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Kevin Kühnert, 2019

Kevin Kühnert (* 1. Juli 1989 in West-Berlin) ist ein deutscher Politiker der SPD. Er ist seit dem 24. November 2017 Bundesvorsitzender der Jusos.[1]

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Herkunft und AusbildungBearbeiten

Kühnert stammt aus einer Beamtenfamilie: Sein Vater ist Beamter in einer Berliner Bezirksverwaltung, seine Mutter arbeitet in einem Jobcenter. Sein Abitur erlangte er 2008 am Beethoven-Gymnasium in Berlin-Lankwitz, an dem er auch Schülersprecher war.[2] Anschließend absolvierte er ein Freiwilliges Soziales Jahr im Kinder- und Jugendbüro Steglitz-Zehlendorf.[3]

Ein 2009 begonnenes Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität Berlin brach er ab und arbeitete anschließend dreieinhalb Jahre lang in einem Callcenter.[3] Von 2014 bis 2016 arbeitete er im Abgeordentenbüro von Dilek Kolat und seit 2016 arbeitet er im Abgeordnetenbüro von Melanie Kühnemann.[4] Ein 2016 begonnenes Studium der Politikwissenschaft an der Fernuniversität in Hagen ruht seit seiner Wahl zum Bundesvorsitzenden der Jusos.[3][5]

In der Jugend spielte er Handball beim VfL Lichtenrade.[6] Er ist Fan von Tennis Borussia Berlin, Arminia Bielefeld und des FC Bayern München.[7] Von Juni 2013 bis Mai 2017 war er Mitglied des Aufsichtsrats von Tennis Borussia Berlin.[8][9] Seinen Vornamen erhielt er nach dem englischen Stürmer Kevin Keegan, dessen Fan seine Mutter ist.[10]

Im März 2018 äußerte sich Kühnert in einem Interview in der Zeitschrift Siegessäule erstmals öffentlich zu seiner Homosexualität.[11][12][13]

Politischer WerdegangBearbeiten

Kühnert trat 2005 in die SPD ein und war von 2012 bis 2015 Landesvorsitzender der Jusos Berlin. Ab 2015 fungierte er als stellvertretender Juso-Bundesvorsitzender und war für die Themen Steuerpolitik, Rentenpolitik, Strukturpolitik, Rechtsextremismus und Migrationspolitik sowie für die Social-Media-Arbeit zuständig.[14] Nachdem Johanna Uekermann nicht noch einmal zur Wahl angetreten war, wählte ihn der Bundeskongress in Saarbrücken im November 2017 mit 225 von 297 Stimmen zum Bundesvorsitzenden der Jusos.[15]

Kommunalpolitisch ist Kühnert seit 2016 als Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg aktiv.[16]

Politische PositionenBearbeiten

Kühnert wirbt für eine Polarisierung zwischen den großen Volksparteien, damit Rechtspopulisten sich nicht als vermeintliche Alternative darstellen könnten; er nennt die Besteuerung von Vermögen, einen höheren Mindestlohn und die Bekämpfung von Leiharbeit.

Große KoalitionBearbeiten

Nach seiner Wahl zum Juso-Bundesvorsitzenden sprach sich Kühnert gegen die Bildung einer erneuten Großen Koalition aus („#NoGroKo“).[17]

Die Glyphosat-Entscheidung im Kabinett Merkel III sei gegen einen klaren Kabinettsbeschluss der GroKo getroffen worden.[18] Hinsichtlich einer in der SPD diskutierten "Kooperationskoalition" also einer Tolerierung einer Minderheitsregierung sagte er in einem Interview im Dezember 2017: „Viele Menschen, die eine große Koalition nicht wollen, haben ein sehr feines Gespür dafür, wenn versucht wird, ihnen ein alternatives Modell zu verkaufen, […]“[19] Während der Sondierungsgespräche über die Bildung einer Großen Koalition im Januar 2018 bekräftigte er seine Position und sprach sich stattdessen für eine Minderheitsregierung aus.

 
Kühnert bei einer #NoGroKo-Veranstaltung (2018)

Nach dem SPD-Parteitag vom 21. Januar 2018 in Bonn intensivierten die Jusos ihre Kampagne #NoGroko und forderten Unterstützer unter dem Motto „Tritt ein, sag’ Nein“ zum Eintritt in die SPD auf, um die Große Koalition bei der Urwahl zu verhindern.[20] SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil kritisierte die Juso-Aktion: „Wenn man jetzt sagt, ‚Tritt ein: Für 10 Euro bleibst du zwei Monate Mitglied, stimmst gegen die Große Koalition und gehst dann wieder raus‘, das entspricht nicht dem, wie ich Partei-Arbeit verstehe. Das reduziert auch den Wert einer Mitgliedschaft. Da sollten wir klar vereinbaren, dass sowas nicht geht.“[21] Kühnert seinerseits betonte, dass die Jusos Neumitglieder werben wollten, die aus Überzeugung in die SPD eintreten, „weil sie unsere Grundwerte teilen. Wenn diese Mitglieder anschließend unserer Argumentation folgen, die Große Koalition abzulehnen, ist daran nichts anrüchig.“[22] Am 1. Februar 2018 wiederholte er im Interview mit Jan Böhmermann im Neo Magazin Royale seine Kritik an den Koalitionsverhandlungen und kritisierte den „rassistischen Bullshit“ der CSU, wobei er riet, diesen als Anlass für den Abbruch der Gespräche zu nutzen.[23][24]

Wie schon 2013 ließ die SPD per Mitgliederentscheid über die Frage abstimmen, ob die Partei eine Koalition mit der CDU/CSU bilden solle. Bis zum 2. März mussten die entsprechenden Stimmzettel zurück gesandt werden. Zuvor tourte Kühnert durch die Bundesrepublik, um vor Mitgliedern und der interessierten Öffentlichkeit für die Ablehnung einer Großen Koalition zu werben. Bei Podiumsdiskussionen hatte er jeweils einen Vertreter der Pro-Position als Gegenüber. Begleitet wurde die Kampagne durch Radio- und TV-Interviews sowie der Teilnahme an Sendungen wie Markus Lanz. Hierdurch erlangte Kevin Kühnert Bekanntheit auch über Deutschland hinaus.

MindestlohnBearbeiten

Kevin Kühnert forderte zum Tag der Arbeit am 1. Mai 2018 in der Rheinischen Post eine deutliche Erhöhung des Mindestlohns von 8,84 Euro auf mindestens zwölf Euro je Stunde noch in der laufenden Wahlperiode: „Um den Mindestlohn armutssicher zu machen, müsste er schon heute zwölf Euro oder mehr betragen.“[25]

Arbeitslosengeld IIBearbeiten

Kevin Kühnert kritisierte zum 1. Mai 2018 die Situation von Empfängern von ALG II: „Bestehende Schikanen gehören abgeschafft, die Sanktionsmöglichkeiten vorneweg.“ Er kritisierte, dass viele Menschen in unsinnigen Weiterbildungsmaßnahmen festhingen oder umständlich die Reparatur von Haushaltsgeräten erstreiten müssten.[25]

