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Dietmar Woidke

Deutscher Politiker (SPD), Ministerpräsident des Landes Brandenburg, MdL, MdBR

Herkunft, Studium und PrivatesBearbeiten

Woidke wuchs in der Niederlausitz mit einem Bruder auf einem seit Jahrhunderten im Familienbesitz befindlichen Bauernhof im Kreis Forst auf. Sein Vater war Schlosser und seine Mutter Hauptbuchhalterin einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG). Nach Abitur 1980 und achtzehnmonatigem Grundwehrdienst bei der Nationalen Volksarmee in Cottbus studierte Woidke ab 1982 bis Landwirtschaft und Tierproduktion/Ernährungsphysiologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Das Studium schloss er 1987 als Diplomagraringenieur ab. Von 1987 bis 1990 war Woidke wissenschaftlicher Assistent am Institut für Ernährungsphysiologie in Ost-Berlin. Von 1990 bis 1992 leitete er die wissenschaftliche Abteilung des Mineralfutter-Herstellers SANO-Mineralfutter GmbH. Er war von 1992 bis 1993 Amtsleiter für Umwelt und Landwirtschaft des Landkreises Forst, nach der brandenburgischen Kreisreform dann bis zu seiner Wahl in den Landtag Brandenburg 1994 Amtsleiter für Landwirtschaft im Landkreis Spree-Neiße. 1993 wurde er an der Humboldt-Universität zu Berlin nach erfolgreicher Verteidigung seiner Dissertation zum Thema Laboruntersuchungen zur Strohkonservierung mittels Harnstoff-Saccharose-Zusatz und zum Trockensubstanzabbau der Konservate nach der Nylonbeutel-Methodik promoviert.

Woidke ist Mitglied der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Er ist in zweiter Ehe mit Susanne Woidke verheiratet. Die Eheleute haben jeweils eine Tochter aus erster Ehe und wohnen in Forst (Lausitz).[3]

SPD-Politiker seit 1993Bearbeiten

Im Jahr 1993 trat Woidke als 32-jähriger Amtsleiter in die SPD ein, für die er in der Landtagswahl in Brandenburg 1994 ein Direktmandat gewann. Sein Wahlkreis war Spree-Neiße II, den er auch 1999 direkt gewann. Nachdem er 2004 das Direktmandat nicht mehr erringen konnte, und in den Landtag über die Landesliste eingezogen war, trat er zur Landtagswahl 2009 im Wahlkreis Spree-Neiße I an und gewann ihn direkt. Bei der Landtagswahl 2014 gewann er den Wahlkreis erneut direkt mit 49,5 Prozent der Stimmen. 2019 gewann er ihn wiederum direkt, dieses mal mit 36,2 Prozent der Stimmen.

Im Landtag war er von 1994 bis 1999 stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und von 1999 bis 2004 Mitglied des Ausschusses für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung. Zeitweise leitete er den Braunkohlenausschuss des Landes Brandenburg. Nachdem er 2009 nicht für das Landeskabinett berücksichtigt wurde, übernahm er von November 2009 bis zu seiner Berufung als Innenminister im Oktober 2010 das Amt des Fraktionsvorsitzenden der SPD-Fraktion und wurde Mitglied des Präsidiums des Landtags. Von Dezember 2009 bis November 2010 war er außerdem Vorsitzender des Hauptausschusses des Parlaments.

Von 1998 bis 2003 war er außerdem Stadtverordneter in Forst (Lausitz) und gehörte von 1998 bis zu seiner Ernennung zum Minister im Jahr 2004 dem Kreistag des Landkreises Spree-Neiße an. Bei der Kommunalwahl im Jahr 2008 wurde Woidke wiederum als Stadtverordneter in die Stadtverordnetenversammlung von Forst (Lausitz) sowie als Abgeordneter in den Kreistag Spree-Neiße gewählt. Diese Mandate gab er im Oktober 2010 im Zusammenhang seiner Ernennung zum Innenminister des Landes Brandenburg zurück.

Am 26. August 2013 wurde Woidke als Nachfolger von Matthias Platzeck zum Vorsitzenden des SPD-Landesverbandes Brandenburg gewählt.[4] Auf dem ordentlichen Parteitag der SPD vom 14.–16. November 2013 in Leipzig wurde Woidke als Beisitzer in den Bundesvorstand der SPD gewählt.[5]

Landesminister in Brandenburg (2004 bis 2009 und von 2010 bis 2013)Bearbeiten

Vom 13. Oktober 2004 bis 21. Oktober 2009 war Woidke Minister für Ländliche Entwicklung, Umwelt- und Verbraucherschutz im Land Brandenburg. Nach der Landtagswahl 2009 wurde er für keinen Regierungsposten mehr vorgesehen, um die Frauenquote im Kabinett zu erhöhen.

