St.-Hedwigs-Kathedrale

römisch-katholische Kirche in Berlin

Die römisch-katholische St.-Hedwigs-Kathedrale (Eigenschreibweise: St. Hedwigs-Kathedrale) am Bebelplatz im Berliner Ortsteil Mitte ist die Bischofskirche des Erzbistums Berlin und die Pfarrkirche der Domgemeinde St. Hedwig. Sie wurde in den Jahren 1747–1887 nach Plänen von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff im Stil des Barocks als Teil des Forum Fridericianum erbaut. Im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt, wurde die Kathedrale 1952–1963 nach Plänen von Hans Schwippert im Stil der Nachkriegsmoderne wiederhergestellt. Seit 2018 ist sie wegen Sanierung und Umbau geschlossen, die Kathedralliturgie findet in der St.-Josephs-Kirche in Berlin-Wedding statt.[1]

Ansicht der St.-Hedwigs-Kathedrale vom Bebelplatz, 2018

Knobelsdorff-BauBearbeiten

 
Hedwigskirche, Stich von J. L. Legeay nach einer Zeichnung von G. W. von Knobelsdorff, 1747
 
Blick über den Opernplatz zur unvollendeten Kirche, vor 1886
 
Außenansicht der vollendeten Hedwigskirche, nach 1887
 
Innenansicht der vollendeten Hedwigskirche, nach 1887

Friedrich der Große hatte zunächst die Idee, zur Förderung der Toleranz ein großes Pantheon („allen Göttern geweiht“) nach römischem Vorbild zu bauen. In den Kapellennischen sollten die Religionsgemeinschaften ihre Gottesdienste abhalten. Sein Berater Charles Étienne Jordan, zugleich Diakon an der Französischen Kirche, brachte ihn schließlich von diesem Gedanken ab. Die Idee des Rundbaus sollte dann jedoch in einem katholischen Kirchenbau verwirklicht werden, dem ersten in Berlin seit dem Ende der Reformation. Er wurde besonders für die neuen römisch-katholischen Einwohner Berlins aus Schlesien errichtet und deshalb dem Patrozinium der als Schutzpatronin Schlesiens verehrten Hedwig von Andechs unterstellt.

BeginnBearbeiten

In der Baugestalt als runder Zentralbau orientierte sich die Kirche am Pantheon in Rom und wurde so repräsentativer Bestandteil des königlichen Forum Fridericianum. Die entscheidenden Pläne lieferte Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff.

Die Bauzeit erstreckte sich von 1747 bis 1773. Im Jahr 1753 hatte der König noch eine Lotterie genehmigt, um Gelder für die Fortführung des Baus zu bekommen. Die lateinische Giebel­inschrift nennt Kardinal Angelo Maria Quirini († 1755) als Hauptstifter.[2] Aber durch den Beginn des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) kamen die Bauarbeiten zum Erliegen. 1765 litt der unvollendete Bau mit teils offener Kuppel immer mehr unter den Unbilden des Wetters. Die Berliner Dominikaner sandten einen Hilferuf an ihren Vorgesetzten, denn es fehlten noch immer 64.000 Taler, um den Bau zu vollenden. Die Berliner Juden boten den Kauf des unfertigen Gebäudes an, um daraus eine Synagoge zu machen. Erst im Frühjahr 1773 konnten die Bauarbeiten, dank finanzieller Hilfe aus Rom und vom König, fortgesetzt werden. Dennoch war Bauleiter Johann Boumann d. Ä. aus Geldmangel gezwungen, die hölzerne Kuppel statt mit der geplanten Blei- nur mit einer Ziegeldeckung zu versehen und auch auf die bekrönende Laterne zu verzichten. Diese und der Giebelfries konnten erst Ende des 19. Jahrhunderts vollendet werden.

Direkt an die Rückseite des Kirchenrundbaus anschließend wurde in Form eines zweiten kleineren Rundbaus eine Sakramentskapelle errichtet, mittlerweile Sakristei. Darüber befindet sich die Glockenstube. Ignatius Krasicki, Fürstbischof von Ermland und Freund des preußischen Königs, vollzog am 1. November 1773 die Kirchweihe.

FertigstellungBearbeiten

Im Sinne der 1747 von Jean Laurent Legeay hergestellten Stiche nach Zeichnungen von Knobelsdorff vollendete Max Hasak 1886–1887 den Kirchenbau. Er deckte die Kuppel mit einem Kupferdach und bekrönte sie mit Laterne und Kreuz. Der Innenraum erhielt eine neobarocke Ausstattung. Während Wilhelm Achtermann die Supraporten-Reliefs mit Szenen des Neuen Testaments bereits 1837 nach Entwürfen von Georg Franz Ebenhech geschaffen hatte, vollendete Nikolaus Geiger das Giebelrelief mit einer Szene der Anbetung der Könige erst 1897 nach einem Modell von Achtermann. 1927 verlieh der Papst der Hedwigskirche den Titel einer Basilica minor.

Nach der Erhebung zur Kathedrale erfolgte 1930–1932 eine erneute Umgestaltung des Innenraums nach Plänen des österreichischen Architekten Clemens Holzmeister. Unter Verwendung expressionistischer Gestaltungsmerkmale entstand dabei eines der eigenständigsten Zeugnisse expressionistischer Sakralarchitektur der späten Weimarer Republik. Holzmeister betonte die Längsachse, indem er den Hauptraum zur damaligen Sakramentskapelle, der heutigen Sakristei, öffnete. Geschickt bezog er hergebrachte Ausstattungsobjekte, etwa den barocken Altar, die zwölf barocken Apostelfiguren in den modernen Innenraum ein. Seitlich der nunmehr zentralen Mittelachse platzierte er die Kathedra des Bischofs sowie einen Durchgang zu einer neu errichteten Sakristei ein. Er entfernte im Innenraum den Zierrat der wilhelminischen Zeit, ohne jedoch die Spuren der verschiedenen Ausstattungsschichten zu verwischen.

Im Zweiten Weltkrieg brannte die St.-Hedwigs-Kathedrale bei einem alliierten Luftangriff in der Nacht zum 2. März 1943 bis auf die Umfassungsmauern aus. Dabei wurde auch die Kuppel zerstört.

OrgelnBearbeiten

Von 1773 bis 1930 verfügte St. Hedwig über eine spätbarocke Orgel.[3] Im Jahr 1932 erhielt die Hedwigskathedrale eine Orgelanlage mit 78 Registern, verteilt auf Altar- und Emporenorgel, erbaut von der Orgelbaufirma Klais (Bonn). Die Emporenorgel hatte 44 Register auf vier Manualwerken und Pedal. Die Altarorgel befand sich über dem Bischofsthron und Sakristeieingang. Sie hatte 34 Register auf zwei Manualwerken und Pedal und einen eigenen Spieltisch im Chorgestühl, konnte aber auch vom Generalspieltisch auf der Empore aus angespielt werden.[4] Beide Instrumente wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Schwippert-BauBearbeiten

 
Ruine der St.-Hedwigs-Kathedrale, 1946
 
Blick über den Bebelplatz zur wiederhergestellten Kathedrale, 1979
 
Ehemaliger Innenraum mit Ober- und Unterkirche
 
Ehemalige Grabstätte von Bernhard Lichtenberg in der Krypta

In den Jahren 1952 bis 1963 wurde die nunmehr im sozialistischen Ost-Berlin gelegene Kathedrale wiederhergestellt. Den Innenraum gestaltete der westdeutsche Architekt Hans Schwippert in Zusammenarbeit mit ostdeutschen Künstlern neu und schuf eine außergewöhnliche Raumaufteilung. In dem durch den Bombenabwurf zerstörten Sakralbau wurde ein Zugang zur Unterkirche mit den neugeschaffenen acht Kapellen geschaffen.[5] Die in der Substanz weitgehend erhaltene Außenarchitektur des Zentralbaus wurde in Anlehnung an das historische Erscheinungsbild wiederhergestellt. Die Kuppel wurde jedoch im Umriss verändert und erhielt eine mit Kupfer verkleidete, paraboloide Betonschalenkonstruktion aus 84 Segmenten. Sie hat einen Innendurchmesser von 33 Metern.[6] Auf die von Schwippert ursprünglich geplante Laterne[7] oberhalb der Kuppel wurde bei der Bauausführung ebenso verzichtet wie auf die Figurengruppe der als Heilige verehrten Hedwig von Andechs an der Spitze des Giebeldreiecks. Statt der Laterne wurde ein drei Meter hohes vergoldetes Kreuz in Kupfertreibarbeit auf die oben abgeflachte Kuppel aufgesetzt, entworfen und ausgeführt im Atelier von Fritz Kühn. Schlichte Putzquaderung, hohe einfache Rundbogenfenster und ein umlaufendes Hauptgesims sind Ausdruck der Fassadengestaltung einer der Zeit des Wiederaufbaus entsprechenden Kathedrale.

