COVID-19-Pandemie in Frankreich

Teil der COVID-19-Pandemie

Frankreich ist eines der am stärksten betroffenen europäischen Länder der weltweiten COVID-19-Pandemie. Im Januar 2020 wurden dort die ersten europäischen Krankheits- und Todesfälle gemeldet. Erste Ausbreitungsherde waren im Elsass und in der Region Île-de-France. Bis Mitte April hatte sich die Krankheit auf das ganze Land ausgedehnt. Frankreich gehört neben dem Vereinigten Königreich, Italien und Spanien zu den europäischen Ländern mit den meisten Toten.

Anzahl der wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelten Personen nach Regionen

VerlaufBearbeiten

Frankreich ist jenes Land, in dem das Virus SARS-CoV-2 erstmals in Europa auftrat und in dem der erste COVID-19-Todesfall außerhalb Asiens auftrat.

Die ersten Patienten in Frankreich, bei denen die Diagnose Covid-19 bestätigt und öffentlich bekannt wurde, waren drei Ende Januar 2020 erkrankte Personen. Am 15. Februar starb eine von ihnen, ein 80-jähriger Tourist aus China. Am 25. desselben Monats wurden zwei neue Infektionen gemeldet, ein Franzose, der aus der Lombardei zurückgekehrt war, und eine junge Chinesin, die Anfang Februar aus China zurückgekehrt war.[1] Viele der anfänglichen Infektionen werden auf ein viertägiges Treffen von 2.000 Anhängern der evangelikalen Freikirche Église Porte ouverte chrétienne in Mulhouse[2] Mitte Februar zurückgeführt.[3] Ein weiterer früher Schwerpunkt der Erkrankung lag im hauptstadtnahen Département Oise, wo am 28. Februar 18 der landesweit 57 registrierten Erkrankten lebten und drei Tage später Frankreichs dritter Todesfall eintrat.[4]

Möglicherweise war das Virus in Frankreich schon Monate vorher präsent. Ein möglicher Fall im Großraum Paris stammt vom 27. Dezember 2019, als ein damals 42-Jähriger in einem Krankenhaus im Département Seine-Saint-Denis im Norden der Hauptstadt wegen einer Lungenentzündung behandelt wurde; eine nachträgliche PCR-Untersuchung der dabei genommenen zwischenzeitlich eingefrorenen Sputum-Proben ergab Anfang Mai 2020 nach einer Veröffentlichung von Yves Cohen und Kollegen,[5] dass sich der Patient mit dem Corona-Virus infiziert hatte. Er hatte zuletzt nur eine Reise im August 2019 in sein Heimatland Algerien unternommen und war nur mit seiner Familie in engerem Kontakt gewesen. Seine Ehefrau war nicht erkrankt, im Gegensatz zu zwei Kindern des Paares. Die Ehefrau des Patienten arbeitete in unmittelbarer Nachbarschaft eines Sushi-Stands mit chinesischen Arbeitskollegen.[6][7] Der deutsche Virologe Christian Drosten äußerte am 12. Mai 2020 im NDR Zweifel an den Schlüssen, zu denen die Forscher in diesem Fall gelangt waren, und beklagte methodische Mängel.[8] Ein noch früherer möglicher Fall stammt aus dem Elsass. Dort wurde am 2. Dezember 2019 im Albert-Schweitzer-Krankenhaus in Colmar ein 57-jähriger Mann mit Atemwegsentzündung aufgenommen und etwa eine Woche lang stationär behandelt. Eine nachträgliche Untersuchung von Computertomografie-Bildern auf Covid-19-typische Symptome hin in Verbindung mit PCR-Tests brachte Anfang Mai Ärzte des Krankenhauses zu der Überzeugung, dass der inzwischen genesene Patient an Covid-19 erkrankt war.[9] Im Sommer 2020 hat man am selben Krankenhaus einen COVID-19 Fall auf radiologischen Aufnahmen vom 16. November 2019 nachweisen können.[10]

