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GeografieBearbeiten

Die 5286 Einwohner (1. Januar 2016) zählende Kleinstadt Rambervillers am Rande der Vogesen liegt an der Mortagne, etwa 23 Kilometer nordöstlich von Épinal und 35 Kilometer westlich von Saint-Dié.

 
Die Mortagne in Rambervillers

Das Gemeindegebiet von Rambervillers umfasst einen Abschnitt des in Südost-Nordwest-Richtung verlaufenden Mortagnetales, das sich hier durch mehrere Zuflüsse aufweitet. Aus Süden kommend fließen der Padozel und die Arentèle, aus Südosten und Osten kommend der Gaindrupt und der Monseigneur zur Mortagne. Östlich von Rambervillers steigt das Gelände auf Höhen von über 500 Meter über dem Meer an. Sie werden von den Pässen Col de la Chipotte und Col du Haut du Bois im Richtung Meurthetal überwunden. Westlich von Rambervillers wird das Relief ruhiger und flacher. Hier breiten sich Wälder aus, von denen der Forêt de Rambervillers im Verbund mit den Forsten Forêt de Padoux, Le Grand Bois und Forêt Saint Pierre eine geschlossene Waldfläche von über 50 km² bilden.

Der Ortskern entwickelte sich am rechten Ufer der Mortagne, breitete sich über eine der heute zwei bestehenden Brücken im Innenstadtbereich auch auf die linke Flussseite aus. Bei starken Regenfällen ist Rambervillers oft von Überschwemmungen bedroht. So wurden im September 2006 etwa 50 Häuser teilweise überschwemmt.[1]

Zu Rambervillers gehört der Ortsteil Métendal im Nordosten der Gemeinde sowie einige verstreut liegende Bauernhöfe. Südöstlich schließen Gewerbegebiete an den Ortskern an. Es sind dies die Industrieareale (Z.I. = Zone Industrielle) Z.I. la Grande Fin Nord, Z.I. la Grande Fin Sud sowie Z.I. le Haut Fourneau 1 und 2.

Nachbargemeinden von Rambervillers sind Doncières im Norden, Anglemont im Nordosten, Brû im Osten, Jeanménil im Südosten, Saint-Gorgon im Süden, Vomécourt im Südwesten, Romont im Westen sowie Roville-aux-Chênes im Nordwesten.

GeschichteBearbeiten

Der Name der heutigen Kleinstadt Rambervillers geht auf einen Abt von Senones oder einen Herren von Mortagne namens Rembert zurück, die genauen Quellen sind unklar. Noch 1793 hieß die Gemeinde Rembervillers. Im 12. Jahrhundert ließ der Bischof von Metz Stephan von Bar den Ort, der mit Gräben und hölzernen Palisaden umgeben war, mit Mauern und Türmen befestigten. Rambervillers war die südlichste Besitzung der Metzer Bischöfe.

Während der Hugenottenkriege im sechzehnten Jahrhundert wurde die Stadt zerstört, erholte sich aber schnell. Bereits 1591 errichteten die Bürger das Rathaus von Rambervillers. 1718 kam Rambervillers zum Herzogtum Lothringen, das nach dem Tod von Stanislaus I. Leszczyński im Jahr 1766 vertragsgemäß an Frankreich fiel. Im Deutsch-Französischen Krieg standen sich am 9. Oktober 1870 200 Nationalgardisten und 2.000 Deutsche gegenüber. Für den heldenhaften Barrikadenkampf erhielt die Stadt 1896 die Ehrenlegion, die ranghöchste Auszeichnung Frankreichs.

1871 bekam Rambervillers einen Eisenbahnanschluss, als die Bahnlinie nach Charmes an der Mosel eröffnet wurde. Der Personenverkehr wurde auf dieser Strecke bereits 1935 eingestellt, der Güterverkehr endete 1962. Ab 1911 war die Bahnlinie von Mont-sur-Meurthe (mit Anschlüssen nach Nancy und Lunéville) über Rambervillers nach Bruyères durchgängig befahrbar. 1980 wurde auch auf dieser Strecke mangels Rentabilität der Personenverkehr eingestellt, 1988 erfolgte die endgültige Stilllegung.[2][3]

WappenBearbeiten

Blasonierung: „Auf silbernem Grund ein rotes Lothringerkreuz, darauf das Signum der Ehrenlegion, beseitet von zwei Halbmonden und den Insignien IR in Blau.“

Das Wappen mit dem Lothringerkreuz entstand in der Zeit Herzog Leopolds Ende des 17. / Anfang des 18. Jahrhunderts. Die Halbmonde erinnern an die Siege seines Vaters Karl V. in den Türkenkriegen. Die Initialen IR stehen für iuridiction de Rambervillers, die lokale Gerichtsbarkeit. 1896 wurde die Stadt mit der Ehrenlegion ausgezeichnet, seit 1902 führt sie das Signet im Wappen. Neben dem Wappen von Rambervillers gibt es heute nur noch sehr wenige (wie das Wappen von Roanne) mit der Ehrenlegion in der Schildmitte. Städte wie Dijon führen es heute nicht mehr, bei anderen wie Belfort findet es sich inzwischen im Schildfuß.[4]

 
Kirche Sainte-Libaire
 
Rathaus Rambervillers (Hôtel de ville)

