milliarden Dollar schweren Teils des Hilfspakets, der ursprünglich dazu vorgesehen war, kleinen Restaurants und Geschäften mit weniger als 500 Mitarbeitern zu helfen, wurden durch einflussreiche Lobbyverbände des Hotel- und Gaststättengewerbes so weit verwässert, dass einzelne Filialen großer Ketten als separate Einheiten Hilfe beantragen konnten. In der Folge beantragten große Ketten systematisch Gelder für ihre Filialen, und der Hilfsfonds war bereits am 16. April 2020 erschöpft, so dass viele kleinere Geschäfte keine Gelegenheit hatten, Hilfen zu erhalten.[47]

Im ersten Quartal des Jahres 2020 schrumpfte die US-Wirtschaft im Vergleich zum Vorquartal um 4,8 Prozent.[48]

Kaufverhalten der GesellschaftBearbeiten

Die Pandemie führte dazu, dass neben dem Kauf von Grundnahrungsmitteln der Waffenhandel in den USA stark angestiegen ist.[49] So wurden nach Angaben des FBI im Januar und Februar 2020 die Kundenüberprüfungen, die für einen Waffenverkauf vorgeschrieben sind, etwa 5,5 Millionen Mal durchgeführt.[50] Dies überstieg damit die Überprüfungen in den Vorjahreszeiträumen deutlich.[50] Ein Onlineversand von Schusswaffenmunition meldete zudem, dass zwischen dem 23. Februar und dem 31. März sein Umsatz um fast 800 % gestiegen sei, verglichen mit den 40 Tagen zuvor.[51]

Onlineversandhändler Amazon kündigte 100.000 zusätzliche Stellen für Voll- und Teilzeitkräfte für Lager und Auslieferung in den USA an.[52]

KommunikationsverhaltenBearbeiten

Laut New York Times ist die Anzahl der Telefonanrufe enorm angestiegen im Vergleich zu anderen Jahren. Laut Angaben des Telekommunikationskonzerns Verizon gab es täglich doppelt so viel Anrufe wie am Muttertag – normalerweise der Höhepunkt des Jahres. Während die Internetnutzung um 20 bis 25 Prozent gestiegen sei, gebe es 35 Prozent mehr Handyanrufe als vor der Pandemie. Auch seien die Anrufe durchschnittlich 33 Prozent länger.[53]

Internationale TätigkeitenBearbeiten

Im Zuge der Pandemie vereinbarten Russlands Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump die Lieferung dringend benötigter Schutzausrüstung für die USA. In der Nacht vom 31. März auf den 1. April flog eine russische Militärmaschine An-124 mit medizinischer Ausrüstung und Schutzmasken in die Vereinigten Staaten.[54][55] Unter der medizinischen Ausrüstung befanden sich auch Beatmungsgeräte des russischen Unternehmens KRET, das zum Staatskonzern Rostec gehört und mit dem US-amerikanischen Unternehmen aufgrund verhängter Sanktionen verboten wurde, Geschäfte einzugehen.[54][55]

Die Vereinigten Staaten verhängten ihrerseits einen Lieferstopp von Schutzausrüstung ins Ausland,[56] wovon insbesondere Lateinamerika und das Nachbarland Kanada betroffen sind. Als Reaktion wies der kanadische Premierminister Trudeau darauf hin, dass das Gesundheitssystem im amerikanischen Detroit mit zahlreichen Grenzgängern aus Kanada arbeite[57] und sein Land die USA mit Zellstoff für die Masken beliefere.[58] Zudem gab es aus mehreren Ländern Berichte, wonach von diesen Ländern gekaufte Schutzausrüstungen auf ihrem Lieferweg in Drittstaaten in die USA umgeleitet worden seien.[57][59] Seitens der US-Regierung wurden derartige Handlungen dementiert.

KontroversenBearbeiten

Am 15. März 2020 berichtete die Welt am Sonntag, dass US-Präsident Donald Trump versucht habe, deutsche Wissenschaftler, die bei der Tübinger Firma Curevac gemeinsam mit dem Paul-Ehrlich-Institut an einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus arbeiten, in die USA zu locken oder ein potenzielles Medikament exklusiv für sein Land zu sichern. Trump tue alles, um einen Impfstoff für die USA zu bekommen, getreu dem politischen Slogan America First „aber eben nur für die USA“, hieß es demnach in der Bundesregierung, die sich dagegen zur Wehr setzen wolle.[60] Wenige Tage später erklärte Dietmar Hopp, der 80 % des Kapitals an dem Unternehmen hält, dass er entsprechenden Vorstößen der Trump-Regierung eine Absage erteilt habe.[61] Sowohl das Weiße Haus als auch Curevac erklärten, ein Angebot der US-Regierung an das Unternehmen habe es nie gegeben.[62]

Der Whip der Demokraten im Repräsentantenhaus, Jim Clyburn, sagte laut Medienberichten im März 2020 während eines Telefonats mit anderen demokratischen Abgeordneten, das anstehende Gesetzespaket zur Pandemie sei eine „enorme Gelegenheit, die Dinge unserer Vision nach umzustrukturieren“. Diese Aussagen wurde von den Republikanern kritisiert; der Mehrheitsführer des Senats, Mitch McConnell, bezeichnete es als falsche Herangehensweise und Gefahr für die Verhandlungen um das Gesetz. Clyburn erklärte später, seine Aussage sei aus dem Kontext gerissen worden.[63]

Der texanische Vizegouverneur Dan Patrick vertrat Ende März 2020 die Position, zum Wohle der Wirtschaft müssten Senioren bereit sein, ihr Leben zu riskieren. Für ihn selbst gebe es Schlimmeres als einen baldigen Tod.[64] Die Position wurde vielfach als abstoßend und zynisch kritisiert.[65]

Am 15. April 2020 drohte Präsident Trump, das Parlament zu vertagen, damit er im US-Senat anstehende Bestätigungen von nominierten Spitzenbeamten (Recess Appointments) übergehen kann.[66]

