Iga Świątek

polnische Tennisspielerin

Iga Natalia Świątek[1] [ˈiɡa naˈtalʲja ˈɕfʲjɔ̃ntɛk] (* 31. Mai 2001 in Warschau) ist eine polnische Tennisspielerin. Ihre bislang größten Erfolge sind die beiden Titel bei den French Open 2020 und 2022 und der Sieg bei den US Open 2022. Sie ist die erste Polin, die ein Grand-Slam-Turnier im Einzel gewann[2] und seit dem 4. April 2022 die erste, die die Weltrangliste im Einzel anführt.

Iga Świątek Tennisspieler
Iga Świątek
Iga Świątek 2018 bei den Olympischen Jugend-Sommerspielen
Nation: Polen Polen
Geburtstag: 31. Mai 2001
(21 Jahre)
Größe: 176 cm
Gewicht: 65 kg
1. Profisaison: 2016
Spielhand: Rechts, beidhändige Rückhand
Trainer: Tomasz Wiktorowski
Preisgeld: 15.119.452 US-Dollar
Einzel
Karrierebilanz: 216:56
Karrieretitel: 11 WTA, 7 ITF
Höchste Platzierung: 1 (4. April 2022)
Aktuelle Platzierung: 1
Wochen als Nr. 1: 41
Grand-Slam-Bilanz
Doppel
Karrierebilanz: 27:14
Karrieretitel: 0 WTA, 0 ITF
Höchste Platzierung: 29 (14. Februar 2022)
Grand-Slam-Bilanz
Mixed
Grand-Slam-Bilanz
Letzte Aktualisierung der Infobox:
16. Januar 2023
Quellen: offizielle Spielerprofile bei der ATP/WTA (siehe Weblinks)

KarriereBearbeiten

Iga Świątek, deren Vater Tomasz bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul als Ruderer im polnischen Doppelvierer saß,[3] begann im Alter von sechs Jahren mit dem Tennisspielen. Bereits als Juniorin konnte sie erste große Triumphe feiern. So gewann sie 2018 zunächst an der Seite von Catherine McNally nach einem Endspielerfolg über die Japanerinnen Yūki Naitō und Naho Satō die Doppelkonkurrenz des Juniorinnenwettbewerbs der French Open und knapp einen Monat später den Juniorinnentitel in Wimbledon nach einem glatten Zweisatzsieg über die Schweizerin Leonie Küng. Im selben Jahr triumphierte sie mit Kaja Juvan zusammen bei den Olympischen Jugend-Sommerspielen in Buenos Aires im Mädchendoppel und erreichte im Einzel das Viertelfinale. Für ihren Sieg dort wurde sie 2018 für den Piotr-Nurowski-Preis nominiert. 2019 erreichte sie mit Platz fünf ihre höchste Position in der Juniorinnen-Weltrangliste.

 
Iga Świątek im Mai 2019

Bereits 2016 gab Świątek ihren Einstand auf der ITF Women’s World Tennis Tour und gewann noch im gleichen Jahr ihren ersten Profititel. 2017 war sie bei zwei weiteren ITF-Turnieren siegreich, doch aufgrund einer Verletzung am rechten Sprunggelenk, die einen operativen Eingriff erforderlich machte, musste sie ab Juni für die restliche Saison pausieren.[4] Ihr Comeback gab sie sieben Monate später im Fed Cup für die polnische Fed-Cup-Mannschaft gegen Bulgarien. Im Laufe des Jahres 2018 verbesserte sich Świątek mit mehr als 40 Siegen bei nur sechs Pflichtspielniederlagen und drei Titeln,[5] darunter auch ihr bisher größter bei einem Turnier der $60.000-Kategorie in Budapest, in der Weltrangliste in die Top 200.

2018 gab Świątek beim 2:1-Sieg gegen die Türkei ihren Einstand für die polnische Fed-Cup-Mannschaft. Seitdem hat sie für ihr Land zehn Partien im Einzel und Doppel bestritten, von denen sie sieben gewinnen konnte (Einzelbilanz 5:2). 2016 gewann sie zusammen mit Maja Chwalińska und Stefania Rogozińska Dzik den Junioren-Fed-Cup. Im Endspiel schlugen sie das Team aus den Vereinigten Staaten mit 2:1.

2019 spielte Świątek bei den Australian Open erstmals die Qualifikation bei einem Grand-Slam-Turnier und erreichte dort nach einem Sieg über Ana Bogdan auf Anhieb die zweite Runde. In Lugano rückte sie dann bei ihrer zweiten Hauptfeldteilnahme in ihr erstes Endspiel auf der WTA Tour vor, in dem sie Polona Hercog in drei Sätzen unterlag. Bei den French Open überraschte Świątek im Anschluss mit dem Einzug ins Achtelfinale, verlor dort jedoch glatt gegen Simona Halep, und kam beim Rogers Cup in Montreal als Qualifikantin nach einem Sieg über Caroline Wozniacki in die dritte Runde. Nach dem Erreichen der zweiten Runde bei den US Open beendete sie die Saison, die sie erstmals unter den besten 50 der Welt abschloss.

2020 erreichte Świątek bei den Australian Open zum zweiten Mal die vierte Runde eines Grand-Slam-Turniers, dort unterlag sie Anett Kontaveit in drei Sätzen. Vor der pandemiebedingten Saisonunterbrechung erzielte sie mit Platz 48 ihre bislang beste Weltranglistenposition. Bei den US Open erreichte sie die dritte Runde, in der sie gegen die spätere Finalistin Wiktoryja Asaranka verlor. Wenige Wochen darauf zog sie im Oktober bei den French Open ohne Satzverlust in ihr erstes Grand-Slam-Finale ein, das sie gegen Sofia Kenin in zwei Sätzen mit 6:4 und 6:1 gewann. Zuvor konnte sie im Achtelfinale das Spiel gegen die topgesetzte Simona Halep mit 6:1 und 6:2 für sich entscheiden. Mit dem Gewinn ihres ersten Grand-Slam-Titels rückte sie auf Platz 17 der Weltrangliste vor.

Am 1. Dezember 2021 beendete Świątek die Zusammenarbeit mit Piotr Sierzputowski, der sie über fünf Jahre trainiert hatte. Als neuen Trainer stellte sie anschließend Tomasz Wiktorowski vor.[6]

2022: Weltranglistenerste, zwei Grand-Slam-Titel im Einzel und 37 Siege in SerieBearbeiten

Anfang 2022 erreichte Świątek bei den Australian Open das Halbfinale. Danach gewann sie innerhalb weniger Wochen die drei WTA-1000-Turniere in Doha, Indian Wells und Miami, jeweils im Finale ohne Satzverlust. Aufgrund ihrer Erfolge und des Rücktritts von Ashleigh Barty übernahm Świątek am 4. April 2022 erstmals die Spitze der Weltrangliste. Sie ist die erste Polin, die diese Position erreichte.[7] Ende April 2022 konnte sie sich im Finale des Turniers von Stuttgart gegen Aryna Sabalenka in zwei Sätzen durchsetzen und gewann somit ihr viertes Turnier in Folge.[8] Im Mai folgte der nächste Titelgewinn in Rom nach einem Finalerfolg über Ons Jabeur. Im Juni 2022 bezwang Świątek bei den French Open im Finale die US-Amerikanerin Coco Gauff mit 6:1 und 6:3 und sicherte sich so ihren zweiten Grand-Slam-Titel.[9]

Zwischen dem 21. Februar 2022 (Doha) und dem 27. Juni 2022 (Wimbledon) gewann Świątek 37 Matches in Folge. Dies ist die bislang längste WTA-Siegesserie im 21. Jahrhundert.

Im Finale der US-Open bezwang Świątek Ons Jabeur glatt in zwei Sätzen.[10] Sie ist die erste Polin, die die US Open im Dameneinzel gewonnen hat.[11] Hierdurch erhöhte sich die Zahl ihrer Grand-Slam-Siege im Einzel auf insgesamt auf drei und auf zwei allein im Jahr 2022.

