Aksaray (Provinz)

Provinz der Türkei

Aksaray (türkisch für weißer Palast) ist eine türkische Provinz in Zentralanatolien. Hauptstadt ist das gleichnamige Aksaray. Die Provinz wird begrenzt von den Provinzen Konya im Westen und Süden, Niğde im Südosten, Nevşehir im Osten und Kırşehir im Norden. Die Provinz liegt im trockenen Hochland Kappadokiens und berührt im Nordwesten den zweitgrößten See der Türkei, den Tuz Gölü (Salzsee).

Aksaray
Nummer der Provinz: 68
BulgarienGriechenlandZypernGeorgienArmenienAserbaidschanIranIrakSyrienEdirneTekirdağİstanbulÇanakkaleYalovaBalıkesirBursaKocaeliSakaryaBilecikKütahyaİzmirManisaAydınMuğlaUşakDenizliDüzceBoluEskişehirAfyonkarahisarBurdurAntalyaIspartaZonguldakBartınKarabükÇankırıAnkaraKonyaKaramanMersinNiğdeAksarayKırşehirKırıkkaleÇorumKastamonuSinopSamsunAmasyaYozgatKayseriAdanaOrduTokatSivasGiresunOsmaniyeHatayKilisMalatyaK. MaraşGaziantepAdıyamanŞanlıurfaMardinBatmanDiyarbakırElazığErzincanTrabzonGümüşhaneTunceliBayburtRizeBingölArtvinArdahanKarsIğdırErzurumMuşAğrıBitlisSiirtŞırnakVanHakkariAksaray in Turkey.svg
Über dieses Bild
Landkreise
Aksaray districts.png
Basisdaten
Koordinaten: 38° 26′ N, 33° 52′ OKoordinaten: 38° 26′ N, 33° 52′ O
Provinzhauptstadt: Aksaray
Region: Zentralanatolien
Fläche: 7.659 km²
Einwohnerzahl: 423.011[1] (2020)
Bevölkerungsdichte: 55,2 Einwohner/km²
Politisches
Gouverneur: Hamza Aydoğdu[2]
Sitze im Parlament: 3
Strukturelles
Telefonvorwahl: 0382
Kennzeichen: 68
Website
www.aksaray.gov.tr (Türkisch)
Landschaft in Aksaray (2007)
See bei Sarıyahşi in Aksaray (2016)
Archäologischer Fundplatz Aşıklı Höyük in Aksaray (2010)
Tanklager im Bau (2010)

Weitere Namen der Stadt aus der Geschichte sind Nenessa (Nenossos), Şinakhatum-Şinukhtu, Garsaura, Kolonea-Arkhelais, Taxara, Şehri-Süleha und Piga Helena.

GeschichteBearbeiten

Wie fast alle türkischen Städte in der Region hat die Provinz eine assyrische, hethitische, phrygische, persische, byzantinische und seldschukische Geschichte.

Das junge Christentum breitete sich im 2. und 3. Jahrhundert in Kappadokien, wozu auch das Gebiet von Aksaray gehört, aus. Schwierige politische Umstände, Angriffe und Vertreibungen waren der Grund dafür, dass, vor allem durch die Christen, damals in der Umgebung viele unterirdische Städte und Kirchen angelegt wurden, um dort ihre Religion ausüben zu können. Kappadokien war eines der ersten frühchristlichen Zentren. 3000 bis heute entdeckte Kirchen in der Region, zeugen von dieser Geschichte. Das Gebiet von Kappadokien wurde 1985 von der UNESCO zum Weltkulturerbe und Weltnaturerbe erklärt.

Mit der Schlacht von Manzikert im Jahre 1071 fiel die Region von Aksaray an die Seldschuken unter Führung von Malik Ahmet Danischmend Gazi und wurde erstmals türkisch. Im Jahre 1116 wurde die 150 km entfernte Stadt Konya zur Hauptstadt der anatolischen Seldschuken. Unter Kılıç Arslan II. wurde danach im Jahr 1142[3] auf den Trümmern der Stadt Arkhelais die heutige Stadt Aksaray gegründet. Dabei wurden viele Türken aus dem heutigen Gebiet von Aserbaidschan in der Region angesiedelt. Später siedelten hier Familien aus dem Osten der heutigen Türkei.

Nach der Niederlage der Seldschuken in der Schlacht vom Köse Dağ im Jahre 1234 und dem Einfall der Mongolen in Anatolien hatten die seldschukischen Herrscher keine Regierungsautorität mehr.

Unter Ishak Pasa kam die Region dann im Jahre 1470 unter osmanische Herrschaft bis zur Ausrufung der Türkischen Republik am 29. Oktober 1923 durch Mustafa Kemal Atatürk.

Mit einem 1933 beschlossenen Gesetz wurde Aksaray zu einem Bezirk der Provinz Niğde. Dies wurde von Aksaray nie akzeptiert, da man der Ansicht war, dass aufgrund der Einwohnerzahl Aksaray einen höheren Stellenwert habe als Niğde. Alle von Aksaray in die Große Nationalversammlung entsandten Parlamentarier reichten Gesetzesentwürfe ein, Aksaray als eigenständige Provinz anzuerkennen. Ein von Oğuz Demir Tüzün am 1. April 1964 eingereichtes Gesetz kam zur Abstimmung, wurde jedoch aufgrund der Ablehnung eines oppositionellen Abgeordneten der Provinz Adana auf unbestimmte Zeit ad acta gelegt. 1971 wurde der Gesetzesentwurf nochmals abgelehnt.

Bei den Wahlen 1987 legten die zu Aksaray gehörenden Abgeordneten von Niğde erneut einen Gesetzesentwurf vor, der am 15. Juni 1989 akzeptiert wurde und Aksaray nach 56 Jahren zur Provinz erhob.

VerwaltungsgliederungBearbeiten

LandkreiseBearbeiten

Die Provinz ist in acht Landkreise (auch Bezirke, İlçe) gegliedert:

Kreis-
code1
Landkreis Fläche2
(km²)
Bevölkerung (2020)3 Anzahl der Einheiten Dichte
(Ew./km²)
städt.
Anteil
(in %)
Sex
Ratio4
Grün-
dungs-
da-
tum5,6
Landkreis
(İlçe)
Verwal-
tungssitz
(Merkez)
Gemein-
den
(Belediye)
Stadt-
viertel
(Mah.)
Dörfer
(Köy)
1120 Aksaray Merkez 3.539 308.393 223.166 9 76 83 87,1 85,68 1005 1989
1860 Ağaçören 407 7.827 2.899 1 6 27 19,2 37,04 1019 1989
1921 Eskil 1.701 27.238 17.414 2 17 11 16,0 75,73 979 1989
1932 Gülağaç 326 19.644 4.636 4 20 9 60,3 70,15 989 1989
1861 Güzelyurt 285 10.967 2.826 3 11 8 38,5 61,76 990 1989
1557 Ortaköy 727 32.322 20.411 1 12 30 44,5 63,15 1027 1957
1866 Sarıyahşi 210 5.246 3.566 1 8 6 25,0 67,98 1001 1989
2106 Sultanhanı 463 11.374 10.690 1 7 1 24,6 93,99 955 2017
PROVINZ Aksaray 7.659 423.011 22 157 175 55,2 81,08 1003
1 Interner Kreiscode des Innenministeriums
2 Fläche 2014[4]
3 Bevölkerungsfortschreibung am 31. Dezember 2020[5]
4 Geschlechterverhältnis: Anzahl der Frauen auf 1000 Männer (berechnet)
5 PDF des Innenministeriums[6]
6 Landkreise, die erst nach Gründung der Türkei (1923) gebildet wurden.

StädteBearbeiten

In der Provinz gibt es 22 Belediye (Belde). Nachfolgende Tabelle zeigt die Einwohnerzahlen Ende 2020 und die dazugehörigen Landkreise sowie die Anzahl der Stadtviertel und den 2019 gewählten Bürgermeister (mit Parteizugehörigkeit). Die Türkische Statistik listet selten die Bevölkerung der Städte (Belediye) auf, sondern eher die der Stadtviertel (Mahalle). Fett markierte Städte sind die Hauptorte (Merkez) der Landkreise.[7][8]

