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Königreich Preußen

deutscher Staat und Gliedstaat 1701 bis 1918

Königreich Preußen bezeichnet den preußischen Staat zur Zeit der Herrschaft der preußischen Könige zwischen 1701 und 1918.

Königreich Preußen
Wappen Flagge
Wappen Preußens Flagge Preußens
Lage im Deutschen Reich
Das Königreich
Preußen 1866–1918 (blau),
Deutsches Reich 1871–1918 (blau und gelb)
Landeshauptstadt Berlin
Regierungsform absolute Monarchie (1701–1848), konstitutionelle Monarchie (1848–1918)
Staatsoberhaupt König (1701–1918)
Dynastie Hohenzollern (1415–1918)
Bestehen 1701–1918
Fläche 348.780 km² (1910)
Einwohner 40.016.000 (1910)
Bevölkerungsdichte 115 Einwohner pro km²
Entstanden aus Brandenburg-Preußen
Aufgegangen in Freistaat Preußen, Saargebiet, Freie Stadt Danzig
Stimmen im Reichsrat 26
Stimmen im Bundesrat 17
Kfz-Kennzeichen IA, IB … IZ

Das Königreich Preußen entstand aus den brandenburgisch-preußischen Gebieten, nachdem sich Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg zum König in Preußen gekrönt hatte (→ Königskrönung Friedrichs III. von Brandenburg). Das Königreich bestand aus Brandenburg, das zum Heiligen Römischen Reich gehörte, und dem Herzogtum Preußen, das als polnisches Lehen aus dem Ordensstaat hervorgegangen war. Der ursprünglich preußische Teil erhielt den Namen Ostpreußen.[1]

Im 18. Jahrhundert stieg Preußen zu einer der fünf europäischen Großmächte auf und wurde die zweite deutsche Großmacht nach Österreich. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts trieb es die Schaffung eines deutschen Nationalstaates entscheidend voran und war ab 1867 der dominierende Gliedstaat des Norddeutschen Bundes. 1871 wurde dieser Bund zum Deutschen Kaiserreich erweitert und der König von Preußen übernahm das Amt des Deutschen Kaisers. Mit der Abdankung des letzten Kaisers und Königs, Wilhelms II., infolge der Novemberrevolution 1918 wurde die Monarchie abgeschafft. Das Königreich ging im neu geschaffenen Freistaat Preußen auf.

Das brandenburgische Kurfürstenpaar (Friedrich Wilhelm (Brandenburg) und Luise Henriette von Oranien) bei der Kartoffelernte 1659 in Oranienburg (siehe auch Kulturgeschichte der Kartoffel)
Kurfürst Friedrich Wilhelm mit seinen Generälen, 1670er Jahre. Die Schlacht bei Fehrbellin 1675 prägte das preußische Sendungsbewusstsein und erzeugte den Gründungsmythos des preußischen Staats.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Geschichte des Königreichs Preußen und seiner preußischen Staaten umfasst zwei markante Abschnitte: Die erste Hälfte von 1701 bis 1806, bekannt als die Zeit der altpreußischen Monarchie, und die „Neupreußische Monarchie“ von 1807 bis 1918. Die Jahre von 1806 bis 1809 führten zur Erneuerung sämtlicher Staatsinstitutionen in einem veränderten Staatsterritorium, altpreußische Traditionslinien und Strukturen wurden fallengelassen und es begann eine neue Zeitrechnung. Im Zuge der preußischen Reformen entstand der „Neupreußische Staat“.

Rangerhöhung unter König Friedrich I. (1701–1713)

 
Das seit 1525 bestehende Herzogtum Preußen wurde 1701 zum Königreich erhoben.
 
Krönung Kurfürst Friedrichs III. von Brandenburg zum König Friedrich I. in Preußen, Königsberg 1701
 
Die Flagge des neugegründeten Königreichs 1701

Der neue preußische Staat

Die Länder der Hohenzollerndynastie mit ihrem herrschaftlichen Schwerpunkt in der Mark Brandenburg waren 1700 nach europäischen Maßstäben eine Mittelmacht. Als Kurfürsten von Brandenburg hatten die Hohenzollern seit dem 15. Jahrhundert eine herausgehobene Stellung als Reichsstand im Heiligen Römischen Reich inne. Das Kaiserreich konnte sich nach 1648 noch einmal konsolidieren, doch war die politische Stellung der Reichsfürsten mit dem Westfälischen Frieden erheblich gestärkt worden. Mit ihrer Lage im Nordosten des Reichs war die Bindung der Hohenzollerngebiete an den Kaiser lockerer als in den zentralen Gebieten am Rhein und in Süddeutschland.[2] Bereits in den vorangegangenen Jahrhunderten hatten die brandenburgischen Kurfürsten, im Zuge der Reformationsauswirkungen und Glaubenskriege, im Ringen zwischen unitarischer Kaisermacht und polyzentrischer Fürstenmacht im Reich, auch zusammen mit den sächsischen Kurfürsten, zeitweise einen regionalen Gegenpol zur Kaisermacht gebildet.

Rang, Reputation und Prestige eines Fürsten waren um 1700 wichtige politische Faktoren. Kurfürst Friedrich III., die Zeichen der Zeit erkennend, strebte nach dem Königstitel. Damit suchte er vor allem die Ranggleichheit mit dem Kurfürsten von Sachsen, der zugleich König von Polen war, und mit dem Kurfürsten von Hannover, der Anwärter auf den englischen Thron war. Mit dem Einverständnis Kaiser Leopolds I. krönte er sich schließlich am 18. Januar 1701 als Friedrich I. in Königsberg eigenhändig zum „König in Preußen“. Im Gegenzug trat die Königlich-Preußische Armee im Spanischen Erbfolgekrieg auf Seiten des Kaisers gegen Frankreich an. Während des zeitgleich an der nordöstlichen Grenze ausgebrochenen Großen Nordischen Kriegs, gelang es Friedrich, sein Land von den Auseinandersetzungen frei zu halten.

Das einschränkende „in Preußen“ blieb erhalten, weil die Bezeichnung „König von Preußen“ als Herrschaftsanspruch auf ganz Preußen, also auch auf den seit 1466 zu Polen gehörenden westlichen Teil des Deutschordensstaats, verstanden worden wäre. Mit der Titelbezeichnung „in“ wurden auch mögliche polnische Ansprüche auf Ostpreußen abgewendet, obwohl damit in der damaligen europäischen Diplomatie ein geringerer Status verbunden war.[3] Im Hohenzollernstaat galt weiterhin die Ständeordnung der einzelnen Landesteile, von denen die Mark Brandenburg gefolgt von der Provinz Ostpreußen die herausragenden waren; das Herzogtum Magdeburg, Hinterpommern und das Fürstentum Halberstadt bildeten die mittleren Provinzen. Die kleineren westlichen Landesteile erhielten zunächst eine nachgeordnete Rolle. Sämtliche Behörden, staatliche Institutionen und Amtsträger trugen fortan den königlich-preußischen Titel, abweichend von der geltenden Verfassung.[4]

Die Jahrhundertwende markiert die beginnende Hochzeit des europäischen Absolutismus, in der die Landesfürsten nach den bereits im 16. Jahrhundert erfolgten Säkularisierungen des Kirchenbesitzes auch die Macht der immediaten Städte und des landsässigen Adels erheblich zurückdrängen konnten. Im Zuge der Machtzunahme der Hohenzollern wurde Berlin zum politischen Zentrum, auf Kosten der einst politisch autonomen Städte und der untertänigen Bauern. Neu gegründete landesherrliche Institutionen begannen, überkommene Ständestrukturen Schritt für Schritt zu verdrängen. Die stark erweiterte kurbrandenburgische Armee gewann eine zentrale und für den König machtsichernde Rolle.[5]

In den östlichen Gebieten des Königreichs hatte sich im 17. Jahrhundert die Gutsherrschaft des Landadels durchgesetzt, die aus ehemals freien Bauern Hörige machte; die westlichen Provinzen waren davon nicht betroffen, auch weil dort andere Gewerbe dominierten. Die Besiedlungsdichte nahm zum Osten hin ab; die größten Städte waren Berlin und Königsberg, die mit mehr als 10.000 Einwohnern auch zu den 30 größten Städten des Reichs gehörten.

Korruption, Pest, Hungersnot und höfische Prachtentfaltung

Der König regierte im Kabinett und es bildete sich durch das häufige indirekt agierende Regierungshandeln ein Günstlingssystem mit Seilschaften um den König. Es gab über ihn hinaus weitere einflussreiche Amtsträger am Hofe, die die Regierung maßgeblich gestalteten. In den 1700er Jahren war es vor allem das Drei-Grafen-Kabinett, das die eigentliche Staatspolitik Preußens bestimmte. Dadurch entstand ein erhebliches Maß an Korruption, die von den höchsten Staatsämtern ausging. Die Staatsfinanzen wurden dadurch erheblich belastet.[6] Dies vollzog sich in einer Krisenzeit, als die Große Pest von 1708 bis 1714 das Königreich Preußen heimsuchte, wo viele Tausend Menschen umkamen. Zusätzlich führte der Jahrtausendwinter von 1708/09 zu einer Hungersnot.

Das Berliner Stadtschloss erhielt um 1700 einen großformatigen Umbau in eines der größten Barockschlösser Europas unter Leitung von Andreas Schlüter
Modellansicht des Berliner Stadtschlosses


Friedrich I. konzentrierte sich auf eine aufwändige Hofhaltung nach französischem Vorbild. Dies und die allgemeine staatliche Misswirtschaft brachte den preußischen Feudalstaat an den Rand des finanziellen Ruins. Nur durch Vermietung weiterer preußischer Soldaten an die Allianz im Spanischen Erbfolgekrieg konnte der König die kostspieligen Aufwendungen für den Prunk am Hof bestreiten. So erhielt Preußen während seiner Amtszeit 14 Millionen Taler an Subsidienzahlungen von den Alliierten. Der Staatshaushalt betrug 1712 rund vier Millionen Taler, von denen allein 561.000 ausschließlich der Hofhaltung zugeführt wurden. Die Einnahmen bestanden nur zum Teil aus Steuern. Die Subsidienzahlungen der Alliierten hingen vom Kriegsverlauf ab, bildeten also keine verlässlichen Einnahmen. In der Amtszeit Friedrichs I. fand ein bedeutender Anstieg der reinen Steuereinnahmen nicht statt.

Trotzdem leistete sich der König eine aufwendige barocke Hofhaltung mit dem Bau neuer Schlösser (Schloss Charlottenburg, Schloss Monbijou) und Jagdhäuser im Umland von Berlin. Der, gegenüber anderen Fürstentümern, wahrgenommene Zivilisationsrückstand des traditionellen Agrarstaats sollte durch ein ambitioniertes höfisches Ausbauprogramm innerhalb weniger Jahre aufgeholt werden. Das Kunstgewerbe wurde über vermehrte Aufträge besonders gefördert. Erstmals in der Geschichte Brandenburg-Preußens wirkten auch international bedeutende Künstler und Architekten wie Andreas Schlüter zu dieser Zeit in Preußen. Der gesamte Hofstaat Friedrichs befand sich fortwährend innerhalb der Berliner Residenzenlandschaft in Bewegung. Bauprojekte und Infrastrukturmaßnahmen wurden angeschoben, wodurch die Mark Brandenburg von Berlin aus stärker eingebunden und erschlossen wurde.[7] Ein glänzender Höhepunkt in dieser Zeit war das Dreikönigstreffen 1709 im Caputher Schloss. Hier konnte Friedrich I. die seit 1701 gestiegene Bedeutung des preußischen Staates darstellen. Durch die Einwanderung der Hugenotten wenige Jahre zuvor gab es inzwischen hauptsächlich im Berliner Raum eine gebildete und wirtschaftlich aktive Bürgerschicht, die die Basis für die sich nun vergrößernde gesellschaftliche Differenzierung bildete. Die Nachfrage des Berliner Hofstaats führte zur Gründung neuer Gewerbebranchen und Manufakturen. Auch in die Landwirtschaft brachten die Hugenotten Innovationen ein, wie den Tabakanbau in der Uckermark. Auch die Residenz Berlin wurde erheblich ausgebaut und durch Vorstädte (Friedrichstadt, Dorotheenstadt) erweitert. Die Zahl der Einwohner der preußischen Hauptstadt stieg beträchtlich.[8] Die Gründung der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin aber auch die neu gegründete Universität Halle verbesserten das höhere Bildungsangebot.

Innere Konsolidierung unter König Friedrich Wilhelm I. (1713–1740)

 
Die territoriale Entwicklung Brandenburg-Preußens im 18. Jahrhundert: Gebietszuwächse während der Herrschaft Friedrichs I. in violetter, Friedrich Wilhelms I. in roter, Friedrichs II. in grüner, Friedrich Wilhelms II. in blauer Darstellung.

Ausbau der Armee, Kürzung der Kultur

 
Richard Knötel: Friedrich Wilhelm I. im Lustgarten inspiziert das Potsdamer Infanterieregiment Lange Kerls

Der Sohn Friedrichs I., Friedrich Wilhelm I., war nicht prunkliebend wie sein Vater, sondern vielmehr sparsam und praktisch veranlagt. Folglich kürzte er, eben aus dem Sterbezimmer des Vaters kommend, die Ausgaben für die Hofhaltung und entließ nach der Beerdigung die meisten Höflinge. Alles, was dem höfischen Luxus diente, wurde entweder abgeschafft oder anderen Nutzungen zugeführt. Alle Sparmaßnahmen des Königs zielten auf den Ausbau eines starken stehenden Heeres, in dem der König die Grundlage seiner Macht nach innen und außen sah. Von den jährlichen Staatseinnahmen verwendete er 73 % für die laufenden Militärkosten, während Hof und Verwaltung mit 14 % auskommen mussten. In seiner Amtszeit baute er die preußische Armee zu einer der schlagkräftigsten Armeen in ganz Europa aus, was ihm den Beinamen „der Soldatenkönig“ verschaffte. Angesichts der Größe der preußischen Armee im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung, 83.000 Soldaten zu 2,5 Millionen Einwohnern im Jahre 1740, schrieb Georg Heinrich von Berenhorst später: „Die preußische Monarchie bleibt immer – nicht ein Land, das eine Armee, sondern eine Armee, die ein Land hat, in welchem sie gleichsam nur einquarti[e]rt steht.“[9]

Kurz nach Regierungsantritt endete der Spanische Erbfolgekrieg, in dem preußische Hilfstruppen gegen Subsidien jahrelang fernab des eigenen Territoriums kämpften. Preußen hatte in dem Krieg keine selbständige Rolle gespielt; trotz dieser schwachen Position erhielt es aber in den Friedensverhandlungen die zuvor eroberten Gebiete um Geldern, Neuchâtel und Lingen aus der oranischen Erbschaft zugesprochen. Der Friedensschluss von 1714 ermöglichte es dem König, sich dem noch nicht beendeten nordeuropäischen Konflikt zuzuwenden. Zwei Jahre später führte er den mehrmonatigen Pommernfeldzug, der Preußens Besitz um einen Teil von Schwedisch-Vorpommern einschließlich des Oderdeltas mit der wichtigen Hafenstadt Stettin vermehrte. Es folgte in Europa eine längere Friedenszeit, die es Preußen ermöglichte, sich der inneren Entwicklung zu widmen.[10]

Friedrich Wilhelm gelang es in seiner Regierungszeit, die im Verhältnis zu seinen Ressourcen überdimensionierte Armee über Jahrzehnte hinweg zu finanzieren und einsatzbereit zu halten. In der Folge von Massendesertionen kam es, zum Erhalt der Mannsollstärken, zu ausufernden Zwangswerbungen. Mit der Einführung einer vor allem die niederen Stände betreffenden Wehrpflicht, dem Kantonsreglement, sowie einer effektiven Administration und der Einbindung aller gesellschaftlichen Kräfte, auch des Adels, unter die Ziele des Königs gelang es, den preußischen Militärstaat zu festigen. Weitere außenpolitische Ziele wurden dabei zunächst nicht verfolgt.[11]

Verwaltungsreformen, Manufakturen und Staatseinnahmen

 
Tabakskollegium Friedrich Wilhelms I. in Königs Wusterhausen, um 1737

Der von Kurfürst Friedrich Wilhelm begonnene Staatsumbau zugunsten der fürstlichen Macht und zulasten der Stände und der autonomen Städte, wurde unter seinem Enkel König Friedrich Wilhelm I. im Wesentlichen bis 1740 vollendet. Die Transformation des staatlichen Überbaus vollzog sich unter dem Einfluss des in Europa vorherrschenden Absolutismus, der seinen Höhepunkt in Preußen zur Mitte des 18. Jahrhunderts erreichte. Insbesondere König Friedrich Wilhelm I. und sein Sohn und Nachfolger Friedrich II. „regierten durch“ mittels Einzelverfügungen selbst in Nebenangelegenheiten.[12] Daraus ergab sich in der älteren Geschichtsschreibung eine stark personalisierte Darstellung der preußischen Geschichte, bis hin zu einer Legenden- und Mythenbildung, die sich um die großen preußischen Herrscher dieser Epoche bildete.

Mit der Gründung eines Generaldirektoriums wurde die zunächst rein fürstliche Verwaltung auf allgemeine Belange des Gemeinwesen ausgeweitet, wodurch eine einheitliche gesamtstaatliche Hierarchie mit eindeutigen Zuständigkeiten entstand. Ständische Einflüsse des Adels wurden durch die patriarchische Herrschaftsführung Friedrich Wilhelms I. zurückgedrängt.[13] Mit der auf die Person des Monarchen ausgerichteten Zentralverwaltung, die ein einheitliches königliches Beamtentum beinhaltete[14] und mit dem forcierten Ausbau des stehenden Heeres wurden Institutionen geschaffen, die das geografisch weiterhin zersplitterte Land vereinten.[15]

Mit einem ausgedehnten Domänenbesitz und der Akzise war den Verwaltungsorganen eine weit über das fiskalische Interesse hinausgehende Sorge für die Entwicklung der Landwirtschaft gegeben. Es folgte eine spezielle auf Ertragszuwächse ausgerichtete Reform der königlichen Domänenbewirtschaftung, deren jährliche Erlöse sich zwischen 1714 mit 1,9 Millionen Talern und 1740 3,5 Millionen Talern fast verdoppelten.[16] Durch ein verbreitertes Besteuerungssystem mit einer einheitlichen Grundsteuer, die Bauern- und Adelsgüter gleichermaßen umfasste, steigerten sich die Einnahmen. Eine merkantilistische Wirtschaftspolitik,[17] die Förderung von Handel und Gewerbe sowie die Steuerreform halfen, die jährlichen Staatseinnahmen von 3,4 auf 7 Millionen Taler zu verdoppeln. Die Maßnahmen insgesamt führten in der Zeit von 1713 bis 1740 zu einer Periode großen staatlichen Fortschritts.

Außenpolitik

 
Gemälde vom Gegenbesuch Augusts in Berlin 1729, das die preußische Königsfamilie zeigt

Außenpolitisch agierte der König nicht immer glücklich. Seine spartanische Auffassung von Repräsentation wich von der dominierenden französischen Kulturvorstellung erheblich ab. An den ausländischen Höfen war der preußische König als Sergeant verschrien. Im höfischen Ränkespiel war die Meinung verbreitet, man könne den König „wie einen Tanzbären auf dem diplomatischen Parkett herumführen“. Insgesamt gab sich der König zeitwährend „kaiserlich“ loyal. Dynastische Bindungen bestanden zu Hannover, das wiederum mit Großbritannien dynastisch verbunden war. Der Konflikt mit dem Thronfolger, 1730 in der versuchten Flucht Friedrichs II. gipfelnd, entwickelte sich zu einem diplomatischen Skandal. Mit Sachsen führte Friedrich Wilhelm I. eine rege Diplomatie; abwechselnd in Konkurrenz und Kooperation zueinander stehend, ergaben sich mehrere bedeutende Staatsbesuche, Handelsvereinbarungen oder auch das Zeithainer Lustlager. Mit Russland wurden bedeutende Allianzverträge geschlossen, die sich vor allem gegen Polen richteten.

Hallescher Pietismus, Sozialdisziplinierung, Peuplierung

 
Die bedeutendsten Gelehrten und Pädagogen Preußens bis 1750: Thomasius, Francke und Wolff
 
Konstantin Cretius: Empfang der Salzburger Protestanten durch König Friedrich Wilhelm I. in Berlin am Leipziger Tor am 30. April 1732, Ölgemälde um 1860

Mit abnehmendem Einfluss der evangelischen Kirche, übernahm der sich unter Friedrich Wilhelms I. aktivem Einwirken ausformende Staat mit Hilfe eines ethischen Beamtentums immer mehr soziale Aufgaben, wozu Sozialreform, Armenfürsorge und Bildung gehörten. Der fromme König förderte in seiner Regierungszeit den Halleschen Pietismus, der zur staatsbestimmenden geistigen Grundlage in Preußen wurde, womit nach der These des Historikers Gerhard Oestreich eine Sozialdisziplinierung beziehungsweise „Fundamentaldisziplinierung“ erreicht werden sollte.[18] Die mit den Mitteln eines im 18. Jahrhundert entwickelten, für Preußen charakteristischen Menschenbilds mit ausgedehnten Prügelstrafen umgesetzte Sozialdisziplinierung verbreitete sich auch europaweit über staatliche Reformprogramme. Die Formung der Bevölkerung war langfristiges Ziel einer staatlich gelenkten Wirtschaftspolitik und des Aufbaus eines stehenden Heeres. Dank einer an Regeln, Normen, übergeordnete Standards und Pflichten gewöhnten Bevölkerung, konnten gesellschaftliche Institutionen geschaffen werden, die weite Teile des Staates einschlossen.[19] Die Universität Halle wurde zur wichtigsten Schule des aufgeklärten Beamtentums. Vernunft wie Glaube sollten Umsetzung in das staatliche Handeln finden. Ein staatspolitischer „preußischer Stil“ entstand mit gewissen rechtlichen und sozialen Gleichheitsvorstellungen. Neben dem „Recht der Gesetze“ berücksichtigte die Verwaltung in gewissem Umfang nun auch das „Recht der Verhältnisse“, also die sozialpolitischen Auswirkungen des Rechts. Für die Erfüllung des Ausgleichsgedankens wurden dabei auch Abstriche beim Recht in Kauf genommen.[20] Erste Ansätze einer Sozialpolitik entstanden; einzelne Einrichtungen wie das Potsdamer Militärwaisenhaus oder die Franckeschen Stiftungen in Halle wurden gegründet. Um die nötigen Fachkräfte zu gewinnen, führte man die allgemeine Schulpflicht ein und errichtete volkswirtschaftliche Lehrstühle an preußischen Universitäten; sie waren die ersten ihrer Art in Europa. Gab es zu Beginn der Regentschaft des Soldatenkönigs im Jahre 1717 erst 320 Dorfschulen so waren es im Jahre 1740 schon 1480 Schulen.

Im Zuge einer massiv betriebenen Peuplierungspolitik ließ er Menschen aus ganz Europa ansiedeln; so holte er mehr als 17.000 protestantische Salzburger Exulanten und andere Glaubensflüchtlinge ins dünn besiedelte Ostpreußen.

Als Friedrich Wilhelm I. 1740 starb, hinterließ er ein wirtschaftlich und finanziell gefestigtes Land. Er hatte Preußens Fläche um 8000 km² auf 119.000 km² vergrößert, und es gilt als sein Verdienst, dass sich die Bevölkerungszahl, die 1688 noch 1,5 Mio. Einwohner betragen hatte, bis 1740 auf 2,4 Mio. erhöhte. Eine Schattenseite seiner Amtszeit war allerdings die starke Militarisierung des Lebens in Preußen.[21]

Aufstieg zur europäischen Großmacht unter König Friedrich II. (1740–1786)

Schlesische Kriege

 
Seydlitz Kavallerieattacke in der Schlacht bei Roßbach 1757. Die Schlacht brachte im Nachgang publizistisch einen bedeutenden Anerkennungsschub für Preußen im Reich.

Am 31. Mai 1740 bestieg sein Sohn Friedrich II. – später auch „Friedrich der Große“ genannt – den Thron.[22] Anders als sein Vater, dachte er daran das aufgebaute militärische und finanzielle Potential zur eigenen Machtausdehnung einzusetzen. Zwar war der König als Kronprinz der Philosophie und den schönen Künsten zugeneigt, doch die pazifistisch anmutende Grundhaltung wirkte sich nicht spürbar auf sein Regierungshandeln aus. Noch in seinem ersten Regierungsjahr ließ er die preußische Armee in Schlesien einmarschieren, auf das die Hohenzollern umstrittene Ansprüche erhoben. Dabei setzte sich Preußen gegen seinen südlichen Nachbarn, das Kurfürstentum Sachsen durch, das ebenso Ansprüche auf Schlesien angemeldet hatte, wodurch die beiderseitigen Beziehungen nachhaltig belastet wurden. Der Erwerb Schlesiens stärkte die kriegswirtschaftliche Infrastruktur Preußens erheblich. In den drei Schlesischen Kriegen (1740–1763) gelang es ihm, die Eroberung gegen Österreich zu behaupten, im letzten, dem Siebenjährigen Krieg (1756–1763), sogar gegen eine Koalition aus Österreich, Frankreich und Russland. Dies war der Beginn der preußischen Großmachtstellung in Europa und des preußisch-österreichischen Dualismus im Reich. Bereits 1744 war die Grafschaft Ostfriesland, mit der seit 1683 Handelsbeziehungen bestanden, nach Aussterben des dortigen Fürstengeschlechts der Cirksena, an Preußen gefallen.

Aufgeklärter Absolutismus, Gesellschaftspolitische Reformen

 
Adolph von Menzel: König Friedrichs II. Tafelrunde in Sanssouci mit Voltaire (links) und den führenden Köpfen der Berliner Akademie, Ölgemälde von 1850
 
Georg Schöbel: Friedrich der Grosse und Voltaire in der Galerie des Schlosses Sanssouci, 1740er Jahre

Mit Friedrich II. begann das Zeitalter des aufgeklärten Absolutismus. Dies äußerte sich in Reformen und Maßnahmen, mit denen der König den staatlichen Einfluss auf nahezu alle Bereiche ausdehnte.[23] Die Folter wurde abgeschafft und die Zensur gelockert. Mit der Begründung des allgemeinen preußischen Landrechts und der Gewährung völliger Glaubensfreiheit lockte er weitere Exulanten ins Land. Nach seiner Auffassung sollte in Preußen „jeder nach seiner Façon selig werden“. Bekannt wurde in diesem Zusammenhang auch sein Ausspruch: „Alle Religionen seindt gleich und gut, wan nuhr die leute, so sie profesieren, Ehrlige leute seindt, und wenn Türken und Heiden kämen und wollten das Land pöplieren, so wollten wir sie Mosqueen und Kirchen bauen lassen“. In den späten Jahren seiner bis 1786 währenden Herrschaft förderte Friedrich II., der sich als „erster Diener des Staates“ verstand,[24] besonders die Landesentwicklung. Die Peuplierung der dünn besiedelten Gebiete östlich der Elbe, so etwa des Oderbruchs, stand auf seiner politischen Agenda an vorderster Stelle.

Die Friedrichs aufgeklärter Staatsauffassung folgenden Maßnahmen führten zu verbesserter Rechtsstaatlichkeit. Obwohl die Rechtspflege zu seinen Hoheitsrechten als absoluter Herrscher gehörte, verzichtete Friedrich II. im Interesse verbesserter Gerechtigkeit weitgehend auf dieses Recht. Auch die gehörte zu den Hoheitsrechten des absoluten Herrschers. Im Besitz alleiniger Gesetzgebungsgewalt führte Friedrich 1781 eine Gesetzgebungskommission ein, die seine erlassenen Gesetze gutachterlich bewerten sollte. Er hob damit Rechtsprechung und Gesetzgebung aus seiner rein subjektiven Machtsphäre heraus, ohne seine fürstlichen Hoheitsrechte verfassungsrechtlich zu beschränken. In dem Bestreben, die bis dahin gültige religiös-patriarchalische Staatsauffassung (Gottesgnadentum, Gott mit uns) zugunsten eines rationaleren Staatswesens zu verdrängen, das auf einem immateriellen Gesellschafts- und Unterwerfungsvertrag (Leviathan (Thomas Hobbes)) beruhte, entschied sich Friedrich für die Wohlfahrt der Gesellschaft und gegen ordnungspolitische Willkür. Der Fürst verkörperte nicht mehr den Staat, sondern war selbst nur eine Institution im Dienste des Staates; die Staatsdiener hatten das Recht und die Sicherheit innerhalb der staatlichen Gemeinschaft zu bewahren.[25]

Der Wille des Königs wurde dennoch weiterhin durch Dekrete, Ordern, geheime Dienstinstruktionen, Verordnungen oder Patente autokratisch durchgesetzt. Der Verwaltung mangelte es an rechtlicher und formaler Systematik, mit der Folge häufiger Umorganisation, Kompetenzstreitigkeiten sowie Ziellosigkeit des behördlichen Handelns. Der König konterkarierte deren Arbeit, indem er über sie hinweg entschied, die Verwaltung reagierte mit geschönten und verfälschten Berichten. Die schwerfällige Staatsverwaltung um 1750 ermöglichte dennoch eine relativ dichte Herrschaftsintensität. Ein modernes Berufsbeamtentum, das nach dem Ressortprinzip arbeitete, war noch nicht vorhanden; zur Verbesserung wurde deshalb für Rekrutierung von höheren Staatsdienern und Beamten ein erfolgreich absolviertes Universitätsstudium als Voraussetzung eingeführt.[26] Mit zunehmendem Alter fiel es dem König immer schwerer, die Fäden in der Hand zu behalten und die Bürokratie entwickelte zunehmend Eigeninteressen, womit der persönlich aufgeklärte Absolutismus Friedrichs in einen bürokratischen Staatsabsolutismus überging.[27]

 
Blick vom Schlossplatz in die Königstraße, Das stets präsente preußische Militär exerziert auf dem Platz, 1788, Stadtmuseum Berlin, Gemälde Öl auf Leinwand von Carl Traugott Fechhelm

Friedrich II. ordnete alles politische Handeln der Staatsräson unter. Das führte zu einem Staatszentrismus, der Opferbereitschaft und Unterordnung jedes Einwohners als folgsamer Untertan vorsah («Hunde, wollt ihr ewig leben»). Die Gesellschaft als aktive politische Größe sah Friedrich II. nicht vor, Gesellschaft und Wirtschaft blieben seinem Herrschaftsanspruch unterworfen.[28] Bis 1806 dominierte der Adel die Leitungsstellen der Verwaltung und des Militärs, Bürgerlichen war der Zugang zur höheren Ministerialbürokratie und zum höheren Militärdienst verschlossen. Trotzdem entfaltete sich mit königlicher Protektion in den Gewerbe- und Handelszentren ein Wirtschaftsbürgertum.[29] Die feudale Standesordnung zu erhalten, war Ziel der Sozialpolitik Friedrichs II. womit er eine soziale Mobilität verhinderte.[30] Der Erhalt des politischen und sozialen Status quo wurde zum traditionellen Grundpfeiler der preußischen Innenpolitik. Indem alle sozialen Schichten innerhalb der ihnen vom Staat zugewiesenen Schranken verblieben, nutzten sie dem Staat und seiner Armee im Sinn einer expansiven Außenpolitik. Finanzpolitisch blieben Einnahmesteigerung und Begrenzung der Ausgaben zum Erhalt der hohen Wehrhaftigkeit ein fortwährendes staatspolitisches Ziel mit hoher Priorität; die Wirtschaftspolitik war der Finanzpolitik und der Verteidigungspolitik untergeordnet.[31]

Retablissement, Bayerischer Erbfolgekrieg, Fürstenbund und Erste Polnische Teilung

 
Robert Warthmüller: Der König überall, Ölgemälde von 1886. – König Friedrich II. begutachtet den Kartoffelanbau in Preußen. Die Weichzeichnung zeigt Friedrich als den „guten Landesvater“, der sich aufopfernd um das Wohl seiner Bauern, volksnah kümmert.

Nach den hohen Kriegsverlusten Preußens, Schätzungen gehen für den Siebenjährigen Krieg von 360.000 Zivilisten und 180.000 gefallenen Soldaten aus,[32][33] widmete sich Friedrich II. nach 1763 dem Wiederaufbau des Landes im Rahmen eines Gesamtplans, der als langfristiges Ziel die Hebung der Volksbildung, die Verbesserung der Lage der Bauern und die Schaffung von Manufakturen vorsah. Dazu bediente er sich merkantilistischer Methoden mit staatlichen Subventionen für Unternehmungen sowie Aus- und Einfuhrverboten weiteren Maßnahmen zur Marktregulierung. Gegen große innere Widerstände führte er die französische Regie ein und verpachtete die Akzise an Marcus Antonius de la Haye de Launay. Den polnischen Getreidehandel auf der Weichsel beschränkte er 1772 durch einen ungleichen Handelsvertrag. Ein Münzdekret mit Währungsabwertung um 33 bis 50 Prozent brachte dem Staat 1764 Erleichterung bei den Staatsfinanzen. Die Hungerjahre von 1771 und 1772 gingen damit an Preußen vorbei. Mit Sachsen und Österreich lieferte sich Preußen Handelskriege.[34] Hunderte neue Kolonistendörfer entstanden in Flussniederungen auf zuvor trocken gelegten Sumpfgebieten (Friederidzianische Kolonisation).

 
Blick vom Klausberg auf das Neue Palais.
Das Bild zeigt die Ankunft einer Gesellschaft am Neuen Palais im Juli 1775. Die sechsspännigen Kutschen sind am Schloss Sanssouci vorbeigefahren und fahren weiter zum Neuen Palais. In den beiden 6-spännigen Kutschen sitzen verschiedene württembergische und hessische Prinzen und Prinzessinnen. Auf einem Schimmel ist der König Friedrich II. zu erkennen.
Hintergrund: Friedrich hatte viele Geschwister und hatte dadurch auch viele angeheiratete Verwandte, mit deren Kindern und Enkelkindern er als Onkel in abgestuften Graden verwandt war, und die über ganz Europa verstreut lebten. Sie leisteten Dienst in seiner Armee und sie kamen auch zu ihrem königlichen Verwandten nach Berlin und Potsdam zu Besuch. Einmal im Jahr lud Friedrich alle diese Verwandten für drei Wochen zu sich nach Potsdam ein – in das Neue Palais.

Die preußische Außenpolitik blieb auch nach 1763 vom instabilen europäischen Mächtesystem geprägt. Krisen drohten sich zu kontinentalen Krisen auszuweiten, doch waren Preußen aber auch Österreich und Frankreich nach 1763 zu erschöpft für neue Waffengänge. Der Antagonismus zwischen Österreich und Preußen setzte sich fort, zugespitzt im Bayerischen Erbfolgekrieg. Die preußische Politik eigener staatlicher Souveränität gegenüber dem Reich blieb bestimmend.[35] Mit der Gründung des Fürstenbunds gerierte sich Friedrich II. zeitweise als Beschützer des Reichs. Gemeinsam mit Österreich und Russland betrieb Friedrich die Teilung Polens. Bei der ersten Teilung 1772 fielen Polnisch-Preußen, der Netzedistrikt und das Fürstbistum Ermland an Brandenburg-Preußen. Die für Friedrich II. wichtige Landverbindung zwischen Pommern und dem außerhalb des Reichsgebiets liegenden Königreich Preußen war damit hergestellt. Nun befanden sich „beide Preußen“ in seinem Besitz und er konnte sich „König von Preußen“ nennen. Verwaltungstechnisch bestand dieses Königreich aus den Provinzen Westpreußen und Ostpreußen sowie dem Netzedistrikt.

Der König vergrößerte sein Territorium während seiner Herrschaft um 76.000 km² auf 195.000 km² (1786). Während dieser Zeit wuchs die Bevölkerungszahl Preußens von etwa 2,4 Millionen auf 5,629 Millionen Einwohner, trotz des Verlustes von etwa 500.000 Menschen während des Siebenjährigen Krieges. Die Zahl der Einwanderer nach Preußen in der Zeit von 1740 bis 1786 wird auf 284.500 geschätzt.[36] Trotz zeitweiliger Zerrüttung der Wirtschaft durch die langandauernden Kriege in seiner Herrschaftszeit stiegen die Staatseinnahmen von 7 Millionen Taler im Jahr 1740 auf 20 Millionen im Jahr 1786. Friedrich der Große starb am 17. August 1786 im Schloss Sanssouci.

Hybris und Nemesis (1786–1807)

 
Berlin vom Tempelhofer Berg aus gesehen Johann Friedrich Fechhelm 1781, Die Stadt entwickelte sich zu dieser Zeit zur zweitgrößten Stadt des Heiligen Römischen Reichs.

Auswirkungen der Französischen Revolution

Mit dem Tod Friedrichs II. endete die Phase der preußischen Monarchie, in der der König als politischer Akteur selbständig eigene programmatische Ziele aufstellen, in Maßnahmenpaketen definieren und anordnen konnte. Der Staatsapparat war inzwischen auf eine Größe angewachsen, die es einer einzelnen Person nicht mehr ermöglichte, wie noch zu Anfang des 18. Jahrhunderts, die politischen Geschäfte selbst nur der obersten Staatsebene zu überblicken, zu ordnen und zu managen. Der stetig auf Inspektionsreisen befindliche König Friedrich II. versuchte noch den erhöhten Arbeitsanfall zu bewältigen, woraus sich Die Legende vom „König überall“ bildete. Bedingt durch den hohen Dienstethos Friedrichs II. konnte diese Notlösung noch für eine Weile funktionieren. Spätestens um 1800 war das Königreich aber für königliche persönliche Kontrollen zu groß geworden und die Gesellschaftsentwicklung zu weit fortgeschritten. Zudem betrieben alle nachfolgenden Könige nicht mehr den gleichen zeitintensiven Herrschaftsstil, sondern beschränkten sich auf eine mittleren und zeitlich eingeschränkten Dienstumfang. Dies beschränkte mittelbar auch die Rolle der Könige im Regierungsgeschäft.

Der stetig vergrößerte Unterbau, die Staatsadministration entwickelte wiederum eine eigene Funktionslogik. Wesentliche Teile des Policy-Cycles, wie zum Beispiel die Problemdefinition oder die Lösungserarbeitung wurde nun eher in den Behörden erarbeitet. Der König selber erhielt vorgefertigte und eingeschränkte Problem-Lösungsvorgänge, die dieser als höchste Instanz nur noch Bewilligen musste.

1786 wurde Friedrichs Neffe, Friedrich Wilhelm II. (1786–1797) neuer preußischer König. Aufgrund der persönlichen Veranlagungen und Fähigkeiten des Königs erhielt das monarchische System eine Schieflage, da dieses nur so gut funktionierte, wie es die Eignung des Königs für das Amt zuließ. Am Hof etablierte sich zum ersten Mal in der preußischen Geschichte ein Hofstaat mit Mätressen und Günstlingen, ohne dass die Mätressen allerdings die Qualität einer Regentschaft errangen.[37] Die berühmteste Mätresse war Wilhelmine Enke, die von Friedrich Wilhelm den Titel einer Gräfin Lichtenau erhielt. Er hatte sie bereits vor seinem Machtantritt kennengelernt. Berlin wuchs in den 1790er Jahren zu einer ansehnlichen Stadt heran. Im Jahr 1791 wurde das Brandenburger Tor vom Architekten Carl Gotthard Langhans fertiggestellt. Andere klassizistische Bauten folgten.

Die seit den 1740er Jahren in Preußen mit Förderung Friedrichs II. stark verbreitete Aufklärungsbewegung führte mittelfristig dazu, dass die Gesellschaft Preußens eine stetig größer werdende Schicht mündiger, selbstbewusster und eigenständiger Individuen hervorbrachte. Diese entwickelten ein politisches Sendungsbewusstsein, was sich in Mitbestimmungsforderungen und kritischen Debatten in den bereits vorhandenen Medien und öffentlichen Zirkeln bzw. den informellen Gesellschaftskreisen widerspiegelte. Der Sturz der absoluten Monarchie in Frankreich während der französischen Revolution führte bei den deutschen Fürsten zu Ängsten, dass sich dies in ihren eigenen Stammlanden fortsetzen und ausbreiten könnte. Daher setzten fürstlich getragene Bestrebungen ein, einen vermuteten Träger der Revolution, das aufgeklärte Bürgertum stärker zu kontrollieren. Der neue König stand schon früh unter dem Einfluss gegenaufklärerischer Bestrebungen, namentlich Johann Christoph Wöllners und Johann Rudolf von Bischoffwerders, die die preußische Politik dieser Zeit stark mitbestimmten. Die vielgerühmte Toleranzpolitik Preußens ist zumindest zu dieser Zeit nicht besonders ausgeprägt. In der Hauptstadt existierte zwar die aufklärerische Berliner Mittwochsgesellschaft. Sie musste aber auf Grund der antiaufklärerischen Regierung im Geheimen tagen. Mitglieder waren unter anderem die Verfasser des Allgemeinen Landrechts Carl Gottlieb Svarez und Ernst Ferdinand Klein, die Herausgeber der Berlinischen Monatsschrift Gedike und Biester, der Verleger Friedrich Nicolai und als Ehrenmitglied Moses Mendelssohn. Die Französische Revolution wurde auch hier, wie im ganzen Reich, vom Bildungsbürgertum meist positiv aufgenommen. Allerdings wurden Personen, die sich revolutionär und abfällig über die preußische Regierung äußerten, seit 1790 entweder für mehrere Wochen festgesetzt oder ausgewiesen; andere emigrierten freiwillig. Im Jahre 1794 wurde das Allgemeine Landrecht für die Preußischen Staaten eingeführt. Das umfassende Gesetzeswerk war bereits unter Friedrich II. begonnen worden. Während der Herrschaft Friedrich Wilhelm II. verlor es zwar seinen aufgeklärten Charakter, stellte aber immer noch eine allgemeingültige Rechtsgrundlage für alle preußischen Provinzen dar.[38]

Teilungen Polens, Beendigung des Dualismus mit Österreich, Frieden mit Frankreich

Die Teilungspolitik gegenüber Polen wurde von Friedrich Wilhelm II. sowie von Russland und Österreich fortgesetzt. Bei der zweiten und der dritten Teilung Polens (1793 und 1795) sicherte sich Preußen weitere Gebiete bis nach Warschau. Durch diese Gebietszuwächse vergrößerte sich auch die Bevölkerung um 2,5 Millionen Polen und man stand vor der schwierigen Aufgabe, diese in den Staat zu integrieren. Ob dies letztendlich gelungen wäre, lässt sich nicht abschließend sagen, da die Gebiete der beiden letzten Teilungen Polens zunächst unter der Herrschaft Napoléons für Preußen wieder verloren gingen.

 
Anzeichen von Hybris vor dem Fall, preußische Offiziere schärfen ihre Säbel vor der französischen Botschaft in Berlin
 
Gebietsverluste (violett, grün) und -gewinne (rot, gelb) des preußischen Staates in der Zeit des Untergangs des Heiligen Römischen Reichs bis 1806. Infolge der Verluste durch den Frieden von Tilsit 1807 verblieb das braun dargestellte Territorium bei Preußen.

Preußen war außenpolitisch vor allem daran interessiert, die Stärke und den Einfluss Österreichs in Deutschland zu verringern. In den 1780er Jahren hatten sich die Spannungen zwischen den beiden Großmächten erheblich verschärft. So unterstützte Preußen Revolten gegen die österreichische Herrschaft in Belgien und Ungarn. Dies veranlasste Leopold II. eine Einigung mit Preußen zu ersuchen. Österreich und Preußen näherten sich während der Zeit der Französischen Revolution an. Es folgte die Konvention von Reichenbach vom 27. Juli 1790. Die Ära des erbitterten preußisch-österreichischen Dualismus, die seit 1740 die Politik des Heiligen Römischen Reichs geprägt hatte, war vorbei. Beide Mächte verfolgten fortan ihre Interessen gemeinsam.[39] Ein erstes Zusammentreffen zwischen Leopold II. und Friedrich Wilhelm II. am 27. August 1791 mündete auf Einwirken des Grafen von Artois, des späteren französischen Königs Karl X., in der Pillnitzer Deklaration. Darin erklärten sie ihre Solidarität mit dem französischen Königtum und drohten mit militärischen Aktionen, allerdings unter dem Vorbehalt, dass die anderen europäischen Mächte einem solchen Schritt zustimmen würden. Weitergehend wurde am 7. Februar 1792 ein Verteidigungsbündnis, der Berliner Vertrag, zwischen Österreich und Preußen geschlossen. Frankreich erklärte kurze Zeit später, am 20. April 1792, Österreich und somit auch Preußen den Krieg. Der Vormarsch des preußisch-österreichischen Heeres kam bereits kurz darauf am 20. September 1792 nach der erfolglosen Kanonade von Valmy zum Erliegen. In der Folge konnten französische Truppen bis in das Rheinland vorstoßen. In diesem kräfteverzehrenden ersten Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich suchte Preußen schließlich den Ausgleich. Die beiden Mächte einigten sich im preußisch-französischen Sonderfrieden von Basel von 1795. Preußen erkannte die linksrheinischen Eroberungen Frankreichs an und erzielte eine bis nach Franken reichende norddeutsche Neutralitätszone. Damit durchzog Deutschland eine Demarkationslinie, die die Einflusszonen der drei Großmächte Frankreich, Österreich und Preußen definierte und zum Frieden im deutschen Norden führte, während der Süden Deutschlands Kriegsschauplatz blieb.

Norddeutsche Neutralitätszone, Auflösung des Heiligen Römischen Reichs

Der preußische Alleingang bewirkte, dass die anderen europäischen Mächte dem preußischen König misstrauten, so dass er in den Folgejahren isoliert war. Mit seinem einseitigen Ausscheren aus der Kriegskoalition zeigte Preußen seine Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal des Reiches.[40] Österreich, alleine zu schwach, gab ebenfalls auf und räumte damit das Ende der preußisch-österreichischen Großmachtpolitik in Europa ein. Während die Reichspublizistik Preußen für den ungezwungenen Frieden mit Frankreich scharf verurteilte, blieben die anderen Reichsstände zurückhaltend. Mit den Berliner Verträgen vom 5. August 1796 kam Preußen in den Besitz der Bistümer Münster, Würzburg und Bamberg. Für den Norden bildete der Hildesheimer Kongress eine Art Gegenreichstag; Zahlungen der norddeutschen Reichsstände gingen nun nicht mehr an den Kaiser, sondern an die preußische Kasse. Die Umgestaltung des europäischen Staatensystems vollendete Frankreich mit der geschäftsmäßigen Liquidation des Kaiserreichs.[41] Am 16. November 1797 starb Friedrich Wilhelm II., sein Sohn Friedrich Wilhelm III. (1797–1840) wurde sein Nachfolger. Dem persönlichen Charakter des neuen Königs entsprechend, wurde die preußische Staatsführung im Inneren wie nach außen schwankender, bedächtiger und hinhaltender. Der König herrschte zwar um 1800 formell noch immer absolut, doch hatte die Staatsverwaltung in vielen Bereichen die politische Initiative übernommen, während der König nur reagierte, ohne programmatisch aktiv und gestaltend wirken zu können.[42]

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss konnte Preußen 1802/1803 die im Frieden von Basel beschlossenen erheblichen Zugewinne an Land und Menschen realisieren und verleibte sich mit der Säkularisation die vormals geistlichen Herrschaftsgebiete des Hochstifts Hildesheim, des Hochstifts Paderborn (Fürstentum Paderborn), des Hochstifts Münster (Erbfürstentum Münster), die Reichsstifte Quedlinburg, Elten, Essen, Werden und Cappenberg sowie kurmainzische Besitzungen in Thüringen ein; außerdem erhielt es die vormaligen Reichsstädte Mühlhausen, Nordhausen und Goslar.

Der Beginn des 19. Jahrhunderts vollendete eine über hundert Jahre anhaltende Wachstums- und Expansionsphase. Als ursprüngliche europäische Mittelmacht, hatte Preußen bis 1800 zu den vorderen Rängen aufgeschlossen. Unter den fünf Großmächten des zur damaligen Zeit wirtschaftlich, gesellschaftlich, technologisch und militärisch fortschrittlichsten Kontinents, war Preußen aber immer noch die mit Abstand kleinste, bezogen auf seine Wirtschaftskraft, seine Bevölkerungsdichte und selbst hinsichtlich seiner Armee von 240.000 Mann. Seine politische Reputation zehrte um 1800 vor allem von symbolischen Faktoren aus den vergangenen Ruhmeszeiten der Schlesischen Kriege. Dies führte unter den damaligen nationalen Konkurrenten zu Fehlwahrnehmungen bezüglich ihrer realen eigenen Kräfte.

Statistischer Kennzahlenvergleich der größten europäischen Staaten 1804[43]
Rang
nach EW
Staat Einwohner Fläche
in km²
Einwohner
je km²
Armeegröße Staatseinkommen
in Gulden
Staatseinkommen
in Gulden pro Kopf
1 (europäisches) Russisches Kaiserreich 36.385.000 4.356.336 8,4 510.000 110.000.000 25
2 Erstes Kaiserreich 32.359.000 642.365 50,4 600.949 252.300.000 393
3 Kaisertum Österreich 25.588.000 670.513 38,2 356.000 120.000.000 179
4 Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 15.024.000 315.093 47,7 200.000 260.000.000 825
5 (europäisches) Osmanisches Reich 11.040.000 670.208 16,5 100.000 54.000.000 81
6 Spanien 10.730.000 506.996 21,2 76.000 75.000.000 148
7 Königreich Preußen 9.851.000 316.287 31,1 240.000 60.000.000 190
Europa 182.599.000 9.598.225 19,0 2.549.686 1.173.730.000 122

 

Vierter Koalitionskrieg mit Frankreich

Preußens wankelmütige Neutralitätspolitik bewirkte vor allem in Frankreich eine politische Abwertung. In den zeitgenössischen Analysen, Diskursen und Berichten forderten französische Stimmen von Preußen, auf Ansprüche zu verzichten, «die nur dem Genie des großen Friedrich für dreißig Jahre zu verdanken gewesen wären, die aber nicht mit der Stärke der anderen Mächte übereinstimmten» (Conrad Malte-Brun, 1803). Stattdessen sollte es sich Frankreich, ebenso wie die anderen deutschen Staaten, als Verbündeter unterwerfen, ohne eine Sonderstellung zu erwarten.[44]

 
Napoleons Einzug in Berlin durch das Brandenburger Tor, 1806

Die Überlegenheit Napoleons stellte eine neuartige und existenzielle Bedrohung dar. Der französische Kaiser war nicht gewillt, die französische Expansion zu begrenzen und ließ deshalb internationale Verträge und Abkommen unbeachtet. Dadurch stand die preußische Regierung vor einer Zerreißprobe. 1806 beging Preußen, nach etlichen Provokationen den folgenschweren Fehler, sich mit Frankreich militärisch zu messen, ohne sich vorher der Unterstützung der anderen Großmächte zu versichern.[45] Die erneuten Verhandlungen mit Frankreich über die Aufteilung der Machtsphären in Deutschland scheiterten und beide Staaten nahmen den Kriegszustand erneut auf. In der Schlacht bei Jena und Auerstedt erlitt Preußen eine vernichtende Niederlage gegen die Truppen Napoleons I.; König Friedrich Wilhelm III. und seine Familie mussten vorübergehend nach Memel fliehen, und unter dem französischen Einfluss begann die sogenannte „Franzosenzeit“. Der Staat verlor 1807 im Frieden von Tilsit etwa die Hälfte seines Gebietes, darunter waren alle Gebiete westlich der Elbe sowie die Gebiete aus der zweiten und dritten Teilung Polens, die nun an das neue, von Napoléon etablierte Herzogtum Warschau fielen.

Staatsreformen und Befreiungskriege (1807–1815)

 
Kant und seine Tischgenossen, Gemälde von Emil Doerstling (1892/93), In Preußen wurden im 18. und 19. Jahrhundert international bedeutende geistige Neuerungen entwickelt. Preußische Staatslehrer wie Wolff, Kant oder später Hegel belebten die internationalen Diskurse um die Weiterentwicklung der Staatstheoretischen Vorstellungen, die die Grundlage für die spätere praktische Anwendung im Regierungshandeln aber auch für Gesellschaftspolitische Reformen bildete.

In den politischen Lehren waren in Preußen nach Christian Wolff (Wolffianismus) keine grundlegenden Neuerungen mehr aufgekommen. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts war mit Kants staatstheoretischen Entwürfen ein neues Konzept entstanden. Dieses sah vor, das die Freiheit des Einzelnen zur Grundlage allen Rechts und der Gestaltung des Zusammenlebens für den Staates gelten sollte. Wesentlich gestützt wurde dieser Ansatz zeitgleich durch die Rezeption von Adam Smith's Unsichtbare Hand und einer allgemeinen Anglophilie. In Preußen konnten sich so unter der gebildeten Schicht neue liberale Gesellschaftsvorstellungen verbreiten, ungeachtet aller staatlicher Hindernisversuchen. Unter Einbeziehung der Forderung der Beschränkung des Staatszwecks von Rousseau und Montesquieu, die Idee der Gewaltenteilung und des Volonté générale, einer Tendenz zur Individualisierung des Menschenbilds, das Erleben der Amerikanischen und Französischen Revolution bildete sich ein eklektizistisches Staatsdenken der preußischen Staatseliten (nicht des Königs) aus, die in das allgemeine europäische Geistesleben eingebettet blieben. Die hier genannten Ideale und Ideen einer Gesellschafts- und Staatsordnung waren so fortschrittlich und zukunftsweisend, das sie mit den vorhandenen politischen Bedingungen einer beharrenden absoluten Monarchie inkompatibel waren. Die beiden Könige die nach Friedrich II. folgten und in ihren Persönlichkeitseigenschaften nicht als Staatsführer geeignet waren aber diese Ämter trotzdem aufgrund ihres Geburtsrechts bekleideten, standen trotzdem vor einem als ruhmvoll empfundenen Vermächtnis ihrer Vorfahren, von denen Sie sich nicht lösen konnten (oder wollten). Der Reformbedarf war nach dem Tod Friedrichs II. zwar groß, doch blieben die Reformansätze zaghaft und begrenzt.[46] Die späteren Reformer wurden dennoch durch diese Ideen maßgeblich geprägt, doch bedurften sie für die Durchführung weitergehender Reformen erst einen Totalabsturz des bestehenden Systems.[47]

Preußen war 1807 nur noch ein in Größe und Funktion zusammengeschrumpfter Pufferstaat. Es musste die französische Besatzung erdulden, die fremden Truppen versorgen und große Kontributionszahlungen an Frankreich leisten. Diese einschränkenden Friedensbedingungen bewirkten aber auch eine Erneuerung des Staates mit dem Ziel, seine Handlungsfähigkeit zu verbessern, um wieder eine Macht ersten Ranges zu werden. Dazu musste sich der preußische Staat grundlegend reformieren, um einen zukünftigen Befreiungskampf führen und gewinnen zu können. Mit den Stein-Hardenbergschen Reformen unter Leitung von Freiherr vom Stein, Scharnhorst und Hardenberg wurde das Bildungswesen neu gestaltet,[48] 1807 die Leibeigenschaft der Bauern aufgehoben und 1808 die Selbstverwaltung der Städte eingeführt. 1810 wurde die Gewerbefreiheit eingeführt. Die begonnene Heeresreform wurde 1813 mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht abgeschlossen.[49]

 
Beginn des Aufrufs An Mein Volk
 
Die Rückkehr der Quadriga des Brandenburger Tores 1814

Nach der Niederlage der „Grande Armee“ in Russland wurde am 30. Dezember 1812 bei Tauroggen der Waffenstillstand zwischen Preußen und dem Russischen Kaiserreich vom preußischen Generalleutnant Graf Yorck und vom General der russischen Armee Hans von Diebitsch unterzeichnet. Yorck handelte dabei aus eigener Initiative ohne Befehl seines Königs. Sein auch im nach hinein verteidigtes Vorpreschen trug Züge einer Usurpation und untergrub die Autorität des Königs, der aufgrund der entstehenden Sachzwangslage diesem Vorgehen nachträglich zustimmen musste, um seinen angegriffenen Status nicht weiter zu untergraben. Die Konvention von Tauroggen besagte, dass Yorck seine preußischen Truppen aus der Allianz mit der französischen Armee herauslösen sollte. In Preußen wurde dies als Beginn des Aufstandes gegen die französische Fremdherrschaft verstanden. Bereits Anfang Februar 1813 war die gesamte Provinz Ostpreußen dem Zugriff der Berliner Regierung entzogen. Autorität übte nun Stein als Bevollmächtigter der russischen Regierung aus. Der Aufstand weitete sich aus und die Berliner Regierung begann langsam auf Distanz zum Bündnis mit Frankreich zu gehen. Mitte Februar hatte sich die aufrührerische Stimmung bereits über die Oder bis in die Neumark ausgeweitet und es gab erste Anzeichen einer Revolution. Berater des Königs verdeutlichten ihm, dass der Krieg gegen Frankreich mit ihm an der Spitze oder notfalls auch ohne ihn stattfinden werde. Nach einer Phase der Unentschlossenheit beschloss der König schließlich Ende Februar mit Russland zusammenzugehen. Im Vertrag von Kalisch wurde mit dem Land ein antinapoleonischer Bündnisvertrag abgeschlossen. Bedeutende Absprachen über die Zuschlagung von Territorien der Nachbarländer wurden für die Nachkriegszeit getroffen.[50]

Als am 17. März 1813 mit dem Aufruf „An Mein Volk“ der Befreiungskampf aufgerufen wurde, standen 300.000 preußische Soldaten (6 Prozent der Gesamtbevölkerung) bereit. Für die Dauer der Auseinandersetzung wurde die Allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Das Preußische Gebiet wurde im Befreiungskrieg erneut zum Kriegsgebiet. Hunterttausende Soldaten beider Seiten durchzogen Preußen im Jahr 1813, während die Hauptkämpfe entlang der preußisch-sächsischen Grenzzone stattfanden und mit einem siegreichem Ende für Preußen und seine Alliierten endeten. Nach der entscheidenden Völkerschlacht bei Leipzig, bei der 16.033 Preußen getötet oder verwundet wurden, war das Ende der Vorherrschaft Napoleons über Deutschland in greifbare Nähe gerückt. Die Preußen spielten bei dem Feldzug von 1813 eine entscheidende Rolle. Die Armeespitze trieben sich und die Alliierten immer wieder zum Vormarsch an, so dass auch beim Feldzug 1814 Napoleons Truppen stetig in die Defensive gedrückt wurden und letztlich als Kriegsmacht ausgeschaltet wurden. Preußen war damit nach seiner erlittenen Demütigung von 1807 wiederauferstanden und untermauerte mit seinem konsequenten, ehrgeizigen und zielstrebigen Vorgehen, auf einer Stufe mit dem Kaisertum Österreich zu stehen.[51] Preußische Truppen unter Marschall Blücher trugen in der Schlacht von Waterloo 1815 entscheidend zum endgültigen Sieg über Napoleon bei.

Restauration und Reaktion, Vormärz und Märzrevolution (1815–1848)

 
Das Gebiet Preußens nach dem Wiener Kongress 1815 (dunkelblau)

Wiener Kongress, Metternichsches System, Deutscher Bund

 
Russisch-preußische Revue von Kalisch 1835

Nach dem Ende des Revolutionszeitalters setzten unter den Siegergroßmächten die Verhandlungen einer stabilen Nachkriegsordnung in Europa ein. Es folgte eine konservative Wende und die Etablierung des Metternichschen Systems, das durch die Heilige Allianz gesichert wurde. Das Bündnis, das Friedrich Wilhelm III. gemeinsam mit dem Kaiser von Russland und dem Kaiser von Österreich ins Leben rief, sollte die Demokratiebestrebungen in ganz Europa unterdrücken und das absolute monarchische System wiederherstellen.

Beim Wiener Kongress 1815 erhielt Preußen einen Teil seines alten Staatsgebietes zurück. Neu hinzu kamen Schwedisch-Pommern, der nördliche Teil des Königreichs Sachsen, die Provinz Westfalen und die Rheinprovinz. Preußen erhielt zwar die zuvor polnische Provinz Posen zurück, nicht jedoch die Gebiete der zweiten und der dritten polnischen Teilung, die an Russland gingen. Preußen bestand seitdem aus zwei großen, aber räumlich getrennten Länderblöcken in Ost- und Westdeutschland. Die neugewonnenen Provinzen besaßen tradierte Raumstrukturen und Bindungen, die nun wegfielen. Der Begriff Musspreuße bezeichnet den schwierigen und emotional belastenden Übergang der damaligen Bewohner in den neuen Staat. Für Preußen bedeuteten die territorialen Verschiebungen einen Neuanfang. Die Bevölkerung der Neupreußischen Provinzen, vornehmlich die der Rheinprovinz brachte mit ihrer großen und selbstbewussten städtischen Mittelschicht eine konstante Unruhe in das Königreich, wodurch die preußische Politik während der folgenden Jahrzehnte konstant belebt wurde.[52]

Preußen konnte bei den Verhandlungen auf dem Wiener Kongress nicht den eigenen Willen durchsetzen. Einmal blieb Sachsen als Staat erhalten, das andere Mal konnte es die zukünftige Gestaltung der deutschen Staaten nicht entscheidend beeinflussen. Die preußische Delegation wünschte sich ein Deutschland mit starken und zentralen Regierungsfunktionen, kurzum eine starke dualistische Hegemoniallösung mit Österreich. Das was am 8. Juni 1815 als Schlussakte der deutschen Bundesakte unterzeichnet wurde, galt als österreichische Konzeption.[53] Preußen wurde Mitglied des Deutschen Bundes, des losen Verbandes der deutschen Staaten unter österreichischer Führung, der von 1815 bis 1866 existierte. Zwar konnte Preußen keine starke Exekutive im Deutschen Bund ausüben, die es benötigt hätte, um formell Norddeutschland zu dominieren, doch die Bundesakte ließ Preußen genügend Spielraum, um eine informelle und begrenzte Hegemonialstellung anzustreben ohne das ganze System in Gefahr zu bringen.[54]

Die neue außenpolitische Ordnung in Europa veränderte die staatlichen Sicherheitskonzeptionen hin zu einer Defensivdoktrin. Dies führte zu einem Aufleben des Festungsbaus nach 1815. In den neuen Provinzen im Westen entstanden in Koblenz, Köln und Minden mächtige Festungen, gebaut nach der neupreußischen Befestigungsmanier, zur Sicherung der preußischen Vormachtstellung. Preußen blieb nach 1815 eher Gegenstand als unabhängig handelnder Akteur in der internationalen Politik. Es war von den europäischen Großmächten mit Abstand die Kleinste. Aufgrund seines begrenzten Spielraums für autonome Initiativen selbst innerhalb Deutschlands war Preußen streng genommen weder Großmacht, noch gehörte es zu den kleineren europäischen Kontinentalstaaten, sondern lag zwischen diesen beiden Ebenen.[55] Preußens Führer fanden sich mit diesem Zustand ab und das Königreich trat in eine lange Phase außenpolitischer Passivität ein. Das Königreich versuchte sich aus allen Konflikten herauszuhalten und sich möglichst mit allen Mächten gut zu stellen und strebte wo immer möglich einen Konsens an. Schlichtungsdiplomatie wurde zum primären außenpolitischen Mittel Preußens. Einen Konflikt mit Österreich wich Preußen aus. Auch zu Russland versuchte Preußen stetig gute Beziehungen aufrechtzuerhalten und akzeptierte die russische Hegemonialstellung über größere Teile Europas.[56]

Konservative Wende

Der Mord an den Theaterdichters August von Kotzebue in Mannheim durch den Patrioten Karl Ludwig Sand führte den Machthabenden die Radikalität der nationalen Einigungsbewegungen vor Augen.[57] In den Karlsbader Beschlüssen vom August 1819, die als Reaktion auf die Ereignisse um die Ermordung von Kotzebue entstanden, wurden schärfere und neue Zensur- und Überwachungsmaßnahmen erlassen. Am 20. September 1819 wurden diese in Frankfurt am Main vom Bundestag einstimmig angenommen. Die konservative Kamarilla, darunter der wichtigste königliche Ratgeber, der Hugenotte Jean Pierre Frédéric Ancillon, die sich unter der französischen Besatzung um den König Friedrich Wilhelm III. gebildet hatte, ließen eine Verhaftungswelle unter dem Schlagwort Demagogenverfolgung durchführen.[58] Die königliche Kabinettsregierung bestand vornehmlich aus einem Trio, eine alternde Gräfin, Sophie Marie von Voß, Wilhelm zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein und genannter Ancillon. Diese bildeten die Gegenkräfte gegen den gewachsenen Einfluss des Kanzlers Hardenberg, von dem der König gänzlich abhängig geworden war.[59] Durch Intrigen der konservativen Fraktion, einem insgesamt günstiger werdenden politischen Klima für die konservative Fraktion in Europa, gelang die konservative Wende in Preußen. Die politische Atmosphäre wurde vergiftet und jeder der sich nicht streng linientreu gab, wurde verdächtigt. Bedeutende Reformer wie Humboldt, Beyme und von Boyen wurden Ende 1819 entlassen. Zuletzt gingen auch Grolman und Gneisenau.[60] Das während der Freiheitskriege seinem Volk gegebene Versprechen, dem Land eine Verfassung zu geben, löste Friedrich Wilhelm III. nie ein.[61] Anders als in den meisten übrigen deutschen Staaten wurde in Preußen auch keine Volksvertretung für den Gesamtstaat geschaffen. Stattdessen gab es ab 1823 nur Provinzialstände (ab 1875 Provinziallandtage), die nach ständischen Gesichtspunkten gewählt und organisiert wurden und langjähriger Grundbesitz die Voraussetzung für die Wählbarkeit waren. Durch die Quoten für jeden Stand war gewährleistet, dass der einheimische Adel ein Übergewicht hatte. Allerdings nahm die Bedeutung des Adels als Grundbesitzende Schicht spürbar ab. Der preußische Landadel befand sich in einer strukturellen wirtschaftlichen Krise und veräußerte zunehmend seinen Grundbesitz an bürgerliche Schichten. Der Anteil des Adels am Grundbesitz sank beispielsweise in der ostpreußischen Provinz von 75,6 Prozent im Jahr 1806 auf 48,3 Prozent im Jahr 1829.[62] Folglich waren die Provinzialstände insgesamt plutokratisch ausgerichtet.

Die Provinzialstände wurden nur alle drei Jahre berufen und hatten keine legislativen oder steuerlichen Vollmachten, sondern waren vor allem beratende Gremien.[63] Die Konservativen hatten sich durchgesetzt ohne dadurch echte politische Stabilität zu erzeugen. Der Weg zurück war nicht mehr möglich. Einerseits hatten die Reformer bleibende Veränderungen im Denken der politischen Klasse bewirkt, andererseits waren die Veränderungen der Napoleonischen Ära ebenso zu tiefgreifend gewesen und die Übergänge waren viel zu fließend, das Spektrum zu breit und zu offen, als dass eine umfassende Restauration des Status quo vor der Reformära denkbar gewesen wäre. Die Konservativen selbst hatten viele der Reformideen bereits selbst aufgenommen. Dazu gehörte die gewandelte Auffassung vom preußischen Staat, der nun eine gesamthafte, alle Bewohner einbeziehende und organisch verwachsene Nation darstellte, statt nur wie bisher, die Summe der privilegierten ständischen Versammlungen zu repräsentieren. Beträchtliche bedeutende fortschrittliche Machtzentren blieben innerhalb der Regierung, vor allem in den Ressorts Finanzen, Außenpolitik, Bildung, Religion und Gesundheit.[64]

Das politische Leben ging weiter und letztlich entwickelten sich die Provinzialstände zu wichtigen Brennpunkten des politischen Wandels, auch wenn sie nach außen hin wie traditionelle Ständevertretungen aussahen, waren sie dennoch neuartige repräsentative Einrichtungen. Von Anfang an trachteten die Landtage danach, die ihnen zugewiesene Rolle auszuweiten und sie übten in den Provinzen allmählich liberalen politischen Druck aus.[65] In allen Provinzen dienten die Landtage als politische Foren, auf denen von der Regierung eine Generalständeversammlung und die Erfüllung des Verfassungsversprechens eingefordert wurden. Die Einbettung in die provinzielle Öffentlichkeit zum Beispiel über die Provinzpresse oder über politische Kreise der städtischen Gesellschaft, wie der Club Aachener Casino, sorgte dafür, dass die geheimen Debatten des Landtages verbreitet wurden. Durch die von der Regierung eher unerwünschte Beteiligung des politischen Hinterlands stiegen die Anforderungen der öffentlichen Meinung an die Rolle der Landtage und über viele Petitionen, vorgetragen durch breite Bevölkerungsschichten an die Berliner Regierung wurden Beschlussrechte gefordert.[66]

Zollverein

Dem Bestreben der königlichen Regierung, Liberalismus, Demokratie und die Idee der Einigung Deutschlands zu bekämpfen, standen jedoch starke ökonomische Zwänge entgegen.[67] Wirtschaftliche Deregulierung und Zollharmonisierung wurden nach 1815 in einem Zollgesetz vom 26. Mai 1818 fortgesetzt. Mit dem Gesetz entstand das erste homogene und landesweite Zollsystem in Preußen. Aufgrund der Zweiteilung seines Staatsgebiets lag die wirtschaftliche Einigung Deutschlands nach 1815 in Preußens ureigenem Interesse. Seit Ende der Zwanziger Jahr reichte der Prozess der Harmonisierung über die Grenzen des Königreichs hinaus, als Minister und Beamte an der Gründung eines deutschen Zollvereins unter preußischer Schirmherrschaft arbeiteten.[68] Preußen gehörte 1834 zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Zollvereins.[69]

Infolgedessen setzten auch außerhalb des Landes immer mehr Befürworter der deutschen Einigung, insbesondere die Protestanten, ihre Hoffnungen darauf, dass Preußen Österreich als Führungsmacht des Bundes ablösen werde. Es war von „Preußens deutscher Sendung“ die Rede und davon, dass das Land immer mehr nach Deutschland hinein und Österreich aus Deutschland heraus wachse. Die preußische Regierung wollte von dieser „Sendung“ nichts wissen. Weit davon entfernt, sich für die politische Einigung Deutschlands zu engagieren, widersetzte sie sich sogar dem immer lauter werdenden Ruf nach einer Verfassung und einem Landtag für ganz Preußen.

Vormärz

Die Phase des sogenannten Vormärz, die in Frankreich 1830 mit dem Sturz des Bourbonenkönigs Karl X. begann und Metternichs außenpolitisches System der Restauration zerstörte, machte sich in Preußen ab 1840 verstärkt bemerkbar. Die Restaurationspolitik hatte es nicht vermocht, die dynamischen Kräfte der bürgerlichen Bewegung und des politischen Fortschritts auf Dauer zu unterdrücken. In den 1830er Jahren waren die herrschenden konservativen Kräfte Preußens noch stark genug gewesen, um die hier und da aufflammenden liberalen Kräfte zu unterdrücken und damit zu verhindern, dass ihre Bedeutung zunahm. Kollektive Protestaktionen und Ausbrüche des Unmuts gegen die staatliche Gängelung blieben kurzlebige Erscheinungen und klangen nach ihrer Niederschlagung ohne nennenswerte politische Folgen wieder ab. Bekanntgeworden sind Protesthandlungen wie die Berliner Schneiderrevolution vom 16.-20. September 1830, so wie Tumulte in Köln, Elberfeld, Jülich und Aachen.[70] Auch im Osten wurde Preußen indirekt von einer Revolutionswelle getroffen. In der polnisch geprägten Provinz Posen, musste ein Übergreifen der Aufstandsbewegung aus Kongresspolen verhindert werden. Mit einer Germanisierungspolitik versuchte man der durch den polnischen Aufstand von 1830 ausgelösten Begeisterungswelle Herr zu werden, in deren Folge Tausende Posener die Grenze überschritten, um für die polnische Nation zu kämpfen.[71]

Stärker waren die deutschen Kleinst- und Mittelstaaten von der von Frankreich ausgehenden Julirevolution von 1830 betroffen. In vier Staaten erzwangen soziale Proteste den Übergang zu moderneren konstitutionellen Formen. Die verfassungslosen Großmächte Preußen und Österreich bereiteten dagegen in Geheimgesprächen neue Unterdrückungsmaßnahmen vor, die 1832 von der Bundesversammlung für den Deutschen Bund beschlossen wurden.[72]

Der alternde König Friedrich Wilhelm III. starb am 7. Juni 1840, der neue König Friedrich Wilhelm IV. wurde von den liberalen Kräften hoffnungsvoll erwartet.[73] Zu den mit dem Regierungswechsel verbundenen Neuerungen gehörte eine im Dezember 1841 verfügte Lockerung der Zensur. Es folgte eine überschäumende politische Publizistik, so dass im Februar 1843 neue Zensurbestimmungen eingeführt wurden. Mit der Kabinettsorder vom 4. Oktober 1840 distanzierte sich der neue König, wie bereits sein Vorgänger 1815, ausdrücklich von dem gegebenen Verfassungsversprechen.[74]

Konflikt um den Vereinigten Landtag

Die Hoffnungen, die der Regierungsantritt Friedrich Wilhelm IV. (1840–1861) bei Liberalen und Anhängern der deutschen Einigung zunächst geweckt hatte, wurden bald enttäuscht. Auch der neue König machte aus seiner Abneigung gegen eine Verfassung und einen gesamtpreußischen Landtag keinen Hehl.

Der große Finanzbedarf für den Bau der von den Militärs geforderten Ostbahn erforderte jedoch die Bewilligung von Etatmitteln aller Provinzen. Der König ließ daher einen ständischen Ausschuss zusammentreten, dem Vertreter aller Provinziallandtage angehörten. Dieser Ausschuss erklärte aber, er sei für die ihm zugedachte Aufgabe nicht zuständig. Daher und aufgrund des wachsenden öffentlichen Drucks fand sich Friedrich Wilhelm IV. im Frühjahr 1847 schließlich bereit, den von den Liberalen seit langem geforderten Vereinigten Landtag einzuberufen.

Der König machte schon in seiner Eröffnungsrede unmissverständlich deutlich, dass er den Landtag nur als Instrument der Geldbewilligung ansehe und dass er mit Blick auf sein monarchisches Gottesgnadentum keine Verfassungsfragen erörtert sehen wolle. Er werde nicht zulassen, „daß sich zwischen unseren Herr Gott im Himmel und dieses Land ein beschriebenes Blatt gleichsam als zweite Vorsehung eindränge“. Da die Mehrheit des Landtags aber von Beginn an nicht nur das Etatbewilligungsrecht, sondern auch eine parlamentarische Kontrolle der Staatsfinanzen und eine Verfassung forderte, wurde das Gremium schon nach kurzer Zeit wieder aufgelöst. Preußen stand damit schon vor dem Ausbruch der Märzrevolution vor einem Verfassungskonflikt.

Deutsche Revolution von 1848/1849

 
Jubelnde Revolutionäre nach Barrikadenkämpfen am 18. März 1848, Breite Straße in Berlin, im Hintergrund das Stadtschloss

Nach den Volkserhebungen in Südwestdeutschland erreichte die Revolution am 18. März 1848 schließlich auch Berlin. Friedrich Wilhelm IV., der zunächst noch auf die Aufständischen hatte schießen lassen, ließ die Truppen aus der Stadt zurückziehen und schien sich nun den Forderungen der Revolutionäre zu beugen. Der Vereinigte Landtag trat noch einmal zusammen, um die Einberufung einer preußischen Nationalversammlung zu beschließen. Gleichzeitig mit den Wahlen zur preußischen fanden die zur gesamtdeutschen Nationalversammlung statt, die in Frankfurt am Main zusammentreten sollte.

 
Gewaltsame Auflösung der preußischen Nationalversammlung

Der preußischen Nationalversammlung war von der Krone die Aufgabe zugedacht worden, mit ihr gemeinsam eine Verfassung auszuarbeiten. Die Versammlung, in der weniger gemäßigte Kräfte saßen als noch im Vereinigten Landtag, stimmte dem Regierungsentwurf für eine Verfassung jedoch nicht zu, sondern arbeitete mit der „Charte Waldeck“ einen eigenen Entwurf aus. Nicht zuletzt die Verfassungspolitik der preußischen Nationalversammlung führte zur Gegenrevolution, zur Auflösung der Versammlung und zur Einführung einer oktroyierten Verfassung. Die oktroyierte Verfassung Preußens behielt zwar einige Punkte der Charte bei, stellte aber andererseits zentrale Vorrechte der Krone wieder her. Im Jahr 1850 wurde sie noch einmal revidiert. Vor allem das in dieser eingeführte Dreiklassenwahlrecht hat die politische Kultur Preußens bis 1918 entscheidend geprägt. Österreichisches Gegenstück zur oktroyierten Verfassung Preußens war die kurzlebige, 1849 von Kaiser Franz Joseph I. oktroyierte Märzverfassung, die mit dem Silvesterpatent von 1851 wieder abgeschafft wurde.

 
Karikatur zur Ablehnung der Kaiserkrone der Frankfurter Nationalversammlung durch König Friedrich Wilhelm IV.

In der Frankfurter Nationalversammlung ging man zunächst von einer großdeutschen Lösung aus: Zum entstehenden Deutschen Reich sollte wie selbstverständlich derjenige Teil Österreichs gehören, der bereits dem Bund angehört hatte. Da Österreich aber nicht bereit war, in seinen nichtdeutschen Landesteilen eine getrennte Verwaltung und Verfassung einzurichten, wurde schließlich die so genannte kleindeutsche Lösung beschlossen, d. h. eine Einigung unter Preußens Führung. Demokratie und deutsche Einheit scheiterten aber im April 1849, als Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone ablehnte, die ihm die Nationalversammlung angetragen hatte. Die Revolution wurde in Südwestdeutschland mit Hilfe preußischer Truppen endgültig niedergeschlagen.

Nach Preußens gescheiterter Politik, mit der Erfurter Union (1849/1850) einen konservativeren aber konstitutionellen Nationalstaat zu gründen, erzwang Österreich in der Olmützer Punktation die Wiederherstellung der vorrevolutionären Verhältnisse im Deutschen Bund. Während der folgenden Reaktionsära arbeitete Preußen eng mit Österreich zusammen, um die liberale und nationale Bewegung und vor allem die Demokraten zu bekämpfen.

Als Konstitutionelle Monarchie bis zur Reichsgründung (1849–1871)

Von der Reaktionsära bis zur Neuen Ära

Die Industrialisierung brachte eine Neustrukturierung der sozialen Schichten mit sich. In Preußen zeigte sich ein schnelles Wachstum der Bevölkerung. In der Struktur der Beschäftigten folgte ein noch schnelleres Anwachsen des Fabrikproletariats, ausgelöst durch die Landflucht. Das städtische Proletariat lebte in der Regel am Existenzminimum. Es entstand eine neue soziale Schicht, die, getrieben durch ihre missliche Lage, sich fortan politisch in den Vordergrund drückte. Der Eisenbahnbau kurbelte den Bergbau und das Hüttenwesen im Ruhrgebiet an.[75]

Das Wertsystem des vormärzlichen Liberalismus verlor nach der gescheiterten Revolution von 1848 an Bedeutung. Zwar war dem Bürgertum die politische Mitsprache verwehrt geblieben, doch blieb ihm weiterhin das Betätigungsfeld in der Wirtschaft. Durch die Akkumulation von Kapital und Produktionsmitteln gelangten so die Fähigsten unter ihnen in dem Adel vergleichbare gesellschaftliche Spitzenpositionen. Der Herausbildung wirtschaftlicher Klassen und Klassengegensätze folgte der Bruch der Einheit von Bildung und Besitz. Die bürgerlichen Gruppen, die bis dahin die Idee von Rechtsstaatlichkeit und Freiheit hochgehalten hatten, erlahmten in ihrem Kampf um eine gerechte liberale Ordnung. In der Besitzelite schwand das Interesse an umfassenden politischen Reformen, je mehr sich ihre wirtschaftliche und soziale Position festigte. Auch die bürgerliche Bildungselite war nach den Erfahrungen der 1848er Revolution in ihrem Glauben an die politischen Wirkungsmöglichkeiten schwankend geworden. Die Arbeiterklasse übernahm in Konkurrenz zu den bürgerlichen Institutionen einen Teil der progressiven Programmatik für ihre eigene sich neu formierende Arbeiterbewegung. Letztere war nicht bereit, als Hilfstruppe für einen von Bildung und Besitz beherrschten deutschen Nationalstaat zu kämpfen, die Oppositionsbewegung gegen das staatliche Regime war fortan geteilt. Nur die Idee von der deutschen Einheit hatte für das Bürgertum, allen Enttäuschungen zum Trotz, ihren Glanz behalten. Die politische Entwicklung in den 1850er und 1860er Jahren gab der bürgerlichen Nationalbewegung einen mächtigen Auftrieb.[76]

Wilhelm I., der schon 1858 die Regentschaft für seinen nach mehreren Schlaganfällen regierungsunfähigen Bruder Friedrich Wilhelm IV. übernommen hatte, übernahm 1861 den Königstitel und begründete eine Phase der „Neuen Ära“; damit schien die Zeit der politischen Reaktion vorüber.[77] Mit Kriegsminister Roon strebte er eine Heeresreform an, die längere Dienstzeiten und eine Aufrüstung der preußischen Armee vorsah. Die liberale Mehrheit des Preußischen Landtags, dem das Budgetrecht zustand, wollte die dafür nötigen Gelder jedoch nicht bewilligen. Es kam zu einem Verfassungskonflikt, in dessen Verlauf der König die Abdankung in Erwägung zog. Als letzten Ausweg entschloss er sich 1862, Otto von Bismarck als Ministerpräsidenten zu berufen. Dieser war ein vehementer Befürworter des königlichen Alleinherrschaftsanspruchs und regierte jahrelang gegen Verfassung und Parlament und ohne gesetzlichen Haushalt. Das liberale Parlament und auch Bismarck machten sich gegenseitig mehrere Vorschläge des Ausgleichs, lehnten diese aber beide immer wieder ab. So kam es, dass Bismarck 1866, nach dem gewonnenen Krieg gegen Österreich, als Schadloserklärung das Indemnitätsgesetz vorlegte, in der die unbewilligten Budgets nachträglich bewilligt wurden.

Aus der Erkenntnis heraus, dass die preußische Krone nur dann Rückhalt im Volk gewinnen könne, wenn sie sich an die Spitze der deutschen Einigungsbewegung setzte, führte Bismarck Preußen in drei Kriege, die König Wilhelm die deutsche Kaiserkrone einbrachten.

Erster Einigungskrieg: Deutsch-Dänischer Krieg

Der König von Dänemark war in Personalunion Herzog der Herzogtümer Schleswig und Holstein, über die es im Vertrag von Ripen 1460 heißt, dass diese „op ewig ungedeelt“ („auf ewig ungeteilt“) bleiben sollten. Obschon es in Folge mehrmals zu Landesteilungen innerhalb der Herzogtümer kam, beriefen sich die deutschen Nationalliberalen im 19. Jahrhundert auf ebendiese Aussage des Ripener Vertrages, um ihre Forderung nach einer Anbindung Schleswigs an Holstein und den Deutschen Bund zu rechtfertigen. Staatsrechtlich gehörte nur das Herzogtum Holstein als früheres römisch-deutsches Lehen zum Deutschen Bund, während Schleswig ein dänisches Lehen war (siehe auch: Dänischer Gesamtstaat). Der Beschluss der Kopenhagener Regierung nach der Ablehnung der vorherigen Gesamtstaatsverfassung durch den Dt. Bund mit der Novemberverfassung eine Verfassung allein für Schleswig und Dänemark zu verabschieden, führte im Dezember 1863 zunächst zu einer Bundesexekution gegen das bundesangehörige Holstein und ab Februar 1864 schließlich unter Protest des Deutschen Bundes[78] zum Deutsch-Dänischen Krieg und der Besetzung Schleswigs und weiter Teile Norderjütlands durch Preußen und Österreich. Nach dem preußisch-österreichischen Sieg musste die dänische Krone im Frieden von Wien auf die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg verzichten. Die Herzogtümer wurden zunächst gemeinsam in einem preußisch-österreichischen Kondominium verwaltet. Nach der Gasteiner Konvention von 1865 fiel Schleswig unter preußische, Holstein zunächst unter österreichische Verwaltung, während Österreich seine Rechte am Herzogtum Lauenburg an die preußische Krone verkaufte. 1866 wurden Schleswig, das zuvor annektierte Holstein und Lauenburg zu der neuen preußischen Provinz Schleswig-Holstein vereinigt.

Zweiter Einigungskrieg: Krieg gegen Österreich

Bald nach Ende des Kriegs mit Dänemark brach zwischen Österreich und Preußen Streit um die Verwaltung und die Zukunft Schleswig-Holsteins aus. Dessen tiefere Ursache war jedoch das Ringen um die Vorherrschaft im Deutschen Bund. Es gelang Bismarck, den aus Gründen der Loyalität gegenüber Österreich lange zögernden König Wilhelm zu einer kriegerischen Lösung zu überreden. Preußen hatte zuvor bereits ein geheimes Militärbündnis mit dem Königreich Sardinien-Piemont abgeschlossen, das u. a. Gebietsabtretungen Österreichs vorsah. Österreich wiederum hatte Frankreich in einem Geheimvertrag die Errichtung eines „Rheinstaates“ auf Kosten Preußens zugesichert. Dies waren klare Rechtsbrüche, da die Bundesakte von 1815 Mitgliedern des Deutschen Bundes untersagte, Bündnisse gegen andere Mitgliedsstaaten einzugehen.

Nach dem preußischen Einmarsch in das unter österreichischer Verwaltung stehende Holstein beschloss der Frankfurter Bundestag die Bundesexekution gegen Preußen. Preußen erklärte seinerseits den Deutschen Bund als erloschen und besetzte die Königreiche Sachsen und Hannover sowie Kurhessen. Auf der Seite Österreichs standen auch die übrigen deutschen Königreiche und weitere, vor allem südwest- und mitteldeutsche Staaten. Die Freie Stadt Frankfurt als Sitz des Bundestages neigte der österreichischen Seite zu, verhielt sich aber offiziell neutral. Auf Seiten Preußens trat neben einigen norddeutschen und thüringischen Kleinstaaten auch das Königreich Italien in den Krieg ein (→ Schlacht bei Custozza und Seeschlacht von Lissa).

Im Deutschen Krieg errang Preußens Armee unter General Helmuth von Moltke am 3. Juli 1866 in der Schlacht von Königgrätz den entscheidenden Sieg. Mit dem Prager Frieden vom 23. August 1866 wurde der Deutsche Bund, der faktisch schon durch den Krieg zerfallen war, auch formell aufgelöst und Österreich musste aus der deutschen Politik ausscheiden. Durch die Annexionen der gegnerischen Staaten Königreich Hannover, des Kurfürstentum Hessen, Herzogtum Nassau und der Freien Stadt Frankfurt konnte Preußen fast alle seine Territorien miteinander verbinden. Aus den gewonnenen Gebieten bildete es die Provinzen Hannover, Hessen-Nassau und Schleswig-Holstein.

 
Otto von Bismarck, seit 1862 preußischer Ministerpräsident, seit 1867 norddeutscher Bundeskanzler

Bereits fünf Tage vor dem Friedensschluss hatte Preußen zusammen mit den Ländern nördlich der Mainlinie den Norddeutschen Bund gegründet. Anfangs ein Militärbündnis, gaben ihm die Vertragsparteien 1867 eine Verfassung, die ihn zu einem von Preußen dominierten, aber dem Föderalismus in Deutschland gerecht gewordenen Bundesstaat machte. Dessen von Bismarck entworfene Verfassung nahm in wesentlichen Punkten die des Deutschen Kaiserreiches vorweg. Der König von Preußen war Inhaber des Bundespräsidiums und ernannte den preußischen Ministerpräsidenten Bismarck zum Bundeskanzler. Die süddeutschen Staaten blieben außerhalb des Norddeutschen Bundes, gingen aber „Schutz- und Trutzbündnisse“ mit Preußen ein.

Die durch den militärischen Erfolg gestiegene Popularität Bismarcks hatte diesen im Vorfeld der Gründung des Norddeutschen Bundes dazu bewogen, den preußischen Landtag nachträglich um Straffreiheit für die budgetlose Regierungszeit zu ersuchen. Die Annahme dieser Indemnitätsvorlage führte zur Spaltung des Liberalismus in einen obrigkeitshörigen (Nationalliberale Partei) und einen weiterhin oppositionellen Teil (Deutsche Fortschrittspartei als Rumpfpartei). Das 1867 durch Bismarcks zähe Verhandlungsführung und auf Druck der Wirtschaft eingerichtete Deutsche Zollparlament brachte die Einbeziehung süddeutscher Vertreter in eine preußisch bzw. norddeutsch dominierte Institution mit sich. Mehrheitsbeschlüsse ersetzten das im Deutschen Zollverein bisher bestehende Vetorecht der Einzelstaaten. Bayerische und württembergische Patrioten reagierten ebenso besorgt wie der französische Kaiser Napoléon III. Als dieser jedoch als Gegenleistung für Frankreichs Stillhaltepolitik gegenüber Preußen einen territorialen Ausgleich verlangte, schürte er damit ungewollt das Misstrauen der Öffentlichkeit in den süddeutschen Staaten. Dies wiederum stärkte deren Bindungen an Preußen.

Dritter Einigungskrieg: Deutsch-Französischer Krieg

 
Die Proklamation des Deutschen Kaiserreiches (18. Januar 1871), zweite Fassung des Gemäldes für das Berliner Zeughaus von Anton von Werner, 1882. Das Gründungsereignis des neuen Staats geriet entsprechend der großen Bedeutung seiner Geburtshelfer zu einem Ereignis in Uniform. Selbst zivile Politiker wie Bismarck zeigen sich in militärischer Tracht. Menetekel der preußischen Staatskultur war der stets latent vorhandene Militarismus

Mit vagen Versprechungen, Luxemburg eventuell Frankreich zu überlassen, hatte Bismarck Napoléon III. dazu gebracht, seine Politik gegenüber Österreich zu dulden. Nun sah sich Frankreich einem erstarkten Preußen gegenüber, das von den früheren territorialen Zusagen nichts mehr wissen wollte. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern verschlechterten sich zusehends. Schließlich spitzte Bismarck den Streit um die spanische Thronkandidatur des katholischen Hohenzollernprinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen in der Affäre der Emser Depesche bewusst so weit zu, dass die französische Regierung Preußen den Krieg erklärte. Dies stellte für die süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden und das südlich der Mainlinie noch unabhängige Hessen-Darmstadt den Bündnisfall dar.

Nach dem raschen deutschen Sieg im Deutsch-Französischen Krieg und der darauf folgenden nationalen Begeisterung in ganz Deutschland sahen sich nun auch die süddeutschen Fürsten gedrängt, dem Norddeutschen Bund beizutreten. Bismarck kaufte König Ludwig II. von Bayern mit Geldern aus dem so genannten Welfenfonds die Bereitschaft ab, König Wilhelm die deutsche Kaiserkrone anzutragen. Das Deutsche Reich wurde als kleindeutscher einheitlicher Nationalstaat gegründet, was schon als Einigungsmodell von der Nationalversammlung 1848/49 vorgesehen war. Im Spiegelsaal von Versailles wurde Wilhelm I. am 18. Januar 1871 – am 170. Jahrestag der Königskrönung Friedrichs I. – zum Deutschen Kaiser proklamiert.

Als Bundesstaat im Deutschen Kaiserreich (1871–1918)

 
Preußen im Deutschen Reich 1871 (dunkelblau)

Reichsverfassung

Mit der Reichsgründung hörten die deutschen Einzelstaaten auf, Völkerrechtssubjekte und souveräne Mitglieder des europäischen Staatensystems zu sein. Sie wurden innerhalb der internationalen Staatengesellschaft nun durch das Deutsche Reich vertreten. Noch 1848 war sich die preußische Elite sich selbst genug und standen der Nationalbewegung ablehnend gegenüber. Zur Zeit der Reichsgründung trat der preußische Partikularismus nicht mehr so deutlich hervor. Es blieben aber Befürchtungen seitens der Führungsschicht, dass Preußen gänzlich hinter das Reich zurücktreten würde.[79]

Von 1871 an ging Preußen ebenso sehr im deutschen Reich auf, wie das Deutsche Reich preußischen Charakter annahm.[80] Die Führungsrolle Preußens war verfassungsrechtlich in Artikel 11 verankert, der dem König von Preußen das Präsidium des Reiches mit dem Titel Deutscher Kaiser zuerkannte. Aus der Personalunion von König und Kaiser ergab sich faktisch auch die Personalunion der Ämter von preußischem Ministerpräsident und Reichskanzler, die allerdings in der Verfassung nicht vorgeschrieben war. Der Ministerpräsident und Kanzler musste aber nicht unbedingt Preuße sein, wie die Ernennung von Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst zeigt. Insgesamt gab es drei solche kurze Unterbrechungen, die sich alle nicht bewährten. Der Reichskanzler brauchte für die Reichspolitik den Machtrückhalt, den ihm der Vorsitz im preußischen Staatsministerium gab.[81] Die Bezeichnung „Deutscher Kaiser“ und nicht „Kaiser von Deutschland“ bedeutete hierarchisch eine Geringerwertung des Kaisertitels. Dieser geschaffene Titel war in der Stellung zu den anderen Souveränen im Reich als Primus inter pares gedacht. Eine direkte Herrschaft des preußischen Königs als deutscher Kaiser über nicht-preußisches Gebiet war verfassungsrechtlich nicht möglich.[82]

Die preußische Hegemonie im Reich gründete auf seine reale Macht in Deutschland. Etwa 2/3 der Staatsfläche war preußisches Territorium. Etwa 60 Prozent der Bevölkerung waren preußische Staatsbürger. Preußen war mit seiner bewährten Armee die militärische Vormacht. Von 36 vorhandenen Divisionen des Reichsheeres 1871 waren 25 preußisch. Ebenso war Preußen die wirtschaftliche Vormacht Deutschlands. Es besaß in Deutschland die größte Industrie und die meisten Lagerstätten nutzbarer Mineralien. Auch die Braunkohle- und Steinkohlevorkommen befanden sich fast ausschließlich auf preußischem Gebiet. Die großen fruchtbaren Agrargebiete lagen ebenso auf preußischen Territorium.[83]

Die Ausarbeitung von Reichsgesetzentwürfen und die Erfüllung anderer Reichsaufgaben durch preußische Minister und Behörden bedeutete, dass das Reich anfangs von Preußen regiert und verwaltet wurde. Verstärkt wurde diese Übermacht noch durch den Umstand, das das Reich in den ersten Jahren nur über wenige eigene Behörden verfügte und für die Führung der Amtsgeschäfte auf die preußischen Behörden zurückgreifen musste. Um die verfassungsmäßigen Aufgaben des Reichs zu gewährleisten, gab Preußen in den 1870er Jahren mehrere Ministerien und weitere zentrale Behörden an das Reich ab. Dazu gehörte das Auswärtige Amt, die Zentralnotenbank Preußens, das Generalpostamt, das Marineministerium.[84]

Durch diese gestaffelte Institutionenübergabe von Preußen an das Reich wandelte sich das Bild der preußischen Dominanz mit der Zeit. Dies wurde auch durch die Clausula antiborussica strukturell gefördert. Einerseits erhielt Preußen nur 17 von 58 Stimmen im Bundesrat, dem zentralen föderalen Staatsorgan des Reiches. Damit konnte es von den anderen deutschen Staaten bei Beschlüssen überstimmt werden, auch wenn dies nur selten vorkam. Dafür hatte Preußen ein Vetorecht gegen Änderungen der Militärverfassung, der Zollgesetze und der Reichsverfassung (Art. 5, 35, 37 und 78 der Reichsverfassung).[85]

Insgesamt emanzipierten sich die Reichsbehörden mit der Zeit von Preußen und das frühere Verhältnis zwischen Preußen und Reich kehrte sich um. Die Staatssekretäre der Reichsämter drängten nun in die preußischen Spitzenämter. Damit traten die Interessen der Reichspolitik über die Interessen Preußens.[86]

Außenpolitik, Innenpolitik

Die Außenpolitik des neuen Reichs wurde in Berlin betrieben, von größtenteils preußischem Personal unter Leitung von Preußens Außenminister Bismarck, der zugleich Reichskanzler war. Die außenpolitischen Kontinuitäten der preußischen Außenpolitik blieben auch nach der Staatsgründung erhalten. Das deutsche Kaiserreich, das vom Wesen her ein vergrößertes Preußen darstellte, war weiterhin geopolitisch zwischen Russland und Frankreich eingezwängt und konnte durch eine Koalition der beiden Großmächte in eine existenzielle Gefährdungslage geraten. Durch die Fortführung der traditionellen Ost-Allianz mit Russland sollte der Status quo gesichert werden. Das Deutsche Reich konnte wie schon zuvor Preußen auch zwischen den Mächten lavieren um eine breite Anti-deutsche Koalition der europäischen Großmächte zu verhindern.[87]

Zwischen 1871 und 1887 führte Bismarck in Preußen den sogenannten Kulturkampf, der den Einfluss des politischen Katholizismus zurückdrängen sollte. Widerstände der katholischen Bevölkerungsteile und des Klerus, insbesondere im Rheinland und in den ehemals polnischen Gebieten, zwangen Bismarck aber dazu, die Auseinandersetzung ergebnislos zu beenden.[88] In den mehrheitlich von Polen bewohnten Landesteilen ging der Kulturkampf mit dem Versuch einer Germanisierungspolitik einher. Die preußische Ansiedlungskommission etwa versuchte mit beschränktem Erfolg polnisches Land für deutsche Neusiedler zu erwerben. Nach Bismarcks Entlassung wurde die Germanisierungspolitik vom Deutschen Ostmarkenverein fortgeführt, der 1894 in Posen gegründet wurde.

Auf Wilhelm I. folgte im März 1888 der bereits schwer kranke Friedrich III., der nach einer Regierungszeit von nur 99 Tagen verstarb. Im Juni des „Drei-Kaiser-Jahres“ bestieg Wilhelm II. den Thron. Er entließ 1890 Bismarck und versuchte fortan, in spätbyzantinischer Manier, in der obersten Politik des Landes mitzubestimmen. Der Hofstaat und das Hofzeremoniell quoll noch mal in aller Pracht auf. Der Kaiser bemühte sich, seine Stellung und Funktion als bedeutender Amtsträger zu erhalten oder zumindest in der Repräsentation den Eindruck zu erwecken, als wäre er, der König weiterhin die wichtigste Figur in der Politik.

Hochindustrialisierung

 
Der erste U-Bahnzug Berlins 1902
 
Die KWI für Chemie sowie physikalische Chemie und Elektrochemie 1912

Die Zeit der Hochindustrialisierung brachte für Preußen einen umfassenden Modernisierungsschub, auf dessen Höhepunkt um 1910 der Bundesstaat Preußen und das Deutsche Kaiserreich zur Gruppe der politischen, wirtschaftlichen und technologisch führenden Staaten der Erde gehörte. Die Städte wuchsen sprunghaft an und Berlin entwickelte sich zu einer der größten Metropolen der Welt. Auch das Ruhrgebiet und das Rheinland erfuhren ein beispielloses Wachstum. Binnen weniger Jahre wurden dort aus unbedeutenden Provinzstädtchen pulsierende Großstädte hochgezogen. Insbesondere die Landflucht aber auch die Bewohner aus den östlichen Gebieten Preußens trugen zu diesem Bevölkerungswachstum am Rhein und Ruhr bei. Die Demographie trug Züge einer Bevölkerungsexplosion. Großfamilien waren die Norm. Damit verbunden waren Seuchenausbrüche wie die Cholera aber auch Pauperismus weit verbreitet. Der Gründerboom brachte einen wirtschaftlichen Entwicklungsschub.

Innovation, Fortschrittsgeist und Spitzenleistungen fanden in Preußen gehäuft in den Dekaden um 1900 statt. Die Verwissenschaftlichung der Wirtschaft erfolgte vor allem in der Elektroindustrie, der Chemieindustrie, bei Maschinen- und Schiffbau und auch in der Großlandwirtschaft. Diese Entwicklung setzte in Preußen früher und stärker ein als in den anderen deutschen Staaten. In Verbindung mit wirtschaftlichen Interessen kam es zu zahlreichen Gründungen von regional oder lokal begrenzten wissenschaftsfördernden Gesellschaften, Akademien, Stiftungen und Vereinen. Dadurch wurden Berlin, das Ruhrgebiet, Oberschlesien und das Rheinland zu global bedeutenden Innovationscluster. Als zentrale Netzwerkträgergesellschaft bildete sich die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften aus.[89]

Imperialismus und Deutschnationalismus

Max Koner: Kaiser Wilhelm II. (1890). Ein französischer General kommentierte diese Pose mit den Worten: „Das ist kein Porträt, sondern eine Kriegserklärung!“[90]
Vielfaches abgekupfertes Verhalten unter den Untertanen seiner Majestät: männliche Untertanen als „kleine Kaiser“, hier: Diederich Heßling bedient alle Klischees des männlichen Kleinbürgers (Spießbürger) dieser Zeit. Heßling ist obrigkeitshörig, feige und ohne Zivilcourage. Er ist ein Mitläufer und Konformist.


Der herrschende Imperialismus führte zu einer Übersteigerung der Selbstwahrnehmung, die größenwahnhafte Züge entwickelte und alle Bevölkerungsschichten erfasste. Kriegstreiberei, Deutschtümelei und maskulines Aggressionsgebaren («Wir Deutsche fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt») gewannen im Vorfeld des Ersten Weltkriegs den Charakter einer verbreiteten kulturell akzeptierten Massenerscheinung. Das preußisch-patriarchische Gesellschaftsmodell und das herrische Auftreten der Staatseliten ahmten nun auch die hierarchisch unten stehenden Männer in ihrem direkten Umfeld auf der Arbeit, in ihren Familien, auf der Straße, in den Vereinen nach. Die preußische Männlichkeitskultur (z. B. Burschenschafter, Wehrdienstleistende) dieser Zeit führte dazu, dass die überwiegende Mehrheit der Männer sich eine unnatürliche Härte aber auch heteronormative Zwangsvorstellungen abtrotzte, um so nach außen dem gesellschaftlich geforderten Typus eines „(echten) Deutschen Mannes“ zu entsprechen. Dies wiederum prägte ein strukturelles gesellschaftliches Gewaltpotential und förderte die militaristische Haltung der meisten Männer dieser Zeit. Die Fehlausprägung in der Erziehungs- und Sozialisierungskultur zeigte sich musterhaft bei Wilhelm II., der seine körperliche Behinderung unbedingt verhindern wollte. Durch Unterdrückung der individuellen Persönlichkeit und dadurch hervorgerufene Gefühlsabspaltungen verbreitete sich in Preußen ein Menschentyp mit autoritärer Persönlichkeit, der diese selbst einschränkenden Sozialformen dann auch an die nächste Generation übertrug und damit als „psychologische Basis“ die Verfehlungen der deutschen Geschichte zwischen 1933 bis 1945 mit verursachte.[91]

Beantwortung der Sozialen Frage

An der Ostsee.- Heringsdorf, Badeleben, 1909
Potsdam, Frühjahrsparade vor Stadtschloss, 1910


Parallel dazu war aber auch von 1850 bis 1914 der Lebensstandard der gesamten Gesellschaft deutlich angestiegen. Es bildete sich eine breitere bürgerliche Mittelschicht aus und der Leistungsspitzen der Bürgerklasse schafften den Aufstieg in die High Society. Damit gab es genügend Integrationsanreize und -angebote durch die (Staats-)eliten für die Vertreter der bürgerlichen Klasse, so dass sich diese mit den herrschenden politischen Verhältnissen abfanden und arrangierten. Der Charakter der Staatseliten wandelte sich von Feudalaristokratisch zu Plutokratisch. Damit einher ging auch eine Wandlung der Selbstdarstellung der neuen Eliten. Der faktische Elitenumbau in Preußen seit 1850 bewirkte eine Zunahme der Steuerungskompetenzen der Elitenschicht, die nun sowohl staatliche Amtsträger aber auch die besitzenden Kräfte aus der Wirtschaft umfasste. Es kamen in einem zunehmenden Maße auch weichere Herrschaftsmethoden (Soft Power) zum Einsatz, die den Charakter des bis dahin eher autoritären, väterlichen Staates mit veränderten. Dieser gewann damit eine Fürsorgliche, quasi mütterliche Komponente dazu, die das autoritäre Muster des staatlichen Überbaus ergänzte ohne es zu verdrängen. Der Staat behandelte zu dieser Zeit demnach seine Bürger eher wie bei einem Eltern-Kind Verhältnis. Die Staatsbürger wurden durch den Staat noch nicht als mündige und selbständige Personen betrachtet.

Gesellschaftliche Neuerungen fanden nach 1848 folglich nicht mehr im Bereich politische Teilhabe und demokratische Mitbestimmung statt, sondern vorwiegend im Sozial(fürsorge)bereich. Die Beantwortung der durch die Kämpfe der Arbeiterklasse aufgeworfenen Sozialen Frage durch den Staat, führte zu neuen staatlichen Fürsorgeverpflichtungen, die sich einer beginnenden Sozialgesetzgebung äußerte. Es war der Versuch, nachdem die Bürgerliche Klasse nach 1848 in die staatlichen Institutionen stärker Berücksichtigung fanden und damit „Agenten des monarchischen Systems“ wurden, auch die Arbeiter an das herrschaftliche System zu binden und deren Radikalität und Revolutionsgedanken zu neutralisieren. Es entstanden Sozialversicherungen und ein breiteres Netz an Sozialeinrichtungen. Damit sollten die Missstände wie Kinderarbeit, Lohndumping, slumähnliche Wohnverhältnisse bekämpft werden, die im Zuge der Hochindustrialisierung etwa 30 bis 35 Prozent der Bevölkerung erfasst hatten.[92]

Der Verdienst der Arbeiterklasse war es, den Schwerpunkt der gesellschaftlichen Entwicklung verschoben zu haben. Zuvor drehte diese sich unter der bürgerlichen Reformern um eine elitenähnliche Debatte um eine hypothetische Mitbestimmung auf theoretischen und abstrakten Niveau, von denen die Masse des Volkes kaum spürbar profitierte. Nun ging es im gesellschaftlichen Diskurs um ganz konkrete und praktische Fragestellungen, die sich um die Befriedigung von individuellen Grundbedürfnissen drehte (genügend zu Essen, Arbeitsrechte, eingeschränkte Arbeitszeiten, Absicherung bei Notlagen, Bildung, medizinische Versorgung, Sicherheit, Hygiene, Wohnraum).[93]

 
Großstadtleben in Berlin 1912, auf der Höhe der Zeit

Die gesellschaftliche Ausgangslage, auf deren Basis sich die Gesellschaftsentwicklung vollzog, war um 1850 noch gering. So war die Masse der Menschen im 18. Jahrhundert im sozialen Leben noch stärkeren Zwangslagen ausgesetzt und rechtlich mit einem noch geringeren Schutz versehen (Menschen auf der Stufe von Gegenständen ohne Grundrechte). Insofern trugen alle Probleme aber auch Verbesserungen bereits Zeichen einer fortgeschritteneren Zivilisation mit höheren Kulturstandards als zuvor.

Um 1900 gab es zeitgleich ein heterogenes Vereinsbezogenes gesellschaftliches Leben in Sport, Kultur, Freizeit. Tourismus wurde zunehmend bedeutender. Der Meinungspluralismus trat immer deutlicher hervor.

Im Ergebnis ist die gesamtgesellschaftliche Entwicklung positiv, auch wenn aufgrund des geringen Ausgangsentwicklungsniveaus zur Kaiserzeit die Probleme und Konfliktfelder in der Gesellschaft groß blieben. Exakte Messdaten zur Verhältnisbestimmung fehlen (bis auf die politischen Wahlergebnisse), jedoch ist die Annahme plausibel, von einem annähernd ausgeglichenen Verhältnis zwischen liberal-progressiven-demokratischen und sozial-progressiven, teilweise politisch radikalisierten Kräften auf der einen Seite und den rückwärtsgewandten, aggressiv gebärdenden national-reaktionären Kräften auf der anderen Seite in der Gesellschaft Preußens vor dem Ersten Weltkrieg auszugehen. Beide Seiten hielten sich in etwa die Waage.

Durch die deutsche militaristische Bedrohungskultur, die sich in einer überbordenden Aufrüstung äußerte, isolierte sich das Kaiserreich international zunehmend. Der Funke für den Ausbruch des Großen Kriegs 1914 beendete das vorangegangene Zeitalter, in dem das Königreich mit unterging.

Ende der Monarchie in Preußen

 
Allgemeine Stimmungslage in Preußen vor dem Sterben
Jeder Schuß – ein Russ’! Jeder Stoß – ein Franzos’! (Ergänzung: Jeder Tritt ein Brit!) Nun woll’n wir sie mal dreschen!

Das Königreich Preußen war ein ökonomisches, militärisches, kulturelles und wissenschaftliches Schwergewicht in der Welt. Einerseits global führend in diversen Bereichen, blieb das politisches System Preußens, ungeachtet der erstrittenen Fortschritte im 19. Jahrhundert, im Vergleich zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung, die ja nicht stillstand, sondern stetig an Fahrt aufnahm, strukturell zu rückständig und nicht anpassungsfähig genug.

Neue Sozialformen mit Massenanhang (Gewerkschaften, Parteien) hatten sich seit der Hochindustrialisierung gebildet und forderten auf breiter Linie Partizipation. Den alten Eliten Preußens, die als eine Kombination von junkeradelig dominiertem Militär und der Beamtenschaft als Agenten der inneren Staatsbildung bestanden, gelang es in den letzten Dekaden der Monarchie nicht mehr, die mobilisierte Gesellschaft integrativ zu steuern und zusammen zu halten. Staat und Gesellschaft gerieten bis 1918 in ungelöste Gegensätze, die preußischen Leitmaximen die sich in einem immateriellen Gesellschaftsvertrag der damaligen bürgerlichen, monarchischen und adeligen Eliten manifestierten und die den Aufstieg Preußens im 17. und 18. Jahrhundert beförderten, wirkten unter den grundlegend gewandelten Bedingungen des späten 19. und frühen 20. Jahrhundert nicht mehr.

Die staatlichen Kräfte, unfähig außenstehende Gesellschaftsteile in das politisch-administrative System zu integrieren, vertieften die politisch-strukturelle Rückständigkeit insoweit,[94] dass sich aufgrund eines gesellschaftspolitischen Reformstaus bedeutende sozialpolitische Kräfte in Preußen wie in anderen ebenso politisch-rückständigen Staaten Mittel- Ost- und Südeuropas außerhalb der staatlichen Macht kumulierten und in der Krisensituation des Ersten Weltkriegs dann explosionsartig entluden («Das alte Morsche ist zusammengebrochen; der Militarismus ist erledigt»).

Am 9. November 1918, als Folge der Novemberrevolution, kam es in Berlin zur Ausrufung der Republik. Wilhelm II. dankte als König von Preußen und als Deutscher Kaiser ab. Der preußische Staat wurde mit einer republikanischen Verfassung als Freistaat Preußen ein Land des Deutschen Reiches. Die preußische Königskrone wird heute auf der Burg Hohenzollern bei Hechingen verwahrt.

Wirtschaft

Nationaleinkommen

Nach zeitgenössischen Schätzungen lag das Nationaleinkommen Preußens 1804 bei 248 Millionen RT. Davon wurden 41 Millionen RT. im manufakturgeprägten Gewerbesektor (unter Ausschluss des Handwerks) erwirtschaftet und weitere 43 Millionen RT in der zunftgeprägten Bierbrauerei und Branntweinbrennerei.[95]

Das Nationaleinkommen Preußens wuchs zwischen 1871 bis 1914 viermal stärker als die Bevölkerung dieser Zeit, wodurch sich das durchschnittliche Nettosozialeinkommen pro Kopf deutlich erhöhte. 1913 wiesen im Reich lediglich Hamburg und Sachsen noch höhere pro Kopf Einkommenswerte auf als Preußen.[96]

Wirtschaftssektoren

Landwirtschaft

Preußens Wirtschaftsstruktur wies um 1800 typische Charakteristiken eines Agrarstaats auf. Es dominierte der Anbau von Getreide, besonders Weizen, Roggen, Gerste und Hafer. Ebenso wurden um 1800 Hülsenfrüchte, Flachs, Färberkrapp und Tabak angebaut. Auch eine intensive Holzwirtschaft wurde betrieben. Daneben betrieb die Landbevölkerung ausgedehnte Viehwirtschaft. 10,2 Millionen Schafe der Schafzucht generierte im Jahr 1.000 Tonnen Wolle, die zur Textilherstellung weiterverarbeitet wurde.[97] Der Gesamtbestand von 5,06 Millionen Rindtieren, 2,48 Millionen Schweinen nebst Kleinvieh diente unter anderem der Fleischproduktion. 1,6 Millionen Pferde wurden für die Wirtschaft und die Armee gehalten. Es gab insgesamt drei königliche Gestüte in Trakehnen, Neustadt an der Dosse und Triesdorf.

Die 1769 gegründete Emder Heringsfischerei-Gesellschaft betrieb Loggerfischerei und setzte um 1800 über 50 Büsen nebst zwei Jagdschiffen ein.

Produktion von Getreidesorten 1804[98]
Sorte Ernte in t Eigenverbrauch in t
Weizen 400.000 280.000
Roggen 2.000.000 1.900.000
Gerste 1.100.000 1.020.000
Hafer 1.300.000 1.200.000

Die Getreideüberschüsse wurden zumeist nach Westeuropa exportiert. Zusammengenommen produzierte Preußen um 1800 eine Gesamtmenge von rund 4,8 Millionen Tonnen Getreide. Das rund neunmal bevölkerungsreichere Deutschland produzierte 2016 45,3 Millionen Tonnen an Getreide auf einer ähnlich großen Staatsfläche.[99]

Die Umstände der Durchsetzung des Kartoffelanbaus in Preußen wurden zu einer historischen Legende stilisiert und halten im kollektiven Erinnerungsgedächtnis der heutigen Bewohner an.

An natürlichen Ressourcen verfügte Preußen über Salz, das 1800 in 14 Salzbergwerken gefördert wurde. Daneben wurde Alaun gefördert. Steinkohle wurde um 1800 hauptsächlich in Westfalen (50 Prozent der Gesamterzeugung) in 135 Zechen und in Schlesien (33 Prozent der Gesamterzeugung) gewonnen.[100]

An Baumaterialien wurden Ummendorfer Sandstein, Bebertaler Sandstein, Rüdersdorfer Kalkstein, Prieborner Marmor, Groß-Kunzendorfer Marmor und weitere gefördert.

Tertiärer Sektor: Handel, Banken und Dienstleistungen

In den ersten Jahrzehnten des Königreichs stand der preußische Handel auf einem niedrigen Entwicklungsniveau. Einen überregional bedeutenden Großhandel gab es nur in den wenigen Kapitalen des Königreichs, vornehmlich Berlin, Königsberg und Magdeburg. Der Landtransit zwischen Westen und Osten war bedeutender als der Austausch über Seehäfen. Eine eigene Seeschifffahrt von übergeordneter Bedeutung existierte noch nicht. Die staatliche Handelspolitik begann eine Schutzzoll- und Privilegienpolitik (Monopolrechte) zur Förderung des einheimischen Gewerbes.[101]

 
Die „König von Preußen“, das erste Schiff der Königlich Preußisch-Asiatischen Compagnie von Emden

Die Geldwirtschaft entwickelte sich erst langsam. Weite Teile des ländlichen Königreichs waren im 18. Jahrhundert noch nicht an die wenigen geldwirtschaftlichen großstädtischen Zentren angeschlossen, sondern betrieben weiterhin ihre eigene extensive naturalwirtschaftliche Ackerbau-, Weide- und Waldwirtschaften.[102]

Bereits in den 1670er und 1680er Jahren hatte Brandenburg-Preußen mit der Brandenburgisch-Afrikanischen Kompanie versucht am Dreieckshandel mit Sklaven im Atlantik teilzunehmen, war aber auf Dauer dem europäischen Konkurrenzdruck nicht gewachsen. Friedrich II. versuchte in den 1740ern Handelsverträge mit Spanien und Frankreich zur Förderung des schlesischen Leinenexports zu schließen, hatte damit aber keinen Erfolg. In dieser Situation ließ er die Asiatische Kompanie in Emden gründen, die den Handel mit China aufnahm. Vier nach Kanton entsendete Schiffe kehrten mit Ladungen an Seide, Tee und Porzellan zurück. Der 1755 ausbrechende Seekrieg beendete aber nach wenigen Jahren die Aktivitäten der Überhandelsgesellschaft aus Mangel am Schutz durch eine eigene Seekriegsflotte, die sich die Landmacht Preußen nicht leisten konnte.[103]

Die Hofbankiers das Bank- und Handelshaus Splitgerber & Daum und die (Berliner) Juden beherrschten die Finanzgeschäfte Preußens im 18. Jahrhundert. Die jüdische Gemeinde zu Berlin bestand um 1750 aus 2200 Personen in 320 Familienhaushalten. 78 Prozent der meist reichen jüdischen Haushaltsvorstände Berlins waren im Handelsgeschäft aktiv. 119 Vorstände arbeiteten im Großhandel als Geldverleiher, Geldhändler, Wechsler, Münzlieferanten, Bankiers, 42 arbeiteten als Pfandleiher und 28 als Kommissionswaren-, Messe- und Weinhändler. Bedeutender Finanzier war Veitel Heine Ephraim und Daniel Itzig.[104] Staatliche Aktivitäten im öffentlichen Finanzwesen fanden zunächst überhaupt nicht statt.

Wirtschaftsgeschichte

Wirtschaftliche Expansion unter König Friedrich-Wilhelm I. (1713–1740)

In der Regierungszeit des Soldatenkönigs stand das „Plusmachen“, also das Streben nach dauerndem wirtschaftlichen Gewinn, im Mittelpunkt der Wirtschaftspolitik. In seiner Herrschaftszeit erreichte Preußen ökonomische Stabilität und Prosperität. Erst die Grundlage eines geordneten Staatshaushalts ermöglichte den Aufstieg zu einer der Wirtschaftsmächte Deutschlands im 18. Jahrhundert und ließ die militärische Expansion seines Sohnes, Friedrich II., in den darauffolgenden Jahrzehnten denkbar werden.

 
Königliches Verbot, im Ausland hergestellte Textilien zu tragen, Berlin 1719

Ein Motor der positiven Entwicklung der zentralisierten Wirtschaft war die preußische Armee, welche versorgt werden musste. 1713 gründete Friedrich Wilhelm I. in Berlin mit dem Königlichen Lagerhaus eine Tuchmanufaktur, die 1738 4.730 Menschen beschäftigte. 1717 wurde durch die Ansiedlung von Webern in Luckenwalde der Grundstein für die dortige Textilindustrie gesetzt. Mit einem Ausfuhrverbot für die heimische Wolle im Jahre 1718 sicherte der König die Weiterverarbeitung in seinen Landen.

In Spandau und Potsdam entstand ab 1722 eine Gewehrmanufaktur. Die benötigten Facharbeiter wurden vor allem in Lüttich, einem Zentrum der Waffenherstellung, angeworben. Für den Nachwuchs sorgte unter anderem das im selben Jahr gegründete Große Militärwaisenhaus in Potsdam.[105] Betreiber der Gewehrfabrik war das mit königlichen Privilegien ausgestattete Handelshaus Splitgerber & Daum, das weitere metallverarbeitende Manufakturen pachtete und zum größten Waffenproduzenten Preußens wurde. Abnehmer der Waffen war überwiegend die preußische Armee. Für den zivilen Bedarf produzierte das Handelshaus Kupferbleche (Dacheindeckung), Kupferkessel (Brauereien, Siedereien), Messingteile (Behälter, Beschläge, Scharniere) und Eisen- und Stahlerzeugnisse (Bohrer, Scheren, Messer).

Ab 1716 nahm die königliche Deichkommission für die Oder ihre Arbeit auf. Die Entwässerung von Havelländischem und Rhinluch (nordwestlich von Nauen) brachte guten Gewinn an relativ ertragreichem Boden. Glaubensflüchtlingen aus dem Franken- und Schwabenland wurden Siedlungsplätze in menschenarmen Gegenden in der Uckermark zugewiesen, um diese urbar zu machen.

Um die Gewerbetätigkeit zu kontrollieren, wurde 1733 seitens des Königs eine Handwerksordnung erlassen, die alle Zünfte der Staatsaufsicht unterstellte, ihre Rechte stutzte, die Verbindung zu Nachbarstaaten untersagte und das Wandern der Gesellen kontrollierte.

Der wirtschaftliche Aufschwung war anhaltend, denn die Förderung beschränkte sich nicht mehr in erster Linie auf die hofzentrierten Wirtschaftszweige – wie unter Friedrich I. –, sondern weit über den Radius der Residenzen hinaus, und konzentrierte sich im militärischen Bereich, der fast überall im altpreußischen Staat vorhanden war.

Kriegswirtschaft, Krisen und wirtschaftliche Genesung (1740–1806)

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter Friedrich II. erfuhr die Wirtschaft des Landes durch die mehrjährigen und auch kostspieligen Kriege (1740–1742, 1744–1745, 1756–1763) eine ziemliche Zerrüttung. Andererseits gelangten durch die Eroberung Schlesiens auch neue, wirtschaftlich bedeutsame Regionen (Textilgewerbe, Bodenschätze) in das preußische Herrschaftsgebiet.[106] Im Bereich der landeskulturellen Arbeiten wurden unter Friedrich II. große wirtschaftliche Fortschritte erreicht. Insbesondere gelang dies durch die Trockenlegung und Urbarmachung des Oderbruchs, des Netzebruchs und des Warthebruchs und die Kolonisation dieser Gebiete durch die Ansiedlung einer großen Zahl von Bauern und Handwerkern.[107]

Der König förderte auch den Ausbau von Wasserstraßen, Beispiele sind die Verbindung Berlins mit Stettin durch den Finowkanal, der Bromberger Kanal, die Regulierung der Netze und im Westen die Ruhrkanalisierung. Das Straßennetz allerdings wurde nicht gefördert und blieb somit in einem schlechten Zustand. Dies lag an den hohen Kosten, sodass der Bau von festen Straßen erst nach dem Tod Friedrich des Großen vorgenommen wurde. Durch eine intensiv betriebene Getreideversorgungspolitik und die systematische Anlegung von Getreidemagazinen gelang es dem preußischen Staat, die Getreidepreise auch in Notzeiten zu kontrollieren.

In der Gewerbepolitik förderte Friedrich der Große besonders die Seidenindustrie. Dazu wurden zahlreiche Fabrikanten, Facharbeiter und Spezialisten nach Preußen geholt und inländische Arbeiter und Hilfskräfte ausgebildet. Die dabei angewendeten Mittel waren: Geschenke, Vorschüsse, Privilegien, Stuhlprämien, Exportprämien, Lehrlingsgelder, Abgabenfreiheit für Rohmaterialien, Hochimposten, Einfuhrverbot ausländischer Produkte. Durch diese intensive Wirtschaftspolitik gelang es, die Seidenindustrie so hoch zu bringen, dass sie den eigenen Landesbedarf deckte und eine ansehnliche Ausfuhr erreichte. Daneben wurde vor allem die Baumwollindustrie gefördert, die noch unter König Friedrich Wilhelm (1713–1740) verboten war, um die eigene Wollweberei nicht zu gefährden. 1742 entstand die erste Baumwollfabrik, 1763 gab es in Berlin bereits zehn Baumwollfabriken. Im Gegensatz zur Seidenindustrie kam dieser Wirtschaftszweig fast ohne staatliche Unterstützung aus. 1763 wurde die Berliner Porzellanmanufaktur KPM vom preußischen Staat gekauft. Der König ließ auch mehrere Fabrikanlagen, für die private Unternehmer das Wagnis nicht eingehen wollten, auf eigene Kosten errichten:

  • Uhrenfabrik zu Berlin und Friedrichsthal (1781 für 141.235 Taler)
  • Papierfabrik in Spechthausen (1781 für 56.000 Taler)
  • Berliner Lackierfabrik (56.000 Taler)
  • Garnfärberei in Caputh (1765 für 30.000 Taler)

Mit den im Land hergestellten Manufaktur- und Handwerkswaren konnte nahezu die gesamte inländische Nachfrage befriedigt und außerdem ein größerer Export erzielt werden, womit die notwendige Rohstoffeinfuhr fiskalisch mehr als ausgeglichen werden konnte. Die Handelsbilanz – 1740 noch mit einer halben Million Talern im Defizit, 1786 mit drei Mio. Talern im Überschuss – wurde unter Friedrich dem Großen erstmals positiv gestaltet.

In der Zeit nach dem Tod von Friedrich II., von 1786 bis 1806, gab es Auseinandersetzungen in Preußen zwischen den Befürwortern des herrschenden Merkantilsystems und den Verfechtern der neu aufkommenden liberalen Strömungen. Unter Friedrich Wilhelm II. begnügte man sich damit, einige der protektionistischen Schranken und Verbote abzubauen:

  • Beseitigung von Monopolen (Tabaksadministration, Kaffeebrenn-Monopol, Zuckersiederei-Monopol) und gleichzeitiges Verbot neuer Monopole
  • Aufhebung von Zöllen und Akzisen (Seide, Baumwolle, Garn, Häute)
  • Beseitigung der verhassten französischen Regie (eine mit französischen Beamten besetzte Behörde der Finanzverwaltung, die in der Bevölkerung sehr unbeliebt war)

Unter diesem gemilderten Protektionismus erlebte die preußische Wirtschaft einen, im Zuge einer guten äußeren Konjunktur, bedeutenden Aufschwung. Preußen hatte in den eineinhalb Jahrhunderten zwischen dem Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 und dem Beginn der Napoleonischen Kriege 1806 deutliche wirtschaftliche Fortschritte erreicht. Der modernste Staat des 17. und 18. Jahrhunderts gehörte um 1800 auch ökonomisch zu den am stärksten entwickelten Staaten Europas. Gleichwohl arbeitete um 1800 immer noch die Mehrheit der erwerbstätigen Menschen in Preußen in der Landwirtschaft.

Wirtschaftsreformen, Technisierung, industrielle Revolution (1807–1871)

 
Das Gemälde Eisenwalzwerk (Moderne Cyklopen) zeigt eine Fabrikhalle in Deutschland während der Hochindustrialisierung, um 1875

Die Katastrophe der napoleonischen Besetzung 1807 brachte Preußen auch wirtschaftlich an den Rand des Zusammenbruchs. Insofern waren die Reformgesetze der Zeit nach 1806, was ihre wirtschaftlichen Bereiche und Folgen betraf notwendig, um den Staat wirtschaftlich und finanziell am Leben zu erhalten und um einen späteren Befreiungskrieg möglich zu machen. Die preußische Wirtschaftsreform nach 1806 gehörte zu den erfolgreicheren Neuerungsmaßnahmen der preußischen Reformen zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Die nominelle Bauernbefreiung war die Voraussetzung für den wirtschaftlichen Aufschwungs der nächsten Jahrzehnte in Preußen. Gleiches galt für die Gewährung der vollständigen Gewerbefreiheit, da diese überhaupt erst die Mobilität großer Menschenmassen, die Bewegung der ländlichen Bewohner Preußens in die wachsenden Industriestädte des Landes möglich gemacht hatte. Die preußische Staatsverwaltung ihrerseits erreichte mit einigen wichtigen Maßnahmen, der zu diesem Zeitpunkt darniederliegenden Wirtschaft des Landes auf die Beine zu helfen. Preußen verwirklichte mit dem Handels- und Zollgesetz vom 26. Mai 1818 ein eigenes einheitliches Zollgebiet ohne Binnenzölle.[108]

Nachdem alle innerstaatlichen Handelsschranken in Preußen gefallen waren, wurde auf Initiative Preußens 1834 der Deutsche Zollverein gegründet. Preußen hatte – unter anderem wegen seines zersplitterten Staatsgebiets – ein Eigeninteresse daran, die Zollgrenzen im Deutschen Bund abzuschaffen. Diese Maßnahme beflügelte den innerdeutschen Handel und trug zum Wirtschaftswachstum der folgenden Dekaden maßgeblich bei.

Im Zuge der Industrialisierung wurde eine Anzahl von Land-, Wasserwegen und Kanälen gebaut, welche quer durch Deutschland den Westen mit dem Osten verbanden. Im Oberland West- und Ostpreußens entstand der Oberländische Kanal, der die Ostsee und Elbing im Norden mit Masuren im Süden verband. Mit der 1865 erfolgten Gründung der Königlich Preußischen Elbstrom-Bauverwaltung wurde die Elbe in sechs Kreise eingeteilt, die den Brücken- und Kanalbau, die Fähren, Mühlen, Hafenanlagen und Deiche zu überwachen hatten. Vormals unbedeutende Regionen (Ruhrgebiet, Saargebiet und Oberschlesisches Industriegebiet) entwickelten sich in der Zeit nach 1815, durch die Ausbeutung von Kohlevorkommen und den späteren Eisenbahnbau zu prosperierenden Zentren von Montanindustrie und Maschinenbau. Damit wuchs das wirtschaftliche Gewicht Preußens gegenüber Österreich im Deutschen Bund.

Im Eisenbahnbau hinkte Preußen lange Zeit international hinterher. Dies hatte auch für seine Wirtschaft Folgen. So kam es, dass amerikanisches Getreide, englische und belgische Kohle und Roheisen und andere Artikel preiswerter als die heimischen Erzeugnisse waren. Dies lag daran, dass es in England, Belgien und in den USA bereits effiziente Eisenbahnnetze für den Massengütertransport gab. Erste größere private Eisenbahnen wurden daher 1837 mit der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft (Köln – Aachen – belgische Grenze) und 1843 mit der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft vom Rheinland bis zu den schiffbaren Häfen in Minden (mit Zugang zu den bremischen Häfen) angelegt. Der Staat Preußen selbst wurde im Eisenbahnbau 1850 mit der Königlich-Westfälischen Eisenbahn-Gesellschaft und der Preußischen Ostbahn sowie 1875 mit der Berliner Nordbahn tätig. In der Folge wurden zunehmend private Eisenbahnen durch finanzielle Unterstützung, durch Aufkauf oder durch Enteignung (nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg 1866) der staatlichen Regie unterworfen.

Obwohl Preußen in wirtschaftlicher Hinsicht in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer Großmacht aufstieg, war der Hohenzollernstaat bis weit in das 19. Jahrhundert hinein agrarisch geprägt.

Produktionszahlen wichtiger Industriegüter und Entwicklung des Eisenbahnstreckennetzes in Preußen (1815–1913)[109]
Jahr Steinkohle Roheisen Stahl Eisenbahnnetz
1815 998.000 t
1825 1.292.000 t 40.837 t
1835 1.709.000 t 65.591 t
1845 3.564.000 t 85.100 t 845 km
1850 4.419.000 t 135.000 t 149.300 t 3.144 km
1855 8.670.000 t 301.400 t 317.400 t 4.353 km
1865 18.592.000 t 772.000 t 611.000 t 7.647 km
1875 33.520.000 t 1.393.000 t 1.346.000 t 13.703 km
1885 52.977.000 t 2.664.000 t 2.348.000 t 22.201 km
1895 72.751.000 t 3.778.000 t 4.346.000 t 26.700 km
1905 113.188.000 t 7.106.000 t 8.557.000 t 32.367 km
1913 180.057.000 t 12.260.000 t 11.860.000 t 36.032 km

Wirtschaft im Deutschen Kaiserreich (1871–1918)

Obwohl die politische Bedeutung Preußens im neugegründeten Deutschen Kaiserreich seit 1871 sank, stellte Preußen immer noch das wirtschaftlich mächtigste Land des Kaiserreiches dar. Das in Preußen gelegene Rheinland, Berlin sowie Schlesien, die Provinz Sachsen und die Rhein-Main-Region waren denn auch die wichtigsten Wirtschaftszentren des Reiches. Die Industrialisierung in Preußen nahm auch im Kaiserreich nach 1871 stetig zu. Dies zeigte der Anstieg des Erwerbstätigenanteils, die in der Industrie, Handwerk und Bergbau beschäftigt waren. So stieg dieser Erwerbstätigenanteil im Sekundärsektor und Bergbau zwischen 1871 und 1907 von 30,4 % auf 42,8 % an.

Allerdings verlief dieser Prozess regional unterschiedlich: In der Provinz Ostpreußen nahm der Anteil des Sekundärsektors und des Bergbaus von 1871 bis 1907 nur von 16,1 % auf 20,4 %, in der Rheinprovinz dagegen von 41,3 % auf 54,5 % zu. Allerdings lag der Industrialisierungsgrad Gesamt-Preußens lange Zeit noch unter dem Reichsdurchschnitt.

Im Jahre 1913 wurde in Preußen 62 % des Nettonationaleinkommens des Deutschen Reiches erwirtschaftet. Die Zahl entsprach genau dem Anteil der preußischen Bevölkerung an der gesamten Reichsbevölkerung.

Ab 1880 bis 1888 erfolgte die Verstaatlichung der meisten Privatbahnen. Am Ende des Ersten Weltkrieges bildeten die staatlichen preußischen Eisenbahnen ein 37.500 km großes Eisenbahnnetz. Die regelmäßigen Mehreinnahmen der Preußischen Staatseisenbahnen dienten auch dazu, den Staatshaushalt auszubalancieren.[110]

Gesellschaft

Die Gesellschaft als Gesamtheit aller Individuen und Gruppen auf dem Territorium des preußischen Staats bildete keine einheitliche in sich abgeschlossene oberste Leitkategorie aus, wie sie seit dem 19. Jahrhundert unter dem Begriff Nation zusammengefasst wurde. Es bildete sich weder eine homogene gesellschaftliche Einheit oder eine Kulturnation aus. Auf dem Gebiet Preußens bestanden dagegen stets unterschiedliche regionale, kulturelle und soziale Welten. Die Nationswerdung unter der Titulatur Preußen vollzog sich nach 1815 lediglich rudimentär und hauptsächlich auf die Altpreußischen Provinzen beschränkt, unter Ausschluss der Neupreußischen Gebiete am Rhein und in Westfalen.[111]

Repräsentative (feudale) und bürgerliche Öffentlichkeiten

Noch in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts bestanden in Preußen und anderen europäischen Staaten nahezu ausschließlich repräsentative Öffentlichkeiten. Deren systemimanente Merkmale trennten nicht ausreichend zwischen Privaten und Öffentlichen Charakter, sondern nur zwischen Gemeinen und Besonderen. Träger der repräsentativen Öffentlichkeit war das Hofzeremoniell, also der preußische Hofstaat, das höfische Leben im Allgemeinen. Dies bedeutete den Ausschluss des Volkes von der Öffentlichkeit. Alles nichhöfische war demnach Kulisse und in einer passiven zuschauenden Rolle eingezwängt, während das Höfische die Bühne repräsentierte, auf die sich die Untertanen auszurichten hatten.[112]

Nach dem in der Fachliteratur zu dem Thema häufig wiedergegebenen Urteil des angesehenen Sozialwissenschaftlers Jürgen Habermas zersetzten sich aber im weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts die feudalen Gewalten, Kirche, Fürstentum und Herrenstand, an denen die repräsentative Öffentlichkeit haftete, in eine öffentliche und private Sphäre, nachdem seit dem Ende des 17. Jahrhunderts der Nachrichtenverkehr in Mitteleuropa allgemein zugänglich wurde und damit einen öffentlichen Charakter gewann. Die Printmedien erhielten damit die Rolle von Türöffnern für die eingezwängte bürgerliche Schicht auf ihrem Weg zur eigenen Mündigkeit. Zu den bedeutenden Periodika der Aufklärung zählte die Berlinische Monatsschrift. Der publizistische Stil enthielt in der Mehrzahl der Beiträge einen diskursiven, dialogähnlichen Charakter.[113] Weitere namhafte Zeitungen waren die Schlesische Zeitung, Schlesische Provinzialblätter, Spenersche Zeitung, die Vossische Zeitung (seit 1785: Königlich Privilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen).

Aus der neu gewonnenen privaten Sphäre, die neben der staatlich-repräsentativen Öffentlichkeit entstanden war, entwickelte sich die Vorform der bürgerlichen Öffentlichkeit. Dies war zunächst die literarische Öffentlichkeit. Die Grundlagen hierfür bildete die im 18. Jahrhundert in Europa und den Amerikas wirkende Geistesströmung der Aufklärung. Diese förderte die Entstehung einer mündigen Schicht von Bewohnern, die sich nicht mehr nur als folgsame Untertanen mit dinglichen, automatenhaften Grundzügen verstanden, sondern als selbstbewusste Individuen mit angeborenen Naturrechten. Da die Leserschaft eine genuine Gruppe aus der sozialen Elite war, die sich selbstaufklärerisch fotbildete, entstand so eine neue soziale Kategorisierung, gemeinhin als das spätere Bildungsbürgertum charakterisiert.

Die damit einhergehende wachsende Selbständigkeit dieser „Staatsbürger“ förderte die Bildung von autonomen gesellschaftlichen Netzwerken, die nicht mehr durch monarchisch-staatliche Regelungen beeinflusst wurden. Die Netzwerke aus Vereinen und Gesellschaften funktionierten wie Foren als gedachte Volksversammlungen mit freiem Rederecht. Sie sollten der privaten Öffentlichkeit die Möglichkeit bieten, über sich selbst und die wichtigsten Fragen der Zeit nachzudenken. Dies förderte die Entstehung von Lesegesellschaften. Einige Zirkel und Kreise trafen sich informell. Auch Buchhandlungen waren wichtige Treffpunkte für die neugebildete Öffentlichkeit. Neben Lesegesellschaften, Logen und patriotisch-gemeinnützigen Gesellschaften gab es noch zahlreiche literarische und philosophische Vereinigungen und Gruppen von Gelehrten, die sich auf Naturwissenschaft, Medizin oder Sprachen spezialisierten. Zu den Praktikern dieser entstehenden Zivilgesellschaft gehörten in Preußen zur Mitte des 18. Jahrhunderts Schriftsteller, Dichter, Verleger, Club-, Gesellschafts- und Logenmitglieder, Leser und Abonnenten. Diese intellektuellen Gruppen beschäftigten sich mit den großen Fragen der Zeit, literarischen ebenso wie wissenschaftlichen und politischen. Bedeutende Persönlichkeiten der Zeit in Preußen waren beispielsweise Karl Wilhelm Ramler oder der Verleger Friedrich Nicolai.

Im Ergebnis entstand aus der einstmals sehr stillen und lethargisch wirkenden preußischen Gesellschaft des 17. Jahrhunderts eine laute, lebendige und vielfältige Öffentlichkeit mit offenen Diskursen.[114]

Die literarische Öffentlichkeit wandelte sich später weiter zu einer politischen Öffentlichkeit, die sich ausgehend von der obrigkeitlich reglementierten Öffentlichkeit als Kritik an der öffentlichen Gewalt insgesamt etablierte. Förderlich war die, in Europa einmalige, zunächst aufgehobene Zensur nach Herrschaftsantritt Friedrichs II. 1740. Kritik am politischen System und an den Monarchen war damit erstmals möglich geworden.

Dieser fundamentale Formierungsprozess wird auch als Berliner Aufklärung bezeichnet.

Grundsätzlich bestanden die feudalen und bürgerlichen Öffentlichkeiten bis zum Ende der Monarchie 1918 nebeneinander stehend fort, wenn auch ein stetiger Substanz- und Bedeutungsverlust der monarchischen, adeligen Öffentlichkeitskultur erkennbar war.

Preußische Agrarverfassung

Im 17. Jahrhundert hatten sich in den ostelbischen Gebieten des damaligen Brandenburg-Preußens die Gutsherrschaft durchgesetzt, die zu einer Entrechtung des Bauernstandes führte. Frondienste und Schollenbindung prägte die persönlich Unfreie Schicht der Landbevölkerung fortan. Der preußische Staat wiederum verfügte ab der Kreisebene abwärts nur über geringe Gestaltungskompetenzen. Wesentliche Befugnisse lagen in den Händen der adeligen Guts- und Grundbesitzer, den Junkern in den verschiedenen Provinzen, fernab der Regierungszentrale in Berlin. Die Schicht der Gutsbesitzer zerfiel wiederum in eine sehr kleine Anzahl von sehr wohlhabenden und Landvermögenden Adelsfamilien, die fast die gesamte Provinzpolitik kontrollieren konnten und einer größeren Zahl an minderbedeutenden Gutsbesitzern, die nur geringen Einfluss auf die Provinz-, Kreis-, und lokale Politik nehmen konnten.

Soziale Mobilität war, solange es die Erbuntertänigkeit gab, nicht vorhanden. Erst mit der Bauernbefreiung Anfang des 19. Jahrhunderts änderte sich dies. Es setzte durch die Freisetzung großer Landbevölkerungsteile eine regelrechte Landflucht in die großen Städte des Staates ein, wodurch eine der Grundvoraussetzungen der einsetzenden industriellen Revolution, viele und billige Arbeitskräfte, erfüllt wurden.

Auch wenn die Macht der adeligen Gutsbesitzer abnahm, bildete diese erzkonservative und reaktionäre (Eliten)Schicht bis zum Ende des Königreichs einen wesentlichen Grundpfeiler des preußischen Gesellschaftsvertrags.

Von der Ständegesellschaft zur Klassengesellschaft

 
Der späte Schlafbursche von Heinrich Zille
 
Heinrich Zille: Standesunterschiede auch beim Sitzen. (Comtor für Comte, frz. Graf)

In den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts erlebte die ständisch geprägte Gesellschaft tiefgreifende Veränderungen. Diese waren in den Städten stärker als auf dem Land. Die städtische Lebenswelt wurde vom Bürgertum geprägt. Diese soziale Klasse bestand traditionell aus dem zunftgeprägten Handwerkertum und einigen Patriziern, die gleichzeitig die städtische Oberschicht in den Stadträten stellten. Durch das Aufkommen der Aufklärung und dem Merkantilismus um 1700 erfuhr diese soziale Schicht eine Zergliederung und Differenzierung, in deren Folge die kleinbürgerlichen Handwerker an den Rand gedrückt wurden. Stattdessen formte eine kleine aber einflussreiche Schicht von Großbürgern, bestehend aus Manufakturbesitzern, Großkaufleuten und Geldwechselbankiers die bürgerliche Oberschicht. Sie existierte in den größten Städten des Königreichs und besaßen Geschäfts- und Wohnhäuser.[115] Bedeutende Vertreter der preußischen Oberschicht im 18. Jahrhundert wurden Johann Ernst Gotzkowsky, Wilhelm Kaspar Wegely, Johann Jacob Schickler, Friedrich Heinrich Berendes. Auch die Beamtenschaft des preußischen Staates bildete eine zunehmende prägnante städtische Gruppierung aus. Die im 18. Jahrhundert häufig noch einquartierte Militärbevölkerung bestehend aus dienenden Soldaten, Invaliden und Soldatenfrauen samt Kindern formten im 18. Jahrhundert eine rechtlich gesonderte Zwischenschicht zur Zivilgesellschaft.[116]

Auf dem Land existierte in den ostelbischen Gebieten eine ausgeprägte Junkergeprägte Gutsherrschaft fort. Die dortige Gesellschaftskultur wurde in der Geschichtsschreibung oft mit „ökonomische Rückständigkeit“, „Junkerwillkür“ und Untertanengeist plakatiert. Beispielsweise gehörte Prügel zu einem verbreiteten Disziplinierungsmittel der Gutsherren. Die einfache Landbevölkerung gab sich königstreu und glaubte an die Legende vom „gerechten König“. Der Staat selbst untersagte gröbere Bauernmisshandlungen stützte aber auch gleichzeitig die Gutsbesitzerschicht, da Frondienste und Schollenpflicht lange Zeit durch den Staat geduldet waren. Gegen Bauernrevolten, die es mehrfach in Schlesien von 1765 bis 1793, 1811 und 1848 gegeben hat, setzte der Staat Militär ein. Bauernbefreiung, Ablösung, Landflucht und die langsame Durchsetzung der Lohnarbeit führten zu einer langsamen Veränderung der ländlichen Verhältnisse.[117]

Im 19. Jahrhundert veränderten sich die Segregationskriterien der Gesellschaft von den bis dahin üblichen Geburtsständen zu Erwerbsklassen, definiert durch die Position in der sich nach Adam Smith geprägten formierenden Wirtschaftsordnung des Manchesterkapitalismus. Übriggeblieben ständische Überreste und staatliche Eingriffe prägten die Gesellschaftsentwicklung im 19. Jahrhundert mit. Aufgrund der hohen sozialen Ungleichheit in den gesellschaftlichen Strukturen mit starken Einkommensunterschieden, formte sich in den Städten eine prägnante ökonomische Unterschicht aus. Diese bestand aus Manufakturarbeitern, die erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts als eigene soziale Schicht eine selbstbewusste Ausformung erfuhr. Tagelöhner, Bettler formten erhebliche Anteile an der Zivilgesellschaft Preußens im 18. und 19. Jahrhundert. Die unteren (groß)städtischen Schichten lebten häufig als Schlafgänger an der Grenze zur Obdachlosigkeit.

Die Klassengesellschaft erodierte nur langsam durch Bildungsentwicklung und berufliche Ausdifferenzierung, Wohlstandszunahme und Interventionen des Staates.

Protestantische Ethik

Noch im 17. Jahrhundert war die Bevölkerung überwiegend sich selbst überlassen. Feste und höher entwickelte organisatorische Überbauten und Strukturen gab es kaum. Das soziale Handeln der damaligen Menschen und ihr Verhalten war stark impulsgetrieben, naturhaft und ursprünglich und wies eine sehr hohe interpersonale strukturelle Gewalt auf.

Die Entwicklung des Industriekapitalismus aber auch der Aufbau hierarchischer und komplexer Organisationen wie Behörden, Industriebetriebe und dergleichen erforderte ein staatlich betriebenes Sozialisationsprogramm, das einen Menschentypus formte, der sich in die übergeordneten starren und rationalen Prozesse und Strukturen einfügen konnte. Dazu bedurfte es Individuen, die Impulskontrolle, Selbstdisziplin und Selbstkontrolle (Belohnungsaufschub) beherrschten. Bezogen auf das Staatsleitbild im 18. und 19. Jahrhundert fungierten die bereits vorhandenen staatlichen Institutionen (wie z. B. die Armee) wie die «Gewaltbürokratie eines Gärtnerstaats», der die Bevölkerung entlang einer modernistischen Utopie umzugestalten trachtete. Der Selbstzwang kultivierte sich zunächst im Umfeld des Herrscherhofs als karriereförderndes Verhalten für die dienstwilligen Untertanen des Herrschers. Auch der Wehrdienst wirkte wie eine „Schule der Nation“. Die Armee entwickelte eine massentaugliche Norm disziplinierter, opferbereiter Männlichkeit. Die neue Selbstdisziplin diffundierte in alle Schichten und Regionen hinein. Sowohl Verwaltung und Industrie benötigten für ihre Zwecke diesen ordnungswilligen und funktional orientierten Menschentyp. Der „hortende Charakter“ wurde nach Erich Fromm zu einem massenhaft verbreiteten Sozialcharakter und autoritären Sozialisationstypus. Dieser wiederum stellte den Sinn des „Habens“ über den Sinn des „Seins“. Dazu gehörten preußische Tugenden wie Pünktlichkeit, Rechenhaftigkeit, Sparen, Triebkontrolle. Diese zählen zu den analen Tugenden nach Sigmund Freud.[118]

Um 1900 hatte diese Sozialform eine uneingeschränkte Deutungshoheit in den gesellschaftlichen Diskursen gewonnen. Dies äußerte sich in vielerlei Formen der Diskriminierung und Abwertung von Andersartigkeiten. Der Begriff Preußen und die entsprechenden Moral- und Ordnungsvorstellungen wurden deckungsgleich verwendet. Alles Nichtpreußische war liederlich («Polacken Gesindel», «Hier geht es zu wie bei den Hottentotten!» und dergleichen).

Dieser Typus wies eine große Selbststrenge gegenüber eigener und fremder Spontanität auf und wandte für sich und auf andere Bezogen die Methoden der Schwarzen Pädagogik an. In Gestalt des autoritären Persönlichkeitstypus konnte er in Deutschland zur wichtigen psychologischen Basis des Faschismus werden. Er fand aber auch zeitgleich in den anderen westeuropäischen Gesellschaften Widerhall[119] und kennzeichnet einen notwendigen Entwicklungsschritt von einer traditionellen und sich selbst überlassenen Gesellschaft zu einer mündigen und reifen Zivilgesellschaft, nach den Vorstellungen der Aufklärung und mit den damals vorhandenen technischen und sozialen Lehr- und Lernmethoden. Dieser Massentypus mit seinen problembehafteten selbstzerstörerischen Tendenzen wurde durch die antiautoritäre Gegenbewegung („Erlauben“ statt „Verbieten“, „Sein“ statt „Haben“) der 1968er letztlich neutralisiert.

Feudal-kapitalistische Herrenkaste

 
Unterschiede eines Junkers und eines Arbeiters in Preußen um 1900
 
„Sie kommen nächstes Jahr nicht wieder nach Europa Miss Astor?“ - „Nein, Papa verträgt so schwer den Armeleutgeruch der europäischen Finanzwelt.“

Erläuterung: Blick auf die USA / American way of life
die neue preußische Elite: Die oberen Zehntausend / Adel und Geldadel 1908 in Preußen

Preußens Herrschaftssystem basierte auf die Königsherrschaft. Der König sicherte seine Macht auf dem Land durch den Landadel und in den Städten durch seine Garnisonen und die staatliche Bürokratie. Das städtische Bürgertum als politischer Akteur blieb zunächst nur in der lokalen städtische Selbstverwaltung erhalten. Die Aufklärung förderte das Aufkommen einer neuen Zwischenbürgerlichen Schicht von Bildungsbürgern, die neue Ideen und Konzepte zur Teilhabe entwickelten und sich Mitsprache einforderten. Die Feudalklasse geriet dadurch erstmals zwischen 1789 bis 1815 in die Defensive, konnte sich aber wieder konsolidieren, bis es zum zweiten Mal seit dem Vormärz erneut von der weiter erstarkten bürgerlichen Klasse herausgefordert wurde.

Das (politische) Bürgertum hatte sich nach der verunglückten Revolution von 1848 erneut zurückgezogen und sich wieder auf seine wirtschaftlichen Kernkompetenzen reduziert. Die politische Macht überließ es wieder den „alten Eliten“. Die Transformation von der Agrar- zur Industriegesellschaft führte zwar nicht zu einem Wandel der feudalistisch geprägten politischen Machtstrukturen, dafür aber zu tiefgreifenden Änderungen in der Zusammensetzung der Sozialstrukturen.

Entlang neuer sozioökonomischer Konfliktlinien entstanden neue Interessengruppen. Diese besaßen zwar keine politische Macht, hatten aber auf Grundlage ihrer Verfügungshoheit über Kapital, Produktion und Arbeit bedeutende Machtmittel, die ihnen großen Einfluss auf die staatliche Politik gewährte. Sie repräsentierten neue Eliten, die zu den alten Feudaleliten seit 1850 aufschlossen. Die neuen Eliten sammelten sich in freien Unternehmerverbänden jenseits der schon länger bestehenden öffentlichen Industrie- und Handelskammern. Im Staat selber behielten die alten Feudaleliten mit einem Anteil von einem bis zwei Dritteln ihre tonangebende Stellung. Diese sozial etablierte und uniformierte Schicht stammte überwiegend aus den mittleren und östlichen Provinzen Preußens und hatten eine ländliche Prägung, protestantisch, männlich und adelig. Sie nahmen für sich in Anspruch, das Gemeinwohl zu verkörpern. Ihre Ausformung und ihr Habitus entsprach dem Entwicklungsstand des politischen Systems in Preußen, mit seiner unfertigen Verfassung, wonach sich der monarchisch-bürokratische autoritäre Staat in einer Mischung aus Bevormundung und Fürsorge seine unmündigen Halbbürger und ehemaligen Untertanen beherrschte.

„Er werde sich zunächst einige Jahre mit der rekrutendressierenden Fuchtelklinge amüsieren. Nach der Militärzeit werde er ein Weib nehmen, einige Kinder zeugen und auf dem väterlichen Gut das Land bebauen. (...) In zehn Jahren (...) werde er ein fettgemästeter schnurrbärtiger Gutsherr sein, der eine (...) Abscheu vor Juden und Franzosen hegt und Hunde und Bedienstete auf das Brutalste prügelt, wenn er von seiner Frau tyrannisiert wurde. Zu des Königs Geburtstag werde er sich besaufen, 'Vivat' schreien und ansonsten über Pferde fachsimpeln.“

Lebenswegplanung eines typischen ostelbischen Junkers, nach Bismarck[120]

Allerdings verlor der Adel durch die Industrialisierung seine auf Grundbesitz und Landwirtschaft beruhende ökonomische Vorrangstellung an die Bourgeoisie. Was sie behielten, war das Renommee und ihr gesellschaftlicher hoher Rang, das den Großbürgern in Preußen vorenthielten blieb. Dem Wirtschaftsbürgertum fehlte anders als in dem Angloamerikanischen Kulturraum – ein eigenständiges Klassenbewusstsein in Preußen. Stattdessen biederten sich die bürgerlichen Eliten den alten Feudaleliten an. Als Verzicht für die Teilhabe an der politischen Macht erhielten Sie vom Adel Aufnahme in die Adelsklasse (Verheiratung, Nobilitierung). Dadurch erhielten sie den gleichen Rang und die Reputation in der preußischen Gesellschaft. Auch sonst kopierten die „Neureichen“ den Lebensstil des Adels und kauften und bezogen zum Beispiel Rittergüter. Es kam zu einer quasi-Verschmelzung einer Feudal-kapitalistischen Herrenschicht in Preußen[121].

Gesellschaftspolitische Bewegungen

Die Differenzierung der sich ausprägenden staatsfernen Zivilgesellschaft nahm im 19. Jahrhundert an Fahrt auf. Sowohl die bürgerliche Klasse als auch die Arbeiterklasse bildeten weitere eigene Unterschichten aus, die sich ebenso in verschiedene gesellschaftliche Richtungen heterogenisierten und entfalteten.

Nationalliberalismus, Preußischer Patriotismus, Deutscher Nationalismus

Aus den Erschütterungen der französischen Revolution ergaben sich in Deutschland Einigungsbestrebungen, die vor allem von der aufgeklärten, städtisch geprägten bürgerlichen Klasse getragen wurde. Nach Jena gründete sich der Tugendbund in Königsberg 1808. Dieser galt dem König als die erste revolutionäre Zelle, einer Bewegung, die es in Wirklichkeit als geschlossene Formation gar nicht gab.[122] Als intellektuelle Anführer galten Ernst Moritz Arndt, Friedrich Schleiermacher und Johann Gottlieb Fichte.

Die Anhänger der deutschen Einigungsbestrebungen gehörten in den Befreiungskriegen überproportional oft zu den Kriegsfreiwilligen in Preußen. Bürgerwehren und Freiwilligenverbände waren Ergebnisse der Patriotismuswelle. Insgesamt 30.000 Mann der preußischen Streitkräfte, rund 12,5 Prozent der Gesamtstärke machten diese Freikorps aus, von denen die Lützowschen Jäger die Berühmtesten waren. Es handelte sich hier um eigenständige, zudem bewaffnete Gruppierungen außerhalb der monarchischen Strukturen. Der emotionale Patriotismus der auch mit potenziell subversiven Visionen versehenen Freiwilligen war, von der Vorstellung einer idealen politischen Ordnung für Deutschland und Preußen durchdrungen. Sie leisteten ihren Eid nicht auf den König, sondern nur auf das deutsche Vaterland. Sie begriffen den Krieg gegen Frankreich als Aufstand des Volkes.[123] Die gemeinsame Schnittmenge politischer Inhalte zum monarchischen System war damit denkbar klein.

Die deutsche Nationalbewegung war in dieser Phase eng mit dem Liberalismus verbunden. Gerade dessen linker Flügel zielte auf eine nationale Demokratie ab: Die als anachronistisch und reaktionär empfundene Kleinstaaterei sollte durch einen liberalen Nationalstaat gleichberechtigter Staatsbürger abgelöst werden.

Aus der jugendlichen politischen Unzufriedenheit nach dem Ende der Befreiungskriege, die das Ende der nationalen Hoffnungen bedeuteten,[124] bildeten sich die vor allem für Preußen wichtige Turnerbewegung und die burschenschaftlichen Gemeinschaften als quasi-politische Zentren heraus. Die Bewegung breitete sich rasch auf andere Universitäten aus.[125] Nach dem Wartburgfest wurden beide Bewegungen aus Angst vor einem Wiederaufflammen des Jakobinismus verboten. Die nationale und liberale Bewegung wurde dadurch organisatorisch schwer getroffen und in ihrer Entfaltung für 20 Jahre zurückgeworfen. Die deutsche Nationalbewegung unter Führung von Barthold Georg Niebuhr, Ludwig Jahn, Karl Theodor Welcker, Joseph Görres zählte bis dahin rund 40.000 Anhänger.[126]

Der eingetretenen konservativen Wende in Preußen begegneten viele aus dem Bürgertum durch einen Rückzug ins Häusliche. Ein apolitischer, auf Behaglichkeit und Beschaulichkeit ausgerichteter Wohn- und Lebensstil mit einem ausgeprägten geselligen Leben mit starken Anleihen bei der Romantik setzte sich bei den besser gestellten bürgerlichen Kreisen durch. Der Begriff Biedermeier veranschaulicht den durch die reaktionäre Politik erzwungenen Rückzug ins private Häusliche.[127] Trotz Restauration der monarchischen Ordnung wurde vor allem im Bürgertum und an den Universitäten weiterhin für liberale und nationale Ideen geworben.

Die staatlichen Akteure lernten auf lange Sicht, das Mobilisationspotenzial der Idee von der Nationalen Einigung für sich nutzbar zu machen. Es entstand eine Synthese, in der populäre und dynastische Elemente als komplementäre Bestandteile angesehen wurden. trotz aller Widersprüche und Gegensätzlichkeiten wurde der preußische Krieg gegen Napoleon letztlich zu einem nationalen Befreiungskrieg umgewidmet und die Nationalliberale Bewegung wurde damit staatlicherseits eingehegt.[128]

Arbeiterbewegung

Die Arbeiterbewegung war die größte demokratische Emanzipationsbewegung Preußens.[129] Sie bildete einen Teil des europäischen gesellschaftlichen Emanzipationsprozesses zwischen 1789 bis 1918. Der Bedarf ergab sich einmal aus den sozialen Folgen (soziale Frage) der Industrialisierung, Bevölkerungsexlposion und Landflucht, die eine breite Schicht verarmter und besitzloser Tagelöhner und rechtloser Lohnarbeiter erzeugt hatte (Pauperismus).

Zudem hatte das Bürgertum in Preußen erkennbare Mühe, seine Interessen gegenüber den traditionellen Führungsschichten durchzusetzen. Politisch war die Bürgerliche Klasse nach dem Scheitern der Revolution von 1848/49 nachhaltig geschwächt worden und akzeptierte die von oben vorgegebenen Strukturen und fügte sich fortan darin ein. Die damit ausgefallene Rolle als Erneuerungskraft und Reformationsgruppierung übernahm fortan die Arbeiterschaft.[130]

Die Prologereignisse zur Gründung der Arbeiterbewegung, formiert in Arbeitervereinen, der Sozialdemokratischen Partei und Gewerkschaften, bildete die Revolution von 1848. Ihre formative Phase vollzog sich in den 1860er und 1870er Jahren. Zunächst entstand aber im April 1848 in Berlin das Central-Comité der Arbeiter unter Führung von Stephan Born, der für den 23. August einen Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Kongress nach Berlin einberief. Dort gründete sich die Allgemeine Deutsche Arbeiterverbrüderung.[131] Mit der Neuen Ära in Preußen beeinflusst entstand eine neue Nationalbewegung und mit ihr, teilweise auch rekursiv beeinflusst, entstanden neue Arbeitervereine. Diese strebten nach Autonomie von der bürgerlich-liberalen Bevormundung und forderten seit 1862 unabhängige Arbeitervereine. Daraus ergab sich die Formierung des ADAV, dessen Wirkungsbereich die Kerngebiete Preußens umfasste. Insgesamt war die Arbeiterbewegung gesamtdeutsch organisiert, wie die Gründung der SPD, 1869 zunächst als SDAP in Eisenach zeigte. Ihr organisatorisches und Netzwerkbezogenes Zentrum bildete fortan Leipzig.

Die Sozialdemokratie stand der Bismarckschen Politik kritisch gegenüber und wurde zur systemablehnenden Oppositionspartei. Dieser reagierte mit den Sozialistengesetz und begann eine Verfolgungswelle.[132]

Bildung

 
Friedrich Wilhelm I. in der Schule Gemälde von Adolph Menzel

Im Zuge der Frühaufklärung und des Wirkens des Halleschen Pietismus im preußischen Staat erfolgte 1717 durch königlichen Edikt die Einführung der allgemeinen Schulpflicht in den preußischen Staaten. Die damalige nur gering ausgeprägte Staatsverwaltung verfügte nicht über die Möglichkeiten, den Schulbesuch zu kontrollieren. Auch mangelte es an den nötigen Finanzen um ein flächendeckendes und professioneless Schulsystem zu etablieren. Die entstehenden Dorfschulen vom Niveau einfacher Klippschulen wurden weiterhin von Küstern geleitet. Das Edikt von Friedrich Wilhelm I. zeigte in der Praxis wenig Wirkung, bildete aber die Grundlage für das Generallandschulreglement, das Friedrich II. 1763 erließ. Gesetzlich wurde damit noch einmal die Schulpflicht bestätigt und vertieft. Es sah eine Schulpflicht von acht statt sechs Jahren vor. Der Unterricht sollte regelmäßig je drei Stunden vor- und nachmittags stattfinden, nach einem festen Lehrplan und mit ordentlich ausgebildeten Lehrer. Noch Anfang des 19. Jahrhunderts gingen nur knapp 60 Prozent der Kinder regelmäßig zum Unterricht. Das änderte sich erst, als die Kinderarbeit gesetzlich verboten wurde.[133]

1804 gab es auf dem Territorium des preußischen Staats acht Universitäten.[134]

Universität Studenten Stand
Universität Halle 634 1802
Universität Königsberg 300 1802
(Universität Erlangen) 300 1801
Universität Breslau 239 1803
(Talmudschule) Fürth 200 1797
Brandenburgische Universität Frankfurt 180
Alte Universität Duisburg 67 1804
(Universität Erfurt) 50

Zusätzlich gab es die Preußische Akademie der Künste und die Königlich Preußische Akademie der Wissenschaften zu Berlin, die als akademische Gelehrte Gesellschaften um 1700 in Berlin gegründet wurden und ein großes Renommee im internationalen Künstler und Wissenschaftsgefüge aufbauten.

Im Zuge der Preußischen Reformen kam es auch zur Reform des Bildungssystems, zu dem Wilhelm von Humboldt beauftragt wurde. Dieser legte ein liberales Reformprogramm vor, das die Bildung in Preußen völlig umkrempelte. Das Königreich erhielt ein einheitliches, standardisiertes öffentliches Bildungssystem, das die aktuellen pädagogischen Entwicklungen aufnahm (Pestalozzis Pädagogik). Neben der Vermittlung von Fach- und technischen Fähigkeiten sollte vor allem die geistige Selbständigkeit der Schüler gefördert werden. Es entstand eine zentrale Abteilung auf Ministerialebene, die für die Erstellung von Lehrplänen, Lehrbüchern und Lernhilfen Zuständigkeit erhielt. Lehrerkollegien wurden gegründet, um für die chaotischen Grundschulen geeignetes Personal auszubilden. Es entstand ein standardisiertes System staatlicher Prüfungen und Inspektionen.[135]

1810 folgte die Gründung der heutigen Humboldt-Universität zu Berlin, als Friedrich-Wilhelms Universität. Diese erlangte bald danach eine vorherrschende Stellung unter den protestantischen deutschen Staaten.[136]

Die Ausweitung und Professionalisierung der Lehrerausbildung machte nach 1815 rasche Fortschritte. In den 1840er Jahren besuchten mehr als 80 Prozent der Kinder zwischen sechs und vierzehn Jahren eine Grundschule. Eine ähnlich hohe Quote erreichten zu der Zeit lediglich noch Sachsen und Neuengland. Entsprechend niedrig war auch die Analphabetenquote.

Preußens Bildungssystem und die Wissenschaftsförderung wurden seit dem frühen 19. Jahrhundert auch international als vorbildlich angesehen.[137] Bewundert wurden die Effektivität, die breiten Zugangsmöglichkeiten und der liberale Ton der Einrichtungen. Den Kindern wurde bereits zu dieser Zeit beigebracht, ihre geistigen Fähigkeiten selbst einzusetzen, durch Lehrer, die sich dabei nicht mehr der klassisch-autoritären Mittel (Prügel) bedienten. Bestrafungen von Fehlverhalten oder Mittel der Angsterzeugung gehörten nicht mehr zum damaligen Erziehungsrepertoir des Lehrpersonals. Im zeitgenössichen Urteil internationaler Zeugen aus fortschrittlichen Gesellschaften überwog die Verwunderung über die zeitgleiche Existenz eines so fortschrittlichen pädagogischen Systems innerhalb eines despotischen Staatswesens.[138]

Kultur

 
Die Ankunft der Lustjacht „Friedrich“ am 8. März 1708 in Berlin war ein vielbeachtetes öffentlichkeitswirksames Ereignis. Die Jacht war eine von drei Lustjachten des Königs und soll 100.000 RT gekostet haben. Sie diente vor allem der Verherrlichung des preußischen Königtums, in dessen Dienste die Kulturwerke dieser Zeit gestellt wurden[139]
 
Gemälde eines preußischen Hofmalers: „Sauhetze während einer Jagd Friedrich Wilhelms I. im Süden von Potsdam oder bei Wusterhausen im Herbst in den 1730ern“;
Grobheit, Unbeholfenheit und Ungerichtetheit kennzeichnen das frühe Entwicklungsstadium der preußischen Kunst, in einem Staat, der seinen Klimax noch nicht erreicht hatte
 
Gemälde von Adolph Menzel: Kronprinz Friedrich besucht den preußischen Hofmaler Pesne

Begriffsbestimmung

Zur preußischen Kultur werden die Kernbereiche Staatskultur (Gebäude, Denkmäler, Feiern), Kulturstaatlichkeit (Staatliche Förderung und Aufsicht in Schulen, Hochschulen, Museen, Theater usw.) und die staatsferne Zivilgesellschaft (Freie Kunstszene, Großstadtleben, Arbeiterbewegung) aber auch im weiteren Sinne die Bereiche Bildung, Wissenschaft sowie die christlichen Kirchen mit einbezogen.

Die Kultur im Königreich Preußen umfasste die geistigen und gesellschaftlichen Lebensformen, materiell wie immateriell. Der Kulturbereich war mehrfach untergliedert. Den Kern bildete der Hochkulturbereich, wozu die bildenden Künste (Malerei, Bildhauerei, Architektur) zählen. Ergänzend kommen Musik, Literatur sowie die Gesamtkunstgenres Theater, Oper dazu. Bildungs- und Wissenschaftsdisziplinen, Religion und Staatskultur (Gedenktage, Denkmäler, Rituale) vervollständigten den erweiterten Kulturbegriff.

Die Kultur Preußens gliederte sich in den Jahrhunderten in die europäisch dominierten Kunstepochen (Barock, Klassizismus, Sturm und Drang, Romantik, Biedermeier, Impressionismus, Historismus, Gründerzeit, Jugendstil, Expressionismus) aber auch nach regionalen Gesichtspunkten. Kultur und Kunst sollte Ausdruck und Weltdeutung schaffen und den Staat, Kirche oder soziale Gruppen repräsentieren.[140]

Entwicklung

Das preußische Gebiet galt im 17. Jahrhundert als kulturell zurückgeblieben gegenüber den anderen Reichsterritorien. Bis die Bürgerliche Klasse formiert war, gingen vornehmlich von der kleinen Schicht des Hochadels Kulturförderungen aus.[141] Unter Friedrich Wilhelm von Brandenburg wurden bedeutende kulturelle Fortschritte erzielt, die sein Nachfolger Friedrich III./I. intensivierte. In der Bildnismalerei wirkte sich die Berufung von Antoine Pesne 1710 nach Berlin als Hofmaler entscheidend aus, da dieser in seiner 46-jährigen Wirkzeit zahlreiche Schüler ausbildete und überregional wirkte.[142] Das erste öffentliche Denkmal Berlins, das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten wurde zu einem Hauptwerk der Barock-Plastik.

Nach der ersten kulturellen Blüte zur Anfangszeit des preußischen Königreichs unter Friedrich I. erfolgte 1713 unter dem Nachfolger Friedrich Wilhelm I. ein abrupter Einschlag allen kulturellen Lebens, der bis 1740 anhielt. Militärisches drang in das gesamte kulturelle Leben ein. Die Bildnismalerei in Preußen entwickelte sich stark zurück. Die Mittelmäßigkeit der Kunstwerke des Hofmalers Dismar Degen waren stilprägend für den gesamten Kunstsektor Preußens dieser Zeit. Mit Herrschaftsantritt Friedrichs II. entfaltete sich wieder eine höhere Kultur im preußischen Staat. Friedrich II. forcierte den Auftrag des Staates zur Hebung der Landeskultur und bediente gleichzeitig das eigene monarchische Repräsentationsbedürfnis. In den 1740er Jahren entstand die erste Oper Preußens, die Königliche Hofoper zu Berlin, später ergänzt um eine königliche Bibliothek als Bestandteil des Forum Fridericianum in Berlin. Die Pläne für den Platz wurden bereits Bestandteil umfangreicher Diskussionen in der sich formierenden preußischen Öffentlichkeit über Publikationen in den Berliner Zeitungen und Gesprächen der Salons. Der zentralste Platz Preußens wurde ein Residenzplatz ohne eine Residenz, wodurch es sich von allen anderen europäischen Schlossplätzen unterschied. Mit dieser heraugehobenen stadtplanerischen Anlage verdeutlichten die Macher, das die Repräsentation des Staates von der der preußischen Dynastie entkoppelt war.[143]

In der Herrschaftszeit Friedrichs II. entstand eine regionale Ausprägung der übergeordneten Bau- und Kunstform des Rokokos, das als Friderizianisches Rokoko bezeichnet wird. Der Dekorationsstil ist im Vergleich zu anderen Ausprägungen dieser Zeit meist zurückhaltender, zierlicher und eleganter. Der Stil ist eng mit den Arbeiten des Stuckateurs und Bildhauers Johann August Nahl der Ältere und des Baumeister Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff verbunden.[144]

Der Staat Preußen unterhielt fortan eine Hofkapelle auf dem finanziellen Niveau einer mittelgroßen Macht. Der Residenzenausbau im Berliner Raum wurde intensiviert. Es entstanden dutzende neue auf Repräsentation und Prachtentfaltung ausgerichtete adelige Stadtpalais in Berlin. Neue Theatergebäude wie kurzzeitig das Französisches Komödienhaus oder das Königliches Schauspielhaus in Potsdam entstanden und boten die Bühne für das sich entwickelnde Theaterwesen Preußens.

Beginnend mit den Friedensjahrzehnten die nach 1763 folgten begann in Preußen eine kulturelle Blüte. Sie setzte sich unter Förderung der folgenden Könige tendenziell verstärkend auch nach 1800 fort. Berlin wurde neben Weimar und als dessen Nachfolge wichtigstes geistig-kulturelles Zentrum Deutschlands.

Andreas Schlüter eröffnete, die Hofbaumeister Johann Friedrich Grael und Philipp Gerlach prägten, Carl Gotthard Langhans und Friedrich Gilly vollendeten den preußischen Stil.[145] Die Einflüsse des preußischen Staats durch die Regierungspolitik auf die Gesellschaft formten die Ausprägungen und Bildung kultureller Formen mit. Dementsprechend wirkte sich auch der Militarismus, das preußische Beamtentum mit seinen postulierten Tugenden und Kants Philosophie auf die Ausprägung des preußischen Stils aus. Darin drückte auch der maskuline Charakter des preußischen Staats, verstanden als Vaterland aus.

Für die Gesamtheit der kulturellen Erscheinungen in Preußen für die Zeit des Klassizismus gilt der Begriff Preußische Klassik. Das Entstehen der Preußischen Klassik hing zeitlich eng mit der politischen Expansion des Machtstaats Preußen zusammen. Diese generierte die Mittel aber auch den zunehmenden Bedarf und Anspruch auf eine angemessene kulturelle Ausdrucksform der hinzugewonnenen Möglichkeiten und des erhöhten Status. Nach der einflussreichen Programmschrift des Kunsthistorikers Arthur Moeller „Der Preußische Stil (1916)“ war für ihn die Preußische Klassik subsummierter Anspruch (der herrschenden Eliten), aus der Idee einer «vornehm-spartanischen Lebensart», künstlerische Ausdrucksformen zu entwickeln. Daraus entstanden beispielsweise die in der Kunstwelt sowohl als «geschmackvoll» aber auch «karg» (oder „edelkalte“ Formen) geltenden Landschlösser und Herrenhäuser der Mark Brandenburg.

Architekturgeschichtlich gipfelte der sowohl politisch als auch kulturell zu verstehende Anspruch der Preußischen Klassik in der Nachahmung einer neuen Dorischen Ordnung ähnlich dem Antiken Vorbild.[146] Die Nordgriechischen Dorer galten ähnlich wie der preußische Staat in ihrer zivilisatorischen Frühphase ebenso in kultureller Hinsicht der übrigen griechischen Welt unterlegen und setzten eher auf harte, kriegerische Politikmittel, die ihnen die Eroberung des Antiken Griechenlands ermöglichte. Die angenommenen historischen Parallelen zwischen Dorern und Altpreußischem Staat, die kurzgefasst nach zeitgenössischer (preußischen) Erklärungsmustern, «mit wenig mehr als unfruchtbaren Boden, Willenskraft und Organisationstalent eine Großmacht formten», führte zu spiegelbildlichen Wiedererkennungswirkungen zeitgenössischer Akteure in kulturellen Bereichen Preußens. Die so versinnbildlichte Vorbildwirkung Dorischer Kunst führte zu intensiven künstlerischen Bezugnahmen und Nachahmungen in den künstlerischen Werken in Preußen.[147]

In der Bildhauerei entstand 1785 die Strömung der Berliner Bildhauerschule. In der Literatur taucht für diese Phase der Begriff Berliner Romantik auf. Bedeutende Einzelpersönlichkeiten auf kulturellem-gesellschaftlichem Gebiet in Preußen wurden u. a. Karl Friedrich Schinkel, Albert Dietrich Schadow, Wilhelm und Alexander von Humboldt, Johann Gottlieb Fichte, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Friedrich Carl von Savigny, Heinrich von Kleist, Christian Friedrich Tieck, E.T.A. Hoffmann (Berliner Romantik). Die vielfach gebrauchte Bezeichnung von Spree-Athen für Berlin beschreibt den damaligen in Preußen herrschenden kulturellen Geist.[148]

Staat

 
Kaiser Wilhelm II. bei einer Militärparade am 9. Februar 1894 im Lustgarten in Potsdam.
Farblithografie von Carl Röchling (1855–1920);
Redeauszug des Deutschen Kaisers Wilhelm II. in Potsdam am 23. November 1893 bei einer Rekrutenvereidigung:

„Rekruten! Ihr habt jetzt vor dem geweihten Diener Gottes und angesichts dieses Altars Mir die Treue geschworen. Ihr seid noch zu jung, um die wahre Bedeutung des eben Gesprochenen zu verstehen, aber befleißigt euch zunächst, dass ihr die gegebenen Vorschriften und Lehren immer befolgt. Ihr habt Mir die Treue geschworen, das – Kinder Meiner Garde – heisst, ihr seid jetzt Meine Soldaten, ihr habt euch Mir mit Leib und Seele ergeben. Es gibt für euch nur einen Feind, und das ist Mein Feind. Bei den jetzigen sozialistischen Umtrieben kann es vorkommen, dass ich euch befehle, eure eigenen Verwandten, Brüder, ja Eltern niederzuschießen – was ja Gott verhüten möge –, aber auch dann müsst ihr Meine Befehle ohne Murren befolgen.[149]

Kaiser Wilhelm II.

Erläuterung: Die Armee war nach der Verfassung die Privatgarde des Königs.

Charakteristiken und Merkmale

Die Entwicklung des preußischen Staats war eingebettet in die europäische Gesellschaftsentwicklung. Das bedeutet, das jede Entwicklung die sich in Preußen vollzog stets zeitgleich oder zumindest verzögert die Strömungen von außen aufnahm und auf die spezifisch preußischen Bedürfnisse anpasste. Eine autonome Eigenentwicklung aus sich heraus fand folglich nicht statt, sondern der Staat und die Gesellschaft wandelte sich nach isomorphischen Gesichtspunkten nach den Vorgaben der gesellschaftlichen Vorreiter aus den Niederlanden, Frankreich und England.

Der Beginn der modernen europäischen Staatenentwicklung in der Frühen Neuzeit führte zunächst über die Säkularisierung öffentlicher Macht unter Hinausdrängung der Katholischen Kirche aus allen weltlichen Machtbereichen im Zeitalter der Renaissance. Nachdem dieser Prozess abgeschlossen war, gingen die so gestärkten weltlichen Territorialfürsten daran, sich einen eigenen Unterbau zu schaffen, der die vorhandenen ständisch geprägten Verwaltungsstrukturen überformte.[150] Dieser Prozess begann im 17. Jahrhundert, maßgeblich programmatisch definiert im Leviathan und war um 1750 in Preußen abgeschlossen. Bis zu diesem Zeitpunkt war der preußische Staat ein Schwacher Staat. Die schwach entwickelte Staatlichkeit galt gleichermaßen für alle damaligen Staaten weltweit. Bereits zu dieser Zeit entwickelte sich in Preußen eine prägnante Ausformung eines Rechtsstaats, die zu dieser Zeit als vorbildlich galt (vgl. Müller-Arnold-Fall). Getragen wurde der Staat vornehmlich von seiner professionalisierten Beamtenschaft. Der preußische Staat trug daher Züge eines typisierten Beamtenstaats mit ausgeprägter Bürokratie, was eine geregelte Aktenführung, Schriftlichkeit, Unbestechlichkeit und weitere Merkmale nach Max Webers Modell einbezog. Da die Amtsträger ihr Handeln unzureichend legitimieren mussten, galt der preußische Staat zeitwährend auch als Obrigkeitsstaat.[151]

Danach führte das Wirken neuer geistiger Strömungen dazu, das weitere bürgerliche Einflussgruppen in das Zentrum der Macht drängten und Mitsprache forderten. Daraus ergab sich nach langwierigen innenpolitischen Kämpfen zwischen den monarchischen Kräften und Reformern im Zeitraum von 1790 bis 1850 der preußische Verfassungsstaat.[152]

Der Staatscharakter wandelte sich in dem Zeitraum nicht nur politisch, sondern auch durch seinen stetigen Aufgaben-, Ausgaben- und Personalaufwuchs institutionell. Zunächst war der Staat aber nicht viel mehr als ein Privatinstrument des Landesfürsten zur Sicherung seiner Machtstellung nach innen und außen. In Preußen wurden zeitweise 90 Prozent der Staatsmittel nur für die Armee verwendet. Während bereits mehr als 100.000 Mitglieder als quasi-öffentliche Mitarbeiter im Armeedienst ihren Dienst verrichteten, bestand die Verwaltung um 1750 aus weniger als 1000 Personen. Dieses Missverhältnis bedingte, das der preußische Staat zeitwährend und auch in der Nachbetrachtung als Militärstaat oder auch Militärmonarchie eingestuft wurde.

Später erweiterten sich die Funktionen dieses Ordnungsstaats, je stärker die Gesellschaft sich entwickelte. Neue Standards, Technologien bedingten neue Aufgabenfelder, die vom Staat unter Leitung der Administration erschlossen wurden.

Der Staat im Sinne eines heute üblichen Sozialstaats oder auch Wohlfahrtstaats begann sich erst in den letzten Dekaden um 1900 in Ansätzen zu entwickeln. Bis dahin waren ordoliberale Vorstellungen im Staatsbereich vorherrschend.

Ausgehend von einem angesammelten monarchischen Territorienkonglomerat (Composite Monarchy), entwickelte sich der Zentralstaat erst nach und nach. Die preußischen Staaten des 18. Jahrhunderts hatten sämtlich eigene überkommene innere Verwaltungsstrukturen gebildet, die seit dem Spätmittelalter und der Ausbildung des Ständewesens entstanden waren. Die lokalen und regionalen (ständischen) Akteure dieser Strukturen wie zum Beispiel die Kreisorganisationen, Kreisausschüsse oder Kreistage innerhalb eigener Landschaften bestanden bis zu Beginn der preußischen Reformen fort. Auch die immediatären Städte, die Güter des landsässigen Adels mit allen darauf befindlichen Dörfern, Vorwerken und Menschen und die Ämter der Domänengüter des Königs bildeten zusammen die örtliche und überörtliche Verwaltungsebene unter dem sich ausprägenden Gesamtstaat und seinen eigenen Provinzialinstitutionen. Die häufige Kleinteiligkeit dieser organisch verwachsenen Strukturen und auch deren tradierte und fortwährende Erhaltungsbestrebungen durch ihre Mitglieder im Austausch mit den zentralen Staatsstrukturen lähmten den politischen Prozess. Neuerungen und Veränderungen vollzogen sich langsam und mühselig. Um 1800 führte dies zu allmählichen fundamentalen Veränderungbestrebungen, die von der Staatsspitze aus angeschoben wurden.

Die preußischen Landesteile wurden 1815–1818 im Zuge der Verwaltungsreformen nach den gewonnenen Freiheitskriegen gegen Napoleon und den Territorialgewinnen im Zuge des Wiener Kongresses 1815 in eine moderne Organisation aus Provinzen, Regierungsbezirken und Landkreisen überführt.

Der Staat Preußen gliederte sich ähnlich wie die Staaten heute auch in eine Gesamtstaatliche Ebene, eine Länderebene (Provinzen) und eine kommunale Ebene mit örtlichen und überörtlichen Aufgabenbezügen.

Staatsform und Staatsoberhaupt

 
Der preußische Thron, ein formelles verortetes Zentrum der Monarchie, befand sich im Weißen Saal des Berliner Stadtschlosses

Die Preußische Monarchie war von 1701 bis 1848 eine absolute Monarchie. Staatsoberhaupt war der preußische König, der seinen Anspruch auf das Königsamt als Erbrecht der Dynastie der Hohenzollern von Geburt an innehatte. Das fürstliche Haus bildete den Kern der Staatlichkeit, ehe im Bürgerlichen Zeitalter europaweit der moderne Anstaltstaat die Monarchie aus dem Zentrum des Staats verdrängte. Die auffälligste Abweichung der Monarchie zu einem modernen Staat war die Rolle die der preußische Hofstaat im Regierungsgefüge innehatte. Das dort angesiedelte Kabinett des Königs, von dem aus dieser mittels Ministervorträgen und schriftlichen Berichten regierte, hatte aufgrund seiner Machtfülle eine Sonderstellung inne, die zwischen öffentlichem und privaten Raum stand und damit noch aus staatsrechtlicher Perspektive als vormodern gilt.

Der eigentliche Verdrängungsprozess der Monarchie aus den staatlichen Institutionen begann in Preußen mit den erfolglosen Abwehrversuchen gegen die Auswüchse der Französischen Revolution, die mit der Pillnitzer Deklaration begann und in der Schlacht bei Jena und Auerstedt einen für die Monarchie ersten negativen Höhepunkt erlebte. Der Restaurierung absoluter Königsmacht nach 1815 folgten Vormärz und die 1848er Revolution, die der Königsmacht nun auch konstitutionell verankert die Schranken wies.

Von 1848 bis 1918 war der Staat eine Konstitutionelle Monarchie. Formell blieb der König im Staat ranghöchste Institution. Seine Rolle im gelebten Policyprozess entsprach in der Praxis aber nicht mehr die gleiche zentrale Rolle. Spätestens mit Bismarcks Regierung lag die staatliche und politische Kontrolle bei der Ministerregierung und nicht mehr beim König. Im 19. Jahrhundert nahm hier die Bedeutung des Königs im gleichen Maß ab, wie die Größe und der Aufgabenumfang des bürokratischen Staats zunahm. Das Amt entwickelte in der Ausgestaltung eine repräsentativere Bedeutung, was einem Bedeutungsverlust gleichkommt.

Symbole und Leitsätze

 
Ein Eisernes Kreuz aus dem Jahr 1813 – Revers, das Avers ist glatt
Für Wilhelm II. angefertigte preußische Königskrone
Preußisches Koppelschloss aus dem Jahr 1847


Das Preußenlied, Borussia und Heil dir im Siegerkranz waren Volks- beziehungsweise Nationalhymnen Preußens. Die Flagge Preußens zeigte einen schwarzen Adler auf weißem Grund, der auch auf dem preußischen Wappen zu sehen war. In einer Reihe von Abzeichen wurde das Eiserne Kreuz zu einem identitären Symbol in Bezug zum preußischen Königreich.

Die Monarchie wurde durch die Preußischen Kronjuwelen symbolisiert.

Der preußische Wahlspruch Suum cuique war die Hausordensdevise des 1701 von Friedrich I. gestifteten Schwarzen Adlerordens. Der Spruch machte das Bestreben der preußischen Könige deutlich, Recht und Gerechtigkeit zu üben.[153] Auf den Koppelschlössern der Soldaten stand der gebräuchliche Schlachtruf Gott mit uns.

Da es sich bei dem Königreich Preußen um einen Monarchenstaat und nicht um einen Volksstaat handelte, spielten die politischen Ideen von Volk, Freiheit oder materiellem Wohlstand für das Selbstverständnis des Staates keine Rolle.[154]

Gesetze und Verordnungen

 
Preußische Gesetzsammlung 1907

Schriftliches Regierungshandeln mündete zur Umsetzung von Programmen oder Handlungen final in die Erstellung eines Dokuments, das die Regeln oder Handlungsanweisungen fest bestimmte. Deren Publikation und Verbreitung bildete den Grundstock für die erfolgreiche Umsetzung der getroffenen Maßnahmen.

Die preußischen Gesetze und Verordnungen wurden in der Preußischen Gesetzessammlung veröffentlicht und damit vergegenwärtigt. Diese wurden ab 1810 fortlaufend nummeriert. Während die so genannten Kabinettsordren als Verwaltungsanordnung mit Gesetzstatut aufzufassen sind, hatten Verordnungen einen allgemeinbestimmenden Charakter.

Die Schriftdokumente hatten einen Anordnungscharakter, die in einzelnen Artikeln und Abschnitten untergliedert wurden und darin Einzelbestimmungen mit teilweisen Erläuterungs- und Beschreibungscharakter aufwiesen. Die Länge eines Gesetzes differierte je nach Subjekt von wenigen Seiten bis zu mehreren Dutzend. Die Schriftform des Dokuments eröffnete bei den nach außen gerichteten Staatsgesetzen in der Regel mit einer persönlichen Bezugnahme des Königs (Wir Name des Königs, von Gottes Gnaden, König von Preußen thun kund und fügen hiermit zu wissen Inhalt). Der Schluss eines Gesetzesdokuments bildete die Nennung des Königsnamens samt Orts- und Datumsangabe.

Die Dokumentenbezeichnungen im 19. Jahrhundert unterlagen einem Wandel der Nomenklatur und waren abhängig vom Bestimmungskreis (nach innen oder an das Volk) und gliederten sich hauptsächlich nach:

Nicht als Gesetz wurden im 19. Jahrhundert Privilegien oder Allerhöchste Erlasse bezeichnet, die Regelungen mit Einzelfallcharakter trafen. Im 18. Jahrhundert waren die Gesetzesdokumente als Reskript, Reglement, Circulare, Edikt, Patent, Declaration benannt.

Die Zahl der Gesetze nahm bis 1870 bedingt durch eine allgemeine Zunahme der staatlichen Aufgaben zu. Mehr und mehr Teilaspekte von Gesellschaft und Lebensverhältnissen mussten normiert und geregelt werden.[155] Danach wandelte sich die Formenstruktur der Anordnungen in eine striktere Aufteilung von Dokumenten mit Gesetzescharakter und Normenblätter unterhalb der Gesetzesebene, so dass die Zahl der Gesetze abnahm, nicht aber die Regelungsdichte als solche.

  • vom 1. Januar 1800 – 31. Dezember 1809 wurden 567 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1810 – 31. Dezember 1819 wurden 613 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1820 – 31. Dezember 1829 wurden 661 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1830 – 31. Dezember 1839 wurden 842 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1840 – 31. Dezember 1849 wurden 1124 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1850 – 31. Dezember 1859 wurden 1960 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1860 – 31. Dezember 1869 wurden 2404 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1870 – 31. Dezember 1879 wurden 1103 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1880 – 31. Dezember 1889 wurden 696 Gesetze erlassen
  • vom 1. Januar 1890 – 31. Dezember 1899 wurden 795 Gesetze erlassen

Kampf um die Verfassung

Die politischen Auseinandersetzungen um die Einführung einer Verfassung knüpften an einen politischen Evolutionsprozess an, der in der Mitte des 18. Jahrhunderts an Fahrt aufnahm. Das zu der Zeit etablierte frideridzianische Herrschaftssystem des aufgeklärten Absolutismus trug den Anspruch in sich, als Monarch nur «ein erster Diener des Staates zu sein», womit dieser sich gegenüber der Institution Staat zunächst trennte und dann in einem zweiten Schritt sich selbst im Verhältnis zueinander herabsetzte, womit der Monarch nicht mehr allumfassende Verfügungshoheit gegenüber den Staat stellen konnte. Um 1740 war dies noch ein bedeutender gesellschaftlicher Fortschritt, galt bis dahin der monarchische Ausspruch, L’état, c’est moi in Kontinentaleuropa als weiterhin zulässig. Der Ausspruch Ludwigs XIV. bedeutete die Selbsterhöhung des Königs über den Staat, in sich vereint. Im Ergebnis dieses in Europa zwischen 1650 bis 1750 real existierenden politischen Systemanspruchs war der Staat eine rechtlich unselbständige Organisation ohne Rechtspersönlichkeit, die als Privatschatulle als quasi-überdimensioniertes Privatgrundstück des Königs fungierte. Diese erste in Preußen in den 1740er Jahren vollzogene Systemtransformation sollte in einem allgemeinen Gesetzeswerk festgehalten und verbindlich gemacht werden.

Entsprechend der Kräfteverteilung im preußischen politisch-administrativen System überwogen lange Zeit die reaktionären Kräfte gegenüber den progressiven Fraktionen. Zwar wurde seit den 1780er Jahren das Gesetzeswerk erarbeitet und es gewann einen Grundgesetzcharakter. Nach Verabschiedung des fertigen Allgemeinen Landrechts war dieses aber schon wieder veraltet. Es kodifizierte lediglich die bereits bestehenden Verhältnisse, war also folglich nur eine Abbildung des Status quo der herrschenden Machtverhältnisse ohne einen neuen Systemansatz zu verwirklichen. Aufgrund seiner veralteten Systemkonstruktion blieben von dem Gesetzeswerk letztlich für eine echte Verfassung unzureichend, nur Nebenaspekte bedeutend. Dazu gehörte, das es als oberstes Gesetzeswerk des Absoluten Monarchenstaates diesem eine umfassende Rechtsordnung verlieh, die für alle Provinzen gleichermaßen galt. An eine Beteiligung der Staatsbürger am politischen Prozess war dagegen nicht gedacht worden. In der Historiografie wurde das noch lange fortbestehende Gesetzeswerk als wichtige Grundvoraussetzung für die nachfolgenden Reformansätze gewertet.[156]

Mit dem Erstarken der bürgerlichen Kräfte in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts und den zeitgleichen globalen Entwicklungen (Erklärung der Virginia Declaration of Rights 1776 und die französische Revolution von 1789), dem Wirken der aufklärerischen Schriften Rousseaus und Montesquieus, die die Bildung einer Volkssouveränität auf Basis einer verankerten Gewaltenteilung forderten, gewannen nach 1800 die politischen Auseinandersetzungen im preußischen Staat zwischen den verschiedenen Strömungen an Kontur und Intensität.[157]

Die monarchische Gewalt geriet dabei erheblich unter Druck und versuchte unter dem Einsatz von taktischen Verzögerungen, Lavieren, Hinhalten und losen Versprechungen dem Druck der vornehmlich bürgerlichen und idealistisch denkenden Staatsreformern auszuweichen. Dies gelang dem Königtum letztlich mit Erfolg. Mehrfach, einmal nach 1815 und auch 1848 gelang es den Monarchen, ihre politische Stellung im politischen System zu restaurieren und sich im Zentrum des Staates als oberste politische Instanz zu halten.

Das änderte auch (noch) nicht die letztlich am 6. Februar 1850 eingeführte Verfassung Preußens. Zumindest mit dem in Artikel 3 bis 42 verfassten Grundrechtskatalog fanden Begriffe und Ziele der liberalen Bewegung und der 1848er Revolution Eingang in den Text. Mit der deklarierten Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetz (§4) waren die Rechtsinstitutionen der geburtsständischen Gesellschaftsordnung aufgehoben. Damit war das Grundprinzip der modernen bürgerlichen Gesellschaft deklariert worden. Persönliche Freiheit des religiösen Bekenntnisses, der Wissenschaft und der Presse, Unverletzlichkeit von Wohnung und Eigentum, Vereins- und Versammlungsfreiheit waren ebenso festgelegt. Allgemeine Schulpflicht und Allgemeine Wehrpflicht bildeten weitere Säulen des Staates.[158]

Der Monarch blieb aber Herrscher aus eigenem Recht, während Volk und Volksvertreter ihre Rechte aus der Verfassungsurkunde ableiteten. Infolgedessen war der Monarch unverletzlich und trug für die Regierung keine Verantwortung. Dem König allein lag die vollziehende Gewalt zu. Er führte den Oberbefehl über das Heer, erklärte Krieg und Frieden und schloss völkerrechtliche Verträge.[159]

Mit der Einführung der Verfassung glich sich das politische System Preußens den internationalen Entwicklungen und Standards an, beziehungsweise folgte diesen nach. Diese Entwicklung bedeutete die Beendigung eines überlebten und aus verfassungsrechtlicher Perspektive gesehenen „quasi-despotischenHerrschaftsregime und die Nachfolge durch den Verfassungsstaat. Legitimation und Herrschaftsfolge standen damit auf einer breiteren Basis als zuvor.

Der erreichte Entwicklungsstand bildete allerdings nur die erste Hälfte des Weges zu einer echten demokratisch legitimierten Volksouveränität, wie sie erstmals mit der Weimarer Republik Wirklichkeit werden sollte.

Staatshaushalt

Staatsausgaben und Staatseinnahmen[160], einschließlich Rücklagen und Schulden in Reichstaler
Überschrift 1688 1713 1740 1786 1796 1800 1820 1830 1848
Einnahmen 1.553.795 3.400.000[161] 7.400.000 27.000.000 30.000.000 35.000.000
Ausgaben 6.850.000[162]
Staatsschatz - - 8.700.000 60.000.000 - 4.000.000[163] 18.000.000[164] 19.000.000[165]
Staatsschulden - - - - 30.000.000[166]

Die Staatseinnahmen setzten sich zu Anfang des Königreichs vor allem aus den (privaten königlichen) Dominaleinkommen zusammen. Dazu gehörten die Einnahmen aus den Domänenämtern bzw. -gütern, die Regalieneinnahmen aus Münze, Post, Zölle, Salzmonopol, sowie die Chargensteuer (eine Art Einkommenssteuer für Staatsbedienstete). Um 1700 betrugen diese Einnahmen rund 1,9 bis 2,0 Millionen RT. Davon gehörten 700.000 Rt zum Privatvermögen des Königs (Schatullkasse, vgl. Schatullrechnungen Friedrichs des Großen). Vom Rest wurde der Hofstaat und Löhne und Gehälter beglichen. Die Diskrepanzen in der Verwendung der Staatsmittel zeigten sich besonders im Pestjahr 1711, als für die gebeutelte Provinz in Ostpreußen mit vielen Tausenden Opfern lediglich 100.000 RT verwendet wurden.[167]

Seit der Zeit des Großen Kurfürsten wurde eine indirekte Verbrauchssteuer auf Konsumwaren, die Akzise an den Stadtein- und Ausgängen erhoben. Diese wurde von den Steuer- und Kriegskommissaren erhoben.[168]

Durch stetige Reformmaßnahmen stiegen die Einnahmen aus den Domänengütern zwischen 1713 bis 1740 von 1,8 Millionen RT auf 3,3 Millionen RT an. Auch die Einnahmen aus den Grundsteuern erhöhten sich in dem Zeitraum. Dazu gehörte der zwischen 1716 bis 1720 eingeführte Generalhufenschoß auf Bodenbesitz, der erstmals auch den Grundbesitzenden Adel miteinbezog.[169] Die Einführung einer Ablöseabgabe für den überkommenen Lehnskanon führte zu erbitterten Auseinandersetzungen mit dem einheimischen Adel, wurde aber vom König durchgesetzt. Bauern hatten Kontributionen (Grundsteuer) an den Staat zu leisten, der 40 Prozent des Reinertrags ausmachte. Danach waren von den verbliebenen 60 Prozent noch die Ansprüche der Gutsbesitzers zu bedienen.[170]

Die Staatseinnahmen setzten sich 1740 aus folgenden Einnahmequellen zusammen: Domänengüter 2,6 Millionen RT, Kontributionen 2,4 Millionen RT, Akzise 1,4 Millionen RT, Postregal 0,5 Millionen RT, Salzregal 0,2 Millionen RT. Davon wurden sechs Millionen RT für den Unterhalt des Heeres verwendet. 0,65 Millionen RT wurden dem Staatsschatz zugeführt. Der Aufbau eines Staatsschatzes in Form von Münz- und Silberwaren die in Truhen im Berliner Stadtschloss lagerten, führte zu wirtschaftlich schädlichen Deflationstendenzen, da diese volkswirtschaftlich bedeutenden Mittel dem Geldumlauf entzogen wurden und nicht in neue Aktivitäten gebunden wurden. Der Wirtschaftskreislauf wurde durch das staatliche Horten geschädigt. Der Hof erhielt 740.000 RT für seine Ausgaben. Von den höfischen Ausgaben entfielen die meisten Ausgaben auf Lohnkosten, Handwerker- und Manufakturaufträge.[171] Im Zeitraum von 1713 bis 1740 entstanden folgende Investitionsaufwendungen:

  • 5 Millionen RT für den Erwerb von Domänengütern
  • 2,5 Millionen RT für den Festungsbau
  • 2 Millionen RT für den zivilen Bau
  • 6 Millionen RT für das Rétablissement in Ostpreußen
  • 2 Millionen RT für die Erwerbung Schwedisch-Pommerns bis zur Peene
  • 12 Millionen RT für die Soldatenwerbung im Ausland

1785, ein Jahr vor dem Tod Friedrichs II. betrugen die Einnahmen für den Staatshaushalt 27 Millionen RT. Der preußische Hofstaat kostete in dem Jahr 1,2 Millionen RT, die preußische Armee hatte ein Budget von 12,5 Millionen RT, das diplomatische Korps verfügte über 80.000 RT, Pensionen machten einen Etat von 130.000 RT aus, die sonstigen Ausgaben betrugen fünf Millionen RT. 1797 wurde vom Gesamthaushalt von 20,5 Millionen RT 14,6 Millionen RT für die preußische Armee, 4,3 Millionen RT für Hof- und Zivilverwaltung und 1,5 Millionen RT für Schuldentilgung und den Zinsdienst aufgewendet.[172]

1740 im Jahr der Amtsübernahme Friedrichs II. hatte der Staatsschatz einen Umfang von sieben Millionen RT erreicht. 1786 betrugen die Staatsrücklagen 60 bis 70 Millionen RT. Der preußische Staat war durch seine finanzielle Autarkie machtpolitisch unabhängig geworden. In wenigen Jahren danach wurden diese Rücklagen unter der Ägide von Friedrich Wilhelm II. komplett aufgebraucht und Staatsschulden aufgenommen, und Preußen wieder auf dem Weg zur Schuldenwirtschaft und Subsidienabhängigkeit. Unter dem nachfolgenden König Friedrich Wilhelm III. wurden die Schulden wieder abgetragen.

Staatliche Aufgaben

Innere Sicherheit

Charakteristisch für die Sicherheitsordnung auf dem Land bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Übereignung staatlicher Gewalt an private Gruppen. Der besitzende Landadel hatte noch um 1800 vor der Bauernbefreiung auf seinen Gütern die Hoheitsbefugnisse über rund 75 bis 80 Prozent der darauf lebenden ländlichen Bevölkerung. Neben der Gerichtsbarkeit gehörte auch die Wahrnehmung von Polizeiaufgaben dazu. Angesichts der hohen Präsenz des Militärs in den Städten gab es kaum Platz für weitere Sicherheitsorganisationen.[173]

Reine Exekutivbeamte mit sicherheitspolitischen Aufgaben hat es zu Anfang des 18. Jahrhunderts noch nicht gegeben. Die Handhabung der Polizei lag immer noch in den Händen der von den Magistraten beauftragten Ratmannen, denen als Hilfsorgane Stadtdiener zur Verfügung standen. Eine besondere Polizeiabteilung in den Stadtverwaltungen bestand ebenfalls noch nicht.

Die ersten Polizisten mit Sicherheitsaufgaben wurden 1735 eingestellt, insgesamt acht Polizisten.[174] Berlin wurde 1742 in 18 polizeiliche Bezirke eingeteilt, denen ein nebenberuflicher Kommissar vorstand. Um die Jahrhundertmitte bestanden die nichtmilitärischen Sicherheitsinstitutionen in Berlin aus diesen 18 Kommissaren, acht Polizisten und 40 Nachtwächtern. Diese Struktur blieb so bis 1800 bestehen. Die eher nachrangige Bedeutung der nichtmilitärischen Sicherheitsinstitutionen war auch in den anderen Städten gegeben, auf die das Berliner Polizeisystem übertragen wurde. Das Militär hatte überall die beherrschende Stellung inne.[175]

Auch zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Polizeitdichte in den großen Städten Preußens noch gering. In Berlin kamen 1848 auf gut 400.000 Einwohner nur 204 Polizisten.[176]

Stadt- und Raumplanung und -ordnung

 
Das abgebildete Gemälde findet sich in vielen Büchern und Zeitschriften wieder. Es zeigt den Bau eines Straßenzugs in der Vorstadt Friedrichstadt in Berlin in der Phase der Pfahlgründung als Fundamentsetzung. Das Stadtgebiet Berlins wurde unter Friedrich Wilhelm I. erheblich vergrößert. Die südliche Friedrichstadt, der wichtigste neue Stadtteil Berlins, erhielt seit 1735 eine geschlossene Bebauung mit zwei(voll-)geschossigen Typenhäusern unter durchlaufenden Mansarddächern. Überwacht wurde der Ausbau von Oberst Christian Reinhold von Derschau. Die meisten Bauten entstanden erst, nachdem preußische Offizielle oder der König selbst entsprechenden Druck auf die (unfreiwilligen) privaten Bauherren ausgeübt hatten.[177] In der Friedrichstadt wurden von 1721 bis 1737 beinahe 1000 neue Häuser errichtet (Ganz Berlin 1711: 4100 Häuser, 1740: 5400 Häuser). Der schlechte Baugrund machte aufwendige Pfahlgründungen notwendig. Um die Fertigstellung des Viertels auf kostensparende Weise und in kürzester Zeit zu ermöglichen, wurde der Einsatz von Soldaten angeordnet.[178]

Bis ins 18. Jahrhundert hinein domininierte in Europa die Vorstellung von der Unveränderlichkeit der Naturgewalten. Die Einstellung beruhte auf religiös geprägten Werturteilen, wonach nur die Allmacht Gottes die Natur und Umwelt prägen kann (oder darf). Neben dieser Schicksalsergebenheit waren der gering differenzierte und unentwickelte Zustand der Gesellschaft und der geringe technische Entwicklungsstand Hauptursachen für die nur wenigen gesamtstaatlichen Gestaltungsprogramme zur Formung der Natur und Landschaft. Dies änderte sich im 18. Jahrhundert, mit der Zunahme der Bedeutung der Naturforschung und des gesamten Wissenschaftssektors im Allgemeinen. Selbstbewusste Gelehrte und Fachleute begannen mit zunehmender Intensität und Reichweite die Natur den menschlichen Anforderungen entsprechend umzuformen.

Es setzten europaweit größere Stadtbauprojekte ein, die sich nach systematischen Kriterien zunächst des Barocks richteten. Wesentlicher Treiber dieser zentralstaatlichen Ausbauprogramme waren auch verteidigungspolitische Aspekte. So dominierten zunächst militärische Funktionalbauten und Einrichtungen neben den Wohnbauprogrammen die staatlichen Aktivitäten.

Preußen lief im 18. Jahrhundert einigen dieser raumplanerischen Entwicklungen hinterher. Dazu gehörte zum Beispiel die erst spät durchgeführte Landesvermessung und die Erstellung geeigneter Kartenwerke der Monarchie. Auch der Verkehrswegeausbau und die dazugehörige Infrastruktur wie Wegeleitsysteme wurden in Preußen später als in anderen deutschen Staaten eingeführt. Oftmals bildeten Verteidigungspolitische Erwägungen des Monarchen die entscheidende Vetostimme, die ambitionierte Vorhaben stoppten und verzögerten. Es wurde befürchtet, das ein gut ausgebautes Wege- und Leitsystem oder auch öffentlich im Umgang befindliche exaktes Kartenwerke einem potenziellen Gegner die Möglichkeit eines militärischen Sieges eröffnen würde.

Davon unberührt blieben die Erneuerungen der Städte, die im 18. Jahrhundert noch nicht den heute üblichen Anspruch von Wachstum und Expansion hatten, sondern altes durch neues in ähnlicher Größenordnung ersetzen oder umformen sollte. Anlässe dafür bildeten zum Beispiel zerstörte Städte durch Stadtbrände (zwei von 100 Städten brannten jedes Jahr in Preußen ab), Kriegszerstörungen oder Naturgewalten. Der Stadt- und Raumplanerische Ansatz fiel daher unter der Prämisse Rétablissement.

Gebündelt wurden solche Aktivitäten im Oberbau-Departement des Generaldirektoriums.

Der Staat investierte seit dem 18. Jahrhundert in zunehmenden Maße bedeutende Finanzsummen für die Errichtung von zivilen und militärischen Baustrukturen. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurden Kasernen errichtet, so zwischen 1763 bis 1767 zwei Artillerie- und fünf Infanteriekasernen mit Ställen und Magazinen, denen fortan weitere folgten. In Berlin wurden zwischen 1769 bis 1777 149 Bürgerhäuser auf Staatskosten errichtet. Zwischen 1780 bis 1785 wurden aus königlichen Mitteln insgesamt 1,2 Millionen RT für die Errichtung von Kasernen, Kirchen, die königliche Bibliothek, 91 große Wohnhäuser, das Palais des Prinzen Heinrich und zahlreichen Manufakturen ausgegeben. In und um Potsdam investierte der König zwischen 1740 bis 1786 insgesamt 3,5 Millionen RT für die Errichtung von 720 Wohn- und Kolonistenhäusern. Zusätzlich kamen Ausgaben von 216.000 RT für Fabriken, 450.000 RT für Militärgebäude und 1,1 Millionen RT für das Große Militärwaisenhaus, Kirchen und Stadttore dazu. Insgesamt 10,5 Millionen RT investierte Friedrich II. für den Ausbau Potsdams. Für die sonstige Kurmark wurden in dem Zeitraum von 1740 bis 1786 9,2 Millionen RT für die Errichtung von Wohn- und Fabrikbauten und die Hebung der Landeskultur eingesetzt.[179]

Währungspolitik und Münzregal

 
Ein Reichs Thaler Friedrich II 1777

Der Preußische Reichstaler war die Währung Preußens bis 1857.

Formell galt für das Heilige Römische Reich die in den Münzedikten von 1551, 1559 und 1566 geschaffene Reichsmünzordnung auch im 17. Jahrhundert bestehen. Die Normen wurden allerdings nicht beachtet, so dass der brandenburgische Kurfürst zusammen mit dem sächsischen Kurfürsten eine eigene Münzkonvention erließ. Seit 1667 galt für Brandenburg-Preußen die Münzkonvention von Zinna. Der preußisch-österreichische Dualismus führte zu währungspolitischen Umwälzungen, die das Gebiet des Heiligen Römischen Reiches in zwei Währungsgebiete aufteilte. 1750 führte Friedrich II. nach dem Plan seines Münzdirektors Johann Philipp Graumann eine Münzreform durch. Durch die Graumann'sche Münzreform wurde der 14-Talerfuß in Preußen eingeführt. Außerdem gab Preußen die etwas leichtere Reichstaler und Goldmünzen, die Friedrich d’or aus. Durch die Reform wurde Preußen währungspolitisch unabhängig vom Ausland. 1821 Im Rahmen einer Münzreform wurde der preußische Taler in 30 Silbergroschen zu je 12 Pfennigen eingeteilt.[180]

Bis dahin wurde der Taler in 24 Groschen, die jeweils 12 Pfennige wert waren, unterteilt. Daneben existierten in den östlichen Landesprovinzen weitere Unterteilungen. Preußens Währung wurde im Jahre 1821 vereinheitlicht, wodurch diese Unterteilungen wegfielen. Im Jahr 1857 wurde der preußische Taler durch den Vereinstaler ersetzt.

Königliche Post

 
Preußisches Posthausschild

Die Königliche Preußische Post bildete bis zur Etablierung eines dichten Eisenbahnstreckennetzes das erste öffentlich betriebene Verkehrsnetz, das alle Provinzen und Landesteile Preußens verband und damit eine zentrale Integrationsfunktion für das Zusammenwachsen des preußischen Staates innehatte.

1786 gab es 760 Postanstalten in Preußen, vier Oberpostämter in Berlin, Breslau, Königsberg und Stolzenberg, 246 Postämter sowie 510 Postwärterämter, die als nicht eigenständige Postanstalten dem nächstgelegenen Postamt zugeteilt waren. Oberste Dienststelle war das 1741 zur selbständigen Behörde erhobene Generalpostamt. Der Generalpostmeister bekleidete den Rang eines Staatsministers und stand zugleich dem Fabrik-, Handels- und Salzdepartement des Generaldirektoriums vor. Später folgte dann die Eingliederung in das neu geschaffene Innenministerium.

Im Jahre 1850 beschäftigte die preußische Post insgesamt 14.356 Bedienstete in 1.723 Postanstalten.[181] Die Postverwaltung unterhielt 6.534 Postwagen und 12.551 Pferde. Über 2,1 Millionen Reisende wurden befördert.

Föderale Gliederung

 
Verwaltungsgliederung am 1. Januar 1900

Die „Staaten des Königs von Preußen“, für deren Gesamtheit sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts der Name „Preußen“ einbürgerte, bestanden Anfang des 18. Jahrhunderts aus den Landesteilen Königreich Preußen, Markgrafschaft Brandenburg, Herzogtum Pommern, Geldern, Kleve, Moers, Tecklenburg, Lingen, Minden, Mark, Ravensberg, Lippstadt, Herzogtum Magdeburg, Halberstadt, dem souveränen Fürstentum Neuenburg und der souveränen Grafschaft Valangin. 1713 wurden die Landesteile in folgende Provinzen gegliedert: Mittel-, Ucker- und Altmark, Neumark-Pommern-Kassuben, Preußen, Geldern-Kleve, Minden-Mark-Ravensberg, Magdeburg-Halberstadt, Neuenburg (Land) und Valangin (Land). 1740 wurden die Provinzialbehörden in Kriegs- und Domänenkammern überführt oder neu gegliedert. Auch deren Gestalt änderte sich im Laufe der folgenden Jahrzehnte mehrmals, als weitere Gebiete, darunter Schlesien als souveräner Besitz, zu Preußen kamen.

Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde der Staat Preußen mit der Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzialbehörden vom 30. April 1815 in zehn Provinzen eingeteilt, die mit Ausnahme von Ostpreußen, Westpreußen und Posen als Verwaltungseinheiten Preußens zum Territorium des Deutschen Bundes zählten. Nach der bereits 1822 erfolgten Fusion der beiden rheinischen Provinzen waren dies neun Provinzen (in Klammern die Hauptstadt):

  1. Provinz Brandenburg (Potsdam)
  2. Provinz Ostpreußen (Königsberg)
  3. Provinz Westpreußen (Danzig)
  4. Provinz Pommern (Stettin)
  5. Provinz Schlesien (Breslau)
  6. Provinz Posen (Posen)
  7. Rheinprovinz (Koblenz), 1822 entstanden aus
    1. Provinz Jülich-Kleve-Berg (Köln)
    2. Provinz Großherzogtum Niederrhein (Koblenz)
  8. Provinz Westfalen (Münster)
  9. Provinz Sachsen (Magdeburg)

1829–1878 waren Ost- und Westpreußen zur Provinz Preußen (Hauptstadt Königsberg) vereinigt.

Nach dem Deutschen Krieg von 1866 annektierte Preußen das Königreich Hannover, das Kurfürstentum Hessen, das Herzogtum Nassau, die Herzogtümer Schleswig und Holstein sowie die Freie Stadt Frankfurt. Aus diesen Gebieten wurden drei Provinzen gebildet:

  1. Provinz Hannover (Hannover)
  2. Provinz Hessen-Nassau (Kassel)
  3. Provinz Schleswig-Holstein (Kiel, 1879–1917 Schleswig)

Preußen umfasste damit zwölf Provinzen. Diese Einteilung blieb bis zum Inkrafttreten des Versailler Vertrags im Jahre 1920 bestehen.

Oberste Staatsbehörden und Provinzverwaltung

Die preußischen Könige regierten „im Kabinett“, das zu Zeiten Friedrichs II. aus zwei bis drei Geheimen Kabinettsräten und mehreren Kabinettssekretären bestand. Dieser Regierungsstil bedeutete, das der König fast nur schriftlich mit seinen Ministern kommunizierte und Anweisungen oder Antworten auf eingehende Berichte mit den berühmten Kabinettsordren beantwortete. In der bis 1848 in Preußen bestehenden Absoluten Monarchie kamen diesen königlichen Anweisungen der Status eines Gesetzes gleich.

Die Minister des Kabinettministeriums, des Justizministeriums, des Staatsministeriums und ranghohe Diplomaten gehörten zugleich dem Geheimen Rat an. Allerdings verlor dieser Rat mit zunehmenden Zeitverlauf seine ursprünglich zentrale Bedeutung.

Die eigentliche Zentralverwaltung Preußens im späteren 18. Jahrhundert bildeten das Justizministerium, das Kabinettsministerium und das Generaldirektorium. Das Kabinettsministerium, das vom Kabinett des Königs zu trennen ist, bildete eine Art Vorläufer des Auswärtigen Amts und setzte sich aus ein bis zwei Ministern und fünf bis sechs Geheime Legationsräte zusammen. Die Kabinettsminister fungierten als außenpolitische Berater des Königs. Die Entscheidungen selbt traf nur der König allein.

Seit 1723 war das neu errichtete Generaldirektorium die zentrale Behörde für die Finanz-, innere und Militärverwaltung Preußens. Das Ressort bildete eine Matrix-Aufbauorganisation zwischen Provinzabteilungen und Fachabteilungen. Die Provinzabteilungen verfügten in den Provinzen über jeweils so genannte Kriegs- und Domänenkammern als eigenen Unterbau. Diese Provinzbehörden bildeten die Exekutivverwaltung für die Finanz-, Polizei-, und Militärverwaltung. 1772 gab es davon 12 Behörden in Preußen. An der Spitze dieser Provinzbehörden stand meist ein adeliger Kammerpräsident, dem ein bis zwei Direktoren assistierten. Dazu kamen ein oder mehrere Oberforstmeister, ein Baudirektor und je nach Größe und Bedeutung der Provinz zwischen fünf bis 20 Räte. Den Kriegs- und Domänenkammern der Provinzen unterstanden noch so genannte Steuerräte, die für die lokale Überwachung in Polizei-, Handel-, Gewerbe- und Akzisefragen betreut waren.

Ebenso unterstanden den Kriegs- und Domänenkammern die adeligen Landräte, die den Kreisen der Provinzen vorstanden. Als solche hatten die Landräte eine ambivalente Rolle inne. Sie waren königliche Gefolgsleute und auch als gewählte Repräsentanten der Kreistage Vertreter der Landstände.

Jeder Abteilung des Generaldirektoriums stand ein Minister vor. Bis 1806 erweiterte sich der Zuständigkeitsbereich des Superministeriums sowohl territorial als auch sachlich durch Gründung neuer Abteilungen innerhalb des Ressorts. 1806 gab es sieben Ressortchefs, die Zahl der Räte betrug 52, die Zahl der Sekretäre betrug 73. Neben dem Generaldirektorium stand das Schlesische Finanzdepartement mit Sitz in Breslau. Diese Behörde besaß eine eigene Zuständigkeit auf die beiden Kriegs- und Domänenkammern mit Sitz in Breslau und Glogau. Damit nahmen die Fürstentümer Schlesiens im Gefüge des Regierungssystems Preußens im 18. Jahrhundert eine Sonderstellung ein.[182]

Weitere oberste Landesbehörden bildeten die Oberrechenkammer. Ihr gehörten 25 Räte und 13 Sekretäre an und bildete eine Art Rechnungsprüfungskammer.

In sachlicher und finanziell enger Verbindung mit dem Generaldirektorium standen die Königliche Hauptbank, die Seehandlungssozietät und die General-Salz-Administration, die von jeweils einem eigenen Finanzminister geleitet wurden.

An der Spitze der Justizverwaltung stand das Justizministerium. Dieses war zugleich zuständig für Religionsangelegenheiten und wurde von vier Ministern geführt. Dazu kamen sieben Räte. Dem Justizministerium unterstanden als Landesjustizkollegien die „Regierungen“, Hof- und Obergerichte. Dies Unterbaubehörden sprachen in ihren jeweiligen Provinzen Recht verwalteten aber auch Hoheits-, Grenz-, Lehens-, Kirchen- und Schulangelegenheiten.[183]

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
KURFÜRST VON BRANDENBURG
KÖNIG VON/IN PREUSSEN
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Hofkanzlei
‘’Gerichtsbarkeit und Verwaltung’’
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1516
Kammergericht
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1537
Ratsstube
 
 
 
 
Rentkammer
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1543
Kurmärkisches Konsistorium
 
 
 
1540
Kammergericht
(Neuorganisation)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1604
Geheimer Rat
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
KultusJustizAuswärtigesFinanzen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1685
Collegium Medicum
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1689
Geheime Hofkammer
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1713
Generalfinanzdirektorium (Domänen, Regalien)
 
1713
Generalkriegskommissariat (Steuern)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1714
Generalrechenkammer
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1725
Obercollegium Medicum
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1728
Kabinettsministerium
 
1723
Generaldirektorium
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1737
Justizministerium
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1750
Oberkonsistorium
 
 
 
 
1747-1751
Justizreform Instanzenzug
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1802
Oberrechnungskammer
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1799
Obercollegium Medicum et Sanitatis
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Gerichte 1., 2. und 3. Instanz
 
 
 
1808
Justizministerium
 
1808
Staatsministerium
 
1808
Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten
 
1808
Kriegsministerium
 
1808
Ministerium des Innern
 
1808
Finanzministerium
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1817
Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1817
Schatzministerium
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Provinzialkonsistorien
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
1824
Oberrechnungskammer
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Rechtsstaat

Die seit Friedrich Wilhelm I. gesamtstaatlich ausgerichtete Organisation der Verwaltungsbehörden führte dazu, das auch im Bereich der Justizverfassung ein zentralstaatlicher Gerichtsaufbau etabliert wurde. Dieser sollte die bis dahin unverbundenen, für die verschiedenen Landesteile zuständigen Spitzengerichte vereinigen. Als zentralstaatliches höchstes Gericht wurde 1748 das sogenannte Große Friedrichs Kollegium errichtet, in welchem das Kammergericht und die in Berlin befindlichen Oberappellationsgerichte zusammengeschlossen wurden. Eine organische Justizorganisation mit einer einheitlichen für alle preußischen Staaten zuständigen Spitze wurde erst 1782 verwirklicht, als das mit dem Kammergericht verbundene Obertribunal selbständig wurde und fortan als Geheimes Obertribunal höchste Instanz für die gesamte Monarchie wurde. Als Mittelinstanzen in den Provinzen fungierten fortan das brandenburgische Kammergericht, das ostpreußische Tribunal, die schlesischen Oberamtsregierungen und in den anderen Landesteilen die so genannten „Regierungen“.[184]

Die wesentliche Ausformung des preußischen Rechtssystems im 18. Jahrhundert wurden von Samuel von Cocceji und Johann Heinrich von Carmer erarbeitet und geleitet.

Auswärtiges

Staatsbeziehungen

 
Einzug der Kurfürsten 1612 in Frankfurt am Main. Entsprechend der Bildbeschriftung(„..., Brandenburg schlecht“), galt Brandenburg (und damit auch Preußen) in der Reichsöffentlichkeit/ Reichsmeinung bis Ende des 17. Jahrhunderts als „schlechtestes“ der Kurfürstentümer im Reichsgefüge und die Hohenzollern als „arme Emporkömmlinge“

Mit seiner Machtpolitik, baute Preußen seine Stellung im internationalen Gefüge des europäischen Mächtegleichgewichts aus. Es galt als aufstrebende Militärmacht und wurde deshalb von den europäischen Großmächten bis 1740 als Auxiliarmacht umworben. Ohne natürliche Grenzen hatte Preußen keine Sicherheitszone, was eine zunehmende Bedenkenlosigkeit bei der Wahl seiner außenpolitischen Mittel nach sich zog und ihm den Vorwurf der Unzuverlässigkeit einbrachte.[185]

 
No. 8 & No. 9 Carlton House Terrace, The Mall (ehemals Preußische Gesandtschaft und Deutsche Botschaft bis 1955), siehe auch: Liste der preußischen Gesandten im Vereinigten Königreich

Preußens Außenpolitik war daher wechselhaft und richtete sich stets nach den eigenen Erfordernissen; daraus ergab sich bisweilen eine „Schaukelpolitik“. Bündnisse wurden mit kurzfristiger Laufzeit und auf die Erreichung von Einzelzielen hin geschlossen, die Treue zu internationalen Verträgen war „lax“. Daraus ergaben sich Unberechenbarkeit und Unsicherheit für seine Nachbarn.[186]

Direkte und enge Beziehungen unterhielt Preußen zum Kaiserreich Russland, mit dem es im 18. und 19. Jahrhundert diverse Allianzverträge geschlossen hatte. Zu Schweden, das als niedergehender Hegemon im Kampf um das Dominium maris Baltici lange Zeit aggressive Tendenzen gegenüber seinen südlichen Nachbarn unterhielt, hatte Preußen ein konfrontatives, häufig kriegerisches Verhältnis. Zwischen 1630 und 1763 führte es insgesamt fünf Kriege gegen Schweden. Das Königreich Dänemark war für Preußen dagegen ein natürlicher Bündnispartner und wichtige Bezugs- und Orientierungsmacht. Ähnlich positiv gestaltete sich das Verhältnis zu den Niederlanden, deren Bedeutung für den Frühpreußischen Staat und seine Eliten vor allem in kultureller Adaption, Bezugnahme und Referenzialität bestand. Zur Weltmacht Großbritannien überwog ein positiver gegenseitiger Austausch. Zur kontinentalen Führungsmacht Frankreich stand Preußen mehrfach und anhaltend in Konflikt. Von 1674 bis 1807 ergaben sich insgesamt sechs kriegerische Auseinandersetzungen mit Frankreich. Die im 18. Jahrhundert stagnierende ehemalige Großmacht Polen wurde zum Opfer der preußisch-russisch-österreichischen Teilungspolitik.

Die preußische Politik gegenüber dem Heiligen Römischen Reich führte im 18. Jahrhundert zu einer erheblichen Schwächung des Reichszusammenhalts. Zum einen war der Einmarsch preußischer Truppen in Schlesien Ende 1740 ein eklatanter Verstoß gegen die Rechtsordnung des Reiches. Außerdem war Preußen darauf bedacht, seine Autonomie als Königreich gegenüber dem Reich auszubauen. Damit positionierte es sich vor allem gegen die primäre Reichsmacht Österreich, das für die Erhaltung des Reichs eintrat. Daraus entwickelte sich der bis 1866 anhaltende deutsche Dualismus.[187]

Mit den sonstigen deutschen Staaten gab es einen vielfältigen und dichten Austausch. Preußen übernahm im Verlauf des 18. Jahrhunderts die Führungsrolle als erster protestantischer Reichsstand vor Sachsen. Ab 1763 hatte Preußen mit der Bildung des Fürstenbunds unter seiner Führung großen Einfluss auf die deutsche Innenpolitik .

Diplomatisches Korps

Seit 1700 entstanden überall in Europa ständige Gesandtschaften, die die temporären Missionsgesandtschaften, die bis dahin in der europäischen Diplomatie üblich waren, verdrängten. Im Westfälischen Frieden 1648 hatten alle Reichsfürsten auch formell das Bündnisrecht und damit auch das Recht auf eine eigenständige Außenpolitik erhalten.

In der Folge baute auch Preußen ein europaweites Gesandtschaftswesen an den europäischen Herrscherhöfen auf. Als die 1728 als „Departement der Auswärtigen Affären“ eingerichtete Behörde 1867 zunächst als Auswärtiges Amt an den Norddeutschen Bund und dann ab 1871 zum Deutschen Kaiserreich übertragen wurde, bestand das diplomatische Korps der ehemals preußischen Behörde aus insgesamt 60 Etatstellen. Die Behörde unterhielt insgesamt vier Botschaften in London, Paris, Petersburg und Wien, 16 Gesandtschaften, acht Gesandtschaften innerhalb des Reichs, acht Ministerresidenturen, sieben Generalkonsulate mit diplomatischen Status, 33 Berufskonsulate und vier Berufsvizekonsulate.[188]

Historische Geografie

Territoriale Veränderungen Preußens zwischen 1415 und 1803
 
Die Mark Brandenburg 1415
 
Erwerbungen von 1415 bis 1618
 
Erwerbungen von 1618 bis 1648
 
Erwerbungen von 1648 bis 1740
 
Erwerbungen von 1740 bis 1786
 
Erwerbungen von 1786 bis 1803

Überblick

 
Das norddeutsche Tiefland ist ein Teilbereich des mitteleuropäischen Tieflandes (grüne Flächensignatur), das sich von Belgien im Westen bis nach Polen im Osten erstreckt

Die einzelnen Landesteile Preußens waren landschaftlich, gesellschaftlich und strukturell sehr unterschiedlich. Zwischen der östlichsten preußischen Stadt Memel und der westlichsten preußischen Stadt Geldern lagen 1080 Kilometer Luftlinie. Memel war gleichzeitig auch die nördlichste Stadt des altpreußischen Staats und Pless in Südschlesien die südlichste Stadt Preußens um 1800. Die Luftlinie beider Städte betrug 655 Kilometer in Nord-Südrichtung.

Die Zahl der Anrainer differierte stark aufgrund des sich stark wandelnden Territorialbestands des Staates. Die bedeutendsten nicht deutschen Nachbarstaaten waren aber zunächst im Osten Polen-Litauen bis zu seiner Auflösung als auch seit 1720 das russische Kaiserreich. Bis 1815 hatte Preußen eine direkte Landgrenze mit Schweden. Mit Dänemark war Preußen seit 1866 benachbart. Zum Kaisertum Österreich und dem staatlichen Vorgänger Habsburgermonarchie gab es über Schlesien eine direkte Landverbindung. Im Westen hatte Preußen eine direkte Grenze zu den Niederlanden und seit 1815 zu Frankreich.

Während die räumlich kleinteiligen westlichen Provinzen des altpreußischen Staats eher gewerblich und städtisch geprägt waren, wiesen die östlichsten Provinzen starke Agrarstrukturen mit geringen Freiheitsgraden der bäuerlichen Bevölkerung auf. In der strukturschwachen Region waren städtische Zentren dem Wortsinn nach selten, während Ackerbürgerstädtchen mit geringer Einwohnerzahl die dortigeBesiedlungsstruktur dominierte. Die zentralen Provinzen wiesen als Übergangszone Züge beider entgegengesetzter Ausprägungen gleichzeitig auf.

Wirtschaftliche Kernregionen des Staates waren der Berliner Raum, Schlesien als gewerbezentrierte Region und seit 1850 stark anwachsend das Rhein- und Ruhrgebiet. Bedeutende Rohstofflager gab es im Ruhrgebiet und im Schlesischen Montanrevier.

Geografisch ist der überwiegende Teil des Staatsgebiets der Norddeutschen Tiefebene zuzuordnen. Die Ostsee bildete für den preußischen Staat eine bedeutende und lange maritime Nordgrenze. Die Teilnahme am Ostseehandel aber auch am kontinentalen Ost-West Handel (u. a. über die Via Regia, Leipziger Messe, Messe Frankfurt an der Oder) war für den preußischen Staat von grundlegendem wirtschaftlichen Interesse.

Das Territorium zerfiel einerseits in mehrere voneinander isolierte Gebietsblöcke und war zeitlich von einer starken Veränderungsdynamik geprägt. Viele spätere Territorien Preußens wechselten ihre Staatsangehörigkeit in Zuge von Kriegsniederlagen fremder Mächte oder der Übertragung von Erbschaftsanrpüchen, Kauf oder im diplomatischen Tausch gegen andere Territorien in den Besitz Preußens.

Vier wesentliche geografische Blöcke mit ähnlichen soziokulturellen Zusammenhängen formten die altpreußische Monarchie bis 1806. Dies war zunächst das Kerngebiet Preußens mit den mittleren Provinzen um die Mark Brandenburg, dann die östlichen Provinzen mit ihren idellen Zentrum in Königsberg, der Nordwesten mit verschiedenen kleineren Landesteilen kam seit Anfang des 17. Jahrhunderts in den Besitz der Hohenzollerndynastie. Die südlichen Provinzen bildeten eine kurzwährende Ausnahmeerscheinung des preußischen Staatsgebiets. Diese Territorien wurden bereits 1805 im Tausch gegen Kurhannover wieder abgetreten, das ebenso binnen Jahresfrist wegen der Kriegsniederlage gegen Frankreich abgetreten wurde.


Provinzen des altpreußischen Staats bis 1806 mit Angabe von statistischen Kennzahlen[189]
Provinzgruppe Nummer Provinz Anfall Abgang Km² EW EW/Km² Städte Städte >5.000 EW Städte 4999-2.000 EW Städte <2.000 EW
Ost 1. 176.596 4.104.000 23,24 525 18 73 434

 

1.1 (Alt-)Ostpreußen 1618 1945 39.424 990.000 25,11 67 6 25 36
1.2 Neuostpreußen 1795 1807 51.240 877.000 17,12 129 0 8 121
1.3 Westpreußen 1772/76 1920/45 32.256 817.000 25,33 94 6 18 70
1.4 Südpreußen 1793 z. T. 1807 53.676 1.420.000 26,46 235 6 22 207
Zentral 2. 109.310 4.203.400 38,45 380 33 104 243

 

2.1 Herzogtum Schlesien 1741 1945 40.656 2.047.000 50,35 147 11 43 93

 

2.2 Mark Brandenburg 1415 z. T. 1945 35.728 1.177.000 32,94 123 13 34 76

 

2.3 Herzogtum Pommern 1648, 1721 z. T. 1945 24.761 518.000 20,92 56 3 14 39

 

2.4 Herzogtum Magdeburg mit Grafschaft Mansfeld 1648, 1680 (z. T. 1807–1813) 6.093 320.000 52,52 36 3 5 28
2.5 Grafschaft Hohnstein, Fürstentum Halberstadt, Quedlinburg 1648 1807–1813 2.072 141.400 68,24 18 3 8 7
2.6 Fürstentum Erfurt und Eichsfeld 1802 1806 2.716 158.000 58,17 9 3 3 3
Nord-West 3. 17.645 873.000 49,48 104 8 21 75
3.1 Grafschaft Kleve und Grafschaft Mark 1612 1801/07–1815 4.004 202.000 50,45 36 3 10 23
3.2 Fürstentum Minden und Grafschaft Ravensberg 1648 1807–1815 1.951 166.000 85,08 14 1 2 11
3.3 Grafschaft Lingen und Grafschaft Tecklenburg 1702 1807–1815 728 46.000 63,19 8 0 0 8
3.4 Fürstentum Münster 1802 1807–1815 2.744 127.000 46,28 9 1 1 7
3.5 Fürstentum Paderborn 1802 1807–1815 2.800 98.500 35,18 23 0 2 21
3.6 Fürstentum Hildesheim 1802 1807–1866 2.240 114.000 50,89 9 2 3 4
3.7 Fürstentum Ostfriesland 1744 1807–1866 3.178 119.500 37,60 5 1 3 1
Süd 4. 7.658 540.600 70,59 48 8 8 32
4.1 Fürstentum Ansbach 1791 1806 3.514 270.000 76,84 25 5 3 17
4.2 Fürstentum Bayreuth 1791 1807 3.220 223.000 69,25 18 3 3 12
4.3 Fürstentum Neufchatel 1707 1806 924 47.600 51,52 5 0 2 3
Preußische Monarchie 311.209 9.721.000 31,24 1057 67 206 784


Staatsgebiet

Die Entwicklung der Staatsfläche Preußens zwischen 1701 und 1939 zeigt eine stark steigende Tendenz:[190] Von 1608, kurz vor den ersten außerbrandenburgischen Territorialerwerbungen der Hohenzollern bis zum Zusammenbruch des altpreußischen Staats knapp 200 Jahre später, expandierte das feudale Staatswesen um nahezu das zehnfache seiner Ursprungsgröße. Ausgehend von der Bevölkerungsentwicklung betrug der Wachstumsfaktor in diesem Zeitraum 1:23,6.

Die Hohenzollernherrscher betrieben seit dem 16. Jahrhundert eine konsequente (dynastische) Expansionspolitik. Zunächst war die Dynastie zeitgemäß auf die Einheiratung und Übernahme von Erbschaftsansprüchen interessiert. Die Erbschaftspolitik gelang mit dem Anfall des Herzogtums Preußen, dem späteren Herzogtum Magdeburg und einigen süddeutschen Fürstentümern. Im Westen hielten die Hohenzollern Ansprüche auf einige kleinere Gebiete aufrecht. Im Zuge des Clevischen Erbfolgestreit gelang es diesen, sich auf einer europaweiten Konfliktebene durchzusetzen. Auch auf Pommern hielten die Hohenzollern längere Zeit Erbschaftsansprüche aufrecht, bis diesen 1648 Hinterpommern zugestanden wurde.

Jahr Bevölkerung Fläche[191]
1608 0,41 Mio. 35.728 km²
1640 k. A. 80.826 km²
1686 <1,5 Mio.[192] 109.830 km²
1713 1,6 Mio. 111.574 km²
1740 2,4 Mio. 117.928 km²
1786 5,4 Mio. 190.223 km²
1797 8,7 Mio. 307.785 km²
1804 9,7 Mio. 316.232 km²
1807 4,94 Mio. 158.000 km²
1816 10,3 Mio. 280.000 km²
1840 15 Mio. 280.000 km²
1861 18,5 Mio. 280.000 km²
1871 24,6 Mio. 348.780 km²
1880 27 Mio. 348.780 km²
1910 40,16 Mio. 348.780 km²

1715 kam Schwedisch-Pommern bis zur Peene zum preußischen Staat dazu. Durch Erbschaft gelangte Ostfriesland zu den preußischen Staaten. 1742 wurden die Fürstentümer Schlesiens als Provinz für Preußen erobert und gehalten. 1776 kam die Provinz Westpreußen zum preußischen Staat dazu. Von 1790 bis 1806 kamen durch die territoriale Neugliederung des zusammenfallenden Heiligen Römischen Reiches und des zeitgleichen ausgreifenden Französischen Empires große Gebiete im Nordwesten Deutschlands und in Franken zum Königreich Preußen dazu. Auch die vollendete Aufteilung Polens brachten noch einmal große territoriale Zugewinne für Preußen. Der Staatscharakter Preußens war dadurch in wenigen Jahren völlig verändert worden. Die Neupreußischen Territorien im Westen Deutschlands und im altpolnischen Siedlungsraum hatten keinerlei preußisch-(deutsche) Traditionen, wiesen ganz eigene oder andere Raumbindungsgefüge auf und gingen durch die Bestimmungen des Friedens von Tilsit 1807 wieder verloren. Preußen erhielt jedoch im Zuge des Wiener Kongresses im Jahre 1815 seine ungefähre frühere Größe zurück. Die bisher vereinzelten preußischen Provinzen am Rhein wurden nun in einen Gesamtrheinisch-westfälischen Territorialkomplex zusammengefasst. Das war eine britische Idee und keine preußische, deren Akteure lieber das gesamte Sachsen erhalten hätten. Stattdessen sollte nach Britischem Willen Preußen als Ersatz für das ausgeschiedene Habsburg die Rolle des „Wächters am Rhein“ gegenüber Frankreich übernehmen.[193] Diese neue Gebietseinheit veränderte den preußischen Staat nach 1815 erheblich. Die bis dahin dominanten mittleren Provinzen Preußens verloren bis 1918 einen Teil ihrer Bedeutung zugunsten der rheinischen Provinzen. Das außenpolitische Streben der preußischen Regierung nach 1815 zielte insgeheim darauf ab, die beiden großen geografisch durch eine 40 Kilometer breite Lücke getrennten Gebiete im Westen und in „Altpreußen“ zu vereinen. Die dazwischen liegenden Fürstentümer wie das Königreich Hannover wurden dadurch, wie zuvor schon bei der Reduktion des Königreichs Sachsen erfolgt, zu einer territorialen Verfügungsgröße Preußens in desen außenpolitischen Ambitionen. Da nur ein Teil der ehemals polnischen Erwerbungen aus der dritten Teilung Polens erneut Preußen zugeschlagen wurde, erhielt der Gesamtstaat Preußen wieder eine eher Gesamtdeutsche Position.[194]

Bevölkerung

Der Anstieg der Bevölkerungszahl im 17. und 18. Jahrhundert beruhte auf Gebietsgewinnen und einer intensiv betriebenen Peuplierungspolitik. Die gezielte Werbung und Ansiedlung von ausländischen Kolonisten, häufig Exulanten und Glaubensflüchtlinge aus habsburgischen Ländern, in den eher bevölkerungsarmen östlichen Provinzen Ostpreußen, Westpreußen, Neumark und Hinterpommern beförderte den Landesausbau, der auch die Kultivierung und Urbarmachung von Sumpfgebieten einbezog. In den menschenleeren Gebieten entlang der regulierten Ströme Warthe und Oder entstanden im 18. Jahrhundert viele hundert Kolonistendörfer. Typenbildende Ortsgründungen bildeten die Webersiedlungen Nowawes und Zinna. Weiterer Bevölkerungszugewinn erfolgte über Gebietserweiterungen infolge der Einigungskriege und beruhte auch auf einem hohen natürlichen Bevölkerungswachstum im 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Um 1800 galten knapp 43 Prozent der Bevölkerung als Slawen. Darunter zählten vorwiegend Polen, Sorben, Litauer, Kaschuben, Kuren und Letten. Eine weitere Minorität waren die im 17. Jahrhundert eingewanderten französischen Hugenotten, die, Nachkommen eingeschlossen, eine Gesamtheit von 65.000 Personen umfasste. Insgesamt 250.000 Juden wurden von den damaligen Erhebungen als „Ethnie“ eingestuft und erfasst.

50,6 Prozent der Bewohner waren lutherisch, 44,1 Prozent katholisch, der Rest waren Reformierte, Mennoniten, Griechisch-orthodoxe und Hussiten.[195]

Die Bevölkerung setzte sich 1804 aus folgenden soziale Schichten zusammen:

  • 328.000 Personen von adeligem Stand, in den überwiegend polnisch geprägten Provinzen Neuostpreußen und Südpreußen war der polnische Kleinadel, Szlachta, mit 34.000 von insgesamt 54.000 Personen vertreten.
  • 2,7 Millionen Personen wurden dem Bürgerstand zugerechnet.
  • 6,828 Millionen Personen waren Landbewohner und zum Teil unfreie Bauern.
  • Der Klerus war mit 40.000 Personen vertreten.[196]

Städte

Die größten altpreußischen Städte (ohne Warschau)
Rangfolge 1804 Rangfolge 1910 Stadt Einwohner 1804[197] Einwohner 1850[198] Einwohner 1875 Einwohner 1910[199]
1 1 Berlin 178.308 419.000 966.859 2.071.257
2 3 Breslau 60.950 114.000 239.050 512.105
3 10 Königsberg 60.690 76.000 122.636 245.994
4 16 Danzig 46.213 - 97.931 170.337
5 9 Magdeburg 37.451 72.000 87.925 279.629
6 - Potsdam 26.980 - 45.003 62.243
7 11 Stettin 22.335 49.000 80.972 236.113
8 15 Halle (Saale) 21.350 - 60.503 180.843
9 - Elbing 18.805 - 33.520 55.000
10 17 Posen 15.253 45.000 60.998 156.691
11 - Frankfurt an der Oder 17.501 29.969 47.180 68.277
12 - Halberstadt 13.816 20.395 - 46.481
13 - Brandenburg an der Havel 12.499 21.000 27.776 68.277
14 - Quedlinburg 10.023 13.886 18.437 27.233
15 - Emden 10.416 zu Hannover 13.400 24.500
6 Charlottenburg - - 25.847 305.978
Die größten neupreußischen Städte mit Zugehörigkeit zum preußischen Staatsgebiet ab 1815/1866 (m.A. von Duisburg)
Rangfolge
unter den
neupreußischen
Städten
Rangfolge in
Gesamtpreußen 1910
Stadt Einwohner 1850 Einwohner 1875 Einwohner 1910[200]
1 2 Köln 97.000 135.371 516.527
2 4 Frankfurt am Main - 103.136 414.576
3 5 Düsseldorf 27.000 80.695 358.728
4 7 Hannover - 106.677 302.375
5 8 Essen - 54.790 294.653
6 12 Duisburg - 37.380 229.438
7 13 Dortmund - 57.742 214.226
8 14 Kiel - 37.246 211.627

Die Städtedichte nahm von Westen nach Osten hin ab. Die Stadt Berlin durchlief von 1700 bis 1918 ein außergewöhnlich starkes Wachstum und besaß am Ende der Monarchie die größte Stadtregion. Mit Berlin bildeten die Städte Brandenburg an der Havel (Gericht und frühe Hauptstadt), Potsdam (Residenz) und Frankfurt an der Oder (Messe, Universität) den traditionellen Kern des expandierenden preußischen Staats. Die Städte der preußischen Rheinprovinzen erlangten erst im 19. Jahrhundert eine gesteigerte Bedeutung. Die Städte im heutigen Sachsen-Anhalt, Magdeburg, Halle, Quedlinburg und Halberstadt, waren aufgrund ihrer zentralen Lage strategisch bedeutsam und deshalb lange zwischen Sachsen und Brandenburg umstritten. Die östlichen Metropolen Danzig und Königsberg bildeten dominante Monozentren in ihren jeweiligen Provinzen.

Die Liste von 1804 der einwohnerstärksten preußischen Städte weicht in der Zusammensetzung erheblich von der für das Jahr 1910 ab. Das 19. Jahrhundert war insgesamt ein Jahrhundert der Verstädterung und der Landflucht in Europa, so dass nach dem eher stagnierenden Verlauf der Frühen Neuzeit, die Städte an Einwohnern zulegten. Da zeitgleich eine große Migrationsbewegung aus den östlichen Provinzen Preußens in die wirtschaftlich boomenden Rheinprovinzen einsetzte, wuchsen zwischen 1850 und 1910 die Städte im Rhein- und Ruhrgebiet schneller als diejenigen im zentralen und östlichen Staatsgebiet.

Flüsse

Als Handelswege bedeutsam waren die Flüsse Havel, Spree, Elbe, Oder und später der Rhein. Spree, Havel, Oder und Elbe wurden durch den Bau künstlicher Wasserstraßen ab dem 17. Jahrhundert miteinander verbunden und bildeten ein gemeinsames Flusswegenetz, über das ein erheblicher Anteil des preußischen Getreidexports aber auch anderer Güter (z. B. Kalksteine von Rüdersdorf nach Berlin) zu den Häfen an Ost- und Nordsee transportiert wurden.

Gebirge

Preußen bestand zu großen Teilen aus Ebenen oder wies einen flachwelligen Charakter auf, nur im südlichen Staatsgebiet gab es markante Erhebungen. Das seit 1741 zu Preußen gehörende Schlesien war mit dem Riesengebirge als Teil der Sudeten seine gebirgigste Provinz. Daneben war der Harz das nächstbedeutende Gebirge, auf das Preußen seit Ende des 18. Jahrhunderts zumindest zum Teil Zugriff erhielt und diesen dann nach den Gebietserwerbungen von 1866 komplett in sein Staatsterritorium einschloss.

Mit der Vergrößerung des preußischen Territoriums seit 1815 um große Teile des deutschen Rheinlandes, gehörten dazu auch die kleinflächigeren Mittelgebirge Hunsrück, Westerwald und Eifel. Auch Westfalens Mittelgebirge, das Rothaargebirge und das Weserbergland, gehörten ab dann zum Königreich Preußen.

Der höchste preußische Berg war die Schneekoppe mit 1.603 Metern Höhe, gefolgt vom Reifträger mit 1.362 Metern Höhe, der Brocken mit 1.141 Metern Höhe und der Ochsenberg mit 1.033 Metern Höhe.

Vegetation, Böden und Landschaften

Größere Anteile des Staatsgebiets waren im 18. und 19. Jahrhundert von Sümpfen, Heiden und Dünen geprägt gewesen. Menschliche Eingriffe haben diese Naturlandschaften im 20. Jahrhundert größtenteils den Zivilisationsbedürfnissen zugunsten von Siedlungs- und Landwirtschaftsflächen angepasst und die ursprünglichen Erscheinungsformen erheblich zurückgedrängt, .

Die Güte der Böden variierte erheblich je nach Region. Es gab sehr nährstoffreiche und ertragreiche Böden wie in der Magdeburger Börde, in Südpreußen oder dem westlichen Schlesien. Weite Teile der mittleren Provinzen oder auch Ostpreußen hatten dagegen nährstoffarme Sandböden.

Mit neu errichteten Deiche, Flussbegradigungen und Kanalbauten wurden tausende Quadratkilometer Sumpfland dauerhaft trockengelegt. Die Erschließung landwirtschaftlicher Flächen war ein bedeutender Teil staatlicher Politik. 21,5 Prozent der Landesfläche war 1804 bewaldet, das größte Waldgebiet bildeten die Johannisburger Heide und die Rominter Heide in Ostpreußen. Die Provinz Westfalen war im Vergleich eher waldarm.

Seen, Buchten und Inseln

Die zu den verschiedenen Zeitpunkten zu Preußen gehörenden Küstenabschnitte wiesen insgesamt eine starke Gliederung auf. Markante Buchten bildeten das Stettiner Haff, das Frische Haff und das Kurische Haff mit seiner Kurischen Nehrung. Die bedeutendsten altpreußischen Inseln waren Usedom und Swinemünde, seit 1815 auch Rügen, nach 1866 kamen auch die Inselketten Niedersachsens und Schleswig-Holsteins dazu.

Die größte Seenkette Preußens bildete die Masurische Seenplatte in Ostpreußen, darunter der Spirdingsee.

Klima

Während die westlichen Provinzen Preußens, Westfalen und das Rheinland eher ein maritimeres geprägtes Übergangsklima aufwiesen, hatten die östlichen Gebiete eher kontinentalere Klimaausprägungen. Dies bedeutete für den Osten tendenziell kältere Winter bei wärmeren Sommern und für die Westgebiete ganzjährig weniger starke Maximaltemperaturschwankungen in beide Richtungen bei etwas längerer Vegetationsperiode als in den östlichsten Gebieten.

Im Bestehenszeitrum des Königreichs machte sich die durch die Industrialisierung bedingte und menschengemachte Erderwärmung noch nicht bemerkbar. Zur Anfangszeit des Königreichs wurde erst die Klimax der letzten kleinen Eiszeit durchschritten. Die Winter brachten in der Regel überall strenge und anhaltende Frostperioden mit sich.

Historiografie

Entwicklungsgeschichte

Die Geschichtsschreibung zur preußischen Monarchie ist äußerst umfangreich und thematisch facettenreich. Ihre inhaltliche Ausrichtung unterliegt Zeitströmungseinflüssen und sich wandelnden Werturteilen. Forschungsschwerpunkte sind: Transnationalen Verflechtungen und Transferprozesse, strukturelle Lage zwischen Ost und West, Akteure interner Staatsbildung, regionale Akteure, Militärsystem, Folgen staatlicher Wirtschaftspolitik, Wirkungsmacht von Elitengruppen, Umgang mit Minderheiten, Bedeutung von Kultur, Wissenschaft, Bildung und Kirchen, Demokratisierung und Nationsbildung.[201]

Erst im 19. Jahrhundert bildeten sich einzelne fachhistorische Forschungsfelder zur preußischen Geschichte aus dem Hauptfeld der Ereignisgeschichte.[202] Dazu gehörten die Agrargeschichte (Georg Friedrich Knapp), die Staatsstrukturgeschichte und die Verwaltungsgeschichte (z. B. Siegfried Isaacsohn).

Bis 1945 war die deutsche Geschichtsschreibung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts vorwiegend „borussophil“ geprägt. Die zwei wichtigsten Vertreter dieser Periode waren Otto Hintze und Johann Gustav Droysen. Nachfolgend bedeutsam waren auch Heinrich von Sybel und Leopold von Ranke. Viele der damaligen Geschichtsschreiber waren Oberlehrer und Juristen, mithin prägnante Typen des historisch interessierten preußischen Bildungsbürgertums.[203] Als umfassendstes Werk dieser Periode erschien die von Gustav von Schmoller begründete Acta Borussica.

Der deutsche Nationalismus von 1871 bis 1945 prägte das Bild einer gesamtdeutschen Mission Preußens, der sich das Haus Hohenzollern von Anfang an verschrieben haben soll.[204] Nach Wolfgang Neugebauer trifft hierfür der Begriff nationalteleologische Geschichtsschreibung zu.[205] Zudem herrschte eine starke personenfixierte Geschichtsschreibung vor, die das Geschehen in der Zeit von 1640 bis 1786 auf das Wirken der Monarchen verkürzte, nach dem wiederkehrenden Muster:

  • Friedrich I. war ein Verschwender auf dem Thron.
  • Der Große Kurfürst und der Soldatenkönig haben die Fundamente des preußischen Staats gesetzt.
  • Friedrich II. habe aus Preußen eine Großmacht gemacht.
  • Danach kehrte wieder Verschwendung, Unzucht und Müßiggang ein.
  • Die Niederlage von 1806 führte zu einem Wachstum neuer Kräfte und zu einer Erneuerung.
  • Mit erwachtem Nationalgeist und äußerster Kraftanstrengung befreite Preußen sich selbst und das deutsche Vaterland von den französischen Besatzern.

Nach dem Ende des Dritten Reichs wurde Preußen aufgrund seiner starken Militarisierung und dem ausgeprägten Obrigkeitsdenken eine geistige Nähe zum Faschismus unterstellt, die den Nährboden für die totalitäre NS-Diktatur geliefert haben soll (Kontinuitätsthese: Von Friedrich II. über Bismarck zu Hitler).[206] Gordon A. Craig ist ein bedeutender Autor dieser Strömung.

Neuere Themenschwerpunkte bilden seit 1990 die Konstruktion und Dekonstruktion preußischer Geschichtsmythen und Erinnerungskultur, die sozialhistorische Militärgeschichte, die mikrohistorische Rekonstruktion von Lebenswelten, die Geschlechtergeschichte sowie die internationale Verflechtung und der transnationale Austausch in der preußischen Politik.[207]

Die DDR Historiographie brachte eine Reihe bekannterer Fachautoren hervor, darunter Erika Hertzfeld und Ingrid Mittenzwei. Thematisch stand die klassenzentrierte Verlaufsgeschichte im Vordergrund, indem das Verhältnis von Feudalklasse, Bürgerklasse und Arbeiterklasse zueinander immer wieder nach einem festen Ablaufschema und mit feststehendem Ergebnis analysiert wurde: Am Ende siegte die Arbeiterklasse und der feudale Adel befand sich fortdauernd in einem verzweifelten Abwehrkampf. Zudem war die bourgeoise Elite im 19. Jahrhundert angeblich ein Bündnis mit dem adeligen Junkertum eingegangen, das alles Fortschrittliche bekämpfte. Ein solches Bündnis wurde nie in Frage gestellt und sein Vorhandensein konnte auch nicht bewiesen werden, es wurde nur als gegebene Tatsache im geschichtlichen Weltsystem der DDR-Historiker verankert.

Die Rückführung der wichtigsten Archivalien aus den Sammlungen der früheren DDR brachte für die Preußenforschung noch einmal einen zusätzlichen Schub.[208] Als historiographische Standardwerke gelten das Handbuch der Preußischen Geschichte und die Moderne Preußische Geschichte 1648–1947. Die Historische Kommission zu Berlin, die sich seit ihrer Gründung 1958 der preußischen Geschichte in Monographien, Aufsatzsammlungen, Editionen und internationalen Fachtagungen angenommen hatte, verlor durch Beschluss des Senats von Berlin 1996 ihren Forschungauftrag, wodurch das Institut schließen musste, aber als Gelehrtenvereinigung weiterbesteht.[209] Die am häufigsten zitierten aktuellen Autoren zur preußischen Geschichte sind Wolfgang Neugebauer, Otto Büsch und Christopher Clark. Sie waren oder sind Mitglieder der Preußischen Historischen Kommission, die eine zentrale Schnittstelle für Forschungen zur preußischen Geschichte ist. Das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz verwahrt die wichtigsten Primärquellen, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz verwaltet den kulturellen und dinglichen Nachlass der preußischen Monarchie.

Erinnerungskultur

 
10-Euro-Gedenkmünze der Bundesrepublik Deutschland, Friedrich II., Motivseite
 
Ehrenwache am Grab Friedrich II. aus Anlass des 300. Geburtstag
 
Das beschmückte Grab Friedrichs II. 2011, Bestandteil eines volkstümlichen und nachhallenden Friedrichkkults

Museale Erinnerung betreiben das Preußen-Museum Minden, das Preußen-Museum Wesel und das Brandenburg-Preußen Museum. Kriegerdenkmäler oder Monarchische-Denkmäler wurden im Deutschen Kaiserreich an vielen Orten errichtet und werden auch heute noch gepflegt. Seit der Preußenausstellung Preußen – Versuch einer Bilanz von 1981 hat sich der Umgang mit dem Thema Preußen insgesamt entspannt,[210] so dass man auch von einer Preußenrenaissance spricht.[211]

 
Lange Kerls anlässlich des Besuchs der Queen im Jahre 2004 auf Schloss Cecilienhof

Wesentlich getrieben wird die auch staatlich unterstützte Preußenerinnerung durch die Person Friedrich II. Das wiedervereinigte Deutschland machte beispielsweise aus der Rückführung seiner Gebeine von der Burg Hohenzollern nach Potsdam 1991 einen förmlichen Staatsakt.

Medial ist das Königreich zudem präsent in öffentlichen Veranstaltungen wie dem Preußenjahr 2001 oder den Feierlichkeiten zum 300. Geburtstag Friedrichs II. Regelmäßig wiederkehrende anlassbezogene Sonderausgaben der Zeitschriften Geo, Der Spiegel und Stern sind auf eine große Leserschaft ausgerichtet. Auch Fernseherien oder mehrteiliger Fernsehfilme wie Sachsens Glanz und Preußens Gloria und Der Thronfolger (1980) befassten sich mit dem Thema. Die militärische Komponente Preußens findet heute in Vereinen zum Thema Reenactment Widerhall: Zu bestimmten Anlässen stellen Amateurdarsteller in zeitgenössischen Uniformen Kriegsereignisse nach, wie beispielsweise die Potsdamer Langen Kerls.

Siehe auch

Literatur

  • Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer: Moderne preussische Geschichte: 1648–1947. 3 Bände, De Gruyter Verlag, Berlin 1981, ISBN 3-11-008324-8.
  • Handbuch der preussischen Geschichte, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992-2001
    • Band 1, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Das 17. und 18. Jahrhundert und große Themen der Geschichte Preußens
    • Band 2, Otto Büsch (Hrsg.): Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der Preußischen Geschichte
    • Band 3, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens
  • Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008
  • Ingrid Mittenzwei, Erika Herzfeld: Brandenburg-Preußen 1648–1789. 1. Auflage. Verlag der Nation, Berlin 1987, ISBN 3-373-00004-1.
  • Uwe A. Oster: Preußen. Geschichte eines Königreichs. München 2010, ISBN 978-3-492-05191-0.
  • Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019
  • Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Dazu Clark (2006) in Iron Kingdom: “In due course, even the ancient and venerable name of Brandenburg would be overshadowed by ‘Kingdom of Prussia’, the name increasingly used in the eighteenth century for the totality of the northern Hohenzollern lands” (S. 65) und “The words ‘kingdom of Prussia’ were incorporated into the official denomination of every Hohenzollern province” (S. 77).
  2. Barbara Stollberg-Rilinger: Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation: Vom Ende des Mittelalters bis 1806, C.H.Beck Verlag, 5. Auflage, 2013, in: Kapitel V - Von der Konsolidierung zur Krise der Reichsinstitutionen (1555–1618), S. 66–69
  3. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600 – 1947, Pantheon Verlag; Auflage: 1, 2008, S. 97
  4. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600 – 1947, Pantheon Verlag; Auflage: 1, 2008, S. 105
  5. Peter-Michael Hahn: Fürstliche Territorialhoheit und lokale Adelsgewalt: Die herrschaftliche Durchdringung des ländlichen Raums zwischen Elbe und Aller (1300–1700), Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, Band 72, Walter de Gruyter (Verlag), Berlin - New York 1989, S. 1–10
  6. Preußen 1701 - Eine europäische Geschichte, Band II - Essays, Hrsg. Deutsches Historisches Museum und SPSG, Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung im Schloss Charlottenburg vom 6. Mai 2001 bis 5. August 2001, Henschel Verlag, S. 34
  7. Ines Elsner: Friedrich III./I. von Brandenburg-Preußen (1688–1713) und die Berliner Residenzlandschaft: Studien zu einem frühneuzeitlichen Hof auf Reisen- Ein Residenzhandbuch, Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2012, Zusammenfassung als Buchbesprechung in: Zeitschrift für Historische Forschung 42 (2015) 2, S. 358f
  8. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600 – 1947, Pantheon Verlag; Auflage: 1, 2008, S. 99
  9. Georg Heinrich von Berenhorst: Aus dem Nachlass, ed. E. v. Bülow I, Dessau 1845, S. 187.
  10. Gerhild H. M. Komander: Der Wandel des "Sehepuncktes": die Geschichte Brandenburg-Preußens in der Graphik von 1648-1810, Lit Verlag, Münster-Hamburg 1995, S. 113
  11. Sven Externbrink: Friedrich der Große, Maria Theresia und das Alte Reich: Deutschlandbild und das alte Reich, Akademie Verlag, Berlin 2006, S. 211
  12. Michael Kotulla: Deutsche Verfassungsgeschichte: Vom Alten Reich bis Weimar (1495 bis 1934), Springer Verlag, Berlin Heidelberg 2008, S. 276
  13. Hans Martin Sieg: Staatsdienst, Staatsdenken und Dienstgesinnung in Brandenburg-Preußen im 18. Jahrhundert (1713-1806): Studien zum Verständnis des Absolutismus, Walter de Gruyter, Berlin 2003, S. 363f
  14. Hans Rosenberg: The Formation and Transformation of the Bureaucratic Nobility during the 18th Century. In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 2, S. 649 ff.
  15. Michael Kotulla: Deutsche Verfassungsgeschichte: Vom Alten Reich bis Weimar (1495 bis 1934), Springer Verlag, Berlin Heidelberg 2008, S. 276
  16. Michael Kotulla: Deutsche Verfassungsgeschichte: Vom Alten Reich bis Weimar (1495 bis 1934), Springer Verlag, Berlin Heidelberg 2008, S. 274
  17. Hugo Rachel: Der Merkantilismus in Brandenburg-Preußen. In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 2, S. 951 ff.
  18. Lorenz Friedrich Beck, Julius H. Schoeps, Thomas Gerber, Marco Zabel: Der Soldatenkönig: Friedrich Wilhelm I. in seiner Zeit, Verlag für Berlin-Brandenburg, 2003, S. 53
  19. Michael Maurer: Kirche, Staat und Gesellschaft im 17. und 18. Jahrhundert, Enzyklopädie Deutscher Geschichte Band 51, R. Oldenbourg Verlag, München 1999, S. 93–97
  20. Klaus Schubert, Nils C. Bandelow: Lehrbuch der Politikfeldanalys, 3. Auflage, de Gruyter Oldenbourg Verlag, München 2014, S. 36f
  21. Auswirkungen beschreibt Klaus Schwieger: Militär und Bürgertum. Zur gesellschaftlichen Prägkraft des preußischen Militärsystems im 18. Jahrhundert. In: Dirk Blasius (Hrsg.): Preußen in der deutschen Geschichte, Königstein/Ts. 1980, S. 179 ff.
  22. Zu den Gesamtaspekten der Herrschaftszeit Friedrich II. siehe Wilhelm Treue (Hrsg.): Preußens großer König. Freiburg und Würzburg 1986.
  23. Simone Schmon: Machtspruch und Gesetzesherrschaft: das Staatsverständnis in Heinrich von Kleists «Prinz Friedrich von Homburg», Böhlau Verlag, Köln-Weimar-Wien 2007, S. 27
  24. Einen Überblick zur friderizianischen Aufklärung gibt Henri Brunschwig: Aufklärung in Preußen. In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 3, S. 1307 ff.
  25. Hermann Conrad: Rechtsstaatliche Bestrebungen im Absolutismus Preußens und Österreichs am Ende des 18. Jahrhunderts, Westdeutscher Verlag, Köln und Opladen 1961, S. 14, 18f
  26. Simone Schmon: Machtspruch und Gesetzesherrschaft: das Staatsverständnis in Heinrich von Kleists «Prinz Friedrich von Homburg», Böhlau Verlag, Köln-Weimar-Wien 2007, S. 30–34
  27. Bruno Gebhardt, Walter Demel: Handbuch der deutschen Geschichte: Reich, Reformen und sozialer Wandel, 1763-1806, Klett-Cotta Verlag, 10. Auflage, 12. Band, 2005, S. 228f
  28. Peter Nitschke: Staatsräson kontra Utopie?: Von Thomas Müntzer bis zu Friedrich II. von Preussen, Verlag J.B. Metzler, Stuttgart 1995, S. 246f
  29. Bruno Gebhardt, Walter Demel: Handbuch der deutschen Geschichte: Reich, Reformen und sozialer Wandel, 1763-1806, Klett-Cotta Verlag, 10. Auflage, 12. Band, 2005, S. 237
  30. Alexander Ritter: J. G. Müller von Itzehoe und die deutsche Spätaufklärung: Studien zur Literatur u. Gesellschaft im 18. Jh. : [aus Anlass d. 150. Todestages d. Schriftstellers Johann Gottwerth Müller am 23. Juni 1978], Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens, 1978, S. 215
  31. Adelheid Simsch: Die Wirtschaftspolitik des preußischen Staates in der Provinz Südpreußen 1793-1806/7, Schriften zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Band 33, Duncker & Humblot, Berlin 1983, S. 40–42
  32. Christopher Duffy: Friedrich der Große: Ein Soldatenleben. Weltbild, Augsburg 1994, ISBN 3-89350-558-X, S. 329
  33. František Stellner: Zu den Ergebnissen des siebenjährigen Kriegs in Europa. S. 86 (PDF; 7,36 MB)
  34. Martin Vogt: Deutsche Geschichte: Von den Anfängen bis zur Wiedervereinigung, Verlag J.B. Metzler, Stuttgart-Weimar 1994, S. 272
  35. Bruno Gebhardt, Walter Demel: Handbuch der deutschen Geschichte: Reich, Reformen und sozialer Wandel, 1763-1806, Klett-Cotta Verlag, 10. Auflage, 12. Band, 2005, S. 264f
  36. Hoffmann/Jander: Modernes Preußen im 18. Jahrhundert?, Herrman Schroedel Verlag KG, Hannover 1981, S. 100.
  37. Hans Martin Sieg: Staatsdienst, Staatsdenken und Dienstgesinnung in Brandenburg-Preußen im 18. Jahrhundert (1713-1806): Studien zum Verständnis des Absolutismus, Walter de Gruyter, Berlin 2003, S. 336
  38. Hermann Conrad: Das Allgemeine Landrecht von 1794 als Grundgesetz des friderizianischen Staates. In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 2, S. 598 ff.
  39. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 335
  40. Heinz Duchhardt: Altes Reich und europäische Staatenwelt 1648-1806, Enzyklopädie Deutscher Geschichte Band 4, R. Oldenbourg Verlag, München 1990, S. 47f
  41. Karl Otmar von Aretin: Vom Deutschen Reich zum Deutschen Bund, Vandenhoeck & Ruprecht, 2. Auflage, Göttingen 1993, S. 75–79
  42. Hans Martin Sieg: Staatsdienst, Staatsdenken und Dienstgesinnung in Brandenburg-Preußen im 18. Jahrhundert (1713-1806): Studien zum Verständnis des Absolutismus, Walter de Gruyter, Berlin 2003, S. 340
  43. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 3f
  44. Wilhelm Bringmann: Preußen im Jahr 1806, ibidem Verlag, Stuttgart 2019, S. 44
  45. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 333
  46. Hans Martin Sieg: Staatsdienst, Staatsdenken und Dienstgesinnung in Brandenburg-Preußen im 18. Jahrhundert (1713-1806): Studien zum Verständnis des Absolutismus, Walter de Gruyter, Berlin 2003, S. 345
  47. Hans Martin Sieg: Staatsdienst, Staatsdenken und Dienstgesinnung in Brandenburg-Preußen im 18. Jahrhundert (1713-1806): Studien zum Verständnis des Absolutismus, Walter de Gruyter, Berlin 2003, S. 346
  48. Georg Kotowski: Wilhelm von Humboldt und die deutsche Universität. In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 3, S. 1346ff.
  49. Gordon A. Craig: Stein, Scharnhorst und die Preußischen Reformen. In: Ders.: Die preußisch-deutsche Armee 1640–1945. Staat im Staate, Düsseldorf 1960, S. 56–72; Jürgen Kloosterhuis/Sönke Neitzel Hgg., Krise, Reformen – und Militär. Preußen vor und nach der Katastrophe von 1806, Duncker & Humblot, Berlin 2009.
  50. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 416–419
  51. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 429f
  52. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 467
  53. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 449
  54. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 451
  55. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 458
  56. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 459
  57. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 460
  58. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 462
  59. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 463
  60. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 465
  61. Zur historischen Perspektive noch in der Kaiserzeit siehe Otto Hintze: Das monarchische Prinzip und die konstitutionelle Verfassung (Erstpublikation 1911), in: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 2, S. 731ff.
  62. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 470
  63. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 466
  64. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 469
  65. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 470
  66. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 471. 474
  67. Richard H. Tilly: Die politische Ökonomie der Finanzpolitik und die Industrialisierung Preußens, 1815–1866. In: Dirk Blasius (Hrsg.): Preußen in der deutschen Geschichte, Königstein/Ts. 1980, S. 203ff.
  68. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 468
  69. William Otto Henderson: Prussia and the Founding of the German Zollverein. In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 2, S. 1088 ff.
  70. Otto Büsch (Hrsg.): Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der preußischen Geschichte, Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992-2001, S. 192
  71. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 472f
  72. Otto Büsch (Hrsg.): Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der preußischen Geschichte, Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992-2001, S. 195
  73. Otto Büsch (Hrsg.): Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der preußischen Geschichte, Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992-2001, S. 199
  74. Otto Büsch (Hrsg.): Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der preußischen Geschichte, Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992-2001, S. 202
  75. Brigitte Beier: Die Chronik der Deutschen, Chronik Verlag, Gütersloh-München 2007, S. 230
  76. Kurt Klotzbach: Das Eliteproblem im politischen Liberalismus: Ein Beitrag zum Staats- und Gesellschaftsbild des 19. Jahrhunderts, Springer Fachmedien, Wiesbaden 1966, S. 67f
  77. Brigitte Beier: Die Chronik der Deutschen, Chronik Verlag, Gütersloh-München 2007, S. 236
  78. Jürgen Müller: Der Deutsche Bund 1815–1866. Oldenbourg, München 2006, ISBN 978-3-486-55028-3, S. 46–47.
  79. Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Handbuch der preußischen Geschichte, Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußen, Band 3, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 2001, S. 36
  80. Siegfried A. Kaehler: Das preußisch-deutsche Problem seit der Reichsgründung. In: Dirk Blasius (Hrsg.): Preußen in der deutschen Geschichte, Königstein/Ts. 1980, S. 57 ff.
  81. Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Handbuch der preußischen Geschichte, Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußen, Band 3, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 2001, S. 25
  82. Hanno Kube, Rudolf Mellinghoff, Ulrich Palm: Leitgedanken des Rechts zu Staat und Verfassung: Studienausgabe, C.F. Müller, Heidelberg 2015, S. 121
  83. Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Handbuch der preußischen Geschichte, Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußen, Band 3, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 2001, S. 26
  84. Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Handbuch der preußischen Geschichte, Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußen, Band 3, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 2001, S. 27
  85. Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Handbuch der preußischen Geschichte, Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußen, Band 3, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 2001, S. 29
  86. Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Handbuch der preußischen Geschichte, Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußen, Band 3, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 2001, S. 34
  87. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 39
  88. Georg Franz-Willing: Der große Konflikt: Kulturkampf in Preußen. In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. 3, S. 1395 ff.
  89. Otto Büsch: Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der Preußischen Geschichte Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 568
  90. Friedrich Hartau: Wilhelm II. 9. Auflage, rororo, Reinbek bei Hamburg 2007, ISBN 978-3-499-50264-4, S. 42.
  91. Alfred Lévy: Erich Fromm: Humanist zwischen Tradition und Utopie, Königshausen & Neumann, Würzburg 2002, S. 151f
  92. Peter Hammerschmidt, Juliane Sagebiel (Hrsg.): Die Soziale Frage zu Beginn des 21. Jahrhunderts, Schriftenreihe Soziale Arbeit der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften der Hochschule München, 1. Auflage, Neu-Ulm 2011, S. 14
  93. Jan Turowski:Sozialdemokratische Reformdiskurse, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 1. Auflage, Wiesbaden 2010, S. 152
  94. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 444
  95. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 10
  96. Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Handbuch der preußischen Geschichte, Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußen, Band 3, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 2001, S. 67
  97. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 12
  98. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 13
  99. FAO: Getreideproduktion nach Ländern Produktionsstatistik der FAO, aufgerufen am 29. April 2013
  100. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 16
  101. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 13
  102. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 40
  103. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 64
  104. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 77f
  105. Zur Kinderarbeit in der Frühindustrialisierung siehe auch Jürgen Kuczynski: Geschichte des Alltags des deutschen Volkes. Band 3, Pahl-Rugenstein, Köln 1981, S. 233–272.
  106. Peter Baumgart: Schlesien in der Politik Friedrichs des Großen. In: Wilhelm Treue (Hrsg.): Preußens großer König, S. 161 ff.
  107. Zum Folgenden vgl. Karl Heinrich Kaufhold: Wirtschaft, Gesellschaft und ökonomisches Denken. In: Wilhelm Treue (Hrsg.): Preußens großer König, S. 101 ff.
  108. Gustav von Schmoller (1898): Das preussische Handels- und Zollgesetz vom 26. Mai 1818 im Zusammenhang mit der Geschichte der Zeit, ihrer Kämpfe und Ideen
  109. Heinrich Kaufhold/ Bernd Sösemann: Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung in Preußen – Zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Preußen vom 18. bis zum 20. Jahrhundert. In: VSWG Beihefte. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07424-4, S. 97–107.
  110. Acta Borussica – Protokolle des preußischen Staatsministeriums (PDF-Datei)
  111. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 445
  112. Caroline Emmelius: Offen und Verborgen: Vorstellungen und Praktiken des Öffentlichen und Privaten in Mittelalter und Früher Neuzeit, Wallstein Verlag, Göttingen 2004, S. 12
  113. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 295
  114. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 296f
  115. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 40
  116. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 109
  117. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 110
  118. Paul Kellermann: Geld und Gesellschaft: Interdisziplinäre Perspektiven, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005, S. 233f
  119. Paul Kellermann: Geld und Gesellschaft: Interdisziplinäre Perspektiven, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005, S. 234
  120. https://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecialgeschichte/d-52666773.html
  121. Christian Galonska: Die Wirtschaftselite im gesellschaftlichen Abseits: Von der Klasse an sich zur Klasse für sich, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2012, S. 96–99
  122. Otto Büsch: Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der Preußischen Geschichte Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 192
  123. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 439
  124. Otto Büsch: Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der Preußischen Geschichte Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 180
  125. Otto Büsch: Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der Preußischen Geschichte Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 181
  126. Otto Büsch: Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der Preußischen Geschichte Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 182
  127. Otto Büsch: Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der Preußischen Geschichte Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 179
  128. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 447
  129. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019,
  130. Bernd Faulenbach: Geschichte der SPD: Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Verlag C.H. Beck, München 2012, S. 12
  131. Bernd Faulenbach: Geschichte der SPD: Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Verlag C.H. Beck, München 2012, S. 13
  132. Bernd Faulenbach: Geschichte der SPD: Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Verlag C.H. Beck, München 2012, S. 19
  133. Masashi Urabe: Funktion und Geschichte des deutschen Schulzeugnisses, Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2009, S. 43
  134. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 29–52
  135. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 385f
  136. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 387
  137. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 251
  138. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 468f
  139. (Hrsg.) Frank Göse, Winfried Müller, Kurt Winkler, Anne-Katrin Ziesak: Preußen und Sachsen – Szenen einer Nachbarschaft, Sandstein Verlag, 2014, S. 148f
  140. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 251f
  141. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 253
  142. (Hrsg.) Frank Göse, Winfried Müller, Kurt Winkler, Anne-Katrin Ziesak: Preußen und Sachsen – Szenen einer Nachbarschaft, Sandstein Verlag, 2014, S. 340
  143. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600 – 1947, Pantheon Verlag; Auflage: 1, 2008, S. 286f
  144. Autor: Michael Senf: Schloss Sanssouci, (Hrsg.) SPSG, Deutscher Kunstverlag, Berlin-München 2009, S. 10
  145. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 38
  146. Helmut Weihsmann: Bauen unterm Hakenkreuz: Architektur des Untergangs, Promedia, 1998, S. 36
  147. Barbara Stiewe: Der „Dritte Humanismus“: Aspekte deutscher Griechenrezeption vom George-Kreis bis zum Nationalsozialismus, De Gruyter Verlag, Berlin-New-York 2011, S. 239
  148. Ortstermine – Stationen Brandenburg-Preußens auf dem Weg in die moderne Welt. In: Museumsverband des Landes Brandenburg (Hrsg.): Ausstellungskatalogs des Projektes „Kulturland Brandenburg 2001“. Verlag Henschel, 2001, S.XXIII
  149. Hans Bentzien: Unterm Roten und Schwarzen Adler – Geschichte Brandenburg-Preußens für jedermann, Verlag Volk&Welt, Berlin 1992, S. 286
  150. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 186
  151. Allgemeine Einführung in das Thema: Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 444–449
  152. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 185
  153. Jürgen Frölich, Esther-Beate Körber, Michael Rohrschneider: Preußen und Preußentum vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Berlin-Verlag Spitz, 2002, S. 101
  154. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 446
  155. https://www.digizeitschriften.de/dms/toc/?PID=PPN78153061X
  156. Otto Büsch: Handbuch der preussischen Geschichte, Band 2, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 603–619
  157. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600 – 1947, Pantheon Verlag; Auflage: 1, 2008, S. 330
  158. Otto Büsch: Handbuch der preussischen Geschichte, Band 2, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 303
  159. Otto Büsch: Handbuch der preussischen Geschichte, Band 2, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 304
  160. Hassel, Georg: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Braunschweig: Vieweg 1805, S. 26
  161. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 25
  162. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 49
  163. Herbert Obenaus: Anfänge des Parlamentarismus in Preussen bis 1848, Droste Verlag, 1984, S. 257
  164. David Justus Ludwig Hansemann: Preussen und Frankreich: staatswirthschaftlich und politisch, unter vorzüglicher Berücksichtigung der Rheinprovinz, Brüggemanns Verlagsexpedition, Leipzig 1833, S. 241
  165. Herbert Obenaus: Anfänge des Parlamentarismus in Preussen bis 1848, Droste Verlag, 1984, S. 257
  166. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 162
  167. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 6
  168. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 12
  169. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 29
  170. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 30
  171. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 49
  172. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 160
  173. Wolfgang Knöbl: Polizei und Herrschaft im Modernisierungsprozess: Staatsbildung und innere Sicherheit in Preußen, England und Amerika 1700-1914, Campus Verlag, Frankfurt am Main-New York 1998, S. 78
  174. Wolfgang Knöbl: Polizei und Herrschaft im Modernisierungsprozess: Staatsbildung und innere Sicherheit in Preußen, England und Amerika 1700-1914, Campus Verlag, Frankfurt am Main-New York 1998, S. 79
  175. Wolfgang Knöbl: Polizei und Herrschaft im Modernisierungsprozess: Staatsbildung und innere Sicherheit in Preußen, England und Amerika 1700-1914, Campus Verlag, Frankfurt am Main-New York 1998, S. 80
  176. Otto Büsch (Hrsg.): Das 19. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußens, Handbuch der preußischen Geschichte, Band 2, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992-2001, S. 193
  177. Werner Hegemann: Das steinerne Berlin: 1930 - Geschichte der größten Mietskasernenstadt der Welt, Verlag Ulstein, Berlin West 1963, S. 97f
  178. Ger Spitzer, Waltraud Huber: Barock und Klassik: Kunstzentren des 18. Jahrhunderts in der Deutschen Demokratischen Republik ; 5. Mai - 14. Oktober ; Schallaburg 1984, S. 176
  179. Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1984, S. 154f
  180. Willi Albers, Anton Zottmann: Handworterbuch Der Wirtschaftswissenschaft (Hdww), Band 3, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1981, S. 368f
  181. Eckart Schremmer (Hrsg.): Wirtschaftliche und soziale Integration in historischer Sicht: Arbeitstagung, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1996, S. 131
  182. Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740-1806/15, Teil 1 - Biographien A-L, K.G. Saur Verlag, München 2009, Seite XVIII
  183. Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740-1806/15, Teil 1 - Biographien A-L, K.G. Saur Verlag, München 2009, Seite XIX
  184. Otto Büsch: Handbuch der preussischen Geschichte, Band 2, de Gruyter Verlag, Berlin-New York 1992, S. 629f
  185. (Hrsg.) Frank Göse, Winfried Müller, Kurt Winkler, Anne-Katrin Ziesak: Preußen und Sachsen – Szenen einer Nachbarschaft, Sandstein Verlag, 2014, S. 50
  186. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 287
  187. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 288
  188. Klaus Schwabe: Das diplomatische Korps: 1871–1945, Deutsche Führungsschichten in der Frühen Neuzeit, Band 16, Harald Bold Verlag, Boppard am Rhein 1985, S. 41f
  189. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 29–52
  190. Siehe auch Kurt Hinze: Die Bevölkerung Preußens im 17. und 18. Jahrhundert (…). In: Otto Büsch, Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Moderne Preußische Geschichte, Bd. I, S. 282–315, und Wolfgang Köllmann: Demographische „Konsequenzen“ der Industrialisierung in Preußen, ebda, S. 447–465.
  191. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 29–52
  192. Stanisław Salmonowicz: Preussen: Geschichte von Staat und Gesellschaft, Stiftung Martin-Opitz-Bibliothek, 1995, S. 50
  193. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 449
  194. Christopher Clark: Preußen Aufstieg und Niedergang 1600 bis 1947, Pantheon Verlag, 2008, S. 451
  195. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 9
  196. Georg Hassel: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Vieweg Verlag, Braunschweig 1805, S. 9
  197. Hassel, Georg: Statistischer Umriss der sämtlichen europäischen Staaten in Hinsicht ihrer Größe, Bevölkerung, Kulturverhältnisse, Handlung, Finanz- und Militärverfassung und ihrer aussereuropäischen Besitzungen, 2 Teile, Braunschweig: Vieweg 1805, S. 28–52
  198. Michel Hubert: Deutschland im Wandel: Geschichte der deutschen Bevölkerung seit 1815, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1998, S. 63
  199. Hubert Kiesewetter: Industrielle Revolution in Deutschland: Regionen als Wachstumsmotoren, S. 135
  200. Hubert Kiesewetter: Industrielle Revolution in Deutschland: Regionen als Wachstumsmotoren, S. 135
  201. Wolfgang Neugebauer: Preußische Geschichte als gesellschaftliche Veranstaltung: Historiographie vom Mittelalter bis zum Jahr 2000, Ferdinand Schöningh Verlag, 2018, S. 17
  202. Wolfgang Neugebauer: Preußische Geschichte als gesellschaftliche Veranstaltung: Historiographie vom Mittelalter bis zum Jahr 2000, Ferdinand Schöningh Verlag, 2018, S. 303
  203. Wolfgang Neugebauer: Preußische Geschichte als gesellschaftliche Veranstaltung: Historiographie vom Mittelalter bis zum Jahr 2000, Ferdinand Schöningh Verlag, 2018, S. 309
  204. Michael Stürmer (1981). IV. Preußen als Problem der Forschung. Moderne Preußische Geschichte 1648 - 1947, Band 1 : Eine Anthologie (pp. 74–102), S. 74.
  205. Wolfgang Neugebauer: Preußische Geschichte als gesellschaftliche Veranstaltung: Historiographie vom Mittelalter bis zum Jahr 2000, Ferdinand Schöningh Verlag, 2018, S. 303
  206. Wolfgang Neugebauer: Preußische Geschichte als gesellschaftliche Veranstaltung: Historiographie vom Mittelalter bis zum Jahr 2000, Ferdinand Schöningh Verlag, 2018, S. 578
  207. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 7
  208. Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Handbuch der preußischen Geschichte, Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußen, Band 3, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 2001, S. 2
  209. Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Handbuch der preußischen Geschichte, Vom Kaiserreich zum 20. Jahrhundert und Große Themen der Geschichte Preußen, Band 3, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York 2001, S. 3f
  210. Hartwin Spenkuch: Preußen – eine besondere Geschichte: Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur 1648-1947, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, S. 7f
  211. Journal Article von Barbara Vogel, Review: Das alte Preußen in der modernen Geschichtswissenschaft, Vandenhoeck & Ruprecht, Geschichte und Gesellschaft 11. Jahrg., H. 3, 1985, S.377-396, S. 377