Armin Laschet

Parteivorsitzender der CDU, Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, MdL

Armin Laschet (* 18. Februar 1961 in Aachen) ist ein deutscher Politiker (CDU). Seit dem 27. Juni 2017 ist er der elfte Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen. Seit dem 22. Januar 2021 ist Laschet Parteivorsitzender der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU).

Armin Laschet (2019) Unterschrift von Armin Laschet

In Nordrhein-Westfalen führt er eine schwarz-gelbe Landesregierung (Kabinett Laschet). Von 2005 bis 2010 war er im Kabinett Rüttgers der Familienminister des Landes und seit 2012 führt er den CDU-Landesverband. Bei der Landtagswahl 2017 ging die CDU unter Laschet als stärkste Partei hervor.

BiographieBearbeiten

Familie, Ausbildung und BerufBearbeiten

Laschet wuchs mit drei jüngeren Brüdern in einer römisch-katholisch geprägten Mittelschichtfamilie im Aachener Stadtteil Burtscheid auf. Seine Mutter Marcella Laschet (geborene Frings, 1933–2013)[1][2] war Hausfrau, sein Vater Heinrich „Heinz“ Laschet (* 1934) war Steiger auf der Grube Anna des Eschweiler Bergwerks-Vereins in Alsdorf und wurde nach einer pädagogischen Umschulung (als „Mikater“) Leiter einer Aachener Grundschule. Die Familie Laschet stammt aus der Wallonischen Region in Belgien. Sein Großvater Hubert Laschet (1899–1984) zog in den 1920er-Jahren von Hergenrath, einer deutschsprachigen Gemeinde im heutigen Ostbelgien (bis 1920 völkerrechtlich zu Deutschland gehörend), nach Aachen. Seine Großmutter Hubertina Laschet (geborene Wetzels, 1900–1979) wurde in Aachen als Tochter von Eltern geboren, die kurz zuvor aus Welkenraedt, einer plattdeutschen Gemeinde, dorthin gezogen waren.[3]

Als Jugendlicher war Laschet Betreuer in der katholischen Jugendarbeit von St. Michael in Burtscheid. Nach seinem Abitur 1981 am Bischöflichen Pius-Gymnasium Aachen studierte er Rechts- und Staatswissenschaften in München und Bonn und bestand 1987 das Erste juristische Staatsexamen. Seine Hochschulausbildung wurde durch ein Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung gefördert.[4] Während seines Studiums wurde er Mitglied der katholischen Studentenverbindungen KDStV Aenania München und KDStV Ripuaria Bonn, beide im Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen.

Von 1987 bis 1988 absolvierte Laschet ein journalistisches Volontariat beim Radiosender 95.5 Charivari und war anschließend bis 1994 als freier Journalist unter anderem für das Bayerische Fernsehen und andere bayerische Rundfunksender tätig. Außerdem wurde er wissenschaftlicher Berater der damaligen Präsidentin des Deutschen Bundestages, Rita Süssmuth. Von 1991 bis 1994 leitete er auf Vorschlag seines im Bistum Aachen einflussreichen Schwiegervaters Heinz Malangré als Chefredakteur die KirchenZeitung Aachen. Für seine Berichterstattung zum Prozess gegen einen Pfarrer wegen dessen sexueller Gewalt und die Erwähnung einer „fatalen Neigung seiner Vorgesetzten“ zur Vertuschung der Vorgänge wurde er vom Generalvikar des Bistums, Karlheinz Collas (a. 1978–1997), gemaßregelt.[5] Von 1995 bis 1999 war Laschet Verlagsleiter des katholischen Einhard-Verlags, dessen geschäftsführender Gesellschafter sein Schwiegervater war.[6][7]

Politische Ämter und FunktionenBearbeiten

 
Laschet auf dem 31. Parteitag der CDU in Hamburg (2018)

Mitglied des Stadtrates, Bundestages und EuropaparlamentsBearbeiten

1989 zog Laschet, der als 18-Jähriger 1979 in die CDU eingetreten war, als damals jüngster Ratsherr für die CDU in den Aachener Stadtrat ein, dessen Mitglied er bis 2004 blieb.

