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Katholische Hofkirche

Kirchengebäude in Dresden
Die Dresdner Hofkirche
Hofkirche, Luftbild

Die Katholische Hofkirche in Dresden, geweiht der heiligsten Dreifaltigkeit (Sanctissimae Trinitatis), ist Kathedrale des Bistums Dresden-Meißen sowie eine Stadtpfarrkirche Dresdens. Sie wurde unter Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen durch Gaetano Chiaveri von 1739 bis 1755 im Stil des Barocks errichtet. Im Jahr 1964 bereits zur Konkathedrale erhoben, wurde sie 1980 durch die Verlegung des Bischofssitzes von Bautzen nach Dresden zur Kathedrale des Bistums Dresden-Meißen.

Als ehemalige Hofkirche ist sie durch einen Übergang über die Chiaverigasse mit dem Residenzschloss verbunden. Sie steht am Altstädter Elbufer zwischen Schloss- und Theaterplatz. Ihre Planung begann ein Jahrzehnt nach dem Baubeginn der evangelischen Frauenkirche, die 300 Meter entfernt den Neumarkt prägt.

GeschichteBearbeiten

August der Starke war 1697 zwecks Erwerbs der polnischen Königskrone zum Katholizismus konvertiert. Dies hatte im evangelischen Sachsen für Beunruhigung gesorgt, die sich verstärkte, als 1712 auch sein Sohn, Kurprinz Friedrich August, konvertierte. Dessen Hochzeit mit der Kaisertochter Maria Josepha nährte die Hoffnung Augusts des Starken, eines Tages auch die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches für sein Haus zu gewinnen. Er beeilte sich aber, Garantien der Glaubensfreiheit für die Bevölkerung zu verkünden. Dennoch wagte er nicht, mit einem demonstrativen Kirchenbau Unmut zu erregen; er feierte die Heilige Messe diskret in der Schlosskapelle oder ab 1708 in dem zur Kirche umgebauten Opernhaus am Taschenberg. Großzügig förderte er den Bau der evangelischen Frauenkirche, welche die Dresdner Bürgerschaft ab 1726 als ein die gesamte Stadt überragendes monumentales Glaubenszeugnis errichtete und die sehr im Sinne des Königs die Stadtsilhouette bereicherte. Erst sein Sohn, Friedrich August II., der ihm 1733 als sächsischer Kurfürst und durch Wahl 1734 auch als polnischer König August III. nachfolgte, ließ nun als Gegenzeichen die Katholische Hofkirche planen und erbauen, anfangs noch unter strikter Geheimhaltung, zunächst sprach man nur von einem „gewissen Bau“. Der Römer Gaetano Chiaveri, der auch in Warschau für den König arbeitete, wurde 1736 mit der Planung beauftragt, von 1739 bis 1755 wurde der Bau ausgeführt.

Infolge des Planes, die Katholische Hofkirche zwischen Elbbrücke und Schloss zu erbauen, mussten die Mondbastei, die Münze und das Komödienhaus abgebrochen und die Ufermauer vorgeschoben werden. Bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts waren die Bögen der mittelalterlichen Dresdner Elbbrücke bis zum 6. Pfeiler meistenteils zugeschüttet worden, um Platz für den Bau des Georgentores sowie zwei Jahrzehnte später der Dresdner Befestigungsanlagen zu erhalten. Für den Bau der Katholischen Hofkirche erfolgte 1737 die weitere Verfüllung und Aufschüttung bis zum 8. Brückenpfeiler.[1] Im Frühjahr 1740 war der Grundbau, den Chiaveri mit besonderer Sorgfalt durchführen ließ, beendet.[2] Ähnlich wie bei der Dreikönigskirche wich auch hier infolge der städtebaulichen Disposition die Hauptachse von der tradierten West-Ost-Orientierung ab, sodass der Chor sich im Südwesten befindet.

 
Bernardo Bellotto, genannt Canaletto: Die Elbe bei Dresden, Blick auf die Stadtsilhouette vom Neustädter Ufer (1748), rechts die Hofkirche mit dem noch eingerüsteten Turm
 
Ansicht um 1840
 
Ansicht um 1850

Die Katholische Hofkirche zählt zu den Hauptwerken des Dresdner Barock, obgleich sie der einzige königliche Großbau ist, der von einem Ausländer entworfen wurde und nicht von den Architekten des Dresdner Oberbauamts, die freilich beratend an der Bauausführung mitwirkten. Als stilistische Vorbilder für Chiaveris Bauwerk werden die Kirchen von Francesco Borromini und die Schlosskapelle Versailles genannt.[3] Den wesentlichen Maßstab aber setzte der benachbarte Zwinger, das Theatrum Heroicum Augusts des Starken, dem sein Sohn nun ein Theatrum Sacrum an die Seite stellte. Chiaveris Werk hält dem Vergleich mit Pöppelmanns Hauptwerk durchaus stand.

Chiaveri verließ Dresden 1748, ohne dass der Bau beendet war; über die Ursachen gibt es manche Vermutungen, sie schließen Verärgerung über den zögernden Bauverlauf wie auch Differenzen mit einheimischen Architekten nicht aus. Nach seinem Weggang gab es noch Veränderungen gegenüber seinem Entwurf, insbesondere an der Orgelempore und den Logen der Königsfamilie, die der Oberlandbaumeister Knöffel in Rokokoformen gestaltete, welche der italienische Barockbaumeister kaum akzeptiert hätte; auf die von Chiaveri vorgesehene Ausmalung mit einem Deckengemälde wurde verzichtet. Am Turm brachten neben Knöffel auch sein Nachfolger Julius Heinrich Schwarze sowie dessen künftiger Nachfolger Friedrich August Krubsacius ihre Vorstellungen ein. Neben der Kuppel der Frauenkirche prägte er nun die Silhouette der Stadt. „Im damaligen Europa, in dem noch immer konfessionelle Auseinandersetzungen aufflammten, gab es keine andere Hauptstadt, in der zwei der repräsentativsten Kirchen der beiden großen Konfessionen auf engem altstädtischen Raum gemeinsam das Stadtbild bestimmten“ (Joachim Menzhausen).[4]

Der Apostolische Nuntius in Polen, Erzbischof Albert von Archinto, weihte am 29. Juni 1751 die Hofkirche der Heiligsten Dreifaltigkeit (Sanctissimae Trinitatis). Zum Weihegottesdienst wurden dabei die Messe in d-Moll und das Te Deum in D-Dur von Johann Adolph Hasse aufgeführt. Nach Vollendung der Hofkirche wurde 1755 die Hofkapelle im Opernhaus am Taschenberg wieder zum Ballhaus umgebaut. 1765 weilte Chiaveri noch einmal für kurze Zeit in Dresden.

Der Turm der Katholischen Hofkirche wurde von 1867 bis 1868 unter Leitung des Dresdner Stadtbaumeisters Adolph Canzler umfänglich ausgebessert, da der pirnaische Sandstein durch Witterung so schadhaft geworden war, dass kleinere und größere Steinbrocken auf den belebten Schloßplatz fielen.[5] Von 1901 bis 1903 wurde der Turm grundlegend instand gesetzt, da die Außenhülle erneut verwittert war. Teilweise hatten auch die vorigen Restaurierungsversuche, bei denen Zementmörtel und Klammern, Dübel und Anker aus Eisen verwendet wurden, neuen Schaden angerichtet. Die neue Restaurierung wurde durchgehend mit Vierungen aus Postaer Sandstein und mit Klammern und Ankern aus massivem Kupfer ausgeführt.[6]

Die Kirche wurde 1900 über einen unterirdischen Fernwärmekanal an das erste deutsche Fernheiz- und Elektrizitätswerk angeschlossen, das neben der Hofkirche noch weitere Gebäude an Theaterplatz und Brühlscher Terrasse mit Wärme und Elektrizität versorgte.

 
Zerstörtes Dach, 1948

Während der Luftangriffe auf Dresden vom 13. bis 15. Februar 1945 wurde die Kirche mehrfach von Sprengbomben getroffen. Das Dach und die Gewölbe im Innenraum stürzten ein. Die Außenwände wurden beschädigt, teilweise wurden sie vollständig zerstört. Der Wiederaufbau dauerte bis 1965. Die Spuren der Zerstörung sind noch heute an der unterschiedlichen Steinfärbung des Kirchenschiffes erkennbar. Drei der prächtig gestalteten Eckkapellen wurden fast originalgetreu restauriert. Die vierte erhielt eine neue Gestaltung. Der für das ebenfalls nie ausgeführte Deckengemälde von Tiepolo geplante Deckenspiegel wurde erst im Zuge der Sanierungen nach 1990 hinzugefügt.[7]

Am 5. Februar 2011 wurden in feierlicher Prozession die Urnen der im Nationalsozialismus ermordeten Priester Alois Andritzki, Bernhard Wensch und Aloys Scholze vom Alten Katholischen Friedhof in die Kathedrale übertragen. Am 13. Juni 2011 wurde Andritzki in einem Pontifikalamt vor der Kathedrale seliggesprochen. Alois Andritzki ist nicht nur der erste seliggesprochene Sorbe,[8] sondern auch der erste aus Sachsen stammende Selige.[9]

Architektur und AusstattungBearbeiten

Äußere GestaltBearbeiten

 
Seitenansicht der Hofkirche
 
Briefmarke mit Grundriss und Seitenansicht. Das freistehende Mittelschiff ist gut erkennbar.

Die Kirche ist ein spätes Beispiel des europäischen Barocks. Von außen (vor allem von der Seite) ist klar das freistehende hohe Mittelschiff und das es komplett umlaufende niedrigere Seitenschiff zu erkennen. Aus dieser Anordnung ergibt sich eine Besonderheit der Kirche: ein Hauptturm, der zwar mittig sitzt, aber nicht direkt an das Mittelschiff, sondern „nur“ an das Seitenschiff anschließt. Oben am Turm ist eine Inschrift in großen goldenen Buchstaben auf Stein zu erkennen. Diese beginnt mit „D.O.M.“, das für Deo Optimo Maximo (dt. „Dem besten und höchsten Gott“, eine Titulatur, die im Römischen Reich den Höchsten Gott Jupiter vorbehalten war) steht.

Maße der Kirche:

  • Bruttogrundfläche: 4800 m² (daran gemessen ist die Hofkirche der größte Kirchenbau Sachsens)
  • Gesamtlänge: 92 m
  • Gesamtbreite: 54 m
  • Turmhöhe: 86 m
  • Mittelschiff (Innenmaße): 52,36 m (Länge) × 17,56 m (Breite) × 32,20 m (Höhe)
  • Seitenschiffe (Innenmaße): 39,20 m (Länge) × 9,52 m (Breite) × 15,95 m (Höhe)

FigurenschmuckBearbeiten

 
Balustradenschmuck der Kathedrale

An der Fassade und auf den Balustraden befinden sich 78 Heiligenstatuen, die der italienische Bildhauer Lorenzo Mattielli und die Dresdner Bildhauer Paul und Jakob Mayer gestaltet hatten. Auf die Gestaltung übte auch der Hofbeichtvater Ignaz Guarini Einfluss aus.

Im Einzelnen sind das, in den Nischen neben dem Haupteingang, die vier Evangelisten: links Johannes und Matthäus sowie rechts Markus und Lukas. Oberhalb des Eingangs stehen die Apostel Petrus und Paulus in den Nischen, umgeben von den vier christlichen Tugenden Fides (Glaube), Spes (Hoffnung), Caritas (Nächstenliebe) und Iustitia (Gerechtigkeit). Oben am Turm stehen die Heiligen: Franz von Sales, Ida, Mauritius, Hubertus, Chrysostomus, Augustus, Norbert und Stanislaus von Krakau.

Auf dem Kirchenschiff stehen auf der unteren Balustrade im Uhrzeigersinn: Andreas, Thomas, Jacobus minor, Simon, Sebastian, Katharina, Joseph, Lucia, Franz von Paola, Johann Nepomuk, Laurentius, Venantius, Bernhard von Clairvaux, Agnes, Maria Magdalena, Florian, Wenzeslaus, Vinzenz von Paul, Anton von Padua, Rosalia, Rochus, Franz von Assisi, Basilius, Stephanus, Casimir, Barbara, Irene, Raymund, Johannes Franz Regis, Franz von Borgia, Franz Xaver, Ignaz von Loyola, Thomas von Aquin, Anna, Apollonia, Johannes der Täufer, Judas Thaddäus, Philippus, Jacobus maior und Bartholomäus.

Die obere Balustrade wird bestanden von: Magnus, Kaiser Heinrich, Aloysius, Dominicus, Theresia von Avila, Stanislaus Kostka, Petrus von Alcantara, Felix von Cantalice, Georg, Leopold, Karl Borromäus, Caecilia, Benno, Magdalena de Pazzi, Clara, Benedict von Nursia, Ludwig dem Heiligen und Prokop.

In den beiden Nischen an der Rückseite der Kirche befinden sich die Kirchenlehrer Augustinus und Ambrosius.

InnenarchitekturBearbeiten

 
Hauptschiff

Das Innere gliedert sich in ein Hauptschiff, zwei Seitenschiffe und vier Eckkapellen. Eine Besonderheit stellt der zweistöckige Prozessionsumgang, der um das Hauptschiff verläuft, dar. Da im protestantischen Sachsen jedwede katholische Religionsausübung im Freien verboten war und es der Stadt gelang, auch Prozessionen der Hofgemeinde außerhalb des Gebäudes zu untersagen, wurde er in den Kirchenbau integriert. Die vier Eckkapellen sind die Kreuzkapelle im Westen, die Sakramentskapelle, ausgemalt von Stefano Torelli, im Süden, die Bennokapelle im Osten, in der seit 1998 die Mitra des heiligen Benno von Meißen auf dem dortigen Altar als Reliquie aufbewahrt und verehrt wird, und die Johann Nepomuk Kapelle im Norden. Letztere trägt auch die Bezeichnung Gedächtniskapelle, da in ihr 1973 eine Gedächtnisstätte für die Opfer des 13. Februar 1945 eingerichtet wurde. Für diese schuf Friedrich Press eine moderne Pietà aus Meißner Porzellan.

AusstattungsgegenständeBearbeiten

 
Kanzel

Besonders erwähnenswert ist die geschnitzte Barockkanzel von Balthasar Permoser, die bereits 1712 für die Alte Hofkirche im Opernhaus geschaffen wurde und für die Johann Joseph Hackl, von dem auch die Schnitzereien der Beichtstühle stammen, nach der Translozierung in die Hofkirche 1748 den Schalldeckel schuf. Die Schnitzwerke erhielten einen Anstrich aus weißem Alabasterlack. Das 4,20 Meter hohe Kruzifix sowie die sechs Silberleuchter sind eine Arbeit des Augsburgers Joseph Ignaz Bauer. Die Bilder der Seitenaltäre „Josephs Traum“ und „Sieg der christlichen Religion“ stammen von Anton Raphael Mengs. Permoser schuf zwei Figuren des gegeißelten Christus in der Gruft. Auch seine beiden für die Opernkirche geschaffenen Skulpturen der Kirchenväter Augustinus und Ambrosius, die 1751 in die Petrikirche nach Bautzen kamen, sind heute in der Kathedrale. Eine Marmorstatue Johannes des Täufers vom römischen Bildhauer Francesco Mochi aus den Jahren 1601/1650 befindet sich über dem 1721 von Permoser geschaffenen Taufbecken im östlichen Seitenschiff der Kathedrale.

HochaltarBearbeiten

 
Das Gemälde über dem Hochaltar von Anton Raphael Mengs, 1756.

Den Hochaltar schufen die Gebrüder Aglio aus Marmor und vergoldeten Bronzeornamenten. Darüber befindet sich das Altargemälde, 1752 bis 1761 vom Dresdner Hofmaler Anton Raphael Mengs geschaffen, das die Himmelfahrt Jesu Christi darstellt und mit 10 Metern Höhe und 4,50 Metern Breite beachtliche Ausmaße besitzt. Das 1752 in Rom begonnene Gemälde ist erst 1765 nach Dresden gekommen. Der Hofgaleriebildhauer Joseph Deibel gestaltete den Rahmen des Altargemäldes.

In der Senkrechten gegliedert ist das Bild durch einen starken Kontrast zwischen eher kühlen, dunklen Farben bei den beobachtenden Jünger(inne)n sowie gelben, goldenen und weißen Schattierungen im die Dreifaltigkeit symbolisierenden oberen Teil. Gott Vater, Geist (Taube als hellster Punkt des Gemäldes) und Sohn bilden eine Achse. Während Maria und die Jünger verehrend oder erregt nach oben sehen, ist die Geste Johannes’ spannungsvoll (hier werden traditionell der Apostel und Evangelist – Buch im linken Arm – identifiziert). Der Blick nach oben und das Knien auf dem Boden kreuzen sich mit der ausgestreckten und nach unten zeigenden Hand, als wollte Mengs daran erinnern, bei aller Verherrlichung Christi den Bezug zur Erde, auf den Menschen Jesus, nicht zu vergessen. Ein auf der Spitze stehendes Dreieck in der oberen Bildhälfte korrespondiert mit einem durch die Jünger und Jesus gebildeten Dreieck, dessen Basis durch den Arm Johannes' markiert wird.

