COVID-19-Pandemie in Südkorea

Teil der COVID-19-Pandemie 2019/2020
Dieser Artikel beschreibt eine laufende Epidemie. Die Informationen können sich deshalb rasch ändern.
Von SARS-CoV-2-Infektionen betroffene Landkreise und Städte Südkoreas (bestätigte Infektionen): 1 – 9
10 – 99
100 – 499
500 – 999
1000 – 4999

Die COVID-19-Pandemie in Südkorea ist Teil der weltweiten, von China ausgehenden COVID-19-Pandemie. Der erste Fall in Südkorea wurde am 20. Januar 2020 bekannt.

EntwicklungBearbeiten

Kumulative bestätigte Infektionen in Südkorea[1]
Datum Zahl
20. Jan. 2020 0001
18. Feb. 2020 0031
19. Feb. 2020 0051
20. Feb. 2020 0104
21. Feb. 2020 0204
22. Feb. 2020 0433
23. Feb. 2020 0602
24. Feb. 2020 0833
25. Feb. 2020 0977
26. Feb. 2020 1261
27. Feb. 2020 1766
28. Feb. 2020 2337
29. Feb. 2020 2931
01. Mär. 2020 3736
02. Mär. 2020[2] 4212
03. Mär. 2020 4812
04. Mär. 2020 5328
05. Mär. 2020 5766
06. Mär. 2020 6284
07. Mär. 2020 6767
08. Mär. 2020 7134
09. Mär. 2020 7382
10. Mär. 2020 7513
11. Mär. 2020 7755
12. Mär. 2020 7869
13. Mär. 2020 7979
14. Mär. 2020 8086
15. Mär. 2020 8162
16. Mär. 2020 8236
17. Mär. 2020 8320
18. Mär. 2020 8413
19. Mär. 2020 8565
20. Mär. 2020 8652
21. Mär. 2020 8799
22. Mär. 2020 8897
23. Mär. 2020 8961
24. Mär. 2020 9037
25. Mär. 2020 9137
26. Mär. 2020 9241
27. Mär. 2020 9332
28. Mär. 2020 9478
29. Mär. 2020 9583
30. Mär. 2020 9661
31. Mär. 2020 9786
01. Apr. 2020 9887
02. Apr. 2020 9976
03. Apr. 2020 10062

Nachdem die chinesischen Behörden am 31. Dezember 2019 den Ausbruch einer Serie von Lungenentzündungen in der Stadt Wuhan mit bislang unbekannter infektiöser Ursache an die Weltgesundheitsorganisation gemeldet hatten, wurden in Südkorea entsprechende Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Ab dem 3. Januar 2020 galten besondere Einreisebestimmungen und Quarantänemaßnahmen für Reisende aus Wuhan. Außerdem wurde die Öffentlichkeit von staatlichen Stellen über das Problem informiert.

Der erste Fall einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 in Südkorea wurde am 20. Januar 2020 bekannt. Es handelte sich um eine 35-jährige Staatsbürgerin der Volksrepublik China mit Wohnsitz in Wuhan (China). Die Patientin war bei der Einreise am 19. Januar 2020 auf dem Flughafen Incheon mit Fieber aufgefallen und anschließend in eine Isolierstation eines Krankenhauses verbracht worden, wo die Infektion diagnostiziert wurde. Sie hatte keine bekannten Kontakte zu infizierten Personen gehabt.[3] Bis zum 18. Februar 2020 stieg die Zahl der bekannten Infektionsfälle in Südkorea langsam auf 31 Fälle an, d. h., es wurde etwa eine Neuinfektion pro Tag registriert. Von den 31 Infizierten waren 13 kurz zuvor in der Volksrepublik China gewesen und 15 Personen waren mutmaßlich außerhalb Chinas infiziert worden (zu den restlichen drei lagen keine Informationen vor).[4]

Ab dem 19. Februar 2020 setzte ein rapider Anstieg der Fallzahlen ein. Ursächlich für diesen Anstieg war die Entdeckung eines Infektionsclusters in der südlich gelegenen Stadt Daegu, die sich in den folgenden Tagen zu einer Art „südkoreanischem Wuhan“ entwickelte. Die Infektionsfälle ereigneten sich anfänglich ganz überwiegend in der Shincheonji-Gemeinschaft, einer sektenähnlichen christlichen Kirche. In der Shincheonji-Gemeinde in Daegu infizierten sich die Gemeindemitglieder bei ihren Zusammenkünften gegenseitig, wobei wohl eine 61-jährige Superverbreiterin eine zentrale Rolle spielte. Danach trugen die Gemeindemitglieder die Infektion nach außen. Die Shincheonji-Kirche erklärte, dass sie umfassend mit den Behörden kooperieren werde, um die Epidemie einzudämmen, und händigte den Gesundheitsbehörden eine Liste ihrer Mitglieder aus. Da diese Liste anscheinend unvollständig war, erfolgten am 25. Februar 2020 Hausdurchsuchungen in den Büros der Religionsgemeinschaft. In der südkoreanischen Öffentlichkeit entlud sich viel Ärger; und eine Petition, die das Verbot der Shincheonji-Gemeinschaft forderte, sammelte bis zum 25. Februar 2020 mehr als eine halbe Million Unterstützerunterschriften.[5] Die Stadtverwaltung Seouls forderte die zuständige Staatsanwaltschaft auf, gegen Lee Man-hee und 11 weitere Führer der Shincheonji-Kirche Anklage wegen Mordes zu erheben.[6]

