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Markus Söder

Ministerpräsident des Freistaates Bayern
Markus Söder bei hart aber fair (2017)

Markus Söder (* 5. Januar 1967 in Nürnberg) ist ein deutscher Politiker (CSU) und seit dem 16. März 2018 Ministerpräsident des Freistaates Bayern. Er ist Spitzenkandidat der CSU für die Landtagswahl 2018.

Seit 1994 gehört Söder dem Bayerischen Landtag an. Von 2007 bis 2008 war er Bayerischer Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten, von 2008 bis 2011 Bayerischer Staatsminister für Umwelt und Gesundheit und von 2011 bis 2018 Bayerischer Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

FamilieBearbeiten

Söder wuchs zusammen mit einer Schwester in einer konservativ-evangelisch geprägten Familie in Nürnberg-Schweinau auf.[1] Die Eltern betrieben in Nürnberg ein kleines Bauunternehmen.[2] Söder ist seit 1999 mit Karin Baumüller-Söder,[3] der Miteigentümerin der Baumüller Holding verheiratet,[4] mit der er eine Tochter (* 2000) und zwei Söhne (* 2004, * 2007) hat. Aus einer Beziehung vor der Ehe stammt eine weitere Tochter (* 1998).[5]

AusbildungBearbeiten

Von 1977 bis 1986 besuchte Söder das Nürnberger Dürer-Gymnasium. Nach dem Abitur 1986 (Notenschnitt 1,3)[6] leistete er zunächst im Transportbataillon 270 in Nürnberg seinen Wehrdienst ab.[7] 1987 begann er ein Studium der Rechtswissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, das er 1991 mit dem ersten juristischen Staatsexamen beendete. Als Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung war Söder wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Staats-, Verwaltungs- und Kirchenrecht an der Universität Erlangen-Nürnberg. 1998 wurde Söder an der Universität Erlangen-Nürnberg mit seiner Dissertation Von altdeutschen Rechtstraditionen zu einem modernen Gemeindeedikt. Die Entwicklung der Kommunalgesetzgebung im rechtsrheinischen Bayern zwischen 1802 und 1818 zum Dr. jur. promoviert.[8]

BerufBearbeiten

Von 1992 bis 1993 absolvierte er ein Volontariat beim Bayerischen Rundfunk (BR), danach arbeitete er bis 1994 als Redakteur beim BR in München.[9] 2003 war Söder neben seinem Landtagsmandat Leiter der zentralen Unternehmenskommunikation bei der Baumüller Holding[10] seines Schwiegervaters Günter Baumüller (1940–2017).[11]

PrivatesBearbeiten

 
Söder als Prinzregent Luitpold von Bayern mit seiner Frau bei der Fastnacht in Franken (2018)

Söder erschien an Fasching mehrfach in exzentrischer Kostümierung. So verkleidete er sich zur Fernsehsitzung Fastnacht in Franken 2010 als Zauberer Gandalf, 2011 als Paul Stanley von der Rockband Kiss und 2012 gemeinsam mit seiner Ehefrau als Punker.[12] Ein Jahr später erschien er zum gleichen Anlass als Drag Queen,[13] 2014 als Shrek.[14] Im Jahr 2015 verkleidete Söder sich als Mahatma Gandhi, 2016 als Edmund Stoiber, 2017 zusammen mit seiner Frau als Homer und Marge Simpson und 2018 als Prinzregent Luitpold von Bayern.

Seit seinem Studium ist Söder Mitglied in der Burschenschaft Teutonia Nürnberg im Schwarzburgbund.

Junge UnionBearbeiten

 
Markus Söder (2003)

Als Jugendlicher war Söder ein großer Bewunderer von Franz Josef Strauß: „Strauß, dieses Kraftuhrwerk, dieser Titan der Worte, hat mir unheimlich gut gefallen. Ich hatte sogar ein riesengroßes Poster von Strauß, fast überlebensgroß. Ich wohnte bei uns zu Hause unter einer Dachschräge und dort hing dieses Poster. Wenn ich aufgewacht bin, habe ich also an der Decke direkt Strauß angeschaut. Das hat sich in späteren Jahren als gar nicht so einfach erwiesen, wenn dann auch mal eine Freundin da war und die auch Strauß zuerst gesehen hat. Das war nicht immer ganz so einfach. Aber Strauß hat mir wirklich sehr gefallen.“[15] Söder wurde 1983 Mitglied der CSU und der Jungen Union (JU). Er blieb bis zu Erreichen der Altersgrenze im Jahr 2003 JU-Mitglied und war von 1995 bis 2003 deren bayerischer Landesvorsitzender.