Nach dem Rücktritt des Innenministers Rainer Speers am 23. September 2010 ernannte Ministerpräsidenten Matthias Platzeck am 6. Oktober 2010 Woidke zu dessen Nachfolger.[6][7] Neuer SPD-Fraktionschef wurde Ralf Holzschuher. Als Innenminister war Woidke federführend bei der Verwaltungsmodernisierung im Land Brandenburg. Er war in dieser Funktion gemäß dem Tarifvertrag über Maßnahmen zur Begleitung des Umbaus der Landesverwaltung Brandenburg (TV Umbau) Vorsitzender des Beirats.

Eines der größten Reformvorhaben, für die Woidke als Innenminister zuständig war, war die Polizeireform in Brandenburg. Sie zielte auf eine Reduzierung des Personalbestandes in der brandenburgischen Polizei von ca. 8.800 im Jahr 2010 auf 7.000 bis Anfang 2020 ab. Bisher verfügte Brandenburg über zwei Polizeipräsidien, ein Landeskriminalamt und eine Landeseinsatzeinheit (LESE). Am 16. Dezember 2010 stimmte der brandenburgische Landtag dem Gesetzentwurf zur Bündelung dieser Behörden in einem neuen Polizeipräsidium mit Wirkung zum 1. Januar 2011 zu.[8]

Ministerpräsident von Brandenburg (2013 bis heute)Bearbeiten

 
Dietmar Woidke als Sitzungspräsident im Bundesrat, 2019

Nach dem Rücktritt von Matthias Platzeck wurde Woidke am 28. August 2013 zum dritten Ministerpräsidenten des wiederhergestellten Brandenburg gewählt.[9]

Landtagswahl 2014Bearbeiten

Am 3. Mai 2014 wurde er für die Landtagswahl in Brandenburg 2014 zum Spitzenkandidat gewählt. Bei der Wahl konnte die SPD ihre Stellung als stärkste Kraft bei leichten Verlusten in Höhe von 1,1 Prozentpunkten verteidigen und erreichte 31,9 Prozent der Stimmen. Die SPD hatte die Wahl zwischen einer fortgesetzten Koalition mit der Linkspartei (18,9 Prozent der Stimmen) und einer Koalition mit der CDU (23 Prozent der Stimmen). Die SPD und Woidke entschlossen sich für die Fortsetzung der Rot-Roten Koalition. Am 5. November 2014 wurde Woidke vom Landtag mit den 47 Stimmen der Koalition im Amt bestätigt.

Landtagswahl 2019Bearbeiten

Nach der Landtagswahl in Brandenburg 2019 erklärte Woidke, dass er sich einer Wiederwahl zum Ministerpräsidenten von Brandenburg stellen wird. Da die SPD knapp stärkste Partei vor der AfD wurde, seien entsprechende Koalitionsverhandlungen erfolgreich möglich.

Weitere ÄmterBearbeiten

Woidke war ab 2006 Präsident des Brandenburgischen Radsport-Verbands. Dieses Amt übte er für eine Periode aus; 2008 kandidierte er nicht mehr erneut. Außerdem war er Vorsitzender des Verwaltungsrates der Abfallentsorgungsgesellschaft Neiße-Spree. Seit dem 29. Januar 2014 ist er zudem Koordinator für die deutsch-polnische zwischengesellschaftliche und grenznahe Zusammenarbeit im Auswärtigem Amt.[10]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Dietmar Woidke – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. cp: Nach Rücktritt von Platzeck: Woidke ist neuer Ministerpräsident von Brandenburg. In: Focus Online. 28. August 2013, abgerufen am 14. Oktober 2018.
  2. Woidke zum neuen SPD-Landesvorsitzenden gewählt (Memento vom 24. Dezember 2013 im Internet Archive)
  3. http://www.bild.de/regional/berlin/dietmar-dr-woidke/brandenburgs-neue-first-patchwork-familie-32021576.bild.html
  4. Gerold Büchner: Dietmar Woidke: Erste Etappe in der Erbfolge. In: Berliner Zeitung, 26. August 2013.
  5. Parteien - SPD: Hintergrund: SPD-Vorstand komplett - Beisitzer gewählt (Memento vom 16. November 2013 im Webarchiv archive.today)
  6. Woidke neuer Innenminister – Platzeck dankt scheidendem Ressortchef, Presseinformation vom 23. September 2010.
  7. Ernennung des Ministers des Innern, Presseinformation der Staatskanzlei Brandenburg vom 5. Oktober 2010.
  8. Presseerklärung zur Polizeireform, Presseinformation vom 16. Dezember 2010.
  9. Biografie von Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke (Memento vom 27. Januar 2010 im Internet Archive) stk.brankenburg.de, abgerufen am 28. August 2013
  10. Auswärtiges Amt: Auswärtiges Amt - Der Koordinator für die deutsch-polnische Zusammenarbeit: Lebenslauf. Abgerufen am 30. Mai 2019.