Belde/
Belediye
im Landkreis Einwohner-
zahl 2020
Anzahl
Mahalle
Bürgermeister (Partei)
Ağaçören Ağaçören 2.899 6 Yaşar Bekleviç (MHP)
Aksaray Merkez 239.002 48 Evren Dinçer (AKP)
Bağlıkaya Merkez 3.000 4 Dursun Eser (MHP)
Demirci Gülağaç 4.078 4 Ramazan Bozlak (BBP)
Eskil Eskil 17.955 13 Necati Belgemen (AKP)
Eşmekaya Eskil 2.671 4 İsmail Hakkı Güneş (MHP)
Gülağaç Gülağaç 4.793 5 Faruk Teymen (AKP)
Gülpınar Gülağaç 2.813 5 Mustafa Baymışlıoğlu (AKP)
Güzelyurt Güzelyurt 2.581 4 Ünal Demircioğlu (AKP)
Helvadere Merkez 2.586 4 Arif Bellikli (MHP)
Ihlara Güzelyurt 2.322 4 Ahmet Dİnç (AKP)
Ortaköy Ortaköy 20.411 12 Ali Rıza Özdemir (AKP)
Sağlık Merkez 2.579 3 Mustafa Kepil (AKP)
Saratlı Gülağaç 2.097 5 Zeki Türker (CHP)
Sarıyahşi Sarıyahşi 3.566 8 Fatih Ünsal (AKP)
Selime Güzelyurt 1.870 3 Levent Çevik (AKP)
Sultanhanı Sultanhanı 10.690 7 Fahri Solak (AKP)
Taşpınar Merkez 2.798 3 Metin Dağ (AKP)
Topakkaya Merkez 2.511 4 Adem Baylan (AKP)
Yenikent Merkez 5.411 3 Mehmet Emin Yumuşak (MHP)
Yeşilova Merkez 4.022 3 Veyis Baysal (MHP)
Yeşiltepe Merkez 2.329 4 Tahsin Çelik (CHP)

DörferBearbeiten

Die 175 Dörfer bewohnen insgesamt 80.072 Einwohner, also durchschnittlich 457 Einwohner pro Dorf. Die meisten Dörfer befinden sich im zentralen Landkreis (Merkez), nämlich 83. Sie haben 45.371 Einwohner, was einem Anteil von 55,1 Prozent entspricht.
Von allen Dörfern der Provinz haben 31 Dörfer mehr Einwohner als der Durchschnitt (457), 20 haben mehr als 1.000 Einwohner. Die größten befinden sich im zentralen Landkreis der Kreisstadt: Kutlu (1.807), İncesu (1.665), Sevinçli (1.616), Karaören (1.611), Doğantarla (1.597), Karacaören (1.574), Karkın (1.396), Yuva (1.360), Altınkaya (1.316), Gözlükuyu (1.294), Hırkatol (1.258), Gücünkaya (1.238) und Armutlu (1.106 Einw.). Das kleinste Dorf der Provinz (Macarlı, 21 Einw.) befindet sich ebenfalls im Hauptstadtkreis. Weitere sieben Dörfer mit mehr als 1.000 Einwohnern befinden sich in anderen Kreisen, das größte davon ist Güneşli (Kreis Eskil mit 1.599 Einw.).[7]

BevölkerungBearbeiten

1927, zur ersten Volkszählung nach Gründung der Türkei und einzigen vor der Eingliederung von Aksaray in die Provinz Nigde (s. Geschichte) zählte die Provinz 127.031 Einwohner (60.407 Männer, 66.624 Frauen).

Zum Zensus 2011 betrug das Durchschnittsalter in der Provinz 27,9 Jahre (Landesdurchschnitt: 29,6), wobei die weibliche Bevölkerung durchschnittlich 1,4 Jahre älter als die männliche war (28,7 — 27,3).

Bevölkerung am JahresendeBearbeiten

Nachfolgende Tabelle zeigt die jährliche Bevölkerungsentwicklung am Jahresende nach der Fortschreibung durch das 2007 eingeführte adressierbare Einwohnerregister (ADNKS). Außerdem sind die Bevölkerungswachstumsrate und das Geschlechterverhältnis (Sex Ratio d. h. Anzahl der Frauen pro 1000 Männer) aufgeführt.
Der Zensus von 2011 ermittelte 379.163 Einwohner, das sind fast 17.000 Einwohner weniger als beim Zensus 2000.