Am 9. März 2020 gab es in Frankreich 1116 bestätigte Infizierte, 19 von ihnen waren bereits gestorben. Bis zum 2. April erhöhte sich die Zahl der bestätigten Infizierungen auf 59.105. Die Zahl der Toten wurde bis zum 2. April nur für die in Krankenhäusern Gestorbenen tagesaktuell gemeldet. Erst seit 3. April enthalten die offiziell bekanntgegebenen Zahlen auch die in Alters- und Pflegeheimen sowie anderen sozialen und medizinisch-sozialen Einrichtungen (Établissements sociaux et médico-sociaux, ESMS) Gestorbenen. Am 2. April wurde zum ersten Mal überhaupt seit Beginn der Epidemie eine Zahl von bis dahin in ESMS an Covid-19 gestorbenen Personen veröffentlicht.[11] Bis April stieg die Zahl der wöchentlichen Todesopfer stetig an und erreichte in der 15. Kalenderwoche (6. bis 12. April) mit 6315 in dieser Woche registrierten bestätigten Covid-19-Todesfällen ihren Maximalwert; in der Folge fiel diese Kennzahl wieder stetig ab. Am 24. Mai wies die amtliche Statistik 144.921 Infektionsfälle seit Beginn der Epidemie aus, darunter 28.367 Tote. Von diesen waren 18.022 in Krankenhäusern gestorben und 10.345 in ESMS. Insgesamt waren etwa die Hälfte der Toten (14.061 Personen) Heimbewohner.[12]

Diese Zahlen beinhalten jedoch nicht alle ESMS. Ebenso sind Covid-19-Tote, die in der eigenen Wohnung starben, darin nicht erfasst. Ärztevertreter schätzten Anfang Mai, dass die Todesfälle aus einem Drittel aller ESMS immer noch nicht in den offiziell veröffentlichten Zahlen enthalten seien. Die Zahl der in der eigenen Wohnung an Covid-19 Verstorbenen schätzten sie auf 8.000 bis 10.000. Für den Zeitraum vom 1. März bis zum 20. April 2020 wurde für einige Départements, darunter für den Großraum Paris und das Elsass, eine Übersterblichkeit von über 40 % festgestellt.[13] Für die schlecht funktionierende Erfassung und Analyse wurde unter anderem ein veraltetes Meldewesen verantwortlich gemacht. So wurden 2020 noch 4 von 5 Totenscheinen auf Papier ausgestellt (was die zentrale Erfassung verzögert), obwohl das seit 2007 landesweit elektronisch möglich ist.[14]

MaßnahmenBearbeiten

Februar 2020Bearbeiten

Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran berichtete im Februar 2020, dass Frankreich in höchster Alarmbereitschaft bleibe. Die Zahl der Labore, die Infektionen nachweisen können, habe man vervielfacht. Als Ziel gab er an, die Kapazität von derzeit 400 Tests pro Tag auf mehrere Tausend Tests pro Tag auszuweiten.[15] Véran rief die Bevölkerung dazu auf, zeitweise von der Gepflogenheit von Wangenküssen zur Begrüßung abzusehen.

März 2020Bearbeiten

Am 1. März blieb der Louvre für einen Tag geschlossen, nachdem Mitarbeiter aus Sorge über die Infektionsgefahr die Arbeit niedergelegt hatten.[16] In den Schuldistrikten von Paris wurden Eltern angewiesen, ihr Kind für zwei Wochen zuhause zu behalten, wenn es sich kürzlich in China, Hongkong, Macao, Singapur, Korea, der Lombardei oder Venetien aufgehalten haben sollte. Kinder in Krippen sollten unter diesen Umständen ebenso zuhause bleiben.[17] Am 4. März wurden Apotheken angewiesen, Atemmasken nur noch auf Rezept zu verkaufen,[18] dann wurde mit der Verteilung einer Reserve von 10 Millionen Atemmasken auf Apotheken im ganzen Land begonnen.[19]

Bildungsminister Jean-Michel Blanquer empfahl am 5. März 2020 das von der staatlichen Fernschule Centre national de l’Enseigenement à distance (CNED) betriebene virtuelle Klassenzimmer. Deutsche Medien betonten, dass – im Unterschied etwa zu Deutschland – das Unterrichtsprogramm in Frankreich landesweit identisch ist, so dass der Fernunterricht die Schüler auf das zentrale Abitur in Frankreich vorbereiten kann.[20] Am 6. März legte die französische Regierung in einem Dekret einen Maximalpreis für Desinfektionsmittel fest.[21]

Nachdem Véran am 8. März angekündigt hatte, dass öffentliche Versammlungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern landesweit nicht mehr genehmigt würden, durften etliche Sport-Großveranstaltungen, darunter die beiden Abschlussbegegnungen des Tournoi de France, nur noch ohne Zuschauer ausgetragen werden.[22] Am 11. März wurden Besuche in Alters- und Pflegeheimen, auch durch engste Angehörige der Bewohner wie etwa deren Ehepartner oder Kinder, untersagt.[23] Am 12. März gab die französische Regierung bekannt, dass Schulen, Kitas und Universitäten ab dem 16. März bis auf weiteres geschlossen werden.[24] Am 14. März kündigten viele Kultureinrichtungen ihre Schließung an. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Pariser Institutionen wie den Louvre, das Centre Georges Pompidou, den Eiffelturm, das Musée d’Orsay oder das Château de Versailles,[25] aber auch um Institutionen in den Provinzen wie das Château de Montsoreau – Musée d’Art Contemporain[26] oder das MUCEM in Marseille.[27]

Am 14. März wurde die Schließung aller öffentlich zugänglichen Einrichtungen (bspw. – mit Ausnahmen – Geschäfte, Restaurants, Kinos) angeordnet.[28] Am 16. März ordnete der französische Staatspräsident Macron eine landesweite, partielle Ausgangssperre (confinement) an, die am 17. März in Kraft trat.[29] Die Notwendigkeit, das Haus zu verlassen, ist durch eine vom Arbeitgeber ausgestellten Bescheinigung oder eine Eigenerklärung nachzuweisen.[30] Ebenso wurde verkündet, dass das bereits eine Woche zuvor erlassene Besuchsverbot für Bewohner von Altersheimen ab 18. März auch auf Insassen von Gefängnissen ausgeweitet sei.[31]

Am 25. März wurden erstmals 20 Intensivpatienten in einem umgerüsteten TGV aus dem Grand Est in andere Landesteile gebracht.[32] In der Folge wurden mehrfach Patienten aus den am stärksten betroffenen Gebieten Grand Est und Île-de-France in andere Regionen und europäische Nachbarländer verlegt, da die Intensivstationen die Auslastungsgrenze erreicht hatten.[33][34]

April 2020Bearbeiten

Am 13. April 2020 kündigte Staatspräsident Macron an, die Ausgangssperre bis zum 11. Mai zu verlängern, um anschließend zunächst schrittweise Schulen und Geschäfte wieder zu öffnen. Gaststätten und Hotelbetriebe sollten aber auch nach diesem Datum noch geschlossen bleiben. Auch Senioren und chronisch Kranke sollten weiterhin zu Hause bleiben.[35] Mitte April 2020 wurde bekannt, dass etwa 1080 Besatzungsmitglieder des französischen Flugzeugträgers Charles de Gaulle und seiner Begleitschiffe positiv getestet worden.[36] Alle 2300 Besatzungsmitglieder wurden getestet, die Soldaten in Toulon und Umgebung für 14 Tage isoliert; das Schiff hatte zuletzt einen Zwischenstopp vom 13. bis 16. März in Brest eingelegt.[37]

Am 17. April verbot der Präfekt des Départements Morbihan in der Bretagne, Patrice Faure, bis zum 11. Mai den Verkauf alkoholischer Getränke mit Ausnahme von Bier, Wein und Cidre. Er begründete dies mit dem Ziel, häusliche Gewalt einzudämmen. Die Präfektur des nordfranzösischen Départements Aisne hatte am 24. März eine ähnliche Maßnahme verkündet, jedoch noch an demselben Tag wieder zurückgenommen.[38] Um die wirtschaftlichen Folgen der Epidemie für Arbeitnehmer und Beschäftigte abzufedern, weitete die Regierung die Möglichkeiten der bis dahin in Frankreich wenig verbreiteten Kurzarbeit von März 2020 an drastisch aus.[39][40] Am 22. April gab die Arbeitsministerin Muriel Pénicaud bekannt, dass mehr als 10 Millionen Arbeitnehmer in Kurzarbeit seien und 60 % der französischen Unternehmen das Instrument nutzten. Im Hotelgewerbe seien 90 % der Beschäftigten in Kurzarbeit, im Baugewerbe 93 %, d. h. 1,2 Millionen Personen. Am 15. März 2020 hatte die Gesamtzahl der Kurzarbeitenden in Frankreich noch weniger als 106.000 betragen.[41]

Frankreich war es bis Mitte April nicht gelungen, eine zentrale Empfehlung der WHO umzusetzen, d. h. in großem Ausmaß Tests durchzuführen. So waren nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bis zum 15. April 2020 in Frankreich nur 5,1 von 1000 Bewohnern getestet worden, fast dreimal weniger als im Mittel der OECD-Mitgliedstaaten, weniger als zum Beispiel in der Türkei (5,3) und deutlich weniger als in den USA (9,3) und Deutschland (17). Ein zentrales Problem war nach Medienberichten die Nichtnutzung existierender Kapazitäten in staatlichen Labors. So war bereits Ende März bzw. Anfang April bekanntgeworden, dass ab dem 15. März die tierärztlichen Labors der Départements, die landesweit etwa 100.000 Tests pro Woche hätten durchführen können, ihre Dienste den regionalen Gesundheitsämtern (Agences régionales de santé, ARS) angeboten hatten. Wegen schleppender Bearbeitung und administrativen Hürden konnten diese Ressourcen jedoch erst ab dem 5. April allmählich für Tests an menschlichen Proben genutzt werden. Ähnliche Schwierigkeiten bestanden bei der Nutzbarmachung von Laborkapazitäten in Forschungseinrichtungen. Ab dem 22. März hatten die großen, landesweit tätigen Forschungseinrichtungen CNRS, Inserm, INRAE, CEA und Inria etwa 50 ihnen unterstehende Labors identifiziert, die über geeignete Testkapazitäten verfügten. Am 21. April waren jedoch weniger als fünf davon tatsächlich mit Covid-19-Früherkennung betraut. Wissenschaftler der Labors beklagten nie zuvor erlebte bürokratische Schwierigkeiten sowie das Verbot durch ihre Arbeitgeber, sich kritisch zum Krisenmanagement der Regierung zu äußern. Auch Verbandsvertreter der kommerziell tätigen medizinisch-biologischen Labors für klinische Tests des Landes kritisierten, dass sie ab März mehrere Wochen lang von den Behörden daran gehindert worden seien, Tests durchzuführen, da die politisch Verantwortlichen diese ausschließlich durch Krankenhäuser habe durchführen lassen wollen. Unter anderem war die Kostenerstattung verweigert worden. Erst durch rechtliche Schritte von seiten der privaten Labors seien diese in die Lage versetzt worden, auch tätig zu werden.[42]

Am 30. April brach der französische Fußballligaverband LFP die laufende Saison der Ligue 1 vorzeitig ab. Paris Saint-Germain wurde zehn Spieltage vor Saisonschluss zum Meister erklärt. Die Liga reagierte damit auf das Verbot der Politik, Sport- und Großveranstaltungen auszutragen.[43][44]

Mai 2020Bearbeiten

Am 2. Mai beschloss die Regierung, den Gesundheitsnotstand bis zum 24. Juli zu verlängern. Zugleich kündigte sie eine 14-tägige Quarantänepflicht für Rückkehrer aus dem Ausland (nicht aber für solche aus anderen EU-Staaten, dem Schengenraum oder Großbritannien) an. Der Gesetzentwurf wurde vom Ministerrat verabschiedet und tritt trotz der förmlichen Ablehnung des von der Regierung vorgestellten Konzepts für die Lockerung der Ausgangsbeschränkungen (déconfinement) durch den Senat in Kraft (Stand: 5. Mai 2020).[45] Am 5. Mai wurde bekanntgegeben, dass die französische Regierung nach Kritik von Medienvertretern eine Webseite namens Désinfox Coronavirus vom Netz genommen habe, die sie seit Anfang April angeboten hatte. Auf der Webseite hatte der Kommunikationsdienst der Regierung (Service d’information du gouvernement, SIG) eine Auswahl von Presse-Websites und Artikeln präsentiert und verlinkt, die ihrer Meinung nach „im Rahmen der Gesundheitskrise gegen Fake News kämpf[t]en“. Die von der Regierung derart ausgezeichneten Medien waren France Info, Libération, 20 minutes, Le Monde und die Agence France-Presse. Mehrere leitende Vertreter der ausgewählten Medien hatten sich gegen das Vorgehen der Regierung verwahrt und kritisiert, die Regierung geriere sich damit als Schiedsrichter über journalistische Angebote.[46]

Ab dem 11. Mai erfolgte eine schrittweise Lockerung der Quarantänebestimmungen; am 2. Juni erfolgte die weitgehende Wiedereröffnung des öffentlichen Lebens.

