Jan-Lennard Struff

deutscher Tennisspieler
Jan-Lennard Struff Tennisspieler
Jan-Lennard Struff
Struff 2016 in Wimbledon
Spitzname: Struffi
Nation: DeutschlandDeutschland Deutschland
Geburtstag: 25. April 1990
Größe: 196 cm
Gewicht: 92 kg
1. Profisaison: 2009
Spielhand: Rechts, beidhändige Rückhand
Trainer: Carsten Arriens
Preisgeld: 5.767.947 US-Dollar
Einzel
Karrierebilanz: 133:152
Höchste Platzierung: 29 (31. August 2020)
Aktuelle Platzierung: 29
Grand-Slam-Bilanz
Doppel
Karrierebilanz: 77:80
Karrieretitel: 3
Höchste Platzierung: 21 (22. Oktober 2018)
Aktuelle Platzierung: 48
Grand-Slam-Bilanz
Letzte Aktualisierung der Infobox:
31. August 2020
Quellen: offizielle Spielerprofile bei der ATP/WTA (siehe Weblinks)

Jan-Lennard Struff (* 25. April 1990 in Warstein) ist ein deutscher Tennisspieler.

KarriereBearbeiten

Sein erstes Spiel auf der ATP World Tour bestritt er 2012 beim MercedesCup in Stuttgart, für den er zusammen mit Robin Kern von der Turnierleitung eine Wildcard für die Doppelkonkurrenz erhielt. Sie verloren das Auftaktspiel mit 4:6 und 3:6 gegen die deutsche Paarung Dustin Brown und Christopher Kas. In der Saison 2012 gewann Struff im Einzel vier Turniere der ITF Future Tour und stand in Loughborough und Madrid im Finale eines ATP Challenger-Turniers. Im Doppel gewann er bei insgesamt sechs Finalteilnahmen zwei Titel auf der Future Tour. 2011 und 2012 gewann Jan-Lennard Struff jeweils die Deutsche Meisterschaft im Einzel.

Die größten Erfolge auf der ATP Tour gelangen Struff 2014, als er drei Halbfinals erreichen konnte. Beim Turnier in Marseille kam das Aus gegen den Weltranglistenzehnten Jo-Wilfried Tsonga (6:7, 5:7), in München gegen den Italiener Fabio Fognini (3:6, 1:6) und in Metz gegen den späteren Sieger David Goffin (6:7, 3:6). Im Mai 2014 gewann er in Heilbronn seinen ersten Titel auf der Challenger Tour. Im Endspiel besiegte er Márton Fucsovics mit 6:2, 7:65. Durch den Turniersieg und weitere Erfolge im Laufe der Saison verbesserte er sich bis Oktober 2014 auf Rang 46 der ATP-Weltrangliste, seine bis dahin beste Platzierung.

Wegen ausbleibenden sportlichen Erfolgs trennte sich Struff im Juli 2015 vom Trainer-Duo Christoph Reichert, früherer Bundesliga-Trainer in Hagen, und Ute Strakerjahn. Neuer Trainer wurde Carsten Arriens, ehemaliger und im Streit geschiedener Davis-Cup-Teamchef.[1] Ute Strakerjahn hatte 2011 einen Trainervertrag mit Struff abgeschlossen, demzufolge sie mit einem Anteil von 20 Prozent an den Preisgeldern und sämtlichen Werbeeinnahmen Struffs partizipiert. Die Regelung sollte auch noch nach Vertragsende sechs Jahre wirken. 2016 reichte Strakerjahn Klage ein und forderte eine Nachzahlung sowie eine Beteiligung an den Einkünften bis 2022.[2] Sowohl das Landgericht Arnsberg im Jahr 2017 in der ersten als auch das Oberlandesgericht Hamm 2018 in der zweiten Instanz gaben Strakerjahn Recht und sprachen ihr knapp 275.000 Euro zu.[3]

Im Herbst 2015 folgten die Challenger-Siege in Stettin und Orléans, 2016 legte Struff auf gleicher Ebene die Erfolge in Alphen aan den Rijn und Mons nach.

Anfang November 2016 gelang dem Deutschen ein weiterer Erfolg: Bei den BNP Paribas Masters konnte Struff in der zweiten Runde den amtierenden US-Open-Champion und Weltranglisten-Dritten Stan Wawrinka mit 3:6, 7:6, 7:6 bezwingen. Damit schlug er erstmals einen Top-20-Spieler und zog zum ersten Mal in die dritte Runde eines ATP Masters ein.