Parteikarriere in der CSUBearbeiten

Von 1997 bis 2008 war Söder Vorsitzender des CSU-Kreisverbandes Nürnberg-West. Seit 1995 gehört er dem Präsidium der CSU an. 2000 wurde er zum Leiter der CSU-Medienkommission ernannt.

Vom 17. November 2003 bis zum 22. Oktober 2007 war Söder Generalsekretär der CSU. Er gehörte der Arbeitsgruppe an, die das Regierungsprogramm der Unionsparteien für die Bundestagswahl 2005 verfasste.

2008 folgte Söder dem zum Ministerpräsidenten gewählten Günther Beckstein als CSU-Bezirksvorsitzender von Nürnberg-Fürth-Schwabach nach. 2015 wurde er mit 98 % auf dem CSU-Bezirksparteitag im Amt bestätigt.[16]

Öffentliche ÄmterBearbeiten

 
Markus Söder mit Horst Seehofer (2015)

Söder ist seit 1994 für den Stimmkreis Nürnberg-West Mitglied des Bayerischen Landtags. Wie andere von Edmund Stoiber Geförderte wird er zur sogenannten 94er-Gruppe gezählt. Von 1999 bis 2003 war Söder stellvertretender Vorsitzender der Enquête-Kommission „Mit neuer Energie in das neue Jahrtausend“ und gehörte kraft seines Amtes als CSU-Generalsekretär von 2003 bis 2007 dem Vorstand der CSU-Landtagsfraktion an.

Am 16. Oktober 2007 wurde Söder als Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten im Kabinett Beckstein vereidigt. Nach der Landtagswahl in Bayern 2008 wurde er als Staatsminister für Umwelt und Gesundheit in das Kabinett Seehofer I berufen. Im November 2011 wurde er als Nachfolger von Georg Fahrenschon Bayerischer Staatsminister der Finanzen. Im Kabinett Seehofer II war er seit Oktober 2013 Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat.

Nach einem über Monate hinweg geführten Machtkampf zwischen Söder und Ministerpräsident Horst Seehofer kündigte dieser am 4. Dezember 2017 für das erste Quartal 2018 seinen Rücktritt als bayerischer Ministerpräsident an. Im Amt des CSU-Vorsitzenden wolle er hingegen verbleiben. Seinen angekündigten Rücktritt vom Amt des Ministerpräsidenten konkretisierte Seehofer schriftlich Anfang März mit Ablauf des 13. März 2018.[17][18]

Am 16. März 2018 wurde Markus Söder im bayerischen Landtag mit 99 der abgegebenen 169 Stimmen im ersten Wahlgang zum neuen bayerischen Ministerpräsidenten gewählt. Er bekam die absolute Mehrheit. 64 Abgeordnete stimmten mit Nein, 4 enthielten sich, 2 Stimmen waren ungültig.[19]

Söder wurde am 4. Dezember 2017 von der CSU-Landtagsfraktion in einer offenen Abstimmung einstimmig zum Spitzenkandidaten für die Bayerische Landtagswahl 2018 gekürt. Auch der CSU-Parteivorstand stimmte der Entscheidung zu.[20] Offiziell wurde Söder am 16. Dezember 2017 auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg zum Spitzenkandidat bestimmt.[21] Die Landtagswahl 2018 wird am 14. Oktober stattfinden.[22]

Funktionen in Aufsichtsräten und anderen GremienBearbeiten

Söder ist Mitglied des Internet-Beirats der Bayerischen Staatsregierung sowie Kuratoriumsmitglied der Bayerischen Akademie für Fernsehen. Bis Dezember 2008 war Söder zudem Mitglied des ZDF-Fernsehrates. Söder gehörte von 2007 bis 2011[23] dem Aufsichtsrat des 1. FC Nürnberg an; seit 2011 ist er im Vereinsbeirat aktiv.[24] Söder ist ständiges Mitglied im Aufsichtsrat der Messe Nürnberg und ist im Wechsel mit dem Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly auch Aufsichtsratsvorsitzender. Im Aufsichtsrat der Flughafen Nürnberg GmbH führt er den Vorsitz.[25] Des Weiteren ist er Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen München GmbH.[26]

Politische Positionen und KontroversenBearbeiten

Als CSU-Generalsekretär erntete Söder nicht nur von seinen politischen Gegnern Kritik, auch innerhalb seiner eigenen Partei war und ist Söder wegen seines Politikstils umstritten. Ihm wird vorgeworfen, statt auf inhaltliche zu sehr auf populäre bzw. populistische Themen zu setzen, so beispielsweise als er sich öffentlichkeitswirksam für das Fortbestehen der Kindersendung Unser Sandmännchen im deutschen Fernsehen einsetzte und in der Debatte um die bessere Integration von Einwanderern vorschlug, in den bayerischen Schulen regelmäßig die deutsche Nationalhymne zu singen; aber auch bereits während seiner frühen Jahre in der Politik setzte er stark auf populistische Themen.[27]

Nach seinem Amtsantritt als Europaminister 2007 zielte Söder auf eine inhaltliche Profilierung in den Bereichen Umweltpolitik und Gentechnik. So kritisierte er Bundeskanzlerin Angela Merkel und die CDU wegen ihrer Haltung zur Gentechnik. Zugleich galt Söder auch gegenüber den Grünen als relativ aufgeschlossen.[28]

InterkulturalitätBearbeiten

Söder sprach sich 2004 gegen einen EU-Beitritt der Türkei und für das umstrittene Kopftuchverbot für Lehrerinnen in bayerischen Schulen aus. In diesem Zusammenhang steht auch seine Interviewäußerung, in die Schulen gehörten „Kruzifixe und keine Kopftücher“, und seine Forderung, durch die Anerkennung „typisch deutsche[r] Tugenden wie Leistungsbereitschaft, Pünktlichkeit und Disziplin“ die Krise in Deutschland zu überwinden.[29] Söder erklärte 2007, er sei gegen einen „falsch verstandenen Dialog ohne Resultate“ mit muslimischen Zuwanderern. Er forderte, dass derjenige, der auf Dauer hier leben will, sich lückenlos zu hiesigen Werten bekennen müsse. Wer sich nicht dazu bekenne, habe hier keine Zukunft.[30] 2010 befürwortete Söder ein Vollverschleierungsverbot.[31]

Angesichts der Flüchtlingskrise 2015 stellte Söder das Grundrecht auf Asyl in Frage. Er kritisierte Bundeskanzlerin Angela Merkel und forderte einen besseren Schutz der Außengrenzen Europas.[32] Dazu spekulierte er über mögliche Zäune an der Grenze zu Österreich,[33] was von CSU-Parteichef Horst Seehofer zurückgewiesen wurde.[34] Die Verknüpfung seiner Position zur Asylpolitik mit den Terroranschlägen vom 13. November 2015 in Paris brachte ihm vor allem Kritik ein, erneut auch von Seehofer und anderen Politikern aus der Union.[35][36][37]

FamilienpolitikBearbeiten

Beim Thema Krippenplätze hatte Söder auf die Bewahrung traditioneller Werte gepocht, Zitat Söder: „Natürlich haben und behalten wir feste Grundwerte, die wir auch als Idealziel festschreiben. Ehe und Familie sind das, was sich die meisten Menschen für ihr Leben wünschen und anstreben. Zu unserer bürgerlichen Toleranz gehört, dass wir unsere Werte haben und danach leben wollen“, so Söder.[38]

ArbeitsmarktpolitikBearbeiten

Söder sprach sich 2006 dafür aus, mehr betriebliche Bündnisse im System des Flächentarifvertrags zuzulassen und durch eine Lockerung des Kündigungsschutzes bei Neueinstellungen die Möglichkeiten befristeter Arbeitsverhältnisse auszuweiten. Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns lehnte er ab. Söder vertrat eine sehr strikte Haltung gegenüber Hartz-IV-Empfängern. Unter anderem plädierte er dafür, ihnen den Urlaub zu streichen,[39] die Anreize zur Arbeitsaufnahme auszuweiten, die Hinzuverdienstmöglichkeiten bei einer Arbeitsaufnahme zu verbessern und dabei gleichzeitig die laufenden Unterstützungszahlungen abzusenken.