Am 4. August 2020 führte der australische Journalist Jonathan Swan für die Nachrichtenwebseite Axios ein Interview mit Trump. Darin sprach er Trump auf die hohe Zahl von Covid-19-Toten in den USA an (damals mehr als 150.000 plus Dunkelziffer). Trump antwortete "They are dying. That’s true. It is what it is." (Sie sterben, das stimmt. Es ist wie es ist).[67] Laut dem Urban Dictionary wird mit dieser vieldeutigen Phrase speziell in der Geschäftswelt ausgedrückt, dass jemandem eine unangenehme Tatsache egal ist.[68] Joe Biden band Ausschnitte aus dem Interview in ein Wahlkampfvideo bei Twitter ein.[69]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: COVID-19-Pandemie in den Vereinigten Staaten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Coronavirus: US overtakes China with most cases. BBC News, 27. März 2020, abgerufen am 2. April 2020 (englisch).
  2. Coronavirus: US death toll overtakes Italy as world's highest, BBC vom 12. April 2020.
  3. Center for Disease Control and Prevention: Weekly Updates by Select Demographic and Geographic Characteristics. Abgerufen am 6. September 2020.
  4. abc.news, 9. April 2020 (eingesehen am 24. September 2020)
  5. nytimes.com 11. April 2020: He Could Have Seen What Was Coming: Behind Trump’s Failure on the Virus, siehe auch spiegel.de 11. April 2020.
  6. siehe auch Die Zeit 8. April 2020: Tödliche Fehler
  7. Anthony Fauci: Trumps Berater bestätigt Bericht über Versäumnisse der US-Regierung. DER SPIEGEL, 13. April 2020, abgerufen am 13. April 2020.
  8. faz.net 10. September 2020: „Ich wollte es immer herunterspielen“
  9. DER SPIEGEL: Coronavirus News am Mittwoch: Die wichtigsten Entwicklungen zu Sars-CoV-2 und Covid-19 - DER SPIEGEL - Wissenschaft. Abgerufen am 22. April 2020.
  10. COVID-19 Washington state death toll climbs to 17. In: YakTriNews. 7. März 2020, abgerufen am 8. März 2020 (amerikanisches Englisch).
  11. U.S. News & World Report: Washington Virus Deaths Hit 18 With 2 More From Nursing Home, abgerufen am 9. März 2020
  12. Trump “furious” CDC issued coronavirus warnings that “spooked” stock market: Report. In: salon.com. 27. Februar 2020, abgerufen am 8. März 2020.
  13. a b Marc Pitzke: Coronavirus in den USA: Diesen Feind kriegt Trump nicht klein. In: DER SPIEGEL. 10. März 2020, abgerufen am 10. März 2020.
  14. Robinson Meyer, Alexis C. Madrigal: America’s Coronavirus Testing Still Isn’t Moving Fast Enough. In: The Atlantic. 9. März 2020, abgerufen am 10. März 2020 (amerikanisches Englisch).
  15. Trumps Augenmerk liegt auf den Zahlen. In: Süddeutsche Zeitung. Abgerufen am 8. März 2020.
  16. Guido Mingels, René Pfister, Marc Pitzke: Die verdrängte Katastrophe. In: Der Spiegel. Nr. 14, 2020, S. 80–83 (online28. März 2020).
  17. Mary Papenfuss: Trump Administration Failed Dry Run 'Crimson Contagion' Pandemic Exercise. In: HuffPost. 20. März 2020, abgerufen am 25. März 2020 (englisch).
  18. Andrea Böhm, Heike Buchter, Michael Thumann: Coronavirus in den USA: Verletzliche Supermacht. In: Die Zeit. 25. März 2020, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 25. März 2020]).
  19. Trump will Veranstaltungen zu US-Wahlkampf fortsetzen. In: orf.at. Abgerufen am 8. März 2020.
  20. DER SPIEGEL: Coronavirus News am Donnerstag: Weißes Haus meldet Corona-Fall - DER SPIEGEL - Wissenschaft. Abgerufen am 7. Mai 2020.
  21. Katie Miller, Pence spokeswoman, tests positive for coronavirus, Politico vom 8. Mai 2020.
  22. a b WHO Coronavirus Disease (COVID-19) Dashboard; oben rechts auf der Seite ist ein Link zum Download der Daten im CSV-Format
  23. Epizentrum der US-Virus-Krise. New York City fügt 3700 Corona-Tote zu Statistik hinzu. Nordkurier, 15. April 2020, abgerufen am 17. April 2020.
  24. Weinberger DM, Chen J, Cohen T, et al. Estimation of Excess Deaths Associated With the COVID-19 Pandemic in the United States, March to May 2020. JAMA Intern Med. Published online July 01, 2020. doi:10.1001/jamainternmed.2020.3391
  25. Coronavirus disease (COVID-2019) situation reports. WHO, abgerufen im April 2020 (englisch).
  26. nytimes.com 14. April 2020: N.Y.C. Death Toll Soars Past 10,000 in Revised Virus Count
  27. covid19tracker.health.ny.gov (abgerufen am 6. August 2020)
  28. https://floridahealthcovid19.gov, abgerufen am 6. August 2020
  29. Alexander Sarovic, Britta Sandberg: Flucht vor Corona: Wo Reiche auf Distanz gehen. In: Der Spiegel. Abgerufen am 21. April 2020.
  30. Studierende feierten trotz Corona – nun haben sich fünf von ihnen infiziert. 25. März 2020, abgerufen am 29. April 2020.
  31. tagesschau.de: Gouverneur warnt Strandbesucher in Kalifornien. Abgerufen am 29. April 2020.
  32. D’Vera Cohn, About a fifth of U.S. adults moved due to COVID-19 or know someone who did, Pew Research Center vom 6. Juli 2020.
