Boulay-Moselle

französische Gemeinde

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Boulay-Moselle
Wappen von Boulay-Moselle
Boulay-Moselle (Frankreich)
Boulay-Moselle
Region Grand Est
Département Moselle
Arrondissement Forbach-Boulay-Moselle
Kanton Boulay-Moselle (Hauptort)
Gemeindeverband Houve-Pays Boulageois
Koordinaten 49° 11′ N, 6° 30′ OKoordinaten: 49° 11′ N, 6° 30′ O
Höhe 202–365 m
Fläche 19,55 km2
Einwohner 5.587 (1. Januar 2017)
Bevölkerungsdichte 286 Einw./km2
Postleitzahl 57220
INSEE-Code
Website Ville de Boulay-Moselle
Kirche Saint-Étienne
Synagoge in Boulay

Boulay-Moselle (kurz Boulay, deutsch Bolchen) ist eine französische Gemeinde mit 5587 Einwohnern (Stand 1. Januar 2017) im Département Moselle in der Region Grand Est (bis 2015 Lothringen). Bis zum 31. Dezember 2014 war sie der Hauptort des Arrondissements Boulay-Moselle (Unterpräfektur) sowie des Kantons Boulay-Moselle. Seit 2015 liegt sie im Arrondissement Forbach-Boulay-Moselle, Die Einwohner Boulays nennen sich Boulageois. Ihre Spitznamen sind Rachborn oder Ratschborn, was Brunnen der Geschwätzigkeit bedeutet.[1] auch „Bolcher Saaslecker“.

GeographieBearbeiten

Die Kleinstadt Boulay liegt östlich des Niedtales, etwa auf halbem Weg zwischen Metz und Saarlouis. Seit 1973 gehört der drei Kilometer südöstlich des Kernortes gelegene Ortsteil Halling-lès-Boulay (deutsch: Hallingen) zu Boulay-Moselle.

GeschichteBearbeiten

Boulay wurde im Jahre 1184 erstmals als Bollei, dann 1293 als Bolke, 1487 als Bolchen und 1576 als Bolichen erwähnt. 1321 erhielt der Ort Stadtrechte; seit 1614 war er Sitz einer Grafschaft und fiel 1766 an Frankreich. Das Schloss – errichtet anstelle einer mittelalterlichen Burg – ist in der Französischen Revolution untergegangen. Im Jahr 1861 hatte Bolchen 2968 Einwohner.[2]

Wie die anderen Gemeinden des Départements Moselle wurde Boulay 1871 gemäß dem Vorfrieden von Versailles (Art. 1) an das Deutsche Kaiserreich abgetreten und erhielt als Bestandteil des Reichslands Elsaß-Lothringen den amtlichen Namen Bolchen. Um 1900 hatte Bolchen eine evangelische Kirche, eine katholische Kirche, eine Synagoge, eine Oberförsterei und war Sitz eines Amtsgerichts.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam die Gemeinde aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags an Frankreich, wurde aber während des Zweiten Weltkriegs unter deutscher Besatzung wieder zu Bolchen. Während der Kämpfe gegen Kriegsende im November 1944 wurde der Ort weitgehend zerstört.

DemographieBearbeiten

Jährliche Bevölkerungszahlen während der Zugehörigkeit zum Reichsland Elsaß-Lothringen (1871–1919)
Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen
1872 2870 [3]
1890 2281 [2]
1900 2137 meist katholische Einwohner[4]
1905 2202 [2]
1910 2218 [2]
Anzahl Einwohner seit Ende des Zweiten WeLtkriegs
Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2017
Einwohner 2985 3314 3830 4336 4422 4374 4711 5587

SehenswürdigkeitenBearbeiten

In der Kirche Saint-Étienne (ehemalige Stiftskirche aus dem 18. Jahrhundert) befindet sich eine berühmte Orgel aus der nahen Zisterzienserabtei Villers-Bettnach, die 1729 von Joseph Le Picard gebaut wurde.

Die jüdische Gemeinde Boulay-Moselle errichtete im Jahr 1952 eine neue Synagoge an Stelle eines zerstörten neoromanischen Vorgängerbaus von 1854. Im Ort besteht ebenfalls ein jüdischer Friedhof.

Die Banlieue Saint-Jean, ein ehemaliges Wohngebiet für Militärs, ist international als „Geisterstadt Boulay“ bekannt. Die Geheimniskrämerei der Behörden und der Polizei machen den Platz zu einem Wallfahrtsort für „Geisterjäger“.

SpezialitätenBearbeiten

Die Makronen von Boulay.

StädtepartnerschaftBearbeiten

Am 4. Juni 2006 konnte Boulay eine 40-jährige aktive Partnerschaft mit der oberschwäbischen Stadt Mengen feiern.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Friedrich Toepfer: Beilagen. VIII. Die Herren von Bolchen. In: ders. (Bearb.): Urkundenbuch für die Geschichte des graeflichen und freiherrlichen Hauses der Voegte von Hunolstein, Bd. II. Jacob Zeiser, Nürnberg 1867, S. 464–467 (Google-Books)

WeblinksBearbeiten

Commons: Boulay-Moselle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Passé-Présent : La Moselle dévoilée N°5 (Janvier-Février 2012)
  2. a b c d M. Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006)
  3. Vollständiges geographisch-topographisch-statistisches Orts-Lexikon von Elsass-Lothringen. Enthaltend: die Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Gemeinden, Weiler, Berg- und Hüttenwerke, Höfe, Mühlen, Ruinen, Mineralquellen u. s. w. mit Angabe der geographischen Lage, Fabrik-, Industrie- u. sonstigen Gewerbethätigkeit, der Post-, Eisenbahn- u. Telegraphen-Stationen u. geschichtlichen Notizen etc. Nach amtlichen Quellen bearbeitet von H. Rudolph. Louis Zander, Leipzig 1872, Sp. 7 (online)
  4. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 3, Leipzig/Wien 1905, S. 174 (Zeno.org)