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Westensee (Gemeinde)

Gemeinde im Kreis Rendsburg-Eckernförde, Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Westensee
Westensee (Gemeinde)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Westensee hervorgehoben
Koordinaten: 54° 17′ N, 9° 54′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Rendsburg-Eckernförde
Amt: Achterwehr
Höhe: 19 m ü. NHN
Fläche: 36,91 km2
Einwohner: 1597 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 43 Einwohner je km2
Postleitzahl: 24259
Vorwahl: 04305
Kfz-Kennzeichen: RD, ECK
Gemeindeschlüssel: 01 0 58 171
Adresse der Amtsverwaltung: Inspektor-Weimar-Weg 17
24239 Achterwehr
Website: www.gemeinde-westensee.de
Bürgermeister: Adolf Dibbern (CDU)
Lage der Gemeinde Westensee im Kreis Rendsburg-Eckernförde
Karte

Westensee ist eine Gemeinde in der Nähe von Kiel im Kreis Rendsburg-Eckernförde in Schleswig-Holstein.

Inhaltsverzeichnis

Geografie und VerkehrBearbeiten

 
Der Westensee in Westensee

Die Gemeinde Westensee liegt direkt am gleichnamigen See im Naturpark Westensee. Der Ortsname bedeutet „westlich vom See“; er wurde später auf den See selbst übertragen. Brux, Deutsch-Nienhof, Josephinenhof, Westensee und Wrohe liegen im Gemeindegebiet.

Die höchste Erhebung ist mit 88 Metern der Tüteberg, auf dem sich der Sage nach ein heidnischer Kultplatz befunden haben soll.

Nördlich verläuft die Bundesautobahn 210 von Rendsburg nach Kiel, südwestlich die Bundesautobahn 7 von Hamburg nach Rendsburg und südöstlich die Bundesautobahn 215 von Neumünster nach Kiel.

GeschichteBearbeiten

Mehrere Megalithgräber und Funde von steinzeitlichen Werkzeugen und bronzezeitlichen Urnen lassen auf eine Besiedlung des Gebiets vom Neolithikum an schließen.[2] In der Eisenzeit wanderte die Bevölkerung ab. Adam von Bremen schildert in seiner Chronik das heutige Mittelholstein als menschenleeren Urwald, den sogenannten Isarnho (= eiserner Wald). Erst unter Adolf II. von Schauenburg wurde das Gebiet wieder besiedelt. Die Kirche St. Catharinen wurde als Filiale des Klosters Neumünster gegründet und stammt aus der Zeit kurz nach der Besiedlung des Landes im Mittelalter.

Im Jahre 1159 wurde mit Emcko der erste der Ritter von Westensee aus dem Geschlecht des Overboden Marcrad I., die Vasallen der Schauenburger Grafen waren, namentlich genannt.[3] Sein Name ist im Nachbarort Emkendorf erhalten. Der Herrschaftsbereich der Ritter von Westensee erstreckte sich bis nach Kiel und Eckernförde und enthielt zeitweise auch die Pfandherrschaft über Rendsburg. Ihr Wappentier war das Eichhörnchen. 1322 verkauften sie Grömitz an das Kloster Cismar. Sie kontrollierten den Schiffsverkehr auf der Eider, die durch den Westensee fließt, mittels zweier Burgen, der Läkeburg auf der Insel (heute eine Halbinsel zwischen dem Westensee und dem Bossee) Lohburg und der Hohburg auf dem Börner. Diese Burgen wurden 1346/48 durch Holsteinische Grafen und die Stadt Lübeck zerstört, weil die Westenseer Ritter sich vom Schutz der Handelswege auf Raubritterei verlegt haben sollen. Marquard von Westensee kam in Lübeck vor Gericht, schwor Urfehde, wurde aber nach der Verurteilung noch auf Lübecker Gebiet erschlagen.

 
Kirche St.Catharinen, vorn die ehemalige Grabkapelle der Familie Reventlow-Criminil von Gut Emkendorf

Mitte des 13. Jahrhunderts wurde das Dorf Westensee erstmals erwähnt. Nachdem im 14. Jahrhundert die Pest fast die gesamte Bevölkerung einschließlich des Rittergeschlechts ausgerottet hatte, gingen die Besitzung an die Familie Ahlefeldt über. Anders als die Ritter betrieben die neuen Herren selbst Landwirtschaft, gründeten dafür die Güter Westensee, Bossee und Nienhof und machten das durch die Entvölkerung des Schwarzen Todes wüst gefallene Land wieder urbar. Die Bauern gerieten zunehmend in Leibeigenschaft. Im 16. Jahrhundert war die Familie Rantzau Besitzer von Dorf und Gütern, anschließend andere Adlige und Staatsbeamten.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Westensee gleich zweimal verwüstet: 1626/1627 lagerten Tillys Truppen im Ort und 1645 marodierten schwedische Truppen. Auch die Pest suchte das Gebiet zum Beginn des 17. Jahrhunderts zweimal heim, was zur Verarmung der Bauern und zum Machtzuwachs der adligen Güter führte.

Die Verkoppelung im 18. Jahrhundert und die Bauernbefreiung 1803, also zwei Jahre vor Inkrafttreten des Gesetzes,[4] führte zu einem Anwachsen der Bevölkerung, da der Bedarf an Arbeitskräften auf den Gütern Tagelöhner und Handwerker anzog.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Teil der Gutsländereien zur Ansiedlung aufgeteilt. Inzwischen gibt es nur noch wenige landwirtschaftliche Betriebe.

1928 wurden die Gutsgemeinden in politische Gemeinden umgewandelt. Statt des Gutsbesitzers stand der Gemeinde nun ein selbst gewählter Bürgermeister vor.

Seit 1970 gehört die Gemeinde Westensee zum Amt Achterwehr.

 
Kuhhaus des Guts Bossee von 1709 mit den Initialen von Heinrich Jasper Rantzau und Friederike Margarete Rantzau

Gut BosseeBearbeiten

Nach der Zerstörung der mittelalterlichen Burgen und dem Aussterben des Westenseer Rittergeschlechts verlagerten die Herren von Ahlefeld ihren Wohnsitz an die Stelle des Guts Bossee. 1470 wird Bossee als Herrensitz derer von Ahlefeld erstmals erwähnt. Damit ist es das älteste Gut der Gemeinde. Von einem Gebäude aus dem 15. Jahrhundert ist noch das Kellergewölbe unter dem heutigen Herrenhaus erhalten. Im 16. Jahrhundert wurde ein erstes Herrenhaus errichtet. Unter der Familie Rantzau erhielt der Hof die heute noch bestehenden großen Wirtschaftsgebäude. Nach mehreren Besitzerwechseln befindet sich das Gut heute im Besitz der Familie Bülow. Das ehemalige Torhaus ließ Detlev von Bülow um 1900 durch einen Wasserturm ersetzen, der den Hof noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein mit Wasser versorgte. Das Herrenhaus wurde 1897 umgestaltet.[5]

 
Herrenhaus auf Gut Deutsch-Nienhof

Gut Deutsch-NienhofBearbeiten

Das ehemalige adlige Gut Deutsch-Nienhof wurde 1472 erstmals erwähnt. Anfang des 16. Jahrhunderts war es im Besitz der Familie Rantzau, die eine dreiflügelige Wasserburg errichteten, die auf der Rantzau-Tafel abgebildet ist.[6] Der bekanntesten Besitzer war der Feldherr Daniel Rantzau.

Auf den Fundamenten der alten Burg steht das heutige, Ende des 18. Jahrhunderts erbaute Herrenhaus.[7] Das as im Zuge der Baumaßnahmen von Georg Greggenhofer entworfene Torhaus wurde damals nicht verwirklicht, sondern erst 200 Jahre später im Freilichtmuseum Molfsee gebaut.

Das 1776 von der Familie von Hedemann-Heespen erworbene Gut Deutsch-Nienhof ist seit dem 18. Jahrhundert ein Familienfideikommiss. Von 1907 bis 1909 ließ Paul von Hedemann-Heespen das Innere des Gutshauses umbauen.

In der Gemarkung befinden sich zwei Schalensteine.

