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Höhr-Grenzhausen

Gemeinde im Kannenbäckerland im Westerwald, Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Höhr-Grenzhausen
Höhr-Grenzhausen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Höhr-Grenzhausen hervorgehoben
Koordinaten: 50° 26′ N, 7° 40′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Westerwaldkreis
Verbandsgemeinde: Höhr-Grenzhausen
Höhe: 250 m ü. NHN
Fläche: 15,89 km2
Einwohner: 9260 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 583 Einwohner je km2
Postleitzahl: 56203
Vorwahl: 02624
Kfz-Kennzeichen: WW
Gemeindeschlüssel: 07 1 43 032
Stadtgliederung: 3 Stadtteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Rathausstraße 48
56203 Höhr-Grenzhausen
Website: www.hoehr-grenzhausen.de
Stadtbürgermeister: Michael Thiesen
Lage der Stadt Höhr-Grenzhausen im Westerwaldkreis
Karte

Höhr-Grenzhausen ist eine Stadt im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Sie ist ein Mittelpunkt der keramischen Industrie im Kannenbäckerland mit der Fachhochschule für Keramik oder Schule für Keramische Gestaltung, daher auch der Beiname „Kannenbäckerstadt“.

Höhr-Grenzhausen, Luftaufnahme (2014)

Die Stadt gehört der gleichnamigen Verbandsgemeinde an, deren Sitz sie auch ist. Höhr-Grenzhausen ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort und gemäß Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen.[2]

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

GrenzhausenBearbeiten

Grenzhausen ist erstmals 1281 urkundlich erwähnt. Der Ort scheint zunächst isenburgisch, später zwischen Wied und Kurtrier geteilt gewesen zu sein. Grenzau erhielt 1346 Stadtrechte. Möglicherweise besaß Grenzhausen im 14. Jahrhundert bereits eine eigene Pfarrei, allerdings gehörte es 1504 der Pfarrei Vallendar an. Die Ersterwähnung der Kirche datiert auf 1510, das Bauwerk lässt sich aber aufgrund seines romanischen Westturms auf das Früh- oder Hochmittelalter zurückführen. 1578 wurde in Grenzhausen die Reformation eingeführt.

Während des Dreißigjährigen Kriegs ereignete sich nahe Grenzhausen eine Schlacht zwischen bayerischen Truppen unter Johann von Werth und hessischen Truppen, die die Hessen verloren. Sie hatten versucht, den Belagerungsring zu brechen, den Werth um die französische Besatzung der Festung Ehrenbreitstein gelegt hatte.

1878 erfolgte ein tiefgreifender Umbau der Kirche in Grenzhausen, bei dem ein gotischer Chor und ein Schiff durch Neubauten ersetzt wurden. 1879 wurde Grenzhausen Sitz eines Amtsgerichts. Ende des 19. Jahrhunderts ging im Ort eine Farbenmühle in Betrieb.

Für Grenzhausen sind im Jahr 1664 33 Häuser überliefert, für das Jahr 1734 108 Familien, davon 47 Kannenbäcker- (Töpfer-) und acht Tabakpfeifenmacherfamilien. 1789 werden 1000 Einwohner genannt, 1832 930 und 1885 1577.

GrenzauBearbeiten

Der heutige Stadtteil Grenzau geht auf die gleichnamige Burg zurück, in deren Burgfrieden es gemeinsam mit Kammerforst lag. In einem Dokument aus dem Jahr 1338 ist von einem Haus und einer Vorburg an der Burg Grenzau die Rede. Dabei dürfte es sich um den Kern des Dorfes Grenzau gehandelt haben. Dieses erhielt 1346 von Balduin von Luxemburg Stadtrechte nach Frankfurter Recht, die aber nie zur Anwendung kamen. Auch nachdem die Burg nicht mehr genutzt wurde, blieb der Burgfriedensbezirk bestehen, so dass die Bewohner von Grenzau noch 1756 frei von Fronsdiensten waren. Der Ort scheint zeitweise eng mit Kammerforst verbunden gewesen zu sein. Im Jahr 1723 werden Grenzau und Kammerforst als gemeinsame Gemeinde genannt, 1813 ist ein gemeinsamer Bürgermeister für beide erwähnt. Im Jahr 1775 hatte Kammerforst jedoch einen eigenen Bürgermeister.

Sitz der zuständigen Pfarrei war bis zur Einführung der Reformation 1578 Alsbach, danach Nauort. Bis zum Bau der Kirche St. Peter und Paul im Jahr 1792 nutzten die Grenzauer die Burgkapelle. Im Jahr 1785 wird erstmals eine Schule im Ort genannt.

Die Wirtschaft im Ort beschränkte sich im 17. Jahrhundert im Wesentlichen auf das Töpfer-, Woll- und Leinenwebergewerbe. Landwirtschaft wurde nur im geringen Maß und vor allem als Grünlandbewirtschaften betrieben. Von Bedeutung war das 1614 erstmals erwähnte Wirtshaus, das über Bannrecht verfügte und für das 1631 ein stattlicher Fachwerkbau errichtet wurde. Auch scheint es im 17. Jahrhundert Hopfenanbau und zuvor Weinbau gegeben zu haben. Eine Mühle ist erstmals im Jahr 1464 nachgewiesen. 1666 wurde zudem eine Ölmühle errichtet, die 1752 aber als verfallen bezeichnet wird. 1804 wird ein Steinbruch in der Gemarkung erwähnt.

Erste Angaben zur Bevölkerung datieren auf 1720 und erwähnen 30 Hausstätten. 1723 sind 21 Ehen und zwei Witwen erwähnt, 1813 37 Familien, 23 von ihnen mit Zugvieh. Im Jahr 1787 werden 143 Einwohner genannt, im Jahr 1823 169 und im Jahr 1826 193.

Höhr-GrenzhausenBearbeiten

Die Stadt Höhr-Grenzhausen wurde am 1. April 1936 aus den vorher eigenständigen Gemeinden Höhr, Grenzhausen und Grenzau gebildet. Gleichzeitig wurde die neue Gemeinde zur Stadt erhoben.

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Höhr-Grenzhausen bezogen auf das heutige Stadtgebiet; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2][1]

Jahr Einwohner
1815 1.902
1835 2.523
1871 3.213
1905 5.537
1939 5.936
1950 7.026
Jahr Einwohner
1961 8.402
1970 8.430
1987 8.199
1997 10.064
2005 9.790
2018 9.260

PolitikBearbeiten

StadtratBearbeiten

Der Stadtrat in Höhr-Grenzhausen besteht aus 24 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Stadtrat:[3]

Wahl SPD CDU Grüne FDP FWG Gesamt
2014 5 7 3 9 24 Sitze
2009 6 8 2 1 7 24 Sitze
2004 5 10 2 1 6 24 Sitze
  • FWG = Freie Wählergruppe Kannenbäckerland e. V.

WappenBearbeiten

Die Wappenbeschreibung lautet: „Das Wappen zeigt in Silber drei blaue Frankfurter Kannen“.

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Höhr-Grenzhausen unterhält Städtepartnerschaften mit der italienischen Stadt Laigueglia/Riviera (seit 1972) und der französischen Stadt Semur-en-Auxois/Burgund (seit 1987).

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

MuseenBearbeiten

In der Stadt befinden sich das Keramikmuseum Westerwald mit einer Sammlung historischer und zeitgenössischer moderner Keramik und ein Museum für Stadtgeschichte. Ferner gibt es das private Keramikmuseum im Kannenofen („Töpferei und Museum im Kannenofen“[4]) in einem der letzten erhaltenen Brennofengebäude (technisches Denkmal) für das ehemals im offenen Holzfeuer bei 1250 °C gebrannte typische blau-graue salzglasierte Westerwälder Steinzeug.

Außerdem gab es seit 2007 in der Kasinostraße ein Kultur-Kasino[5] mit einem angeschlossenen kleinen Kaffee, in dem wechselnde Keramik-Ausstellungen zu besichtigen waren. Im März 2016 wurde es neu eröffnet.

BauwerkeBearbeiten

→ Hauptartikel Kleinkastell Ferbach.

SportBearbeiten

Im Stadtteil Grenzau von Höhr-Grenzhausen ist der Tischtennis-Bundesligist TTC Zugbrücke Grenzau zu Hause, auch der rheinland-pfälzische Olympiastützpunkt Tischtennis befindet sich dort.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

WirtschaftBearbeiten

Der größte Arbeitgeber in Höhr-Grenzhausen ist die Firma Steuler Holding GmbH mit ca. 600 Mitarbeitern am Standort Höhr-Grenzhausen (ca. 2500 Mitarbeiter weltweit). Die Steuler-Gruppe produziert insbesondere Spezialkeramiken für den Einsatz in Industrie und Anlagenbau. Neben Steuler sind noch ungefähr 20 kleinere Keramikbetriebe, meist in Familienhand, in Höhr-Grenzhausen ansässig, die sich überwiegend auf künstlerische Keramik spezialisiert haben. Einmal im Jahr (Juni) findet in Höhr-Grenzhausen einer der größten Keramikmärkte in Deutschland statt.

Der Verband der Feuerfest-Industrie e. V. wird von Bonn in einen Neubau nahe der Fachhochschule in Höhr-Grenzhausen ziehen.[6]

Weiterhin sind in Höhr-Grenzhausen die RASTAL GmbH & Co. KG (450 Beschäftigte in Höhr-Grenzhausen) und die SAHM GmbH + Co. KG (ca. 500 Mitarbeiter im Stammwerk in Höhr-Grenzhausen) ansässig. Beide Unternehmen sind als Hersteller dekorierter Trinkgefäße, vor allem Biergläser, tätig.

Außerdem ist in Höhr-Grenzhausen das Softwareunternehmen IBS mit 175 Mitarbeitern am Standort ansässig. Weiterhin im Stadtteil Höhr ansässig ist der Verlag Linus Wittich. Er gibt in ganz Rheinland-Pfalz sowie Deutschland Amts- und Mitteilungsblätter heraus. In der Verlagsgruppe sind etwa 900 Mitarbeiter beschäftigt.

TourismusBearbeiten

Höhr-Grenzhausen verfügt über zwei große Vier-Sterne-Superior Hotels, die es zusammen mit weiteren Privatzimmern und Ferienwohnungen auf über 110.000 Übernachtungen im Jahr bringen. Die meisten Touristen besuchen Höhr-Grenzhausen wegen der Keramikbetriebe, des Keramikmuseums oder der zahlreichen Wander-/Rad- und Nordic-Walking-Wege in der Umgebung.[7]

RadwanderwegeBearbeiten

Durch Höhr-Grenzhausen führt der Deutsche Limes-Radweg. Dieser folgt dem Obergermanisch-Raetischen Limes über 818 km von Bad Hönningen am Rhein nach Regensburg an der Donau.

VerkehrBearbeiten

Der Bahnhof Höhr-Grenzhausen lag an einem Zweig der Bahnstrecke Engers–Au, während des Sommermonaten und zu Veranstaltungen führt der Brexbachtalbahn e. V., welcher sich für die Wiederinbetriebnahme des Eisenbahnstrecke für den SPNV einsetzt, einige Sonderfahrten pro Jahr mit Schienenbussen durch.

Die nächsten Anschlussmöglichkeiten an den Eisenbahnnahverkehr bestehen am Bahnhof Koblenz-Ehrenbreitstein sowie dem Bahnhof Engers. Anschluss an den Eisenbahnfernverkehr besteht am Hauptbahnhof Koblenz sowie am Bahnhof Montabaur.

Es verkehren verschiedene Buslinien, u. a. als Teil des Koblenzer Stadtbusses (EVM).

BildungBearbeiten

HochschulenBearbeiten

In Höhr-Grenzhausen befindet sich ein Campus der Hochschule Koblenz, der sich speziell auf die Fachbereiche Künstlerische Keramik sowie Werkstofftechnik Glas und Keramik spezialisiert hat und zukünftige Bachelors bzw. Masters of Engineering ausbildet.[8][9]

SchulenBearbeiten

Höhr-Grenzhausen verfügt mit der Goethe-Schule über eine Grundschule. Darüber hinaus gibt es ein Schulzentrum mit der Ernst-Barlach-Realschule plus und dem Gymnasium im Kannenbäckerland. Außerdem gibt es eine Fachschule für Keramiktechnik und Keramikgestaltung. Es befindet sich ebenfalls eine Berufsschule der BBS Montabaur im Bereich Keramik dort. Die Schillerschule ist eine Förderschule für Kinder mit Lernbehinderung.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

  • Friedrich Held (1801–1878), Amtmann und Landtagsabgeordneter
  • Hermann Geisen (1899–1943), Kommunist, Spanienkämpfer und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus[10]
  • Werner Klein (1914–1964), Unternehmer und Politiker (FDP)
  • Hermann Hoffmann (1922–2010), Designer und Landwirt
  • Wendelin Stahl (1922–2000), Keramiker
  • Ernst Wolfgang Buchholz (* 1923), Sozialforscher, Soziologe und Bevölkerungswissenschaftler
  • Paul Zimmerling (1927–2006), Künstler (Keramik)
  • Karlheinz Zöller (1928–2005), Flötist
  • Manfred Reimann (* 1928), Politiker (SPD)
  • Anni Schneider (1930–2001), Politikerin (SPD)
  • Heiner Balzar (* 1937), Keramiker
  • Klaus Budewig (* 1941), Präsident des Sächsischen Verfassungsgerichtshofs
  • Vera Vehring (* 1944), Künstlerin (Keramik)
  • Anke Maggauer-Kirsche (* 1948), deutsche Lyrikerin und Aphoristikerin
  • Ulrich Mäurer (* 1951), Jurist und Politiker (SPD)
  • Klaus Norbert Steuler, bis Januar 2011 leitete Klaus Norbert Steuler 23 Jahre die Steuler Industriewerke als Geschäftsführer.
  • Georg Steuler (1878–1952), gründete 1908 das Familienunternehmen Steuler Industriewerke. Er erfand weltweit den ersten säurebeständigen Glaskitt. Im Jahr 1910 begann Steuler mit der Produktion von säurefesten und feuerfesten Steinqualitäten in Höhr-Grenzhausen, wo der Hauptsitz der Firma noch heute ist.

LiteraturBearbeiten

  • Heribert Fries: Kurrimurri : Erinnerungen an die Kannenbäcker in Höhr-Grenzhausen. Stadt Höhr-Grenzhausen, Höhr-Grenzhausen 1993, ISBN 3-9801311-3-0.
  • Heribert Fries: Alt- Höhr- Grenzhausen, Hrsg.: Stadt Höhr-Grenzhausen, Höhr-Grenzhausen 1986
  • Werner Baumann, Angelika Mischler-Hoffmann: Euler, Hrsg.: Stadt Höhr-Grenzhausen, 1983
  • Angelika Mischler-Hoffmann: Die Fachsprache der Euler im Kannenbäckerland, Staatsexamensarbeit Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz 1979
  • Hellmuth Gensicke: Die Kirchspiele Alsbach und Grenzhausen. In: Nassauische Annalen. 68. Band, 1957, S. 246–261.
  • Hellmuth Gensicke: Grenzau und Kammerforst. In: Nassauische Annalen 73. Band (1962), S. 250–262

BilderBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Bevölkerungsstand 2018, Gemeindeebene (Hilfe dazu).
  2. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  4. Töpferei und Museum im Kannenofen (Memento des Originals vom 26. April 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/keramik-atlas.de offizielle Webpräsenz des Museums
  5. Kultur-Kasino offizielle Webpräsenz
  6. Mitteilung der Immobilien-Zeitung. Abgerufen am 12. April 2013.
  7. Buergerinfo der Stadt Höhr-Grenzhausen@1@2Vorlage:Toter Link/www.hoehr-grenzhausen.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 1,7 MB)
  8. Homepage des WesterwaldCampus der FH Koblenz (Memento des Originals vom 27. Oktober 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hs-koblenz.de
  9. Bildungs- und Forschungszentrum Keramik e.V.
  10. http://mahnmal-koblenz.de/index.php/dauerausstellung/personenverzeichnis/237--hermann-geisen-.html