TurniersiegeBearbeiten

Einzel

Nr. Datum Turnier Kategorie Belag Finalgegnerin Ergebnis
1. 30. Oktober 2016 Schweden  Stockholm ITF $10.000 Hartplatz (Halle) Rumänien  Laura-Ioana Andrei 6:4, 6:3
2. 18. Februar 2017 Italien  Bergamo ITF $15.000 Sand Italien  Martina Di Giuseppe 6:4, 3:6, 6:3
3. 7. Mai 2017 Ungarn  Győr ITF $15.000 Sand Tschechien  Gabriela Horáčková 6:2, 6:2
4. 25. Februar 2018 Agypten  Scharm asch-Schaich ITF $15.000 Hartplatz Belgien  Britt Geukens 6:3, 6:1
5. 15. April 2018 Vereinigte Staaten  Pelham ITF $25.000 Sand Vereinigte Staaten  Allie Kiick 6:2, 6:0
6. 1. September 2018 Ungarn  Budapest ITF $60.000 Sand Ukraine  Katarina Sawazka 6:2, 6:2
7. 9. September 2018 Schweiz  Montreux ITF $80.000 Sand Belgien  Kimberley Zimmermann 6:2, 6:2
8. 10. Oktober 2020 Frankreich  French Open Grand Slam Sand Vereinigte Staaten  Sofia Kenin 6:4, 6:1
9. 27. Februar 2021 Australien  Adelaide WTA 500 Hartplatz Schweiz  Belinda Bencic 6:2, 6:2
10. 16. Mai 2021 Italien  Rom WTA 1000 Sand Tschechien  Karolína Plíšková 6:0, 6:0
11. 26. Februar 2022 Katar  Doha WTA 1000 Hartplatz Estland  Anett Kontaveit 6:2, 6:0
12. 20. März 2022 Vereinigte Staaten  Indian Wells WTA 1000 Hartplatz Griechenland  Maria Sakkari 6:4, 6:1
13. 2. April 2022 Vereinigte Staaten  Miami WTA 1000 Hartplatz Japan  Naomi Ōsaka 6:4, 6:0
14. 24. April 2022 Deutschland  Stuttgart WTA 500 Sand ~Niemandsland  Aryna Sabalenka 6:2, 6:2
15. 15. Mai 2022 Italien  Rom WTA 1000 Sand Tunesien  Ons Jabeur 6:2, 6:2
16. 4. Juni 2022 Frankreich  French Open Grand Slam Sand Vereinigte Staaten  Coco Gauff 6:1, 6:3
17. 10. September 2022 Vereinigte Staaten  US Open Grand Slam Hartplatz Tunesien  Ons Jabeur 6:2, 7:65
18. 16. Oktober 2022 Vereinigte Staaten  San Diego WTA 500 Hartplatz Kroatien  Donna Vekić 6:3, 3:6, 6:0

Abschneiden bei Grand-Slam-TurnierenBearbeiten

EinzelBearbeiten

Die Tabelle listet die Ergebnisse der Grand-Slam-Turniere, der Tour Championships, der Olympischen Spiele, des Fed Cups bzw. Billie Jean King Cups und der Turniere folgender Kategorien: 1990-2008: Tier I, 2009-2020: Premier Mandatory und Premier 5, ab 2021: WTA 1000

Turnier20192020202120222023Karriere
Australian Open2AFAFHFAF1 × HF
French OpenAFSVFS 2 × S
Wimbledon1 AF3 1 × AF
US Open23AFS 1 × S
Tour Championships RRHF 1 × HF
Doha 2 S 1 × S
Dubai AF  1 × AF
Indian WellsQ2 AFS 1 × S
MiamiQ2 3S 1 × S
Rom1SS 2 × S
Madrid AF 1 × AF
Cincinnati212AF 1 × AF
KanadaAF AF 2 × AF
Wuhan  
Peking  
Olympische Spiele 2 1 × 2R
Fed Cup  

Zeichenerklärung: S = Turniersieg; F, HF, VF, AF = Einzug ins Finale, Halb-, Viertel-, Achtelfinale; 1, 2, 3 = Ausscheiden in der 1., 2., 3. Haupt- / Finalrunde; Q1, Q2, Q3 = Ausscheiden in der 1., 2. 3. Qualifikationsrunde; RR = Round Robin (Gruppenphase); nicht ausgetragen oder andere Kategorie; PO (Playoff), P2 = Auf-/Abstiegsrunde zur Weltgruppe I/II im Fed Cup; W2, K1, K2, K3 = Teilnahme in der Weltgruppe II, Kontinentalgruppe I, II, III im Fed Cup.