Abschaffung des herkömmlichen Verbrennungsmotors bis 2020Bearbeiten

2007 forderte Söder ein Verbot der Neuzulassung von Autos mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren ab 2020 und ihre Ablösung durch Wasserstoff- und Hybridtechnik.[40] Als nach der Bundestagswahl 2017 bei den gescheiterten Sondierungsgesprächen zur Bildung einer Jamaika-Koalition der Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor einer der Hauptstreitpunkte zwischen CSU und Bündnisgrünen war, sorgte die damalige Forderung Söders für Wirbel in sozialen Medien. Söder bekannte sich auf Nachfrage zum CSU-Wahlprogramm, das ein Verbrennungsmotorenverbot ausschloss.[41]

Schutz von Religionsgemeinschaften vor öffentlicher BeschimpfungBearbeiten

In der Debatte um die MTV-Zeichentrickserie Popetown, für die der Sender mit einem vom Kreuz gestiegenen lachenden Christus vor einem TV-Gerät warb, forderte Söder 2006 ein klares Verbot von Blasphemie im Strafrecht. Wenn Kirche und Papst in einer Zeichentrickserie für Jugendliche lächerlich gemacht würden, habe das „nichts mehr mit Satire zu tun“. Er forderte, der § 166 des Strafgesetzbuches müsse um konkrete Schutztatbestände erweitert werden.[42] Er begründete seine Position im Folgenden weiterhin damit, dass religiöse Symbole endlich gesetzlich geschützt werden müssten.[43]

Nachdem Volker Beck erklärt hatte, der § 166 StGB sei „nicht mehr zeitgemäß“ und „ein Relikt aus voraufklärerischer Zeit“, erwiderte Söder: „Volker Beck spinnt.“ Er erklärte, der Schutz und die Achtung religiöser Gefühle gehörten zu den „Grundwerten unserer Gesellschaft“. Mit der CSU werde es daher eine Abschaffung des strafrechtlichen Verbots der Gotteslästerung „niemals“ geben. Stattdessen sei eine Verschärfung des Paragrafen notwendig, um religiöse Symbole besser vor Verunglimpfungen zu schützen.[44]

Begnadigung des RAF-Terroristen Christian KlarBearbeiten

 
Söder auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg (2014)

Als Söder im Mai 2007 ankündigte, dem damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler im Falle einer Begnadigung des ehemaligen RAF-Terroristen Christian Klar bei einer Wiederwahl die Stimme zu verweigern, stieß dies auch in den eigenen Reihen auf Kritik.[45] Söder hatte sich bereits zuvor wiederholt gegen eine Begnadigung Klars ausgesprochen, da dieser aus der Haft heraus seine antiimperialistische Agitation fortsetzte.[46] Klar wurde nicht begnadigt, sondern wie andere verurteilte Mörder auch auf Bewährung vorzeitig entlassen.

Hygienemängel bei Müller-BrotBearbeiten

Über den Hygieneskandal bei Müller-Brot (2010–2012), als große Mengen von mit Schaben, Mäusekot u. a. Schadstoffen belasteten Backwaren an Verbraucher verkauft wurden, wusste Söder als Gesundheitsminister mutmaßlich bereits ab 2010 Bescheid.[47] Einen endgültigen Produktionsstopp verhängte das ihm unterstehende Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit aber erst 2012. In der Diskussion über das Informieren der Verbraucher wurde gefordert, dass lebensmittelverarbeitende Betriebe dazu verpflichtet werden sollten, Kontrollergebnisse zu veröffentlichen. Für die Einführung einer bundesweiten Hygieneampel für Lebensmittelbetriebe stimmten 15 Bundesländer; Söder hingegen legte für Bayern ein Veto ein und verhinderte somit deren Einführung. In diesem Zusammenhang äußerte auch der Bundesvorsitzende des Bundesverbands der Lebensmittelkontrolleure Unverständnis für das Vorgehen im Fall Müller-Brot, da es nicht sein könne, dass von den seit 2009 erfolgten 21 Kontrollen, den mehrfach zurückgerufenen Waren und den insgesamt verhängten 69.000 Euro an Buß- und Zwangsgeldern der Verbraucher nichts erfährt.[48]