Juni 2020Bearbeiten

Am 2. Juni wurde eine Kontakt-Nachverfolgungs-App namens StopCovid bzw. StopCovid France veröffentlicht.[47]

August 2020Bearbeiten

Paris (Département 75) und das Département Bouches-du-Rhône, in dem die Stadt Marseille liegt, gelten per Erlass vom 14. August 2020 wegen gestiegener Zahl der Corona-Neuinfektionen wieder als Zonen, in denen COVID-19 aktiv zirkuliert. Die zuständigen Behörden können dort nun das öffentliche Leben einschränken.

Am gleichen Tag gab Frankreich bekannt, auf die britische Quarantänepflicht für Reisende aus Frankreich zu reagieren und eine gleichwertige Maßnahme für Reisende aus Großbritannien einzuführen. Man bedauere die britische Entscheidung und hoffe auf eine baldige Rückkehr zur Normalität. Reisende aus Frankreich und den Niederlanden müssen nach ihrer Ankunft in Großbritannien vom 15. August 2020 an wieder in eine zweiwöchige Selbstisolation gehen.[48]

Am 28. August 2020 meldete das französische Gesundheitsministerium 7379 neue Infektionen binnen 24 Stunden. In der letzten Augustwoche wurden in Frankreich über 900.000 Tests durchgeführt; 3,9 Prozent davon waren positiv. Die französische Regierung hat 21 von insgesamt 101 Départements zum Risikogebiet („zone rouge“) erklärt. Die meisten dieser Départements liegen an der Mittelmeerküste oder in der Metropolregion Paris.[49]

StatistikBearbeiten

Entwicklung der Epidemie

 
Bestätigte Neuinfektionen in Frankreich nach Daten der WHO. Oben kumuliert, unten Tageswerte[50]
 
Bestätigte Todesfälle in Frankreich nach Daten der WHO. Oben kumuliert, unten Tageswerte[50]

ÜberseegebieteBearbeiten

Auch die französischen Überseegebiete blieben nicht von der Pandemie verschont. In Guadeloupe gab es bis zum 26. März 2020 84 Erkrankungen und einen COVID-19-bedingten Todesfall.[51] Am 5. März 2020 gab es die erste COVID-19-Erkrankung in Martinique.[52] Am 15. März wurde dort der erste virusbedingte Todesfall gemeldet und es gab bereits 15 infizierte Personen in Martinique.[53] Bei einem Bewohner der Insel Saint-Barthélemy wurde am 1. März 2020 eine COVID-19-Erkrankung diagnostiziert. Seine Eltern auf dem französischen Teil der Nachbarinsel St. Martin wurden ebenfalls positiv getestet.[54]

In Französisch-Guayana wurden bis zum 4. März 2020 fünf COVID-19-Erkrankungen bestätigt, alle in Saint-Laurent du Maroni.[55] Der erste Todesfall wurde am 20. April 2020 gemeldet.[56]

Am 11. März 2020 wurde der erste Covid-19-Fall auf Réunion registriert; es handelte sich um einen 80-Jährigen, der kurz zuvor von einer Reise in die Vereinigten Staaten über Paris auf die Insel zurückgekehrt war.[57] Am 18. März 2020 stieg die Fallzahl auf 14.[58] Bis zum 23. April 2020 wurden insgesamt 412 COVID-19-Erkrankungen registriert.[59] Mayotte erreichte die Coronavirus-Pandemie am 10. März 2020 mit der ersten bestätigten Erkrankung.[60] Am 31. März starb die erste Person in Mayotte an COVID-19.[61]

Der erste Fall von COVID-19 in Französisch-Polynesien wurde am 11. März 2020 bei der Politikerin Maina Sage diagnostiziert, die das Überseegebiet in der französischen Nationalversammlung vertritt.[62] In Neukaledonien gab es am 19. März 2020 zwei COVID-19-Erkrankungen.[63]

