Westensee (Gemeinde)

Gemeinde im Kreis Rendsburg-Eckernförde, Deutschland

Westensee ist eine Gemeinde in der Nähe von Kiel im Kreis Rendsburg-Eckernförde in Schleswig-Holstein.

Wappen Deutschlandkarte
Westensee (Gemeinde)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Westensee hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 54° 17′ N, 9° 54′ OKoordinaten: 54° 17′ N, 9° 54′ O
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Rendsburg-Eckernförde
Amt: Achterwehr
Höhe: 19 m ü. NHN
Fläche: 36,92 km2
Einwohner: 1545 (31. Dez. 2023)[1]
Bevölkerungsdichte: 42 Einwohner je km2
Postleitzahl: 24259
Vorwahl: 04305
Kfz-Kennzeichen: RD, ECK
Gemeindeschlüssel: 01 0 58 171
Adresse der Amtsverwaltung: Inspektor-Weimar-Weg 17
24239 Achterwehr
Website: www.gemeinde-westensee.de
Bürgermeister: Ronny Walloßek (CDU)
Lage der Gemeinde Westensee im Kreis Rendsburg-Eckernförde
Karte

Geografie

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Geografische Lage

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Der Westensee in Westensee

Das Gebiet der Gemeinde Westensee erstreckt sich südwestlich vom gleichnamigen See[2] im nordwestlichen Teilbereich des Naturraums Ostholsteinisches Hügel- und Seenland[3] (Haupteinheit Nr. 702)[4], einem Teilgebiet des schleswig-holsteinischen Hügellandes. Es gehört zum Schutzgebiet des Naturparks Westensee um den sich bis auf eine Höhenlage von 88 Metern über NHN erhebenden Tüteberg.[2]

Ortsteile

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Bossee, Brux, Deutsch-Nienhof, Josephinenhof, Westensee und Wrohe liegen im Gemeindegebiet.[5]

Nachbargemeinden

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Das Gemeindegebiet von Westensee ist umschlossen von jenen der Gemeinden:[2]

BredenbekFeldeAchterwehr
Haßmoor   Rodenbek
Emkendorf Langwedel Schierensee

Geschichte

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Der Ortsname bedeutet „westlich vom See“; er wurde später auf den See selbst übertragen.

Mehrere Megalithgräber und Funde von steinzeitlichen Werkzeugen und bronzezeitlichen Urnen lassen auf eine Besiedlung des Gebiets vom Neolithikum an schließen.[6] In der Eisenzeit wanderte die Bevölkerung ab. Adam von Bremen schildert in seiner Chronik das heutige Mittelholstein als menschenleeren Urwald, den sogenannten Isarnho (= eiserner Wald). Erst unter Adolf II. von Schauenburg wurde das Gebiet wieder besiedelt. Die Kirche St. Catharinen wurde als Filiale des Klosters Neumünster gegründet und stammt aus der Zeit kurz nach der Besiedlung des Landes im Mittelalter.

Im Jahre 1159 wurde mit Emcko der erste der Ritter von Westensee aus dem Geschlecht des Overboden Marcrad I., die Vasallen der Schauenburger Grafen waren, namentlich genannt.[7] Sein Name ist im Nachbarort Emkendorf erhalten. Der Herrschaftsbereich der Ritter von Westensee erstreckte sich bis nach Kiel und Eckernförde und enthielt zeitweise auch die Pfandherrschaft über Rendsburg. Ihr Wappentier war das Eichhörnchen. Im Jahre 1322 verkauften sie Grömitz an das Kloster Cismar. Sie kontrollierten den Schiffsverkehr auf der Eider, die durch den Westensee fließt, mittels zweier Burgen, der Läkeburg auf der Insel (heute eine Halbinsel zwischen dem Westensee und dem Bossee) Lohburg und der Hohburg auf dem Börner. Diese Burgen wurden 1346/48 durch Holsteinische Grafen und die Stadt Lübeck zerstört, weil die Westenseer Ritter sich vom Schutz der Handelswege auf Raubritterei verlegt haben sollen. Marquard von Westensee kam in Lübeck vor Gericht, schwor Urfehde, wurde aber nach der Verurteilung noch auf Lübecker Gebiet erschlagen.

 
Kirche St. Catharinen, vorn die ehemalige Grabkapelle der Familie Reventlow-Criminil von Gut Emkendorf

Das Dorf Westensee wurde Mitte des 13. Jahrhunderts erstmals erwähnt. Nachdem im 14. Jahrhundert die Pest fast die gesamte Bevölkerung einschließlich des Rittergeschlechts ausgerottet hatte, gingen deren Besitzungen an die Familie Ahlefeldt über. Anders als die Ritter betrieben die neuen Herren selbst Landwirtschaft, gründeten dafür die Güter Bossee, Westensee und Nienhof und machten das durch die Entvölkerung des Schwarzen Todes wüst gefallene Land wieder urbar. Die Bauern gerieten zunehmend in Leibeigenschaft. Im 16. Jahrhundert war die Familie Rantzau Besitzer von Dorf und Gütern. Später gehörten die Güter anderen Adligen und Staatsbeamten.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Westensee gleich zweimal verwüstet: 1626/1627 lagerten Tillys Truppen im Ort und 1645 marodierten schwedische Truppen. Auch die Pest suchte das Gebiet zum Beginn des 17. Jahrhunderts zweimal heim, was zur Verarmung der Bauern und zu weiterem Machtzuwachs der adligen Güter führte.