DoppelBearbeiten

Turnier 2019 2020 2021 Bilanz Karriere
Australian Open 0:0
French Open HF F 9:2 F
Wimbledon n. a. 0:0
US Open 2 1:1 2

MixedBearbeiten

Turnier 2019 2020 2021 Bilanz Karriere
Australian Open AF VF AF 4:3 VF
French Open 0:0
Wimbledon n. a. 0:0
US Open 0:0

AuszeichnungenBearbeiten

Politische AussagenBearbeiten

Iga Świątek verurteilte wiederholt den russischen Überfall auf die Ukraine 2022 und erklärte sich solidarisch mit den angegriffenen Ukrainern, darunter bei der Siegerzeremonie der French Open 2022. Bei dem Turnier zierte ihre Baseball-Kappe ein Aufstecker mit der ukrainischen Nationalflagge. In der Berichterstattung der russischen Medien über das Pariser Turnier waren diese Passagen ausgelassen.[15]

WeblinksBearbeiten

Commons: Iga Świątek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Buenos Aires 2018 - Tennis - Women’s Doubles. 24. Oktober 2018, abgerufen am 14. Oktober 2020 (englisch).
  2. 19-Jährige gewinnt sensationell die French Open (10. Oktober 2020)
  3. Swiatek follows father's footsteps 38 years later. In: ausopen.com. 26. Januar 2020, abgerufen am 23. Juli 2020 (englisch).
  4. Lekarz: Świątek czeka kilkumiesieczna rehabilitacja. ale nie podda sie, jest twarda. In: przegladsportowy.pl. 30. Juni 2017, abgerufen am 9. Juni 2018 (polnisch).
  5. WTA Scouting Report: Iga Swiatek takes her shot at the top. In: wtatennis.com. 30. Dezember 2019, abgerufen am 23. Juli 2020 (englisch).
  6. Michael Rothschädl: WTA: Iga Swiatek - Mit neuem Coach um guten Saisonstart. tennisnet.com, 3. Januar 2022, abgerufen am 24. März 2022.
  7. Tobias Laure: Weltrangliste: Iga Swiatek übernimmt die Spitze, Alexander Zverev zieht an Rafael Nadal vorbei. eurosport.de, 4. April 2022, abgerufen am 4. April 2022.
  8. Swiatek defeats Sabalenka in Stuttgart to win fourth straight title. Abgerufen am 8. Mai 2022 (englisch).
  9. George Ramsay CNN: Iga Swiatek wins second grand slam title with victory against Coco Gauff in French Open final. Abgerufen am 4. Juni 2022.
  10. Swiatek outlasts Jabeur to win US Open; third career Slam title. In: WTA Tennis. 10. September 2022, archiviert vom Original am 10. September 2022; abgerufen am 11. September 2022.Vorlage:Cite web/temporär
  11. US Open 2022 women's final: Iga Świątek battles past Ons Jabeur for second Grand Slam win of the season. In: CBSSports.com. Archiviert vom Original am 11. September 2022; abgerufen am 11. September 2022.Vorlage:Cite web/temporär
  12. 2020 WTA Player and Coach awards revealed. In: wtatennis.com. 8. Dezember 2020, abgerufen am 9. Dezember 2020 (englisch).
  13. Tenis. Iga Świątek odznaczona Złotym Krzyżem Zasługi. In: sportowefakty.wp.pl. 23. Oktober 2020, abgerufen am 28. Mai 2022 (polnisch).
  14. Nach 17 Jahren ist mit Iga Swiatek wieder eine Frau Europas Sportstar des Jahres. In: DerStandard.at. 26. Dezember 2022, abgerufen am 28. Dezember 2022.
  15. Iga Świątek zaczęła mówić o wojnie. Rosjanie zareagowali w swoim stylu onet.pl, 4. Juni 2022.