Kahramanmaraş (Provinz)

Provinz der Türkei

Kahramanmaraş (armenisch Մարաշ Marasch, kurdisch Gurgum oder Mereş) ist eine türkische Provinz und zählte im März 2021 geschätzte 1,176 Mio. Einwohner. Bis zum Ende des türkischen Unabhängigkeitskrieges hieß die Provinz nur Maraş. Als Anerkennung für ihren Widerstand erhielt sie den Beinamen Kahraman (Held) und heißt seit 1973 Kahramanmaraş.

Kahramanmaraş
Nummer der Provinz: 46
BulgarienGriechenlandZypernGeorgienArmenienAserbaidschanIranIrakSyrienEdirneTekirdağİstanbulÇanakkaleYalovaBalıkesirBursaKocaeliSakaryaBilecikKütahyaİzmirManisaAydınMuğlaUşakDenizliDüzceBoluEskişehirAfyonkarahisarBurdurAntalyaIspartaZonguldakBartınKarabükÇankırıAnkaraKonyaKaramanMersinNiğdeAksarayKırşehirKırıkkaleÇorumKastamonuSinopSamsunAmasyaYozgatKayseriAdanaOrduTokatSivasGiresunOsmaniyeHatayKilisMalatyaK. MaraşGaziantepAdıyamanŞanlıurfaMardinBatmanDiyarbakırElazığErzincanTrabzonGümüşhaneTunceliBayburtRizeBingölArtvinArdahanKarsIğdırErzurumMuşAğrıBitlisSiirtŞırnakVanHakkariKahramanmaras in Turkey.svg
Über dieses Bild
Landkreise
Kahramanmaraş location districts.png
Basisdaten
Koordinaten: 37° 54′ N, 36° 58′ OKoordinaten: 37° 54′ N, 36° 58′ O
Provinzhauptstadt: Kahramanmaraş
Region: Mittelmeerregion
Fläche: 14.519 km²
Einwohnerzahl: 1.168.163[1] (2020)
Bevölkerungsdichte: 80.5 Einwohner/km²
Politisches
Gouverneur: Ömer Faruk Coşkun[2]
Sitze im Parlament: 8
Strukturelles
Telefonvorwahl: 0344
Kennzeichen: 46
Website
www.Kahramanmaras.gov.tr (Türkisch)

Im Zuge einer Verwaltungsreform wurden 2013 die Provinz in einer Großstadtgemeinde (Büyükşehir belediyesi) umgewandelt, bei der alle Dörfer und alle Gemeinden (Belediye) in Mahalle überführt wurden. Die Kreise entsprachen nun den Stadtbezirken, der zentrale Landkreis (Merkez Ilçe) der Provinzhauptstadt wurde in zwei neue Kreise aufgeteilt.

GeografieBearbeiten

Angefangen im Norden im Uhrzeigersinn hat Maraş folgende Nachbarprovinzen: Sivas, Malatya, Adıyaman, Gaziantep, Adana, Osmaniye und Kayseri.

Die Provinz Kahramanmaraş ist eine Binnenprovinz ohne Zugang zum Meer, gehört aber zur türkischen Mittelmeerregion. Der Bevölkerungsanteil betrug Ende 2020 10,86 Prozent, der Flächenanteil liegt bei etwa 16 Prozent.

Das Gelände ist bis 3000 m hoch und besteht aus Bergen des Taurusgebirges mit Ebenen dazwischen. Die Provinz hat viele Flüsse aber keine natürlichen Seen.

Berge und HochebenenBearbeiten

Berge nehmen mehr als die Hälfte der Provinzfläche ein. Die meisten Berge sind Ausläufer des Taurusgebirges. Mit 3081 m ist der Nurhak der höchste Berg der Provinz. Andere wichtige Berge oder Gebirge sind die Amanos Dağları (auch Nur Dağları oder Gavur Dağları), der Engizek Dağı (2815 m), der Ahır Dağı (2301 m), Binboğa Dağları (2942 m) und der Delihöbek Dağı (2338 m).

Die Hochebenen, die etwa ein Viertel der Fläche ausmachen, liegen mehr im Norden der Provinz in Höhen zwischen 1500 und 2000 m.

GewässerBearbeiten

Der wichtigste Fluss der Provinz ist der Ceyhan. Die gesamte Provinz wird von diesem Fluss entwässert. Der Ceyhan entspringt in einer Höhe von 2000 m im Landkreis Elbistan und fließt in Mäander-Form erst in südwestlicher Richtung und dann nach Süden, wo er sich beim Dorf Ortaklı mit dem Göksun-Bach vereint. Nachdem er an Größe zugenommen hat, durchfließt er viele Täler und verlässt die Provinzgrenzen im Südwesten. Ein anderer wichtiger Fluss ist der Aksu, der beim Engizek Dağı entspringt.

Der Sumpf Gavur Gölü wurde trockengelegt. Mit der Aufstauung des Aksu 1972 entstand der künstliche Kartalkaya-Stausee. Er hat ein Volumen von 195 Millionen m³ und bewässert etwa 27.000 Hektar Land.

VerwaltungBearbeiten

Kahramanmaraş ist seit 2012 eine Großstadt (Büyükşehir belediyesi). Nach einer Verwaltungsreform 2013 ist das Gebiet der Großstadt mit dem der Provinz identisch, in jedem der İlçe (untergeordnete staatliche Verwaltungsbezirke) besteht eine namensgleiche Gemeinde, die jeweils dessen gesamtes Gebiet umfasst und die der Großstadtgemeinde zugeordnet ist. Alle anderen Gemeinden (Belediye) und alle Dörfer (Köy) in den İlçes wurden aufgelöst und ihr Gebiet der jeweiligen Zentralgemeinde des İlçe als Mahalle (Stadtviertel) zugeschlagen. In den 709 Mahalles ist der Muhtar der oberste Beamte. Der Gouverneur der Provinz (Vali) ist seitdem ein reiner Staatsbeamter, die Zuständigkeiten der früheren Provinzversammlung (İl meclisi), die unter seinem Vorsitz tagte, wurden auf die Großstadtkommune übertragen. Die elf staatlichen İlçe und die entsprechenden Gemeinden sind ebenso Stadtbezirke:

Kreis-
code1
Landkreis
İlçe
kurdischer
Name
Fläche2
(km²)
Bevölkerung am 31.12.20203 Anzahl
der
Mahalle
Bevölke
rungs
dichte
(Einw./km²)
Sex Ratio4
Frauen
auf 1000
Männer
Grün-
dungs
datum5,6
Gesamt männlich weiblich
1107 Afşin Avşîn 1502 80.980 41.061 39.919 66 53,9 972 1944
1136 Andırın Dêrkolê 1202 32.377 16.431 15.946 57 26,9 971
1785 Çağlayancerit Cirîd 470 23.292 11.960 11.332 17 49,6 948 1987
2084 Dulkadiroğlu Zulqederoxlî 1176 223.277 114.346 108.931 103 189,9 953 2012
1919 Ekinözü Celâ 656 10.988 5.782 5.206 21 16,8 900 1990
1299 Elbistan Albistan 2201 142.778 72.710 70.068 93 64,9 964
1353 Göksun Koksen 1942 52.136 26.459 25.677 72 26,9 970
1975 Nurhak Nurhax 1028 12.399 6.400 5.999 15 12,1 937 1990
2085 Onikişubat 2429 441.681 220.846 220.835 137 181,8 1000 2012
1570 Pazarcık Bazarcix 1253 69.686 35.032 34.654 84 55,6 989
1694 Türkoğlu Kirdoxlî 660 78.569 41.893 36.676 44 119,0 876 1960
46 Kahramanmaraş Gurgum 14519 1.168.163 592.920 575.243 709 80,5 970
1 Interner Kreiscode des Innenministeriums
2 Fläche 2014[3]
3 Bevölkerungsfortschreibung am 31. Dezember 2020[4]
4 Geschlechterverhältnis: Anzahl der Frauen auf 1000 Männer (berechnet)
5 PDF des Innenministeriums[5]
6 Landkreise, die erst nach Gründung der Türkei (1923) gebildet wurden.

BevölkerungBearbeiten

Die Bevölkerung der Provinz Kahramanmaraş setzt sich mehrheitlich aus Türken zusammen. Die größte Minderheit mit 20 % stellen die Kurden dar.[6] Die meisten Menschen sind sunnitischen Glaubens, daneben gibt es auch zahlreiche Aleviten, von denen allerdings viele nach dem Pogrom von Kahramanmaraş 1978 nach Adana ausgewandert sind. Bis zum Völkermord an den Armeniern ab 1915 gab es auch eine große armenische Gemeinde. Diejenigen Überlebenden des Völkermords, die nach Armenien flohen, gründeten in Jerewan das Stadtviertel Nork-Marasch.