Im Oktober 2018 besiegte er mit seinem Partner, dem Japaner Ben McLachlan, im Finale des Doppel-Wettbewerbs der Rakuten Open in Tokio das Duo Raven Klaasen und Michael Venus mit 6:4 und 7:5 und feierte so seinen ersten Titel auf der ATP Tour.[4] Im Januar 2019 konnte er diesen Erfolg beim Turnier in Auckland mit einem erneuten Sieg mit seinem Partner Ben McLachlan über das Duo Raven Klaasen und Michael Venus bestätigen.[5] Im Einzel stand er zudem im Halbfinale. Bei den French Open kam er im Juni 2019 erstmals in das Achtelfinale eines Grand-Slam-Turniers, bei dem er in drei Sätzen gegen die Nummer Eins der Setzliste Novak Đoković scheiterte. Beim ATP-Turnier in Stuttgart erreichte Struff das Halbfinale, wodurch er im Einzel-Ranking auf Platz 35 kletterte, seine bis dahin beste Platzierung.

Davis CupBearbeiten

2015 debütierte Struff für die deutsche Davis-Cup-Mannschaft gegen Frankreich und unterlag in seinem Auftakt-Match dem Weltranglisten-14. Gilles Simon in über vier Stunden mit 6:7, 6:2, 7:6, 2:6 und 8:10. Sein zweites Match gegen Nicolas Mahut konnte er mit 7:6, 6:3 gewinnen. Außerdem konnte Struff im September 2016 beim Davis-Cup-Relegationsmatch gegen Polen den entscheidenden dritten Sieg gegen Hubert Hurkacz (7:6, 6:4, 6:1) einfahren und dadurch den Verbleib der deutschen Mannschaft in der Weltgruppe sichern. Auch im Jahr 2017 sicherte Struff gegen Portugal mit Siegen im Doppel mit Debütant Tim Pütz und nach abgewehrten Matchball im Einzel gegen João Sousa den Verbleib in der Weltgruppe des Davis Cups.[6] Im Jahr 2018 gewannen Pütz und Struff – auch „Tim und Struffi“ genannt[7] – ihre Doppel gegen Australien und Spanien.

EngagementBearbeiten

Struff äußert sich öffentlich zum Thema Klimaschutz. Er schloss sich einer Ankündigung der Spieler Nick Kyrgios, Novak Đoković oder Julia Görges an, im Rahmen der Buschbrände in Australien 2019/2020 eine Spende zu leisten, um damit eine Botschaft an alle zu senden. Er äußerte sich 2020 in einem Interview mit dem Spiegel zu den Bränden und der Klimakrise: „Es ist allgegenwärtig. Einfach eine Tragödie, was hier passiert. Wenn man in den Nachrichten sieht, wie jemand Koalas aus dem Feuer zieht, ist das schon sehr traurig. Ich möchte das auch gar nicht ausblenden.“[8]

ErfolgeBearbeiten

Legende (Anzahl der Siege)
Grand Slam
ATP World Tour Finals
ATP World Tour Masters 1000
ATP World Tour 500 (1)
ATP World Tour 250 (2)
ATP Challenger Tour (10)
Titel nach Belag
Hartplatz (3)
Sand (0)
Rasen (0)

EinzelBearbeiten

TurniersiegeBearbeiten

Nr. Datum Turnier Belag Finalgegner Ergebnis
1. 18. Mai 2014 Deutschland  Heilbronn Sand Ungarn  Márton Fucsovics 6:2, 7:65
2. 20. September 2015 Polen  Stettin Sand Ukraine  Artem Smyrnow 6:4, 6:3
3. 4. Oktober 2015 Frankreich  Orléans Hartplatz (i) Polen  Jerzy Janowicz 5:7, 6:4, 6:3
4. 11. September 2016 Niederlande  Alphen aan den Rijn Sand Niederlande  Robin Haase 6:4, 6:1
5. 9. Oktober 2016 Belgien  Mons Hartplatz (i) Frankreich  Vincent Millot 6:2, 6:0

DoppelBearbeiten

TurniersiegeBearbeiten

ATP World TourBearbeiten
Nr. Datum Turnier Belag Partner Finalgegner Ergebnis
1. 7. Oktober 2018 Japan  Tokio Hartplatz Japan  Ben McLachlan Neuseeland  Michael Venus
Sudafrika  Raven Klaasen
6:4, 7:5
2. 12. Januar 2019 Australien  Auckland Hartplatz Japan  Ben McLachlan Neuseeland  Michael Venus
Sudafrika  Raven Klaasen
6:3, 6:4
3. 22. September 2019 Frankreich  Metz Hartplatz (i) Schweden  Robert Lindstedt Frankreich  Nicolas Mahut
Frankreich  Édouard Roger-Vasselin
2:6, 7:61, [10:4]
ATP Challenger TourBearbeiten
Nr. Datum Turnier Belag Partner Finalgegner Ergebnis
1. 13. September 2014 Polen  Stettin Sand Deutschland  Dustin Brown Polen  Tomasz Bednarek
Slowakei  Igor Zelenay
6:2, 6:4
2. 13. September 2015 Niederlande  Alphen aan den Rijn (1) Sand Deutschland  Tobias Kamke Rumänien  Victor Hănescu
Rumänien  Adrian Ungur
7:61, 3:6, [10:7]
3. 10. September 2016 Niederlande  Alphen aan den Rijn (2) Sand Deutschland  Daniel Masur Niederlande  Robin Haase
Niederlande  Boy Westerhof
6:4, 6:1
4. 13. Januar 2017 Australien  Canberra Hartplatz Deutschland  Andre Begemann Argentinien  Carlos Berlocq
Argentinien  Andrés Molteni
6:3, 6:4
5. 10. September 2017 Italien  Genua Sand Deutschland  Tim Pütz Argentinien  Guido Andreozzi
Uruguay  Ariel Behar
7:65, 7:68

