Mercedes-Benz V 297

Automodell mit elektrischem Antrieb
(Weitergeleitet von Mercedes-Benz EQS)

Der Mercedes-Benz EQS (interne Bezeichnung: V 297) ist ein batterieelektrisch angetriebenes Oberklassefahrzeug der Daimler AG. Die Abmessungen ähneln der aktuellen S-Klasse der Baureihe 223, der EQS wird aber der Submarke Mercedes-Benz EQ zugeordnet. Erstmals vorgestellt wurde das Fahrzeug am 15. April 2021, die Studie Mercedes-Benz Vision EQS war bereits 2019 im Rahmen der Internationalen Automobil-Ausstellung präsentiert worden. Das Fahrzeug wird wie die S-Klasse in der Factory 56, Sindelfingen, hergestellt.[1]

Mercedes-Benz
Mercedes-Benz EQS auf der Shanghai Auto Show 2021
Mercedes-Benz EQS auf der Shanghai Auto Show 2021
EQS
Produktionszeitraum: seit 2021
Klasse: Oberklasse
Karosserieversionen: Kombilimousine
Motoren: Elektromotoren:
245–385 kW
Länge: 5216 mm
Breite: 1926 mm
Höhe: 1512 mm
Radstand: 3005 mm
Leergewicht: 2480–2585 kg

DesignBearbeiten

Der EQS ist in einem moderneren Design gehalten: Die von Mercedes-Benz als „one-bow“ (dt. ein Bogen) vermarktete Karosserie löst sich durch Kurven und fließende Übergänge zwischen den einzelnen Komponenten von der klassischen Silhouette einer stufigen Limousine. Zudem fällt beim Konzeptfahrzeug die sehr flache Dachlinie in Kombination mit großen 24-Zoll-Felgen auf,[2] beim Serienfahrzeug wurden es 19 bis 22 Zoll.[1] Die Heckleuchten sind erstmals fugenlos in die Karosserie integriert und bestehen bei der Studie aus 229 einzelnen, sternförmigen LEDs,[2] beim Serien-EQS haben sie eine neuartige schraubenförmige Anordnung (Helix-Design).[1] Der Kühlergrill besteht aus 940 einzelnen LEDs, die in Fünfergruppen ansteuerbar sind und eine Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmern ermöglichen (Herstellerbezeichnung Black-Panel-Grill).[3] Das Konzeptfahrzeug wurde zudem komplett von einem Außenlichtband umzogen, das die Frontscheinwerfer mit der Heckleuchte beidseitig verbindet.[2] Das Serienmodell hat projektionsfähige Digital Light-Scheinwerfer.[1]

InnenraumBearbeiten

Die Innenraumgestaltung der Studie orientierte sich an luxuriösen Yachten. Das nahtlos in den restlichen Innenraum übergehende Cockpit soll die Insassen „wie ein Bootsdeck“ umfließen.[4] Die Sitze sind aus weißem Mikrofaserstoff in einem Karomuster gefertigt und werden durch rotgoldfarbene Zierelemente ergänzt. Durch eine Schrägstellung und leichte Verschiebung der Scheiben nach außen wird eine Vergrößerung des Innenraums erreicht.

Das MBUX-System, das erstmals 2018 in der Baureihe 177 (A-Klasse) vorgestellt wurde, findet auch in diesem Konzeptfahrzeug in abgewandelter Form Anwendung. Neben dem Cockpit besitzt das Fahrzeug zudem ein Touch-basiertes Display, das der Mittelkonsole entspringt. Auch die elektrische Sitzeinstellung des Fahrers und Beifahrers werden durch Touch-Displays auf den Armlehnen realisiert. Dort können sich die Insassen mit ihrer individuellen Mercedes me-ID einloggen und auf gespeicherte Sitzeinstellungen zugreifen. Analog zum Außenlichtband befindet sich auch im Innenraum ein Lichtband, das das komplette Fahrzeug durchzieht; es kann Warnungen der Fahrerassistenzsysteme anzeigen und Informationen der Komfortsysteme rückmelden.[5] Das Serienmodell bietet unter anderem als Klang ein imitiertes V8-Motorgeräusch, auf Wunsch ist beim Serienmodell ein durchgehendes Armaturenbrett mit einem Bildschirm für den Beifahrer erhältlich (MBUX Hyperscreen).[6]

TechnikBearbeiten

Das Fahrzeug baut auf der Plattform "Modulare Elektro-Architektur" (MEA) mit der internen Bezeichnung EVA II auf.[1] Mit einem cw-Wert von 0,20 ist der EQS außerdem das Serienfahrzeug mit dem niedrigsten Luftwiderstandsbeiwert.[7] In den Scheinwerfern findet die Digital-Light-Technik von Mercedes Anwendung, die durch Hologramm-Projektoren Symbole auf die Fahrbahn projizieren kann. Auf Wunsch sind elektrisch öffnende Türen erhältlich.[1]