Wirtschaftliche Auswirkungen der Pandemie in FrankreichBearbeiten

Innerhalb eines Monats wurden während der Pandemie 800.000 Personen arbeitslos.[64]

Internationale ReaktionenBearbeiten

Am 11. März 2020 wurde die Region Grand Est vom deutschen Robert Koch-Institut als Risikogebiet eingestuft. Die besonders betroffene französische Region umfasst das Elsass, Lothringen, die Champagne und die Ardennen.[65]

Am 21. März 2020 gab Baden-Württemberg bekannt, dass die Unikliniken in Freiburg, Mannheim, Heidelberg und Ulm Beatmungspatienten aus dem Elsass aufnehmen. In der Folge nahmen auch die Uniklinik in Homburg (Saarland) und der Standort Kandel der Asklepios Südpfalzkliniken (Rheinland-Pfalz) Beatmungspatienten aus Frankreich auf.[66] Die drei Schweizer Nachbarkantone nahmen ebenfalls je zwei schwer kranke Patienten aus dem Elsass auf.[67] Das Nachbarland Luxemburg nahm sieben Patienten auf.[68] Am 28., 29. und 31. März 2020 erfolgten Transporte von jeweils zwei Patienten mit einem NH90-Hubschrauber der Aviation légère de l’armée de Terre von Metz zum Universitätsklinikum Essen.[69] Am 29. März 2020 flog ein Militärflugzeug der Luftwaffe zwei Covid-19-Patienten vom Flughafen Straßburg nach Stuttgart, von wo aus sie zum Bundeswehrkrankenhaus Ulm gebracht wurden.[70] Am 31. März 2020 brachte ein Militärflugzeug der Armée de l’Air sechs Corona-Patienten aus dem Oberelsass vom Flughafen Basel-Mülhausen nach Hamburg.[71] Von dort erfolgte der Weitertransport nach Schleswig-Holstein, wo sie zur Behandlung auf die UKSH-Standorte Lübeck und Kiel verteilt wurden.[72] Am 1. April 2020 wurden drei französische Intensivpatienten aus dem Elsass an die Universitätskliniken Salzburg transferiert.[73]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: COVID-19-Pandemie in Frankreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Stern: Erste Infektion mit Coronavirus in Baden-Württemberg bestätigt, 25. Februar 2020
  2. La Porte Ouverte Chrétienne ist Mitglied im 2010 gegründeten Conseil national des évangéliques de France (CNEF; Beleg hier); dieser wiederum ist Mitglied in der evangelikalen Dachorganisation Weltweite Evangelische Allianz
  3. Alexei Makartsev, Bärbel Nückles: Virus-Maßnahmen treffen Pendler in der Region. Badische Neueste Nachrichten, 12. März 2020, S. 3.
  4. Artikel „19 neue Coronavirus-Fälle in Frankreich“ vom 28. Februar 2020 bei huffingtonpost.fr (abgerufen am 26. April 2020)
  5. A. Deslandes, Yves Cohen u.a.: SARS-CoV-2 was already spreading in France in late December 2019, International Journal of Antimicrobial Agents, 3. Mai 2020
  6. Coronavirus : les premières infections en France remontent-elles à fin décembre ? In: [Les Echos]. 4. Mai 2020, abgerufen am 8. Mai 2020 (französisch).
  7. Paul-Anton Krüger: Spur aus der Gefriertruhe. In: sueddeutsche.de. 8. Mai 2020, abgerufen am 8. Mai 2020.
  8. Coronavirus-Update (40): Jetzt ist Alltagsverstand gefragt. (PDF) In: ndr.de. 12. Mai 2020, abgerufen am 16. Mai 2020 (Skript des Podcasts; auch als Audiodatei (MP3) verfügbar).
  9. Coronavirus : un premier cas de Covid-19 remontant au 2 décembre confirmé en Alsace. In: francetvinfo.fr. 7. Mai 2020, abgerufen am 9. Mai 2020 (französisch).
  10. Corona-Pandemie: Suche nach dem Ursprung des Virus. In: tagesschau.de. 23. August 2020, abgerufen am 9. September 2020.
  11. Coronavirus : l'épidémie a fait 5387 morts à ce jour en France, dont au moins 884 dans les Ehpad. In: francetvinfo.fr. 2. April 2020, abgerufen am 2. April 2020 (französisch).
  12. Infection au nouveau Coronavirus (SARS-CoV-2), COVID-19, France et Monde. Santé publique France, 24. Mai 2020, abgerufen am 25. Mai 2020 (französisch).
  13. siehe auch www.insee.fr: Number of daily deaths (31. Juli 2020)
  14. Coronavirus : une mortalité sous-évaluée en France, faute d’avoir tiré les enseignements des crises précédentes. In: francetvinfo.fr. 8. Mai 2020, abgerufen am 9. Mai 2020 (französisch).
  15. Coronavirus: „Alerte maximale en France“, selon le nouveau ministre de la Santé, Olivier Véran. In: ladepeche.fr. 23. Februar 2020, abgerufen am 6. März 2020 (französisch).
  16. Louvre in Paris geschlossen - Folgen des Coronavirus immer stärker spürbar. In: spiegel.de. 1. März 2020, abgerufen am 28. April 2020.
  17. Denis Peiron: Coronavirus: pas d’école ni de crèche pour des Français de retour d’Italie. In: la-croix.com datum=2020-02-24. Abgerufen am 6. März 2020 (französisch).
  18. Coronavirus: Mundschutz und Atemmasken stark nachgefragt. In: morgenpost.de. 7. März 2020, abgerufen am 7. März 2020.
  19. Coronavirus. 10 millions de masques vont arriver dans les pharmacies, pour les soignants. In: www.ouest-france.fr. 6. März 2020, abgerufen am 3. März 2020 (französisch).
  20. Michaela Wiegel: Fernunterricht in Frankreich: Virenfrei im virtuellen Klassenzimmer. In: faz.net. 6. März 2020, abgerufen am 6. März 2020.
  21. Virus: Frankreich begrenzt Preise für Desinfektionsmittel. In: boerse-online.de. 6. März 2020, abgerufen am 6. März 2020.
  22. Artikel Coronavirus – Frankreich-Niederlande und Brasilien-Kanada vor leeren Rängen vom 9. März 2020 bei footofeminin.fr
  23. Anne-Laure Frémont: Dans les Ehpad, les visites aux personnes âgées sont désormais interdites. In: lefigaro.fr. 11. März 2020, abgerufen am 2. April 2020 (französisch).
  24. Tagesschau.de: Frankreich schließt Schulen, Unis und Kitas. 12. März 2020
  25. Coronavirus : Château de Versailles, Tour Eiffel, Louvre, Centre Pompidou, Musée d’Orsay, Olympia, Châtelet, Théâtre des Champs-Elysées... des fermetures en cascade. 13. März 2020, abgerufen am 22. März 2020 (französisch).
  26. Benoit ROCHARD: Montsoreau. Coronavirus : le château fermé à partir du samedi 14 mars. 13. März 2020, abgerufen am 22. März 2020 (französisch).
  27. Marseille : le Mucem ferme ses portes. 13. März 2020, abgerufen am 22. März 2020 (französisch).
  28. Der Spiegel: Frankreichs Premier verkündet Schließung aller öffentlichen Einrichtungen. Abgerufen am 14. März 2020.
  29. Info Coronavirus COVID-19. Abgerufen am 17. März 2020 (französisch).
  30. Info Coronavirus COVID-19. Abgerufen am 21. März 2020 (französisch).
  31. Reportage. Nantes: les parloirs en prison, si précieux, sont suspendus à cause du coronavirus. In: ouest-france.fr. 17. März 2020, abgerufen am 17. März 2020 (französisch).
  32. VIDÉO - Coronavirus : un TGV médicalisé emporte 20 patients alsaciens vers des hôpitaux des Pays de la Loire. In: francebleu.fr. 26. März 2020, abgerufen am 29. März 2020 (französisch).
  33. Corona-Krise: Deutschland nimmt Patienten aus Frankreich und Italien auf. In: rtl.de. 24. März 2020, abgerufen am 28. April 2020.
  34. Salzburg nimmt Intensivpatienten aus Frankreich auf. In: Salzburger Nachrichten. 31. März 2020, abgerufen am 28. April 2020.
