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Der Bebelplatz (umgangssprachlich: Opernplatz) ist ein etwa 19.000 m² großer Platz im Berliner Ortsteil Mitte. Er entstand im Jahr 1740 als Teil des von Friedrich II. geplanten und von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff ausgeführten Forum Fridericianum. Auf dem seit 1947 nach August Bebel benannten Platz befindet sich die Staatsoper Unter den Linden.

B2B5 Bebelplatz
Opernplatz
Coat of arms of Berlin.svg
Platz in Berlin
Bebelplatz
Blick über den Bebelplatz in Richtung Südosten, 1979
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Mitte
Angelegt 1740
Neugestaltet 1928
Einmündende Straßen
Unter den Linden,
Behrenstraße,
Hedwigskirchgasse,
Hinter der Katholischen Kirche
Bauwerke Staatsoper Unter den Linden,
St.-Hedwigs-Kathedrale,
ehemalige Geschäftszentrale der Dresdner Bank,
Alte Bibliothek,
Altes Palais,
Prinzessinnenpalais
Nutzung
Nutzergruppen Fußgänger, Radfahrer
Technische Daten
Platzfläche 19.000 m²

LageBearbeiten

Der im historische Stadtteil Dorotheenstadt gelegene Bebelplatz wird im Norden begrenzt durch den Boulevard Unter den Linden, im Osten durch den Garten des Prinzessinnenpalais, im Süden durch die Behrenstraße und die Sankt-Hedwigs-Kathedrale und im Westen durch die Alte Bibliothek und das Alte Palais.

NamensgebungBearbeiten

Ab 1743 trug er den Namen Platz am Opernhaus, ab 1910 Kaiser-Franz-Joseph-Platz.[1] Am 31. August 1947 wurde der Platz nach August Bebel (1840–1913) benannt, dem Mitbegründer und Führer der deutschen Sozialdemokratie.[2]

GeschichteBearbeiten

 
Blick über den Opernplatz in Richtung Süden, 2018
 
Blick über den Bebelplatz in Richtung Südwesten, 2014
 
Mahnmal der Bücherverbrennung auf dem Opernplatz

Bis zum 19. JahrhundertBearbeiten

König Friedrich II. selbst entwarf das Forum Fridericianum, zu dem der heutige Bebelplatz gehört. Anfangs, nach dem Bau der Königlichen Hofoper, führte der Platz den Namen Platz am Opernhaus und umfasste die Fläche zwischen Oper und Kommode, von der heutigen Humboldt-Universität bis zur Hedwigskathedrale. 1845–1850 wurde der Platz zwischen Oper und Bibliothek nach Plänen von Peter Joseph Lenné begrünt[3] und erhielt den Namen Opernplatz. Die Fläche nördlich der Oper hieß weiterhin Platz am Opernhaus.[4]

Seit dem 20. JahrhundertBearbeiten

Seit Anfang des Jahrhunderts bezieht sich der Name auf die heutigen Ausmaße. Seitdem steht die Oper auf und nicht am Opernplatz. 1910 erfolgte die Umbenennung in Kaiser-Franz-Joseph-Platz nach dem österreichischen Kaiser Franz Joseph I.,[5] wurde allerdings umgangssprachlich weiter Opernplatz genannt. 1928 wurden die Grünanlagen auf dem Kaiser-Franz-Joseph-Platz, westlich der Oper beseitigt[6] und die ganze Fläche durch Eduard Fürstenau neu gestaltet. Dabei wurde der Lindentunnel der Straßenbahn zugeschüttet, das Kaiserin-Augusta-Denkmal in den Park von Schloss Monbijou versetzt und die Grünanlage zu den Linden durch einen mit Granitsteinen gepflasterten Parkplatz ersetzt.[7]

Das Opernplatz-Areal war am 10. Mai 1933 Hauptschauplatz der durch die Deutsche Studentenschaft in Deutschland geplanten und durchgeführten Bücherverbrennungen. In Berlin verbrannten etwa 70.000 Studenten, Professoren und Mitglieder der SA und SS Bücher von als „undeutsch“ bezeichneten Autoren, darunter Schriften von Sigmund Freud, Erich Kästner, Heinrich Mann, Karl Marx und Kurt Tucholsky. Kästner hatte sich unter die fanatisierten Zuschauer begeben, er „hörte die schmalzigen Tiraden des kleinen, abgefeimten Lügners [Anm.: gemeint ist Propagandaminister Joseph Goebbels]. Begräbniswetter hing über der Stadt“.[8]

Die historische Bebauung erlitt im Zweiten Weltkrieg starke Schäden. Bei der Neugestaltung des Ost-Berliner Stadtzentrums wurden die Gebäude am Platz, der seit 1947 Bebelplatz heißt, unter Bewahrung der historische Fassaden, zum Teil im Innern entkernt, wiederhergestellt. Das Bauensemble rund um den Platz steht unter Denkmalschutz.

Am 20. März 1995 wurde das Denkmal des israelischen Künstlers Micha Ullman eingeweiht, das an die Bücherverbrennung erinnert. Durch eine gläserne Bodenplatte in der Platzmitte blickt man in einen unterirdischen Raum mit leeren, für etwa 20.000 Bücher (so viele wurden verbrannt)[9] Platz bietenden, weißen Bücherregalen aus Beton. Die völkerverbindende Ausstellung der United Buddy Bears kehrte nach drei Jahren Welttournee nach Berlin zurück und präsentierte sich 2006 auf dem Bebelplatz weitläufig um dieses Mahnmal Versunkene Bibliothek.[10] Seit 2010 liegt von dem israelischen Autor Chaim Be’er auch die deutsche Übersetzung seines Romans Bebelplatz vor, in dem der Platz und dieses Denkmal eine bedeutende Rolle spielen.[11]

Unter dem Platz befindet sich seit Dezember 2004 eine Tiefgarage mit zwei Untergeschossen für 462 Fahrzeuge mit direktem Zugang zur Staatsoper Unter den Linden. Von dem Verbindungsgang führt eine Tür zum verbliebenen Teil des Lindentunnels,[12] dessen Westrampe sich von 1916 bis 1926 zwischen Opernhaus und „Kommode“ befand.[13]

Die in den 2000er Jahren erfolgte Verengung des Boulevards Unter den Linden, der sich in diesem Bereich zu einer überbeanspruchten Autostraße entwickelt hatte, soll dazu beitragen, den historischen Stadtraum „Forum Fridericianum“ wieder aufzuwerten. Im Jahr 2006 eröffnete im Süden des Platzes das exklusive Rocco Forte Hotel de Rome.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bebelplatz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. https://berlin.kauperts.de/Strassen/Bebelplatz-10117-Berlin
  2. Horst Fritzsche: Wegweiser zu Berlins Straßennamen, Mitte, Berlin 1995 (ISBN 3-89542-073-5)
  3. Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.): Parkanlagen und Stadtplätze, Gartendenkmale in Berlin, Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin 39, Berlin 2013, S. 173
  4. Sineck-Plan 1871
  5. Kaiser-Franz-Joseph-Platz. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins
  6. Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.): Parkanlagen und Stadtplätze, Gartendenkmale in Berlin, Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin 39, Berlin 2013, S. 173
  7. Eduard Fürstenau: Um- und Erweiterungsbau der Staatsoper in Berlin. In: Zeitschrift für Bauwesen. Nr. 78. Berlin 1928, S. 182.
  8. Erich Kästner: Vom Kleinmaleins des Seins. Atrium, 2010, ISBN 978-3-85535-374-3, S. 91.
  9. Wolfgang Becker: Die gestörte Idylle des Platzes. Der öffentliche Raum und die moderne Kunst: ein Denkmodell. In: die waage, Zeitschrift der Grünenthal GmbH 36, 1997, Nr. 1, S. 38–44, hier: S. 42.
  10. Dorothee Dubrau: Architekturführer Berlin-Mitte. Band 2. Berlin 2009, ISBN 978-3-938666-07-4, S. 1078–1079.
  11. Chaim Be’er: Bebelplatz. Berlin Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-8270-0861-9.
  12. Jürgen Meyer-Kronthaler: Lindentunnel – ein neues Kapitel. In: Berliner Verkehrsblätter. Heft 2, 2005, S. 19–20.
  13. Hans-Joachim Pohl: Der Lindentunnel. In: Verkehrsgeschichtliche Blätter. Heft 7, 1980, S. 134–150.

Koordinaten: 52° 30′ 59″ N, 13° 23′ 38″ O