Bis zum Morgen des 22. Februar 2020 wurden 283 Infektionsfälle und die ersten beiden durch das Virus in Südkorea verursachten Todesfälle registriert. Die hauptbetroffene Stadt Daegu ergriff Gegenmaßnahmen, schloss öffentliche Gebäude und verschob den anstehenden Schulbeginn um eine Woche. Vor Supermärkten bildeten sich aufgrund von Vorratskäufen lange Schlangen. Die in Daegu stationierten koreanischen und amerikanischen Armeeeinheiten wurden angewiesen, in ihren Kasernen zu bleiben.[7] Mit der Ausweitung der Epidemie entschlossen sich etwa 180 Hochschulen und Universitäten in ganz Südkorea, den anstehenden Semesterbeginn zu verschieben. Etwa 80 % der Einrichtungen nahmen eine Verschiebung um zwei Wochen vor.[8] Das Bildungsministerium wies Schulen und Kindergärten zunächst an, den ursprünglich geplanten Beginn des neuen Schuljahres vom 2. März 2020 auf den 23. März zu verschieben.[9] Später erfolgte eine weitere Verzögerung des Schulstarts um weitere zwei Wochen auf den 6. April 2020.[10] Aufgrund weiterer Bedenken wurde schließlich entschieden, die Schule nach und nach ab dem 9. April beginnen zu lassen und den Unterricht zunächst online stattfinden zu lassen.[11]

Am 24. Februar 2020 war Südkorea mit 883 bestätigten Infektionen das Land mit der höchsten Zahl an bekannten Infektionsfällen außerhalb Chinas.[12]

Bis zum 3. März 2020 wurden 125.851 Verdachtsfälle gezählt, von denen 4812 positiv getestet wurden. Von den Infizierten gehörten 2698 (56,1 %) der Shincheonji-Sekte an. 4750 Personen befanden sich zu diesem Zeitpunkt in Isolation, 34 Personen waren als geheilt entlassen und 28 Personen waren verstorben. Von den verbleibenden 121.039 waren 85.484 negativ getestet worden und bei 35.555 war die Testung gerade im Gange.[13] Bis zum 12. März 2020 wurden etwa 210.000 Personen in Südkorea getestet.[14]

Nachdem 35 % der Neuansteckungen in Südkorea nach Regierungsangaben auf Einreisende zurückzuführen waren, wurden zum 1. April die Quarantäne-Regelungen für Einreisende verschärft. Ausnahmslos jeder Ankommende muss sich, unabhängig von der Nationalität für 14 Tage in überwachte Quarantäne begeben. Dafür können Privatwohnungen genutzt werden, oder es sind, etwa im Fall von Ausländern mit 90-Tage Visa, staatliche Einrichtungen vorgeschrieben. Verstöße können mit bis zu drei Jahren Gefängnis, Geldstrafen und, im Fall von Ausländern, mit Abschiebung und einem Wiedereinreiseverbot geahndet werden.[15]

StatistikBearbeiten

Am 25. März veröffentlichte das Koreanische Zentrum für Seuchenkontrolle und -prävention (KCDC) statistische Daten zu den Todesopfern. 86 % der 124 mit dem Coronavirus infizierten Verstorbenen litten zuvor an chronischen Bluthochdruck oder Diabetes mellitus oder einer Kombination beider. 34 der 124 Verstorbenen hatten Alzheimer. Weniger als 1 % der Verstorbenen war jünger als 50 Jahre. Der durchschnittliche Zeitraum von der Feststellung der Infektion bis zum Tod des Infizierten betrug acht Tage.[16]

Bestätigte Infektionen und als geheilt Entlassene in Südkorea (kumuliert)
nach Daten des KCDC
[17]

 

Todesfälle in Südkorea (kumuliert)
nach Daten des KCDC
[18]

 
 
Südkoreanisches Aufklärungsplakat in englischer Sprache
 
Drive-Through-Station für Corona-Virentestungen in Busan, Anfang März 2020.
 
Desinfektion eines Krankenwagens nahe Daegu

InformationsmanagementBearbeiten

In Südkorea gibt es Apps und Websites, die vor Orten warnen, an denen sich die Infizierten nachweislich (mit ihrem Smartphone) aufgehalten haben.[19] Die Datenschutz-Rechtslage erlaubt der Regierung dort, die Telefonnummer der am Virus erkrankten Personen in Erfahrung zu bringen und auch die GPS-Daten auszuwerten und anonymisiert zu veröffentlichen.[19] Diese Verfahrensweisen, die dazu führen können, dass das Privatleben einzelner Personen in der Öffentlichkeit regelrecht exponiert wird, stießen auch auf Kritik. Zwar werden die Infizierten und deren Wohnadressen in den Warnmeldungen nicht namentlich genannt, jedoch war es in Einzelfällen wiederholt möglich, aufgrund der Umstände die Identität aufzudecken.[20]

Die südkoreanische Außenministerin Kang Kyung-wha erklärte am 15. März 2020, dass eine Stabilisierung der Lage in Südkorea zu beobachten sei, da die Zahl der Neuinfektionen seit drei Tagen geringer sei als die Zahl der von der Infektion geheilten Personen. Die im internationalen Vergleich außerordentlich niedrige Letalität der Epidemie in Südkorea sei vorrangig auf die großflächige Testung von Risikopersonen zurückzuführen.[21]

Internationale ReaktionenBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: COVID-19-Pandemie in Südkorea – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Press Release. KCDC (질병관리본부, Korean Center for Disease Control, Koreanisches Zentrum für Krankheitskontrolle), abgerufen am 21. März 2020 (englisch).
  2. Ab dem 2. März beziehen sich die Zahlen auf einen anderen Zeitpunkt (0:00 statt 9:00 bzw. 16:00 KST).
  3. Novel Coronavirus – Republic of Korea (ex-China). WHO, 21. Februar 2020, abgerufen am 27. Februar 2020 (englisch).
  4. Coronavirus disease 2019 (COVID-19) Situation Report – 29. (PDF) WHO, 18. Februar 2020, abgerufen am 27. Februar 2020 (englisch).
  5. Coronavirus: Why did infections shoot up in South Korea? BBC News, 25. Februar 2020, abgerufen am 27. Februar 2020 (englisch).
  6. Coronavirus: South Korea sect leader to face homicide probe over deaths. BBC News, 1. März 2020, abgerufen am 1. März 2020 (englisch).
  7. Martin Farrer: Coronavirus: South Korea cluster drives huge rise in cases. The Guardian, 22. Februar 2020, abgerufen am 27. Februar 2020 (englisch).
  8. 177개 대학 개강 연기···80%가 '2주 결정' (177 Unversitäten verschieben den Semesterstart – etwa 80 % von ihnen haben um 2 Wochen verschoben). 한국대학신문 (Universitätszeitung für Korea), 18. Februar 2018, abgerufen am 29. Februar 2020 (englisch).
  9. Bahk Eun-ji: Schools to delay spring semester for 2 more weeks. In: The Korea Times. 2. März 2020, abgerufen am 12. März 2020 (englisch).
  10. Korea again pushes back new school year on virus fears. In: Korea Times. 17. März 2020, abgerufen am 17. März 2020 (englisch).
  11. S. Korea to begin new school year with online classes on April 9 amid virus. In: Yonhap. 31. März 2020, abgerufen am 1. April 2020 (englisch).
  12. South Korea now biggest coronavirus cluster outside China, surpassing Diamond Princess. Japan Times, 24. Februar 2020, abgerufen am 27. Februar 2020 (englisch).
  13. The updates on COVID-19 in Korea as of 1 March. KCDC (질병관리본부, Korean Center for Disease Control, Koreanisches Zentrum für Krankheitskontrolle), abgerufen am 3. März 2020 (englisch, Pressemitteilung).
  14. Stefan Nicola: A Berlin Biotech Company Got a Head Start on Coronavirus Tests. In: Bloomberg Businessweek. 12. März 2020, abgerufen am 14. März 2020 (englisch).
  15. Justin McCurry: "South Korea bars entry to foreign nationals who refuse to self-isolate" The Guardian vom 3. April 2020
  16. Park Si-soo: 86% of coronavirus fatalities had chronic high blood pressure, diabetes: data. In: The Korea Times. 25. März 2020, abgerufen am 25. März 2020 (englisch).
  17. Press Release. KCDC (질병관리본부, Korean Center for Disease Control, Koreanisches Zentrum für Seuchenbekämpfung), abgerufen am 20. März 2020 (englisch).
  18. Press Release. KCDC (질병관리본부, Korean Center for Disease Control, Koreanisches Zentrum für Seuchenbekämpfung), abgerufen am 20. März 2020 (englisch).
  19. a b Katharina Graça Peters: Südkoreas Strategie der radikalen Transparenz. In: Der Spiegel. 29. Februar 2020, abgerufen am 1. März 2020.
  20. Coronavirus privacy: Are South Korea's alerts too revealing? BBC News, 5. März 2020, abgerufen am 14. März 2020 (englisch).
  21. Coronavirus: South Korea seeing a 'stabilising trend'. BBC News, 15. März 2020, abgerufen am 15. März 2020 (englisch).