Hauptmenü öffnen

Wikipedia β

Sakramentale Aussetzung in der Monstranz
Das im Ziborium ausgesetzte Allerheiligste in der Exposionsnische auf dem Tabernakel der Filialkirche Unserer Lieben Frau im obschwäbischen Oberrammingen

Die eucharistische Anbetung oder Aussetzung des Allerheiligsten (lateinisch Expositio sanctissimae Eucharistiae oder Expositio sanctissimi Sacramenti) ist eine Gebetsform in der römisch-katholischen Kirche, in deren Mittelpunkt das sogenannte Allerheiligste (lateinisch Sanctissimum) anbetend verehrt wird. Höhepunkt und Abschluss der Aussetzung des Allerheiligsten ist der sakramentale Segen.

Inhaltsverzeichnis

FormenBearbeiten

Konsekrierte Hostien werden üblicherweise im Tabernakel aufbewahrt. Bei der Aussetzung des Allerheiligsten setzt ein Priester, Diakon oder Akolyth eine konsekrierte Hostie in ein besonderes Behältnis ein, sodass das Allerheiligste von den Gläubigen durch Gebete, Hymnen oder in stiller Anbetung verehrt wird. Dabei kann jede konsekrierte Hostie verwendet werden, doch werden meist besonders große oder mit einem geprägten Bild verzierte Zelebrationshostien eingesetzt. Als Behältnis kommt üblicherweise eine Monstranz (von lat. monstrare, „zeigen“) zum Einsatz.

Das Gegenteil der Aussetzung ist die Reposition (von lateinisch reponere ‚zurücklegen‘, Verb reponieren), bei der das Allerheiligste wieder in den Tabernakel zurückgebracht wird. Üblicherweise erfolgt davor ein kurzes Gebet und gegebenenfalls ein eucharistischer Segen.

In der römisch-katholischen Kirche gibt es spezielle Andachtsformen wie das vierzigstündige Gebet, bei dem das Allerheiligste über diesen Zeitraum hinweg ausgesetzt wird und die Gläubigen einander beim Gebet abwechseln. Das Ewige Gebet wird von bestimmten Ordensgemeinschaften und Gebetsgruppen praktiziert; das Allerheiligste ist ständig ausgesetzt und wird abwechselnd von den Mitgliedern verehrt.

Die Ölbergandacht am Gründonnerstag ist eine Form der eucharistischen Andacht, wobei die liturgischen Bücher festlegen, dass diese Anbetung nach Mitternacht „ohne jede Feierlichkeit“ stattfinden soll. Sie schließt auch nicht mit dem sakramentalen Segen ab.

Während der Vigil anlässlich des XX. Weltjugendtages in Köln fand unter Anwesenheit von Papst Benedikt XVI. die eucharistische Anbetung mit ca. einer Million Gläubigen statt. Papst Johannes Paul II. hatte das Jahr 2005 zum Jahr der Eucharistie ausgerufen.

ArchitekturBearbeiten

Barocke Altäre besaßen in der Regel auf dem Tabernakel eine Expositionsnische, in der das Altarkreuz stand und die bei der Aussetzung des Allerheiligsten die Monstranz oder das Ziborium aufnahm. Häufig war die Expositionsnische von zwei Engeln flankiert. Auch in manchen Flurkreuzen finden sich Expositionsnischen als muschelförmige Aushöhlungen im Stein, in die bei eucharistischen Flurprozessionen das Allerheiligste gestellt wurde, wenn dort der sakramentale Segen gespendet wurde.

In manchen Kirchen gibt es eigene Sakramentskapellen, in denen das Allerheiligste über den größten Teil des Tages hinweg oder auch beständig ausgesetzt ist.

Theologischer HintergrundBearbeiten

Die Aussetzung steht in einem engen Zusammenhang mit der heiligen Messe und der Lehre von der Realpräsenz; die Aussetzung stellt eine Verlängerung der Elevation, der Erhebung des Leibes Christi bei der Wandlung in der Messfeier, dar. Die Elevation hat ihren Ursprung in der vom Schauverlangen bestimmten hochmittelalterlichen Eucharistiefrömmigkeit, das durch die Aussetzung gewissermaßen noch gesteigert wurde.

Die Barockfrömmigkeit brachte eine Vermehrung der Anlässe für die oft festlich gestaltete eucharistische Aussetzung. Das Zweite Vatikanische Konzil betonte demgegenüber wieder die Messfeier als Quelle und Gipfel der Eucharistiefrömmigkeit.[1] In dem Dokument De sacra communione et cultu mysterii eucharistici extra missam hebt die Ritenkongregation hervor, es gelte bei solchen Aussetzungen die Verehrung des heiligen Sakramentes in ihrer Beziehung zur Messe deutlich zu machen. „In der äußeren Form der Aussetzung vermeide man deshalb sorgfältig alles, was irgendwie die Tatsache verdunkeln könnte, dass es der vornehmliche Wunsch Christi bei der Einsetzung der heiligen Eucharistie war, sie uns als Speise, Heilmittel und Stärkung anzubieten.“ Während der Aussetzung des Allerheiligsten darf daher im selben Raum der Kirche oder Kapelle keine heilige Messe gefeiert werden.[2][3]

Ebenso ist es verboten, das Allerheiligste nur zum Zweck des Segnens auszusetzen. Der eucharistische Segen ist vielmehr der Abschluss einer solchen Zeit der Anbetung, der eine angemessene Zeit der Lesung, des Gesangs und des stillen Gebets vorangehen soll.[4]

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Andreas Heinz, Art. Aussetzung in: Lexikon für Theologie und Kirche III, Erster Band, Freiburg 1993, 1271-1272
  2. Can. 941 CIC § 2; Webseite des Heiligen Stuhls
  3. Kommunionspendung und Eucharistieverehrung außerhalb der Messe, Nr. 83
  4. Kommunionspendung und Eucharistieverehrung außerhalb der Messe, Nr. 89