Rennerod

Gemeinde in Deutschland

Rennerod ist eine Stadt im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Sie ist Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Rennerod, der sie angehört. Rennerod ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.[2]

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Rennerod
Rennerod
Deutschlandkarte, Position der Stadt Rennerod hervorgehoben

Koordinaten: 50° 37′ N, 8° 4′ O

Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Westerwaldkreis
Verbandsgemeinde: Rennerod
Höhe: 460 m ü. NHN
Fläche: 18,14 km2
Einwohner: 4398 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 242 Einwohner je km2
Postleitzahl: 56477
Vorwahl: 02664
Kfz-Kennzeichen: WW
Gemeindeschlüssel: 07 1 43 286
Stadtgliederung: 2 Stadtteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Hauptstraße 55
56477 Rennerod
Website: www.stadt-rennerod.de
Stadtbürgermeister: Raimund Scharwat (SPD)
Lage der Stadt Rennerod im Westerwaldkreis
Karte

Im Stadtgebiet lag bis zur Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990 der geographische Mittelpunkt der Bundesrepublik Deutschland.

Geographische LageBearbeiten

Rennerod liegt im Westerwald an der Bundesstraße 54 (B 54) zwischen Limburg an der Lahn im Süden und Siegen im Norden und wird vom Holzbach durchflossen. Nordöstlich der Stadt befindet sich der 612,6 m hohe Alsberg, etwa drei Kilometer nordnordöstlich die Breitenbachtalsperre, welche den Breitenbach (östlicher Nister-Zufluss) aufstaut.

StadtgliederungBearbeiten

Die Stadt besteht aus der Kernstadt Rennerod und dem Ortsteil Emmerichenhain.

GeschichteBearbeiten

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Rennerod als Reynderode im Jahr 1217. Die Gründung dürfte aber auf die Karolingerzeit zurückgehen. Bedeutend war die Siedlung wegen ihrer Lage an mehreren Handelsstraßen, die das Siegerland, Koblenz, Frankfurt, das Lahngebiet und Mainz verbanden. Auf den Salzhandel auf dieser Strecke verweisen die Flurnamen „Seltzerweg“ und „Selßer Heck“. Vermutlich in der Mitte des 11. Jahrhunderts wurde die Siedlung von den Grafen von Diez umhegt, wohl auch, um die Nordgrenze des Niederlahngaus zu schützen.

Nach den Grafen von Diez waren die Nassauer Linien Nassau-Diez Landesherren, ab 1420 zur Hälfte und seit 1557 zu drei Vierteln Nassau-Dillenburg, zudem Eppstein-Königstein, Kurtrier, Katzenelnbogen und die Landgrafschaft Hessen. Ab 1564 gehörte Rennerod vollständig zu Nassau-Dillenburg, ab 1606 zu Nassau-Beilstein, ab 1620 zu Nassau-Hadamar, ab 1717 zu Nassau-Diez, ab 1743 zu Nassau-Oranien und ab 1806 zum Großherzogtum Berg. Das Haus Merenberg hatte erheblichen Besitz in der Renneroder Gemarkung. Das Haus Runkel besaß das Kirchenpatronat sowie weitere grundherrliche Rechte. Weitere Rechte lagen bei den Herren von Westerburg sowie weiteren Adelshäusern und kirchlichen Institutionen.

Spätestens 1452 war Rennerod erstmals Sitz eines Zentgrafen und damit eines Gerichts. Bis 1591 setzte sich Rennerod als Marktort und Verwaltungssitz endgültig gegen Emmerichenhain durch, das zeitweise ebenfalls den Gerichtssitz innehatte. Die Halsgerichtsbarkeit wurde aber nur bis etwa 1650 in Rennerod vollstreckt. Der letzte urkundliche Beleg für einen dortigen Zehntgrafen datiert auf 1731. 1720 wurde ein neues Amt eingerichtet, das in den folgenden Jahren die Funktionen des Gerichtsbezirks übernahm. Der Amtmann saß zunächst in Rennerod, später in Westernohe, und ab 1744 wurde die Amtsverwaltung von Hadamar aus wahrgenommen. Ab 1775 war Rennerod erneut Sitz des Amtes Rennerod, das bis in die Zeit des Herzogtums Nassau bestehen blieb.