Umgang mit öffentlich-rechtlichen SendernBearbeiten

Am 26. Oktober 2012 wurde bekannt, dass die Sprecherin von Söder, Ulrike Strauß, den Bayerischen Rundfunk für einen Beitrag telefonisch kritisiert hatte, weil dieser einen ihrer Ansicht nach negativen Tenor über den damaligen Umweltminister Söder enthielte. Laut der Aussage von Strauß habe sie dieses Telefonat ohne Wissen Söders durchgeführt. Der Beitrag wurde nicht gesendet, laut Bayerischem Rundfunk jedoch nicht wegen der Intervention.[49]

Am 3. November 2012 schrieb Spiegel Online, dass Söder in seiner Zeit als Generalsekretär von 2003 bis 2007 mehrfach versucht haben soll, auf die Berichterstattung des ZDF Einfluss zu nehmen; unter anderem sei deswegen ein Anruf beim ZDF-Intendanten Markus Schächter erfolgt. Söder war zu dieser Zeit Mitglied des ZDF-Fernsehrats. Dabei habe Söder auch versucht, Einfluss auf die Gästelisten im ZDF-Morgenmagazin und in der politischen Talkshow Maybrit Illner zu nehmen.[50]

Für die Folge vom 20. Januar 2015 mit dem Titel „Politische Wurst-Phobie“ hatte die Redaktion Söder in die Vorabendsendung Dahoam is Dahoam eingeladen. In diesem Gastauftritt zählte Söder im Gespräch mit der Lansinger Bürgermeisterin Veronika Brunner die Leistungen der Bayerischen Staatsregierung und seines Ministeriums auf.[51] Aufgrund dieses Auftritts geriet der Bayerische Rundfunk in die Kritik des Bayerischen Journalistenverbandes, dessen Vorsitzender erklärte: „Einen offensichtlicheren Missbrauch des öffentlich-rechtlichen Rundfunks kann es gar nicht geben. Von einer Staatsferne ist der Bayerische Rundfunk in diesem Fall offensichtlich weit entfernt.“[52] Fernsehdirektorin Bettina Reitz erklärte über die Pressestelle des BR, „das Autorenteam von DiD habe schon lange geplant, fiktive Geschichten aus der Realität mit echten Politikern in die Serie einzubauen. So habe man u. a. Söder angefragt und ihm die Gastrolle ins Drehbuch geschrieben.“[53] Der Vorgang löste innerhalb des BR sowie in zahlreichen Medien eine Diskussion über die Nähe des Senders zur Partei des Ministers aus.[54][55] Der Justiziar des Bayerischen Rundfunks Albrecht Hesse legte im BR-Rundfunkrat die „Verstöße gegen Programmgrundsätze in der Söder-Episode“ dar.[56] Intendant Ulrich Wilhelm entschied außerdem, keine weiteren Politikerauftritte in der Serie mehr zuzulassen.[56]

Verkauf von 32.000 GBW-WohnungenBearbeiten

Infolge des Debakels um die Bayerische Landesbank musste der Freistaat dieser finanziell massiv unter die Arme greifen. Diese Subventionen wurden von der Europäischen Union nur unter der Auflage geduldet, dass sich die Landesbank von ihrer Wohnungstochtergesellschaft GBW trennt bzw. diese einen Großteil ihres Immobilienbestandes veräußert. (Doch an dieser Darstellung gibt es Zweifel. Schon 2013 sagte ein Sprecher des damaligen Wettbewerbskommissars Joaquín Almunia, die Idee für diesen Verkauf sei nicht von der EU-Kommission gekommen)[57] Söder weigerte sich, sich für den Freistaat am Bieterverfahren um 32.000 GBW-Wohnungen zu beteiligen und diese so weiter in öffentlichem Besitz zu halten. Letztlich erhielt die Patrizia Immobilien den Zuschlag, die ein von der Landeshauptstadt München geführtes Konsortium aus betroffenen Kommunen überbot. Söder sicherte zum Bestandsschutz für die Mieter eine „Sozialcharta XXL“ zu. Aufgrund von Lücken im Kaufvertrag häuften sich bei den Mietervereinen in ganz Bayern jedoch Beschwerden über Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen, den Weiterverkauf von Wohnungen an Dritte oder schmerzhafte Mieterhöhungen.[58] Im Umfeld des Verkaufs der landeseigenen Wohnungen in Bayern steht zudem der Verdacht von Geldwäsche im Raum. Von einer Milliarde Euro Schwarzgeld ist die Rede. Die dafür zuständige Ermittlungseinheit (GFG), ein Zusammenschluss aus LKA und Zoll, geht von der Mitwisserschaft Söders aus. Diese rieten der Staatsanwaltschaft München I die Verdachtslage aufzuklären, welche jedoch innerhalb von nur acht Wochen die Akten schloss. Ob dies auf Drängen politischer Akteure geschah, kündigten Teile der Opposition an, solle, wenn nötig, durch einen Untersuchungsausschuss geklärt werden.[57]