Wrohe (Wrau)Bearbeiten

Der Ortsname lautet heute Wrohe, vormals Wrau, im 17. Jahrhundert Wra. Die Bedeutung ist Ecke, Winkel, abgelegene Stelle.[8]

Wrohe bei Kiel wurde 1845 beschrieben als "Dorf zum Kirchspiel Westensee gehörig, 21 H[aushalte] 126 E[inwohner], Königreich Dänemark, Herzogthum Holstein, Patrimonialgericht des Gutes Deutsch Nienhof, Holsteinsches Obergericht resp Oberconsistorium Glückstadt. Das Dorf Wrohe (Wrau) südlich am Westensee belegen besteht aus 5 Halbhufen 3 Kathen und 7 Instenstellen mit einer Schule und einem Wirthshause. An der Schierenseer Scheide liegt der Eulenkrug eine Instenstelle."[9]

"So ist in dem dem Gut Deutschneuhof angehörigen, sehr romantisch am Westensee liegenden Dorfe Wrohe ein junger Schullehrer, Namens Baar, angestellt...",[10] zu dessen 50jährigen Amtsjubiläum am 9. Juni 1865 eine Stiftung gegründet wurde: Die "Bahr'sche Stiftung zum Besten der Schüler der Schule zu Wrohe, im adel. Gute Deutsch-Nienhof, Kirchspiels Westensee".[11] Diese Schule besuchten 1837 95 Kinder aus dem Einzugsgebiet Deutsch-Nienhof mit Josephinenhof, Eckhöft und Wrohe.[12]

EingemeindungenBearbeiten

Teile der am 1. Oktober 1975 in die Nachbargemeinde Langwedel eingegliederten Gemeinde Deutsch-Nienhof (mit dem Gut Deutsch-Nienhof und Wrohe) wurden am 1. August 1976 in die Gemeinde Westensee umgegliedert.[13]

PolitikBearbeiten

GemeindevertretungBearbeiten

Von den 13 Sitzen in der Gemeindevertretung hatten die SPD und die CDU seit der Kommunalwahl 2003 je vier Sitze, die Wählergemeinschaft KWG drei und die Wählergemeinschaft LD zwei.

Von den 13 Sitzen in der Gemeindevertretung hat die CDU seit der Kommunalwahl 2008 fünf Sitze, die SPD hat vier und die Wählergemeinschaften KWG und LD haben je zwei Sitze.

WappenBearbeiten

Blasonierung: „Von Silber und Blau schräg geteilt. Oben ein sitzendes, in den Vorderpfoten eine schwarze Nuss haltendes rotes Eichhörnchen, unten fünf silberne Wellenfäden.“[14] Das Eichhörnchen war Wappentier der Ritter von Westensee.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

In der Liste der Kulturdenkmale in Westensee stehen die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.

Durch Westensee verläuft der Naturparkweg, der die fünf Naturparke in Schleswig-Holstein für Wanderer verbindet. Siehe auch: Dolmen von Langwedel

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Paul von Hedemann: Die ältere Geschichte der Kirche zu Westensee; Kiel 1889
  • Ricker, Wilhelm: Westensee. Chronik eines adligen Kirchdorfs; Wachholtz Neumünster 1994²
  • Schmidt, Harry: Drei Schlösser am Westensee, 3. Aufl., Hamburg (Christians), 1993, ISBN 3-7672-1180-7.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Westensee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2018 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Wilhelm Ricker: Westensee. Chronik eines adligen Kirchdorfs. Wachholtz, Neumünster 1994², S. 12 ff.
  3. Wilhelm Ricker: Westensee. Chronik eines adligen Kirchdorfs. S. 23
  4. Wilhelm Ricker: Westensee. Chronik eines adligen Kirchdorfs. S. 65
  5. Geschichte von Gut Bossee (Memento des Originals vom 13. Oktober 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bossee.de
  6. Burg Nienhof (ganz unten) auf der Rantzau-Tafel
  7. Deutsch-Nienhof@1@2Vorlage:Toter Link/www.deutsch-nienhof.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  8. Pamphlets on place names: Geschichte der Flurnamensammlung im Herzogtum Braunschweig, 1912 in: Volume 1 of Pamphlets on place names: 1881-1935, . 313
  9. Johann Friedrich Kratzsch: Vollständiges topographisch-justitiarisches Handbuch der sämmtlichen deutschen Bundesstaaten, Zweiter Abtheilung, zweiter Band. E. Zimmermann, 1845
  10. Friedrich J. Meyer: Darstellungen aus Nord-Deutschland, Hoffmann u. Campe, 1816, Seite 249
  11. Confirmationspatent und Statuten in Verordnungsblatt für Schleswig-Holstein und Lauenburg, 1865, Seite 157
  12. Johann Heinrich Bernhard Lübkert: Versuch einer kirchlichen Statistik Holsteins, Ein Beitrag zur Vaterlandskunde. Glückstadt 1837, S. 457
  13. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 184.
  14. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein