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Asilah, Assilah oder Arzila (arabisch أصيلة، أرزيلة, Zentralatlas-mazirisch ⴰⵥⵉⵍⴰ Aẓila) ist eine marokkanische Küstenstadt am Atlantik mit etwa 35.000 Einwohnern. Sie ist einer der wichtigsten Touristenorte des Landes.

Asilah
أزيلا oder أصيلا
ⴰⵥⵉⵍⴰ
Wappen von Asilah
Asilah (Marokko)
Asilah
Asilah
Basisdaten
Staat: Marokko
Region: Tanger-Tétouan-Al Hoceïma
Präfektur: Tanger-Asilah
Koordinaten 35° 28′ N, 6° 2′ WKoordinaten: 35° 28′ N, 6° 2′ W
Einwohner: 31.147 (2014)
Fläche: 34,1 km²
Bevölkerungsdichte: 913 Einwohner je km²
Höhe: 10 m
Asilah – Altstadt (medina)
Asilah – Altstadt (medina)

Inhaltsverzeichnis

Lage und KlimaBearbeiten

Asilah liegt an der nördlichen Atlantikküste Marokkos ca. 45 km (Fahrtstrecke) südlich von Tanger in der Provinz Tanger-Asilah; die Stadt ist über die Autobahn A 1 und die Nationalstraße N 1 gut zu erreichen. Das Klima ist vom Atlantik geprägt; Regen (ca. 675 mm/Jahr) fällt nahezu ausschließlich im Winterhalbjahr.[1]

BevölkerungBearbeiten

Jahr 1994 2004 2014
Einwohner 24.588 28.217 31.147[2]

Die Bevölkerung der Stadt besteht nahezu ausschließlich aus Angehörigen verschiedener Berberstämme der Umgebung. Die meisten sind – wegen der harten Arbeitsbedingungen in ihren Heimatdörfern, aber auch aus soziokulturellen Gründen (Hoffnung auf Arbeit, Verbesserung der materiellen Lebensbedingungen und der Gesundheitsvorsorge, bessere Möglichkeiten zur schulischen Ausbildung der Kinder etc.) – seit der Unabhängigkeit Marokkos (1956) zugewandert. In Asilah haben sich aber auch zahlreiche Europäer bzw. US-Amerikaner niedergelassen. Man spricht Marokkanisches Arabisch, aber auch Französisch und Englisch.

WirtschaftBearbeiten

Eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben spielt traditionell der Fischfang; der zu Beginn der 1990er Jahre ausgebaute Fischereihafen liegt nördlich von Asilah. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts spielt der Ort mit seinen schönen und weitläufigen Stränden im Norden eine immer größere Rolle für Touristen (Marokkaner und Europäer).

GeschichteBearbeiten

 
Medina von Asilah – im Vordergrund ein Marabout-Grab
 
„Arzilla“ (Braun und Hogenberg Civitates Orbis Terrarum, 1572)
 
Turm der Stadtmauer

Der einzige Steinkreis Marokkos, der Steinkreis von M'zora, ist ein Relikt der Megalithkultur und befindet sich 11 km südöstlich von Asilah.

In der Antike befand sich etwa 15 km nördlich der heutigen Stadt Asilah die phönizische, später dann numidische Stadt Zilis (griechischer Name nach Claudius Ptolemäus). Als Colonia Iulia Zulil (Plinius der Ältere und Münzfunde) war sie eine römische Stadt der 42 n. Chr. eingerichteten Provinz Mauretania Tingitana.

Nach der Eroberung durch islamische Armeen um 700 wurde der Ort mehrfach von den Normannen belagert. Im 9. und 10. Jahrhundert entstand hier eine Festung (kasbah), von der jedoch nur schriftliche Zeugnisse existieren. Asilah war im 15. Jahrhundert der wichtigste Hafen für Fès, da die Häfen am Mittelmeer häufig von Flottenverbänden der iberischen Staaten angegriffen wurden. Die Portugiesen eroberten im Jahr 1471 den Landstrich und nutzten den Hafen von Asilah als Stützpunkt für ihre Erkundungs- und Handelsfahrten auf dem Seeweg nach Indien und für weitere Eroberungsbemühungen im Süden Marokkos. Im Jahre 1549 wurde die Stadt vom Saadier-Sultan Muhammad asch-Schaich zurückerobert.

Erneut besetzten Portugiesen die Stadt von 1577 bis 1580. Im Jahr 1577 landete hier der junge und träumerisch veranlagte portugiesische König Sebastian mit seinem Heer. Er wollte die Kreuzzugsidee wiederaufleben lassen, wurde jedoch ein Jahr später bei Ksar-el-Kebir vernichtend geschlagen; er selbst wurde getötet. Da er unverheiratet war und keinen Thronfolger hinterließ, wurde Portugal in der Folgezeit in Personalunion mit der spanischen Krone vereinigt (1580 bis 1640). Philipp II. gab die Stadt an den Saadier-Sultan Ahmad al-Mansur zurück.

Im Jahr 1691 eroberte der marokkanische Herrscher Mulai Ismail die Küstenregion um Asilah. Allerdings war Asilah im 18. und 19. Jahrhundert – mit Billigung der jeweiligen marokkanischen Herrscher – ein Piratenstützpunkt und wurde deshalb im Jahr 1829 von österreichischen Schiffen beschossen. Wenige Jahre später (1836) attackierten US-Kriegsschiffe Marokko auf ähnliche Weise; daraufhin wurde die Piraterie durch den Sultan Mulai Abd ar-Rahman unterbunden.

Anfang des 20. Jahrhunderts ließ sich der Stammesführer Ahmed ben Mohammed el-Raisuli in der Stadt nieder und machte sie zu seinem Hauptquartier. 1906 ließ er sich dort sogar zum „Pascha von Asilah“ ausrufen. Die USA nötigten unter Einsatz von Kanonenbooten den marokkanischen Sultan dazu, sämtlichen Forderungen Raisulis nachzugeben, um die Freilassung des angeblichen US-Bürgers Ion Perdicaris zu erwirken, der in Tanger entführt worden war. Für die Freilassung des Griechen Perdicaris verlangte Raisuli, die Unterdrückung des Rif zu beenden, alle gefangenen Stammesangehörigen freizulassen, ihm 70.000 Dollar in Gold zu zahlen und ihn als Pascha anzuerkennen. Im Jahr 1907 setzte er durch eine weitere Entführung durch, dass er als „Protected Subject“ Großbritanniens ausschließlich der britischen Gerichtsbarkeit unterlag. Vom Sultan Mulai Abd al-Hafiz wurde Raisuli zum Gouverneur der Nord-West-Provinzen ernannt. 1909 ernannten die Spanier ihn zwar zum „Pascha von Asilah und Jebala“, dem Westteil des späteren spanischen Protektorats, doch General Miguel Fernández Silvestre, der Befehlshaber von Larache, unterminierte seine Autorität. Von 1912 bis 1956 gehörte Asilah zu Spanisch-Marokko. Im Januar 1925 wurde Raisuli von Widerstandskämpfern gegen die Kolonialherrschaft um deren charismatischen Anführer Abd el-Krim gefangen genommen und starb nur wenige Monate später in der Haft.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Häuser in der Medina
  • Hauptattraktion von Asilah ist die gut erhaltene Altstadt (arabisch: Medina) mit ihren südeuropäisch-mediterran anmutenden Häusern und Straßen; sie wird von einer Stadtmauer mit Wehrtürmen umgeben, die noch aus der portugiesischen Besatzungszeit (nach 1510) stammen.
  • Ferner findet man den im maurischen Stil erbauten Palais Er-Raissouli aus dem Jahr 1909, der heute ein – häufig geschlossenes – Kulturinstitut beherbergt.
  • Am Meer liegt ein alter Friedhof, dessen weiß getünchte, teilweise auch gekachelte Gräber auf den ersten Blick wie kleine Häuser aussehen. Es gibt dort auch Heiligengräber (sogenannte Marabouts) von marokkanischen Sufis (islamische Mystiker), die noch heute von den Einheimischen besucht werden.
  • Außerhalb der Medina steht die ehemalige spanische St.-Bartholomäuskirche aus der Protektoratszeit.

KulturBearbeiten

 
Wandbild eines marokkanischen Künstlers (2010)

Im Jahr 1978 wurde in Asilah ein internationales Kulturfestival (Moussem Culturel d'Asilah) gegründet, das seitdem alljährlich im August stattfindet und zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland anzieht. Zum Programm gehören Konzert-, Theater- und Tanzveranstaltungen sowie Filmvorführungen, Dichterlesungen und Kunstausstellungen. Im Rahmen dieser Veranstaltung werden auch einige Hausfassaden – meist von marokkanischen Künstlern – mit Bildern bemalt, die dann ein oder zwei Jahre zu sehen sind.

Seit 1989 wird alle zwei Jahre der Tchicaya-U-Tam’si-Preis verliehen; ein Preis für afrikanische Dichtung, benannt nach dem kongolesischen Schriftsteller Tchicaya U Tam’si. Mittlerweile wird Asilah von einigen Autoren als Hauptstadt der afrikanischen und arabischen Schriftsteller betrachtet.

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Seit August 2006 ist besteht eine Partnerschaft zwischen Asilah und Sintra in Portugal.

Siehe auchBearbeiten

Ältere Städte an der Atlantikküste Marokkos mit zeitweiligem portugiesischen bzw. spanischen Geschichtshintergrund sind: Tanger, Larache, Casablanca, El Jadida, Safi, Essaouira, Agadir und Sidi Ifni; daneben auch Ceuta und Melilla an der Mittelmeerküste.

LiteraturBearbeiten

  • Arnold Betten: Marokko. Antike, Berbertraditionen und Islam – Geschichte, Kunst und Kultur im Maghreb. DuMont, Ostfildern 2012, S. 217ff ISBN 978-3-7701-3935-4
  • Ingeborg Lehmann, Rita Henss u. a.: Marokko. Baedeker-Verlag, Ostfildern 2010, S. 187ff ISBN 978-3-8297-1251-4

WeblinksBearbeiten

  Commons: Asilah – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten