Mercedes-Benz Baureihe 223

elfte Generation der Oberklasse-Limousine S-Klasse

Die Mercedes-Benz Baureihe 223 ist die elfte Generation der Oberklasse-Limousine S-Klasse der Marke Mercedes-Benz und das Nachfolgemodell der Baureihe 222. Die zweitürigen Varianten der Baureihe 217 wurden ersatzlos eingestellt.[1]

Mercedes-Benz
Mercedes-Maybach
Mercedes-Benz W223 IMG 3922.jpg
Baureihe 223
Verkaufsbezeichnung: S-Klasse
Produktionszeitraum: seit 2020
Klasse: Oberklasse
Karosserieversionen: Limousine
Motoren: Ottohybrid:
3,0–4,0 Liter
(270–360 kW)
Dieselmotoren:
3,0 Liter
(210–243 kW)
Länge: 5179–5469 mm
Breite: 1921 mm
Höhe: 1503–1510 mm
Radstand: 3106–3396 mm
Leergewicht: 1995–2090 kg
Vorgängermodell Mercedes-Benz Baureihe 222
Heckansicht
Erlkönig des Maybach im März 2020 in Stuttgart-Vaihingen
Innenansicht

Die neue S-Klasse wurde am 2. September 2020 vorgestellt. Die Markteinführung erfolgte im Dezember 2020.[2]

Ein Derivat von Mercedes-Maybach wurde am 19. November 2020 präsentiert. Es soll ab Frühjahr 2021 erhältlich sein.[3]

ModellgeschichteBearbeiten

AllgemeinesBearbeiten

 
Bündig in die Karosserie integrierte Türgriffe

Die neue S-Klasse ist in allen Dimensionen größer als das Vorgängermodell. Die Rückleuchten sind wie schon in der modellgepflegten Baureihe 213 breit und horizontal unterteilt. Erstmals sind gegen Aufpreis die Türgriffe bündig in die Karosserie integriert. Sie sollen ausfahren, wenn sich der Fahrer dem Fahrzeug nähert. Ebenfalls gegen Aufpreis erhältlich ist ein sogenanntes Digital Light, das vor erkannten Gegenständen und Personen vor dem Fahrzeug warnen soll und eine Allradlenkung, bei der bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h die Hinterräder entgegengesetzt zu den Vorderrädern, und darüber in die gleiche Richtung wie die Vorderräder einschlagen. Sie verringert den Wendekreis des Fahrzeugs um bis zu zwei Meter.[2]

Der Strömungswiderstandskoeffizient cw wird mit 0,22 angegeben. Bei einer Stirnfläche A von 2,5 m² ergibt sich so ein cwA-Wert von 0,55 m².[4]

Gegenüber dem Vorgängermodell hat die Baureihe 223 weitere Fahrerassistenzsysteme. Ein aktiver Lenk-Assistent soll beispielsweise den Fahrer bei der Bildung einer Rettungsgasse unterstützen.[2] Darüber hinaus ist eine Luftfederung erhältlich.[5]

Ab dem zweiten Halbjahr 2021 soll die S-Klasse nach Autonomiestufe 3 im Stau auf der Autobahn fahren können. Bei einem Unfall würde demnach der Hersteller und nicht der Fahrer haften. Das System soll bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h funktionieren; höhere Geschwindigkeiten erlaubt eine Regelung der UNECE nicht.[6] Am Flughafen Stuttgart rüstete APCOA zusammen mit Bosch und Daimler das Parkhaus P6 so aus, dass sogenanntes „Automated Valet Parking“ möglich ist. Dabei kann der Fahrer mit einer App im Voraus einen Stellplatz reservieren und das Fahrzeug direkt hinter der Einfahrtschranke an einer Übergabezone abgeben und das Parkhaus verlassen. Das Fahrzeug findet den Stellplatz dann vollautomatisch. Auch bei der Rückkehr fährt das Fahrzeug auf Smartphone-Abruf automatisch zur Übergabezone. Die Baureihe 223 ist das erste Fahrzeug, bei dem das „Automated Valet Parking“ gegen Aufpreis ermöglicht wird.[7]

Im Innenraum wird ein bis zu 12,8 Zoll großer Monitor eingebaut. Zudem kommt die zweite Generation des MBUX-Systems zum Einsatz, der als intelligenter persönlicher Assistent fungiert. Über eine Sprachsteuerung, die mit dem Kommando „Hey Mercedes“ aktiviert wird, können verschiedene Befehle gegeben werden, wie beispielsweise das Wechseln des Radiosenders oder das Ändern der Klimatisierung. Mit Hilfe von vier Kameras im Innenraum und Künstlicher Intelligenz soll die S-Klasse die Wünsche und Absichten der Insassen erkennen und MBUX unterstützen. Die Software soll per Over-the-Air-Update aktualisiert werden können.[4]

ProduktionBearbeiten

 
Neu errichtete Factory 56 im Mercedes-Benz Werk Sindelfingen

Eigens für die Produktion der Baureihe 223 investierte die Daimler AG rund 730 Millionen Euro in eine neue Halle – die Factory 56 – im Westen des Mercedes-Benz Werks Sindelfingen.[8] Dort wird die S-Klasse seit Sommer 2020 aus angelieferten Baugruppen voll digitalisiert und CO2-neutral montiert. Dies wird durch Ökostrom, aber auch über zugekaufte Klimazertifikate erreicht. Die Factory 56 produziert einen Großteil ihres Stroms über Solarfelder auf dem Dach; die Solarenergie speichert sie in umfunktionierten Autobatterien. Der Energieverbrauch gegenüber bisherigen Werken konnte um 25 Prozent reduziert werden – unter anderem fällt durch Fenster in der Decke Tageslicht in die Halle.[9]

AbmessungenBearbeiten

W 223
(kurzer Radstand)
V 223
(langer Radstand)
Z 223
(Maybach)
Länge × Breite × Höhe 5179 mm × 1921 mm × 1503 mm 5289 mm × 1921 mm × 1503 mm 5469 mm × 1921 mm × 1510 mm
Radstand 3106 mm 3216 mm 3396 mm

MotorisierungenBearbeiten

 
Erlkönig der elektrisch angetriebenen Variante im November 2020 in Böblingen

Zum Marktstart wird die S-Klasse nur mit Sechszylinder-Otto- oder Dieselmotoren und kurzem (W 223) oder langem (V 223) Radstand angeboten. Die Reihensechszylinder-Ottomotoren M 256 sind durch einen elektrischen Zusatzverdichter als Mild-Hybrid ausgeführt. Ab Frühjahr 2021 wird eine besonders luxuriös ausgestattete Version von Mercedes-Maybach angeboten.[3] Später sollen noch V8-Motoren und ein Plug-in-Hybrid mit einer elektrischen Reichweite von rund 100 km sowie ein Derivat von Mercedes-AMG folgen.[2] Außerdem ist eine batterieelektrisch angetriebene Version unter der Submarke Mercedes-Benz EQ geplant. Einen ersten Ausblick darauf zeigte die Daimler AG auf der IAA im September 2019 mit dem Konzeptfahrzeug Mercedes-Benz Vision EQS.[10]

OttomotorenBearbeiten

Kenngrößen S 450 4MATIC S 500 4MATIC S 580 4MATIC
Bauzeitraum seit 12/2020 ab 07/2021
Motorkenndaten
Motorbezeichnung* M 256 E 30 DEH LA M 256 E 30 DEH LA G M 176
Motortyp R6-Ottomotor + Elektromotor V8-Ottomotor + Elektromotor
Gemischaufbereitung Direkteinspritzung
Motoraufladung Turbolader + elektrischer Zusatzverdichter Biturbo
Hubraum 2999 cm³ 3982 cm³
max. Leistung 270 kW + 16 kW (367 PS + 22 PS)
bei 5500–6100/min
320 kW + 16 kW (435 PS + 22 PS)
bei 6100/min
360 kW + 16 kW (489 PS + 22 PS)
bei 5500/min
max. Drehmoment 500 Nm
bei 1600–4500/min
+ 250 Nm
520 Nm
bei 1800–5800/min
+ 250 Nm
700 Nm
bei 1200–4000/min
+ 250 Nm
Kraftübertragung
Antrieb, serienmäßig Allradantrieb
Getriebe, serienmäßig Neunstufen-Automatik (9G-Tronic)
Messwerte
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h1
Beschleunigung,
0–100 km/h
5,1 s 4,9 s 4,5 s
Leergewicht 1995 kg
(2015 kg)2
2045 kg
(2065 kg)2
max. Zuladung 800 kg
(805 kg)2
765 kg
(755 kg)2
max. Anhängelast 2100 kg
Kraftstoffverbrauch
auf 100 km (kombiniert)
7,8–8,3 l Super
(7,8–8,4 l Super)2
7,8–8,4 l Super
(7,8–8,4 l Super)2
CO2-Emission
(kombiniert)
178–191 g/km
(178–191 g/km)2
178–192 g/km
(179–192 g/km)2
Tankinhalt 65 l
Abgasnorm nach
EU-Klassifikation
Euro 6d-ISC-FCM