Jahr Bevölkerung am Jahresende Wachstums-
rate der Be-
völkerung
(in %)
Geschlechter
verhältnis
(Frauen auf
1000 Männer)
Rang
(unter den 81 Provinzen)
gesamt männlich weiblich
2020 423.011 211.232 211.779 1,60 1003 46
2019 415.367 207.390 208.977 1,02 1008 47
2018 412.172 204.792 207.380 2,43 1013 47
2017 402.404 200.233 202.171 1,44 1010 49
2016 396.673 197.362 199.311 2,63 1010
2015 386.514 192.688 193.826 0,59 1006
2014 384.252 191.091 193.161 0,38 1011
2013 382.806 190.540 192.266 0,76 1009
2012 379.915 188.945 190.970 0,29 1011
2011 378.823 187.892 190.931 0,35 1016
2010 377.505 186.956 190.549 0,16 1019
2009 376.907 187.633 189.274 1,70 1009
2008 370.598 183.953 186.645 1,23 1015
2007 366.109 180.007 186.102 1034 49
20001 396.084 195.822 200.262 1023 48

1 Zensus 2000

Bevölkerungszahlen der LandkreiseBearbeiten

Die Werte von 1990 und 2000 basieren auf den Volkszählungen[9][10] die restlichen (2007–2020) sind Bevölkerungsangaben am Jahresende, ermittelt durch die Fortschreibung im 2007 eingeführten Einwohnerregister (ADNKS)[11]

Landkreis 1990 2000 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020
Ağaçören 17.962 15.869 11.870 11.284 10.911 10.448 9.995 9.379 9.269 8.881 8.467 8.373 8.175 8.320 7.972 7.827
Eskil 22.110 28.952 26.286 25.517 25.962 26.073 26.227 26.202 26.178 25.984 25.929 26.179 26.333 26.648 26.452 27.238
Gülağaç 19.641 26.874 21.906 21.691 21.543 21.202 20.594 20.279 20.408 19.801 19.334 19.408 19.244 19.903 19.615 19.644
Güzelyurt 17.182 16.836 14.188 14.259 13.830 13.302 12.740 12.527 12.545 12.147 11.710 11.453 11.275 11.761 11.223 10.967
Merkez Aksaray 189.256 236.560 244.036 251.628 259.469 262.581 266.962 270.528 273.999 278.171 283.063 293.631 289.778 295.351 301.661 308.393
Ortaköy 48.675 58.873 40.477 39.699 38.463 37.595 36.478 35.519 34.792 34.048 33.113 32.763 32.209 32.504 32.639 32.322
Sarıyahşi 11.573 12.120 7.346 6.520 6.729 6.304 5.827 5.481 5.615 5.220 4.898 4.866 4.833 6.801 5.658 5.246
Sultanhanı 10.557 10.884 11.147 11.374
Summe Provinz0 326.399 396.084 366.109 370.598 376.907 377.505 378.823 379.915 382.806 384.252 386.514 396.673 402.404 412.172 416.367 423.011

SehenswürdigkeitenBearbeiten

IndustrieBearbeiten

  • Mercedes-Benz Türk A.Ş. Lastkraftwagenwerk
  • Salzindustrie
  • Textilindustrie
  • Autoersatzteilindustrie
  • Maschinenindustrie
  • Landwirtschaft

WeblinksBearbeiten

Commons: Aksaray Province – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Türkiye Nüfusu İl İlçe Mahalle Köy Nüfusu, abgerufen am 23. Februar 2021
  2. Webseite der Provinz Aksaray (Gouverneursporträt)
  3. Aksaray Gov: İlimizin Tarihçesi. (PDF) Aksaray Gov, abgerufen am 3. Juli 2018 (türkisch).
  4. Directorate General of Mapping (Excel-Tabelle; 48 KB)
  5. Aksaray Nüfusu Il Ilçe Nüfusu, abgerufen am 23. Februar 2021
  6. illeridaresi.gov.tr (PDF; 1,4 MB).
  7. a b Central Dissemination System von TÜIK Population of municipalities, villages and quarters, abgerufen am 23. Februar 2021
  8. Ergebnisse der Kommunalwahlen vom 31. März 2019 in der Provinz Aksaray; abgerufen am 23. Februar 2021
  9. Volkszählung 1990 (türk.)
  10. Volkszählung 2000 (türk.)
  11. MDS/Central Dissemination System von TÜIK (engl./türk.)