Atalanta Bergamo

italienischer Fußballklub

Atalanta Bergamasca Calcio, kurz Atalanta B.C. oder Bergamo, im deutschsprachigen Raum bekannt als Atalanta Bergamo, ist ein 1907 gegründeter italienischer Fußballverein aus der lombardischen Stadt Bergamo. Weitere Bezeichnungen sind Gli Orobici (deutsch „Die Bergamasken“), La Dea (deutsch „Die Göttin“) oder I Nerazzurri (deutsch „Die Schwarz-Blauen“).

Atalanta Bergamo
Vereinswappen von Atalanta Bergamo
Basisdaten
Name Atalanta Bergamasca Calcio S.p.A.
Sitz Bergamo, Italien
Gründung 1907
Farben Schwarz-Blau
Präsident Antonio Percassi
Website atalanta.it
Erste Fußball-Mannschaft
Cheftrainer Gian Piero Gasperini
Spielstätte Gewiss Stadium
Plätze 21.300
Liga Serie A
2019/20 3. Platz
Heim
Auswärts
Alternativ

Die Heimspielstätte des Vereins ist das Gewiss Stadium. Seit Mai 2017 gehört das Stadion dem Klub und wird aktuell modernisiert.

GeschichteBearbeiten

 
Mannschaft der Saison 1913/14
 
Choreografie der Curva Nord vor dem Finalspiel der Coppa Italia 1995/96

Atalanta Bergamo wurde im Oktober 1907 als Società Bergamasca di Ginnastica e Sport Atletici „Atalanta“ gegründet und ging in seiner heutigen Form aus einer Zusammenlegung mit „Società Bergamasca di Ginnastica e Scherma“ im Jahr 1920 hervor. Er nannte sich fortan „Atalanta Bergamasca di Ginnastica e Scherma“, wurde 1945 jedoch wieder in seinen noch heute gültigen Namen „Atalanta Bergamasca Calcio“ umbenannt. International ist der Verein allerdings allgemein unter der Kurzform „Atalanta Bergamo“ bekannt.

Obwohl Atalanta Bergamo in seiner Vereinsgeschichte überwiegend der Serie A, Italiens höchster Fußball-Liga, angehörte, blieb dem Klub der ganz große Erfolg bis heute verwehrt. Die Mannschaft aus der Lombardei wurde bis heute noch kein einziges Mal italienischer Landesmeister und zählt daher das Jahr 2019, in dem sie die Serie A mit Platz drei abschlossen, nun zum erfolgreichsten Meisterschaftsjahr. Der einzige Vereinserfolg ist der Gewinn des italienischen Pokals aus dem Jahr 1963 (3:1 gegen die AC Turin), dessen Wiederholung sie in den Jahren 1987 (gegen die SSC Neapel), 1996 (gegen die AC Florenz) und 2019 (gegen Lazio Rom) knapp verpassten, als sie dreimal erst im Finale unterlagen.

Größter internationaler Erfolg ist das Erreichen des Halbfinales im Europapokal der Pokalsieger, für den Atalanta 1987/88 trotz der Finalniederlage gegen Neapel zugelassen wurde, weil jenes als Meister im Europapokal der Landesmeister startete. Nach Siegen über Merthyr Tydfil FC, OFI Kreta und Sporting Lissabon scheiterte Atalanta, das zwischenzeitlich in die Serie B (Zweite Liga) abgestiegen war, erst im Halbfinale am späteren Gewinner KV Mechelen. Damit stellte der Klub einen Rekord ein: Als Zweitligist hatte es zuvor nur Cardiff City (1967) so weit im Europapokal geschafft.[1]

In der Saison 2005/06 wurde Atalanta mit 81 Punkten Serie B-Meister und stieg damit wieder in die Serie A auf. Dem neuerlichen Abstieg als 18. der Saison 2009/2010 folgte der sofortige Wiederaufstieg in die Eliteklasse im Jahr 2011. Zurück in der Serie A wurde Atalanta mit einem Abzug von sechs Punkten bestraft, da die Spieler Cristiano Doni und Thomas Manfredini verdächtigt wurden, in einen Wett- und Manipulationsskandal verwickelt zu sein. Der ehemalige Mannschafts-Kapitän Doni hat gestanden, zwei Serie B-Spiele manipuliert zu haben, um so den Aufstieg zu sichern; der Verein habe davon allerdings nichts gewusst. Manfredini hingegen wurde von den Anschuldigungen freigesprochen. Für Atalanta Bergamo selbst lief die Spielzeit 2011/12 recht zufriedenstellend, wurde die Saison doch trotz des Punkteabzuges auf dem 12. Tabellenplatz abgeschlossen. Auch in den Folgejahren sprangen Platzierungen im Mittelfeld der ersten italienischen Fußballliga heraus.

Die Saison 2016/17 schloss Atalanta Bergamo auf dem vierten Tabellenplatz ab und sicherte sich somit die Möglichkeit zur Qualifikation für die UEFA Europa League 2017/18. Nach einem dritten Platz in der Serie A 2018/19 nimmt der Verein in der Saison 2019/20 erstmals an der UEFA Champions League teil. Die Heimspiele müssen wegen des Umbaus des Stadions im Giuseppe-Meazza-Stadion in Mailand stattfinden.[2]

Spiel- und TrainingsstättenBearbeiten

Historische SpielstättenBearbeiten

Erste Spielstätten waren von 1914 bis 1918 Sportplätze in der Via Maglio del Lotto und von 1919 bis 1928 im Stadtviertel Clementina.

StadionBearbeiten

 
Gewiss Stadium (2008)

Das unter dem heutigen Namen Gewiss Stadium bekannte Stadio Atleti Azzurri d’Italia wurde von 1927 bis 1928 erbaut.

Im Laufe der Jahre wurde das Stadion immer wieder umgebaut und modernisiert. Im Mai 2017 erwarb Atalanta Bergamo die Anlage für 8,6 Mio. Euro von der Stadt. Im Kaufvertrag hat sich der Verein verpflichtet, das Stadion mit Rücksicht auf die historischen Gebäudeteile, innerhalb von sechs Jahren komplett zu sanieren.

Aktuell wir die Spielstätte für rund 40 Mio. Euro modernisiert und wird nach dem Umbau etwa 23.000 Zuschauern platz bieten.

Da sich Atalanta für die UEFA Champions League 2019/20 qualifizieren konnte, werden die Champions League-Heimspiele aufgrund der Umbaumaßnahmen aktuell im 60 km entfernten Giuseppe-Meazza-Stadion in Mailand austragen.[2]

Daten und FaktenBearbeiten

VereinserfolgeBearbeiten

 
Die Mannschaft von Atalanta Bergamo nach dem Gewinn der Coppa Italia 1962/63

JugendsystemBearbeiten

Die Jugendarbeit wird in Italien wie generell in Europa hoch angesehen. Ein Grundstein dafür war Anfang der 1990er-Jahre die Maßnahme des damaligen Präsidenten Antonio Percassi, künftige Investitionen vermehrt auf den Nachwuchs zu legen. Er konnte Fermo Favini überzeugen, Como Calcio zu verlassen und ihm die Verantwortung für den Jugendsektor zu überlassen.

Das Atalanta-Jugendsystem hat nicht nur die Produktion von Spielern für die erste Mannschaft erhöht, sondern half, in den wichtigsten nationalen Ligen mehrere Titel zu gewinnen. Von 1991 bis 2014 haben die verschiedenen Jugendmannschaften 17 nationale Titel geholt.

Erfolge der JugendmannschaftenBearbeiten

Fan-FreundschaftenBearbeiten

Es besteht seit 2000 ein Ultra-Fanbündnis zwischen Atalanta-Fans, Fans des deutschen Bundesligateams Eintracht Frankfurt und Fans des österreichischen Bundesligisten FC Wacker Innsbruck, das bis heute gepflegt wird. So trifft man in Frankfurt und Innsbruck oft auf Schals der Curva Nord und in Bergamo auf Anhänger aus Frankfurt und Innsbruck.

PersonalBearbeiten

Kader der Profimannschaft (2019/20)Bearbeiten

Nr. Nat. Name Geburtsdatum Im Verein seit Vertrag bis
Torhüter
31 Italien  Francesco Rossi 27.04.1991 2009 2021
57 Italien  Marco Sportiello 10.05.1992 2012 2021
95 Italien  Pierluigi Gollini 18.03.1995 2018 2023
Abwehrspieler
02 Brasilien  Rafael Tolói 10.10.1990 2015 2023
03 Italien  Mattia Caldara 05.05.1994 2020 2021
04 Kroatien  Boško Šutalo 01.01.2000 2020 2024
06 Argentinien  José Luis Palomino 05.01.1990 2017 2023
07 Deutschland  Lennart Czyborra 03.05.1999 2020 2024
08 Deutschland  Robin Gosens 05.07.1994 2017 2022
19 Albanien  Berat Djimsiti 19.02.1993 2016 2022
21 Belgien  Timothy Castagne 05.12.1995 2017 2021
22 Italien  Raoul Bellanova 17.05.2000 2020 2021
33 Niederlande  Hans Hateboer 09.01.1994 2017 2022
Mittelfeldspieler
05 Frankreich  Adrien Tameze 04.02.1994 2020 2020
11 Schweiz  Remo Freuler 15.04.1992 2016 2022
15 Niederlande  Marten de Roon 29.03.1991 2017 2021
18 Ukraine  Ruslan Malinovskyi 04.05.1993 2019 2024
88 Kroatien  Mario Pašalić 09.02.1995 2018 2024
Stürmer
09 Kolumbien  Luis Muriel 16.04.1991 2019 2024
10 Argentinien  Alejandro Gómez (C)  15.02.1988 2014 2022
72 Slowenien  Josip Iličić 29.01.1988 2017 2022
91 Kolumbien  Duván Zapata 04.01.1991 2018 2023
Stand: 31. Januar 2020[3][4]