Kirchlich wurde Rennerod zunächst von Seck aus betreut. 1344 fiel das Kirchspiel an das Stift Gemünden. 1362 wurde die erste Kapelle in Rennerod errichtet, die Marie und dem Heiligen Huprecht geweiht war. 1565 wurde Rennerod lutherisch. Nach verschiedenen Verschiebungen der Pfarrbezirke als Folge der Reformation wurde 1614 eine eigene Pfarrei für Rennerod eingerichtet, die auch für einige umliegende Orte zuständig war. Im folgenden Jahr entstand ein erstes Pfarrhaus. Zwischen 1614 und 1631 wurde die Kapelle zur Pfarrkirche ausgebaut. 1631 wurde die Pfarrei wieder katholisch. 1777 musste der baufällige Turm der Kirche eingerissen und im folgenden Jahr kleiner wieder aufgebaut werden. 1876 folgte ein kompletter Neubau der Kirche. 1665 entstand die St.-Antons-Kapelle.

Ab 1609 ist für Rennerod ein Schulmeister verbürgt, für 1738 ein Schulhaus. 1750 entstand das (reformierte) Pfarr- und Schulhaus aus dem renovierten Haus der Zehntgrafenfamilie Flick. Ab 1812 diente es als Gendarmeriekaserne und als Fourage-Magazin. Nach der Aufhebung der reformierten Gemeinde kaufte die katholische Gemeinde es 1817 als Pfarrhaus.

Haupterwerbsquelle für Rennerod war über die Jahrhunderte hinweg die Landwirtschaft. Durch die Lage an der Fernstraße gab es zahlreiche Wirtshäuser. Noch im 18. Jahrhundert wurde Braunkohle abgebaut, allerdings mit geringem Ertrag. Für das 16. und 18. Jahrhundert sind Mühlstein-Steinbrüche belegt. Ein Vieh- und Krammarkt ist erstmals 1742 und letztmals 1811 belegt, eine Mühle erstmals 1454.

Die heutige Gemeinde wurde am 7. Juni 1969 im Rahmen der Gebietsreform aus den Gemeinden Emmerichenhain und Rennerod neu gebildet.[3] Am 14. März 1971 erhielt Rennerod die Stadtrechte.[3] 1972 wurde Rennerod Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Rennerod, der die Stadt Rennerod sowie 22 eigenständige Ortsgemeinden angehören.

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Rennerod, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2]

Jahr Einwohner
1557 54 Leute
1599 31 Häuser
1665 30 Haushalte mit Kühen
1720 63 Häuser
1777 139 Familien
1815 1.435
1835 1.937
1871 1.790
1905 1.600
Jahr Einwohner
1939 2.212
1950 2.153
1961 2.427
1970 3.406
1987 3.469
1997 3.935
2005 3.960
2011 4.064
2017 4.366

EmmerichenhainBearbeiten

Emmerichenhain wurde im Jahr 1258 erstmals erwähnt. Der Ortsname ist auf den Personennamen eines Imbricho oder Embricho zurückzuführen. Im Grafenhaus des Niederlahngaus, dem späteren Haus Diez, kam dieser Name im 11. Jahrhundert mehrfach vor, so dass dort der Ursprung des Orts zu suchen sein dürfte, auch wenn er selbst knapp außerhalb des Gaus lag. Auch diese Gründung dürfte durch die Lage an wichtigen Handelsstraßen und der Furt über die Nister angestoßen worden sein.

1555 verlieh Kaiser Karl V. den Grafen von Nassau-Beilstein das Recht, jährlich zwei Jahrmärkte in Emmerichenhain abzuhalten. Spätestens 1258 war der Ort zudem Gerichtssitz und mit Marienberg und Neukirch Zentrum eines der drei Kirchspiele der Herrschaft zum Westerwald, von 1613 an gehörte es verschiedenen Territorien des Hauses Nassau an, in der napoleonischen Zeit kurzzeitig dem Herzogtum Berg. Zumindest zeitweise im 16. Jahrhundert fungierte das Gericht zu Emmerichenhains auch als Berufungsgericht für alle Gerichte der Herrschaft. Bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts übernahm jedoch Rennerod die Funktion als Marktort und Gerichtssitz.