Jährliche BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Nachfolgende Tabelle zeigt die jährliche Bevölkerungsentwicklung nach der Fortschreibung durch das 2007 eingeführte adressierbare Einwohnerregister (ADNKS). Zusätzlich sind die Bevölkerungswachstumsrate und das Geschlechterverhältnis (Sex Ratio d. h. die rechnerisch ermittelte Anzahl der Frauen pro 1000 Männer) aufgeführt.[7]

Jahr Bevölkerung am Jahresende Wachstums-
rate der Be-
völkerung
(in %)
Geschlechter
verhältnis
(Frauen auf
1000 Männer)
Rang
(unter den 81 Provinzen)
gesamt männlich weiblich
2020 1.168.163 592.920 575.243 1,22 970 18
2019 1.154.102 586.616 567.486 0,81 967 18
2018 1.144.851 580.410 564.441 1,53 972 18
2017 1.127.623 572.111 555.512 1,35 971 18
2016 1.112.634 565.816 546.818 1,46 966 18
2015 1.096.610 556.607 540.003 0,70 970 18
2014 1.089.038 553.493 535.545 1,24 968 18
2013 1.075.706 546.943 528.763 1,18 967 18
2012 1.063.174 539.998 523.176 0,85 969 18
2011 1.054.210 534.845 519.365 0,90 971 18
2010 1.044.816 528.711 516.105 0,71 976 18
2009 1.037.491 526.401 511.090 0,80 971 18
2008 1.029.298 521.728 507.570 2,48 973 18
2007 1.004.414 506.711 497.703 0,00 982 18

VolkszählungsergebnisseBearbeiten

Nachfolgende Tabellen geben den bei den 15 Volkszählungen dokumentierten Einwohnerstand der Provinz Kahramanmaraş wieder. Die Werte der linken Tabelle entstammen E-Books (der Originaldokumente[8]) entnommen, die Werte der rechten Tabelle basieren aus der Datenabfrage des Türkischen Statistikinstituts TÜIK[9]

Jahr Bevölkerung
am Zensustag
jährl. Wachs-
tumsrate in %
R
a
n
g
Türkei Provinz Kahramanmaraş
1927 13.648.270 186.855 33
1935 16.158.018 188.877 2,30 41
1940 17.820.950 202.073 2,06 43
1945 18.790.174 261.550 1,09 35
1950 20.947.188 288.843 2,30 37
1955 24.064.763 336.797 2,98 31
1960 27.754.820 389.857 3,07 31
Jahr Bevölkerung
am Zensustag
jährl. Wachs-
tumsrate in %
R
a
n
g
Türkei Provinz Kahramanmaraş
1965 31.391.421 438.423 2,49 30
1970 35.605.176 528.982 4,13 26
1975 40.347.719 641.480 4,25 22
1980 44.736.957 738.032 3,01 19
1985 50.664.458 840.472 2,78 18
1990 56.473.035 892.952 1,25 19
2000 67.803.927 1.002.384 1,23 18

Anzahl der Provinzen bezogen auf die Censusjahre:

  • 1927, 1940 bis 1950: 63 Provinzen
  • 1935: 57 Provinzen
  • 1955: 67 Provinzen
  • 1960 bis 1985: 73 Provinzen
  • 1990: 73 Provinzen
  • 2000: 81 Provinzen