DieselmotorenBearbeiten

Kenngrößen S 350 d S 350 d 4MATIC S 400 d 4MATIC
Bauzeitraum seit 12/2020
Motorkenndaten
Motorbezeichnung* OM 656 D 29 R SCR
Motortyp R6-Dieselmotor
Gemischaufbereitung Common-Rail-Direkteinspritzung
Motoraufladung Biturbo
Hubraum 2925 cm³
max. Leistung 210 kW (286 PS)
bei 3400–4600/min
243 kW (330 PS)
bei 3600–4200/min
max. Drehmoment 600 Nm
bei 1200–3200/min
700 Nm
bei 1200–3200/min
Kraftübertragung
Antrieb, serienmäßig Hinterradantrieb Allradantrieb
Getriebe, serienmäßig Neunstufen-Automatik (9G-Tronic)
Messwerte
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h1
Beschleunigung,
0–100 km/h
6,4 s 6,2 s 5,4 s
Leergewicht 2020 kg
(2040 kg)2
2070 kg
(2090 kg)2
max. Zuladung 700 kg
(725 kg)2
max. Anhängelast 2100 kg
Kraftstoffverbrauch
auf 100 km (kombiniert)
6,2–6,7 l Diesel
(6,2–6,7 l Diesel)2
6,3–6,8 l Diesel
(6,4–6,9 l Diesel)2
6,4–6,9 l Diesel
(6,5–7,0 l Diesel)2
CO2-Emission
(kombiniert)
163–173 g/km
(163–176 g/km)2
166–180 g/km
(168–183 g/km)2
169–183 g/km
(171–186 g/km)2
Tankinhalt 65 l
Abgasnorm nach
EU-Klassifikation
Euro 6d-ISC-FCM

 * Die Motorbezeichnung ist wie folgt verschlüsselt: M = Motor (Otto), OM = Oelmotor (Diesel), Baureihe = 3 stellig, E = Saugrohreinspritzung, DE = Direkteinspritzung, Hubraum = Deziliter (gerundet), A = Abgasturbolader, L = Ladeluftkühlung, red. = leistungsreduziert, LS = leistungsgesteigert

1 Elektronisch begrenzt
2 Werte in runden Klammern für Langversion

WeblinksBearbeiten

Commons: Mercedes-Benz Baureihe 223 – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Stefan Miete: Mercedes S-Klasse (2020): Preis & Innenraum. In: autozeitung.de. 2. September 2020, abgerufen am 3. September 2020.
  2. a b c d Holger Wittich: Mercedes S-Klasse (W223): Luxusliner, Generation 11. In: auto-motor-und-sport.de. 3. September 2020, abgerufen am 3. September 2020.
  3. a b Torsten Seibt: Neue Mercedes-Maybach S-Klasse (2021): Voll bis oben hin - inklusive Flüster-Reifen. In: auto-motor-und-sport.de. 19. November 2020, abgerufen am 19. November 2020.
  4. a b Stefan Leichsenring: Mercedes S-Klasse (2021): Neue Generation mit Technik vom Feinsten. In: de.motor1.com. 2. September 2020, abgerufen am 3. September 2020.
  5. Georg Kacher: Neue Mercedes S-Klasse: Auf dem Stand der Technik. In: sueddeutsche.de. 7. August 2020, abgerufen am 6. Oktober 2020.
  6. Dirk Gulde: Autonomes Fahren: Ist der Traum schon geplatzt? In: Auto Motor und Sport. Band 21, Nr. 2020, 24. September 2020, S. 90–98.
  7. Martin-W. Buchenau: Diese Mercedes S-Klasse sucht die Lücke im Parkhaus selbst. In: handelsblatt.com. 12. Oktober 2020, abgerufen am 28. Oktober 2020.
  8. Stuttgarter Nachrichten, Stuttgart, Germany: Sindelfingen: Daimler nimmt neue S-Klasse-Fabrik in Betrieb. In: stuttgarter-nachrichten.de. 2. September 2020, abgerufen am 3. September 2020.
  9. Daniel Zwick: Mercedes S-Klasse: Daimlers „Factory 56“ setzt Maßstäbe, das Auto nicht. In: welt.de. 3. September 2020, abgerufen am 3. September 2020.
  10. Clemens Hirschfeld, Gerd Stegmaier: Mercedes Vision EQS: Kommt die elektrische S-Klasse schon 2020? In: auto-motor-und-sport.de. 10. September 2019, abgerufen am 3. September 2020.