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Erzurum (armenisch Arzen, kurdisch Erzirom) ist eine türkische Provinz im Osten Kleinasiens; die Hauptstadt der Provinz trägt den gleichen Namen, Erzurum. Die Provinz ist die viertgrößte der Türkei und ist umgeben von den Provinzen Bingöl, Muş, Artvin, Ardahan, Ağrı, Kars, Erzincan, Bayburt und Rize.

Erzurum
Nummer der Provinz: 25
BulgarienGriechenlandZypernGeorgienArmenienAserbaidschanIranIrakSyrienEdirneTekirdağİstanbulÇanakkaleYalovaBalıkesirBursaKocaeliSakaryaBilecikKütahyaİzmirManisaAydınMuğlaUşakDenizliDüzceBoluEskişehirAfyonkarahisarBurdurAntalyaIspartaZonguldakBartınKarabükÇankırıAnkaraKonyaKaramanMersinNiğdeAksarayKırşehirKırıkkaleÇorumKastamonuSinopSamsunAmasyaYozgatKayseriAdanaOrduTokatSivasGiresunOsmaniyeHatayKilisMalatyaK. MaraşGaziantepAdıyamanŞanlıurfaMardinBatmanDiyarbakırElazığErzincanTrabzonGümüşhaneTunceliBayburtRizeBingölArtvinArdahanKarsIğdırErzurumMuşAğrıBitlisSiirtŞırnakVanHakkariErzurum in Turkey.svg
Über dieses Bild
Landkreise
Erzurum location districts.png
Basisdaten
Koordinaten: 40° 4′ N, 41° 34′ OKoordinaten: 40° 4′ N, 41° 34′ O
Provinzhauptstadt: Erzurum
Region: Ostanatolien
Fläche: 25.006 km²
Einwohnerzahl: 767.848[1] (2018)
Bevölkerungsdichte: 30,7 Einwohner/km²
Politisches
Gouverneur: Okay Memiş[2]
Sitze im Parlament: 6
Strukturelles
Telefonvorwahl: 0442
Kennzeichen: 25
Website
www.erzurum.gov.tr (Türkisch)

GeografieBearbeiten

Erzurum hat eine Fläche von 25.006 km². Regional gesehen zählen 70 % von Erzurum zu Ostanatolien und 30 % zur Schwarzmeer-Region. Die Plateaus der Provinz liegen im Mittel 2000 m hoch, während die Berge um die 3000 m hoch sind. Die Mescit-Berge sind an ihrer höchsten Stelle 3239 m hoch und der Dumlu Dağı 3169 m. Ein weiterer als Erholungsort und Skigebiet bekannter Berg ist der 3124 m hohe Palandöken Dağı. Die Täler liegen auf einer Höhe von 1500 bis 1800 m. Wichtigste Flüsse sind der Aras und der Karasu, der nördliche Quellfluss des Euphrat, der hier entspringt.

VerwaltungsgliederungBearbeiten

Die Provinz ist seit 2008 in 20 İlçe gegliedert, die vom Siedlungsbild in ländlichen Bereichen einem Landkreis, in städtischen Ballungsräumen einem Stadtbezirk ähneln. 1993 wurde die alte Gemeinde Erzurum aufgelöst und an ihrer Stelle eine Großstadtgemeinde (Erzurum Büyükşehir Belediyesi) errichtet. Zu diesem Zweck wurde das alte Stadtgebiet auf mehrere Gemeinden (Belediye) aufgeteilt und mit diesen und angrenzenden Gemeinden die Großstadtgemeinde gebildet. Sukzessive wurde durch Gründung und Auflösung von Gemeinden und Überführungen von Dorf- (Köy) in Mahalle-Organisationen eine Einräumigkeit von Kommunalverwaltung (durch die Belediye) und staatlicher Verwaltung (durch das İlçe) hergestellt, so dass sich im Ergebnis das Gebiet der Einzelgemeinden mit dem jeweils gleichnamigen staatlichen Verwaltungsbezirk deckt. Nach einer Verwaltungsreform 2013/2014 umfasst das Gebiet der Großstadtgemeinde die gesamte Provinz. Die kommunalen Selbstverwaltungsorgane auf Provinzebene (İl Meclisi) wurden aufgelöst und ihre Zuständigkeiten auf die Verwaltung der Großstadtgemeinde übertragen. Die Provinz wurde damit zu einem rein staatlichen Verwaltungsbezirk.

İlçe kurdischer
Name
Fläche
in km² 1
Bevölkerung am 31.12.2018 2 Anzahl
der
Mahalles
Bevölkerungs
dichte (Einw. je km²)
Sex Ratio
Frauen auf
1000 Männer
 3
Gründungs
datum 4,5
Gesamt männlich weiblich
Aşkale 1.507 23.589 11.799 11.790 76 15,7 999 1934
Aziziye 1.529 62.289 32.078 30.211 72 40,7 942 1990
Çat Avî 1.448 17.389 9.021 8.368 45 12,0 928 1954
Hınıs Xinûs 1.367 26.865 13.768 13.097 98 19,7 951
Horasan Xoresan 1.740 39.445 20.090 19.355 87 22,7 963 1953
İspir 2.129 15.898 7.830 8.068 100 7,5 1030
Karaçoban Qereçoban 571 23.246 11.816 11.430 27 40,7 967 1987
Karayazı Gogsi 1.953 28.502 14.576 13.926 75 14,6 955 1937
Köprüköy Avnîk 777 16.178 8.313 7.865 42 20,8 946 1990
Narman 799 13.381 6.718 6.663 46 16,7 992 1954
Oltu 1.441 30.966 15.740 15.226 72 21,5 967
Olur Tawûsker 893 6.715 3.342 3.373 43 7,5 1009 1958
Palandöken 667 168.651 83.050 85.601 26 252,9 1031 2008
Pasinler 1.134 28.961 14.713 14.248 72 25,5 968
Pazaryolu 654 4.501 2.241 2.260 44 6,9 1008 1989
Şenkaya Bardîz 1.381 18.281 9.228 9.053 71 13,2 981 1946
Tekman Tatos 2.102 25.969 13.142 12.827 71 12,4 976 1946
Tortum 1.463 17.054 8.537 8.517 58 11,7 998
Uzundere 505 8.744 4.404 4.340 18 17,3 985 1987
Yakutiye 945 191.224 93.029 98.195 44 202,4 1056 2008
PROVINZ Erzurum 25.006 767.848 383.435 384.413 1187 30,7 1003

QuellenBearbeiten

1 Fläche 2014[3]
2 Bevölkerungsfortschreibung am 31. Dezember 2018[4]
3 Geschlechterverhältnis: Anzahl der Frauen auf 1000 Männer (berechnet)
4 PDF des Innenministeriums[5]
5 Landkreise, die erst nach Gründung der Türkei (1923) gebildet wurden.

Ende 2012 (dem letzten Tag der statistischen Erfassung der Dörfer) gab es in der Provinz 965 Dörfer (Köy), von denen 23 mehr als 1000 Einwohner hatten, aber 307 weniger als 100 Einwohner, zwei Dörfer hatten nur 7 Einwohner. Ende 2012 existierten außerdem 34 Gemeinden (Belediye) mit insgesamt 535.318 Einwohnern (das waren 68,8 % der Gesamtbevölkerung). Alle Dörfer und jene 14 Gemeinden, die kein Kreissitz waren, wurden in Mahalles umgewandelt, so dass zwischen 2012 und 2013 deren Anzahl von 332 auf 1179 stieg.

BevölkerungBearbeiten

Ergebnisse der BevölkerungsfortschreibungBearbeiten

Nachfolgende Tabelle zeigt die jährliche Bevölkerungsentwicklung nach der Fortschreibung durch das 2007 eingeführte adressierbare Einwohnerregister (ADNKS). Zusätzlich sind die Bevölkerungswachstumsrate und das Geschlechterverhältnis (Sex Ratio d. h. die rechnerisch ermittelte Anzahl der Frauen pro 1000 Männer) aufgeführt. Der Zensus von 2011 ermittelte 781.626 Einwohner, das sind über 150.000 Einwohner weniger als zum Zensus 2000.[6]

Jahr Bevölkerung am Jahresende Wachstums-
rate der Be-
völkerung
(in %)
Geschlechter
verhältnis
(Frauen auf
1000 Männer)
Rang
(unter den 81 Provinzen)
gesamt männlich weiblich
2018 767.848 383.435 384.413 0,97 1003 30
2017 760.476 379.227 381.249 -0,20 1005 29
2016 762.021 381.138 380.883 -0,04 999 29
2015 762.321 382.163 380.158 -0,13 995 29
2014 763.320 384.356 378.964 -0,44 986 29
2013 766.729 384.015 382.714 -1,47 997 27
2012 778.195 391.290 386.905 -0,34 989 26
2011 780.847 393.081 387.766 1,53 986 26
2010 769.085 384.630 384.455 -0,66 1000 25
2009 774.207 389.761 384.446 -0,10 986 25
2008 774.967 391.588 383.379 -1,27 979 24
2007 784.941 393.589 391.352 - 994 23
2000 937.389 482.199 455.190 944 21

VolkszählungsergebnisseBearbeiten

Nachfolgende Tabellen geben den bei den 15 Volkszählungen dokumentierten Einwohnerstand der Provinz Erzurum wieder. Die Werte der linken Tabelle entstammen E-Books (der Originaldokumente[7]) entnommen, die Werte der rechten Tabelle basieren aus der Datenabfrage des Türkischen Statistikinstituts TÜIK[8]

Jahr Bevölkerung
am Zensustag
Anteil
in %
Rang
Türkei Provinz Erzurum
1927 13.648.270 270.925 1,99 15
1935 16.158.018 385.387 2,39 10
1940 17.820.950 371.394 2,08 13
1945 18.790.174 395.876 2,11 13
1950 20.947.188 461.090 2,20 13
1955 24.064.763 517.739 2,15 11
1960 27.754.820 568.864 2,05 10
Jahr Bevölkerung
am Zensustag
Anteil
in %
Rang
Türkei Provinz Erzurum
1965 31.391.421 628.001 2,00 12
1970 35.605.176 684.951 1,92 12
1975 40.347.719 746.666 1,85 11
1980 44.736.957 801.809 1,79 14
1985 50.664.458 856.175 1,69 17
1990 56.473.035 848.201 1,50 20
2000 67.803.927 937.389 1,38 21
2011 74.525.696 781.626 1,05 25

Anzahl der Provinzen bezogen auf die Censusjahre:

  • 1927, 1940 bis 1950: 63 Provinzen
  • 1935: 57 Provinzen
  • 1955: 67 Provinzen
  • 1960 bis 1985: 73 Provinzen
  • 1990: 73 Provinzen
  • 2000: 81 Provinzen

Detaillierte VolkszählungsergebnisseBearbeiten

Jahr Gesamtbevölkerung Stadtbevölkerung Landbevölkerung
Gesamt männlich weiblich Gesamt männlich weiblich Gesamt männlich weiblich
1927 270.925 133.456 137.469 40.166 21.402 18.764 230.759 112.054 118.705
1935 385.387 189.467 195.920 45.809 23.715 22.094 339.578 165.752 173.826
1940 371.394 190.485 180.909 63.862 38.799 25.063 307.532 151.686 155.846
1945 395.876 203.943 191.933 68.440 41.892 26.548 327.436 162.051 165.385
1950 461.090 241.399 219.691 76.332 46.379 29.953 384.758 195.020 189.738
1955 519.976 278.943 241.033 108.826 65.631 43.195 411.150 213.312 197.838
1960 568.864 296.897 271.967 129.823 75.545 54.278 439.041 221.352 217.689
1965 628.001 324.977 303.024 152.183 86.314 65.869 475.818 238.663 237.155
1970 684.951 348.024 336.927 196.821 110.250 86.571 488.130 237.774 250.356
1975 746.666 389.557 357.109 241.467 134.620 106.847 505.199 254.937 250.262
1980 801.809 411.682 390.127 285.182 155.794 129.388 516.627 255.888 260.739
1985 856.175 435.276 420.899 350.955 190.850 160.105 505.220 244.426 260.794
1990 848.201 427.701 420.500 400.348 213.248 187.100 447.853 214.453 233.400
2000 937.389 482.199 455.190 560.551 298.759 261.792 376.838 183.440 193.398
2011 781.626 detaillierte Angabe fehlen

GeschichteBearbeiten

 
Das osmanische Vilayet Erzurum um 1900

In der Eisenzeit befand sich in der Umgebung von Erzurum vermutlich das Königreich Daiaeni, das aus einigen assyrischen Inschriften bekannt ist. Später war das Gebiet Teil des Reiches von Urartu. Nach dem Niedergang Urartus herrschten hier später die iranischen Achämeniden. Erzurum war danach Teil von verschiedenen Reichen und Dynastien. Dazu zählen die Artaxiden, Makedonen, Parther, Sassaniden, Tao-Klardschetien, Armenier, Römer, Byzantiner, Araber und diverse türkische Fürstentümer wie die Saltukiden. Erzurum war mehrmals die Grenze zweier rivalisierender Reiche, so z. B. Rom und Parthien oder Osmanisches Reich und Russland.

Die Hauptstadt Erzurum war Sitz eines Titularbistums und Sitz eines Bischofs. Mit der arabischen Eroberung wurde das Gebiet nach und nach islamisiert, doch es gab noch viele christlich-armenische Gemeinden. Bis zum Völkermord an den Armeniern wurde das Kloster des Sankt Minas von Kes im Dorf Gezköy betrieben.

Seit dem 16. Jahrhundert war Erzurum Teil des Osmanischen Reiches und blieb dies größtenteils bis zum Ersten Weltkrieg. Es war als osmanisches Vilâyet Erzurum um einiges größer als heute. 1878 wurde ein Teil der Provinz von den Russen im Russisch-Osmanischen Krieg von 1877–78 erobert, annektiert und an das Oblast Kars angegliedert. 1916 eroberten die Russen vom Norden kommend in der Schlacht von Erzurum das Gebiet. Seit dem Ende des Weltkrieges und dem türkischen Unabhängigkeitskrieg gehört die Provinz Erzurum zur Republik Türkei.

NamenskundeBearbeiten

Der erste bekannte Name der Stadt Erzurum war Karin. Die Stadt wurde um 415 n. Chr. von den Byzantinern unter Kaiser Theodosius II. erweitert und befestigt. Ihm zu Ehren wurde sie dann Theodosiopolis genannt. Die Araber nannten diese Stadt Kalikala nach Kali, der Frau eines örtlichen armenischen Königs. Der heutige Name leitet sich von Erzen ar-Rum ab. Dieser arabische Begriff bedeutet übersetzt „Das Erzen der Rhomäer“, in Abgrenzung von einem ebenfalls vorhandenen „Erzen der Araber“. Auf seldschukischen Münzen wurde die Stadt auch Erzen ar-Rum genannt. Volksetymologisch wird Erzurum auch von أرض روم / Erż-ı Rūm (Land der Rhomäer) abgeleitet.

PersönlichkeitenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Erzurum-Provinz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Türkisches Institut für Statistik, abgerufen 10. Oktober 2019
  2. Gouverneursporträt auf der Webseite der Provinz Erzurum
  3. Directorate General of Mapping İl ve İlçe Yüzölçümleri (PDF; 0,25 MB).
  4. Türkiye Nüfusu İl İlçe Mahalle Köy Nüfusu, abgerufen am 10. Oktober 2019
  5. illeridaresi.gov.tr (PDF; 1,4 MB).
  6. Tokat Nüfusu, abgerufen am 10. Oktober 2019
  7. Bücherei des Türkischen Statistikinstituts TÜIK, abrufbar nach Suchdateneingabe
  8. Genel Nüfus Sayımları (Volkszählungsergebnisse 1965 bis 2000) abrufbar nach Auswahl des Jahres und der Region