  35. Kampf gegen Coronavirus: Frankreich verlängert Ausgangssperre bis zum 11. Mai. In: faz.net. 13. April 2020, abgerufen am 13. April 2020.
  36. DER SPIEGEL: Die wichtigsten Entwicklungen zum Coronavirus: Österreich geht von Ferientourismus im Sommer aus - DER SPIEGEL - Wissenschaft. Abgerufen am 19. April 2020.
  37. 1041 Franzosen infiziert: Corona grassiert auf Flugzeugträger. In: n-tv.de. 17. April 2020, abgerufen am 18. April 2020.
  38. Thomas Coignac: Vente d’alcool dans le Morbihan : “la prohibition n’est pas une solution” réagissent les producteurs. In: francebleu.fr. 24. April 2020, abgerufen am 25. April 2020 (französisch).
  39. Sarah Asali: Chômage partiel : ces nouvelles catégories de salariés qui pourront être concernées. In: capital.fr. 27. März 2020, abgerufen am 22. April 2020 (französisch).
  40. Le chômage partiel. In: boursorama.com. 22. April 2020, abgerufen am 22. April 2020 (französisch).
  41. Olivier Chicheportiche: Muriel Pénicaud annonce que 10,2 millions de salariés sont au chômage partiel. In: BFM Business. 22. April 2020, abgerufen am 22. April 2020 (französisch).
  42. Stéphane Foucart, Stéphane Horel: Dépistage du coronavirus : les raisons du fiasco français sur les tests. In: Le Monde (Morgenausgabe). 25. April 2020 (Online auf lemonde.fr seit 24. April 2020).
  43. DER SPIEGEL: Ligue 1 offiziell abgebrochen - PSG ist französischer Meister - DER SPIEGEL - Sport. Abgerufen am 30. April 2020.
  44. Ligue 1 bricht Saison ab: Paris Saint-Germain ist Meister. Abgerufen am 30. April 2020 (deutsch).
  45. Regelung zurückgenommen Frankreich verzichtet auf Quarantäne bei Einreise aus der EU. In: spiegel.de. 4. Mai 2020, abgerufen am 4. Mai 2020.
  46. "Désinfox coronavirus" : le gouvernement supprime finalement son service controversé. In: sudouest.fr. 5. Mai 2020, abgerufen am 6. Mai 2020 (französisch).
  47. Romain Dillet: France releases contact-tracing app StopCovid. In: TechCrunch. 2. Juni 2020, abgerufen am 23. Juni 2020 (amerikanisches Englisch).
  48. sueddeutsche.de: Frankreich erklärt Paris wieder zum Risikogebiet
  49. faz.net (Liveblog 29. August 2020 15:39)
  50. a b WHO Coronavirus Disease (COVID-19) Dashboard; oben rechts auf der Seite ist ein Link zum Download der Daten im CSV-Format
  51. Update on the situation on March 26. Prefecture of Guadeloupe. 26. März 2020.
  52. Jean-Claude Samyde: Coronavirus : deux cas confirmés en Martinique. In: la1ere.francetvinfo.fr. 5. März 2020.
  53. Coronavirus Covid-19 : un premier décès lié au virus et 15 patients touchés en Martinique (fr-FR) Abgerufen am 30. April 2020.
  54. Coronavirus : premiers cas confirmés en Outre-mer, à Saint-Martin et Saint-Barth (fr) Abgerufen am 30. April 2020.
  55. Five coronavirus cases confirmed in French Guiana March 4, 2020. 4. März 2020. Abgerufen am 30. April 2020. 
  56. Un premier mort du Covid-19 en Guyane (fr). Abgerufen am 30. April 2020. 
  57. Point de situation du 11/03/2020 : un premier cas avéré. In: reunion.gouv.fr. 19. März 2020, archiviert vom Original am 16. April 2020; abgerufen am 8. Mai 2020 (französisch).
  58. Point de situation du 18/03/2020 à 20h00 : 2 nouveaux cas confirmés reunion.gouv.fr vom 19. März 2020 (franz.) abgerufen am 30. April 2020.
  59. Point de situation du 23/04/2020 : 2 nouveaux cas confirmés reunion.gouv.fr vom 23. April 2020 (franz.) abgerufen am 30. April 2020.
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