Bei der Bundestagswahl 1994 gewann er das Direktmandat für den Wahlkreis Aachen-Stadt und verlor es bei der Bundestagswahl 1998.[8]

1999 wurde er zum Europaabgeordneten gewählt und war bis 2005 Mitglied des Europäischen Parlaments. Im Europäischen Parlament war er vor allem in der Außen- und Sicherheitspolitik, der internationalen Zusammenarbeit sowie der Haushaltspolitik engagiert.[9]

Landesminister in Nordrhein-WestfalenBearbeiten

Am 24. Juni 2005 wurde Laschet im Kabinett Rüttgers zum Landesminister für das neu zugeschnittene Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen ernannt. Laschet war 2005 der erste Landesminister für Integration in Deutschland.[10] Laschet vertrat eine integrative Politik der Bildungs- und Chancenförderung, „Deutschland brauche Einwanderung und müsse zu einer Republik der Aufsteiger auch für jene 38 Prozent der unter sechs Jahre alten Kinder werden, die eine Zuwanderungsgeschichte haben“.[11] Ab 8. März 2010 nahm er zugleich kommissarisch die Geschäfte des Ministers für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen wahr. Seine Amtszeit endete mit der Übernahme der Regierungsverantwortung durch die rot-grüne Minderheitsregierung unter Hannelore Kraft am 14. Juli 2010.[12]

Von 2005 bis 2010 war er als Landesminister stellvertretendes Mitglied des Bundesrates, und seit 2017 ist er wieder Mitglied des Bundesrates.

Vorsitzender des CDU-Landesverbandes Nordrhein-WestfalenBearbeiten

2010 kandidierte Laschet für das Amt des Vorsitzenden des CDU-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, das durch den Rückzug des bisherigen Amtsinhabers Jürgen Rüttgers nach der Landtagswahl 2010 frei geworden war. Die CDU Nordrhein-Westfalen führte im Oktober 2010 eine Mitgliederbefragung durch, ob Norbert Röttgen oder Laschet neuer CDU-Vorsitzender Nordrhein-Westfalens werden sollte. Im Vorfeld dieser Wahl hatten beide ab dem 1. September 2010 in „Diskussions-Duellen“ bei den acht CDU-Bezirksverbänden ihre Positionen vorgestellt.[13] Mit einer Wahlbeteiligung von 52,8 % der etwa 158.000 CDU-Mitglieder, wurde – per Briefwahl oder Stimmabgabe in einem der 139 Wahllokale – mit 54,8 % Norbert Röttgen gewählt; das Ergebnis wurde am 31. Oktober 2010 bekanntgegeben.[14] Nachdem Norbert Röttgen die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2012 verloren hatte und daraufhin zurücktrat, wurde Laschet beim CDU-Sonderparteitag am 30. Juni 2012 mit 77 % der Delegiertenstimmen zum neuen Vorsitzenden der CDU Nordrhein-Westfalen gewählt.[15]

Landtagsabgeordneter in Nordrhein-WestfalenBearbeiten

 
Laschet am Wahlabend der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 14. Mai 2017 in Düsseldorf

Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai 2010 wurde er zum ersten Mal in den Landtag Nordrhein-Westfalen gewählt.[16] Bei der vorgezogenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 13. Mai 2012 zog Laschet über die Landesliste (Platz 5) erneut in den Landtag ein. Am 18. Dezember 2013 wurde Laschet mit 64 Stimmen zum neuen Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen gewählt und somit zum Oppositionsführer im Landtag Nordrhein-Westfalen.

Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 14. Mai 2017 wurde er im Landtagswahlkreis Aachen II als Direktkandidat in den Landtag Nordrhein-Westfalen gewählt.[16]

Ministerpräsident von Nordrhein-WestfalenBearbeiten

Laschet wurde am 27. Juni 2017 mit den Stimmen einer schwarz-gelben Koalition von CDU und FDP im ersten Wahlgang mit der erforderlichen absoluten Mehrheit von 100 Stimmen (bei insgesamt 199 Abgeordneten) im nordrhein-westfälischen Landtag zum elften Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen gewählt und führt seitdem als Ministerpräsident die Landesregierung.

Spitzenämter in der BundesparteiBearbeiten

2008 wurde er in den CDU-Bundesvorstand gewählt und war von 2012 bis 2021 einer von fünf stellvertretenden Vorsitzenden der CDU.[17]

Nachdem am 10. Februar 2020 Annegret Kramp-Karrenbauer angekündigt hatte, im Laufe des Jahres 2020 den CDU-Parteivorsitz niederzulegen und nicht als Kanzlerkandidatin zur Bundestagswahl 2021 anzutreten, gab Laschet am 25. Februar 2020 vor der Bundespressekonferenz bekannt, sich für das Amt des CDU-Bundesvorsitzenden zu bewerben mit Jens Spahn als Vizevorsitzendem.[18] Er trat damit gegen Friedrich Merz[19] und Norbert Röttgen an.[20]

Die wegen der COVID-19-Pandemie verschobene Wahl zum neuen CDU-Parteivorsitzenden fand auf dem 33. Parteitag der CDU Deutschlands am 16. Januar 2021 statt. In einem im Sinne des Parteiengesetzes rechtlich nicht bindenden Online-Voting der Delegierten konnte er im zweiten Wahlgang 53 % der Stimmen auf sich vereinen.[21] In der folgenden Briefwahl trat er als einziger Kandidat an und wurde mit 83 % der abgegebenen gültigen Stimmen zum neuen Parteivorsitzenden der CDU gewählt.[22]

SonstigesBearbeiten

Seit dem 1. Januar 2019 ist Laschet Bevollmächtigter der Bundesrepublik Deutschland für kulturelle Angelegenheiten im Rahmen des Vertrags über die deutsch-französische Zusammenarbeit.[23] Laschet ist Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Von 1996 bis 2009 war er Mitglied des Vorstands und ist seitdem Mitglied des Präsidiums der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN).

Von 2014 bis 2016 war er Mitglied im Verwaltungsrat von missio in Aachen und seit 2017 ist er Stiftungsbotschafter der Stiftung pro missio.[24] Bis 2016 war er Mitglied der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Außerdem war er Mitglied des Kuratoriums der Adalbert-Stiftung.

Seit 2018 ist er Ehrensenator im Kölner Karneval. 2020 war Laschet im Ersten in einem Cameo-Auftritt in der 1115. Folge vom Tatort zu sehen. Er spielte dabei sich selbst. Seit 2020 wird Laschet gemeinsam mit Karl Lauterbach wöchentlich in der Satire Laschi und Lauti des Radiosenders WDR 2 thematisiert.

PrivatesBearbeiten

 
St. Michael in Aachen-Burtscheid, Heimatkirche für Laschet

Seine Ehefrau Susanne Laschet geb. Malangré (* 1962) lernte Armin Laschet schon während ihrer Grundschulzeit in seinem Burtscheider Jugendchor kennen.[25] Ihr Vater Heinz Malangré, ein Bruder des Aachener Oberbürgermeisters und Opus-Dei-Mitglieds Kurt Malangré, leitete den Chor.[7] Wie Laschets Familie stammen die Malangrés ursprünglich aus Wallonien.[26] Die beiden heirateten 1985. Sie leben bis heute im Aachener Stadtteil Burtscheid und haben drei erwachsene Kinder, zwei Söhne und eine Tochter.[27][28][29]

Laschet ist praktizierender Katholik und gehört seit seiner Taufe 1961 der Pfarrei St. Michael in Aachen-Burtscheid an, wo er bis 1977 Ministrant war und 1985 seine Frau Susanne heiratete.[30] Über seinen katholischen Glauben stellte Laschet fest, die Familie sei „rheinisch-katholisch“.[31] Laschet hat seit seiner Jugend enge Kontakte und Beziehungen innerhalb der katholischen Kirche im Rheinland.[7]

„Wir müssen deutlich machen, dass der Markenkern der Christlich Demokratischen Union eben nicht das Konservative ist, sondern dass das christliche Menschenbild über allem steht.[32]

Armin Laschet

Laschets Bruder Patrick hat auf seiner Website einen Stammbaum der Familie Laschet veröffentlicht, der bis zu Karl dem Großen zurückreicht.[33] Während die Website keine gesicherte Verbindung behauptet, wird Armin Laschet in der 2020 erschienenen Biografie Der Machtmenschliche eine Abstammung von Karl dem Großen zugeschrieben, was nach Einschätzung des Journalisten Reiner Burger jedoch „nicht ernst, sondern eher als typisch rheinisch-dialektischer Witz gemeint“ sei, dem „vielleicht doch ein Körnchen Wahrheit innewohnt“.[34][35][36][37] Auf der Homepage schreibt Patrick Laschet: „Als gebürtiger Öcher (Aachener) möchte man natürlich von Karl dem Großen abstammen".“ und in einem Telefoninterview mit dem Spiegel stellte er klar, dass er „nicht wirklich“ daran glaube.[38]

