Sehestedt

Gemeinde in Deutschland

Sehestedt (im Hochmittelalter Sesteth, dänisch: Sehested) ist eine Gemeinde im Kreis Rendsburg-Eckernförde in Schleswig-Holstein. Das Gemeindegebiet liegt als einzige auf beiden Seiten des Nord-Ostsee-Kanals und ist der einzige Ort, der durch den Bau des Kanals 1887–1895 in zwei Teile zerschnitten wurde.

Wappen Deutschlandkarte
Sehestedt
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Sehestedt hervorgehoben

Koordinaten: 54° 22′ N, 9° 49′ O

Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Rendsburg-Eckernförde
Amt: Hüttener Berge
Höhe: 7 m ü. NHN
Fläche: 15,25 km2
Einwohner: 831 (31. Dez. 2021)[1]
Bevölkerungsdichte: 54 Einwohner je km2
Postleitzahl: 24814
Vorwahl: 04357
Kfz-Kennzeichen: RD, ECK
Gemeindeschlüssel: 01 0 58 152
Adresse der Amtsverwaltung: Mühlenstraße 8
24361 Groß Wittensee
Website: www.sehestedt.de
Bürgermeister: Torsten Jürgens-Wichmann (CDU)
Lage der Gemeinde Sehestedt im Kreis Rendsburg-Eckernförde

GeografieBearbeiten

Geografische LageBearbeiten

Das Gemeindegebiet von Sehestedt erstreckt sich im südwestlichen Bereich der naturräumlichen Haupteinheit Schwansen, Dänischer Wohld östlich der Hüttener Berge bis an den Westensee heran[2][3] Das Gewässerbett eines heute als "Alte Eider" bezeichneten historischen Flussabschnitts der Obereider erstreckt sich im Gemeindegebiet.[2]

GemeindegliederungBearbeiten

Feldscheide, Freienberg, Gruhl, Hammer, Hohenfelde und Steinwarf liegen im Gemeindegebiet.[4]

NachbargemeindenBearbeiten

Angrenzende Gemeindegebiete von Sehestedt sind:[2]

Groß WittenseeHaby Holtsee
Bünsdorf   Lindau
Bovenau

GeschichteBearbeiten

Der Ort wurde 1282 erstmals erwähnt. Die romanische Feldsteinkirche St. Peter und Paul, die heute unmittelbar am Kanal gelegen ist, wurde Anfang des 13. Jahrhunderts errichtet und 1318 erstmals erwähnt.

Sehestedt zählt zu den ältesten Rittergütern im alten Herzogtum Schleswig. Das Herrenhaus des Guts wurde 1728 anstelle einer Burg errichtet. Der Burggraben wurde 1865 zugeschüttet. Viele Gebäude des noch heute landwirtschaftlich genutzten Guts stehen unter Denkmalschutz. Die nach dem Gut benannte schleswig-holsteinische Adelsfamilie von Sehestedt ist mit Carl Ludwig Christiansen von Sehested(t) (6. Dezember 1815–22. Dezember 1882) ausgestorben.

Am 10. Dezember 1813 kam es während des Sechsten Koalitionskrieges zu einem Gefecht in Sehestedt. Dabei gelang es den an der Seite Frankreichs kämpfenden Dänen unter General Friedrich von Hessen-Kassel, sich gegen den Widerstand der alliierten Nordarmee unter General Ludwig von Wallmoden-Gimborn durchzusetzen und sich in die Festung Rendsburg zurückzuziehen.

Am 11. September 1974 sind sechs schottische Fallschirmjäger bei einer Luftlandeübung während des Manövers Bold Guard im Gemeindegebiet tödlich verunglückt. Daraus entwickelten sich nicht nur persönliche Kontakte nach Schottland, sondern auch die seit 2001 in Sehestedt abgehaltenen Highland-Games.

PolitikBearbeiten

GemeindevertretungBearbeiten

Von den elf Sitzen in der Gemeindevertretung hat die SPD seit der Kommunalwahl 2003 fünf Sitze, die CDU vier und der Wählergemeinschaft FWG zwei. Die Kommunalwahlen 2008 und 2013 brachten das gleiche Ergebnis.

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Blau eine silberne Seerosenblüte mit goldenem Blütengrund, umgeben von drei kleeblattförmig gestellten silbernen Seerosenblättern.“[5]

PartnerschaftBearbeiten

Seit 1990 besteht eine Partnerschaft zur Gemeinde Lohmen in Mecklenburg-Vorpommern.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Die Wirtschaft in der Gemeinde ist überwiegend landwirtschaftlich geprägt.

UnternehmenBearbeiten

Das Unternehmen Denker & Wulf, ein Projektentwickler für Windenergie, hat ihren Firmensitz in Sehestedt.

Im Jahre 2001 wurde in Sehestedt ein Windpark in Betrieb genommen. Im Jahre 2015 folgte von Denker & Wulf ein weiterer.[6]

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

Sehestedt verfügt über eine Freiwillige Feuerwehr im nördlichen Ortsteil sowie einen Kindergarten.

VerkehrBearbeiten

Das Gemeindegebiet von Sehestedt ist durch die schleswig-holsteinische Landesstraßen 42 und 293 im motorisierten Individualverkehr erschlossen. Die L 42 führt nördlich des Kanals auf der Strecke zwischen Eckernförde und Büdelsdorf am nördlichen Rand des Dorfes vorbei. Hier zweigt die L 293 in die Dorf­lage ab, die auf der südlichen Seite des Kanals in Bovenau an die Landesstraße 47 anbindet.[2] Die Kanalquerung zwischen dem nördlichen und südlichen Ufer wird hierbei auf einer der sogenannten Kanalfähren vollzogen. Fahrten erfolgen Rund-um-die-Uhr und sind ohne Entrichten eines Fahrgeldes möglich.

Zwischen Sehestedt und Eckernförde verkehrte bis Ende 2020 Mittwoch und Samstag ein Bürgerbus.[7]

Es gibt täglich mehrere Verbindungen mit Linienbussen der Autokraft im Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein auf der Linie 730 zwischen Rendsburg und Gettorf mit Halt in Sehestedt.[8]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Infopark „Erneuerbare Energien verstehen“ bei Denker und Wulf

In der Liste der Kulturdenkmale in Sehestedt stehen die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.

Durch Sehestedt verläuft der Naturparkweg, der die fünf Naturparke in Schleswig-Holstein für Wanderer verbindet.

Sehestedt beherbergt nördlich des Nord-Ostsee-Kanals mit dem 261 ha großem FFH-Gebiet Kluvensieker Holz ein europäisches NATURA 2000-Schutzgebiet am Ostrand der Wohnbebauung von Sehestedt.

Im Pastorat gibt es seit 2008 ein Dorfmuseum, das aus der heimatkundlichen Sammlung der Schule hervorging.[9]

In der Bovenauer Str. 1 gibt es noch das 'Kleine Museum'. Es beherbergt Dokumente zur Ortsgeschichte, originalgetreue Modelle des Lehrerwohnhauses und der Kirche und zwei Ortsreliefs von Sehestedt.[10]

Auf dem Firmengelände des ortsansässigen Unternehmens Denker & Wulf besteht ein Infopark (Lage) zum Thema „Erneuerbare Energien verstehen“.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Juliane Rumpf (* 1956), von 2009 bis 2012 schleswig-holsteinische Ministerin für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume.

BildergalerieBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Sehestedt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2021 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. a b c d Relation: Sehestedt (550778) bei OpenStreetMap. Abgerufen am 25. Oktober 2021.
  3. Liste: Zuordnung der Gemeinden zu den Naturräumen. S. 11, abgerufen am 25. Oktober 2021.
  4. Schleswig-Holstein-Topographie. Bd. 9: Schönberg - Tielenhemme. Flying-Kiwi-Verl. Junge, Flensburg 2007, ISBN 978-3-926055-91-0, S. 86 (dnb.de [abgerufen am 31. Juli 2020]).
  5. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  6. Tilmann Post: Sehestedter Windpark eingeweiht. In: Schleswig-Holsteinische Landeszeitung. shz.de, 11. Mai 2015, abgerufen am 9. Februar 2018.
  7. Hüttis Marktbus. Der Bürgerbus in den Hüttener Bergen. In: www.holtsee.de. Abgerufen am 13. Mai 2021.
  8. 730 Gettorf – Sehestedt – Rendsburg. (PDF) In: dbregiobus-nord.de. 10. Mai 2021, abgerufen am 13. Mai 2021.
  9. Dorfmuseum. In: sehestedt.de. Abgerufen am 15. April 2018.
  10. Quelle: http://www.kulturpur.de/de/museum/kleines-museum-sehestedt