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Bundespressekonferenz

Zusammenschluss von Journalisten, die aus Berlin und Bonn berichten
Saal der Bundespressekonferenz in Berlin (2018)

Die Bundespressekonferenz (BPK) in Deutschland ist ein Zusammenschluss hauptberuflicher Journalisten, die ausschließlich für deutsche Medien und ständig oder überwiegend aus Berlin und Bonn berichten. Er ist als Verein organisiert, um nach dem Vorbild von Journalisten der Weimarer Republik insbesondere Vertreter der Bundesregierung, aber auch Parteien, Verbände oder einzelne Personen von bundesweiter politischer Bedeutung zu Pressekonferenzen einzuladen und dort zu befragen.

OrganisationBearbeiten

Gegründet wurde die Institution im Herbst 1949 zunächst als Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Seit dem 19. Mai 1953 ist sie ein eingetragener Verein, dessen Zweck es ist, Pressekonferenzen zu veranstalten und den Mitgliedern „Möglichkeiten einer umfassenden Unterrichtung der Öffentlichkeit zu verschaffen“, wie es in der Satzung heißt. Sie finanziert sich aus den Mitgliedsbeiträgen.

Anfangs gehörten auch ausländische Korrespondenten zur BPK, bis im Januar 1951 der Verein der Ausländischen Presse in Deutschland (VAP) entstand. Er war ursprünglich 1906 gegründet worden, ruhte aber seit 1945 und wurde dann 1951 in BRD und DDR als getrennte Vereinigungen neu gegründet.

An ihrem sechzigsten Jahrestag im Oktober 2009 hatte die Bundespressekonferenz 922 Mitglieder. 93 Journalisten arbeiteten zu diesem Zeitpunkt[1] noch in der früheren Bundeshauptstadt Bonn, da in ihr als Bundesstadt weiterhin wichtige politische Aufgaben wahrgenommen werden.

Seit dem Jahr 2000 besitzt der Verein ein eigenes Gebäude im Zentrum Berlins, das auch Büros für Korrespondenten zur Verfügung hält. Das Gebäude der Bundespressekonferenz wurde von den Architekten Johanne und Gernot Nalbach 1998 entworfen und zwei Jahre später fertiggestellt.

BesonderheitBearbeiten

Im Gegensatz zur Praxis in vielen anderen Staaten sind die „Hausherren“ der Bundespressekonferenzen die Journalisten selbst und nicht die Regierung, Ministerien, Parteien, Verbände, Weltanschauungsgemeinschaften oder einzelne Politiker. Dadurch kommen auch Journalisten, die für ihre kritischen Fragen bekannt sind, stets zu Wort, während in vergleichbaren Veranstaltungen in anderen Staaten diese Journalisten vielfach keine Fragen stellen können.

Aus dem gleichen Grund verzichten manche Gäste darauf, vor der Bundespressekonferenz zu erscheinen. Die Bundeskanzler etwa kommen in der Regel nur einmal im Jahr zur Bundespressekonferenz und veranstalten ansonsten ihre eigenen Pressekonferenzen im Kanzleramt. Auch Joschka Fischer war bekannt dafür, in seiner Zeit als Bundesaußenminister die Bundespressekonferenz zu meiden.

Drei Mal wöchentlich (montags, mittwochs und freitags) findet eine sogenannte Regierungspressekonferenz statt. Dazu werden routinemäßig die Pressesprecher der Bundesregierung und der Ministerien eingeladen, die nach ihren kurzen einleitenden Erklärungen auf Fragen der Journalisten antworten.

Die Gäste in der Pressekonferenz können einzelne Erläuterungen als vertraulich kennzeichnen und es entspricht der im Pressekodex festgehaltenen freiwilligen Selbstverpflichtung der Journalisten, diese Vertraulichkeit auch zu wahren. In der Praxis nutzen die Gäste diese Möglichkeit aber sehr selten.

Nur Mitglieder der BPK und der im VAP zusammengeschlossenen Auslandskorrespondenten haben in den Veranstaltungen Teilnahme- und Fragerecht.

GeschichteBearbeiten

Die frühesten Wurzeln der heutigen Bundespressekonferenz liegen in den vom Großen Generalstab des Kaiserlichen Heeres organisierten Pressekonferenzen während des Ersten Weltkrieges, die ab 1915 der frühere Börsenjournalist und Major Georg Schweitzer abhielt. Er hatte schon zu den Gründungsmitgliedern des kaiserlichen Presseballs gehört. Die „Unterrichtung des Volkes“ entsprach der damals vorherrschenden patriotischen Grundstimmung.

Nach Abschaffung der Monarchie nahmen die in Berlin tätigen Journalisten der führenden deutschen Tageszeitungen die Organisation der Pressekonferenzen in die eigenen Hände und luden selbst Politiker und Regierungssprecher als Gäste ein, statt umgekehrt.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges griff man die Form der Pressekonferenzen der Weimarer Republik wieder auf. 1947 entstand zuerst die Landespressekonferenz in Hannover und 1948 die Frankfurter Pressekonferenz beim Wirtschaftsrat des Vereinigten Wirtschaftsgebietes. Sie löste sich mit der Gründung der Bundesrepublik Ende 1949 wieder auf und gilt als direkter Vorläufer der Bonner BPK. Viele ihrer Gründungsmitglieder waren aus der Frankfurter Pressekonferenz nach Bonn gewechselt, nachdem sich dort 1949 Bundesregierung und Parlament konstituiert hatten.

 
Saal der Bundespressekonferenz im Bonner Tulpenfeld (2014)
 
Saal der Bundespressekonferenz in Bonn von außen (2014)

Am 15. September 1949, dem Tag der ersten Bundeskanzlerwahl, rief eine Gruppe von Zeitungskorrespondenten per Aushang im Bonner Bundeshaus „alle beim Bundestag akkreditierten Journalisten zur Gründung einer Bundespressekonferenz“ auf. Vier Tage später fand die Gründungsversammlung statt, offiziell konstituierte sich die BPK allerdings erst am 11. Oktober 1949 mit der Wahl eines geschäftsführenden Ausschusses.

Auf der ersten Bundespressekonferenz in eigener Verantwortung, die am 17. oder 18. Oktober 1949 im Plenarsaal des Bundesrates stattfand, standen Bundeskanzler Konrad Adenauer und Wirtschaftsminister Ludwig Erhard den Mitgliedsjournalisten Rede und Antwort.[2] Später fanden die Pressekonferenzen für gewöhnlich im Raum 117a des Altbaus des Bundeshauses statt, dem Saal des Verteidigungsausschusses.[3]

Schon unmittelbar nach der Gründung der BPK 1949 wurden bestimmte Mitglieder des Vorstandes mit einer der dringlichsten organisatorischen Aufgaben der Nachkriegszeit betraut: der Beschaffung von Wohnraum für die Bonner Journalisten. Es konnte damals eine Quote von 10 % für die ortsansässigen Mitglieder bei der Belegung von Sozialwohnungen durchgesetzt werden, die ursprünglich nur für Angestellte des Bundestages vorgesehen waren. Daher wohnten eine Reihe von Journalisten auch in der Reutersiedlung. Nachdem noch weitere Beihilfen (wie z. B. die Unterstützung Hinterbliebener) dazukamen, wurde der Sozialfonds Bundespressekonferenz ins Leben gerufen.

Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 kam es im Herbst eigens zur Satzungsänderung, um alle DDR-Korrespondenten von der BPK ausschließen zu können. Es blieb in der über 40-jährigen Geschichte der Bonner Republik der einzige Ausschluss gegen akkreditierte Journalisten. Er bestand fast 10 Jahre, bis man am 8. Februar 1971 den „Ausschluss-Paragraf“ für ostdeutsche Journalisten wieder aus der Satzung entfernte und diesen drei Jahre später auch die geforderte Aufnahme in den Verein der Auslandspresse ermöglichte.[4]

Ab Oktober 1967 war die Bundespressekonferenz mit ihrem Saal im sogenannten „Pressehaus“ der Allianzbauten am Tulpenfeld beheimatet. Ihr Erkennungszeichen dort war eine meterhohe, mit Quadraten versehene Palisander-Wand.

Nach dem Fall der Mauer unterstützte die BPK im Frühjahr 1990 die Gründung der „Pressekonferenz Hauptstadt Berlin“, aus der sich nach der deutschen Einheit die „Außenstelle Berlin der BPK“ entwickelte.

Mit dem Umzug von Regierung und Parlament im Jahre 1999 verlegte auch die BPK ihren Hauptsitz nach Berlin. Der Raum, in dem die Bundespressekonferenz stattfindet, sowie die Büros der Vereinsmitarbeiter sind dabei von der Allianz gemietet, der das Gebäude gehört. Auch nach dem Umzug nach Berlin ist die Bundespressekonferenz jedoch weiterhin mit einer Außenstelle auch im Bonner Bundesviertel vertreten.

In der Abschlussrede der damaligen stellvertretenden Pressesprecherin Charima Reinhardt am 4. August 1999 im Bonner Tulpenfeld wurde die Anzahl der dort abgehaltenen Pressekonferenzen mit „zwischen 9.000 und 10.000“ angegeben.[5]

VorsitzendeBearbeiten

 
Gregor Mayntz – Vorsitzender seit 2011

Sozialfonds Bundespressekonferenz Bearbeiten

Der Sozialfonds Bundespressekonferenz ist eine unabhängige Selbsthilfeeinrichtung von Mitgliedern der Bundespressekonferenz in Form eines eingetragenen gemeinnützigen Vereins mit Sitz in Berlin. Die Mitglieder stammen aus dem Kreis der Bundespressekonferenz.

Die einmal jährlich zusammentretende Mitgliederversammlung berät soziale Maßnahmen und überwacht die Finanzen des Vereins. Aus dem Kreis der Mitglieder wird ein dreiköpfiger Vorstand gewählt, der seinen Vorsitzenden bestimmt.

Der Fonds hat den Zweck, in Not geratene Journalisten oder ihre Hinterbliebene durch laufende finanzielle Zuwendungen oder einmalige Beihilfen zu unterstützen. Die Hilfsgelder des Sozialfonds stammen vor allem aus dem Ertrag der Tombola des jährlichen Bundespresseballs in Berlin. Daneben erhält der Verein unregelmäßig Zuwendungen von Sponsoren. Empfänger dieser Leistungen sind vorzugsweise ehemalige oder gegenwärtige Mitglieder der Bundespressekonferenz. Über Zuwendungen entscheidet der Vorstand nach Prüfung der Einzelfälle.

Preis der Bundespressekonferenz Bearbeiten

Seit 2014 wird jährlich der sogenannte Preis der Bundespressekonferenz – eine in Kristall gravierte Tastatur – im Rahmen des Bundespresseballs verliehen. Bisherige Preisträger sind der Reuters-Korrespondent Gernot Heller (2014), der Spiegel-Reporter Christoph Reuter (2015), der langjährige Leiter des ARD-Studios in Brüssel Rolf-Dieter Krause (2016), die dpa-Korrespondentin Kristina Dunz (2017) sowie die Phoenix-Journalisten Gerd-Joachim von Fallois und Erhard Scherfer.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Gunnar Krüger: Wir sind doch kein exklusiver Club! Die Bundespressekonferenz in der Ära Adenauer. LIT-Verlag, Münster 2005, ISBN 3-8258-8342-6
  • Bernd F. Köhler: Die Bundes-Pressekonferenz. Annäherung an eine bekannte Unbekannte. Phil. Diss., Mannheim 1988, Selbstverlag (ausführlicher Literaturüberblick zum Thema)
  • Manfred Koch und Waltraud Hausmann: ‚Auf ewig‘. Inhaltsanalytische Untersuchung über den Kommunikationsfluß nach der Bundespressekonferenz vom 9. Mai 1969. In: Publizistik, 16. Jahrgang 1971, Heft 4, Seuteb 369–378
  • Ernst Ney: Die Bundespressekonferenz – Resonanzboden Bonner Politik. In: Heinz-Dietrich Fischer (Hrsg.): Regierungssprecher – Zwischen Information und Geheimhaltung. Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1981, ISBN 3-8046-8581-1, Seiten 89–106
  • Eckart Klaus Roloff: Bundespressekonferenz. Kommentierte Materialien zur beruflichen Organisation von Bonner Korrespondenten. In: Publizistik, 22. Jahrgang 1977, Heft 2, Seiten 248–256 (mit Literaturliste)
  • Eckart Klaus Roloff: Die Bundespressekonferenz – ein Klüngel? In: Der Journalist, 25. Jahrgang 1975, Heft 3, Seiten 25–27
  • Eckart Klaus Roloff, Walter Tausch und weitere Mitarbeiter (nach einem Konzept von Günter Kieslich): Input-Output-Analyse der Informationsleistung staatspolitischer Organe in der Bundesrepublik Deutschland. Leitstudie an Hand der Befragung von Mitgliedern der Bundespressekonferenz. Maschinell vervielfältigt Salzburg, Institut für Publizistik und Kommunikationstheorie 1972
  • Holger Schmale: Hier haben Journalisten das Sagen. Vor 65 Jahren wurde die Bundespressekonferenz gegründet, diese Institution gibt es nur in Deutschland. In: Frankfurter Rundschau vom 11./12. Oktober 2014, Seiten 37

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Helmut Herles: Bundespressekonferenz feiert 60. Geburtstag. Bonner General-Anzeiger, 8. Oktober 2009, abgerufen am 3. November 2018.
  2. Sten Martenson: Parlament, Öffentlichkeit und Medien. In: Hans-Peter Schneider und Wolfgang Zeh (Hrsg.): Parlamentsrecht und Parlamentspraxis in der Bundesrepublik Deutschland. De Gruyter, Berlin 1989, ISBN 978-3-11-011077-7, Seiten 261–288 (hier: Seite 274).
  3. Nina Grunenberg: Eine halbe Stunde Bonner Routine. Die Zeit, Nr. 24/66, 10. Juni 1966, abgerufen am 3. November 2018.
  4. Anke Fiedler: Mit dem Rücken zur Mauer. Wie die Bundesrepublik unerwünschte DDR-Berichterstattung unterdrückte. Bundeszentrale für politische Bildung, 25. Juli 2012, abgerufen am 3. November 2018.
  5. Bürobauten Tulpenfeld. Zur letzten Bundespressekonferenz in Bonn am 4. August 1999. wegderdemokratie.de, abgerufen am 3. November 2018.