COVID-19-Pandemie in Indien

Teil der COVID-19-Pandemie
Dieser Artikel beschreibt eine laufende Epidemie. Die Informationen können sich deshalb rasch ändern.

Die COVID-19-Pandemie in Indien bezeichnet die regionale Ausbreitung der COVID-19-Pandemie in Indien.

EntwicklungBearbeiten

HintergrundBearbeiten

 
Eine Pressekonferenz zum Thema „COVID-19“ am 13. März 2020 in Neu-Delhi
 
Der indische Innenminister besuchte am 13. März 2020 eine Quarantäneeinrichtung

Nachdem im Dezember 2019 eine Serie von Lungenentzündungen in der zentralchinesischen Stadt Wuhan aufgetreten war, stellte sich im Januar 2020 ein bis dahin unbekanntes Coronavirus SARS-CoV als verursachendes Agens heraus.[1] Die Infektionskrankheit breitete sich danach rasch in verschiedenen Gebieten Chinas aus, konnte aber innerhalb Chinas durch drastische Quarantänemaßnahmen der chinesischen Behörden ab etwa Mitte Februar 2020 einigermaßen unter Kontrolle gebracht werden. Dafür stiegen ab etwa diesem Zeitpunkt die Infektionen außerhalb Chinas exponentiell an, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte den Krankheitsausbruch am 11. März 2020 offiziell zu einer Pandemie und Europa entwickelte sich zum Schwerpunkt der Infektionen.[2]

Verlauf in IndienBearbeiten

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Indien, das mit etwa 1,37 Milliarden Einwohnern nach China zweitbevölkerungsstärkste Land der Welt, war bis Mitte März 2020 scheinbar nur vergleichsweise wenig von der Pandemie betroffen. Der erste dokumentierte Fall ereignete sich am 30. Januar 2020 in Kerala. Betroffen war ein indischer Student, der aus Wuhan zurückgekehrt war. Bis zum 12. März 2020 waren 50 Fälle bekannt und bis zum 19. März 2020 offiziell 149 Fälle.[3] Nach Angaben von Gesundheitsminister Harsh Vardhan begannen schon ab dem 17. Januar 2020 entsprechende Einreisekontrollen an den Flughäfen Indiens und nach seinen Angaben wurden bis zum 3. März 2020 mehr als 600.000 Personen an den 21 internationalen Flughäfen und 77 Seehäfen auf das Virus getestet.[4]

Experten warnten vor einer möglichen Katastrophe, falls die Pandemie in voller Stärke auch Indien treffen werde, und zeichneten beunruhigende Szenarien.

Der Direktor des Center for Disease Dynamics, Economics and Policy (CDDEP) in Washington, D.C., Ramanan Laxminarayan, erklärte in einem Interview der BCC am 19. März 2020, dass es unwahrscheinlich sei, dass die Pandemie in Indien einen anderen Verlauf nehmen werde als in anderen Ländern. Indien sei möglicherweise nur einige Wochen hinterher und werde wahrscheinlich denselben rapiden Anstieg von Fällen erleben wie zuvor Italien, Spanien oder China. Indien werde der nächste Schwerpunkt der Erkrankungswelle sein. Mit der zunehmenden Zahl der Testungen würden auch die Fallzahlen in Indien in die Höhe gehen. Aufgrund seiner Bevölkerungsdichte sei Indien besonders von Mensch-zu-Mensch-Übertragungen betroffen. Mathematische Modellierungen gingen davon aus, dass im Verlauf der Virusausbreitung in Staaten wie den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich zwischen 20 und 60 % der Bevölkerung mit dem Virus infiziert würden. Wenn man diese Zahlen auf Indien hochrechne und von den niedrigsten Annahmen ausginge, käme man auf 300 Millionen infizierte Personen. Nach bisherigen Erfahrungen verliefen zwischen 10 und 20 Prozent der Infektionen schwer, was für Indien zwischen 4 und 8 Millionen Fälle, die eine stationäre Krankenhausbehandlung benötigten, bedeuten würde. In ganz Indien gäbe es jedoch nur zwischen 70.000 und 100.000 Betten auf Intensivstationen. Dies sei sehr beunruhigend und Indien habe nicht mehr viel Zeit, sich auf die Pandemie vorzubereiten. Man müsse sich am chinesischen Modell orientieren und in aller Eile Notkrankenhäuser erbauen oder beispielsweise Stadien in Krankenhauseinrichtungen umfunktionieren und die Bevölkerung auf die kommenden Probleme vorbereiten.[5]