Politische Positionen, Kontroversen und KritikBearbeiten

Grundsätzliche EinstellungBearbeiten

Laschet gilt innerhalb der CDU als liberal-gemäßigt sowie Stand Mai 2020 offen für schwarz-grüne Koalitionen.[39][40][41][42] Eine Woche vor seiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden 2021 lobte er in einem Interview sowohl die SPD als Teil der regierenden Großen Koalition als auch „seine“ schwarz-gelbe Regierung in Nordrhein-Westfalen, während er sich kritisch zu einer möglichen schwarz-grünen Koalition äußerte: „Die Meinung, dass alleine die Grünen die große Rettung sind, teile ich nicht. Politisch gibt es eine Menge Gegensätze, die wir auch in diesem Wahlkampf sichtbar machen müssen.“[43]

IntegrationspolitikBearbeiten

Als Integrationsminister Nordrhein-Westfalens setzte er sich 2008 für Toleranz, Respekt und Dialogbereitschaft ein, auch mit den Muslimen. Er äußerte Verständnis dafür, dass sich Christen und Muslime zu Gehör bringen, wenn sie ihren Glauben etwa durch Witze verletzt sehen, jedoch „müsse dem organisierten Missbrauch solcher Gefühle zu politischen Zwecken gewehrt werden“. Weiterhin sprach er sich für ein Kopftuchverbot für Lehrkräfte aus.[44]

Laschet vertritt die Prinzipien Chancengerechtigkeit und Integration und möchte Bildung unabhängig von der Herkunft der Eltern ermöglichen, und so einen Aufstieg durch Bildung befördern. 2020 äußerte er in einem Interview mit der französischen Zeitung Le Figaro:

„In Wahrheit aber waren wir immer ein Einwanderungsland. […] Auch wenn das französische und deutsche Modell sehr unterschiedlich ist, das Problem gelingender Integration haben beide Länder. Deshalb müssen wir den sozialen Aufstieg durch Bildung noch stärker möglich machen.“[45]

2010 kritisierte er die Äußerungen Angela Merkels über Thilo Sarrazin und dessen Buch Deutschland schafft sich ab. Merkel hatte das Buch „nicht hilfreich“ genannt und später zugegeben, es nicht gelesen zu haben. Laschet bezeichnete es „nicht für hilfreich, wenn man ein Buch verurteilt und gleichzeitig sagt, man habe es nicht gelesen“. Das Buch sei seiner Meinung nach ein wichtiger Diskussionsbeitrag und Sarrazin „kein Rechtsradikaler“.[46] Gleichzeitig übte er Kritik an Sarrazin:

„Man kann Defizite benennen und darf sie auch benennen, wenn man sie bekämpfen will. Aber was Thilo Sarrazin macht, enttäuscht Menschen, verletzt Menschen und bringt sie nicht weiter. Herr Sarrazin könnte seine Beschimpfungen genauso gut gegen die deutsche Unterschicht richten. Ich nenne ein Beispiel: Fälle von Kindesmisshandlung und -verwahrlosung finden in der Regel in deutschen Familien und weniger in Zuwandererfamilien statt. Sarrazin stellt nicht der Integrationspolitik ein vernichtendes Zeugnis aus; sondern er liefert Argumente, weshalb sie notwendig ist.“[47]

Familien- und BildungspolitikBearbeiten

Als Familienminister war Laschet 2006 daran beteiligt, Kindertagesstätten in Nordrhein-Westfalen zu Familienzentren umzuwandeln, die neben der Kinderbetreuung auch den wachsenden Bedarf der Eltern an Beratung und Unterstützung bei der Wahrnehmung ihrer Bildungs- und Erziehungsaufgaben erfüllen, und Angebote zur Gesundheitsvorsorge, Sprachförderung und Freizeitgestaltung anbieten. Laschet äußerte, dass „die Familienzentren zu ‚Leitstellen‘ für soziale Gestaltungsprozesse im Stadtteil werden sollen“, und es Ziel sei, „mit der Bündelung der vorhandenen Angebote die Möglichkeiten präventiven Handelns (zu) verbessern, und auch Familien aus sozial benachteiligten und bildungsfernen Schichten zu erreichen und ihnen die Angebote leichter zugänglich zu machen.“[48]

2018 wurde von der Landesregierung Nordrhein-Westfalens als eine der bildungsfördernden Maßnahmen beschlossen, in Stadtvierteln mit großen sozialen Herausforderungen 60 sogenannte „Talentschulen“ aus 45 allgemeinbildenden Schulen und 15 Berufsschulen zu gründen, die 20 Prozent mehr Lehrerstellen und eine bessere Sachausstattung bekommen.[49]

Laschet lehnte vor deren Einführung im Juli 2017 die Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen mit der konventionellen Ehe ab.[50]

ArbeitsmarktpolitikBearbeiten

Im Januar 2019 vereinbarte die Landesregierung Nordrhein-Westfalens zusammen mit den Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaften, kommunalen Spitzenverbänden, Trägern der Freien Wohlfahrtspflege und der Bundesagentur für Arbeit eine gemeinsame Erklärung zur Umsetzung des sogenannten „Teilhabechancengesetz“, mit dem ab 2019 landesweit 15.000 sozialversicherungspflichtige Stellen für Langzeitarbeitslose entstehen sollten.[51] Im Januar 2020 wurde vom nordrhein-westfälischen Arbeitsminister Karl-Josef Laumann vermeldet, dass „knapp 12.000 der zuvor lange Zeit arbeitslosen Menschen bis heute in den neu geschaffenen Arbeitsverhältnissen tätig seien“.[52] Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung schrieb im Januar 2020, dass „das Förderprogramm in seinem ersten Jahr rund 13.000 Menschen in NRW erreicht“ hätte, und „allein im Ruhrgebiet bisher rund 6.000 neue Stellen geschaffen“ worden seien.[53]

Energie-, Klima- und VerkehrspolitikBearbeiten

Im September 2012 verfassten Laschet und der FDP-Politiker Christian Lindner gemeinsam einen Gastbeitrag für die Rheinische Post mit der Überschrift „Weg mit der Energie-Planwirtschaft“.[54] Laschet sprach sich 2013 gegen die Infrastrukturabgabe (Pkw-Maut) aus und erklärte: „Die Autofahrer sind heute schon die Melkkuh der Nation. Sie zahlen an Mineral- und Kfz-Steuer mehr, als der Staat für Infrastruktur einsetzt.“[55]

Laschet lehnte 2018 zunächst die von Sigmar Gabriel geplante Abgabe für alte Kohlekraftwerke ab.[56] Im Sommer 2018 unterstützte Laschet den RWE-Chef Rolf Martin Schmitz, der Hambacher Forst müsse für die Energieversorgung geopfert werden, und ließ Mitte September die Baumhäuser der Waldbesetzer aus Brandschutzgründen räumen, obwohl diese zuvor sieben Jahre geduldet wurden und der Protest friedlich geblieben war. Die Rechtmäßigkeit der Räumungen wurden vom Verwaltungsgericht Köln und vom Oberverwaltungsgericht Münster bestätigt.[57] Nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Münster vom 5. Oktober 2018 in einem späteren Verfahren wurde die Rodung des Waldes gestoppt, weil RWE nicht nachweisen konnte, dass diese zur Aufrechterhaltung der Stromversorgung notwendig sei.[58] Daraufhin signalisierte Laschet erstmals Gesprächsbereitschaft mit den Kritikern der Braunkohletagebaue. Nach Ansicht der Rheinischen Post wurde Laschet angesichts der guten Ergebnisse der Grünen bei den Europawahlen, der „Fridays-for-Future“-Proteste und der zunehmenden Bürgerproteste ein „Getriebener“ in Sachen Klima- und Artenschutz.[59] Seit Mai 2018 gehört er zu den CDU-Politikern, die den Vorschlag einer CO2-Steuer unterstützen.[60]

Der Spiegel meinte 2019 nach einer Fernsehsendung, an der Laschet und die Klima-Aktivistin Luisa Neubauer teilnahmen, zu Laschets Klimapolitik:

„Tatsächlich tut sich Laschet innerhalb seiner Partei aktuell als einer der aktiveren Politiker in Klimafragen hervor. Dem Kohleausstieg hat sich Laschet längst verschrieben und fordert von der Bundesregierung schnellere Entscheidungen; er wünscht sich eine ‚Baumprämie‘, um Wälder zu schützen und aufzuforsten; plädiert für eine Klimaschutz-Außenpolitik; und nennt das gerade beschlossene Klimapaket der Bundesregierung zwar einen ersten Schritt in die richtige Richtung, kritisiert es jedoch als nicht weitgehend genug.[61]

