Karl-Josef Laumann

deutscher Politiker, MdL, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales von Nordrhein-Westfalen, MdB
Karl-Josef Laumann am CDU-Bundesparteitag (2014)

Karl-Josef Laumann (* 11. Juli 1957 in Riesenbeck) ist ein Politiker der CDU und seit 2017 im Kabinett Laschet Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen.

Herkunft, Ausbildung und berufliche Tätigkeit (1957 bis 1990)Bearbeiten

Laumann und seine zwei Brüder wuchsen in Birgte in einer konservativ-katholisch geprägten Landwirtsfamilie auf. Er besuchte von 1968 bis 1974 die Harkenberg-Hauptschule in Hörstel, die er mit dem Hauptschulabschluss (Typ 10 A) abschloss. Wie sein Vater wollte auch Laumann zunächst Landwirt werden. Als der ältere Bruder den Hof übernahm, entschied er sich für eine Berufsausbildung zum Maschinenschlosser. Schon während seiner Ausbildung, die er bis 1977 absolvierte, wurde Laumann Mitglied der IG Metall. Seinen Wehrdienst (letzter Dienstgrad Obergefreiter) leistete er bis 1978 ab. Von 1978 bis 1990 war Laumann als Maschinenschlosser bei der Niemeyer Agrartechnik GmbH in Hörstel-Riesenbeck tätig. In dieser Zeit war er auch als Betriebsrat im Unternehmen aktiv. Mit seiner Ehefrau Agnes Laumann wohnt er in Riesenbeck und ist Vater von drei erwachsenen Kindern.

Laumann war der erste Spitzenbeamte in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, der mit einem Hauptschulabschluss und ohne akademische Qualifikation zum verbeamteten Staatssekretär auf Bundesebene vereidigt wurde.

CDU-Politiker (seit 1974)Bearbeiten

 
Begegnung mit Pflege am Boden (2015)

Laumann begann seine politische Karriere bei der Jungen Union im Kreis Steinfurt, deren Ehrenvorsitzender er bis heute ist. Als 17-jähriger Maschinenschlosser Lehrling wurde Laumann 1974 Mitglied der CDU und 1977 auch Mitglied der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA). Karl-Josef Laumann war von 1986 bis 2010 Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Steinfurt[1] und ist seit 2003 Vorsitzender des CDU-Bezirksverbandes Münsterland. Laumann gehört außerdem dem CDU-Bundesvorstand und seit 2004 auch dem Bundespräsidium der CDU an. Seit 2005 ist er Bundesvorsitzender der CDA (Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft). Seit vielen Jahren ist Laumann in der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) aktiv. 1998 wurde er zum Bezirksvorsitzenden der über 7.000 Mitglieder zählenden KAB Nord-Münsterland gewählt. Dieses Amt hatte er bis 2014 inne.

Von 1979 bis 2004 war Laumann Ratsmitglied der Stadt Hörstel.

Bundestagsabgeordneter (1990 bis 2005)Bearbeiten

 
Laumann auf dem CDU-Parteitag (2016)

Laumann war von 1990 bis zu seinem Ausscheiden am 28. Juni 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er von 2000 bis 2002 Vorsitzender der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales und von 2002 bis 2005 Vorsitzender der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Arbeit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Als direkt gewählter Abgeordneter hatte er den Wahlkreis Steinfurt II.

Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen (2005 bis 2013)Bearbeiten

Dem nordrhein-westfälischen Landtag gehörte er seit dem 4. August 2005 an, als er für den ausgeschiedenen Abgeordneten Hans Peter Lindlar nachrückte. Von 2010 bis 2013 war er Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag. Bei der vorgezogenen NRW-Landtagswahl am 13. Mai 2012 verteidigte Laumann erfolgreich seinen Wahlkreis Steinfurt II mit 45,1 % der Erststimmen. Am 18. Dezember 2013 legte Laumann sein Mandat und somit auch den CDU-Landtagsfraktionsvorsitz nieder.

Beamteter Staatssekretär auf Bundesebene (2013 bis 2017)Bearbeiten

Von Dezember 2013 bis Juni 2017 war Karl-Josef Laumann Beamteter Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit und Bevollmächtigter der Bundesregierung für Patienten und Pflege.

NRW-Landesminister für Arbeit, Gesundheit und Soziales (2005 bis 2010 und seit 2017)Bearbeiten

 
Karl-Josef Laumann im Bundesrat (2019)

Karl-Josef Laumann ist seit dem 30. Juni 2017 Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen. Dieses Amt hatte er schon von 2005 bis 2010 im Kabinett Rüttgers inne.[2]

Politische Positionen und KritikBearbeiten

Grundsätzliche EinstellungBearbeiten

Laumann gilt als bodenständiger Parteisoldat, der immer loyal zu seinen NRW-Parteichefs (Rüttgers und Laschet) war/ist. Als Anhänger der Christlichen Soziallehre und langjähriges IG-Metall-Mitglied setzt er sich trotz parteiinternen Kritikern stets für Arbeitnehmerrechte ein. Sein politisches Motto ist: Tue recht und scheue niemand. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung beschreibt den Politikstil von Laumann als Poltern für die soziale Sache.[3]

Kurz vor dem CDU-Parteitag im November 2006 stieß Laumann eine Diskussion über die Sozialsysteme an, als er sich in einem Interview gegenüber der Westdeutschen Zeitung äußerte:

„Das Prinzip, dass jemand, der lange Beiträge gezahlt hat, auch längere Zeit das Arbeitslosengeld I bezieht als ein junger Säufer, der nichts geleistet hat, ist richtig und sozial.“

Karl-Josef Laumann[4][5]

Diese Äußerung war sowohl in der Union als auch in der Gesellschaft Anlass zu Diskussionen. Während eher links stehende Gruppierungen die Wortwahl stark kritisierten und Entschuldigungen forderten, erhielt Laumann aus dem bürgerlichen Lager und aus den Gewerkschaften positive Rückmeldungen. Auf dem Parteitag selbst gab es ein spürbares Umschwenken der CDU zu den Vorschlägen von Rüttgers und Laumann hin, die soziale Kompetenz der Partei zu stärken und als Lehren aus der Bundestagswahl auf diesem Feld wieder aktiver zu werden. Mitte November 2011 stimmte die Bundes-CDU auf ihrem Parteitag in Leipzig für einen Entwurf, der alle Branchen zur Festlegung eines Mindestlohnes zwingt. Laumann kämpfte jahrelang für dieses Projekt; 2011 sprachen sich auch Kanzlerin Angela Merkel, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und andere CDU-Spitzenpolitiker dafür aus.[6]

„Die Pflegenoten sind gescheitert“, erklärt Laumann am 1. April 2015. Er kündigt an, dass er sich für einen Bundestagsbeschluss einsetzen will, damit ab 2016 keine Pflegenoten mehr veröffentlicht werden müssen.[7] Als Gesundheitsminister von NRW organisiert Laumann die Befragung der Pflegefachkräfte des Bundeslands, um eine Landes-Pflegekammer auf den Weg bringen zu können[8].

Corona-Ausbruch bei TönniesBearbeiten

Seit längerem kritisiert Karl-Josef Laumann die mangelhaften Arbeitsbedingungen in deutschen Schlachtbetrieben. Laumann fordert einen radikalen Wandel in der deutschen Fleischindustrie:

„Ich hab es mir abgewöhnt mich noch über die Bedingungen in der Fleischindustrie zu ärgern. Ich weiß schon lange, wie die sind. In Strukturen ohne Transparenz, wie in der Fleischindustrie, könne es kein Vertrauen geben, sondern nur klare gesetzliche Vorgaben.“

Karl-Josef Laumann[9][10][11]

In Nordrhein-Westfalen hat der Schlachtbetrieb Tönnies und seine Subunternehmer, beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Anträge auf Lohnkostenerstattung gestellt. Hintergrund sind die Quarantänemaßnahmen, die nach dem massiven Corona-Ausbruch unter Tönnies-Arbeitern am Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück verhängt wurden. Das Infektionsschutzgesetz sieht eine Erstattung vor, wenn Gesundheitsämter einen Betrieb schließen und Quarantäne anordnen.

Die Forderung von Tönnies nach Lohnerstattung widerspricht Laumann deutlich:

„Ich glaube, dass es die öffentlichen Hände in NRW rund um die Problematik Tönnies sehr viel Geld gekostet hat. Sowohl die beiden Landkreise als auch uns. Wenn Herr Tönnies wirklich Ansprüche gegen uns hätte, dann bin ich ein Mensch, der will, dass man die Sachen auch gegeneinander aufrechnen muss. Ich sehe Stand heute nicht, dass Herr Tönnies irgendwelche Überweisungen vom Land NRW erwarten kann.“

Karl-Josef Laumann[12][13][14]

Kritik an kostenlosen Corona-TestsBearbeiten

Laumann hat sich grundsätzlich für verpflichtende Corona-Tests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten ausgesprochen. Der NRW-Gesundheitsminister kritisiert jedoch, dass der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Tests kostenfrei anbieten will. Laumann fordert:

„Wer in Risikogebiete reise, müsse Solidarität gegenüber der Gemeinschaft aufbringen und ausschließen, dass andere Menschen anschließend angesteckt würden. Es gehe dabei nicht nur um den Urlaubsverkehr im Sommer. Deshalb könne die Übernahme der Kosten durch den Staat auf Dauer keine staatliche Leistung sein. Jeder Reisende zahlt ja auch für die Sicherheit seines Gepäcks.“

Karl-Josef Laumann[15][16][17]

Kanzlerkandidat der UnionBearbeiten

Karl-Josef Laumann hat sich klar gegen den CSU-Vorsitzenden Markus Söder als Kanzlerkandidat der Union ausgesprochen. Im Interview mit der Neuen Westfälischen Tageszeitung erklärt Laumann:

„Ich habe noch nicht erlebt, dass ein Bayer Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland geworden wäre. Außerdem bin ich sehr sicher, dass NRW-Ministerpräsident Armin Laschet im Dezember zum neuen Parteivorsitzenden der CDU gewählt werde.“

Karl-Josef Laumann[18]

MitgliedschaftenBearbeiten

EhrungenBearbeiten

KabinettBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Karl-Josef Laumann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. AZ Allgemeine Zeitung (Münsterland) Schulze Föcking folgt Laumann Abgerufen am 5. November 2010
  2. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/06/28/cdu-erhaelt-gesundheitsressort-in-nrw
  3. https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/toennies-gegenspieler-laumann-poltern-fuer-die-soziale-sache-16835502.html
  4. https://www.spiegel.de/politik/deutschland/unions-debatte-ruettgers-legt-nach-a-450436-amp.html
  5. https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bezugszeit-alg-i-minister-junge-saeufer-verdienen-weniger-arbeitslosengeld-i/2737096.html?ticket=ST-9508361-I4zgatKYiYiODauN72Ma-ap1
  6. zeit.de: Der Mindestlohn-Flüsterer. - Jahrelang kämpfte er für seine Idee, nun ist er fast am Ziel: Wie der Sozialpolitiker Karl-Josef Laumann seiner CDU den Mindestlohn beibrachte.
  7. Endlich gute Pflege erkennen (Memento vom 17. April 2015 im Internet Archive), Pressemitteilung des Pflegebevollmächtigten vom 1. April 2015 (link geprüft am 16. April 2015).
  8. Laumann fordert Pflegekammer, Pressemitteilung des DBfK vom 11. September 2017 (Link geprüft am 23. September 2018)
  9. https://www.aachener-zeitung.de/wirtschaft/harte-zeiten-fuer-die-fleischindustrie_aid-51775717
  10. https://www1.wdr.de/nachrichten/landespolitik/toennies-landesregierung-kommentar-100.html
  11. https://rp-online.de/panorama/coronavirus/coronavirus-bei-toennies-laumann-droht-fleischindustrie-und-forder-mehr-transparenz_aid-51770629
  12. https://www.bild.de/regional/ruhrgebiet/ruhrgebiet-aktuell/firma-verlangt-entschaedigung-minister-laumann-erteilt-toennies-absage-71870738.bild.html
  13. https://www.ruhrnachrichten.de/nachrichten/neuer-luft-filter-bei-toennies-empoerung-ueber-erstattung-von-lohnkosten-1537577.html
  14. https://www.radiolippe.de/nachrichten/lippe/detailansicht/corona-in-guetersloh-laumann-will-kein-steuergeld-fuer-toennies-geben.html
  15. https://www.welt.de/regionales/nrw/article212383975/NRW-Gesundheitsminister-Laumann-verteidigt-Corona-Pflichttests.html
  16. https://www.muensterlandzeitung.de/nachrichten/coronavirus-in-nrw-kitas-ab-mitte-august-wieder-im-normalbetrieb-liveblog-plus-1537692.html
  17. https://rp-online.de/panorama/coronavirus/corona-tests-fuer-rueckkehrer-laumann-will-testsnicht-nur-an-flughaefen_aid-52448403
  18. https://www.focus.de/politik/knatsch-in-der-union-als-kanzlerkandidat-indiskutabel-warum-laschets-jungs-jetzt-gegen-soeder-keilen_id_12232840.html
  19. Verleihung des Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen. In: Pressemitteilung. Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, 17. November 2016, archiviert vom Original am 18. November 2016; abgerufen am 18. November 2016.