MärtyreraltarBearbeiten

Im linken Seitenschiff befindet sich der Märtyreraltar mit den Urnen der drei Märtyrer, denen das Episkopalamt am 13. Juni 2011 galt.

OrgelnBearbeiten

Silbermann-OrgelBearbeiten

 
Silbermann-Orgel
 
Kirchenschiff zur Silbermann-Orgel

In der Hofkirche befindet sich eine von Gottfried Silbermann konzipierte Orgel, die von seinen Schülern gebaut wurde. Sie ist das späteste und zugleich einzige erhaltene der ehemals vier Werke des Meisters in Dresden. Zwei Wochen nach Abschluss des Bauvertrags im Juli 1750 übertrug der schwerkranke Silbermann die Bauleitung seinem Schüler und Mitarbeiter Zacharias Hildebrandt. Dieser stellte mit seinem Sohn Johann Gottfried Hildebrandt nach Silbermanns Tod 1753 das Werk 1754 weitgehend fertig. Die Intonation übernahmen vermutlich Silbermanns Mitarbeiter Adam Gottfried Oehme und Johann Georg Schön, die die Freiberger Werkstatt fortführten. Den figürlich und ornamental reich verzierten Prospekt der Orgel schuf Johann Joseph Hackl. Das Instrument wurde am 2. Februar 1755 geweiht.[10]

Die Orgel umfasst 47 Register auf 3 Manualen und Pedal und hat etwa 3000 Pfeifen. Ursprünglich waren 66 Register vorgesehen. Im Laufe der nächsten zwei Jahrhunderte blieb die Disposition unverändert. Nur die Stimmung und die Windversorgung erfuhren Veränderungen. Das Pfeifenwerk, die Traktur und der Spieltisch wurden 1944 in den Kreuzgang des Klosters St. Marienstern ausgelagert und sind dadurch der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg entgangen. Das Gehäuse samt holzgeschnitztem Prospekt wurden wie auch Teile der Windversorgung (Balganlage) und das Register Unda maris im Krieg zerstört.

Ab 1963 wurde das im 19. und 20. Jahrhundert nur geringfügig veränderte Orgelwerk in Annäherung an das Original restauriert und dabei teilweise technisch neu konzipiert. Am 30. Mai 1971 erklang die Orgel erstmals wieder im Gottesdienst. Gehäuse und Prospekt wurden ab 1980 mit allen Schmuckformen anhand von Fotografien und sonstigen Unterlagen von Walter Thürmer und nach seinem Tod von Thomas Jäger anhand alter Fotos rekonstruiert. Im Sinne einer weiteren Annäherung an den ursprünglichen Zustand restaurierten die Orgelbauwerkstätten Wegscheider und Jehmlich die Orgel in den Jahren 2001/2002 erneut. Sie erhielt eine neue Balganlage nach historischem Vorbild und auch die ursprüngliche Stimmung von 415 Hz. Das Pfeifenwerk wurde konservierend und rekonstruierend überarbeitet. Am 3. November 2002 wurde das Instrument wieder eingeweiht und hat folgende Disposition:[11]

I Brustwerk CD–d3
1. Gedackt 8′
2. Principal 4′
3. Rohrflöt 4′
4. Nassat 3′
5. Octava 2′
6. Sesquialtera[Anm. 1] 45
7. Quinta 112
8. Sufflöt 1′
9. Mixtur III
10. Chalumeau (ab g0) 8′
II Hauptwerk CD–d3
11. Principal 16′
12. Bordun 16′
13. Principal 8′
14. Viol di Gamba 8′
15. Rohrflöt 8′
16. Octava 4′
17. Spitzflöt 4′
18. Quinta 3′
19. Octava 2′
20. Tertia 135
21. Mixtur IV
22. Zimbel III
23. Cornet V (ab c1)
24. Fagott 16′
25. Trompet 8′
III Oberwerk CD–d3
26. Quintadehn 16′
27. Principal 8′
28. Unda maris[Anm. 2] 8′
29. Gedackt 8′
30. Quintadehn 8′
31. Octava 4′
32. Rohrflöt 4′
33. Nassat 3′
34. Octava 2′
35. Tertia 135
36. Flaschflöt 1′
37. Mixtur IV
38. Echo V (ab c1)
39. Vox humana 8′
Pedal CD–d1
40. Untersatz 32′
41. Principalbass 16′
42. Octavbass 8′
43. Octavbass 4′
44. Pedalmixtur VI
45. Posaunenbass 16′
46. Trompetenbass 8′
47. Clarinbass 4′
  • Koppeln: I/II, III/II, II/P
  • Spielhilfen: Tremulant, Sperrventile, Schwebung für OW, Kalkantenzug

