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Palais des Prinzen Heinrich

Hauptgebäude der Humboldt-Universität
Ansicht des Palais des Prinzen Heinrich vom Boulevard Unter den Linden

Das Palais des Prinzen Heinrich (auch Prinz-Heinrich-Palais) am Boulevard Unter den Linden 6 im Berliner Ortsteil Mitte ist ein ehemaliges Palais der Hohenzollern und Teil des Forum Fridericianum. Erbaut für den preußischen Prinzen Heinrich in den Jahren 1748–1753 von Johann Boumann im Stil des Barock, wurde es 1809 zum Universitätsgebäude umgewidmet. Im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt, wurde es bis 1962 außen originalgetreu und innen vereinfacht als Hauptgebäude der Humboldt-Universität wiederaufgebaut.

Auf den Seitenflügeln des Baudenkmals stehen seit 1967 acht Leihskulpturen des Potsdamer Stadtschlosses, über deren Rückgabe im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau als Landtagsgebäude immer wieder diskutiert wird.

GeschichteBearbeiten

 
Blick über den Opernplatz auf das Palais, um 1900
 
Kriegsbeschädigtes Palais, 1950
 
Festbeleuchtung anlässlich der 150-Jahr-Feier der Universität, 1960

Der preußische König Friedrich II. ließ das Gebäude in den Jahren 1748 bis 1753 für seinen Bruder Prinz Heinrich errichten. Die Pläne für das spätbarocke Gebäude stammten von Johann Boumann, der sich auf erste Entwürfe von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff gestützt haben soll.

Knobelsdorff sollte an dieser Stelle ursprünglich eine Residenz für Friedrich II. errichten, als Teil eines größeren Bauensembles, des so genannten Forum Fridericianum. Nach der Weigerung der Markgrafen von Brandenburg-Schwedt, ihr bestehendes Palais, den Vorgängerbau des Alten Palais, für die Neuanlage des geplanten großen Forums zu verkaufen, rückte Friedrich II. von der Idee des Palais du Roy ab, ließ sich eine Wohnung im Berliner Stadtschloss neu ausstatten und konzentrierte seine Bautätigkeiten fortan auf Potsdam. Da jedoch die gegenüberliegende Königliche Hofoper nach Knobelsdorffs Plänen auf dem leeren Geländestreifen der ehemaligen Festungsanlagen bereits errichtet war und einer Einrahmung bedurfte, lieferte Friedrich II. als Bauherr erneut Ideenskizzen. So entstand das für einen jungen, damals noch unverheirateten Prinzen bemerkenswert geräumige Palais an der Stelle, die ursprünglich für das Königspalais vorgesehen war. Gleichzeitig entstand gegenüber die Hedwigskirche, erst 1773 geweiht, und 1775–1786 die Königliche Bibliothek, sodass eine stark verkleinerte Version des Forums schließlich doch vollendet wurde.

Die Fassadengestaltung orientierte sich an den Formen des Opernhauses und zielte offensichtlich darauf ab, dem Platz eine einheitliche Gestaltung zu vermitteln. Die Bauleitung übernahmen zuerst Boumann selbst, später Carl Ludwig Hildebrandt, als Boumann 1755 die Zuständigkeit für das gesamte Berliner Bauwesen übertragen wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Kosten für das Prinz-Heinrich-Palais schon auf 200.000 Taler angestiegen, 1756 wurden nochmals 33.000 Taler bewilligt – für ein Projekt dieser Art damals ungeheure Summen. Die Arbeiten kamen auch hier nur langsam voran, und während des Siebenjährigen Krieges wurden sie völlig eingestellt. Erst Anfang 1766 konnte der Prinz mit seinem Hofstaat einziehen, zusammen mit seiner Gemahlin Wilhelmine von Hessen-Kassel, mit der er 1752 aus Gründen der Staatsräson verheiratet worden war. Heinrich bewohnte das Gebäude bis zu seinem Tod 1802, sofern er nicht auf seinem Schloss Rheinsberg oder in seiner Wohnung im Potsdamer Stadtschloss weilte, und Wilhelmine noch bis zu ihrem Tod 1808, freilich in getrennten Appartements in den beiden Seitenflügeln.

Als 1809 die Berliner Universität begründet wurde, widmete ihr der preußische König Friedrich Wilhelm III. das Gebäude. In den Jahren 1836 bis 1846 und 1892 wurde das Innere des Palais an die Erfordernisse der Universität angepasst. Zwischen 1913 und 1920 erweiterte der Berliner Stadtbaurat Ludwig Hoffmann das Gebäude durch die Verlängerung der beiden Seitenflügel unter Bewahrung des Baustils und der Traufhöhe in Richtung Norden und um seitliche Anbauten. Aus der U-Form wurde die heutige H-Form.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden große Teile des Gebäudes zerstört, hauptsächlich während der Bombenangriffe zwischen dem 24. November 1943 und dem 19. Juli 1944. Der Lehrbetrieb wurde 1945 zunächst in einigen provisorisch instandgesetzten Räumen im Westflügel wieder aufgenommen. Anschließend wurde das Gebäude in zwei Bauphasen nach historischem Vorbild wieder aufgebaut: 1947 bis 1954 der Mitteltrakt, 1958 bis 1962 der Ostflügel, in dem sich heute das Audimax befindet. Nur wenige Gebäudeteile wie ein Treppenhaus im östlichen Kopfbau blieben original erhalten. Seit 1975 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

Das Palais wird bis 2020 für 43 Millionen Euro innen und außen saniert.[1]

AttikaskulpturenBearbeiten

 
Ansicht der Originalfiguren auf dem Mittelbau und der Leihfiguren auf den Seitenflügeln

Die um 1753 vom Bildhauer Johann Gottlieb Heymüller geschaffenen Attikaskulpturen stehen im Zusammenhang mit der Nutzung des Palais, dem Leben des Prinzen Heinrich und seiner Gemahlin sowie Ovids Metamorphosen.[2] Auf dem Mittelrisalit befinden sich die Skulpturenpaare Jason und Medea, Peleus und Thetis sowie Atalante und Meleager. Sie wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und beim Wiederaufbau der Humboldt-Universität 1953 durch Rekonstruktionen des Bildhauers Albert Braun ersetzt. Auf dem östlichen Seitenrisalit befanden sich die Skulpturenpaare Adonis und Venus sowie Perseus und Andromeda, auf dem westlichen Bacchus und Ariadne sowie Merkur und Herse. Sie wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1967 durch Leihskulpturen des Potsdamer Stadtschlosses ersetzt.

Seit dem Wiederaufbau als Landtagsgebäude fordert der Potsdamer Schlossverein gemäß Artikel 8 der Charta von Venedig[3] die Rückgabe der Leihskulpturen. Er verweist auf ihren schlechten Zustand, ihre falsche Größe und ihren fehlenden Zusammenhang auf dem Palais des Prinzen Heinrich und kritisiert ihre heutige Aufstellung als „Raubkunst“.[4] Neben dem Schlossverein unterstützen auch die lokale Bürgerinitiative Mitteschön[5], die Berliner Historikerin Annette Ahme, Brandenburgs CDU-Generalsekretär Steeven Bretz, Berlins CDU-Kulturexperte Uwe Lehmann-Brauns, der Jurist Erardo Rautenberg und die Publizistin Lea Rosh[6] die Rückgabe der Leihskulpturen. Die Humboldt-Universität zu Berlin, der Landesdenkmalrat Berlin und die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg[7] lehnen dies mit Verweis auf den bestehenden Denkmalschutz jedoch bislang ab.

LiteraturBearbeiten

  • Klaus-Dietrich Gandert: Vom Prinzenpalais zur Humboldt-Universität. Berlin 2004.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. https://www.hu-berlin.de/de/pr/medien/publikationen/humboldt/2015/201306/humboldt-ausgabe-9-2014-15
  2. hu-presse: Eine Inszenierung von Schönheit und Macht — Presseportal. Abgerufen am 6. Oktober 2018.
  3. „Werke der Bildhauerei, der Malerei oder der dekorativen Ausstattung, die integraler Bestandteil eines Denkmals sind, dürfen von ihm nicht getrennt werden; es sei denn, diese Maßnahme ist die einzige Möglichkeit, deren Erhaltung zu sichern.“ Artikel 8 der Charta von Venedig
  4. Landtagsneubau mit Lücken: Herkules kommt im Herbst. Abgerufen am 13. Juli 2019.
  5. Mitteschön fordert Rückgabe der Attika-Figuren. Abgerufen am 28. September 2018.
  6. Lea Rosh: Stadtschloss-Figuren nach Potsdam. Abgerufen am 28. September 2018 (deutsch).
  7. Verhärtete Fronten. Abgerufen am 28. September 2018.

Koordinaten: 52° 31′ 5″ N, 13° 23′ 36″ O