Die dem Heiligen Laurentius geweihte Kirche ist vermutlich zusammen mit dem Ort entstanden. Sicher handelte es sich um eine Tochterkirche der Kirche in Herborn, dem Hauptort der Herborner Mark. 1717 wurde der Vorgängerbau der heutigen Kirche bis auf die Grundmauern abgebrochen und der Kirchenbau neu errichtet. 1743 stürzte der Turm dieses Bauwerks ein und wurde im Folgejahr neu errichtet. Das Pfarrhaus wurde 1635 beim Durchzug von Söldnertruppen niedergebrannt, 1715 und 1807 folgten Neubauten. 1532 wurde die Reformation im Ort eingeführt.

Die Kirche war Zentrum eines Kirchspiels, dessen Gebiet weitgehend deckungsgleich mit dem des Gerichts Emmerichenhain ist. Für das 15. und 16. Jahrhundert sind folgende Orte in Kirchspiel und Gericht überliefert: Homberg, Möhrendorf, Niederroßbach, Nister, Oberroßbach, Rehe, Salzburg, Waigandshain, Zehnhausen sowie mehrere damals schon wüste Orte. Spätestens 1534 gab es einen eigenen Schultheiß für das Kirchspiel. Spätestens 1589 war im Ort eine Schule für das gesamte Kirchspiel eingerichtet, die vor 1634 ein eigenes Haus bekam. 1737 erfolgte der Neubau eines Schulhauses. Seit dem 17. Jahrhundert entstanden an mehreren Orten des weit gespannten Kirchspiels eigene Filialschulen. 1685 werden erstmals jüdische Bewohner erwähnt.

Eine Mühle wird erstmals 1485 erwähnt. Spätestens 1562 diente sie den Landesherren für den Fall ihrer Anwesenheit in der Herrschaft als Unterkunft, war entsprechend reich eingerichtet und der einzige Steinbau neben den Kirchen der drei Kirchspiele in der Herrschaft. Zugleich diente die Mühle als Wirtshaus. Insgesamt beherbergte Emmerichenhain für einen Ort seiner Größe eine sehr große Zahl von Wirtshäusern, was auf die Lage an wichtigen Handelsstraßen zurückzuführen ist. 1614 ist der Ort als Sitz eines Scharfrichters verbürgt, der später auch Abdecker für die gesamte Herrschaft auf dem Westerwald war. 1663 errichtete Nassau-Diez einen Wirtschaftshof im Ort, der 1750 zur Außenstelle des Gestüts Dillenburg wurde, um die Pferdezucht in der Region zu verbessern. 1773 wurde eine Holzbrücke über die Nister fertiggestellt. 1783 wurde in Emmerichenhain die erste Apotheke für die Ämter Rennerod und Marienberg eingerichtet, 1803 kam der Amtsphysikus für diese beiden Ämter sowie für das Amt Mengerskirchen hinzu.

1534 werden für den Ort acht Vogtleute und acht Nassau-Beilsteiner Eigenleute erwähnt. 1577 gab es elf dienstpflichtige Häuser, 1622 zehn Häuser, 1643 sind noch fünf Einwohner verzeichnet, 1711 wieder 15 Familien. 1741 wird erstmals eine Gesamtzahl der Einwohner mit 185 genannt und 1807 insgesamt 305 Einwohner.

WüstungenBearbeiten

Mehrere Wüstungen sind für die heutige Renneroder Gemarkung belegt. Finkenhain lag rund 1,5 Kilometer östlich von Rennerod, nördlich der Höhe Funkenhahn. Der Ort wird 1213 erstmals erwähnt. Himmenhain wird erstmals 1213 erstmals genannt. Seiblingen wird 1525 erstmals erwähnt. Das 1408 erstmals genannte Seitenstein lag 1,5 Kilometer westlich von Rennerod an der Grenze zu Gemünden und war wohl nur ein Gehöft. Der 1431 erstmals genannte Fuhrmannshof lag in etwa an dem heutigen Berührungspunkt der Gemarkungen Westernohe, Rehe und Oberrod. Überliefert ist, dass dort 1525 die Grenze zwischen dem diezischen Rennerod und dem beilsteinischen Rehe quer über den Gasthofstisch verlief. Nordwestlich von Emmerichenhain lag Murndorf, das 1362 erstmals erwähnt wird. Bereits 1440 scheint der Ort erstmals wüst gelegt, danach aber wieder besiedelt worden zu sein. Spätestens 1607 muss er endgültig wüst geworden sein. 1534 werden für Murndorf zwei Vogtleute und ein Nassau-Beilsteiner Eigenmann genannt, 1577 zwei dienstpflichtige Häuser. Breidenbach lag rund 600 m nordöstlich von Emmerichenhain. Der Ort wurde 1360 erstmals erwähnt und war ebenfalls spätestens 1607 wüst.

PolitikBearbeiten

StadtratBearbeiten

Stadtratswahl 2019 Rennerod
Beteiligung: 52,4 % (−7,3 %)
 %
40
30
20
10
0
32,4
28,3
22,4
16,9
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-7,9
+1,4
+5,8
+0,7

Der Stadtrat in Rennerod besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Stadtrat:

Wahl SPD CDU FDP FWG WGE Gesamt
2019[4] 6 7 4 3 20 Sitze
2014[5] 6 8 3 3 20 Sitze
2009 6 7 3 4 20 Sitze
2004 6 8 0 3 3 20 Sitze
  • WGE = Wählergemeinschaft Emmerichenhain e. V.

BürgermeisterBearbeiten

Stadtbürgermeister von Rennerod ist Raimund Scharwat (SPD). Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde er mit einem Stimmenanteil von 76,63 % in seinem Amt bestätigt.[6]

WappenBearbeiten

Das Stadtwappen zeigt in blau zwei übereinander schreitende rot-bewehrte und -gezungte goldene Löwen. Dem seit 1816 existierenden Nassauischen Gemeindesiegel nachempfunden, wurde es am 21. Mai 1940 als Ortswappen genehmigt.

KulturBearbeiten

Jedes Jahr drei Wochen nach Pfingsten findet in Rennerod das Kirchweihfest, die Hubertuskirmes, statt.

Siehe auchBearbeiten

Liste der Kulturdenkmäler in Rennerod

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

StraßenverkehrBearbeiten

EisenbahnBearbeiten

Militärische EinrichtungBearbeiten

SchulenBearbeiten

In Rennerod befinden sich die Steinsberg-Grundschule sowie die Realschule Plus „Hoher Westerwald“.

In Rennerod geborenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Hellmuth Gensicke: Zur nassauischen Ortsgeschichte: Kirchspiel und Gericht Neukirch. In: Nassauische Annalen 1981, S. 150–168.
  • Ders.: Zur nassauischen Ortsgeschichte: Gericht und Kirchspiel Rennerod. In: Nassauische Annalen 1984, S. 239–254.
  • Ders.: Kirchspiel und Gericht Emmerichenhain. In: Verein für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung (Hrsg.): Nassauische Annalen. Band 101. Verlag des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, Wiesbaden 1990, S. 231–254.

WeblinksBearbeiten

Commons: Rennerod – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Bevölkerungsstand 2019, Kreise, Gemeinden, Verbandsgemeinden (Hilfe dazu).
  2. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Regionaldaten.
  3. a b Amtliches Gemeindeverzeichnis (= Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz [Hrsg.]: Statistische Bände. Band 407). Bad Ems Februar 2016, S. 177, 187 (PDF; 2,8 MB).
  4. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Gemeinderatswahl 2019 Rennerod. Abgerufen am 12. November 2019.
  5. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  6. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Direktwahlen 2019. siehe Rennerod, Verbandsgemeinde, 15. Ergebniszeile. Abgerufen am 12. November 2019.
  7. SPNV Nord, 60. Verbandsversammlung, TOP 6: Deutschlandtakt: Bewertung des aktuellen Planungsstandes aus Sicht des SPNV-Nord, 5. Dezember 2018, S. 60, abgerufen am 20. Dezember 2018