Der Klimaforscher Volker Quaschning, die Ökonomin Claudia Kemfert und die Aktivistin Luisa Neubauer bewerteten Anfang 2021 sowohl das Klimakonzept von Laschet als auch seiner Kontrahenten Merz und Röttgen als unzureichend.[62]

AußenpolitikBearbeiten

Laschet kritisierte 2013 die Unterstützung von Bundesaußenminister Guido Westerwelle für die syrische Opposition im Bürgerkrieg in Syrien: „Es ist absurd, dass in Syrien die gleichen Leute unterstützt werden, die wir in Mali bekämpfen. Es sind die aus Katar und Saudi-Arabien finanzierten Terrorgruppen al-Nusra und al-Qaida, die Scharia-Gerichte einführen und die religiöse Vielfalt Syriens bekämpfen“.[63] Laschet kritisierte auch 2013 die Forderung Westerwelles, nach dem Umsturz in Ägypten 2013 den früheren Präsidenten Mohammed Mursi freizulassen, da gerade Minderheiten und Christen unter Mursi besonders gelitten hätten. Daraufhin wurde Laschet selbst von Teilen der CDU und FDP kritisiert.[64]

Verhalten während der Corona-PandemieBearbeiten

Am 30. März 2020 wollte Laschet ein Epidemie-Gesetz mit weitreichenden Durchgriffs- und Sonderrechten im Eilverfahren durchsetzen.[65] Im Gesetzentwurf wurde unter anderem die Zwangsrekrutierung von Ärzten in Nordrhein-Westfalen gefordert, gegen die sich die Ärzteschaft vehement wehrte.[66][67][68][69]

Im April 2020 kaufte die Landesregierung zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie aus Gründen der Eilbedüftigkeit ohne vorherige Ausschreibung Schutzausrüstung vom Textilunternehmen Van Laack.[70] Im Dezember 2020 wurde kritisiert, dass Laschets Sohn Johannes Laschet, der für Van Laack als Influencer arbeitet, den Kontakt zur Landesregierung hergestellt hatte.[71] Laschet verteidigte das Vorgehen mit der damaligen Notsituation. Sein Sohn habe kein Honorar für die Kontaktvermittlung erhalten.[72]

Im Juni 2020 geriet Laschet wegen einer Äußerung zum Corona-Ausbruch im Schlachtbetrieb Tönnies in die Kritik. Auf die Frage, was der Corona-Ausbruch im Schlachtbetrieb Tönnies über die bisherigen Lockerungen in Nordrhein-Westfalen aussage, hatte er geantwortet:

„Das sagt darüber überhaupt nichts aus, weil Rumänen und Bulgaren da eingereist sind und da der Virus herkommt. Das wird überall passieren.“

Armin Laschet[73][74][75]

Diese Aussage sorgte in der Öffentlichkeit für Empörung. Bundesaußenminister Heiko Maas kritisierte Laschets Behauptung:

„Es ist höchst gefährlich über solche Schuldzuweisungen, die in der Sache auch noch absurd sind, Diskussionen (...) zu verschärfen.“ Laschet gieße damit „Öl ins Feuer“, wie es „niemand, der verantwortliche Politik macht, tun darf.“

Heiko Maas[76][77][78]

Auf die Kritik reagierend, sagte Laschet:

„Menschen gleich welcher Herkunft irgendeine Schuld am Virus zu geben, verbietet sich. Mir ist wichtig klarzumachen, dass das für mich wie für die gesamte Landesregierung selbstverständlich ist.“

Armin Laschet[79]

Am 30. Juni 2020 sprach sich Laschet gegen einen Straßenkarneval zur traditionellen Sessionseröffnung am Elften im Elften aus, da er wegen Alkohol und Enge in der Zeit einer Pandemie riskant sei. Der Bund Deutscher Karneval kritisierte diese Entscheidung, und meinte, sie empfänden seine Äußerungen als „Diskriminierung des Brauchtums Karneval“.[80][81] Im Zuge der fortlaufenden Pandemie baten die Karnevalschefs von Köln, Düsseldorf, Bonn und Aachen die Landesregierung im September 2020 um ein „klares Signal zur Absage des Sitzungskarnevals“, der daraufhin von der Landesregierung abgesagt wurde. Der Präsident des Kölner Karnevals äußerte dazu, dass „Große Menschenansammlungen, schunkeln, singen und Bützchen verteilen, in großer Ausgelassenheit und oft auch mit Alkoholkonsum – all das in der Pandemie so nicht denkbar“ (sei).[82]

