Naomi Ōsaka

japanische Tennisspielerin
Naomi Ōsaka Tennisspieler
Naomi Ōsaka
Naomi Ōsaka (US Open, 2020)
Nation: JapanJapan Japan
Geburtstag: 16. Oktober 1997 (22 Jahre)
Größe: 180 cm
Gewicht: 69 kg
Spielhand: Rechts, beidhändige Rückhand
Trainer: Wim Fissette
Preisgeld: 17.770.234 US-Dollar
Einzel
Karrierebilanz: 233:133
Karrieretitel: 6 WTA, 0 ITF
Höchste Platzierung: 1 (28. Januar 2019)
Aktuelle Platzierung: 3
Wochen als Nr. 1: 25
Grand-Slam-Bilanz
Doppel
Karrierebilanz: 2:14
Karrieretitel: 0 WTA, 0 ITF
Höchste Platzierung: 324 (3. April 2017)
Grand-Slam-Bilanz
Letzte Aktualisierung der Infobox:
14. September 2020
Quellen: offizielle Spielerprofile bei der ATP/WTA (siehe Weblinks)

Naomi Ōsaka (jap. 大坂 なおみ, Ōsaka Naomi; * 16. Oktober 1997 in Osaka) ist eine japanische Tennisspielerin. 2018 gewann sie bei den US Open als erste japanische Tennisspielerin ein Grand-Slam-Turnier. Mit ihrem Sieg 2019 bei den Australian Open übernahm sie am 28. Januar 2019 als erste asiatische Tennisspielerin die Spitze der Weltrangliste im Dameneinzel. 2020 siegte sie erneut bei den US Open.

LebenBearbeiten

Naomi Ōsaka wurde in der westjapanischen Stadt Osaka geboren. Ōsakas Vater Leonard „San“ François kommt aus dem Karibikstaat Haiti, ihre japanische Mutter Tamaki Ōsaka stammt von der Insel Hokkaidō.[1] Der Großvater verstieß ihre Mutter, weil sie einen Schwarzen geheiratet hatte, weshalb die Familie in die Vereinigten Staaten zog, als Ōsaka drei Jahre alt war. Dort wuchs sie in Long Island im Bundesstaat New York auf.[2] Sie besaß neben der japanischen die US-amerikanische Staatsbürgerschaft,[3] die sie jedoch anlässlich ihres 22. Geburtstags ablegte.[4] Grund dafür war das japanische Recht, das Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft zwingt, sich bis zum 22. Geburtstag für eine Staatsbürgerschaft zu entscheiden. Dieser Schritt sollte es ihr ermöglichen, für Japan an den Olympischen Spielen teilzunehmen.

Naomi Ōsaka besuchte die „Alden Terrace“ Grundschule in Elmont und anschließend die Oberschule „Broward Virtual School (BVS)“ in Coconut Creek im Bundesstaat Florida, wohin sie mit ihrer Familie aufgrund der besseren Trainingsmöglichkeiten gezogen war. Ihre Tennisschulen waren die „Florida Tennis SBT Academy“ (ehemals „Harold Solomon Institute“) und die „ProWorld Tennis Academy“ in Florida.[5] Ihre eineinhalb Jahre ältere Schwester Mari spielt ebenfalls professionell Tennis.

KarriereBearbeiten

Ōsaka spielte zunächst hauptsächlich Turniere auf dem ITF Women’s Circuit. Im Juli 2014 qualifizierte sie sich in Stanford erstmals für das Hauptfeld eines WTA-Turniers und erreichte dort die zweite Runde.

Bei den Australian Open gelang ihr 2016 zum ersten Mal die Qualifikation für ein Grand-Slam-Turnier. Mit Siegen über Donna Vekić und Elina Switolina zog sie auf Anhieb in die dritte Runde ein. Beim Einzelwettbewerb der French Open, für den sie aufgrund ihrer Weltranglistenposition direkt qualifiziert war, konnte sie ihr gutes Abschneiden wiederholen. Im Oktober 2016 erreichte sie das Finale von Tokio (Zweisatzniederlage gegen Caroline Wozniacki). Bei den US Open warf sie 2017 in der ersten Runde Titelverteidigerin Angelique Kerber in zwei Sätzen mit 6:3 und 6:1 aus dem Turnier.[6] Im März 2018 gewann sie ihren ersten WTA-Titel – und dies beim hochkarätig besetzten Turnier in Indian Wells.[7] Dadurch konnte sie sich in der Weltrangliste von Platz 44 auf Platz 22 verbessern. Im September 2018 gewann sie bei den US Open als erste Japanerin in der Tennisgeschichte ihren ersten Grand-Slam-Titel. Im Finale besiegte sie Serena Williams mit 6:2 und 6:4. Durch diesen Sieg verbesserte sie sich in der Weltrangliste auf die siebte Position und gehörte erstmals zu den Top Ten.[8] Bei den Australian Open gewann sie durch einen Dreisatzsieg gegen Petra Kvitová das zweite Grand-Slam-Turnier nacheinander und übernahm nach dem Turnier für 17 Wochen die Spitze der Weltrangliste. Bei den folgenden Grand Slam Turnieren konnte sie die Erfolgsserie nicht fortschreiben und scheiterte in Paris und Wimbledon früh, bei den US Open im Achtelfinale an Belinda Bencic.