OberkircheBearbeiten

Der neugestaltete Innenraum von Hans Schwippert war vom nüchternen Raumideal jener Zeit geprägt und wurde als „Meisterwerk der Baukunst der fünfziger Jahre“ bezeichnet.[8] In der Architektur Hans Schwipperts war die Oberkirche konzentrisch auf den Altar bezogen, während später durch die Kathedra, einen Läufer, den Altar und die Orgel die Achse und so die Symmetrie des kreisrunden Raumes stärker betont wurden.[9] Zum klaren Gesamteindruck trug das gläserne Geländer entlang der Öffnung zur Unterkirche erheblich bei. Die Ausführung erfolgte durch Fritz Kühn. Markant war der vertikale Aufbau des als Fundament dienenden Altars der Unterkirche mit der Stele und vergoldetem Tabernakel, auf dem – in die Oberkirche ragend – der Hauptaltar ruhte.

Die Goldschmiede Fritz Schwerdt und Hubertus Förster (* 1929) aus Aachen gestalteten den Tabernakel und das vergoldete Altarkreuz mit einem Kruzifixus aus Elfenbein von Kurt Schwippert. Die Entwürfe der teppichartig grafisch gestalteten Fenster der Oberkirche stammen von Anton Wendling. In die Altarsäule, die die beiden Altäre verband, war eine Petrus-Plastik eingesetzt, ein Geschenk Papst Johannes Pauls II. anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Bistums im Jahr 1980. Dem Betrachter präsentierte sich der Vertikalaufbau der Altargestaltung durch die halboffene Krypta als bemerkenswerte Einheit und Verbindung von Unter- und Oberkirche.

Zum Bestand der Kathedrale gehörten drei großformatige Wandteppiche. Allen gemeinsam ist das Motiv der „Stadt Gottes“, des „himmlischen Jerusalem“ aus der Offenbarung des Johannes (Offb 21,1-2 EU).[10] Die ehemalige Bauhaus­schülerin Margaretha Reichardt (1907–1984) (Grete Reichardt) aus Erfurt, schuf 1963 einen großen handgewebten Gobelin, der das stilisierte Jerusalem zeigt. Anton Wendling (1891–1965) verwendete Applikationstechnik für seine farbige geometrische Komposition. Else Bechteler-Moses (* 1933) aus München gestaltete einen dreiteiligen Teppich, der von 1979 bis 1981 in Zusammenarbeit mit der Nürnberger Gobelinmanufaktur entstand. Er stellt Gott auf dem Thron sitzend dar, der gleichzeitig den Menschen nahe ist (vgl. OffbEU).

UnterkircheBearbeiten

Die Krypta war der Märtyrer-Confessio frühchristlicher Basiliken nachgebildet und diente – neben der Funktion als Unterkirche mit Taufkapelle, Beichtstühlen und der Grablege der Berliner Bischöfe – auch dem Gedächtnis der katholischen Märtyrer Berlins in der Zeit des Nationalsozialismus.[11] Dort befanden sich – bis zum Umbaubeginn der Kathedrale 2018 und der damit verbundenen Umbettung der Gebeine – das Grab des seligen Dompropstes Bernhard Lichtenberg, der 1943 auf dem Transport in das Konzentrationslager Dachau in Hof starb, sowie eine Gedenktafel für den seligen Petro Werhun, der als Seelsorger unter den Ukrainern wirkte und 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht nach Sibirien deportiert wurde.

Für den beim Wiederaufbau neu geschaffenen Kreuzweg in der Unterkirche beauftragten der Dompfarrer Heinz Endres und der Architekt Hans Schwippert den Künstler Josef Hegenbarth mit der Gestaltung der 14 Kreuzwegstationen.[12] Ein Jahr vor seinem Tod stellte Hegenbarth im November 1961 die schwarzweißen Pinselzeichnungen fertig. Der Zyklus gehört zur umfangreichen Werkgruppe biblischer Darstellungen, mit der er sich zeitlebens beschäftigte. Notker Eckmann sah in Josef Hegenbarth gar „den Altmeister der deutschen Passionskunst“.[13] In der Auffassung verwandt sind Hegenbarths Letzte Blätter zur Passion, ebenfalls von 1960/1961. Daraus wurde 1983 der Kreuzweg der Jugend zusammengestellt.

Der Kreuzweg der St.-Hedwigs-Kathedrale in Berlin ist das einzige Werk, das Hegenbarth als Teil eines Gesamtkunstwerks und zur dauerhaften Anschauung im öffentlichen Raum konzipierte. Er führte die Originalzeichnungen in geringfügig unterschiedenen Formaten aus. Die Abmessungen bei den Originalen variieren in der Höhe von 460 bis 500 mm und in der Breite von 310 bis 370 mm. Sie wurden in späterer Zeit gegen vereinheitlichte Reproduktionen ausgetauscht.

Die Kreuzwegstationen waren an den gerundeten Wandflächen zwischen den Kapellen der Krypta (Unterkirche) angebracht. Die erste Station liegt links gegenüber der Statue des hl. Antonius von Padua. Zwischen der Grabkapelle der Berliner Bischöfe und der des seligen Domprobst Bernhard Lichtenberg befanden sich die ersten vier Stationen:

  • Schaustellung Jesu: Ecce homo (Nr. I)
  • Jesus nimmt das Kreuz auf sich (Nr. II)
  • Jesus fällt unter dem Kreuz (Nr. III)
  • Jesus begegnet seiner Mutter (Nr. IV)

An den folgenden Wänden des Unterkirche folgten bis zur Marienkapelle die Stationen fünf bis zwölf:

  • Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen (Nr. V)
  • Das Schweißtuch der Veronika (Nr. VI)
  • Jesus fällt das zweite Mal unter dem Kreuz (Nr. VII)
  • Jesus spricht zu den klagenden Frauen (Nr. VIII, links von der Altarstele)
  • Jesus fällt das dritte Mal unter dem Kreuz (Nr. IX, rechts von der Altarstele)
  • Jesus wird seiner Kleider beraubt (Nr. X)
  • Jesus wird ans Kreuz genagelt (Nr. XI)
  • Jesus stirbt am Kreuz (Nr. XII)

Zum Schluss folgen unmittelbar vor der Schatzkammer:

  • Jesus wird vom Kreuz genommen (Nr. XIII)
  • Jesus wird ins Grab gelegt (Nr. XIV)

Hegenbarth hält sich an die übliche Reihenfolge der Stationen, in der Gestaltung vermeidet er jedoch alles Traditionelle. Er erzählt das Passionsgeschehen aus höchst unkonventionellen Blickwinkeln. Seine Kreuzwegdarstellungen haben einen meditativen Bildcharakter und wirken „psychologisch ausdrucksvoll und gleichnishaft“[14]. Sabine Schulte beschreibt diesen Eindruck wie folgt: „Die Ernsthaftigkeit der Wahl der künstlerischen Gattung [Zeichnung] für einen auf die räumlichen Gegebenheiten […] bezogenen Kreuzweg beeindruckt. Jedes einzelne Blatt erzeugt eine so intensive und innere Sammlung wie sie wohl nur an diesem Ort erreicht werden kann.“[15]

OrgelnBearbeiten

 
Klais-Orgel (2019 demontiert und eingelagert)

Ab 1964 diente eine einmanualige Orgel der Firma Alexander Schuke als Behelfsinstrument.[3] Laut Schuke-Werkverzeichnis handelte es sich um das op. 352 mit 10 Registern auf zwei Manualen und Pedal.[16]

Die neue Kathedralorgel wurde 1975–1977 von der Orgelbaufirma Klais als Opus 1529 mit 67 Registern und 4630 Pfeifen auf drei Manualwerken und Pedal erbaut, und 1978 eingeweiht.[17] Das Instrument hatte seit einer Generalreinigung und dem zusätzlichem Einbau der Schwellwerks-Trompette 8′ im Jahr 1997 68 Register. Es hing als Schwalbennest über dem Hauptportal und hatte ein Gewicht von rund 20 Tonnen. Klais sowie die Prospektgestalter Josef Schäfer und Paul Corazolla versuchten, die Orgel durch die Anordnung der Teilwerke sowie den (teilweise vergoldeten) Dekor an den Prospektpfeifen als Skulptur auszubilden.[3][17] Die einzelnen Werke waren auf insgesamt drei Ebenen, die sich aus der Prospekt-Gestaltung erkennen lassen, untergebracht. Das Hauptwerk befand sich in dem oberen Orgelgehäuse, das in die Kuppel reichte. Darunter war der Spieltisch. Auf der Mittelebene befand sich das Schwellwerk, das von der Kirche aus nicht sichtbar war. Unter der Mittelebene befand sich das in den Kirchenraum ragende Rückpositiv; die Pfeifen des Pedalwerks flankierten das Rückpositiv bzw. befanden sich dahinter (sogenannter „Hamburger Prospekt“). Das Schleifladen-Instrument hatte mechanische Spiel- und elektrische Registertrakturen, war mit einer 5120-fachen elektronischen Setzeranlage samt Diskettenlaufwerk ausgestattet, und verfügte über eine Tastenfessel für das Hauptwerk und eine Registrierfessel.[18]

Nach einem letzten Konzert Anfang September 2018 mit Domorganist Thomas Sauer, der die Orgel mehr als vierzig Jahre gespielt hatte, und der folgenden Schließung der Kathedrale wurde das Instrument im Juli 2019 vollständig demontiert und eingelagert.[19]

I Rückpositiv C–a3
01. Praestant 08′
02. Rohrflöte 08′
03. Quintade 08′
04. Principal 00 04′
05. Blockflöte 04′
06. Gedackt 04′
07. Nasard 0223
08. Octave 02′
09. Hohlflöte 02′
10. Terz 0135
11. Larigot 0113
12. Sifflet 01′
13. Scharff V 01'
14. Dulcian 16′
15. Cromorne 08′
16. Vox humana 08′
Tremulant
II Hauptwerk C–a3
17. Praestant 16′
18. Principal 08′
19. Holzgedackt 08′
20. Bifaria[A 1] 08′
21. Octave 04′
22. Nachthorn 04′
23. Rohrflöte 04′
24. Quinte 0223
25. Superoctave 02′
26. Waldflöte 02′
27. Cornet V (ab fis) 00
28. Mixtur V 0113
29. Cymbel IV 012
30. Trompete 16′
31. Trompete 08′
32. Trompete 04′
III Schwellwerk C–a3
33. Rohrbordun 16′
34. Salicional 16′
35. Holzprincipal 08′
36. Flute harmonique 00 08′
37. Spitzgamba 08′
38. Vox coelestis 08′
39. Gemshorn 0513
40. Fugara 04′
41. Traversflöte 04′
42. Dulzflöte 04′
43. Terz 0315
44. Rohrpfeife 02′
45. Sesquialter II 0223
46. Septnon II 0179
47. Fourniture VI 0223
48. Englischhorn 16′
49. Trompette (1997) 08′
50. Oboe 08′
51. Klarine 04′
Tremulant
Pedal C–g1
52. Principal 16′
53. Subbass 16′
54. Zartbass[A 2] 16′
55. Quinte 1023
56. Octave 08′
57. Cello 08′
58. Spitzgedackt 08′
59. Terz 0625
60. Superoctave 04′
61. Gemshorn 04′
62. Trichterflöte 04′
63. Hintersatz IV 00 02′
64. Mixtur III 01′
65. Fagott 32′
66. Posaune 16′
67. Holztrompete 08′
68. Schalmey 04′
Tremulant
  • Koppeln: III/I, I/II, III/II, I/P, II/P, III/P, III Super/P
  • Schleifladen, mechanische Spieltraktur, elektrische Registertraktur, elektrische Koppeln
  • Anmerkung
  1. Tiefer schwebend.
  2. Abschwächung von Nr. 53.

Weiterhin stand in der Unterkirche eine Orgel mit sieben Registern auf einem Manualwerk (C–g3: Salicional 8′; folgende Register alle in Bass- und Diskantseite geteilt: Gedackt 8′, Rohrflöte 4′, Principal 4′, Principal 2′, Sifflet 1′) und Pedal (C–f1: Subbass 16′); das Instrument verfügte über eine Pedalkoppel.

GlockenBearbeiten

Die Kathedrale verfügt über vier Glocken, die in der kleineren Kuppel über der Sakristei aufgehängt sind. Sie wurden 1952 von der Glockengießerei Franz Schilling in Apolda gegossen und haben die Schlagtöne e' (Auferstehungsglocke), g' (Corpus Christi), a' (Soli Deo Gloria) und h' (Hl. Hedwig).[20] Ein Teil der Glockenbronze stammt von einer 3.264 kg schweren bo-Glocke eines fünfstimmigen Geläutes, welches die Glockengießerei Otto aus Hemelingen/Bremen für die Pfarrkirche St. Adalbert in Aachen im Jahre 1896 gegossen hatte. Wie tausende andere Glocken wurden die Glocken von St. Adalbert im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmt.[21][22]

Sanierung und Umbau (seit 2018)Bearbeiten

 
Darstellung von St. Hedwig und der Kathedrale auf einer Briefmarke der Deutschen Bundespost, 1955

Im November 2013 schrieb das Erzbistum Berlin einen Architektenwettbewerb zur Neugestaltung des Innenraumes und des baulichen Umfelds aus, weil die Entwicklungen in Liturgie und Theologie infolge des Zweiten Vatikanischen Konzils entsprechende bauliche Weiterentwicklungen und Anpassungen verlangten.[23] Es wurden 169 Entwürfe eingereicht. Am 30. Juni 2014 entschied sich das Preisgericht für einen Entwurf des Architekturbüros Sichau & Walter Architekten GmbH aus Fulda mit Leo Zogmayer aus Wien als ersten Preisträger.[24] Der Entwurf sieht eine Schließung der Öffnung zur Unterkirche vor, durch die eine „Normalzentralität“ erreicht werden solle, die den liturgischen Anforderungen und der Tradition des Gebäudes gleichermaßen gerecht werde.

Bei der Vollversammlung des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Berlin sprachen sich im Februar 2016 78 Prozent der Delegierten für den Umbau der Kathedrale auf der Basis des Siegerentwurfs aus, der allerdings noch weiter entwickelt werden müsse.[25] Zum November 2016 wurde das Eigentum an der Kathedrale von der Domgemeinde auf das Erzbistum übertragen.[26] Nachdem alle Gremien und Räte des Erzbistums mehrheitlich für eine Umgestaltung votiert hatten[27], gab Erzbischof Heiner Koch am 1. November 2016 in einem Hirtenbrief seine Entscheidung zur Umgestaltung des Innenraums der Kathedrale auf der Grundlage des Entwurfs der Preisträger mit Schließung der Bodenöffnung bekannt.

Die Umbaukosten werden auf 43 Millionen Euro veranschlagt.[28][29] Zur gleichen Zeit soll das benachbarte Bernhard-Lichtenberg-Haus für 17 Millionen Euro[30] renoviert werden und ein „Wissenschaftszentrum“ für einen Dialog über ethische oder interreligiöse Fragen aufnehmen, außerdem werden dort wieder der Dienstsitz des Berliner Erzbischofs sowie ein „niedrigschwelliges Caritasangebot“ untergebracht.[31] Die Bauarbeiten sollen 2018 beginnen. Ein Fünftel der Gesamtkosten wird vom Bund übernommen.[30] Anfang März 2018 gab das Erzbistum bekannt, in der Zeit der Umbaumaßnahmen ab September desselben Jahres werde die Kathedralliturgie in St. Joseph im Wedding als Ersatzort gefeiert.[32] Erzbischof Heiner Koch feierte am 15. August 2018 in der Kathedrale das letzte Pontifikalamt vor dem Umbau. Zum 1. September 2018 fanden keine Gottesdienste mehr in der Kirche statt. Während der Umbauphase der St.-Hedwigs-Kathedrale in Berlin-Mitte (seit dem Jahr 2018) wird die Kathedralliturgie in der St.-Josephs-Kirche als Ersatzort gefeiert.[33] Ende Mai 2020 begann die Sanierung des schadhaften Kuppeldaches, dessen historischer Zustand mit Laterne allerdings nicht wiederhergestellt wird.[34]

Der am 27. Februar 2020 beim Bezirksamt Berlin-Mitte gestellte Bauantrag zur Sanierung und Umgestaltung der Kathedrale wurde am 16. Juli 2020 genehmigt und liegt dem Erzbistum Berlin seit dem 29. Juli 2020 vor.[35] Zuvor hatte das Landgericht Berlin am 14. Juli 2020 mehrere Urheberrechtsklagen von Künstlern oder deren Rechtsnachfolgern gegen das Erzbistum Berlin abgewiesen, die an der Gestaltung beim Wiederaufbau der Kathedrale beteiligt gewesen waren und mit ihren Klagen die Umgestaltung des Innenraums verhindern wollten. Der Richter führte aus, dass das Eigentumsrecht des Erzbistums Vorrang vor dem Urheberrecht der Künstler habe, denn beim Umbau werde die bisherige künstlerische Gestaltung des Innenraums nicht nur verändert, sondern beseitigt, so dass die Künstler keine Urheberrechte mehr geltend machen könnten.[36]

Kritik an der NeugestaltungBearbeiten

Die Pläne für die Neugestaltung[37] führten beim Bekanntwerden zu einer öffentlichen Debatte. Die Denkmalbehörde war im Preisgericht vertreten, erkannte aber in keinem der Entwürfe eine denkmalgerechte Lösung, die dem vorhandenen Doppelkirchencharakter des Schwippertschen Baus mit der Verklammerung der unteren, der Memorialebene, mit dem Kirchenraum Rechnung trage.[38] Die Stiftung Denkmalschutz kritisierte das Vorhaben, obwohl sie selbst im Auswahlkomitee vertreten gewesen war.[39]

Der Architekturkritiker Jürgen Tietz wertete die Neugestaltungspläne als Umbau der St. Hedwigs-Kathedrale zu einer Kathedrale des 21. Jahrhunderts in Berlin-Mitte.[40] Der Bauhistoriker Adrian Buttlar setzte sich mit anderen Persönlichkeiten in einem offenem Brief an Erzbischof Heiner Koch für den Erhalt des Baudenkmals in der Schwippertschen Architektur ein.[41] Die Entscheidung des Erzbistums für einem Kirchenraum, der auch Menschen anspreche, „denen christliche Symbole fremd sind“, wurde in der Öffentlichkeit als „tragisch“ bezeichnet.[42] Der Kunstwissenschaftler Nikolaus Bernau äußerte in dem Artikel Umbau Ost, mit der Neugestaltung des Schwippertschen Kirchenraums würden „die Lebensläufe einer Generation von ostdeutschen Katholiken“ ignoriert.[43] Die Kritiker, die sich unter dem Motto „Kreuz zeigen“ zur Bürgerinitiative Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale zusammengeschlossen haben, riefen aus diesem Anlass zu einer Protest-Demonstration auf dem Bebelplatz auf, an der sich rund 60 Personen beteiligten.[44]

Am 13. September 2019 verhängte das zuständige Bezirksamt wegen „ungenehmigter beziehungsweise denkmalrechtlich nicht abgestimmter Abbrucharbeiten“ im Innenraum der Kathedrale einen Baustopp, nachdem es entsprechende „Hinweise von Dritten“ bekommen hatte; gemeint war eine Anzeige der „Initiative Freunde der Hedwigskathedrale“. Das Bezirksamt nahm am 27. September den Baustopp zurück, da sich nach einer Besichtigung herausstellte, dass die Vorwürfe unberechtigt waren.[45][46] Wenige Wochen später wurde der Hochaltar abgebrochen.[47] Im Zuge der Sanierung der Hedwigs-Kathedrale sollen der Glockenstuhl erneuert und die Glockenanlage erweitert werden.[48]