Griechische StaatsschuldenkriseBearbeiten

Im Kontext der griechischen Staatsschuldenkrise warnte Söder nach dem Sieg der linken SYRIZA bei den Parlamentswahl in Griechenland im Januar 2015 in einem Interview vor Zugeständnissen an die Regierung des neuen griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras. Söder beschrieb die Notwendigkeit für Griechenland, bestehende Verträge und Verpflichtungen einzuhalten, und bezeichnete einen Schuldenschnitt als nutzlos. Er schilderte einen „europäischen Grundkonsens“ und wies darauf hin, dass es für Deutschland keinesfalls zusätzliche Belastungen geben dürfe. Nach Hinweis zu seinen früheren Forderungen nach einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone gab Söder an, „die Frage nach einem Grexit stellt sich jetzt nicht.“[59] Im Februar 2015 beschrieb Söder die Konsequenzen eines Grexits für die anderen Euro-Länder als verkraftbar. Die Folgen für Griechenland selbst bezeichnete er angesichts der voraussichtlichen Vermögensverluste als „dramatisch“. Söder votierte für eine unnachgiebige Verhandlungsführung gegenüber der griechischen Regierung.[60]

Nach der Ablehnung des Reform-Referendums durch die Griechen am 5. Juli 2015 und dem Rücktritt des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis bezeichnete Söder einen Grexit als fairsten und ehrlichsten Weg. Für den Fall eines Nachgebens gegenüber Griechenland beschrieb er ein Risiko, dass andere Länder ein ähnliches Verhalten zeigen könnten. Den Rücktritt von Varoufakis deutete Söder als „weiteres Showelement in der griechischen Tragödie“.[61]

AuszeichnungenBearbeiten

KabinetteBearbeiten

VeröffentlichungenBearbeiten

  • Von altdeutschen Rechtstraditionen zu einem modernen Gemeindeedikt. Die Entwicklung der Kommunalgesetzgebung im rechtsrheinischen Bayern zwischen 1802 und 1818. Dissertation. Erlangen/ Nürnberg 1998, DNB 953021262.
  • Mit Helge C. Brixner (Hrsg.): Start in die Zukunft. Das Future-Board. Akademie für Politik und Zeitgeschehen, München 1998, ISBN 3-88795-145-X.
  • Mit Peter Stein (Hrsg.): Moral im Kontext unternehmerischen Denkens und Handelns. Akademie für Politik und Zeitgeschehen, München 2003, ISBN 3-88795-262-6 (PDF; 315 KB).

WeblinksBearbeiten

  Commons: Markus Söder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: Markus Söder – Zitate

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Im Tretboot mit Söder: »Der Heimatminister auf seinem See«. In: www.nordbayern.de. 1. August 2017, abgerufen am 8. Dezember 2017.
  2. zeit.de
  3. Die Frau an Söders Seite. In: www.faz.net. 5. Dezember 2017, abgerufen am 16. März 2018.
  4. FINANZMINISTER FEIERT RUNDEN GEBURSTAG: »Zum 50. Geburtstag vervollständigt Markus Söder 50 Sätze«. In: www.merkur.de. 3. Februar 2017, abgerufen am 9. Dezember 2017.
  5. Beate Wild: Markus Söder und seine Kinder – Eine ganz bunte Geschichte. In: Süddeutsche Zeitung. 19. Mai 2010, abgerufen am 25. April 2016.
  6. "Markus Söder sah sich immer in Konkurrenz zur Gruppe". In: Zeit Online. Abgerufen am 27. Februar 2017.
  7. zeit.de
  8. sueddeutsche.de
  9. bayern.landtag.de
  10. moegeldorf.de
  11. baumueller.de
  12. „Hast Du mal nen Euro?“ Euro-Punk Söder gruselt die fränkischen Narren. In: Focus Online. 10. Februar 2012, abgerufen am 25. April 2016.
  13. Verschärfter Transen-Alarm bei der CSU. N24, 2. Februar 2013, abgerufen am 27. Februar 2017.
  14. Fastnacht in Franken: Söder, der Shrekliche. In: Spiegel Online. 22. Februar 2014, abgerufen am 25. April 2016.
  15. ardmediathek.de
  16. Söder mit 98 Prozent erneut zum Bezirksvorsitzenden gewählt. In: Nürnberger Nachrichten. 13. Juni 2015, abgerufen am 17. November 2015.
  17. Seehofer: Es war mir eine Ehre. Donaukurier. 6. März 2018. Abgerufen am 8. März 2018.
  18. Machtkampf in der CSU: Söder kommt, Seehofer bleibt, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 4. Dezember 2017
  19. Die Mission des Markus Söder heißt Bayern. In: www.tagesspiegel.de. 16. März 2018, abgerufen am 16. März 2018.
  20. Auch CSU-Vorstand will Söder als Ministerpräsident, Der Tagesspiegel vom 4. Dezember 2017.
  21. CSU. Söder fast einstimmig zum Spitzenkandidaten gekürt. In: Spiegel Online. 16. Dezember 2017 (abgerufen am 17. Dezember 2017).
  22. Klaus Kohnen: Staatsregierung setzt 14.10.2018 als Termin für Landtagswahl fest. In: Bayerischer Rechts- und Verwaltungsreport. 20. Februar 2018.
  23. Mitglieder wählten alten neuen Aufsichtsrat. 1. FC. Nürnberg, 9. Oktober 2011, abgerufen am 17. November 2015.
  24. 1. FC Nürnberg - Vereinsbeirat. 1. FC. Nürnberg, abgerufen am 17. November 2015.
  25. Söder neuer Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafens Nürnberg - Vertrag von Geschäftsführer Hupe verlängert. Presseinformation Nr. 07/2017. In: airport-nuernberg.de. Flughafen Nürnberg GmbH, 31. März 2017, abgerufen am 4. Oktober 2017.
  26. Impressum. In: munich-airport.de. Flughafen München GmbH, abgerufen am 23. Oktober 2017.
  27. Jan Heidtmann: Der Kandidat. In: Süddeutsche Zeitung. 19. Mai 2010, abgerufen am 21. November 2014.
  28. Ralph Bollmann, Max Hägler: "Im Wahlkampf fahre ich Rad". In: taz.de. 28. Juli 2008, abgerufen am 21. November 2014.
  29. "Kruzifixe statt Kopftücher": CSU nimmt Kulturkampf wieder auf. Spiegel Online, 12. April 2004, abgerufen am 21. November 2014.
  30. Mariam Lau: Die Integrations-Euphorie ist verflogen. Die Welt, 29. April 2007, abgerufen am 21. November 2014.
  31. Söder liebäugelt mit Burka-Verbot. Münchner Merkur, 21. September 2010, abgerufen am 21. November 2014.
  32. Söder stellt Recht auf Asyl infrage. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 3. Oktober 15, abgerufen am 17. November 2015.
  33. Söder fordert Debatte über Grenzzäune in Europa. In: Zeit Online. 1. Oktober 2015, abgerufen am 17. November 2015.
  34. Söder stellt Grundrecht auf Asyl infrage - Seehofer pfeift ihn zurück. In: Tagesspiegel. 3. Oktober 2015, abgerufen am 17. November 2015.
  35. Politische Instrumentalisierung der Anschläge: Die Früchte des Terrors. In: Spiegel Online. 15. November 2015, abgerufen am 15. November 2015.
  36. Kritik an Angela Merkel nach Terror in Paris:Horst Seehofer distanziert sich von Markus Söder. In: Der Tagesspiegel. 15. November 2015, abgerufen am 15. November 2015.
  37. "Paris ändert alles": Markus Söder polarisiert mit Tweet zum Thema Flüchtlinge. In: Focus. 15. November 2015, abgerufen am 15. November 2015.
  38. sueddeutsche.de
  39. Kein Urlaub für Hartz-IV-Empfänger: "Söder will Arbeitslose zu Leibeigenen machen". In: Spiegel online. 25. August 2006, abgerufen am 26. November 2014.
  40. CSU-Generalsekretär Söder fordert Verbot von Autos mit Verbrennungsmotoren ab 2020, Spiegel-Online vom 3. März 2007.
  41. Söder-Zitat von 2007 sorgt für Wirbel im Netz Bayerischer Rundfunk vom 12. November 2017.
  42. MTV zieht Werbung für "Popetown" zurück. Rheinische Post, 12. April 2006, abgerufen am 18. März 2015.
  43. Jugendmedienschutz: "Ausstrahlung von 'Popetown' überdenken". In: Spiegel online. 12. April 2006, abgerufen am 18. März 2015.
  44. Grünen-Politiker will Strafen für Gotteslästerung abschaffen. In: Rheinische Post. 30. November 2006, abgerufen am 18. März 2015.
  45. Köhler-Drohung stürzt Söder in die Krise. Spiegel Online, 8. Mai 2007, abgerufen am 27. Februar 2017.
  46. Sebastian Fischer, Björn Hengst: Pamphlet von Ex-Terrorist: Söder nennt Begnadigung von Klar undenkbar. Spiegel Online, 26. Februar 2007, abgerufen am 17. November 2015.
  47. Angela Böhm: Ekel-Brot: Söder wusste alles... In: Abendzeitung. 16. Februar 2015, abgerufen am 17. November 2015.
  48. Rote Ampel für den Verbraucherschutz. In: Süddeutsche Zeitung. 16. Februar 2012, abgerufen am 17. November 2015.
  49. Eckart Lohse, Albert Schäffer: Anrufe bei Journalisten: Die hilfsbereiten Damen und Herren von der CSU. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Nr. 43, 28. Oktober 2012, S. 9.
  50. Veit Medick: Medienaffäre: Söder intervenierte mehrfach beim ZDF. In: Spiegel Online. 3. November 2012, abgerufen am 3. November 2012.
  51. Claudia Fromme, Frank Müller: Söder versteht die Aufregung nicht. BR-Panne – Markus Söder in „Dahoam is Dahoam“. In: Süddeutsche Zeitung. 22. Januar 2015, abgerufen am 11. Februar 2015.
  52. Uwe Mantel: Beim BR dahoam: Söders fragwürdiger PR-Ausflug. DWDL.de, 22. Januar 2015, abgerufen am 11. Februar 2015.
  53. Stellungnahme BR-Intendant Ulrich Wilhelm zu DiD. In: Bayerischer Rundfunk. 26. Januar 2015, abgerufen am 11. Februar 2015.
  54. BR-Stellungnahme zum Gastauftritt von Minister Markus Söder in der Serie „Dahoam is Dahoam“. In: Bayerischer Rundfunk. 22. Januar 2015, abgerufen am 11. Februar 2015.
  55. Stefan Niggemeier: Söders Propaganda-Soap: BR-Intendant nennt Auftritt „problematisch“. stefan-niggemeier.de, 26. Januar 2015, abgerufen am 11. Februar 2015.
  56. a b Frank Müller, Claudia Tieschky: Bayerischer Rundfunk: Einst CSU-Spielplatz, jetzt Kampfzone. In: Süddeutsche Zeitung. 6. Februar 2015, abgerufen am 28. Februar 2015.
  57. a b Verdacht der Geldwäsche. Dubioser Immobiliendeal in Bayern. Was wusste Söder? In: handelsblatt.de, 1. Februar 2018.
  58. Jürgen Umlauft: Fragwürdige Sozialcharta. Bayerische Staatszeitung, 4. April 2014, abgerufen am 17. November 2015.
  59. Markus Söder zum Linksruck in Griechenland: „Es darf keine weiteren Lasten für Deutschland geben“. In: Spiegel online. 26. Januar 2015, abgerufen am 26. August 2015.
  60. Für Söder ist der „Grexit“ verkraftbar. In: Die Welt. 20. Februar 2015, abgerufen am 22. Juli 2015.
  61. "Grexit wäre der fairste und ehrlichste Weg". In: Die Welt. 6. Juli 2015, abgerufen am 26. August 2015.
  62. Veranstaltung am 14.01.2018 - Verleihung des 53. Sonderorden "Wider die Neidhammel