COVID-19-Pandemie in Spanien

Teil der COVID-19-Pandemie 2019/2020
Dieser Artikel beschreibt eine laufende Epidemie. Die Informationen können sich deshalb rasch ändern.
Von SARS-CoV-2-Infektionen betroffene autonome Gemeinschaften (bestätigte Infektionen):
1 – 9
10 – 99
100 – 499
500 – 999
1000 – 4999

Die COVID-19-Pandemie tritt in Spanien als Teil der weltweiten COVID-19-Pandemie auf. Der erste Fall wurde am 31. Januar 2020 bekannt, als ein deutscher Tourist in La Gomera positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde.[1]

FälleBearbeiten

Am 24. Februar bestätigte Spanien nach einem COVID-19-Ausbruch in Italien mehrere Fälle im Zusammenhang mit den italienischen Clustern, beginnend mit einem Arzt aus der Lombardei, der auf Teneriffa Urlaub machte.[2] Anschließend wurden auf Teneriffa mehrere COVID-19-Fälle festgestellt, an denen Personen beteiligt waren, die mit dem Arzt in Kontakt gekommen waren. Andere Fälle mit Personen, die Italien besuchten, wurden ebenfalls auf dem spanischen Festland entdeckt.[3]

 
Provisorisches Krankenhaus in Madrid

Bis zum 18. März 2020 gab es in Spanien nach Angaben der Behörden 11.826 bestätigte Fälle bei 1.028 genesenen Patienten und 533 Todesfällen. Innerhalb der zweiten Märzwoche hatte sich die Zahl der Infizierten somit verzehnfacht. Bis zum 24. März stieg diese Zahl exponentiell weiter auf 39.673 Fälle, 2.696 Tote wurden gemeldet sowie 3.794 geheilte Patienten. Nur auf den Inseln La Graciosa und Formentera wurden noch keine positiven COVID-Fälle registriert.[4]

Am 24. März wurde gemeldet, dass Soldaten, die Pflegeheime desinfizierten, entdeckten, dass Bewohner mehrerer Altenheimen sich selbst überlassen worden waren und mit Leichen von Menschen lebten, die im Verdacht standen, an COVID-19 gestorben zu sein. Ein Eisstadion wird als Leichenhalle genutzt.[5][6] Am Tag darauf wurde bekannt, dass die spanische Armee die NATO um Unterstützung gebeten hat. Angefragt wurden Corona-Tests, Beatmungsgeräte und Schutzausrüstung. Zudem wurden zahlreiche Fälle öffentlich, in denen infizierte Patienten aus den Krankenhäusern geflohen waren.[7]

MaßnahmenBearbeiten

Spanien ordnete ein Landeverbot für Flugzeuge aus Italien an. Zudem wurden am Abend des 12. März 2020 fünf Orte mit etwa 70.000 Einwohnern um die Stadt Igualada in Katalonien, etwa 60 Kilometer von Barcelona entfernt, abgeriegelt. Schulen und Universitäten wurden im ganzen Land für etwa zwei Wochen geschlossen.[8]

Ansprache des spanischen Ministerpräsidenten

In Madrid wurden die Gastronomiebetriebe geschlossen. Am Abend des 13. März rief Ministerpräsident Pedro Sánchez den Alarmzustand aus, die dritthöchste der in der Verfassung vorgesehenen Notfallstufen. Dieser war seit der Rückkehr zur Demokratie bislang nur einmal angewendet worden, bei einem Fluglotsenstreik 2010.[9][10] Damit einher ging eine landesweite Ausgangssperre; mit Ausnahme von Lebensmittelläden und Apotheken wurde die Schließung aller öffentlich zugänglichen Einrichtungen (Geschäfte, Restaurants etc.) angeordnet.[10] Angestellte und Selbstständige wurde es weiterhin gestattet, zum Arbeitsplatz fahren, sie sollten aber nach Möglichkeit von Zuhause aus zu arbeiten. Das Spazierengehen und Sport im Freien war verboten.[11]

Am 28. März 2020 verkündete Ministerpräsident Pedro Sánchez eine Verschärfung der Ausgangssperre. Arbeitnehmer werden zwangsbeurlaubt, erhalten weiterhin ihr Gehalt und haben nicht geleistete Arbeitsstunden später nachzuholen. Nur dringend notwendige Tätigkeiten, etwa im Lebensmittelhandel, dürfen weiterhin ausgeübt werden.[11]

RisikogebieteBearbeiten

Am 13. März 2020 stufte das deutsche Robert Koch-Institut Madrid als Risikogebiet ein.[12] Inzwischen sind drei weitere Gebiete so eingestuft worden, die aber nicht zu den typischen Touristenregionen gehören: Navarra, La Rioja und das Baskenland (País Vasco).[13]

Am 2. April 2020 stufte das Robert Koch-Institut ganz Spanien als Risikogebiet ein.[14]

Wirtschaftliche FolgenBearbeiten

 
Verlust Ibex-35 Börse Coronavirus März 2020

Die Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsmarkt waren verheerend. Das Ministerium für soziale Sicherheit erklärte, dass im März 2020 833.979 sozialversicherungspflichtige Beitragszahler verloren gingen. Die registrierte Arbeitslosigkeit stieg dagegen um 302.000 Personen. Dies ist der größte Anstieg in der statistischen Reihe in der Geschichte Spaniens und übertrifft die 200.000 Arbeitslosen im Januar 2002, dem bis dato schlechtesten Monat. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen stieg auf 3,5 Millionen.[15]

Der Ökonom Toni Roldán erklärte, dass das Land 200 Milliarden Euro an Krediten aus dem Europäischen Stabilitätsmechanismus benötigt.[16] Am 28. März prognostizierte Goldman Sachs für Spanien einen zweistelligen Rückgang des BIP.[17]

Der spanische Börsenindex IBEX-35 verlor infolge der Pandemie im Zeitraum vom 2. März bis zum 2. April 2020 26 % an Wert.

StatistikBearbeiten

Entwicklung der Fallzahlen in SpanienBearbeiten

Die Epidemie entwickelte sich in Spanien wie folgt:

Entwicklung der Epidemie[18] (Die Zahlen des letzten Tages werden in der Regel nach oben korrigiert.)

Bestätigte Infektionen (kumuliert) in Spanien

 

Bestätigte Infektionen (neue Fälle) in Spanien

 

Bestätigte Todesfälle (kumuliert) in Spanien

 

Bestätigte Todesfälle (neue Fälle) in Spanien

 

Fallzahlen nach autonomen RegionenBearbeiten

Autonome Region Bevölkerung (Jul 2019) Anzahl registrierter Infektionen (N) Anzahl registrierter Infektionen (%) Hospitalisiert

(N)

Hospitalisiert (%) Intensivbetreuung (N) Intensivbetreuung (%) Verstorbene (N) Verstorbene (%)
Andalucía 8 446 561 5 818 0,07 % 2 632 45,24 % 235 4,04 % 248 4,26 %
Aragón 1 324 397 2 272 0,17 % 1 011 44,50 % 165 7,26 % 138 6,07 %
Asturias 1 019 993 1 236 0,12 % 464 37,54 % 65 5,26 % 55 4,45 %
Cantabria 581 949 1 171 0,20 % 472 40,31 % 50 4,27 % 37 3,16 %
Castilla-La Mancha 2 038 436 6 424 0,32 % 2 881 44,85 % 344 5,35 % 708 11,02 %
Castilla y León 2 402 878 6 211 0,26 % 2 276 36,64 % 325 5,23 % 516 8,31 %
Cataluña 7 609 499 18 773 0,25 % 11 322 60,31 % 1 652 8,80 % 1 672 8,91 %
Ceuta 84 434 34 0,04 % 0 0,00 % 3 8,82 % 1 2,94 %
Comunidad de Madrid 6 685 471 27 509 0,41 % 13 626 49,53 % 1 514 5,50 % 3 603 13,10 %
Comunidad Valenciana 4 998 711 5 508 0,11 % 1 833 33,28 % 356 6,46 % 339 6,15 %
Extremadura 1 062 797 1 628 0,15 % 320 19,66 % 51 3,13 % 133 8,17 %
Galicia 2 698 764 4 039 0,15 % 1 101 27,26 % 149 3,69 % 84 2,08 %
Islas Baleares 1 198 576 1 069 0,09 % 314 29,37 % 85 7,95 % 42 3,93 %
Canarias 2 220 270 1 262 0,06 % 389 30,82 % 94 7,45 % 55 4,36 %
La Rioja 314 487 1 810 0,58 % 524 28,95 % 51 2,82 % 85 4,70 %
Melilla 84 286 54 0,06 % 24 44,44 % 3 5,56 % 1 1,85 %
Región de Murcia 1 494 442 974 0,07 % 224 23,00 % 59 6,06 % 34 3,49 %
Navarra 652 526 2 305 0,35 % 936 40,61 % 99 4,30 % 113 4,90 %
País Vasco 2 181 919 6 320 0,29 % 3 287 52,01 % 307 4,86 % 325 5,14 %
Total 47 100 396 94 417 0,20 % 43 636 46,22 % 5 607 5,94 % 8 189 8,67 %

Quelle: RTVE (31. März 2020)

Fallzahlen nach AltersgruppenBearbeiten

 
Google Maps Mobility Report vom 29. März 2020 für Spanien (englisch)
Verteilung nach Altersgruppe, Stand 30.03.2020
Altersgruppe Infektionen

N / (%)

Hospitalisiert

N / (%)

Intensivbetreuung

N / (%)

Sterblichkeit (%)
<2 91 (0,2) 45 (0,2) 2 (0,1) 0,00
2–4 33 (0,1) 10 (0,0) 1 (0,1) 0,00
5–14 160 (0,3) 19 (0,1) 0 (0,0) 0,00
15–29 2853 (6,1) 454 (2,2) 24 (1,6) 0,21
30–39 4920 (10,5) 1016 (5,0) 57 (3,9) 0,16
40–49 7208 (15,4) 2052 (10,1) 116 (7,9) 0,44
50–59 8492 (18,1) 3028 (14,9) 251 (17,1) 0,78
60–69 7816 (16,7) 4024 (19,8) 445 (30,3) 2,60
70–79 7738 (16,5) 5154 (25,4) 508 (34,5) 8,89
=>80 7272 (15,5) 4511 (22,2) 67 (4,6) 20,67
Total 46.921 (100) 20.330 (100) 1.471 (100) 5,34

Quelle: Ministerio de Salud

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: COVID-19-Pandemie in Spanien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Sanidad confirma en La Gomera el primer caso de coronavirus en España. elpais.com. 1. Februar 2020, abgerufen am 13. März 2020 (spanisch).
  2. Sanidad confirma seis nuevos casos de coronavirus en la provincia de Valencia. lasprovincias.es. 27. Februar 2020, abgerufen am 13. März 2020 (spanisch).
  3. Coronavirus, positivi due italiani a Tenerife. Mille persone nell'hotel in quarantena. repubblica.it. 25. Februar 2020, abgerufen am 13. März 2020 (italienisch).
  4. El mapa del coronavirus en España. rtve.es, abgerufen am 23. März 2020 (spanisch).
  5. 500 Tote binnen 24 Stunden – Spanien nutzt Eisstadion als Leichenhalle, Die Welt, abgerufen am 24. März 2020
  6. https://abcnews.go.com/Health/wireStory/bodies-ice-rink-spain-sees-record-infections-deaths-69766890
  7. Spanien ruft im Kampf gegen das Virus die Nato zu Hilfe, Die Welt, abgerufen am 27. März 2020
  8. Spanien stellt etwa 70.000 Menschen unter Quarantäne, zeit.de, abgerufen am 13. März 2020.
  9. Coronavirus in Spanien, nrz.de, abgerufen am 13. März 2020.
  10. a b DER SPIEGEL: Coronavirus: Spanien verkündet nationalen Notstand - DER SPIEGEL - Politik. Abgerufen am 14. März 2020.
  11. a b Spanien schickt Arbeitnehmer in „Zwangsurlaub“. In: tagesschau.de. 28. März 2020, abgerufen am 28. März 2020.
  12. NDR: Coronavirus-Blog, 13. März 2020.
  13. COVID-19: Internationale Risikogebiete und besonders betroffene Gebiete in Deutschland, rki.de, abgerufen am 28. März 2020
  14. Auswärtiges Amt: Spanien: Reise- und Sicherheitshinweise. Abgerufen am 3. April 2020: „Ganz Spanien wurde vom Robert-Koch-Institut zum Risikogebiet erklärt. Nach Deutschland Rückreisenden wird empfohlen, sich zwei Wochen in Quarantäne zu begeben.“
  15. Manuel V. Gómez: La Seguridad Social pierde 834.000 afiliados y el paro sube en más de 300.000 personas en el peor mes de la historia para el empleo. 2. April 2020, abgerufen am 2. April 2020 (spanisch).
  16. Giles Tremlett: How did Spain get its coronavirus response so wrong? In: The Guardian. 26. März 2020, ISSN 0261-3077 (englisch, theguardian.com [abgerufen am 2. April 2020]): “The economist Toni Roldán has calculated that Spain needs a €200bn loan from the European Stability Mechanism (ESM).”
  17. Ignacio Fariza: El reto de congelar la economía. ElPais, 28. März 2020, abgerufen am 2. April 2020 (spanisch): „EE UU ha pasado en tiempo récord del pleno empleo a una previsión del 20% de paro y Goldman Sachs atisba ya una contracción de doble dígito para España.“
  18. World / Countries / Spain, worldometers.info