AuszeichnungenBearbeiten

  • 2018: Next Generation Leader des Time magazine[26][27]
  • 2018: Signs Award in der Kategorie Engagement in der Kommunikation[28]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kevin Kühnert – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kevin Kühnert – Bundesvorsitzender. In: jusos.de. Jusos in der SPD, abgerufen am 16. Dezember 2017.
  2. Juso-Chef Kevin Kühnert: Mr. NoGroko und die Luftpumpen morgenpost.de, 16. September 2018
  3. a b c Kevin Kühnert (SPD), Vorsitzender der Jusos jungundnaiv.de, 3. Juni 2018
  4. Bürgerbüro Kühnemann im John-Locke-Kiez eröffnet! lichtenrade-berlin.de
  5. Hat der überhaupt studiert?! taz.de, 24.  September 2018
  6. „Sie waren froh, als jemand Junges kam“ tagesspiegel.de, 12. März 2018
  7. Der Faktencheck zur Sendung vom 29.10.2018 wdr.de, 30. Oktober 2018
  8. TeBe absolvierte Mitgliederversammlung mit Wahlen tebe.de, 19. Juni 2013
  9. Verwerfungen in Lila-Weiß tagesspiegel.de, 30. Januar 2019
  10. Warum Juso-Chef Kevin Kühnert alte Stadien besucht 11freunde.de, 4. März 2018
  11. Christian Arnold: SPD am Scheideweg: Juso-Chef Kevin Kühnert im Interview. In: Siegessäule. Special Media SDL, 5. März 2018, abgerufen am 6. März 2018.
  12. rct mit dpa: Kevin Kühnert spricht erstmals über seine Homosexualität. In: welt.de. 6. März 2018, abgerufen am 6. März 2018.
  13. Carolin Wollschied: Reaktionen auf Coming-Out: „Damit Erika Steinbach sich ärgern kann“. In: FAZ.net. 8. März 2018, abgerufen am 12. März 2018.
  14. Pressemitteilung: Jusos Berlin nominieren den Berliner Kevin Kühnert für den Juso-Bundesvorsitz. In: jusosberlin.de. Jusos Berlin, 9. Oktober 2017, abgerufen am 9. Februar 2019.
  15. (dpa): Wir sind Bollwerk gegen „GroKo“. Neuer Juso-Vorsitzender. In: tagesspiegel.de. Der Tagesspiegel, 24. November 2017, abgerufen am 9. Februar 2019.
  16. Karen Noetzel: Bezirksverordneter Kevin Kühnert wird Juso-Vorsitzender. In: berliner-woche.de. Berliner Woche, 30. November 2017, abgerufen am 9. Februar 2019.
  17. Kevin Kühnert: „Die SPD wird in keine Große Koalition gehen“. In: Zeit Online. Zeit Online GmbH, 30. November 2017, abgerufen am 16. Dezember 2017 (Quelle: Zeit Online, dpa, AFP, Reuters, fin): „‚Ich erwarte vom Parteivorsitzenden, dass er auf den aktuellen Beschluss bei der SPD hinweist. Und das bedeutet: Die SPD wird in keine große Koalition gehen‘, sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung.“
  18. Max Holscher, Christian Teevs: Juso-Chef Kevin Kühnert: „Wir können die Große Koalition noch verhindern“. In: Spiegel Online. 10. Januar 2018, abgerufen am 11. Januar 2018.
  19. Nico Fried: Koalition – Kooperation – Krabbelgruppe. In: Süddeutsche Zeitung. 13. Dezember 2017, abgerufen am 19. Januar 2018.
  20. Paul Starzmann: Jusos und SPD-Linke werben um Groko-Gegner: „Tritt ein, sag Nein!“ In: tagesspiegel.de. 22. Januar 2018, abgerufen am 24. Januar 2018.
  21. Angela Ulrich: SPD-Generalsekretär greift Juso-Kampagne an. In: mdr.de. Mitteldeutscher Rundfunk, 24. Januar 2018, abgerufen am 24. Januar 2018.
  22. Jan Drebes: Juso-Chef: Kühnert lehnt Kurzzeit-SPD-Mitgliedschaften gegen Groko ab. In: rp-online.de. RP Online, 24. Januar 2018, abgerufen am 24. Januar 2018.
  23. Gereon Asmuth: Kevin Kühnert bei Jan Böhmermann: „Rassistischer Bullshit der CSU“. In: taz.de. 1. Februar 2018, abgerufen am 19. Februar 2018.
  24. Yannik Buhl: Juso-Chef Kevin Kühnert im „Neo Magazin Royale“. Der Anfang von Angela Merkels Ende? In: Stuttgarter Zeitung. 2. Februar 2017, abgerufen am 19. Februar 2018.
  25. a b mik/dpa: Juso-Chef Kühnert fordert zwölf Euro Mindestlohn – mindestens. In: spiegel.de. 1. Mai 2018, abgerufen am 1. Mai 2018.
  26. Simon Shuster: Life of the Party. In: time.com. 17. Mai 2018, abgerufen am 19. Mai 2018.
  27. Time-Magazine setzt „Milchgesicht“ Kühnert auf Liste der „Next Generation Leader“. In: focus.de. 18. Mai 2018, abgerufen am 11. Mai 2018.
  28. SignsAward 2018. Zeichen setzen in der Kommunikation. In: signs-award.de, abgerufen am 25. Juli 2018.