Rücktritt von LehrtätigkeitenBearbeiten

2015 gab Laschet seinen Lehrauftrag an der RWTH Aachen zurück, nachdem eine von ihm zu korrigierende Klausur „auf dem Postweg abhandengekommen“ sei und er die Noten anhand seiner Aufzeichnungen „rekonstruierte“. Nachdem dieses Vorgehen unter anderem dadurch aufgefallen war, dass einige Studierende eine Benotung erhielten, obwohl sie an der Klausur gar nicht teilgenommen hatten, ging die Universität zunächst davon aus, dass lediglich die Korrekturen auf dem Rückweg verloren gegangen seien, was Laschet aber erst zu einem späteren Zeitpunkt richtigstellte. Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule zog vor der Rückgabe des Lehrauftrages die Konsequenz, dass die durch Laschet angebotenen Module in Zukunft keine Prüfungsleistung mehr darstellen sollten. Laschets Glaubwürdigkeit im akademischen Bildungsbereich galt durch den Skandal als erschüttert.[83][84][85]

Nicht-deklarierte EinnahmenBearbeiten

2009 veröffentlichte Laschet das Sachbuch Die Aufsteigerrepublik. Zuwanderung als Chance, wobei er Unterstützung von Mitarbeitern des Ministeriums in Anspruch genommen hatte. Das Honorar spendete er und machte die Spende in seiner Steuererklärung geltend, ohne das Honorar als Einnahmen angegeben zu haben.[86][87]

