COVID-19-Pandemie im Iran

Teil der COVID-19-Pandemie 2019/2020 seit Ende Januar
Dieser Artikel beschreibt ein aktuelles Ereignis. Die Informationen können sich deshalb rasch ändern.
Verteilung der bestätigten Fälle auf die Provinzen (Stand: 20. März 2020):
1~9
10~99
100~499
500~999
1000~9999
≥10000
Pressekonferenz vom 24. Februar 2020. Links der stell­vertretende iranische Minister für Gesundheit Iraj Harirchi.

Die COVID-19-Pandemie tritt im Iran als Teil der weltweiten COVID-19-Pandemie auf. Die Infektionen beruhen auf dem Ende 2019 neu aufgetretenen Virus SARS-CoV-2 (neuartiges Coronavirus). Die COVID-19-Pandemie breitete sich seit Dezember 2019 weltweit aus. Im März 2020 gehörte der Iran neben China, Südkorea und Italien zu den am stärksten betroffenen Staaten.[1]

Eingeführt wurde das Virus vermutlich von den zu mehreren Hundert in Ghom studierenden chinesischen Theologiestudenten.[2] Die starke Verbreitung lässt sich u. a. auf schlechte medizinische Versorgung und fehlende Transparenz der Politik zurückführen.[3][4]

Isolierstation für Corona­virus­patienten im Hezar Takhtkhabi Hospital, Ende Februar 2020.
Desinfektion der U-Bahn Teheran, Ende Februar 2020.

Der Führung des Iran wird vorgeworfen, seit Februar 2020 die Coronavirus-Epidemie zu verharmlosen und zu vertuschen, aus Gewohnheit äußere Feinde, (oft die USA) für Bedrohungen verantwortlich zu machen und auch die Epidemie als Angriff der USA mit einer biologischen Waffe auszugeben.[5] Da bei den an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemeldeten Zahlen für den Iran die Zahl der Todesfälle in Relation zur Zahl der Infizierten überdurchschnittlich hoch waren, wird in Presseberichten eine hohe Dunkelziffer nicht erkannter oder nicht gemeldeter Infektionen mit SARS-CoV-2 vermutet.[3][5][6] Die iranische Exilopposition ging am 11. März 2020 von mehr als 3.000 Todesfällen aus,[2] der WHO wurden an diesem Tag 354 Todesfälle (kumuliert) gemeldet.[7]

Desinfektion im Stadtteil Sadeghiyeh in Teheran, Anfang März 2020.
Passanten in Schiras mit Mund­schutz neben einem geschlossenen Geschäft, Mitte März 2020.

VerlaufBearbeiten

Vermutlich wurde das neuartige Coronavirus von einem der mehr als 600 in Ghom (Qom) studierenden chinesischen Studenten in die Islamische Republik Iran eingeschleppt.[2] Die Tatsache, dass die iranische Fluggesellschaft Mahan Air ihre Passagierflüge nach China nicht eingestellt hatte, wurde ebenfalls als Ursache der Virusverbreitung genannt.[2] Das iranische Gesundheitsministerium nennt als besonders betroffene Gebiete Teheran, Ghom und die Provinzen Māzandarān, Isfahan und Gilan (Stand 11. März 2020).[2]