FinalteilnahmenBearbeiten

Nr. Datum Turnier Belag Partner Finalgegner Ergebnis
1. 12. Januar 2018 Australien  Sydney Hartplatz Serbien  Viktor Troicki Polen  Łukasz Kubot
Brasilien  Marcelo Melo
3:6, 4:6
2. 2. März 2019 Vereinigte Arabische Emirate  Dubai Hartplatz Japan  Ben McLachlan Vereinigte Staaten  Rajeev Ram
Vereinigtes Konigreich  Joe Salisbury
6:74, 3:6
3. 16. Februar 2020 Niederlande  Rotterdam Hartplatz (i) Finnland  Henri Kontinen Frankreich  Pierre-Hugues Herbert
Frankreich  Nicolas Mahut
6:75, 6:4, [7:10]

Abschneiden bei Grand-Slam-TurnierenBearbeiten

EinzelBearbeiten

Turnier1 2020 2019 2018 2017 2016 2015 2014 2013 2012 2011 2010 2009

Gesamt
Australian Open 1R 1R 2R 1R Q2 1R 1R Q3

2R
French Open AF 2R 1R 1R 1R 2R 1R

AF
Wimbledon 3R 3R 1R 1R 1R 1R 2R

3R
US Open 3R 2R 3R 1R 1R Q2 2R 1R Q1

3R
Gewonnene Einzel-Titel 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0

0
Gesamt-Siege/-Niederlagen2 12:7 35:39 23:25 28:29 13:18 5:19 15:17 4:9 0:0 0:0 0:0 0:0

130:151
Jahresendposition 35 57 53 63 107 59 107 168 239 359 702

N/A

DoppelBearbeiten

Turnier1 2020 2019 2018 2017 2016 2015 2014 2013 2012

Gesamt
Australian Open QF 1R HF 1R 1R

HF
French Open 1R 1R 2R 1R

2R
Wimbledon 1R AF 1R 2R 2R

AF
US Open 1R 1R 1R 1R 2R

2R
Gewonnene Doppel-Titel 0 2 1 0 0 0 0 0 0

3
Gesamt-Siege/-Niederlagen2 8:5 20:19 34:21 3:12 4:5 4:10 4:7 0:1 0:1

77:79
Jahresendposition 0 56 22 190 182 162 169 450 404

N/A

Zeichenerklärung: S = Turniersieg; F, HF, VF, AF = Einzug ins Finale / Halbfinale / Viertelfinale / Achtelfinale; 1R, 2R, 3R = Ausscheiden in der 1. / 2. / 3. Hauptrunde bzw. Q1, Q2, Q3 = Ausscheiden in der 1. / 2. / 3. Qualifikationsrunde

1 Turnierresultat in Klammern bedeutet, dass der Spieler das Turnier noch nicht beendet hat; es zeigt seinen aktuellen Turnierstatus an. Nachdem der Spieler das Turnier beendet hat, wird die Klammer entfernt.
2 Stand: 28. Februar 2020

WeblinksBearbeiten

Commons: Jan-Lennard Struff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Daniel Berg: Carsten Arriens ist neuer Trainer von Jan-Lennard Struff. In: Westfalenpost. 25. August 2015, abgerufen am 15. Juni 2019.
  2. „Sie hat Herrn Struff ausgedrückt wie eine Zitrone“. In: Soester Anzeiger. 15. Dezember 2017, abgerufen am 15. Juni 2019.
  3. Thorsten Streber: Jan-Lennard Struff akzeptiert Ansprüche seiner Ex-Trainerin. In: Westfalenpost. 19. Oktober 2018, abgerufen am 15. Juni 2019.
  4. Tim Cordes: Jan-Lennard Struff feiert ersten Titel auf der ATP-Tour. In: Westfalenpost. 7. Oktober 2018, abgerufen am 7. Oktober 2018.
  5. Jan-Lennard Struff und Ben McLachlan gewinnen Doppeltitel in Auckland. Eurosport, 12. Januar 2019, abgerufen am 12. Januar 2019.
  6. Klassenerhalt im Davis Cup: Perfekter Einstand für Boris Becker. Die Welt, 17. September 2017, abgerufen am 15. Juni 2019.
  7. Jan-Lennard Struff, die unterschätzte Gefahr. n-tv Nachrichten, abgerufen am 15. Juni 2019.
  8. Philipp Joubert: Tennisprofi Jan-Lennard Struff über Brandkatastrophe in Australien: „Einfach eine Tragödie, was hier passiert“. In: spiegel.de. 11. Januar 2020, abgerufen am 11. Januar 2020.