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Sintra ist eine Kleinstadt (Vila) in Portugal etwa 25 km westlich von Lissabon. Sie gehört zum gleichnamigen Município. Bekannt ist der Ort vor allem durch seine zum Teil jahrhundertealten Paläste, die Touristen aus aller Welt anlocken. Seit 1995 ist die Kulturlandschaft Sintra Weltkulturerbe der UNESCO.

Sintra
Wappen Karte
Wappen von Sintra
Sintra (Portugal)
Sintra
Basisdaten
Region: Lisboa
Unterregion: Grande Lisboa
Distrikt: Lissabon
Concelho: Sintra
Koordinaten: 38° 48′ N, 9° 23′ WKoordinaten: 38° 48′ N, 9° 23′ W
Einwohner: 9342 (Stand: 30. Juni 2011)[1]
Fläche: 12,24 km² (Stand: 1. Januar 2010)[2]
Bevölkerungsdichte: 763 Einwohner pro km²
Politik
Bürgermeister: Basílio Horta (PS/Partido Social Democrata
Kreis Sintra
Flagge Karte
Flagge von Sintra Position des Kreises Sintra
Einwohner: 377.249 (Stand: 30. Juni 2011)[3]
Fläche: 319,21 km² (Stand: 1. Januar 2010)[2]
Bevölkerungsdichte: 1182 Einwohner pro km²
Anzahl der Gemeinden: 11
Verwaltung
Adresse der Verwaltung: Câmara Municipal de Sintra
Largo Virgílio Horta, 4
2714-501 Sintra
Präsident der Câmara Municipal: Basílio Horta PS)
Website: www.cm-sintra.pt
Kulturlandschaft Sintra
UNESCO-Welterbe UNESCO-Welterbe-Emblem
Staatsgebiet: PortugalPortugal Portugal
Typ: Kultur
Kriterien: ii, iv, v
Fläche: 946 ha
Referenz-Nr.: 723
UNESCO-Region: Europa und Nordamerika
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 1995  (Sitzung 19)
Der Palácio Nacional da Pena

GeschichteBearbeiten

Spuren der frühesten menschlichen Besiedlung führen hier bis in die Altsteinzeit, etwa die Funde von Penha Verde. Unter den jungsteinzeitlichen Funden ist die nahe dem Castelo dos Mouros ausgegrabene Siedlung São Pedro de Canaferrim zu nennen. Das Kuppelgrab von Monge stammt aus der Kupferzeit. In der Serra de Sintra finden sich weitere Spuren vorgeschichtlicher Besiedlung, bis zur Bronzezeit und bis zur Ankunft des Römischen Reiches. Aus römischer Zeit stammt u. a. der Staudamm Barragem romana de Belas, in Belas und die Römerstraße Calçada na Catribana. Aus den arabischen Aufzeichnungen nach der Landnahme durch die Mauren ab 711 wird eine bedeutendere Ortschaft namens Xintara oder Shantara erwähnt. So beschrieb der arabische Geograph Al-Bacr im 11. Jahrhundert den Ort als eine am Meer gelegene befestigte Siedlung, die Lissabon unterstand. Andere Quellen aus dem al-Andalus nannten den Ort als den nach Lissabon bedeutendsten in der Region.

Sintra erlebte seit dem 8. Jahrhundert eine Reihe christlicher Eroberungen und arabischer Rückeroberungen, bis Portugals erster König Dom Afonso Henriques nach der Belagerung von Lissabon den Landstrich 1147 endgültig einnahm. 1154 erhielt Sintra erste Stadtrechte durch Dom Afonso Henriques. Im Verlauf des 12. und 13. Jahrhunderts entstanden im Kreis Sintra eine Reihe Klöster, angelockt durch die ertragreichen Böden. Die Europa im 14. Jahrhundert heimsuchende Pestepidemie des Schwarzen Todes erreichte 1348 auch Sintra.

König Dom Manuel I. nahm ab dem Ende des 15. Jahrhunderts weitreichende Neugestaltungen in der Stadt Sintra vor. Ab dem 16. Jahrhundert nahm die Beliebtheit Sintras bei den Oberschichten zu, und adlige Familien errichteten im Kreis Sintra einige Herrenhäuser. Das Erdbeben von Lissabon 1755 rief auch in Sintra erhebliche Zerstörungen hervor, denen in der Folge umfangreiche Arbeiten des Wiederaufbaus folgten. Ende 18. Jahrhundert entstand mit der Textildruckerei und -färberei Fábrica de Estamparia de Rio de Mouro die erste industrielle Einrichtung im Kreis.[4]

Sintra wurde insbesondere seit dem 19. Jahrhundert auch zunehmend Ziel für Großbürger, insbesondere internationale Künstler und Industriellenfamilien suchten die Gegend auf. Schriftsteller wie Lord Byron, Eça de Queiroz oder Hans Christian Andersen haben ihre Begeisterung für Landschaft, Klima und Architektur Sintras literarisch festgehalten.[5] Byrons „Lo! Cintra’s glorious Eden“ von 1812[6] ist noch heute präsent und dient fast als inoffizielles touristisches Motto Sintras.[7]

Vom 3. bis 6. Juni 1999 fand in Sintra die 47. Bilderberg-Konferenz statt.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Am Palácio de Monserrate

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Im Kreis Sintra befindet sich auch Cabo da Roca, das Kap ist der westlichste Punkt des europäischen Festlandes. Wanderwege sind im Kreis angelegt, darunter auch Rundgänge und Parkwanderungen, etwa durch den Parque da Pena.

Der Lissaboner Aquädukt Aqueduto das Águas Livres beginnt in Belas, im Kreis Sintra.

MuseenBearbeiten

  • Das Museu de Arte Moderna ist in einem 1920 errichteten Casino untergebracht und zeigt eine umfangreiche Sammlung moderner Kunst
  • Im Museu Anjos Teixeira sind die Sammlungen der beiden Bildhauerbrüder Anjos Teixeira zu sehen
  • An den römischen Ruinen Ruínas de São Miguel de Odrinhas ist auch ein Museum eingerichtet
  • Im Centro Cultural Olga Cadaval werden, neben Veranstaltungen in den Sälen, auch Ausstellungen gezeigt
  • Luftfahrtmuseum Museu do Ar (siehe den Abschnitt zum Militärflugplatz)
  • Das Wissenschaftsmuseum Centro Ciência Viva de Sintra (dt.: Zentrum lebendiger Wissenschaft von Sintra)
  • Das NewsMuseum beschäftigt sich mit der Rolle der Medien und vermittelt Informationen zu ihren Auswirkungen und Akteuren[8]

SportBearbeiten

Die Damenmannschaft des am 1. Dezember 1880 gegründeten Fußballvereins Sociedade União 1º Dezembro ist Rekordmeister des Campeonato Nacional, der höchsten Spielklasse des Frauenfußballs in Portugal. Die Herrenmannschaft der SU 1º Dezembro spielte in der Saison 2013/14 in der dritten Liga, in der Série G des Campeonato Nacional de Seniores. Das Heimstadion des Vereins ist der Campo Conde de Sucena mit 1.500 Plätzen.[9]

Der Fußballverein Sport União Sintrense wurde 1911 gegründet und spielte in der Saison 2013/14 mit dem Lokalrivalen SU 1º Dezembro in der dritten Liga, ebenfalls in der Série G des Campeonato Nacional de Seniores. Das vereinseigene Stadion Estádio do Sport União Sintrense fasst 2.800 Zuschauer.[10] Weitere Fußballvereine im Kreis, die sämtlich in Ligen des Distriktverbandes spielen, sind Atlético Clube do Cacém, Clube Atlético Pêro Pinheiro, der Real Sport Clube aus Queluz, der Sporting Clube de Lourel, und der Mem Martins Sport Clube, der sich zudem durch eine Vielfalt praktizierter Sportarten auszeichnet.

Zu erwähnen ist auch der Rollhockey-Verein Hockey Clube de Sintra.

1999 fand im Kreisgebiet das internationale Golfturnier Estoril Open statt.

PolitikBearbeiten

Portugiesische Kommunalwahl 2009
Organ PSD PS PCP-PEV BE
Câmara Municipal 6 4 1 0
Assembleia Municipal 28 19 4 2
davon: direkt gewählt 15 12 4 2

VerwaltungBearbeiten

Der KreisBearbeiten

Sintra ist Verwaltungssitz eines gleichnamigen Kreises (Concelho) im Distrikt Lissabon. Am 30. Juni 2011 hatte der Kreis 377.249 Einwohner auf einer Fläche von 319,2 km²[3].

Die Nachbarkreise sind (im Uhrzeigersinn im Norden beginnend): Mafra, Loures, Amadora, Oeiras und Cascais. Im Westen grenzt der Kreis Sintra an den Atlantik.

 
Das Rathaus (Câmara Municipal) von Sintra

Mit der Gebietsreform im September 2013 wurden mehrere Gemeinden zu neuen Gemeinden zusammengefasst, sodass sich die Zahl der Gemeinden von zuvor 20 auf elf verringerte.[11]

Die folgenden Gemeinden (Freguesias) liegen im Kreis Sintra:

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Einwohnerzahl im Kreis Sintra (1801–2011)
1801 1849 1900 1930 1960 1981 1991 2001 2011
12.486 17.129 26.074 37.986 79.964 226.428 260.951 363.749 377.837

Kommunaler FeiertagBearbeiten

  • 29. Juni

StädtepartnerschaftenBearbeiten

 
Die Fabrik der Galucho, einem Hersteller landwirtschaftlicher Maschinen

WirtschaftBearbeiten

Zu den hier ansässigen Unternehmen zählt die Hauptverwaltung des Papierkonzerns Inapa, das international tätige Stadion-Bauunternehmen Lusoarenas, die Maschinenfabrik Galucho, u. a. Eine Vielzahl Stiftungen haben dazu im Kreis Sintra ihren Sitz. Auch der Fremdenverkehr ist von Bedeutung.

VerkehrBearbeiten

NahverkehrBearbeiten

Der Bahnhof von Sintra ist Endstation der Linha de Sintra, einer Linie des S-Bahn-ähnlichen Vorortzugsystems von Lissabon (beginnend an der Estação Rossio). Die Linha de Sintra bedient noch den Bahnhof Portela de Sintra innerhalb des Stadtgebietes.[13]

Vom Omnibusbahnhof am Bahnhof Portela de Sintra fahren Linienbusse z. B. in ca. 30 Minuten nach Estoril. Die Scotturb (Sintra-Cascais-Oeiras Transportes Terrestres Urbanos) betreibt über 70 regionale Buslinien, daneben bieten weitere Verkehrsgesellschaften Verbindungen an.

Die städtische Straßenbahn Sintra führt an die Atlantikküste zum Strand von Praia das Maçãs; es werden offene und geschlossene Wagen eingesetzt. Im Fahrplan 2016 (22. Juni bis 4. September) sind 6 Fahrtenpaare etwa im Stundentakt enthalten, jedoch nur mittwochs bis sonntags.[14]

FernverkehrBearbeiten

Mit der rund 7 Kilometer vom Stadtzentrum entfernten Haltestelle Mira-Sintra-Meleçâs der Linha do Oeste ist Sintra an das Eisenbahnnetz des Landes angeschlossen.

Die Autobahnen A16 und A37 führen aus dem Großraum Lissabon nach Sintra. Die Nationalstraße N375 führt von Sintra weiter in Richtung Küste.

Zirka fünf Kilometer außerhalb Sintras liegt in nordöstlicher Richtung ein Militärflugplatz der portugiesischen Luftstreitkräfte.

Militärflugplatz SintraBearbeiten

Der Militärflugplatz Sintra (port.: Base Aérea de Sintra) ist ein Militärflugplatz der portugiesischen Luftstreitkräfte Força Aérea Portuguesa (FAP), die ihn offiziell als Base Aérea Nº1 (BA1) führt. Die Basis liegt bei der Granja do Marquês und sie war 1914 die "Wiege" der portugiesischen Militärluftfahrt. Hier sind heute Schulflugzeuge als Teil der Academia da Força Aérea stationiert. Daneben befindet sich hier auch das Museum der Luftstreitkräfte, im Luftfahrtmuseum Museu do Ar.

Ab 2021 wird Sintra auch die Heimat des europäischen Multinational Helicopter Training Centre[15].

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Sintra – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikivoyage: Sintra – Reiseführer

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. www.ine.pt – Indikator Resident population by Place of residence and Sex; Decennial in der Datenbank des Instituto Nacional de Estatística
  2. a b Übersicht über Code-Zuordnungen von Freguesias auf epp.eurostat.ec.europa.eu
  3. a b www.ine.pt – Indikator Resident population by Place of residence and Sex; Decennial in der Datenbank des Instituto Nacional de Estatística
  4. www.verportugal.net, abgerufen am 27. Oktober 2013
  5. Lydia Hohenberger, Jürgen Strohmaier: Portugal. 2. Auflage, DuMont Reiseverlag, Ostfildern 2009, S. 170.
  6. In: Childe Harold’s Pilgrimage. Canto I, XVIII. Byrons Portugalreise fand im Juli 1809 statt.
  7. Quintessential Portugal. The Sunday Times, 28. August 2005.
  8. NewsMuseum. Website des Museums.
  9. Der Campo Conde de Sucena auf www.europlan-online.de, abgerufen am 27. Oktober 2013
  10. Das Estádio do Sport União Sintrense auf www.soccerway.com, abgerufen am 27. Oktober 2013
  11. Veröffentlichung der administrativen Neuordnung im Gesetzesblatt Diário da República vom 28. Januar 2013, abgerufen am 16. März 2014
  12. www.anmp.pt, abgerufen am 27. Oktober 2013
  13. The Sintra Line of Portuguese Railways (CP): Linha de Sintra. Part One. (Memento vom 29. Oktober 2013 im Internet Archive)
  14. Seite zur Straßenbahn (engl.) auf der Website der Stadtverwaltung, abgerufen am 26. Juli 2016
  15. EDA Chief Executive held talks in Portugal. European Defence Agency News, 16. Juli 2019
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