AuszeichnungenBearbeiten

KabinetteBearbeiten

VeröffentlichungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

DokumentarfilmeBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Armin Laschet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. https://www.doolia.de/anzeigen/detail.php?A=3364778c250be5ca2d836f87442cf216.2013#marcella_laschet
  2. Duell in NRW: Kraft gegen Laschet. In: RP Online. 14. Mai 2017, abgerufen am 12. Juli 2018.
  3. Bernhard Willems: Die früheren Grundherren des Bereiches von Eupen. Ostbelgische Chronik, Band 2, 1949.
  4. Stefan Marx: Armin Laschet – Geschichte der CDU, Konrad-Adenauer-Stiftung, abgerufen am 13. Januar 2021.
  5. Annette Zoch, Matthias Drobinski: Auf der falschen Seite. In: Süddeutsche Zeitung, 12. November 2020, abgerufen am 19. Januar 2021.
  6. Armin Laschet – Das Landesportal. In: land.nrw. Abgerufen am 14. Mai 2020.
  7. a b c Wolfgang Michal: Der Katholischste von allen. In: Der Freitag. Nr. 45/2019, 12. November 2019 (online [abgerufen am 19. Januar 2021]).
  8. Wayback Machine. (PDF) 6. Oktober 2014, abgerufen am 16. Februar 2020.
  9. https://www.land.nrw/de/armin-laschet. In: land.nrw. Abgerufen am 10. Januar 2021.
  10. Katharina Schuler: Armin Laschet: Der nette Ausländerversteher wird streng. In: Zeit Online. 10. Mai 2017, abgerufen am 1. Juni 2017.
  11. Der Aufstieg des netten Herrn Laschet. Abgerufen am 10. Januar 2021.
  12. Armin Laschet, der rheinische Kämpfer. 9. Mai 2017.
  13. Punktsieg für Röttgen in Münster. Rheinische Post, 2. September 2010, abgerufen am 5. Juli 2013.
  14. Norbert Röttgen wird neuer Chef der NRW-CDU. Die Welt, 31. Oktober 2010, abgerufen am 5. Juli 2013.
  15. Tobias Blasius: Armin Laschet als Vorsitzender der NRW-CDU wiedergewählt. 26. April 2014.
  16. a b NRW-Landtagswahl: 567 Stimmen trennten Laschet von der ersten Niederlage, rp-online.de, 15. Mai. 2017.
  17. https://www.land.nrw/de/armin-laschet. Abgerufen am 10. Januar 2021.
  18. Markus Wehner, Johannes Leithäuser: Wie Laschet und Spahn ihre Mitbewerber unter Druck setzen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 24. Februar 2020, abgerufen am 24. Februar 2020.
  19. „Ich spiele auf Sieg und nicht auf Platz“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 25. Februar 2020, abgerufen am 25. Februar 2020.
  20. „Es geht um die Zukunft der CDU“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 18. Februar 2020, abgerufen am 25. Februar 2020.
  21. Robert Roßmann: Neuer CDU-Chef Laschet: Absage an One-Man-Show. Abgerufen am 22. Januar 2021.
  22. Ergebnisse der Briefwahlen zum Bundesvorstand der CDU Deutschlands beim 33. digitalen Parteitag am 15./16. Januar 2021 in Berlin, Auszählung am 22..01.2021. 22. Januar 2021, abgerufen am 22. Januar 2021.
  23. Amt des Kulturbevollmächtigten | Das Landesportal Wir in NRW. 4. Dezember 2018, abgerufen am 11. Juli 2020.
  24. Stiftung pro missio – Stiftungsbotschafter. In: Website von missio Aachen. 1. Juli 2020, abgerufen am 3. August 2020.
  25. Susanne Laschet als Kind von späterem Ehemann Armin „verprügelt“. In: Rheinische Post, 3. Mai 2020, abgerufen am 19. Januar 2021.
  26. Hans Seeling: Wallonische Industriepioniere in Deutschland, Wahle 1983, S. 178
  27. Daniel Schrader: Politiker: Armin Laschet: Beim Singen verliebte er sich in seine Frau. In: rp-online.de. 8. Januar 2019, abgerufen am 14. Mai 2020.
  28. Munzinger, Armin Laschet (abgerufen am 10. Februar 2020)
  29. Stefan Willeke: Nordrhein-Westfalen: „Armin, greif an!“ In: Die Zeit. Nr. 18/2017 (online).
  30. Mein Leben.
  31. Petra Pluwatsch, Gerhard Voogt: Armin Laschet im Porträt Der Reformer mit langem Atem. ksta.de. 14. Mai 2017, abgerufen am 12. Juli 2018.
  32. www.spiegel.de: „Markenkern der CDU ist nicht das Konservative“, 10. Februar 2018.
  33. Patrick Laschet, Germany: LASCHET Genealogie / Genealogy Germany. Abgerufen am 16. Januar 2021.
  34. REINER BURGER: Neue Biografie erschienen: Stammt Armin Laschet von Karl dem Großen ab? In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 16. Januar 2021]).
  35. https://www.merkur.de/politik/armin-laschet-cdu-karl-der-grosse-bruder-abstammung-kanzlerkandidat-friedrich-merz-twitter-spott-zr-90048082.html
  36. https://www.stern.de/politik/deutschland/armin-laschet--familie-sieht-sich-als-nachfahren-von-karl-dem-grossen-9417226.html
  37. https://rp-online.de/nrw/panorama/ahnenforschung-karl-der-grosse-steckt-in-uns-allen-ein-wenig_aid-53452603
  38. Ahnenforscher zu Laschets Kaiser-Verwandtschaft: "Uneheliche Kinder erhöhen die Chance", spiegel.de, 17. September 2020
  39. Welt: Der brave Angreifer. In: ovb-online.de. 15. Mai 2017, abgerufen am 14. Mai 2020.
  40. Der unterschätzte Herr Laschet. In: www1.wdr.de. 14. Mai 2017, abgerufen am 14. Mai 2020.
  41. Kristian Frigelj: NRW-CDU: Unmut über Merkels Asylpolitik trifft auch Armin Laschet. In: welt.de. 23. September 2016, abgerufen am 14. Mai 2020.
  42. Lukas Eberle: Armin Laschet beim politischen Aschermittwoch: Der Anti-Merz. In: Spiegel Online. 26. Februar 2020, abgerufen am 14. Mai 2020.
  43. Wer ist schuld am Impfchaos, Herr Laschet?, Interview mit Laschet, erschienen am 9. Januar 2021 auf focus.de. Abgerufen am 17. Januar 2021.
  44. Ohne Religion wäre unser Land ärmer. In: Kath.net. 27. April 2007, abgerufen am 13. September 2008.
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