Die Verkoppelung im 18. Jahrhundert und die Bauernbefreiung 1803, also zwei Jahre vor Inkrafttreten des Gesetzes,[8] führte zu einem Anwachsen der Bevölkerung, da der Bedarf an Arbeitskräften auf den Gütern Tagelöhner und Handwerker anzog.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Teil der Gutsländereien zur Ansiedlung aufgeteilt. Inzwischen gibt es nur noch wenige landwirtschaftliche Betriebe.

Im Jahre 1928 wurden die Gutsgemeinden in politische Gemeinden umgewandelt. Statt des Gutsbesitzers stand der Gemeinde nun ein selbst gewählter Bürgermeister vor.

Seit 1970 gehört die Gemeinde Westensee zum Amt Achterwehr.

 
Kuhhaus des Guts Bossee von 1709 mit den Initialen von Heinrich Jasper Rantzau und Friederike Margarete Rantzau

Gut Bossee

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Nach der Zerstörung der mittelalterlichen Burgen und dem Aussterben des Westenseer Rittergeschlechts verlagerten die Herren von Ahlefeld ihren Wohnsitz an die Stelle des Guts Bossee. 1470 wird Bossee als Herrensitz derer von Ahlefeld erstmals erwähnt. Damit ist es das älteste Gut der Gemeinde. Von einem Gebäude aus dem 15. Jahrhundert ist noch das Kellergewölbe unter dem heutigen Herrenhaus erhalten. Im 16. Jahrhundert wurde ein erstes Herrenhaus errichtet. Unter der Familie Rantzau erhielt der Hof die heute noch bestehenden großen Wirtschaftsgebäude. Nach mehreren Besitzerwechseln befindet sich das Gut heute im Besitz der Familie Bülow. Das ehemalige Torhaus ließ Detlev von Bülow um 1900 durch einen Wasserturm ersetzen, der den Hof noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein mit Wasser versorgte. Das Herrenhaus wurde 1897 umgestaltet.[9]

 
Herrenhaus auf Gut Deutsch-Nienhof

Gut Deutsch-Nienhof

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Das ehemalige adlige Gut Deutsch-Nienhof wurde 1472 erstmals erwähnt. Anfang des 16. Jahrhunderts befand es sich im Besitz der Familie Rantzau, die eine dreiflügelige Wasserburg errichtete, die auf der Rantzau-Tafel abgebildet ist.[10] Der bekannteste Besitzer war der Feldherr Daniel Rantzau. 1630 gelangte das Gut über Abel Rantzau an ihren Sohn Otto Blome.

Auf den Fundamenten der alten Burg steht das heutige, Ende des 18. Jahrhunderts erbaute Herrenhaus.[11] Das im Zuge der Baumaßnahmen von Georg Greggenhofer entworfene Torhaus wurde damals nicht verwirklicht, sondern erst 200 Jahre später im Freilichtmuseum Molfsee gebaut.

Das 1776 von der Familie von Hedemann-Heespen erworbene Gut Deutsch-Nienhof ist seit dem 18. Jahrhundert ein Familienfideikommiss. Von 1907 bis 1909 ließ Paul von Hedemann-Heespen das Innere des Gutshauses umgestalten.

In der Gemarkung befinden sich zwei Schalensteine.

Wrohe (Wrau)

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Der Ortsname lautet heute Wrohe, vormals Wrau, im 17. Jahrhundert Wra. Die Bedeutung ist Ecke, Winkel, abgelegene Stelle.[12]

Wrohe bei Kiel wurde 1845 beschrieben als „Dorf zum Kirchspiel Westensee gehörig, 21 H[aushalte] 126 E[inwohner], Königreich Dänemark, Herzogthum Holstein, Patrimonialgericht des Gutes Deutsch Nienhof, Holsteinsches Obergericht resp Oberconsistorium Glückstadt. Das Dorf Wrohe (Wrau) südlich am Westensee belegen besteht aus 5 Halbhufen 3 Kathen und 7 Instenstellen mit einer Schule und einem Wirthshause. An der Schierenseer Scheide liegt der Eulenkrug eine Instenstelle.“[13]

„So ist in dem dem Gut Deutschneuhof angehörigen, sehr romantisch am Westensee liegenden Dorfe Wrohe ein junger Schullehrer, Namens Baar, angestellt...“,[14] zu dessen 50-jährigen Amtsjubiläum am 9. Juni 1865 eine Stiftung gegründet wurde: Die „Bahr'sche Stiftung zum Besten der Schüler der Schule zu Wrohe, im adel. Gute Deutsch-Nienhof, Kirchspiels Westensee“.[15] Diese Schule besuchten 1837 95 Kinder aus dem Einzugsgebiet Deutsch-Nienhof mit Josephinenhof, Eckhöft und Wrohe.[16]

Eingemeindungen

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Teile der am 1. Oktober 1975 in die Nachbargemeinde Langwedel eingegliederten Gemeinde Deutsch-Nienhof (mit dem Gut Deutsch-Nienhof und Wrohe) wurden am 1. August 1976 in die Gemeinde Westensee umgegliedert.[17]

Gemeindevertretung

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Wahlbeteiligung: 65,1 Prozent
 %
40
30
20
10
0
33,9 %
29,3 %
36,8 %
Lebendiges Dorfc
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c Unabhängige Wählerinnen und Wählergemeinschaft Lebendiges Dorf

Bei der Kommunalwahl am 14. Mai 2023 wurden insgesamt 13 Sitze vergeben. Von diesen erhielt die Unabhängige Wählerinnen und Wählergemeinschaft Lebendiges Dorf fünf Sitze und die CDU und die SPD vier Sitze.

Blasonierung: „Von Silber und Blau schräg geteilt. Oben ein sitzendes, in den Vorderpfoten eine schwarze Nuss haltendes rotes Eichhörnchen, unten fünf silberne Wellenfäden.“[19] Das Eichhörnchen war Wappentier der Ritter von Westensee.

Sehenswürdigkeiten

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Die St.-Catharinen-Kirche nahe am Ufer des Westensees stammt in ihren Anfängen aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. In ihr befindet sich das Grabmal von Daniel Rantzau.

In der Liste der Kulturdenkmale in Westensee stehen weitere in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.

Durch Westensee verläuft der Naturparkweg, der die fünf Naturparks in Schleswig-Holstein für Wanderer verbindet. Siehe auch: Dolmen von Langwedel

Am Südrand des Ortsteils Wrohe befindet sich das NATURA 2000-Schutzgebiet FFH-Gebiet Quellen am Großen Schierensee.

Nördlich verläuft die Bundesautobahn 210 von Rendsburg nach Kiel, südwestlich die Bundesautobahn 7 von Hamburg nach Rendsburg und südöstlich die Bundesautobahn 215 von Neumünster nach Kiel. In das Gemeindegebiet gelangt man auf der schleswig-holsteinischen Landesstraße 48, die an der Anschlussstelle Warder (Nr. 10) an der Autobahn 7 den nächsten ihren Autobahnanschluss hat.[2] Daneben führt die Landesstraße 255 quer dazu von Osterrönfeld nach Flintbek.[2]

Persönlichkeiten

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Literatur

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  • Paul von Hedemann-Heespen: Die ältere Geschichte der Kirche zu Westensee. Kiel 1889.
  • Wilhelm Ricker: Westensee. Chronik eines adligen Kirchdorfs. Wachholtz, Neumünster 1994².
  • Harry Schmidt: Drei Schlösser am Westensee. 3. Aufl., Christians, Hamburg 1993, ISBN 3-7672-1180-7.
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Commons: Westensee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2023 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. a b c d e Relation: Westensee (548504) bei OpenStreetMap (Version #10). Abgerufen am 16. September 2023.
  3. Liste: Zuordnung der Gemeinden zu den Naturräumen. S. 7, abgerufen am 16. September 2023.
  4. Vgl. Eintrag in [[Naturräumliche Haupteinheiten Deutschlands (Weitergeleitet von Haupteinheit)]]
  5. Schleswig-Holstein-Topographie. 10: Timmaspe – Ziethen. Flying-Kiwi-Verl. Junge, Flensburg 2008, ISBN 978-3-926055-92-7, S. 238.
  6. Wilhelm Ricker: Westensee. Chronik eines adligen Kirchdorfs. Wachholtz, Neumünster 1994², S. 12 ff.
  7. Wilhelm Ricker: Westensee. Chronik eines adligen Kirchdorfs. S. 23
  8. Wilhelm Ricker: Westensee. Chronik eines adligen Kirchdorfs. S. 65
  9. Geschichte von Gut Bossee (Memento des Originals vom 13. Oktober 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bossee.de
  10. Burg Nienhof (ganz unten) auf der Rantzau-Tafel
  11. Deutsch-Nienhof@1@2Vorlage:Toter Link/www.deutsch-nienhof.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  12. Pamphlets on place names: Geschichte der Flurnamensammlung im Herzogtum Braunschweig. 1912 In: Bd. 1 of Pamphlets on place names: 1881–1935, S. 313
  13. Johann Friedrich Kratzsch: Vollständiges topographisch-justitiarisches Handbuch der sämmtlichen deutschen Bundesstaaten, Zweiter Abtheilung, zweiter Band. E. Zimmermann, 1845
  14. Friedrich J. Meyer: Darstellungen aus Nord-Deutschland, Hoffmann u. Campe, 1816, Seite 249
  15. Confirmationspatent und Statuten in Verordnungsblatt für Schleswig-Holstein und Lauenburg, 1865, Seite 157
  16. Johann Heinrich Bernhard Lübkert: Versuch einer kirchlichen Statistik Holsteins, Ein Beitrag zur Vaterlandskunde. Glückstadt 1837, S. 457
  17. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 184.
  18. wahlen-sh.de
  19. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein