Lüttich

Stadt in Wallonien, Belgien

Lüttich (französisch Liège/?, bis 1949 Liége, von lateinisch Legia, vorher Leodicum, wallonisch Lîdje, niederländisch Luik/?, luxemburgisch Léck, ripuarisch Lück) ist die zweitgrößte wallonische Stadt, Zentrum der größten wallonischen Agglomeration und das kulturelle Zentrum der Wallonischen Region Belgiens. Sie ist die Hauptstadt der Provinz Lüttich und Sitz des Bistums Lüttich. Die 195.278 Einwohner (Stand 1. Januar 2022) zählende Stadt liegt an der Mündung der Ourthe in die Maas 25 km Luftlinie südlich von Maastricht (Niederlande) und 39 km südwestlich von Aachen (Deutschland). Das Lütticher Becken zählt samt Vorstädten ungefähr 600.000 Einwohner.

Lüttich
Lüttich (Lüttich)
Lüttich (Lüttich)
Lüttich
Staat: Belgien Belgien
Region: Wallonien
Provinz: Lüttich
Bezirk: Lüttich
Koordinaten: 50° 39′ N, 5° 34′ OKoordinaten: 50° 39′ N, 5° 34′ O
Fläche: 69,39 km²
Einwohner: 195.278 (1. Jan. 2022)
Bevölkerungsdichte: 2814 Einwohner je km²
Postleitzahl: 4000 (Lüttich, Glain, Rocourt)
4020 (Lüttich, Bressoux, Jupille-sur-Meuse, Wandre)
4030 (Grivegnée)
4031 (Angleur)
4032 (Chênée)
Vorwahl: 04
Bürgermeister: Willy Demeyer (PS)
Adresse der
Kommunalverwaltung:
Hôtel de Ville
Place du Marché 2
4000 Liège
Website: www.liege.be
Blick über die Stadt mit Maastal

In Lüttich gibt es die Universität Lüttich und mehrere andere Hochschulen. Als kulturelle Einrichtungen gibt es unter anderem ein Theater und die Oper Opéra Royal de Wallonie.

Geschichte Bearbeiten

Mittelalter Bearbeiten

 
Lüttich in einer historischen Darstellung aus dem Jahr 1649[1]

Der Name in römischer Zeit war Leodicum bzw. Vicus Leodicus. 717 entwickelte sich die Stadt als Bischofssitz und war im Mittelalter ein bedeutendes politisches und kulturelles Zentrum. Im ausgehenden Mittelalter gehörte es zum Territorium des Hochstifts Lüttich.

Die regierenden Fürstbischöfe von Lüttich entstammten meist dem Adel des Heiligen Römischen Reiches. Machtzentrum des Hochstifts Lüttich war das ebenfalls von Adeligen des Reiches beherrschte Domkapitel, eines der größten in Mitteleuropa. Albrecht II. von Cuyk gewährte den Bürgern der Stadt 1196/1198 erste Privilegien. Eine städtische Autonomie konnte sich wie in anderen geistlichen Territorien des Reiches nur teilweise entwickeln. Das Hochstift wurde nie Teil der Spanischen bzw. Österreichischen Niederlande und bestand bis zu seiner Auflösung nach der Besetzung durch die napoleonischen Revolutionstruppen (siehe auch: Frieden von Campo Formio).

18. Jahrhundert Bearbeiten

Im Jahr 1789 kam es, zum Teil in Verbindung mit der Französischen Revolution, zur sogenannten Lütticher Revolution. Sie richtete sich gegen die absolutistische Herrschaft des Fürstbischofs Cäsar Constantin Franz von Hoensbroech und wurde Anfang 1791 von Truppen im Auftrag des Heiligen Römischen Reiches niedergeschlagen.

 
Platz Saint-Lambert mit dem fürstbischöflichen Palast
 
Brunnen auf der Place du Marché

Während der Französischen Revolution wurde die Lambertuskathedrale geplündert und niedergebrannt.[2]

1795 wurde Lüttich von französischen Truppen besetzt, dem Département de l’Ourthe zugeordnet und Teil der Ersten Französischen Republik. Nach dem Sturz Napoleon Bonapartes kam es 1815 zum Königreich der Vereinigten Niederlande und wurde 1830 Teil des unabhängigen Königreiches Belgien.

Lüttich ist eine Wiege der kontinentaleuropäischen Kohle- und Stahlindustrie. Bereits 1720 hatte die erste Dampfmaschine auf dem europäischen Festland in einer Kohlemine nahe Lüttich ihren Betrieb aufgenommen.[3]

Industrialisierung Bearbeiten

Von hier aus breitete sich die Industrialisierung ab Anfang des 19. Jahrhunderts über den gesamten Kontinent aus. Insbesondere hatte das Stahlunternehmen Cockerill-Sambre seinen Stammsitz in der Nähe von Lüttich.

Von 1888 bis 1892 wurde Lüttich durch den Bau eines Festungsrings mit 12 Forts in Betonbauweise geschützt. 1901 wurde das Limburger Steinkohlerevier entdeckt. 1905 war Lüttich Standort der großen Industrieausstellung Exposition universelle de 1905. In dieser Zeit war die Stadt eine Hochburg der Arbeiterbewegung und auch der Wallonischen Bewegung, die für eine Autonomie des südlichen, französischsprachigen Landesteils plädierte.

Ende 1908 gründeten Mitglieder des Liègois Automobile Clubs den Liège-Spa Aero Club.[4]

Weltkriege Bearbeiten

Sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg war Lüttich wegen seiner Lage an einem wichtigen Maas-Übergang hart umkämpft. Im August 1914, wenige Tage nach Beginn des Ersten Weltkriegs, wurde die Festung erstes Ziel des deutschen Vormarsches durch Belgien gemäß dem Schlieffen-Plan. Während die Zitadelle am 7. August durch einen Handstreich genommen werden konnte, hielten die Forts des Festungsrings, darunter das Fort Loncin, noch über eine Woche stand.

Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt wiederum eines der ersten Ziele des deutschen Vormarsches während des Westfeldzugs im Mai 1940. Bekannt wurde die handstreichartige Eroberung des Forts Eben-Emael durch deutsche Fallschirmjäger. Von 1940 bis 1944 war die Stadt von Truppen der Wehrmacht besetzt, gleichzeitig war sie ein Zentrum der Résistance.

Nachkriegszeit Bearbeiten

Seit der Industrialisierung wanderten zahlreiche Menschen aus Flandern, Italien und seit 1945 auch aus Nordafrika ein, was sich bis heute in der Bevölkerungsstruktur der Stadt widerspiegelt. In den letzten Jahrzehnten kamen Einwanderer aus subsaharischen afrikanischen Ländern; Lüttich wurde zu einer multiethnischen, multikulturellen Stadt. Insbesondere seit den 1960er Jahren veränderte sich das Stadtbild mit der Beseitigung alter Bausubstanz.

Mit dem Niedergang des Kohlebergbaus im Lütticher Becken und der anschließenden Stahlkrise hatte sich die Region den Schwierigkeiten des Strukturwandels zu stellen und geriet in finanzielle Bedrängnis. In den 1970er Jahren musste unter anderem der Plan zum Bau einer U-Bahn aufgegeben werden.

Am 13. Dezember 2011 tötete ein 33-jähriger Amokläufer sechs Menschen und verletzte 124.

Am 29. Mai 2018 attackierte ein kurz zuvor aus der Haft Entlassener zwei Polizistinnen mit Messern, entwendete deren Handfeuerwaffe und erschoss sie und einen Passanten.[5]

Politik Bearbeiten

Wappen Bearbeiten

Blasonierung: „In Rot eine goldene dreigeteilte Säule mit breiterem Unterteil auf pyramidal flachem dreistufigem Sockel, dieser besetzt mit drei liegenden Löwen, zwei seitlich, auswärts blickend, einer vorne, hersehend, abgeschlossen mit einem kreuzbesetzten Zapfen in einer konischen Ummantelung, beseitet von den goldenen Serifenmajuskeln „L“ und „G“.“

Die Säule ist das Oberteil des Lütticher Marktbrunnens, auf wallonisch als peron (von altfranzösisch perron, „großer Stein“) bezeichnet, ein ehemaliges Justizsymbol auch in anderen Städten des Hochstifts Lüttich.

Conseil Communal (Gemeinderat) Bearbeiten

Ergebnis der Kommunalwahl vom 14. Oktober 2012 (Vergleich zur Kommunalwahl 2006):[6]

Partei Stimmen Mandate
Anzahl % +/− Anzahl +/−
  Parti socialiste (PS, sozialdemokratisch) 37.289 37,95 −0,02 22 +1
  Mouvement Réformateur (MR, liberal) 20.819 21,19 −4,88 11 −3
  Centre Démocrate Humaniste (cdH, christdemokratisch) 13.769 14,01 −0,35 7
  Ecolo (grün) 12.021 12,23 +0,01 6
Parti du Travail de Belgique (ptb+, marxistisch) 6.297 6,41 2 +2
La Coopérative politique Verts et à Gauche (VEGA, grün-links) 3.534 3,60 1 +1

Bildung Bearbeiten

In Lüttich befindet sich die französischsprachige Universität Lüttich (gegründet 1817) sowie die Haute École de la Province de Liège (HEPL), eine Hochschule mit vorwiegend wirtschaftswissenschaftlichen, verwaltungsrechtlichen und technischen Studiengängen. Im künstlerisch-musischen Bereich gibt es eine Akademie der Schönen Künste (Académie royale des beaux-arts de Liège), ein Musik-Konservatorium (Conservatoire Royal de Liège) sowie eine Kunsthochschule in kirchlicher Trägerschaft École supérieure des arts Saint-Luc de Liège.

Kultur Bearbeiten

In Lüttich befindet sich unter anderem La Boverie als Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, das Museum Grand Curtius, das mehrere Ausstellungen (unter anderem Waffen und Gläser) vereint, das Aquarium-Museum als Naturkundemuseum mit Spezialisierung auf Fische, das archäologische Archéoforum, das Haus der Naturwissenschaft, das Metallurgie- und Industriemuseum, das Stadtpalais Musée d'Ansembourg, das MADMUSEE – Museum für differenzierte Kunst, das Museum für wallonische Kunst, das Museum für wallonische Volkskunde, das Museum für den öffentlichen Personennahverkehr des Lütticher Landes, das Freilichtmuseum am Sart-Tilman, das Musée Grétry, das Musée Tchantchès mit einer Marionettensammlung des Bildhauers und Marionettenbauers Denis Bisscheroux und die Schatzkammer der Kathedrale.

Lüttich beherbergt die Opéra Royal de Wallonie und eine königliche Philharmonie. Als kulturell bedeutende Stadt der Großregion Saar-Lor-Lux nahm Lüttich 2007 am Programm des Europäischen Kulturhauptstadtjahres teil. Aus Lüttich kommt der Schriftsteller Georges Simenon.

Kulinarische Spezialitäten Bearbeiten

 
Café Liégeois
  • Lütticher Waffeln
  • Lütticher Bouletten – Frikadellen mit süß-saurer Sauce: Sauce Lapin mit Lütticher Sirup
  • Salade liégeoise – eine spezielle Form eines Bohnensalats
  • Lütticher Sirup – stark eingekochter Dicksaft aus Birnen und Äpfeln
  • Bier der Marke Jupiler und Piedbœuf
  • Nach Lüttich ist der Café Liégeois benannt.

Sport Bearbeiten

Lüttich ist bekannt für das Eintagesrennen Lüttich–Bastogne–Lüttich. Es ist das älteste unter den Klassikern des Radsports.

Überregionale Bekanntheit genießt außerdem der Fußball-Erstligist Standard Lüttich und der ehemalige Erstligist RFC Lüttich. 2000 war Lüttich einer der Austragungsorte der Fußball-Europameisterschaft.

Wirtschaft Bearbeiten

Lüttich war einst Zentrum der Schwerindustrie und hatte wegen der zahlreichen Hochöfen den Spitznamen la Cité ardente, „die glühende Stadt“, seit den 1970er Jahren ist die Stahlindustrie weitgehend aus der Region verschwunden. Seit dieser Zeit ist die Region von einer dauerhaft hohen Arbeitslosigkeit betroffen (Juni 2011: 26,3 %). Die Stadt bemüht sich seither um die Ansiedlung von Dienstleistungsbetrieben. Seit dem 16. Jahrhundert werden in Lüttich Waffen produziert. Das bis zum heutigen Tag größte Unternehmen ist FN Herstal. Zu den zahlreichen weiteren Industriebetrieben in Lüttich gehört auch die Großbrauerei Piedbœuf, die Teil der Brauereigruppe Inbev ist und in der unter anderem das Bier mit dem Markennamen Jupiler gebraut wird.

Verkehr Bearbeiten

Eisenbahn Bearbeiten

 
Blick auf den Bahnhof Liège Guillemins und auf das Stadtzentrum im Hintergrund

Lüttich ist der wichtigste Eisenbahnknotenpunkt im östlichen Belgien. Um die Stadt herum verkehren die Linien der S-Bahn Lüttich. Nachstehend sind die wichtigsten Bahnhöfe der Stadt erwähnt:

Bahnhof Liège-Guillemins Bearbeiten

Lüttichs neuer Hauptbahnhof Liège-Guillemins, nach den Plänen von Santiago Calatrava erbaut, hat eine imposante Überdachung und ist technisch an die Anforderungen der internationalen Hochgeschwindigkeitszüge angepasst.[7] Mehrmals täglich verkehren Züge nach Aachen und nach Köln (Thalys und ICE International) sowie nach Brüssel und nach Paris (Thalys).

Dieser Bahnhof erfüllt die Funktion des Hauptbahnhofs. Außerhalb des Stadtzentrums gelegen, treffen hier alle wichtigen Eisenbahnlinien aus der näheren Umgebung Lüttichs zusammen. Es verkehren ca. 500 Züge pro Tag, unter anderem nach Ostende über Brüssel; nach Antwerpen (über Hasselt, nicht via Brüssel); Luxemburg; Eupen; Charleroi (bis Paris) sowie Nahverkehrszüge nach Jemelle.

Haltepunkt Liège-Carré Bearbeiten

Der Haltepunkt Liège-Carré (bis 2018 Liège-Jonfosse) liegt in Innenstadtnähe an der Strecke 34 (Lüttich – Hasselt) zwischen den Bahnhöfen Liège-Guillemins und Liège-Saint-Lambert.

Bahnhof Liège-Saint-Lambert Bearbeiten

Der Bahnhof Liège-Saint-Lambert (bis 2018 Liège-Palais) ist der Bahnhof des Lütticher Stadtzentrums, unter dem fürstbischöflichen Palais am Platz St. Lambert gelegen. Die Gleisanlagen befinden sich in einem Trog; in dem Empfangsgebäude können in kleinen Pavillons unter der Erde die Fahrkarten gekauft werden.

Bahnhof Angleur Bearbeiten

 
Gare d'Angleur (2011)

Der Bahnhof Angleur ist ein Vorort- und Abzweigbahnhof im Osten der Stadt. Hier verzweigen sich aus Lüttich kommend die Bahnstrecken nach Aachen und nach Marloie.

Bahnhof Kinkempois-Formation Bearbeiten

Der im Süden von Lüttich an reinen Güterzugsstrecken gelegene Rangierbahnhof Kinkempois-Formation war zeitweise einer der größten in Belgien. Er wurde als Folge der weitgehenden Aufgabe der örtlichen Schwerindustrie und des allgemeinen Strukturwandels im Eisenbahngüterverkehr im Jahre 2009 stillgelegt.

ÖPNV Bearbeiten

 
TEC-Bus Richtung Fernverkehrsbahnhof

Der Linienverkehr in Lüttich wird durch den TEC abgewickelt. Auf einigen Straßenachsen sind Busspuren zu finden. Da früher eine U-Bahn in Lüttich gebaut werden sollte, fahren einige Busse durch Tunnel.

Nachdem in Lüttich bereits von 1871 bis 1967 eine Straßenbahn verkehrte, soll es aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens nun zum Neubau der Straßenbahn kommen.[8] Am 10. Februar 2017 hat Eurostat, das europäische Aufsichtsorgan für Rechnungslegungsstandards, das Finanzierungspaket für den Straßenbahnbau genehmigt. Die Arbeiten begannen Mitte 2019, die Eröffnung ist für 2025 terminiert. Zunächst soll der Abschnitt Sclessin – Coronmeuse gebaut werden, der rund 11 Kilometer mit 21 Stationen umfasst und ca. 325 Millionen Euro kosten wird. Bei dem neuen Projekt sollen die für eine U-Bahn gebauten Tunnel sowie die teilweise vorhandenen Busspuren mitbenutzt werden.[9]

Schifffahrt Bearbeiten

Der Hafen von Lüttich ist der drittgrößte Binnenhafen in Europa, der durch die Verbindung über den Albert-Kanal auch für kleinere Seeschiffe einen Anschluss an den Hafen von Antwerpen bietet.[10]

Straße Bearbeiten

Lüttich ist über die Autobahnen E 40 (A3), E 313 (A13), E 42 (A15) und E 25 (A25 und A26) an das europäische Autobahnnetz angebunden.

Luftverkehr Bearbeiten

Der Flughafen Lüttich (Bierset) ist von großer Bedeutung für die Verteilung von Gütern nach Belgien, Deutschland, Nordfrankreich und in die Niederlande. Dort hat TNT Airways sein weltweit größtes Road-Air-Hub; es landen täglich mehr als 80 Frachtflugmaschinen und Hunderte von LKW docken dort an. Es werden an dem neuen Terminal auch Passagierflugzeuge abgefertigt.

Sehenswürdigkeiten Bearbeiten

 
Blick auf die Kathedrale St. Paul
 
St. Barthelemy
 
Treppe Montagne de Bueren
 
Musée Curtius (Museum für Archäologie und darstellende Kunst)
 
Blick von Cointe auf das Lütticher Stadtzentrum

Kirchen Bearbeiten

Weitere Sehenswürdigkeiten Bearbeiten

  • Bahnhof Liège-Guillemins mit seiner großen geschwungenen Überdachung in freitragender Bauweise (→Lage)
  • das fürstbischöfliche Palais am Place Saint-Lambert, heute Provinzialpalast und Gericht (→Lage)
  • das Rathaus (1714–1718 im Stil des Barocks erbaut) und der Marktplatz (→Lage)
  • Zahlreiche Museen, unter anderem:
  • das Universitätsgebäude (→Lage)
  • das Aquarium (→Lage)
  • zahlreiche Prunkbauten des 18. Jahrhunderts
  • einige zum Teil denkmalgeschützte Jugendstilbauten. Beispiele: Hôtel Verlaine (→Lage), Boulevard de l’Est 16 (→Lage), eine ganze Gruppe von Jugendstilbauten in der Rue du Vieux Mayeur (→Lage) und in der Rue Léon Mignon (auch Séquence Nusbaum nach dem Architekten Joseph Nusbaum benannt; →Lage)
  • Im Quartier Vennes zwischen der Art-déco-Kuppelkirche St. Vincent und der Rue de Paris gibt es eine Vielzahl an prächtigen Stadthäusern in verschiedensten Baustilen der Zeit zwischen 1900 und 1930 (→Lage).
  • Marché de la Batte: der jeden Sonntag stattfindende Markt, erstreckt sich über mehrere Kilometer entlang des linken Maaskaies
  • Auch sehenswert ist der Ausblick über die Stadt von den Aussichtspunkten an der ehemaligen Zitadelle (→Lage und →Lage), welche man u. a. über die berühmte Treppe Montagne de Bueren (→Lage) erreichen kann.

Stadtgliederung Bearbeiten

Bedingt durch die Lage im engen Maastal und durch die vom Kohlebergbau verbliebenen Abraumhalden haben sich in Lüttich zahlreiche Stadtviertel mit unterschiedlichem Charakter herausgebildet.

  • Amercœur (mit Fort de la Chartreuse)
  • Burenville
  • Centre
  • Guillemins
  • Laveu
  • Longdoz
  • Nord
  • Saint-Laurent
  • Sainte-Marguerite
  • Sainte-Walburge
  • Thier-à-Liège
  • Vennes

Cointe Bearbeiten

Cointe liegt im Südwesten der Stadt und westlich des Bahnhofs Liège Guillemins auf einer Anhöhe, die von der als Stadtautobahn dienenden E25 im Tunel de la Cointe durchquert wird. Der Tunnel mit einer Länge von 1639 Metern wurde im Jahr 2000 fertiggestellt und verläuft bis zu 60 Meter tief unter der bebauten Fläche.

Der Stadtteil war einst Jagdrevier der Fürstbischöfe von Lüttich und wurde erstmals in Zusammenhang mit dem Bau der Kapelle Saint-Maur im Jahre 1673 erwähnt. Von den Merowingern bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde auf den gut exponierten Lagen über dem Val St. Benoit Weinbau betrieben. Ein weiterer Wirtschaftszweig war der Kohlebergbau. Die Stollen waren über den gesamten Hügel von Cointe verteilt; sie werden oft bei Einstürzen oder Bauarbeiten wiederentdeckt. Eine Aufwertung erfuhr die Gegend mit der Weltausstellung 1905, aus deren Anlass 19 Hektar des heutigen Viertels dem Ausstellungsgelände angegliedert waren und insbesondere gärtnerischen und sportlichen Zwecken dienten. Vor der Eingliederung 1977 in die Gemeinde Lüttich gehörte Cointe zur benachbarten Gemeinde Ougrée.

Cointe beherbergt einen sogenannten Privatpark, der die Gärten der um die Jahrhundertwende entstandenen Villen sowie im Süden die steile Flanke des Maastales umfasst. Die Bebauung und Entwicklung zum Privatpark setzte mit dem Verkauf von Grundstücken ab 1880 durch die Familie Hauzeur ein. Dabei wurde auf die strikte Einhaltung bestimmter Regeln wie etwa die Einhaltung von Mindestabständen und die Nutzung als Wohnfläche geachtet. Die so entstandenen Villen spiegeln eine Vielfalt neuerer architektonischer Strömungen wider, wie Néotraditionel, Art nouveau, Moderniste, Néomosan und so weiter. Erwähnenswert ist das im Lütticher Art nouveau 1903 erbaute Wohnhaus L’Aube des Architekten Gustave Serrurier-Bovy (1858–1910). Die große zusammenhängende Grünfläche des Privatparks hat eine wichtige ökologische Funktion zur Erhaltung der Biodiversität und dient als Migrationskorridor für Fauna und Flora. So wurde hier beispielsweise der vom Aussterben bedrohte Hirschkäfer angetroffen.

Am Privatpark liegen auch:

  • Die Basilika Sacré Coeur et Notre Dame de Lourdes
  • Das Mémorial Interallié, 1928 errichtet und nicht vollendet; es entstand als Denkmal an den belgischen Widerstand gegen die im Ersten Weltkrieg eindringenden feindlichen Truppen, der in Lüttich begonnen hatte. Vom weithin sichtbaren, 75 m hohen Turm bietet sich ein besonderes guter Blick über die Stadt.
  • Das renovierungsbedürftige neogotische ehemalige Observatorium der Lütticher Universität von 1881.

Nördlich des Place du Batty, der heute das kommerzielle Zentrum des Viertels darstellt, befindet sich die Plaine de Cointe, ein weitläufiger Park mit öffentlichem Sportplatz, Tennisplätzen und einem Aussichtspunkt, der einen Blick über das Stadtzentrum gestattet. Westlich davon befindet sich ein von teilweise noch typischen Backsteinhäusern geprägtes Wohngebiet, das auch als Quartier des Bruyères bekannt ist.

Le Carré Bearbeiten

Zwischen der Rue Pont d’Avroy, der Rue de la Casquette und St. Adalbert sowie dem Boulevard de la Sauvenière befindet sich das Zentrum des Lütticher Nachtlebens. Vor allem Touristen und die Studenten aus dem Campus in Sart-Tilman bevölkern die zahlreichen Bars und Cafés der rechtwinklig angelegten schmalen Gassen.

Outremeuse Bearbeiten

Outremeuse („jenseits der Maas“) ist ein Lütticher Stadtteil. Jeden August gibt es ein Lütticher Stadtfest gleichen Namens. Das Viertel war ursprünglich kleinbürgerlich geprägt mit zahlreichen kleineren Handwerksbetrieben. Die meisten Einwohner lebten in bescheidenen Verhältnissen. Die Struktur und Atmosphäre des Viertels zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts werden gut im autobiografischen Roman Pedigree von Georges Simenon wiedergegeben, der in Outremeuse aufwuchs.

Städtepartnerschaften Bearbeiten

Lüttich listet folgende 29 Partnerstädte auf:[11]

Stadt Region und Land seit Typ
Aachen   Deutschland  Nordrhein-Westfalen, Deutschland 1955 Euregio Maas-Rhein[12]
Abidjan   Elfenbeinküste  Elfenbeinküste 2013 partenariat
Bilbao   Spanien  Baskenland, Spanien 2013 partenariat
Elbasan   Albanien  Albanien 2014 partenariat
Esch an der Alzette   Luxemburg  Kanton Esch an der Alzette, Luxemburg 1958 Ring der Städtepartnerschaften[13]
Fuzhou China Volksrepublik  Fujian, Volksrepublik China 2016 partenariat
Gent   Belgien  Flandern, Belgien jumelage
Hasselt   Belgien  Flandern, Belgien 1955 Euregio Maas-Rhein[12]
Heerlen   Niederlande  Limburg, Niederlande 1955 Euregio Maas-Rhein[12]
Köln   Deutschland  Nordrhein-Westfalen, Deutschland 1958 Ring der Städtepartnerschaften[13]
Krakau   Polen  Woiwodschaft Kleinpolen, Polen 1978 jumelage
Lille   Frankreich  Département Nord, Frankreich 1958 Ring der Städtepartnerschaften[13]
Lubumbashi   Kongo Demokratische Republik  Haut-Katanga, Demokratische Republik Kongo 1961 jumelage
Maastricht   Niederlande  Limburg, Niederlande 1955 Euregio Maas-Rhein[12]
Nancy   Frankreich  Département Meurthe-et-Moselle, Frankreich 1954 jumelage
Plzeň   Tschechien  Pilsener Region, Tschechien 1965 jumelage
Port-au-Prince   Haiti  Haiti 2015
Porto   Portugal  Distrikt Porto, Portugal 1977 jumelage
Québec   Kanada  Kanada 2002
Ramallah Palastina Autonomiegebiete  Westjordanland, Palästina 2014
Rotterdam   Niederlande  Süd-Holland, Niederlande 1958 Ring der Städtepartnerschaften[13]
Saint-Louis Senegal  Senegal 1980 jumelage
Samarqand Usbekistan  Usbekistan 2005
Szeged   Ungarn  Komitat Csongrád-Csanád, Ungarn 2001 jumelage
Taiyuan China Volksrepublik  Shanxi, Volksrepublik China 2002
Tanger Marokko  Marokko 2006 coopération technique
Turin   Italien  Piemont, Italien 1958 Ring der Städtepartnerschaften[13]
Wolgograd   Russland  Oblast Wolgograd, Russland 1959 [2022 ausgesetzt 1]
Wuhan China Volksrepublik  Hubei, Volksrepublik China 2014
  1. Jumelage suspendu: Volgograd — Волгогра́д (Russie) — Liège. Abgerufen am 31. Oktober 2022 (französisch).

Persönlichkeiten Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

  • Lüttich – Unterwegs in der leuchtenden Stadt an der Maas, Verfasser: Rolf Minderjahn, Verlag, GEV (Grenz-Echo-Verlag), ISBN 978-3-86712-062-3.
  • 111 Orte in Lüttich, die man gesehen haben muss, von Alexander Barth, mit Fotografien von Jenny Roder, Köln: Emons Verlag 2016, ISBN 978-3-95451-925-5.

Siehe auch Bearbeiten

Weblinks Bearbeiten

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Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Joan Blaeu: Novum Ac Magnum Theatrum Urbium Belgicae. Amsterdam, 1649.
  2. Zeitgenössische Stiche von Jean-Noël Chevron siehe
    Commons: Cathédrale Notre-Dame-et-Saint-Lambert de Liège auf Commons – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
    .
  3. Europäische Route der Industriekultur: Industriegeschichte Belgiens (Memento des Originals vom 17. Juli 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/de.erih.net
  4. Flight Ausgabe 2. Januar 1909, S. 4; www.spa-aviation.be.
  5. Drei Tote bei Geiselnahme in Belgien
  6. Offizielles Wahlergebnis auf elections2012.wallonie.be
  7. Olaf Münichsdorfer: Lichtblicke für Lüttich. d'Land 13. November 2009. S. 27.
  8. Homepage des Aktionsbündnis für die Wiedereinführung der Straßenbahn in Lüttich (auf französisch)
  9. Simonne Doepgen: Eine Stadt wird umgebaut: Lüttich bekommt mit der Tram ein neues Gesicht. In: brf.be. 4. August 2022, abgerufen am 20. August 2022.
  10. Le Port autonome de Liège, Website des Hafens, abgerufen am 25. Februar 2015
  11. Jumelages et partenaires — Liège. Ville de Liège, abgerufen am 31. Oktober 2022 (französisch).
  12. a b c d Maastricht (Pays-Bas) — Liège. Ville de Liège, abgerufen am 1. November 2022 (französisch).
  13. a b c d e Rotterdam (Pays-Bas) — Liège. Ville de Liège, abgerufen am 1. November 2022 (französisch).