Ehemalige SpielerBearbeiten

TrainerhistorieBearbeiten

Cheftrainer
Amtszeit Name
1924–1927 Italien 1861  Cesare Lovati
1927/28 Ungarn 1918  Imre Payer
Italien 1861  Enrico Tirabassi
1929–1930 Italien 1861  Aldo Cevenini
1930–1932 Ungarn 1918  József Viola
1932/33 Ungarn 1918  József Viola
Ungarn 1918  Imre Payer
1933–1935 Italien 1861  Angelo Mattea
1935–1936 Ungarn 1918  Imre Payer
1936–1938 Italien 1861  Ottavio Barbieri
1938–1939 Ungarn 1918  Géza Kertész
1939–1941 Italien 1861  Ivo Fiorentini
1941–1945 Ungarn 1940  János Nehadoma
1945/46 Ungarn 1940  János Nehadoma
Italien 1861  Giuseppe Meazza
Argentinien  Italien 1861  Luis Monti
1946/47 Argentinien  Italien 1861  Luis Monti
Italien  Ivo Fiorentini
1947/48 Italien  Ivo Fiorentini
1948/49 Italien  Ivo Fiorentini
Italien  Alberto Citterio
Italien  Carlo Carcano
1949/50 Italien  Giovanni Varglien
1950/51 Italien  Giovanni Varglien
Italien  Luigi Tentorio und Italien  Francesco Simonetti
England  Denis Charles Neville
1951/52 England  Denis Charles Neville
Italien  Carlo Ceresoli
1952/53 Italien  Luigi Ferrero
1953/54 Italien  Luigi Ferrero
Italien  Francesco Simonetti und Italien  Luigi Tentorio (Technischer Direktor)
1954–1956 Italien  Luigi Bonizzoni
1956/57 Italien  Luigi Bonizzoni
Italien  Carlo Rigotti
1957/58 Italien  Carlo Rigotti
Italien  Giuseppe Bonomi
Italien  Carlo Rigotti
Italien  Giuseppe Bonomi
Osterreich  Karl Adamek und Italien  Luigi Tentorio (Technischer Direktor)
1958/59 Osterreich  Karl Adamek
1959–1962 Italien  Ferruccio Valcareggi
1962/63 Italien  Paolo Tabanelli
1963/64 Italien  Carlo Alberto Quario
Italien  Carlo Ceresoli
1964/65 Italien  Ferruccio Valcareggi
1965/66 Uruguay  Italien  Ettore Puricelli
Italien  Stefano Angeleri
1966/67 Italien  Stefano Angeleri
Cheftrainer
Amtszeit Name
1967/68 Italien  Paolo Tabanelli
Italien  Stefano Angeleri
1968/69 Italien  Stefano Angeleri
Italien  Silvano Moro
Italien  Carlo Ceresoli
1969/70 Italien  Corrado Viciani
Italien  Renato Gei
Italien  Battista Rota
1970–1973 Italien  Giulio Corsini
1973/74 Italien  Giulio Corsini
Paraguay  Heriberto Herrera
1974/75 Paraguay  Heriberto Herrera
Italien  Angelo Piccioli
1975/76 Italien  Giancarlo Cadè
Italien  Gianfranco Leoncini
1976–1980 Italien  Battista Rota
1980/81 Italien  Bruno Bolchi
Italien  Giulio Corsini
1981–1983 Italien  Ottavio Bianchi
1983–1987 Italien  Nedo Sonetti
1987–1990 Italien  Emiliano Mondonico
1990/91 Italien  Pierluigi Frosio
Italien  Bruno Giorgi
1991/92 Italien  Bruno Giorgi
1992/93 Italien  Marcello Lippi
1993/94 Italien  Francesco Guidolin
Italien  Andrea Valdinoci und Italien  Cesare Prandelli
1994–1998 Italien  Emiliano Mondonico
1998/99 Italien  Bortolo Mutti
1999–2002 Italien  Giovanni Vavassori
2002/03 Italien  Giovanni Vavassori
Italien  Giancarlo Finardi
2003/04 Italien  Andrea Mandorlini
2004/05 Italien  Andrea Mandorlini
Italien  Delio Rossi
2005–2007 Italien  Stefano Colantuono
2007–2009 Italien  Luigi Delneri
2009/10 Italien  Angelo Gregucci
Italien  Antonio Conte
Italien  Valter Bonacina
Italien  Bortolo Mutti
2010–2014 Italien  Stefano Colantuono
2014/15 Italien  Stefano Colantuono
Italien  Edoardo Reja
2015/16 Italien  Stefano Colantuono
Italien  Edoardo Reja
2017– Italien  Gian Piero Gasperini

VereinsrekordeBearbeiten

EuropapokalbilanzBearbeiten

Saison Wettbewerb Runde Gegner Gesamt Hin Rück
1963/64 Europapokal der Pokalsieger 1. Runde Portugal  Sporting Lissabon 4:6 2:0 (H) 1:3 (A)
1:3 (N)
1987/88 Europapokal der Pokalsieger 1. Runde Wales  Merthyr Tydfil FC 3:2 1:2 (A) 2:0 (H)
2. Runde Griechenland  OFI Kreta 2:1 0:1 (A) 2:0 (H)
Viertelfinale Portugal  Sporting Lissabon 3:1 2:0 (H) 1:1 (A)
Halbfinale Belgien  KV Mechelen 2:4 1:2 (A) 1:2 (H)
1989/90 UEFA-Pokal 1. Runde Sowjetunion  Spartak Moskau 0:2 0:0 (H) 0:2 (A)
1990/91 UEFA-Pokal 1. Runde Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik  Dinamo Zagreb (a)1:1(a) 0:0 (H) 1:1 (A)
2. Runde Turkei  Fenerbahçe Istanbul 5:1 1:0 (A) 4:1 (H)
3. Runde Deutschland  1. FC Köln 2:1 1:1 (A) 1:0 (H)
Viertelfinale Italien  Inter Mailand 0:2 0:0 (H) 0:2 (A)
2017/18 UEFA Europa League Gruppenphase England  FC Everton 8:1 3:0 (H) 5:1 (A)
Frankreich  Olympique Lyon 2:1 1:1 (A) 1:0 (H)
Zypern Republik  Apollon Limassol 4:2 3:1 (H) 1:1 (A)
Sechzehntelfinale Deutschland  Borussia Dortmund 3:4 2:3 (A) 1:1 (H)
2018/19 UEFA Europa League 2. Qualifikationsrunde Bosnien und Herzegowina  FK Sarajevo 10:2 2:2 (H) 8:0 (A)
3. Qualifikationsrunde Israel  Hapoel Haifa 6:1 4:1 (A) 2:0 (H)
Play-offs Danemark  FC Kopenhagen 0:0
(3:4 i. E.)
0:0 (H) 0:0 (A)
2019/20 UEFA Champions League Gruppenphase Kroatien  Dinamo Zagreb 2:4 0:4 (A) 2:0 (H)
Ukraine  Schachtar Donezk 4:2 1:2 (H) 3:0 (A)
England  Manchester City 2:6 1:5 (A) 1:1 (H)
Achtelfinale Spanien  FC Valencia 8:4 4:1 (H) 4:3 (A)
Viertelfinale Frankreich  Paris Saint-Germain -:- -:- (H) -:- (A)
Legende: (H) – Heimspiel, (A) – Auswärtsspiel, (N) – neutraler Platz, (a) – Auswärtstorregel, (i. E.) – im Elfmeterschießen, (n. V.) – nach Verlängerung

Gesamtbilanz: 42 Spiele, 18 Siege, 12 Unentschieden, 12 Niederlagen, 71:48 Tore (Tordifferenz +23)

WeblinksBearbeiten

Commons: Atalanta Bergamo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Marcel Nasser: Atalanta Bergamo - Verein, Stadion und Fans | europapokal.de. In: Europapokal.de. 28. Oktober 2016 (europapokal.de [abgerufen am 4. April 2017]).
  2. a b Stadionumbau in Bergamo – Champions League in Mailand. In: stadionwelt.de. 12. Juli 2019, abgerufen am 15. Juli 2019.
  3. Squadra. In: atalanta.it. Atalanta Bergamasca Calcio, abgerufen am 12. August 2019 (italienisch).
  4. Kader Atalanta Bergamo. In: transfermarkt.de. Transfermarkt GmbH & Co. KG, abgerufen am 12. August 2019.