Anmerkungen:

  1. Repetierend.
  2. Rekonstruiert.

Aufnahmen von der Silbermann-OrgelBearbeiten

  • Ludwig Güttler 17: Musik für Trompete, Corno da caccia und Orgel, Eterna – LP 7 25 092 (Aufnahme von 1985)
  • Herbert Tachezi: Johann Sebastian Bach (BWV 565, 552, 542, 582), Eterna – LP 7 29 012 (Aufnahme von 1984, auch als MC erschienen), 1986, Teldec-LP 6.43119 (1985), Teldec-CD 8.43119 (1985)
  • Herbert Tachezi: Johann Sebastian Bach (BWV 564, 526, 768, 668), Eterna – LP 7 25 013 (Aufnahme von 1984, auch als MC erschienen), 1986
  • Herbert Tachezi: Toccata & Fugue (BWV 565, 552, 542, 582, 564), Teldec – CDs 0630 18652-2, 1991 und 857389287-2, 2001 (enthalten die Eterna-Aufnahmen mit Tachezi),
  • Johannes Ernst Köhler: Johann Sebastian Bach – Das Orgelwerk auf Silbermann-Orgeln. Vol. 10. 1999.
  • Hansjürgen Scholze: Die Silbermann-Orgel der Hofkirche zu Dresden. 2000.
  • Franz Raml: Johann Sebastian Bach: Orgelwerke. 2005.
  • Jolanda Zwoferink: Bach Orgelwerke I–III – Gottfried Silbermann-Orgel Kathedrale Ss. Trinitatis (Hofkirche) Dresden. 2011, 2013, 2015.
  • Hansjürgen Scholze: Die Silbermann-Orgel Kathedrale Dresden. 2013.

ChororgelBearbeiten

 
Chororgel

Die Chororgel wurde im Jahr 2000 durch Jehmlich fertiggestellt. Das Instrument verfügt über zehn Register auf einem Manual und Pedal.

I Hauptwerk C–
1. Prinzipal 8′
2. Gedackt B/D 8′
3. Octave 4′
4. Rohrflöte 4′
5. Nasat B/D 223
6. Waldflöte 2′
7. Terz 135
8. Mixtur IV 113′ + 1 + 23′ + 12
Pedal C–
9. Subbass 16′
10. Gedacktbass 8′

GlockenBearbeiten

 
Die Glocke Göttliche Vorsehung beim Läuten

Die Hofkirche musste zunächst ohne Geläut auskommen,[12] da im Sachsen des 18. Jahrhunderts folgendes festgelegt war: „Die Lutherische Religion ist hier und im ganzen Land die herrschende; doch haben andere Reformierten und Katholischen Christen ihren freien Gottesdienst und eigene Kapellen, nur ohne Glocken“.[13] August III. hatte 1747 eine Glocke beim Dresdner Glockengießer Johann Gottfried Weinhold in Auftrag gegeben; diese musste jedoch vorerst im Haupt-Zeughaus eingelagert werden. Mit dem Frieden von Posen im Jahre 1806 wurde die Ausübung des römisch-katholischen Gottesdienstes durch eine Gleichstellung der Glaubensfreiheit in Sachsen ermöglicht. In diesem Zusammenhang konnte auch das Geläut vervollständigt und aufgehängt werden. Zu der bestehenden großen Glocke von 1747 stiftete Friedrich August der Gerechte drei Glocken im Jahre 1807. Die kleinste Glocke stürzte im verheerenden Bombenangriff vom 13. Februar 1945 herab. Nach dem Krieg wurden die Glocken in einem provisorischen Glockenstuhl aus den Eisentrümmern der Stadt aufgehängt. Aus Anlass des 250. Weihejahres der Kathedrale wurde das Geläut erweitert um die Heiligen-Geist-Glocke – mit der Inschrift: Künde dem Land Glaube, Hoffnung, Liebe, gegossen anno domini 2001 im 250. Weihejahr der Hofkirche. Alle Glocken wurden in einem gezimmerten Eichenholz-Glockenstuhl aufgehängt.[14] Geläutet werden die Glocken wie folgt: Die Aveglocke läutet morgens, mittags um 12 Uhr und abends zum Engel des Herrn. Als Glocke für die Werktagsmessen fungiert die Heiliggeistglocke. Zu den Sonntagsmessen erklingen die Glocken Heiliggeist, Heiligkreuz und Heiligste Dreifaltigkeit.[15] Alle fünf Glocken werden dagegen nur an den höchsten Festtagen geläutet.

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer, Gussort
 
Durchmesser
(mm, ca.)
Masse
(kg)
Schlagton
(HT-1/16)
Platzierung
Glockenstube
1 Göttliche Vorsehung 1747 Johann Gottfried Weinhold 2.040 4.860 g0 +2 hinten
2 Heiligste Dreifaltigkeit 1807 Heinrich August Weinhold 1.720 2.850 b0 −5 unten rechts
3 Heiligkreuz 1807 Heinrich August Weinhold 1.360 1.122 d1 +2 unten links
4 Heiliggeist 2001 Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer 1.230 1.215 f1 +2 oben rechts
5 Ave Maria (Angelusglocke) 1978 Franz Peter Schilling, Apolda 1.100 581 g1 −6 oben links

Wettiner-Gruft und BischofsgruftBearbeiten

 
Die Stiftergruft, links die Kapsel mit dem Herz Augusts des Starken
 
Blick in die Neue Gruft

Die Katholische Hofkirche wurde mit Grabgewölben erbaut und zu Beginn die Stiftergruft angelegt. Bereits vier Tage nach der Kirchweihe 1751 wurden die Särge von drei verstorbenen Kindern des Kurfürstenpaars in die Gruft der Katholischen Hofkirche überführt. In der Großen Gruft unter dem rechten Seitenschiff, der sogenannten Antonsgruft, fanden ab 1763 Bestattungen statt. Im Jahr 1823 erweiterte der Oberlandbaumeister Christian Friedrich Schuricht die Gruft der Kirche um die Königsgruft, sodass insgesamt drei Grufträume entstanden. Unter dem linken Seitenschiff wurde schließlich um 1900 die vierte, die Neue Gruft angelegt. Diese vier Grufträume der Wettiner Gruft sind untereinander mit Gängen verbunden.

Insgesamt fanden 49 Mitglieder der albertinischen Linie des Hauses Wettin sowie deren Ehepartner und Kinder in der Wettiner-Gruft der Hofkirche ihre letzte Ruhe. Die Könige, die in der Wettiner-Gruft beerdigt wurden, sind August III. (König von Polen), Friedrich August I., Anton von Sachsen, Friedrich August II., Johann von Sachsen, Albert von Sachsen, Georg von Sachsen und Friedrich August III. (allesamt Könige von Sachsen). Das Herz Augusts des Starken befindet sich in einer Kapsel in der sogenannten Stiftergruft.

Von der Neuen Gruft ist als fünfter Gruftraum die bisher jüngste Gruft, die Bischofsgruft, zugänglich, die jedoch nicht zu den Wettiner-Grüften zählt: Da die Katholische Hofkirche 1980 zur Kathedrale erhoben wurde, dient sie seitdem auch als Grablege für die Bischöfe des Bistums Dresden-Meißen. Im Jahr 1988 wurde daher die Bischofsgruft angelegt, in der 1996 Gerhard Schaffran in einem Wandgrab seine letzte Ruhestätte fand. Aktueller Bischof von Dresden-Meißen ist Heinrich Timmerevers.

VeranstaltungenBearbeiten

 
Dompfarrer Norbert Büchner
 
Nachtaufnahme

Regelmäßige GottesdiensteBearbeiten

Sonnabend 18:00 Uhr Vorabendmesse
Sonntag 7:30 Uhr Frühmesse
9:00 Uhr Gemeindemesse
10:30 Uhr Bischofs- oder Kapitelsmesse
16:30 Uhr Hl. Messe (polnisch)
18:00 Uhr Abendmesse
Montag–Freitag 8:30 & 18:00 Uhr Hl. Messe

Dompfarrer ist seit 2014 Norbert Büchner, der zuvor seit 2001 als Pfarrer in Pirna wirkte.

KirchenmusikBearbeiten

Mittwoch und Sonnabend 11:30 Uhr Orgelvorspiel

Die Dresdner Kapellknaben unter dem Domkapellmeister Matthias Liebich gestalten in der Regel (außer in den Ferienzeiten) die Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen um 10:30 Uhr. Zum 1. April 2015 wurde Johannes Trümpler als Domorganist der Kathedrale berufen.

KirchweihfestBearbeiten

Das Kirchweihfest ist am 5. November.

TriviaBearbeiten

Der Turm der Katholischen Hofkirche ist der gedachte Aussichtspunkt des Betrachters für das Panoramabild Dresden im Barock im Panometer Dresden.

Im Roman Grüner Dresdner von Marcus Wächtler ist der Hochaltar im Hauptschiff eines der möglichen Verstecke des verschollenen Diamanten.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Katholische Hofkirche, Dresden – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Norbert Oelsner: Die Dresdner Elbbrücke im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. In: Dresdner Geschichtsverein (Hrsg.): Dresdner Elbbrücken in acht Jahrhunderten (= Dresdner Hefte. Band 94). 2008, ISBN 978-3-910055-90-2, ISSN 0863-2138, S. 6.
  2. Eberhard Hempel, Fritz Löffler: Die Katholische Hofkirche zu Dresden, in: Das christliche Denkmal, Heft 32, 1979, S. 12
  3. Hagen Bächler und Monika Schlechte: Führer zum Barock in Dresden, Dortmund 1991, S. 94
  4. Joachim Menzhausen, Kulturlandschaft Sachsen, Ein Jahrtausend Geschichte und Kunst, Amsterdam/Dresden 1999, S. 164
  5. Adolph Canzler: Die Restaurirung des Thurmes der katholischen Hofkirche zu Dresden. In: Deutsche Bauzeitung, Jg. 6 (1872), S. 229–230 (Digitalisat Teil 1), S. 236–238 (Digitalisat Teil 2)
  6. Köhler (Regierungs-Baumeister): Die Instandsetzungsarbeiten am Turme der katholischen Hofkirche in Dresden. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, Jg. XXIV, Nr. 47 (11. Juni 1904), S. 297–301, urn:nbn:de:kobv:109-opus-37597
  7. Dankwart Guratzsch: Dresdner Hofkirche mit neuem Deckengewölbe. Abgerufen am 20. März 2018.
  8. Markus Nowak: Sachsens Slawen vor der Seligsprechung von Alois Andritzki: „Für die Sorben ein Glücksfall“. In: Domradio. 10. Juni 2011, abgerufen am 3. Juni 2019.
  9. Sorbischer Priester in Dresden seliggesprochen. In: MOZ.de. 13. Juni 2011, abgerufen am 3. Juni 2019.
  10. Frank-Harald Greß: Die Orgel der katholischen Hofkirche in Dresden. In: Franz Josef Stoiber (Hrsg.): Schöne Orgeln. Baugeschichte – Klang – Prospektgestaltung (= 283. Veröffentlichung der Gesellschaft der Orgelfreunde). Figaro, Laaber 2019, ISBN 978-3-946798-17-0, S. 74–81.
  11. Kathedrale Dresden (ehem. Kath. Hofkirche), auf jehmlich-orgelbau.de, abgerufen am 22. Mai 2017.
  12. Rainer Thümmel: Glocken in Sachsen: Klang zwischen Himmel und Erde. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2011, ISBN 978-3-374-02871-9, S. 156.
  13. Johann Christian Hasche: Diplomatische Geschichte Dresdens – von seiner Entstehung bis auf unsere Tage. 2. Teil, 1817, S. 649.
  14. Felix Löwe, Bistum Dresden-Meißen: Dresden (DD) Glocken der Kathedrale Ss. Trinitatis (ehem. Hofkirche). 20. Juni 2019, abgerufen am 25. Juni 2019.
  15. Dresden, Kathedrale (ehem. Hofkirche): b°-d'-f' auf youtube.com, abgerufen am 22. Mai 2017

Koordinaten: 51° 3′ 12,6″ N, 13° 44′ 14,6″ O