Detaillierte VolkszählungsergebnisseBearbeiten

Jahr Gesamtbevölkerung Stadtbevölkerung Landbevölkerung
Gesamt männlich weiblich Gesamt % männlich weiblich Gesamt % männlich weiblich
1927 184.958 92.676 92.282 36.343 19,65 19.124 17.219 148615 80,35 73.552 75.063
1935 188.877 95.029 93.848 39.343 20,83 19.785 19.558 149534 79,17 75.244 74.290
1940 202.073 101.701 100.372 38.470 19,04 19.949 18.521 163603 80,96 81.752 81.851
1945 261.550 133.126 128.424 49.491 18,92 25.575 23.916 212059 81,08 107.551 104.508
1950 288.843 Keine Angaben 54.000 18,70 Keine Angaben 234843 81,30 Keine Angaben
1955 336.797 172.568 164.229 66.963 19,88 35.419 31.544 269834 80,12 137.149 132.685
1960 389.857 197.607 192.250 85.828 22,02 44.077 41.751 304029 77,98 153.530 150.499
1965 438.423 222.104 216.319 105.090 23,97 54.938 50.152 333333 76,03 167.166 166.167
1970 528.982 266.819 262.163 165.056 31,20 87.503 77.553 363926 68,80 179.316 184.610
1975 641.480 330.443 311.037 220.710 34,41 117.725 102.985 420770 65,59 212.718 208.052
1980 738.032 377.607 360.425 281.382 38,13 148.550 132.832 456650 61,87 229.057 227.593
1985 840.472 426.554 413.918 342.428 40,74 179.244 163.184 498044 59,26 247.310 250.734
1990 892.952 450.243 442.709 407.215 45,60 210.156 197.059 485737 54,40 240.087 245.650
2000 1.002.384 510.662 491.722 536.007 53,47 277.087 258.920 466377 46,53 233.575 232.802

VerkehrBearbeiten

Durch eine Nebenlinie ist Maraş mit der Zugstrecke AdanaMalatya verbunden. Eine Landstraße führt über Türkoglu zur Autobahn O-52 von Adana nach Gaziantep. Außerdem verfügt Kahramanmaraş über einen Flughafen, der 5 km von der Stadt entfernt ist und der DHMI gehört.

SonstigesBearbeiten

Die Spezialität der Region ist das Speiseeis Maraş Dondurması, das traditionell aus Ziegenmilch und dem Schnee des Bergs Ahır Dağı zubereitet wird. Dieses Eis hat eine elastische, kaugummiartige Konsistenz, bis es schmilzt. Es kam ins Guinness-Buch der Rekorde, als man es von Elektrizitätsmast zu Elektrizitätsmast spannte oder es an Busse anfror und diese dann über das Eis mit einem Kran hoch hob.

Weitere Spezialitäten sind Maraş Içli Köfte (Bulgur-Taschen gefüllt mit Walnuss und Fleisch), Eksili Çorbasi (eine salzig-saure Suppe, mit vielen Kräutern) und Maraş Tarhanasi. Dieser in Platten getrocknete Weizenteig mit Joghurt kann pur oder geröstet gegessen, aber auch in Suppe verarbeitet werden. Auch die Suppe Kelle paça aus weichem Fleisch wird in der Provinz zubereitet. Der rote scharfe Chili aus Maraş sowie Fıstık Ezmesi (eine Süßspeise aus Pistazien-Püree) sind ebenfalls bekannt.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Im Zentrum der Provinzhauptstadt liegt eine mittelalterliche Zitadelle über der Stadt. Südlich davon, am Azerbaycan Bulvarı, befindet sich ein archäologisches Museum mit einer Sammlung hethitischer Skulpturen aus der Region. Zudem gibt es einige Moscheen, darunter die Ulu Cami aus dem 15. Jahrhundert sowie Hatuniye und Beyazit aus der osmanischen Epoche, Koranschulen, von denen besonders die Taş Medresesi aus dem 15. Jahrhundert erwähnenswert ist, und alte Kirchen zu sehen. Des Weiteren hat die Provinz einen Stausee, mehrere Almen mit Seen, Quellen, Wasserfällen und Tropfsteinhöhlen.

Im Bezirk Afşin wurde 2009 am Ufer des Hurman Çayı die späthethitische Felsinschrift von Tanır aus dem 9. oder 8. Jahrhundert v. Chr. entdeckt.

PersönlichkeitenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Kahramanmaraş – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kahramanmaraş Nüfusu. abgerufen am 26. April 2021
  2. Gouverneursporträt auf der Website der Provinz Kahramanmaraş
  3. Directorate General of Mapping (Excel-Tabelle; 48 KB)
  4. Kahramanmaraş Nüfusu, abgerufen am 26. April 2021
  5. illeridaresi.gov.tr (PDF; 1,4 MB).
  6. Bevölkerungsverteilung nach reese.linguist.de (Memento vom 3. Februar 2008 im Internet Archive)
  7. Kahramanmaraş Nüfusu, abgerufen am 26. April 2021
  8. Bücherei des Türkischen Statistikinstituts TÜIK, abrufbar nach Suchdateneingabe
  9. Genel Nüfus Sayımları (Volkszählungsergebnisse 1965 bis 2000) abrufbar nach Auswahl des Jahres und der Region