  33. Trump, Corona und Rassismus: Krisen werden „nationales Trauma“ für USA. In: n-tv.de. 31. Mai 2020, abgerufen am 6. Juni 2020.
  34. Peter Baker: In Days of Discord, a President Fans the Flames. In: nytimes.com. 1. Juni 2020, abgerufen am 6. Juni 2020 (englisch): „It has been a year of national trauma that started out feeling like another 1998 with impeachment, then another 1918 with a killer pandemic combined with another 1929 given the shattering economic fallout. Now add to that another 1968, a year of deep social unrest.“
  35. https://www.op-online.de/politik/corona-usa-coronavirus-donald-trump-covid19-sterberate-zr-13787563.html
  36. Robert Koch-Institut (Hrsg.): COVID-19: Internationale Risikogebiete und besonders betroffene Gebiete in Deutschland. 15. März 2020 (archive.org).
  37. COVID-19: Internationale Risikogebiete und besonders betroffene Gebiete in Deutschland. Robert Koch-Institut, 2. April 2020; (wird laufend aktualisiert).
  38. Alyssa Fowers/William Wan, A third of Americans now show signs of clinical anxiety or depression, Census Bureau finds amid coronavirus pandemic, Washington Post vom 26. Mai 2020.
  39. William Wan/Heather Long, ‘Cries for help’: Drug overdoses are soaring during the coronavirus pandemic, Washington Post vom 1. Juli 2020.
  40. Viele Arbeitslose, Fed handelt: Amerika kämpft gegen die Abwärtsspirale. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 10. April 2020]).
  41. n-tv NACHRICHTEN: USA steuern in die Corona-Massenarbeitslosigkeit. Abgerufen am 10. April 2020.
  42. Corona-Pandemie in Amerika: Mehr als 5 Millionen neue Arbeitslose in einer Woche. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 16. April 2020]).
  43. tagesschau.de: Corona: US-Arbeitslosenquote auf historischem Höchststand. Abgerufen am 9. Mai 2020.
  44. Jeff Cox, Weekly jobless claims total 2.981 million, bringing coronavirus tally to 36.5 million, CNBC vom 14. Mai 2020.
  45. Corona-Folge in USA Millionen büßen Krankenversicherung ein. In: n-tv.de. 17. April 2020, abgerufen am 2. Mai 2020.
  46. Fast 10 Millionen Amerikaner beantragen binnen zwei Wochen Arbeitslosenhilfe. Abgerufen am 11. April 2020.
  47. Jonathan O'Connell: "White House, GOP face heat after restaurant, hotel chains helped run loan program dry" Washington Post vom 21. April 2020
  48. n-tv NACHRICHTEN: USA vor Wirtschaftseinbruch von 30 Prozent. Abgerufen am 29. April 2020.
  49. Deutsche Welle (www.dw.com): Corona-Panik: Amerikaner stürmen Waffengeschäfte | DW | 3. April 2020. Abgerufen am 6. April 2020 (deutsch).
  50. a b WELT: Coronavirus in den USA: Amerikaner kaufen Regale in Waffenläden leer. In: DIE WELT. 18. März 2020 (welt.de [abgerufen am 6. April 2020]).
  51. Trump: Menschen kaufen wegen Corona so viel Waffen wie nie zuvor . In: Salzburger Nachrichten, 20. April 2020. Abgerufen am 21. April 2020.
  52. Amazon schreibt 100.000 Stellen aus. In: tagesschau.de. 17. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  53. Cecilia Kang: The Humble Phone Call Has Made a Comeback. In: The New York Times. 9. April 2020, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 9. April 2020]).
  54. a b Russian ventilators shipped to U.S. made by firm under U.S. sanctions: RBC. In: Reuters. 3. April 2020 (reuters.com [abgerufen am 3. April 2020]).
  55. a b Christina Hebel: Beatmungsgeräte für USA stammen von mit Sanktionen belegter Firma. In: spiegel.de. Abgerufen am 3. April 2020.
  56. Corona-Krise in den USA: Trump stoppt Export von Schutzkleidung www.tagesschau.de, 4. April 2020
  57. a b Richard Lough, Andreas Rinke: U.S. Coronavirus Supply Spree Sparks Outrage Among Allies. In: Reuters. 3. April 2020, abgerufen am 13. April 2020 (englisch).
  58. Coronavirus: Weltweiter Kampf um die Masken – DER SPIEGEL. In: spiegel.de. 7. April 2020, abgerufen am 14. April 2020.
  59. WELT: Coronavirus: USA sollen von Berlin bestellte Schutzmasken abgefangen haben – Weißes Haus widerspricht. In: DIE WELT. 3. April 2020 (welt.de [abgerufen am 4. April 2020]).
  60. NTV: Kampf um Tübinger Impfstofffirma. Deutschland wehrt sich gegen US-Zugriff. 15. März 2020. Online unter www.n-tv.de. Abgerufen am 15. März 2020.
  61. Corona: Hopp erklärt Trump-Absage und macht Hoffnung auf Impfstoff im Herbst. In: Die Welt. Abgerufen am 20. März 2020.
  62. Elizabeth Weise: German vaccine company CureVac says no offers from Trump to buy exclusive vaccine access. In: USA Today. Gannett, 18. März 2020, abgerufen am 6. April 2020 (englisch).
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  66. Trump threatens to adjourn Congress to make recess appointments. The Washington Times, 15. April 2020.
  67. Trump on Covid death toll: 'It is what it is'
  68. It is what it is
  69. Joe Biden - Twitter