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Gustav Horn (Wirtschaftswissenschaftler)

deutscher Wirtschaftswissenschaftler

LebenBearbeiten

Horn studierte von 1973 bis 1979 Volkswirtschaftslehre an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn mit dem Abschluss Diplom-Volkswirt. Als DAAD-Stipendiat erwarb er 1981 an der London School of Economics and Political Science einen Abschluss als Master of Science. Von dort wechselte er für fünf Jahre als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Lehrstuhl für Angewandte Wirtschaftsforschung der Universität Konstanz.

Von 1986 bis 2004 war er beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin tätig. 1992 wurde er an der TU Berlin promoviert. Nachdem er schon 1998 bis 1999 kommissarisch die Konjunkturabteilung des DIW geleitet hatte, übernahm er diese Position ab 2000 auch offiziell. Zwischendurch erfolgte 2001 seine Habilitation im Fach Volkswirtschaftslehre bei Jürgen Kromphardt. Seine Entlassung als „Konjunkturchef“ des DIW 2004 erregte seinerzeit großes Aufsehen in der Öffentlichkeit; sie wurde von Heiner Flassbeck, der ebendieselbe Position schon innegehabt hatte, als Zeichen für eine Abkehr des Instituts von seiner überlieferten keynesianischen Programmatik gewertet.[1] Horn erhielt vom Europäischen Parlament in erheblichem Umfang Aufträge für empirische Forschung, Vorträge und Politikberatung.

Horn leitet seit dem 1. Januar 2005 das neu gegründete Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Dort ist Horn ebenfalls für die Konjunkturprognose des Instituts zuständig. Im Jahr 2007 erhielt Horn eine außerplanmäßige Professur am Internationalen Institut für Management der Universität Flensburg. In seiner Funktion als wissenschaftlicher Direktor des IMK wurde er von der Financial Times Deutschland 2008 als „Prognostiker des Jahres“ ausgezeichnet, da seine Prognose 2008 die Realität am genauesten vorausgesagt hatte.[2]

Horn ist SPD-Mitglied,[3] beratendes Mitglied der Grundwertekommission der SPD sowie Mitglied des Willy-Brandt-Kreises.[4]

Wirtschaftspolitische StandpunkteBearbeiten

In Spiegel-Gastkommentaren (April und Mai 2010) gab Horn der deutschen Bundesregierung eine Mitschuld an der Verschärfung der Griechischen Staatsschuldenkrise ab 2010 und vertrat die Ansicht, dass in dieser Phase nicht Inflation die größte Gefahr sei, sondern Deflation (also sinkende Preise).[5][6]

Im Oktober 2012 forderte Horn, die Bundesbank solle ihr Gold („Deutsche Goldreserven“) im Wert von mehr als 100 Milliarden Dollar verkaufen. Es gebe keinen rationalen ökonomischen Grund mehr dafür, derartig hohe Goldvorräte vorzuhalten. Er wies auch darauf hin, dass die Bundesbank nicht einmal mehr über eine eigene Währungshoheit verfüge.[7]

The International Economy zählt Horn zur Gruppe fünf deutscher Ökonomen („Gang of Five“) die Keynesianische Ideen vertreten.[8]

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Heiner Flassbeck: Glasperlenspiel oder Ökonomie, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 09/2004
  2. Prognostiker des Jahres 2008 (Memento vom 31. Januar 2009 im Internet Archive) in Financial Times Deutschland, 14. Dezember 2008
  3. Rückendeckung für Gabriels AfD-Ökonomen. In: Handelsblatt. Abgerufen am 30. Januar 2014.
  4. Willy-Brandt-Kreis: Mitglieder. Willy-Brandt-Kreis, abgerufen am 5. Oktober 2018.
  5. Gustav A. Horn: Wie Berlin die Griechen-Krise verschärfte. Spiegel, 27. April 2010.
  6. Gustav A. Horn: Warum die Angst vor Inflation unbegründet ist. Spiegel Online, 19. Mai 2010.
  7. Gastbeitrag für die „Welt am Sonntag“: [1]; Pro (Horn) und Contra (Thorsten Polleit); www.handelsblatt.com 27. Oktober 2012
  8. Brigitte Baetz: Krise des ökonomischen Denkens: Gustav A. Horn: Die deutsche Krankheit – Sparwut und Sozialabbau. In: deutschlandfunk.de. 1. August 2005, abgerufen am 5. Dezember 2018 (Zur „Gang of Five“ sollen gehören: Peter Bofinger, Rudolf Hickel, Heiner Flassbeck, Albrecht Müller und Gustav A. Horn).