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Rokoko

Epoche der europäischen Kunst (ca 1730 bis 1770/1780)
Einer der schönsten und berühmtesten Rokokoräume der Welt: die Wieskirche bei Steingaden, Bayern
Rocaille

Das Rokoko ist eine Stilrichtung der europäischen Kunst (von etwa 1720/30 bis 1760/70) und entwickelte sich aus dem späten Barock (ca. 1700–1720). Ausgangspunkt ist Frankreich. Der Name entstammt dem französischen Wort Rocaille (Muschelwerk, Steingarten) und bezeichnet ein immer wieder auftretendes Ornamentmotiv, das sich durch Asymmetrie von barocken Formen unterscheidet.[1] Der Begriff Rokoko wurde 1797 von dem Maler Pierre Maurice Quays geprägt.[2]

Das Rokoko wurde ungefähr ab ca. 1760 langsam vom Klassizismus abgelöst. Einen Übergangsstil nennt man im Deutschen Zopfstil.

Inhaltsverzeichnis

BegriffBearbeiten

Der Begriff Rocaille leitet sich aus den beiden französischen Wörtern roc ‚Fels‘ und coquilles ‚Muscheln‘ ab. Die Ableitung zeigt, dass es sich vor allem um einen Dekorationsstil handelt. Daher wird auch im Wesentlichen bei monumentaler Baukunst und bei bildnerischen Künsten jener Zeit nur bedingt von einer eigenen Stilepoche gesprochen. Dagegen wird besonders auf dem Gebiet der Innenarchitektur und des Kunstgewerbes eine strenge Abgrenzung vom Barock getroffen.[1] Der Begriff ist in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebildet worden.[3]

Das Pathos des Barock konnte sich im Zuge der Gegenreformation, der katholischen Reform und der damit einhergehenden Lehre und Praxis sowie in der Verherrlichung des absolutistischen Herrschers voll entfalten. Demgegenüber huldigte man in der nachfolgenden Zeit des Rokoko einem verspielteren Schönheitsideal von eleganter Leichtigkeit und Anmut. Charakteristisch in diesem Bau- und Dekorationsstil sind überbordende Verzierungen an Fassaden, in Innenräumen, an Möbeln, Alltagsgegenständen etc. und vor allem eine Vorliebe für das Unregelmäßige und für Asymmetrie, im Gegensatz zu der im Barock so zentralen Symmetrie. An die Stelle fester Formen treten leichte, zierliche, gewundene Linien und häufig rankenförmige Umrandungen.

In der Ikonographie der weltlichen Kunst zeigen die Motive eine Zunahme an sinnlicher, erotischer Ästhetik und laszive Darstellung der galanten Welt. In der Architektur und Baukunst tritt der großartige Fassadenschmuck zugunsten einer reichhaltigeren Ausstattung und Akzentuierung der Innenräume zurück, wie überhaupt das Rokoko in erster Linie eine Kunst der Innendekoration ist. In der höfischen und zunehmend auch in der bürgerlichen Umgebung bildeten mehr oder weniger luxuriös gestaltete Salons die Zentren geselliger Unterhaltung. Er entwickelte sich damit zum beherrschenden Wohnraum.

 
Meißner Porzellan-Häferl mit chinesischem Dessein, um 1730, Metropolitan Museum of Art, New York

Chinoiserie war eine an chinesischen Vorbildern orientierte Richtung der damaligen Kunst, die ihre größte Popularität zur Zeit des Spätbarock und Rokoko erreichte. Die Bewunderung für chinesisches Porzellan und Lackarbeiten führte zur Einrichtung von Porzellankabinetten (z. B. in Aranjuez, oder der Salottino di Porcellana im Museo di Capodimonte, Neapel) oder von chinesischen oder japanischen Lackzimmern, wie beispielsweise in Schönbrunn, und sogar zu kleinen Pavillons oder Pagoden in manchen Schlossparks (Chinesischer Pavillon in Sanssouci, Potsdam). Vor allem kam es auch zur Neu-Entdeckung der Porzellanherstellung in Meißen, die auch die Gründung anderer Manufakturen nach sich zog, wie in Nymphenburg, in Sèvres bei Paris oder in Capodimonte, Neapel.

Allgemeine TendenzenBearbeiten

 
Rokoko-Uhr mit Meißner Porzellan-Blumen und -Figurinen, um 1735. Cummer Museum, Jacksonville, Florida

Im Barock hatte Ludwig XIV. von Frankreich sein Leben zum öffentlichen Ereignis gemacht, um den Adel am Hofe zu halten und durch Gunstbeweise oder -entzug zu lenken. Im Rokoko fand eine Gegenbewegung mit einem Rückzug ins Private statt (höfischer Eskapismus). An die Stelle monumentaler Machtentfaltung und kraftvoller Dynamik des Barock traten nun kultivierte Lebensführung und ein leichtfüßiges, feinsinniges Lebensgefühl, gepaart mit vornehm-zarter Sinnlichkeit und galanten Umgangsformen. In der (Klein-)Plastik und vor allem in der Malerei tauchen häufig private oder gar erotische Themen auf, nicht selten auch in einer lieblichen oder gar verniedlichenden Darstellung (z. B. Gemälde von Boucher, Meißner Porzellan-Figuren). Es wird vom Zeitalter der Décadence gesprochen; Voltaire bezeichnet es als 'le siècle des petitesses’ (das Jahrhundert der Kleinigkeiten). Am französischen Hof entsteht eine Kleidermode des Rokokos, die sich in ganz Europa ausbreitet. Die folgenden Adjektive werden zur Beschreibung dieser Zeit verwendet: „[…] vielsagend lächelnd, aber selten eindeutig lachend; amüsant, pikant, kapriziös, witzig, kokett, komödiantisch …“.[4]

Bildende KunstBearbeiten

ArchitekturBearbeiten

 
Schloss Queluz bei Sintra (Portugal)

In der Architektur gibt es nur relativ wenige Bauten, die eindeutig als Rokoko deklariert werden können, da es sich wie erwähnt mehr um einen Dekorationsstil handelt. Die Schlösser erscheinen kleiner, Hauptgebäude trennen sich teilweise von Dienstgebäuden, beispielsweise in Schloss Benrath bei Düsseldorf. In der Innenarchitektur verzichtet man nun auf die gliedernden Elemente der klassisch-antiken Säulenordnung, auf Pilaster, Gebälk und Friese, stattdessen lässt man die Grenzen der einzelnen Raumteile (Wände, Decke usw.) mithilfe von schmückenden Ornamenten verschwimmen. Neben den offiziellen pompösen Repräsentationsräumen finden sich jetzt auch vermehrt kleinere und intimere Privaträume - wie die Petits Appartements Ludwigs XV. und seiner Töchter in Versailles -, oder gar Privathäuser und -schlösschen, wie beispielsweise die Amalienburg im Park von Schloss Nymphenburg. Das Lebensgefühl fordert eine heitere, leichte Architektur mit eleganten und verspielten Details.

Im Kirchenbau, besonders im süddeutsch-österreichischen Raum entstehen nach wie vor (allein aus praktischen Gründen) monumentale Raumschöpfungen, die durch eine einzigartige Verschmelzung von Architektur, Malerei, Stuck usw. gekennzeichnet sind, also die Grenzen zwischen den Kunstgattungen oft völlig aufheben, und die durch eine lichterfüllte Schwerelosigkeit und Bewegtheit geprägt sind.

FrankreichBearbeiten

Seinen Ursprung nahm das Rokoko in Frankreich, wo es die kurze Periode der Régence oder „Regentschaft“ ablöst, die als Kunstepoche etwa den Zeitraum von 1715 bis 1730 umfasst, und in der Politik die Jahre zwischen 1715 und 1723, als Philipp von Orléans die Regierungsgeschäfte in Frankreich während der Minderjährigkeit des späteren Königs Ludwigs XV. leitete.[5]

Schon in der Régence entwickelte man einen leichteren, graziöseren Dekorationsstil. Das schwere, geradlinige klassisch-antike Formenrepertoire des Louis-quatorze verschwand zu Gunsten von Schwüngen und Wölbungen. Typisch für die französische Innendekoration sind Wandvertäfelungen mit oft vergoldeten Boiserien auf weißem Grund. Das Zierelement der Rocaille tritt etwa um 1730 zum ersten Mal auf (Salon Ovale im Hôtel de Soubise, Paris).

Das zierlichere Mobiliar zeigte sich mit geschwungenen Corpora[6], die mit Ornamenten verziert waren und mit üppig marketierten Oberflächen. Man wünschte nun auch einen höheren Grad an Komfort und polsterte z. B. die Sitz- und Rückenflächen der Sessel dicker oder man schuf die Chaiselongue. Aus dem Bedürfnis nach nützlichen und bequemen Dingen, die noch dazu den Wunsch nach verspieltem Luxus befriedigen sollten, wurden neue Einrichtungsgegenstände gefertigt, wie Tische mit Schubladen und versenkbaren Fächern, Toilettentische, Spieltische und Zylinderschreibtische oder -bureaus, deren Fächer und Schübe sich hinter einem im Halb- oder Viertelkreis geführten Rollladen befanden u. ä. m. Die Tischler bevorzugten Eiche, Walnuss, aber auch tropische Hölzer, etwa Satinholz oder Mahagoni für ihre Arbeiten. Hinzu kamen verfeinerte Alltagsgegenstände aus Glas und Porzellan.

DeutschlandBearbeiten

 
Spiegelsaal in der Amalienburg (Nymphenburg)

Der Rokokostil in Deutschland und Österreich entwickelte unter dem bereits bestehenden Einfluss des italienischen Barock wesentlich überschwenglichere Formen als im klassizistisch vorgeprägten Frankreich, und es entstanden vor allem auch bedeutende Rokokodekorationen im Kirchenbau.

Die Asamkirche in München steht an der Schwelle zum Rokoko, doch tritt hier die typische Leitform im Ornament, die Rocaille, noch nicht auf. Man findet sie zuerst in den späten 1730er Jahren, doch herrschen auch in dieser Zeit noch florale Ornamentmotive vor, wie in der Amalienburg in München-Nymphenburg. Das Rokoko und die Rocaille werden aus Frankreich vor allem durch Ornamentstichvorlagen nach Deutschland importiert. Das Zentrum solcher Stiche ist Augsburg; man nannte es auch den „Augsburger Geschmack“, und es geht in das Formenrepertoire vieler süddeutscher Stuckateure über, bis die Ausstattungskunst des Rokokos im Werk Dominikus Zimmermanns ihren Höhepunkt erreicht: Im Chor der Wieskirche erscheinen „gebaute Rocaillen“. Ebenfalls hervorzuheben ist sein Wirken bei der Errichtung und Stuckierung der Wallfahrtskirche Steinhausen (1727–1733) zwischen Bad Schussenried und Biberach. Ein bedeutsames Werk des Rokokos in Deutschland stellt das Schloss Solitude in Stuttgart dar. Es wurde über eine völlig geradlinige Straßenverbindung mit der damaligen Hauptresidenz Württembergs, dem Residenzschloss Ludwigsburg verbunden.

Regionale SonderformenBearbeiten

Im deutschsprachigen Bereich werden diverse Ausprägungen des Rokoko in verschiedenen Regionen teilweise besonders bezeichnet, nicht zuletzt auch deshalb, weil es sich ursprünglich im 18. Jahrhundert um eigenständige Länder handelte, deren Bauten durch den Geschmack und die Mittel eines bestimmten Fürsten oder einer Fürstin geprägt waren.

Bedeutende Elemente des süddeutschen Rokoko sind in der Würzburger Residenz zu finden. Im Hauptwerk Balthasar Neumanns wurden die Stuckaturen von Antonio Bossi ausgeführt. Besonders sind hier der „Weiße Saal“ und der „Kaisersaal“ mit seiner Ausarbeitung zu erwähnen. Vom hochbegabten Kunstschreiner Ferdinand Hundt ließ Balthasar Neumann unter anderem das einzigartige Audienzzimmer ausstatten und lobte ihn, dass er „die Zierratenschneiderei am besten von allen verstehe“. Durch Ferdinand Hundt, Antonio Bossi und Johann Wolfgang van der Auwera wurde in der Residenz der neue Gusto des Würzburger Rokoko erschaffen.

 
Unteres Konzertzimmer im Neuen Palais, Potsdam

Die wohl bekannteste Sonderform des deutschen Rokoko ist das nach Friedrich dem Großen benannte Friderizianische Rokoko in Preußen, das im Vergleich zur Bayerischen Variante als nicht ganz so verspielt und überbordend gilt. Beispielhaft ist die elegante Architektur und die Innendekoration von Schloss Sanssouci (z. B. Konzertzimmer), sowie manche Innenräume im Neuen Palais von Potsdam.

Zu einer eigenständigen Entwicklung kam es auch in Bayreuth in den Jahren 1740 bis 1760 unter Markgräfin Wilhelmine: Es entstand das Bayreuther Rokoko, eine Spielart der Innenarchitektur mittels Wandgestaltung durch Stuck. Typische Elemente sind Spiegelscherbenkabinette – statt symmetrisch geformter Spiegel des Barock werden unregelmäßig geformte Spiegelstücke an Decke und Wänden aufgebracht. Die Wände der sogenannten Spalierzimmer vermitteln durch erhaben gebildeten Stuck den Eindrück von Spaliergerüsten mit sehr naturalistisch dargestellten Pflanzen. Die Musikzimmer enthalten mit dem Stuck verbundene Porträts der am Hof wirkenden Schauspieler, Sänger und Instrumentalisten. Verwirklicht wurde dies im Neuen Schloss Bayreuth, in der Schlosskirche Bayreuth und im Alten Schloss der Eremitage. Am ausgeprägtesten zeigte sich dieser Stil jedoch im neuen Schloss der Eremitage, dessen Innenräume im Krieg zerstört wurden. Diese Stuckarbeiten wurden meist von Giovanni Battista Pedrozzi, dem Hofstuckateur durchgeführt.[7]

ÖsterreichBearbeiten

Im heutigen Österreich findet man bedeutende Beispiele für das Rokoko - eine strenge Abgrenzung vom süddeutschen Raum ist jedoch nicht möglich oder sinnvoll, und entspricht auch nicht mit der historischen Situation im 18. Jahrhundert. Stattdessen spricht man grundsätzlich vom süddeutsch-österreichischen Rokoko. Auf der anderen Seite gibt es mit dem nach Maria Theresia benannten Theresianischen Stil, der noch etwas mehr zum Lieblichen tendiert, auch eine eigene Begriffsbildung. Bekanntestes Beispiel hierfür ist die Innendekoration von Schloss Schönbrunn in Wien (wobei das rot-weiße Mobiliar allerdings zum großen Teil erst aus dem 19. Jahrhundert stammt und dem Neorokoko angehört). Andere bedeutende Beispiele sind Schloss Leopoldskron in Salzburg, oder Stift Engelszell und Stift Wilhering in Oberösterreich. Die Stiftskirche von Wilhering gilt als wichtigster Sakralbau des Rokoko in Österreich und zählt zu den bedeutendsten Bauten des Rokoko im deutschen Sprachraum.

Bedeutende Bauwerke des Rokoko im deutschen Sprachraum

Profanbauten Sakralbauten

Bedeutende Baumeister des Rokoko

GartenkunstBearbeiten

Die Gartenkunst der Zeit von etwa 1730 und 1760 wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts dem Rokoko zugeordnet.[8] Sie bedient sich meist der Elemente des französischen Barockgartens, wandelt diese ab und verwendet sie anders. Es werden zunehmend naturnahe Elemente wie Rasenflächen, Blütensträucher und Obstgehölze aufgenommen. Auch können Elemente der Chinoiserie und des Klassizismus mit dem Rokokogarten verbunden sein. Teilweise kann von Mischformen zwischen Barock- und Landschaftsgarten gesprochen werden. In Frankreich hat Ingrid Dennerlein zwischen Barock und Rokoko noch die Gartenkunst der Régence definiert.[9] Während es für Frankreich, Deutschland und Skandinavien als geklärt gelten kann, was unter Rokokogärten zu verstehen ist, bereitet die Verwendung des Begriffes für die Gärten dieser Zeit in England, Italien und Spanien zuweilen Schwierigkeiten.

Bedeutende, bis heute als solches erkennbare Rokokogärten

BildhauereiBearbeiten

 
Putte im Kloster Obermarchtal

Die französische Plastik trägt auch im Rokoko eine Tendenz zu klassischen Zügen (René Fremins, Jean-Baptiste Lemoynes II, Edmé Bouchardon). In Italien bleibt das barocke Figurenideal vorherrschend (anders aber Giovanni Maria Morlaiter). Süddeutschland bildet ein Zentrum der Rokokoplastik. Bei der Ausgestaltung von Palästen, Schlößern und Kirchen sind eine Reihe herausragender Bildhauer beteiligt. Holz, das bevorzugte Material, wird durch farbige oder Weiß- und Gold-Fassungen aufgewertet. Daneben wird für die architekturorientierte Plastik auch Stuck verwendet. In der Würzburger Residenz prägen der Kunstschreiner Ferdinand Hundt, der Stuckateur Antonio Giuseppe Bossi und der Zeichner und Bildhauer Johann Wolfgang van der Auwera den Gusto des „Würzburger Rokoko“. In Bayern zählen neben François de Cuvilliés der Ältere auch Johann Baptist Straub und sein Schüler Ignaz Günther zu den bedeutendsten Meistern. In Berlin bringen die Brüder Johann Michael Hoppenhaupt, Johann Christian Hoppenhaupt und Johann August Nahl die Blüte des friderizianischen Rokoko hervor. In Wien vertritt Georg Raphael Donner eine eigene klassizistische Stilrichtung.

Die Porzellanplastik (mit den Zentren Meißen, Nymphenburg und Sèvres) bevorzugt idyllische und bukolische Themen.[10]

Bedeutende Bildhauer des Rokoko

MalereiBearbeiten

 
Die Schaukel, gemalt 1767 von Jean-Honoré Fragonard

Die Darstellung des neuen Lebensgefühls entfernt sich von der bisherigen Staatsidee der Malerei unter Ludwig XIV. und mündet in einem heiteren Spiel der Farben und in geschwungenen Linien.[11] Die Malerei entdeckte die zarten Töne der Pastellmalerei (z. B. Rosalba Carriera, Maurice Quentin de La Tour), und auch in der Ölmalerei kommt es zu einer deutlichen Aufhellung der Farbskala, zur Hinwendung zu hellen Pastellfarben mit dem Brechen aller Töne ins Silbrige (je nach Künstler). Weiß zeigt sich als materialisiertes Licht mit dekorativen, heiter-festlichen Effekten.[10] Das spielerische Element findet sich in kleinformatigen Bildern, in der Porzellanmalerei und besonders auch in den Chinoiserien.[1]

In der Ikonographie lässt sich eine Tendenz zur Verweltlichung, eine sinnliche Ästhetik und eine erotische und laszive Darstellung der galanten Welt beobachten. In den Bildprogrammen verlieren Helios-Apoll oder Herkules ihren Vorrang an Venus und Pan und an die „niederen Götter“.[12] Der Wunsch nach einem Leben in Arkadien äußert sich in Liebesszenen, stimmungsvollen Idyllen, bukolischen Landschaften und Festlichkeiten im Freien. Die Tradition der pastoralen Malerei lebt wieder auf. Im Vordergrund steht das Dekorative und die Komposition des Bildes, eine idyllische Hintergrundlandschaft, Details wie Stoffe, Vasen etc., und weniger psychologische Elemente. In der französischen Malerei findet sich die Darstellung eines "galanten" Lebens in dem schon in der Régence durch Antoine Watteau entstandenen neuen Bildtypus der fête galante.[10] Zu den großen Hauptmeistern des französischen Rokoko mit der Darstellung von Schäferspielen und erotisch gefärbten mythologischen Szenen gehören Jean-Honoré Fragonard und François Boucher, der ein Meister des Dekoration war und 40 Jahre des französischen Rokoko in der Epoche Ludwigs XV. prägte.

Die italienische Malerei konnte zu dieser Zeit bereits auf eine lange Tradition von Deckenfresken, mythologischen Szenen und religiöser Malerei zurückschauen, die im Spätbarock und Rokoko stilistisch auf den weichen, lieblichen Stil von Correggio oder auf die Freskenkunst und die erotischen Szenen von Luca Giordano oder Sebastiano Ricci zurückblicken konnte, die alle - wenngleich zeitlich zum Teil wesentlich früher - als wichtige Vorläufer und Inspiration der Rokokomalerei gelten können und zwar weit über Italien hinaus. Bedeutende italienische Maler der Epoche waren Jacopo Amigoni, der auch viele erotische Szenen im Zeitgeschmack schuf, sowie Francesco De Mura, Corrado Giaquinto und Sebastiano Conca. Giovanni Battista Tiepolo gilt als 'letzter Großmeister der venezianischen Malerei' und schuf auch in Deutschland, im Treppenhaus der Würzburger Residenz, eines seiner meisterhaften Deckenfresken in einer lichterfüllten Farbigkeit. In Venedig entstanden außerdem die berühmten Veduten und Capricci von Canaletto, Bernardo Bellotto und Francesco Guardi. Daneben waren Karnevalsdarstellungen, Porträts und Genre-Szenen beliebte Themen, mit Meistern wie Pietro Longhi oder Giovanni Domenico Tiepolo, oder der bereits erwähnten, in ganz Europa berühmten Pastellmalerin Rosalba Carriera. Mythologische oder pastorale Landschaftsbilder malte Francesco Zuccarelli.

In England zählen William Hogarth, Joshua Reynolds, Thomas Gainsborough zu den hervorragenden Malern des Rokokos.

Im sakralen Bereich neigen die Maler zu Gefühl, Andacht und Heiligenlegenden. Ganz im Gegensatz dazu steht aber die Verherrlichung in der Deckenmalerei, die sich auch der Stilmittel der Illusionsmalerei bedient. Besonders in süddeutschen und österreichischen Residenzen und Kirchen entsteht eine bisher nicht bekannte Integration von Freskenmalerei und Architektur und Ornamenten. Hier entstehen die großartigen Meisterwerke europäischer Freskenmalerei, mit den Vertretern Giovanni Battista Tiepolo, Johann Georg Bergmüller, Johann Baptist Zimmermann, Mathäus Günther, Daniel Gran, Franz Anton Maulbertsch, Paul Troger.[10]

Bedeutende Maler des Rokoko

Angewandte KunstBearbeiten

Mobiliar und InterieurBearbeiten

Während im Barock bei den Möbeln trotz ihrer mannigfachen Gliederung und dominanten Ornamentik vorwiegend kantig-strenge Grundformen vorherrschten, hob das Rokoko das statische Rahmenwerk und die lineare Strenge auf und führte fast jedes Element in geschweifte und gebogene Formen über, zeigte sich überaus „verspielt“, entsagte sich der Symmetrie und erschien als Epoche der ausgeschmückten, schwellenden und schmiegsamen Eleganz. Zentrales Motiv des Rokokos ist auch hier die Rocaille. Um es den Frauen mit den großen Reifröcken zu ermöglichen sich hinzusetzen, mussten zwangsläufig die Armlehnen zurücktreten. Die Sitzmöbel hatten fast immer geschweifte Füße. Die Möbelfüße zeigen häufig Schnitzereien oder Metallapplikationen in Form von Pflanzen, Tierfüßen oder Muschelmotiven. Eine Weiterentwicklung stellt der Konsoltisch dar, der nur noch zwei Füße benötigt, da er an der Wand befestigt ist. Eine Neuentwicklung stellt die Chaiselongue (franz. Langer Stuhl) dar, die einen Sessel mit seiner Fußbank zu einem Möbelstück verbindet. In der Möbelkunst ging von Frankreich ein besonders dominierender Einfluss aus, dem Rokoko entspricht dabei der Style Louis-quinze.

Kleidermode des RokokosBearbeiten

Darstellende KunstBearbeiten

 
Nicolas Lancret: Fête galante mit Pulcinella, Fondation Bemberg, Toulouse

MusikBearbeiten

LiteraturBearbeiten

In der Literatur bezeichnet Rokoko eine Epoche der Frühaufklärung, die noch stark von Schäferdichtung und dem Barock beeinflusst ist und entsprechend spielerische und auch erotische Elemente aufnimmt, andererseits jedoch durch ihre subjektive Gefühlsströmung der Empfindsamkeit nahesteht und bei aller Sinnenfreudigkeit eine individuell und rational begründete Erlebniswelt ausdrückt. Siehe auch Anakreontik.

Bedeutende Autoren

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Rokoko – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wiktionary: Rokoko – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Johannes Jahn; Stefanie Lieb: Wörterbuch der Kunst. 13. Auflage; Alfred Kröner Verlag Stuttgart, Stuttgart 2008 S. 713 f
  2. comoria.com: Pierre-Maurice Quays
  3. Joseph von Eichendorff: Der Adel und die Revolution.
    Wilhelm Heinrich Riehl: Der Kampf der Rococo mit dem Zopf (1853), in dessen: Culturstudien aus drei Jahrhunderten, 1859
  4. Egon Friedell: Kulturgeschichte der Neuzeit. C.H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1931, S. 563 ff
  5. Noël Riley (Hrsg.): Kunsthandwerk & Design. Stile, Techniken, Dekors von der Renaissance bis zur Gegenwart. 2004, S. 114.
  6. also die zusammengesetzten Seiten eines Möbels oder Bauteils (Boden, Seitenteile, Deckel, Rückwand und Front)
  7. nach Erich Bachmann: Neues Schloss Bayreuth. Amtlicher Führer. 4. Auflage, München 1980.
  8. Paul Höckendorf: Sanssouci zur Zeit Friedrichs des Großen und heute. Berlin 1903
  9. Ingrid Dennerlein: Die Gartenkunst der Régence und des Rokokos in Frankreich. Worms 1981
  10. a b c d Dörfler: Lexikon der Kunst, Malerei Architektur Bildhauerkunst. Nebel, Eggolsheim 2006, ISBN 978-3-89555-386-8, Band 9, S. 115 ff.
  11. Herder Freiburg, mit Beiträgen von Hubert Damisch: Die französische Malerei. Basel, Wien, Freiburg 1983, ISBN 3-451-18937-2, S. 120.
  12. Hubert Krins: Barock in Süddeutschland. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-8062-1420-4, S. 24 f.