Februar 2020Bearbeiten

  • Am 20. Februar 2020 wurde bei zwei Todesfällen in Ghom[2] das Virus nachgewiesen.[7]
  • Am 24. Februar 2020 bestritt der stellvertretende iranische Minister für Gesundheit Iraj Harirchi eine Krise. Dabei litt er bereits an Schweißausbrüchen und Husten; die Infektion wurde bei ihm am Tag darauf festgestellt.[8]
  • Am 25. Februar 2020 berichtete BBC News, es gebe bereits Engpässe bei der Schutzausrüstung, z. B. Schutzmasken des medizinischen Personals und mehrere Personen hätten sich bei ihrer Arbeit infiziert. Auch die Diagnosetests seien nicht in ausreichender Anzahl vorhanden.[8]
  • Am 27. Februar 2020 starb Elham Scheichi, Mitglied der iranischen Fußballnationalmannschaft der Frauen an der Krankheit COVID-19. Die Coronavirus-Infektion der iranischen Vizeministerin, Masoumeh Ebtekar, wurde bestätigt.[6]
  • Die USA boten dem Iran am 28. Februar 2020 Hilfe an. US-Außenminister Mike Pompeo erklärte, dass humanitäre Spenden für den Iran, beispielsweise in Form von Medikamenten, unabhängig von den US-Wirtschaftssanktionen möglich seien.[9] Einige Tage später verneinte der Iran, ein solches Angebot erhalten zu haben.[10]

März 2020Bearbeiten

  • Am 1. März 2020 waren laut Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits 593 Infektionsfälle und 43 Todesfälle gemeldet worden,[7] vor allem die Hauptstadt Teheran war betroffen.[6] Vertreter ausländischer Medien begannen den Iran zu verlassen; einige Staaten empfahlen ihren Bürgern die Ausreise aus dem Land.[6]
  • Am 3. März 2020 waren 23 Mitglieder des iranischen Parlaments erkrankt.[11]
  • Nachdem Anfang März 2020 mehrere europäische Fluggesellschaften ihre Flüge in den Iran gestoppt hatten, erklärte am 8. März die Fluggesellschaft Iran Air, nun ebenfalls Flüge nach Europa einzustellen. Begründet wurde dies mit „Beschränkungen“, die Iran Air aus „unbekannten Gründen“ von europäischen Behörden auferlegt bekommen habe.[6] Zur gleichen Zeit wurde bekannt, dass mehrere Politiker bereits an COVID-19 gestorben waren.[1] Für den Schutz der Bevölkerung und des medizinischen Personals notwendige Schutzmasken, Fieberthermometer oder Medikamente waren nicht in ausreichender Anzahl vorhanden.[1]
  • Seit dem 4. März 2020 ist die Provinz Gilan am Kaspischen Meer für Reisende aus anderen Provinzen gesperrt, es wurde die höchste Alarmstufe ausgerufen.[2]
  • Der Gesundheitsbeauftragte der Provinz Gilan meldete am 8. März bereits 200 Tote durch COVID-19.[5] Die Zahl der offiziellen, an die WHO gemeldeten Todesfälle für den gesamten Iran lag an diesem Tag bei 194 (kumuliert, der WHO-Bericht wird einen Tag später veröffentlicht). Er korrigierte später seine Aussage dahingehend, dass es sich um Todesfälle, die allgemein durch Atemwegserkrankungen verursacht werden, handele.[2] Der Gouverneur von Kaschan im zentralen Hochland gab zu diesem Zeitpunkt 80 Todesfälle an.[2] Die Stadt ist umgeben von der ersten großen Oase entlang der Straße von Ghom (Qom) nach Kerman. Diese Straße wird von Pilgern genutzt, die die heiligen Stätten in Ghom besuchen.[2]
  • Am 9. März erklärte der Iran, wegen der Epidemie 70.000 Gefängnisinsassen freigelassen zu haben,[12] andere Quellen berichten von 54.000 Insassen.[2] Das Kursieren von Gerüchten, Alkoholkonsum würde vor einer Infektion schützen, führte zum Tod von 16 Iranern durch eine Methanolvergiftung.[13] Ärzte aus der Provinz Gilan berichteten von fehlenden Krankenhauskapazitäten im Norden des Landes, die dazu führten, dass sogar erkrankte Personen abgewiesen wurden.[5]
  • Am 12. März berichtet die Washington Post von der eiligen Aushebung großer Massengräber für an COVID-19 Verstorbene in Ghom.[14]
  • Am 17. März prognostiziert eine Studie der Scharif Universität für Technologie basierend auf einer Computersimulation, dass die maximale Zahl der Todesopfer der COVID-19-Pandemie in Iran unter idealen Umständen 12.000 erreichen werde. Dies setze jedoch voraus, dass sich die Bevölkerung an getroffene Einschränkungen und Maßnahmen der Regierung halte. Wahrscheinlicher sei jedoch, dass die Bevölkerung sich weniger streng an Quarantäneregeln halte und dass auch schlechte medizinische Versorgung, schlechtes Management und die US-Wirtschaftssanktionen[15] die Lage so verschärfe, dass bis zu 3,5 Millionen Menschen (das entspräche gut 4 % der 81,8 Millionen Einwohner) im Verlauf der Pandemie in Iran sterben werden. Dieses Szenario geht von einem Höhepunkt der Pandemie in Iran im Mai aus.[16][17]
  • Bis zum 17. März wurden insgesamt mehr als 85.000 Gefängnisinsassen freigelassen, darunter auch politische Gefangene,[18] wie der Sohn des Oppositionellen Mehdi Karroubi.[19]
  • Am 23. März berichtete Der Spiegel über die zunehmende Überlastung des Gesundheitssystems, wegen fehlender Schutzausrüstung sei die Sterberate bei medizinischen Fachkräften hoch. Die Regierung rief Medizinstudenten und pensionierte Ärzte dazu auf, in den Krankenhäusern auszuhelfen.[20]

Statistik der WHOBearbeiten

Bestätigte Infektionen (kumuliert) im Iran
nach Daten der WHO
[7]

 

Bestätigte Infektionen (neue Fälle) im Iran
nach Daten der WHO
[7]

 

Todesfälle (kumuliert) im Iran
nach Daten der WHO
[7]

 

Todesfälle (täglich) im Iran
nach Daten der WHO
[7]

 

Reaktionen und Maßnahmen von Politik und WissenschaftBearbeiten

 
Desinfektion einer Schule in Bodschnurd, Ende Februar 2020.
 
Übersetzung des Schildes: „Wir besiegen Corona. Notauf­nahme­personal des Razi (-Kranken­hauses) in Ahvaz, 12.12.98“ (das iranische Datum 12. Dezember 1398 ist der 2. März 2020).

Die Führung der Islamischen Republik Iran unterdrückte im Februar 2020 zunächst Meldungen über die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus.[2][21] Am 26. Februar 2020 teilte Präsident Hassan Rohani mit, dass es keine Pläne zur Quarantäne von Städten gäbe, sondern nur von infizierten Personen.[22] Im März 2020 folgten dann jedoch Maßnahmen zur Eindämmung des SARS-CoV-2.[2]

Am 2. März reiste ein Team der Weltgesundheitsorganisation nach Teheran, um bei der Bekämpfung des COVID-19-Ausbruchs im Iran zu helfen. Zur Unterstützung wurden medizinische Vorräte, Schutzausrüstungen für mehr als 15.000 Personen und Labortests zur Diagnose von knapp 100.000 Proben mitgebracht.[23] Schon in der Woche zuvor hatte die WHO Testkits an den Iran geliefert.[22] Für den Transport der medizinischen Hilfsgüter wurde der Weltgesundheitsorganisation von den Vereinigten Arabischen Emiraten ein Flugzeug zur Verfügung gestellt, die Beziehungen der beiden Staaten gelten als angespannt.[18] Das WHO-Team wurde von Experten des Global Outbreak Alert and Response Network (GOARN), des deutschen Robert Koch-Instituts (RKI) und der chinesischen Seuchenkontrollbehörde Chinese Center for Disease Control (CCDC) begleitet und blieb bis zum 10. März 2020 im Land. Der Missionsleiter Richard Brennan lobte anschließend das Engagement des medizinischen Personals und sagte, dass sich die Maßnahmen im Iran in die richtige Richtung bewegen würden. Die Empfehlungen des Teams zielten auf die bereits in China und anderen von der Pandemie betroffenen Staaten eingesetzten Strategien ab: Frühzeitige Erkennung der Infizierten, deren Isolierung und Behandlung, Nachverfolgung von Kontakten und Aufklärung der Bevölkerung.[24] Außerdem wurde durch das WHO-Team angemahnt, dass die Mitarbeiter im Gesundheitssystem besser geschützt werden müssten.[24]

Anfang März 2020 rief der iranische Gesundheitsminister Saeed Namaki die Bevölkerung auf, Schulschließungen nicht zum Anlass für Reisen zu nehmen und nach Möglichkeit auf die Verwendung von Banknoten zu verzichten.[25] Weiterhin wurden umfangreiche Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen in den Straßen, Gebäuden und Fahrzeugen des öffentlichen Personennahverkehrs eingeleitet, um die Virusverbreitung zu unterbinden.[26]

Am 4. März 2020 erklärte der Generalstaatsanwalt des Landes, das Horten von Atemschutzmasken und anderen Vorräten sei mit der Todesstrafe belegt worden.[6] Anfang März behauptete Generalleutnant Hussein Salami, Kommandeur der Iranischen Revolutionsgarde, bei dem Krankheitsausbruch könnte es sich um einen Angriff der USA mit einer biologischen Waffe handeln.[5]

Als Folge der WHO-Mission (2. bis 10. März 2020) startete das iranische Gesundheitsministerium eine Kampagne zum Kampf gegen die Infektionskrankheit COVID-19.[24] Die iranischen Behörden empfahlen der Bevölkerung, zu Hause zu bleiben und persönliche Hygiene- und Schutzmaßnahmen zu ergreifen.[27] Am 12. März 2020 gab es im Iran über 30 Labore, die das neuartige SARS-CoV-2 nachweisen konnten, nach Angaben der WHO war geplant, dass 20 weitere Laboratorien dazu kommen.[24] In Teheran und Ghom wurden neue Sanatorien eröffnet, in denen COVID-19-Patienten versorgt wurden, deren Gesundheitszustand sich gebessert hatte, um die überfüllten Krankenhäuser zu entlasten.[24]

Weitere ReaktionenBearbeiten

InternationalBearbeiten

132 Personen, Passagiere und Crewmitglieder eines Direktflugs von Teheran nach Ankara wurden am 26. Februar 2020 nach der Landung in der Türkei unter Quarantäne gestellt.[6] Am 27. Februar 2020 schlossen die Nachbarländer Irak, Türkei und Afghanistan vorübergehend ihre Grenzen.[6] Mitte März 2020 wurde berichtet, dass auch die Nachbarländer Armenien, Aserbaidschan und Pakistan ihre Grenzen zum Iran geschlossen hatten.[27][28]

Reisende mit Aufenthalt im Iran waren bis Anfang März 2020 die Ursache für Infektionen in mehreren benachbarten Ländern, beispielsweise Afghanistan, Bahrain, Irak, Katar, Kuwait, Oman, Pakistan und den Vereinigten Arabischen Emiraten[22] sowie im Libanon und Kanada.[23] Am 10. März 2020 gab die Gesundheitsbehörde der pakistanischen Provinz Sindh bekannt, dass sechs Männer, die aus Syrien als mutmaßliche Kämpfer des unter iranischer Führung stehenden Milizenverbandes zurückgekehrt waren, positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden.[5] Am 11. März 2020 wurden in Bahrain 77 Personen, die an Bord eines aus dem Iran kommenden Flugzeuges waren, ebenfalls positiv auf das neuartige Coronavirus getestet.[5]

Zahlreiche Staaten stuften den Iran im März 2020 als Risikogebiet ein, darunter auch das deutsche Robert Koch-Institut (RKI).[29] Das RKI erklärte am 26. Februar 2020 zunächst die Provinz Ghom zum Risikogebiet.[30] Am 2. März 2020 kam die Stadt Teheran dazu,[31] bevor das RKI am 10. März 2020 das Risikogebiet auf alle Regionen des Iran ausweitete.[32] Mitte März 2020 wurden deutsche Touristen, die sich noch im Iran aufhielten, durch das Auswärtige Amt aufgefordert, vorzeitig oder vorübergehend das Land zu verlassen, was sich angesichts der eingeschränkten Flugverbindungen als schwierig erwies.[28]

Zu den Staaten mit Beschränkungen für Personen, die aus dem Iran einreisen wollten, gehörten beispielsweise die Slowakei (Quarantäne, am 10. März 2020 festgelegt),[33] Estland (Quarantäne, am 13. März 2020 festgelegt),[34] die USA (Einreiseverbot für Ausländer, die sich in den zwei Wochen zuvor im Iran aufgehalten hatten, Ende Februar 2020 festgelegt),[35] Tschechien (Einreiseverbot für Ausländer aus Risikogebieten, darunter Iran, am 12. März 2020 festgelegt),[36] und Australien (Einreiseverbot für Bürger aus Risikogebieten, darunter Iran, am 13. März 2020 festgelegt).[34]

Quarantäne, Schließungen und AbsagenBearbeiten

Seit dem 4. März 2020 ist die Provinz Gilan für Reisende aus anderen Provinzen gesperrt, es wurde die höchste Alarmstufe ausgerufen.[2] Am 8. März 2020 meldeten Auslandskorrespondenten, dass Schulen und Universitäten im Iran geschlossen wurden, um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen.[1] Die Schulen sollen zunächst bis April 2020 geschlossen bleiben.[25] Ebenfalls wurden Kultur- und Sportveranstaltungen abgesagt.[1] Mitte März 2020 berichtete das deutsche Auswärtige Amt, dass Bank- und Behördenöffnungszeiten auf den Vormittag beschränkt wurden.[27]

Allerdings wurden schiitische Heiligtümer in Ghom (Qom) und Maschhad nicht geschlossen, obwohl der Leiter der Medizinischen Hochschule in Ghom am 25. Februar 2020 warnte, dass sich die Krankheit bereits in der Stadt ausgebreitet hätte,[21] wodurch eine Verbreitung des Virus durch Pilger aus verschiedenen Ländern wahrscheinlich ist.[5][19] Ajatollah Mohammed Saeedi gab als Grund an, dass Gläubige in den heiligen Stätten, wie dem Schrein der Fatima Masuma, Heilung suchen.[22] Zu religiösen Handlungen gehört das Küssen der Metallstäbe des Schreins der Fatima Masuma in Ghom, dies wurde später (Stand 11. März 2020) verboten.[2] Das Robert Koch-Institut stufte am 26. Februar 2020 Ghom als Risikogebiet ein, die Stadt wurde jedoch von der iranischen Regierung nicht unter Quarantäne gestellt (Stand 11. März 2020).[2] Am 16. März 2020 wurden schließlich der Schrein in Ghom ebenso wie der Imam-Reza-Schrein in Maschhad für Besucher geschlossen.[19] Daraufhin stürmten am Abend schiitische Gläubige die Höfe der Stätten, um gegen die Sperrung zu demonstrieren, bis zum Einsatz von Polizeikräften.[19] Nach Aussage des deutschen Auswärtigen Amtes wurden im März 2020 für die Ein- und Ausreise in die Provinz Ghom Kontrollen eingeführt, bei Verdacht auf eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus wurden Quarantänemaßnahmen angeordnet (Stand 19. März 2020).[27]

Ab März 2020 wurden die Freitagsgebete in Moscheen abgesagt und von der iranischen Führung ebenfalls verboten, diese privat abzuhalten.[2]

Die Reisefreiheit der Iraner anlässlich des am 21. März 2020 stattfindenden Neujahrs- und Frühlingsfestes Nouruz wurde eingeschränkt. Das Fest ist normalerweise Anlass für Reisen oder Urlaub. Hotels und Privatpersonen dürfen keine Übernachtungsmöglichkeiten für Reisende anbieten.[2] Die Rede von Revolutionsführer Ali Chamenei in Maschhad am Nouruz wurde abgesagt.[2] Flüge auf die Urlaubsinsel Kisch wurden im März 2020 ausgesetzt,[2] auch die Insel Hengam wurde für Touristen gesperrt.[27] Das deutsche Auswärtige Amt berichtete Mitte März, dass neben der Provinz Gilan in den Provinzen Isfahan, Yazd, Māzandarān sowie in der Stadt Schiras (Provinz Fars) Reiseverbote angekündigt oder bereits verhängt wurden.[27] Das iranische Staatsfernsehen berichtete Mitte März 2020, dass für Reisende, die Großstädte – darunter Teheran – in 13 Provinzen verließen, ein Screening mit Messung der Körpertemperatur durchgeführt wurde. Personen mit Fieber wurden in Quarantänezentren gebracht.[19] Seit 22. März 2020 wurde das öffentliche Leben zunehmend heruntergefahren, in Teheran war nur noch die Öffnung von Supermärkten und Apotheken erlaubt.[20]

KritikBearbeiten

Die Führung der Islamischen Republik Iran unterdrückte zunächst Meldungen über die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2, um die Feier zum Jahrestag der Revolution am 11. Februar 2020 nicht einschränken zu müssen. Auch bei der Parlamentswahl am 21. Februar sollte es nicht zu einer niedrigen Wahlbeteiligung wegen der Virusausbreitung kommen.[2] In Medienberichten wurde dieses Vorgehen kritisiert, da gerade zu Beginn wertvolle Zeit zur Eindämmung verloren gegangen war und es dadurch auch zur Verbreitung der Pandemie in benachbarten Ländern kam.[21][22] Ebenfalls wurde die sehr späte Schließung der schiitischen Heiligtümer in Ghom (Qom) und Maschhad kritisiert, da durch Pilger eine Verbreitung des Virus, auch außerhalb der Landesgrenzen, wahrscheinlich ist.[5][19] Zum Vergleich wurde angeführt, dass die Große Moschee im saudi-arabischen Mekka früher gesperrt worden war.[20]

Wegen der fehlenden Transparenz der Politik begegnete die Bevölkerung den Maßnahmen der Regierung mit Misstrauen: Als es nach Bekanntgabe der ersten Todesfälle im Februar 2020 den Aufruf gab, die Krankenhäuser möglichst nicht aufzusuchen, gab es in Teheran einen Ansturm auf die Notaufnahmen, weil die Menschen sich testen lassen wollten.[21] Als im März 2020 Schulen und Universitäten geschlossen wurden, brachen mehrere Tausend Iraner in den Urlaub auf,[20] obwohl der iranische Gesundheitsminister davor gewarnt hatte.[25] Auch die Reisebeschränkungen anlässlich des Neujahrs- und Frühlingsfestes Nouruz am 21. März 2020 wurden nicht genügend beachtet, zwar waren Hotels und Restaurants geschlossen, dennoch reisten Touristen beispielsweise nach Isfahan, berichtete der Direktor der Stadtverwaltung.[20]

Da bei den an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemeldeten Zahlen für den Iran die Zahl der Todesfälle in Relation zur Zahl der Infizierten überdurchschnittlich hoch waren, wurde in Presseberichten eine hohe Dunkelziffer nicht erkannter oder nicht gemeldeter Infektionen mit SARS-CoV-2 vermutet.[3][5][6] In einer Modellrechnung schätzten kanadische Wissenschaftler anhand der aus dem Iran „exportierten“ COVID-Fälle, dass bis zum 23. Februar 2020 etwa 18.000 Infektionsfälle vorliegen müssten und der Krankheitsausbruch im Land bereits 1,5 Monate andauern müsste.[37] Die an die WHO gemeldete Zahl der Infektionsfälle betrug zu diesem Zeitpunkt weniger als 50.[7] Die iranische Exilopposition ging am 11. März 2020 von mehr als 3.000 Todesfällen aus,[2] der WHO wurden an diesem Tag 354 Todesfälle (kumuliert) gemeldet.[7] Der Leiter der WHO-Mission, Richard Brennan, äußerte nach seiner Rückkehr aus dem Iran Zweifel an den gemeldeten Daten, die Zahl der Todesfälle würde fünfmal höher sein als offiziell angegeben.[20]

Auch aufgrund der US-Sanktionen mangelte es im Iran an für die Bekämpfung der Pandemie dringend benötigter medizinischer Infrastruktur.[20] Deshalb fordern Experten und Politiker deren Suspendierung.[38]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: COVID-19-Pandemie im Iran – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Coronavirus: Iraner zweifeln offizielle Zahlen an. In: Website tagesschau.de. 8. März 2020, abgerufen am 8. März 2020.
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v Rainer Hermann: Corona in Iran: Sie können es nicht mehr verheimlichen. FAZ.NET, 11. März 2020, abgerufen am 16. März 2020.
  3. a b c Farnaz Fassihi, David D. Kirkpatrick: Iran’s Coronavirus Response: Pride, Paranoia, Secrecy, Chaos. In: The New York Times. 4. März 2020, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 7. März 2020]).
  4. Juan Cole: Exactly How Many People in Iran Will Die of Coronavirus Because of Trump's Inhumane Sanctions? 6. März 2020, abgerufen am 7. März 2020 (englisch).
  5. a b c d e f g h i j Christoph Reuter: Irans Regierung in der Coronakrise: Die Versager. Spiegel Online, 12. März 2020, abgerufen am 15. März 2020.
  6. a b c d e f g h i Marc Dimitriu: Coronavirus im Iran: Zahl der Todesfälle steigt rasant an. Website Frankfurter Rundschau, 8. März 2020, abgerufen am 8. März 2020.
  7. a b c d e f g h i Coronavirus disease (COVID-2019) situation reports. WHO, abgerufen im März 2020 (englisch, Hinweis zu den Fallzahlen: Die WHO übernimmt die Angabe der Zahlen ihrer Mitgliedsstaaten nach einer bestimmten Definition, die Meldungen durch den WHO-Bericht liegen zeitlich hinter aktuellen Presseberichten zurück.).
  8. a b Coronavirus: Iran's deputy health minister tests positive as outbreak worsens. BBC News, 25. Februar 2020, abgerufen am 25. Februar 2020 (englisch).
  9. USA bieten Iran Hilfe bei Bekämpfung von Corona an. Focus Online, 28. Februar 2020, abgerufen am 8. März 2020.
  10. Keine US-Hilfe für Iran in Corona-Krise. Website Hürriyet, 3. März 2020, abgerufen am 8. März 2020.
  11. Jon Henley: Coronavirus: Iran steps up efforts as 23 MPs said to be infected. Website The Guardian, 3. März 2020, abgerufen am 8. März 2020 (englisch).
  12. News-Update am Montag: Die wichtigsten Entwicklungen zu Corona. Spiegel Online, 9. März 2020, abgerufen am 9. März 2020.
  13. Iran reports leap in coronavirus deaths. In: BBC News. 9. März 2020 (bbc.com [abgerufen am 10. März 2020]).
  14. Erin Cunningham und Dalton Bennett: Coronavirus burial pits so vast they’re visible from space. The Washington Post, 12. März 2020, abgerufen am 19. März 2020 (englisch).
  15. Adam Taylor: While coronavirus ravages Iran, U.S. sanctions squeeze it. In: The Washington Post. 19. März 2020, abgerufen am 19. März 2020 (englisch).
  16. Deutsche Welle (www.dw.com): Iran faces catastrophic death toll from coronavirus | DW | 17.03.2020. Abgerufen am 19. März 2020 (britisches Englisch).
  17. David Gilbert: 3.5 Million Iranians Could Die From Coronavirus If The Outbreak Is Not Controlled. In: Vice. 19. März 2020, abgerufen am 19. März 2020 (englisch).
  18. a b Tom Gillespie: Coronavirus: Iran frees 85,000 prisoners to combat spread of infection. In: Website Sky News. 17. März 2020, abgerufen am 23. März 2020 (englisch).
  19. a b c d e f Jon Gambrell/AP: Shiite Hardliners in Iran Storm 2 Shrines That Were Closed to Stop Coronavirus Spread. Time, 17. März 2020, abgerufen am 23. März 2020 (englisch).
  20. a b c d e f g Susanne Koelbl, Maximilian Popp, Christoph Reuter: Coronakrise in Iran: Tod in der Isolation. Spiegel Online, 23. März 2020, abgerufen am 28. März 2020.
  21. a b c d Christoph Reuter: Irans Umgang mit Coronavirus: Tödliches Schweigen. Spiegel Online, 26. Februar 2020, abgerufen am 28. März 2020.
  22. a b c d e Coronavirus: Iran has no plans to quarantine cities, Rouhani says. BBC News, 26. Februar 2020, abgerufen am 23. März 2020 (englisch).
  23. a b WHO team arrives in Tehran to support the COVID-19 response. WHO, 2. März 2020, abgerufen am 4. März 2020 (englisch).
  24. a b c d e WHO and public health experts conclude COVID-19 mission to Islamic Republic of Iran. WHO, 12. März 2020, abgerufen am 18. März 2020 (englisch).
  25. a b c Coronavirus: Iran limits travel and urges banknote avoidance. BBC News, 5. März 2020, abgerufen am 23. März 2020 (englisch).
  26. Aresu Eqbali, Isabel Coles: Iran Mobilizes 300,000 Teams and Deploys Drones and Water Cannon to Halt the Spread of Coronavirus. The Wall Street Journal, 5. März 2020, abgerufen am 23. März 2020 (englisch).
  27. a b c d e f Iran: Reise- und Sicherheitshinweise. In: Website Auswärtiges Amt. 19. März 2020, abgerufen am 19. März 2020.
  28. a b Coronavirus: Was Reisende beachten müssen. In: Website tagesschau.de. 17. März 2020, abgerufen am 19. März 2020.
  29. COVID-19: Internationale Risikogebiete und besonders betroffene Gebiete in Deutschland. Robert Koch-Institut, 15. März 2020; (wird laufend aktualisiert).
  30. Robert Koch-Institut (Hrsg.): COVID-19: Internationale Risikogebiete und besonders betroffene Gebiete in Deutschland. 26. Februar 2020 (archive.org).
  31. Robert Koch-Institut (Hrsg.): COVID-19: Internationale Risikogebiete und besonders betroffene Gebiete in Deutschland. 2. März 2020 (archive.org).
  32. Robert Koch-Institut (Hrsg.): COVID-19: Internationale Risikogebiete und besonders betroffene Gebiete in Deutschland. 10. März 2020 (archive.org).
  33. EU-Parlamentspräsident: Sassoli wegen Corona in Quarantäne. In: Website tagesschau.de. 10. März 2020, abgerufen am 19. März 2020.
  34. a b Kampf gegen Corona: Selbst der Mount Everest macht dicht. In: Website tagesschau.de. 13. März 2020, abgerufen am 19. März 2020.
  35. Coronavirus USA erlassen Einreisestopp aus Europa. In: Website tagesschau.de. 12. März 2020, abgerufen am 19. März 2020.
  36. Peter Lange: Corona-Krise: Auch Tschechien macht dicht. In: Website tagesschau.de. 12. März 2020, abgerufen am 19. März 2020.
  37. Ashleigh R. Tuite, Isaac Bogoch, Ryan Sherbo, Alexander Watts, David N. Fisman, Kamran Khan: Estimation of COVID-2019 burden and potential for international dissemination of infection from Iran. In: medRxiv. 25. Februar 2020, doi:10.1101/2020.02.24.20027375 (englisch).
  38. Patrick Wintour: Hilfe ohne Bedingungen für Iran in Corona-Krise gefordert | DW | 20.03.2020. Deutsche Welle, 20. März 2020, abgerufen am 20. März 2020.