Seit 2017 spielt sie für die japanische Fed-Cup-Mannschaft. Von ihren sechs Partien konnte sie fünf gewinnen.

Am 11. Februar 2019 gab sie die Trennung von ihrem deutschen Trainer Sascha Bajin bekannt.[9] Nachfolger wurde Jermaine Jenkins.[10] Bereits nach dem Achtelfinal-Aus bei den US Open 2019 trennte sie sich wieder von Jenkins.[11]

Bedingt durch die COVID-19-Pandemie fielen in der Saison 2020 die Wimbledon Championships aus, während die French Open in den September verschoben wurden. Ōsaka startete bei den Ende August beginnenden US Open, bei denen insgesamt 24 von den Top-100-Spielerinnen fehlten. Unter ihrem neuen Trainer Wim Fissette erreichte die an Nummer vier platzierte Ōsaka das Finale im Dameneinzel, das sie in drei Sätzen gegen die ungesetzte Wiktoryja Asaranka gewinnen konnte.[12] Beide hätten sich zuvor schon im Finale des nach New York verlegten WTA-Turniers von Cincinnati gegenübergestanden, das Asaranka nach einer Verletzung Ōsakas kampflos gewonnen hatte.

TurniersiegeBearbeiten

EinzelBearbeiten

Nr. Datum Turnier Kategorie Belag Finalgegnerin Ergebnis
1. 18. März 2018 Vereinigte Staaten  Indian Wells WTA Premier Mandatory Hartplatz Russland  Darja Kassatkina 6:3, 6:2
2. 8. September 2018 Vereinigte Staaten  US Open Grand Slam Hartplatz Vereinigte Staaten  Serena Williams 6:2, 6:4
3. 26. Januar 2019 Australien  Australian Open Grand Slam Hartplatz Tschechien  Petra Kvitová 7:62, 5:7, 6:4
4. 22. September 2019 Japan  Tokio WTA Premier Hartplatz Russland  Anastassija Pawljutschenkowa 6:4, 6:1
5. 6. Oktober 2019 China Volksrepublik  Peking WTA Premier Mandatory Hartplatz Australien  Ashleigh Barty 3:6, 6:3, 6:2
6. 12. September 2020 Vereinigte Staaten  US Open Grand Slam Hartplatz Weissrussland  Wiktoryja Asaranka 1:6, 6:3, 6:3

Karrierestatistik und TurnierbilanzBearbeiten

EinzelBearbeiten

Turnier

2016 2017 2018 2019 2020 Gesamt
Australian Open

3 2 AF S 3 1
French Open

3 1 3 3   0
Wimbledon

3 3 1 - 0
US Open

3 3 S AF S 2
Tour Championships

RR     0
Doha

a. K. 2 a. K.   0
Dubai

a. K. 2 a. K. 2 a. K. 0
Indian Wells

3 S AF   1
Miami

2 2 3   0
Rom

1 2 VF   0
Madrid

1 VF   0
Cincinnati

1 VF   0
Montreal/Toronto

AF 1 VF   0
Wuhan

1   0
Peking

1 HF S   1
Olympische Spiele

nicht ausgetragen   0
Fed Cup

K1 PO   0

Zeichenerklärung: S = Turniersieg; F, HF, VF, AF = Einzug ins Finale / Halbfinale / Viertelfinale / Achtelfinale; 1, 2, 3 = Ausscheiden in der 1. / 2. / 3. Hauptrunde; RR = Round Robin (Gruppenphase); n. a. = nicht ausgetragen; a. K. = andere Kategorie; PO (Playoff) = Auf- und Abstiegsrunde im Fed Cup; K1, K2, K3 = Teilnahme in der Kontinentalgruppe I, II, III im Fed Cup.


 

2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Gesamt
Turnierteilnahmen

7 15 15 18 22 22 20 9 128
Erreichte Finals

0 1 1 3 1 0 3 1 10
Gewonnene Titel

0 0 0 0 0 0 2 1 3
Hartplatz-Siege/-Niederlagen

1:3 17:9 11:10 19:12 28:17 14:13 31:13 12:4 133:81
Sand-Siege/-Niederlagen

6:4 8:5 2:3 5:3 5:4 5:5 5:4 9:2 45:30
Rasen-Siege/-Niederlagen

0:0 0:0 2:2 4:2 1:1 4:4 6:3 0:0 17:12
Teppich-Siege/-Niederlagen

0:0 0:1 0:0 3:1 0:0 0:0 0:0 0:0 3:2
Gesamt-Siege/-Niederlagen

7:7 25:15 15:15 31:18 34:22 23:22 42:20 21:6 198:125
Weltranglistenpunkte

5115   N/A
Jahresendposition

1028 430 250 203 40 68 5   N/A

Anmerkung: Diese Statistik berücksichtigt alle Ergebnisse im Einzel, so wie es auf der WTA- und ITF-Seite steht. Dargestellt sind nur WTA-Turniere der Kategorien Premier Mandatory und Premier 5.

Die letzte Aktualisierung erfolgte nach den French Open 2019.

DoppelBearbeiten

Turnier 2016 2017 2018 Karriere
Australian Open 1 1
French Open 2 2
Wimbledon 1 1
US Open 1 1 1

EngagementBearbeiten

Ōsaka ist eine Athletin, die im als unverbindlich geltenden Tennissport ihre mediale Präsenz wiederholt für politisches und soziales Engagement nutzt.[13][14] Insbesondere seit 2020 kritisiert sie Rassismus in den USA und in Japan.[15] In diesem Zusammenhang rief sie auch zur Beteiligung an den Black-Lives-Matter-Protesten auf und solidarisierte sich mit Colin Kaepernick.[15][16] Im August 2020 boykottierte sie anlässlich von jüngster Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA ihr Halbfinalspiel bei den in New York City stattfindenden Western & Southern Open. Die Turnierleitung sagte daraufhin alle Partien für den festgelegten Tag ab.[17] Bei den folgenden US Open trug Ōsaka bedingt durch die COVID-19-Pandemie zu jeder Partie einen Mund-Nasen-Schutz, auf dem der Name eines Opfers von Polizeibrutalität stand. Beim Finale erinnerte sie an den 2014 erschossenen afroamerikanischen Schüler Tamir Rice.[12]

AuszeichnungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Naomi Ōsaka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Getting To Know... Naomi Osaka. In: WTA Tennis. WTA Tour, 30. Juli 2014, abgerufen am 28. August 2015 (englisch).
  2. Christoph Neidhart: Bleich vor Stolz. In: sueddeutsche.de. 28. Januar 2019, abgerufen am 28. Januar 2019.
  3. Who is Naomi Osaka? 19-year-old stole U.S. Open spotlight with Round 1 upse, usatoday.com, 29. August 2017
  4. Osaka entscheidet sich für japanische Staatsbürgerschaft. In: Spiegel online. 10. Oktober 2019, abgerufen am 10. Oktober 2019.
  5. Top 5 Things You Need To Know About Naomi Osaka, Essentially Sports vom 7. September 2018 (englisch), abgerufen am 9. September 2018
  6. Titelverteidigerin Angie scheitert in Runde eins (angelique-kerber.de vom 29. August 2017, abgerufen am 31. August 2017)
  7. Premieren-Sieg auf WTA-Tour - Naomi Osaka gewinnt Finale von Indian Wells (Der Spiegel vom 18. März 2018, abgerufen am 19. März 2018)
  8. Kimiko Date tips Naomi Osaka as future No. 1. In: japantimes.co.jp. 10. September 2018, abgerufen am 10. September 2018 (englisch).
  9. Naomi Osaka trennt sich von deutschem Trainer Sascha Bajin, Spox.com 12. Februar 2019
  10. Naomi Osaka hat einen neuen Coach. 1. März 2019, abgerufen am 8. September 2019.
  11. Osaka trennt sich nach wenigen Monaten erneut von Trainer
  12. a b Osaka gewinnt zum zweiten Mal die US Open. In: spiegel.de, 13. September 2020 (abgerufen am 13. September 2020).
  13. Naomi Osaka’s first wave of charity face masks sell out, but she promises more for everyone. In: Japan Today. 13. Juli 2020, abgerufen am 27. August 2020 (englisch).
  14. Daniel Germann: Naomi Osaka: Wie sie ihre Rolle als Tennis-Champion lebt. In: NZZ. 6. Juni 2020, abgerufen am 27. August 2020.
  15. a b Why Naomi Osaka Says It’s Insulting to Tell Athletes to ‘Just Stick to Sports’. In: TIME. 17. Juni 2020, abgerufen am 27. August 2020.
  16. Osaka in no mood to back down on support for Black Lives Matter. In: Reuters. 10. Juni 2020 (reuters.com [abgerufen am 27. August 2020]).
  17. Kein Halbfinale: Naomi Osaka protestiert gegen Rassismus. In: Süddeutsche Zeitung. 27. August 2020, abgerufen am 27. August 2020.
  18. Osaka: WTA Newcomer of the Year (wtatennis.com vom 21. Oktober 2016, abgerufen am 21. Oktober 2016)