Geistliche an St. HedwigBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Sankt-Hedwigs-Kathedrale – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Sankt Hedwig Mitte: Geschichte der St. Hedwigs-Kathedrale. Abgerufen am 31. Mai 2020.
  2. Baugeschichte
  3. a b c Plattenhülle der Eterna-LP 8 27 476 „Die Klaisorgel der St. Hedwigs-Kathedrale zu Berlin“ – Edgar Krapp spielt Werke von Bach, Mendelssohn und Liszt (Aufnahme von 1979).
  4. Informationen zu den Orgeln von 1932 auf der Website der Orgelbaufirma.
  5. Kai Kappel: Was von den Aufbrüchen des 20. Jahrhunderts bleibt. Zur Umgestaltung von St. Hedwig in Berlin. (PDF) Kunstexte.de, 2014, abgerufen am 25. April 2018.
  6. Marcus Böttcher, Volkmar Otto (Fotos): Gut verkuppelt. In: Berliner Zeitung, 10. Mai 2017, S. 14.
  7. Bauwelt vom 11. August 2015, S. 4 (PDF)
  8. Georg Mörsch: Eine kaum verhohlene Verunglimpfung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. Februar 2014 (PDF).
  9. Hedwigs-Kathedrale: Innenraum
  10. St. Hedwigs-Kathedrale Berlin. Innenraum. Wandteppiche. (Abgerufen am 20. November 2016)
  11. Die St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin als liturgischer Raum. In: Monumente Online 6/2014
  12. Werkverzeichnis der Handzeichnungen Hegenbarths
  13. Notker Eckmann: Kleine Geschichte des Kreuzwegs. In: Welt des Glaubens in der Kunst. Band VI. Friedrich Pustet, Regensburg 1968, S. 52.
  14. Josef Hegenbarth. In: Harald Olbrich, Gerhard Strauss, Dieter Dolgner et al. (Hrsg.): Lexikon der Kunst. Band 3. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1996, ISBN 3-423-05906-0, S. 173.
  15. Sabine Schulte: Kreis, Kreuz und Kosmos. Hans Schwipperts Innenraum für die Berliner Hedwigskathedrale. Hrsg.: Alfred M. Molter in Verbindung mit dem Landeskonservator von Berlin und der Deutschen Gesellschaft e. V. Berlin 2016, ISBN 978-3-941675-83-4.
  16. [1]
  17. a b Angaben zur Orgel auf der Webseite des Chores von St. Hedwig: http://www.hedwigschor-berlin.de/
  18. Informationen zur Orgel auf der Website der Kathedrale, und zur Orgel auf der Website der Orgelbaufirma.
  19. Fast 5000 Orgelpfeifen: Erzbistum baut Kirchenorgel ab. Die Welt, 3. Juli 2019, abgerufen am 5. Mai 2020.
  20. Informationen zu den Glocken auf der Website der Kathedrale
  21. Gerhard Reinhold: Otto-Glocken. Familien- und Firmengeschichte der Glockengießerdynastie Otto. Selbstverlag, Essen 2019, ISBN 978-3-00-063109-2, S. 588, hier insbesondere S. 42.
  22. Gerhard Reinhold: Kirchenglocken – christliches Weltkulturerbe, dargestellt am Beispiel der Glockengießer Otto, Hemelingen/Bremen. Nijmegen/NL 2019, S. 556, hier insbesondere S. 62, urn:nbn:nl:ui:22-2066/204770 (Dissertation an der Radboud Universiteit Nijmegen).
  23. „Es ist an der Zeit.“ Dompropst Rother zur Sanierung von Sankt Hedwig. In: Katholische Sonntagszeitung Erzbistum Berlin. Unser Erzbistum. 119. Jg., Nr. 44, 2./3. November 2013, S. I.
  24. bauwelt.de: Licht ist die Hoffnung – Neugestaltung des Innenraums der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale
  25. katholisch.de: Berliner Diözesanrat für Umbau der Hedwigskathedrale, 27. Februar 2016.
  26. Erzbistum Berlin, Pressemeldung vom 17. Oktober 2016. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 2. Januar 2017; abgerufen am 2. Januar 2017.
  27. Nikolaus Bernau: St. Hedwigs-Kathedrale: Umbau Ost. In: Die Zeit. 2. März 2018, abgerufen am 25. April 2018.
  28. Domradio: Weiter Widerstand gegen Umbau der Hedwigs-Kathedrale Kritikbrief an deutsche Bischöfe. domradio.de, 21. Februar 2018, abgerufen am 25. April 2018.
  29. Ronald Berg: Bauprojekt der katholischen Kirche: Skandal um Sankt Hedwig. In: Die Tageszeitung. 27. Juli 2018, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 27. Juli 2018]).
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  31. erzbistumberlin.de. Pressemeldung vom 2. November 2016, abgerufen am 9. November 2016; Der Text des Hirtenwortes vom 1. November 2016, abgerufen am 9. November 2016.
  32. erzbistumberlin.de: St. Joseph Wedding wird Ersatzort für die Kathedrale.
  33. erzbistumberlin.de: St. Joseph Wedding wird Ersatzort für die Kathedrale.
  34. Erzbistum Berlin: Sankt Hedwigs-Kathedrale: Sanierung der Kuppeln. Abgerufen am 31. Mai 2020.
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  39. Berlin als Schweizer Stadtgespräch – Neue Züricher Zeitung druckt Artikel über die St.-Hedwigs-Kathedrale. In: Tag des Herrn. 5. März 2015, abgerufen am 27. Juli 2018.
  40. Berlin als Schweizer Stadtgespräch – Neue Züricher Zeitung druckt Artikel über die St.-Hedwigs-Kathedrale. In: Tag des Herrn. 5. März 2015, abgerufen am 27. Juli 2018.
  41. Adrian von Butlar: Offener Brief zum geplanten Umbau der St. Hedwigs-Kathedrale. (PDF) 21. April 2016, abgerufen am 25. April 2018.
  42. Denkmalschützer nennen Bistumspläne „tragisch“ – Umstrittener Umbau der Hedwigs-Kathedrale ist genehmigt. In: rbb 24 Politik. rbb, 16. Februar 2018, abgerufen am 25. April 2018.
  43. Nikolaus Bernau: St. Hedwigs-Kathedrale: Umbau Ost. In: Die Zeit. 2. März 2018, abgerufen am 27. April 2018.
  44. rbb24.de: Hedwigs-Kathedrale Umbau – letzter Bischofsgottesdienst, 16. August 2018.
  45. Baustopp für Berliner Hedwigskathedrale. In: tagesspiegel.de. 18. September 2019, abgerufen am 18. Oktober 2019.
  46. "Baustopp wird zurückgenommen". Vorbereitungen für Umbau der Hedwigs-Kathedrale können weitergehen. In: tagesspiegel.de. 27. September 2019, abgerufen am 18. Oktober 2019.
  47. Der Altar ist schon abgeräumt (Memento vom 5. November 2019 im Internet Archive) (Süddeutsche Zeitung, 4. November 2019)
  48. Informationen

Koordinaten: 52° 30′ 57″ N, 13° 23′ 41″ O