MaßnahmenBearbeiten

Indien verhängte eine Einreisesperre für zahlreiche Staaten, u. a. ab dem 18. März 2020 für Bürger aus Staaten der Europäischen Union, der EFTA, dem Vereinigten Königreich und der Türkei.[6][7]

Am 9. März 2020 schloss der Bundesstaat Mizoram seine Grenzübergänge zu Bangladesch,[8] und ab dem 15. März 2020 wurden 18 der 37 Grenzübergänge zu den Nachbarstaaten Nepal, Bangladesch, Bhutan und Myanmar geschlossen. Der Grenzverkehr mit Pakistan wurde am 16. März 2020 ganz eingestellt.[9] Am 23. März 2020 riegelten Nepal und Bhutan ihre Grenzen zu Indien vollständig ab.[10]

Am 24. März 2020 erklärte die indische Regierung eine weitgehende Ausgangssperre für die kommenden 21 Tage.[11] Die Maßnahme löste eine Massenmigration von Dutzenden Millionen Menschen – Tagelöhnern und Saisonarbeitern – aus, die teilweise über Hunderte von Kilometern zu großen Teilen zu Fuß in ihre Heimatorte zurückkehrten, da sie arbeitslos geworden waren und wirtschaftlich sonst nicht überleben konnten. Die Personenzüge waren außer Kraft gesetzt.[12] Nur eine Minderheit der heimkehrenden Arbeitsmigranten konnte von der Regierung bereitgestellte Busse für den Transport nutzen. Die Regierung ließ öffentlich Nahrungsmittel verteilen. Angesichts der Massenmigration wurden Sorgen geäußert, dass die Bevölkerungsströme die Virusinfektion im Land verbreiten könnten.[13] Premierminister Narendra Modi entschuldigte sich am 29. März 2020 öffentlich für die sozialen Härten der verhängten Ausgangssperre, die vor allem die Ärmsten der Armen schwer traf.[14]

Ende März 2020 wurde bekannt, dass eine Konferenz der Tablighi Jamaat, die ab dem 3. März 2020 in Delhi stattgefunden hatte, der Ausgangsort für viele Infektionen gewesen war. Bis zum Morgen des 2. April 2020 wurden 389 COVID-19-Fälle in Indien mit der Konferenz in Verbindung gebracht. Diese war von vielen Hunderten Teilnehmern besucht worden, darunter auch vielen aus dem Ausland. Die meisten waren anschließend wieder in ihre Heimatländer und Heimatorte abgereist, aber mehr als 1000 Personen, darunter auch etwa 250 Ausländer, waren in Delhi hängengeblieben, nachdem alle Transportverbindungen eingestellt worden waren und am 24. März 2020 die Ausgangssperre verhängt worden war.[15] Die indischen Behörden versuchten, die Konferenzteilnehmer in ganz Indien ausfindig zu machen und ggf. unter Quarantäne zu stellen.[16]

Die Regierung bemühte sich, die sozialen Härten durch ein am 27. März 2020 angekündigtes großes Kreditprogramm im Volumen von 22 Milliarden US$ abzumildern. Die Mittel waren unter anderem für kostenlose Armenspeisungen und direkten Bargeldtransfer an Bedürftige vorgesehen. Indiens Finanzministerin Nirmala Sitharaman erklärte, dass aufgrund der Pandemie „niemand Hunger leiden und niemand mittellos sein“ solle. Kritiker wandten ein, dass das Volumen des Hilfspakets ungenügend sei (entsprechend nur etwa 1 % von Indiens BIP, verglichen zu den etwa 10 % der Hilfspakete in den Vereinigten Staaten und in Singapur).[17][18] Außerdem wurden Sorgen geäußert, dass die Ausgangssperre zu einer Verknappung von Nahrungsmitteln führen könne.[19]

Am 14. April 2020 verkündete Premierminister Modi eine Verlängerung der Ausgangssperre bis zum 3. Mai 2020.[20]

StatistikBearbeiten

Die Fallzahlen entwickelten sich während der COVID-19-Pandemie in Indien nach Daten des CSSE an der Johns Hopkins University wie folgt:

InfektionenBearbeiten

Infektionen (kumuliert) in Indien
nach Daten des CSSE an der Johns Hopkins University
[21][22]

TodesfälleBearbeiten

Todesfälle (kumuliert) in Indien
nach Daten des CSSE an der Johns Hopkins University

Gesellschaftliche FolgenBearbeiten

KriminalitätBearbeiten

Im Zusammenhang mit der Pandemie kam es zu Stigmatisierungen von Mitarbeitern im Gesundheitssektor in Indien.[23][24]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: COVID-19-Pandemie in Indien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Lungenärzte im Netz: Covid-19: Ursachen. Online unter www.lungenaerzte-im-netz.de. Abgerufen am 14. April 2020.
  2. Tagesschau: "Tief besorgt". WHO spricht von Corona-Pandemie. 11. März 2020. Online unter www.tagesschau.de. Abgerufen am 14. April 2020.
  3. Mukesh Rawat: Coronavirus in India: Tracking country's first 50 COVID-19 cases; what numbers tell. 12. März 2020, abgerufen am 19. März 2020 (englisch).
  4. Soutik Biswas: Coronavirus: Is India prepared for an outbreak? BBC News, 7. März 2020, abgerufen am 7. März 2020 (englisch).
  5. 'India must prepare for a tsunami of coronavirus cases'. BBC News, 19. März 2020, abgerufen am 19. März 2020 (englisch).
  6. Now, India bans entry of Indians from EU, Turkey and UK. The Economic Times, 18. März 2020, abgerufen am 31. März 2020 (englisch).
  7. Indien: Reise- und Sicherheitshinweise. Auswärtiges Amt, 12. März 2020, abgerufen am 12. März 2020.
  8. Coronavirus: Mizoram's international borders to be sealed. The Hindu, 9. März 2020, abgerufen am 31. März 2020 (englisch).
  9. Office Memorandum: Restrictions on international passenger traffic through Land Check Posts in view of the spread of COVID-19y. (pdf) Indische Regierung, 13. März 2020, abgerufen am 31. März 2020 (englisch).
  10. Rezaul H. Laskar: As Covid-19 cases rise, Nepal and Bhutan seal borders with India. Hindustan Times, 23. März 2020, abgerufen am 31. März 2020 (englisch).
  11. Coronavirus: India to enter 'total lockdown' after spike in cases. BBC News, 24. März 2020, abgerufen am 24. März 2020 (englisch).
  12. Christoph Hein: Zehntausende indische Wanderarbeiter gestrandet. In: faz.net. 29. März 2020, abgerufen am 1. April 2020.
  13. Locked down India struggles as workers flee cities and homeless call for food. BBC News, 30. März 2020, abgerufen am 30. März 2020 (englisch).
  14. Coronavirus: India's PM Modi seeks 'forgiveness' over lockdown. BBC News, 29. März 2020, abgerufen am 30. März 2020 (englisch).
  15. Tablighi Jamaat: The group blamed for new Covid-19 outbreak in India. BBC News, 2. April 2020, abgerufen am 2. April 2020 (englisch).
  16. Coronavirus: Search for hundreds of people after Delhi prayer meeting. BBC News, 31. März 2020, abgerufen am 2. April 2020 (englisch).
  17. India coronavirus: $22bn bailout announced for the poor. BBC News, 27. März 2020, abgerufen am 7. April 2020 (englisch).
  18. Arunoday Mukharji: Coronavirus: India's bailout may not be enough to save economy. BBC News, 3. April 2020, abgerufen am 7. April 2020 (englisch).
  19. Soutik Biswas: Will coronavirus lockdown cause food shortages in India? BBC News, 7. April 2020, abgerufen am 7. April 2020 (englisch).
  20. PM Narendra Modi says India will extend coronavirus lockdown until 3 May. BBC News, 14. April 2020, abgerufen am 14. April 2020 (englisch).
  21. Johns Hopkins Coronavirus Resource Center. Abgerufen am 29. April 2020 (englisch).
  22. CSSEGISandData/COVID-19. Abgerufen am 29. April 2020 (englisch).
  23. Sonja Peteranderl, DER SPIEGEL: Coronakrise in Mexiko: Angriffe auf Pflegepersonal und Helfer - DER SPIEGEL - Politik. Abgerufen am 6. Mai 2020.
  24. - The Washington Post. Abgerufen am 6. Mai 2020 (englisch).