AntriebBearbeiten

Der Antrieb des EQS ist vollelektrisch und besteht aus zwei an den Achsen angebrachten Elektromotoren. Diese leisten bei der Studie über 350 kW (476 PS)[2] und beschleunigen das Fahrzeug mit insgesamt mehr als 760 Nm in weniger als 4,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Das Serienmodell EQS 450+ leistet 245 kW, die Allradversion EQS 580 4Matic 385 kW.[6] Die Reichweite wird mit bis zu 770 Kilometern nach WLTP angegeben. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 210 km/h begrenzt.[8] Mit 107,8 kWh[1] netto hat der EQS den größten derzeit in einem Serien-PKW verbauten Akkumulator, der in „deutlich weniger als 20 Minuten“ wieder zu 80 % aufgeladen werden können soll. Auf die Batterie gewährt Mercedes eine Garantie von zehn Jahren oder 250.000 Kilometer Laufleistung. Sie kann an Schnellladesäulen mit 200 kW geladen werden.[1]

FahrwerkBearbeiten

Die Vorderachse ist eine Vierlenkerachse, die Hinterachse die bei Mercedes übliche Raumlenkerachse. Sie kann beim EQS bis 4,5 Grad mitlenken, wobei der Wendekreis immer noch 11,9 m beträgt. Auf Wunsch haben die Achsen gegenläufig lenkende Räder, was den Wendekreis um einen Meter reduziert. Diese Möglichkeit kann "Over the air" freigeschaltet werden. Durch die Luftfederung des Wagens kann die Karosserie bei hohen Geschwindigkeiten bis zu 25 mm abgesenkt werden.[1]

MaterialienBearbeiten

Das Fahrzeug soll überwiegend aus nachhaltigen Materialien bestehen. So soll das Holz heimischen Wäldern entstammen, beim Konzeptfahrzeug sind die Dekorstoffe aus Plastikmüll aus dem Meer gefertigt und die Mikrofaserstoffe aus recycelten PET-Flaschen. Im Armaturenbrett ist Riegelwuchs-Ahornholz verwendet worden.[9] Die Karosserie besteht aus einem Materialmix aus Stahl, Aluminium und Carbon. Beim Serienmodell wird für die Karosserie zu 80 Prozent Sekundärstahl verwendet.[1] Die Batteriezellen sollen in einem CO₂-neutralen Prozess teilweise aus 100 % erneuerbarer Energie hergestellt werden. Die einzelnen Zellen werden von der Daimler-Tochter Deutsche Accumotive zu Akkumulatoren gefertigt.[3]

Finanzielle Aspekte, sonstigesBearbeiten

Zum Zeitpunkt der Vorstellung der Serienversion im April 2021 kann der EQS ein Jahr lang kostenlos an Ionity-Schnellladepunkten aufgeladen werden und im Mercedes-Me-Charge-Programm entfällt drei Jahre lang die Grundgebühr.[1]

Laut Mercedes-Chef Ola Källenius verdiene Mercedes aufgrund der höheren Produktionskosten von Elektrofahrzeugen pro verkauftem EQS weniger als an einem vergleichbaren Verbrenner-Modell.[1]

VersuchsfahrzeugeBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Mercedes-Benz V297 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Der neue vollelektrische EQS. Das erste Elektrofahrzeug in der Luxusklasse. Daimler AG, 15. April 2021, abgerufen am 16. April 2021 (Offizielle Webpräsenz).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h i j k l Patrick Lang: Mercedes EQS (2021), die elektrische S-Klasse: Luxus-Stromer mit Diesel-Reichweite. In: auto-motor-und-sport.de. 15. April 2021, abgerufen am 15. April 2021.
  2. a b c d https://www.handelsblatt.com/mobilitaet/motor/elektro-studie-so-koennte-die-elektrische-alternative-zur-s-klasse-aussehen-der-mercedes-vision-eqs/25368950.html?ticket=ST-46948-1PfgK6wwNU0nAtcIfGvP-ap3
  3. a b c auto-motor-und-sport.de vom 10. September 2019, Kommt die elektrische S-Klasse schon 2020?
  4. https://www.elektroauto-news.net/2019/mercedes-benz-vision-eqs-showcar-aus-der-zukunft
  5. Mercedes EQS mit aktiver Ambientebeleuchtung. jesmb.de, 1. Mai 2021, abgerufen am 2. Mai 2021.
  6. a b https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/autokatalog/marken-modelle/mercedes/mercedes-eqs, abgerufen am 3. Mai 2021.
  7. Gerd Stegmaier: Warum Luftwiderstand bei E-Autos wichtig ist. In: auto-motor-und-sport.de. 6. April 2021, abgerufen am 16. April 2021.
  8. Thomas Geiger: Elektro-Flaggschiff Mercedes EQS. Auto Zeitung, 16. April 2021, abgerufen am 5. Mai 2021.
  9. automobil-produktion.de vom 23. Oktober 2019, Mercedes Vision EQS: Gefahr für die S-Klasse