BevölkerungBearbeiten

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2016
Einwohner 7042 7229 7113 6595 5919 5999 5669 5286

Mit 5286 Einwohnern (1. Januar 2016) gehört Rambervillers trotz Bevölkerungsrückgang seit den 1970er Jahren noch immer zu den zehn einwohnerstärksten Gemeinden des Departements Vosges. Grund für die Abwanderungen war der Niedergang der traditionellen Industrien, insbesondere der Textilindustrie, der Metallurgie, der Holzverarbeitung und der Papierindustrie ab Mitte der 1970er Jahre.[5] Mit der Ansiedlung neuer Gewerbegebiete und der Förderung von Tourismusprojekten wurde dem Trend entgegengesteuert, der Prozess ist noch nicht abgeschlossen.[6]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Kirche Sainte-Libaire aus dem 16. Jahrhundert, Monument historique[7]
  • Hôtel de ville (Rathaus) aus dem 16. Jahrhundert, Monument historique[8]
  • Im Musée de la Terre - Museum der Erde(n) - in der Rue de la Faïencerie 1 wird an die lange Tradition von Rambervillers als Produktionsstandort von Keramik, Fliesen, und Fayencen erinnert.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Rambervillers ist ein regionales Zentrum, das für viele umliegende Gemeinden Funktionen der medizinischen Versorgung, der Bildung, der Verwaltung und nicht zuletzt des Nahverkehrs übernimmt. Zahlreiche Beschäftigte sind in diesen Bereichen tätig. Im Tourismussektor ist Rambervillers mit einem Hotel, Pensionen sowie einem Campingplatz vertreten. Darüber hinaus ist Rambervillers Industriestandort.

Nach dem Wegbrechen der traditionellen Industrien in Rambervillers haben sich in neuen Gewerbegebieten mittelständische Unternehmen mit breiter aufgestellter Produktpalette angesiedelt.

Größter Arbeitgeber mit etwa 350 Beschäftigten ist die französische Niederlassung des österreichischen Unternehmens Fritz Egger GmbH & Co. OG mit Sitz in St. Johann in Tirol, das in Rambervillers Spanplatten produziert.[9]

In Rambervillers ist mit der Manufacture des Grandes Orgues der nach eigenen Angaben älteste Orgelbaubetrieb der Welt ansässig. Er soll bereits seit 1750 bestehen.[10] Eine andere Quelle datiert den Beginn der Familiendynastie auf 1853.[11]

BildungBearbeiten

Rambervillers ist Standort zweier Kindergärten, zweier öffentlicher Grundschulen sowie einer Realschule (collège).[12]

VerkehrsanbindungBearbeiten

In Rambervillers treffen sternförmig acht Departementsstraßen aufeinander. Die wichtigsten Verbindungen sind die Straßen nach Épinal und nach Saint-Dié-des-Vosges. Der nächste Bahnhof liegt im 15 Kilometer entfernten Baccarat an der dem Meurthetal folgenden Bahnlinie Nancy-Lunéville-Saint-Dié, die vom Unternehmen TER Lorraine betrieben wird.

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Partnerschaften bestehen seit 1978 zur pfälzischen Ortsgemeinde Kottweiler-Schwanden und seit 1990 zur wallonischen Gemeinde Ellezelles.

PersönlichkeitenBearbeiten

SonstigesBearbeiten

Am 22. Februar 2003 ereignete sich um 21:41 Uhr ein Erdbeben der Stärke 5,4, dessen Epizentrum sich unter dem Gebiet von Rambervillers befand.

Siehe auchBearbeiten

BelegeBearbeiten

  1. Erneut schwere Unwetter auf ntv.de (letzter Absatz). Abgerufen am 25. Dezember 2010.
  2. Beschreibung auf transports-vosges.pagesperso-orange.fr. Abgerufen am 26. Dezember 2010 (französisch).
  3. Beschreibung auf transports-vosges.pagesperso-orange.fr. Abgerufen am 26. Dezember 2010 (französisch).
  4. Wappenbeschreibung auf genealogie-lorraine.fr. Abgerufen am 26. Dezember 2010 (französisch).
  5. Grußwort des Bürgermeisters auf ville-rambervillers.fr. Abgerufen am 25. Dezember 2010 (französisch).
  6. Daten auf cassini.ehess.fr. Abgerufen am 25. Dezember 2010 (französisch).
  7. Eintrag auf culture.gouv.fr. Abgerufen am 26. Dezember 2010 (französisch).
  8. Eintrag auf culture.gouv.fr. Abgerufen am 26. Dezember 2010 (französisch).
  9. Produzierendes Gewerbe in Rambervillers auf vosges.com. (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 26. Dezember 2010 (französisch).@1@2Vorlage:Toter Link/www.vosges.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  10. Manufaktur auf ville-rambervillers.fr. Abgerufen am 26. Dezember 2010 (französisch).
  11. La dynastie de Rambervillers auf vosges.orgues.free.fr. Abgerufen am 26. Dezember 2010 (französisch).
  12. ville-rambervillers.fr/vue d'ensemble. Abgerufen am 26. Dezember 2010 (französisch).

WeblinksBearbeiten

  Commons: Rambervillers – Sammlung von Bildern