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Seite aus dem Stundenbuch von Jean Pichore um 1520. Die Illumination mit der Initiale zeigt den Versikel des Invitatoriums.

Die Matutin(e) (lateinisch (hora) matutina von matutinus, „morgendlich“), auch Vigil (von lateinisch vigilare, wachen) oder Nachtoffizium genannt, ist das Nachtgebet im Stundengebet der Liturgie. Gebetet wird die Matutin zwischen Mitternacht und dem frühen Morgen. Ihren Ursprung hat die Matutin in Nachtwachen (Vigiliae) der frühen Christen. Diese versammelten sich, um sich durch Fasten, Gebet und das Hören des Wortes Gottes auf ein Fest vorzubereiten.[1] Von der lateinischen Bezeichnung Matutin leitet sich auch das deutsche Mette für einen nächtlichen oder frühmorgendlichen Gottesdienst ab.

Der Teil des Breviers, der die Matutinen enthält, wird auch Matutinale oder Nocturnale genannt. Die vollständige Matutin wird heute nur noch in den kontemplativen Orden und von manchen Angehörigen des geweihten Lebens gebetet. Der Kartäuserorden feiert als einziger Mönchsorden die nächtliche Vigil als längste aller Horen von 23.30 bis 1.00 Uhr, während sie in anderen Orden in kürzerer Form am Morgen vor den Laudes absolviert wird.[2] Seit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils enthält das Stundenbuch der Kirche die Lesehore, die zu jeder Zeit des Tages gebetet werden und morgens oder nachts zur Matutin bzw. Vigil erweitert werden kann.

Nach dem Eröffnungsversikel „Herr öffne meine Lippen, damit mein Mund Dein Lob verkünde“ wird im täglichen Stundengebet ein im Wechsel mit einer Antiphon[3] responsorisch vorgetragener Psalm[4] als Gebetseinladung (Invitatorium) gesungen, gefolgt von einem Hymnus des jeweiligen Tages. Hieran schließen sich zwei oder drei Abschnitte (Nokturnen) an. Jede Nokturn besteht aus mehreren Psalmen und einer anschließenden längeren Lesung. In der ersten Nokturn wird ein Abschnitt aus der Bibel gelesen, und in der zweiten Nokturn ein anderer geistlicher Text, z. B. aus den Kirchenvätern. An Sonntagen und Hochfesten schließt sich eine dritte Nokturn an, in der anstelle der Psalmen biblische Cantica gesungen werden. Im Anschluss wird das Evangelium des Sonntags oder Hochfestes vorgetragen und das Te Deum gesungen. Den Abschluss der Matutin bildet das Tagesgebet. Die Matutinen an den Kartagen werden als Karmetten oder Tenebrae bezeichnet.

Neben der Vigil des Stundengebets gibt es in der römisch-katholischen Kirche auch Vigilien vor bedeutenden Anlässen. Zur Tradition ist die Nachtwache unter freiem Himmel zum Abschluss der Weltjugendtage geworden, bei der Jugendliche Nachtwache halten, um sich auf den Höhepunkt des Weltjugendtages, die Abschlussmesse, vorzubereiten.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Einführung ins Stundengebet, Nr. 71
  2. Liborius Olaf Lumma: Crashkurs Liturgie. Eine kurze Einführung in den katholischen Gottesdienst. Verlag Friedrich Pustet, 2. Auflage, Regensburg 2012, ISBN 978-3-7917-2252-8, S. 107.
  3. Einführung ins Stundengebet, Nr. 36
  4. Einführung ins Stundengebet, Nr. 35

WeblinksBearbeiten

  Commons: Matins – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Antiphonarium nocturnum ad usum Sacri Ordinis Cartusiensis (1999); drei Faszikel: vor Ostern; nach Ostern; Sanctorale (digital (1), digital (2), digital (3)).
  • Psalterium nocturnum Sacris Ordinis Cartusiensis (2010) digital.